Die heutige Kummer umfaßt 10 Seiten.
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Siegeszug b e r K ü n st l e r eine in o r a l i f d) c (Genugtuung für sie sei. Eie hätten das Ausland überzeugt, baß ein Volk, das eine f o h o h e K u n st g c j ch a f f e n, cm b c f j c r c 5 Sri) i di al verbientc, als ihm bis jetzt beschert war. 9hir eine für Freiheit und Recht fäinpfenbc Diation sei dessen fähig. Ein solches Volk könne kein Lklaoenvolk blechen. Deshalb sei ihr Stolz und ihre Freude über den Erfolg doppelt groß.
— Das Residenztheater in Frankfurt a. M., das nach dein Ausscheiden des Direktors Plöckcr-Eckardt als „Orpheum" wieder Spezialtitüten-Thcatcr geworben war, wirb nun doch unter obigem Namen, weiter geführt werden. Der berliner Schauspieler Rudolf I a f f 6 übernimmt die Direktion dieser Buhne und eröffnet ,ie am 1. Mai. Zur Aufführung gelangt „TaS große &tüd" aus bau Zyklus „Ter Todestag der Liebe" von Stanislaw PryöyzeWsri. Ferner sind zwei Werke von Tschirikoff, „Die Juden" und „Die MustbUS", zur Aufführung angenommen.
Berlin, 24. April. Die 11. Ausstellung der Berliner Sezession ist heute mit einer Ansprache des Präsidenten der Ausstellung, Professor Max Liebermann, eröffnet worden.
M n n ch e ii, 24. April. Die Stelle Hermann Bahrs ist nunmehr endgiltig besetzt ivorden und zwar durch zwei Berliner Künstler. Der lönigl. Hvfschauspieler Albert Heine ist zum Regisseur und ersten Eharatterspieler, der Regisseur am Schiller- Lheater, Woldemar Runge zum Regisseur und Tramalurgen ernannt morden. Der Titel Oberregissenr wird vorläufig nicht vergeben.
— Curie und seine Nachfolger. Der Entdecker des Radiums ist tut und hat im Kreise der Naturforscher ersten Ranges eine Lücke zurückgelassen, die zunächst nicht ausgesülli werden wird. Ein Mann von außerordentlichem Können und einer schier beispiellosen Besck>eidenhcit und Uneigennützigkeit ist mit Professor Curie dahingegangen. Tiefer Diann, der mit seiner Frau zusammen unter den schwierigsten Umständen und mit den primitivsten Mitteln eine Entdeckung von umwälzender Tragweite gemacht hat, gab die vielen Tausende des Wbcl-Prcises fast bis aus die letzte Krone für seine weiteren Wissenschaftlichen Untersuchungen aus. Curie hinterläßt seinen Fack/genoffen im Arbeiisfeld der Physik und Chemie eine umiangreick>e, aber schwierige Erbschaft. Seit der Entdeckung der üörperstrahlen wanken die Grundvesten^der Naturanjck>auung. Sckwn aber sind ansehnliche Blöcke zur Sckwffung iinc5 neuen Fundaments herzugetragen worden. Dennoch ist nicht zu verkennen, daß die bladmmforich- ung und ihre (Geschwister sich noch in einem ziemlich vcr- wocrencn Zu,.and befinden und auch noch keine Au^sie. . l-aben, sich bald derbes zu buiicicii. Man braucht nur die physikalischen Zeitschriften zu verfolgen, um sich von dieser Tatsache zu
essen werde haben können, und weil das Bündnis dem- gernaß auf einer festen Gründlage ruhe, die durch die Ereignisse nicht unrgestoften werden könne. Wer da der Dreibund aus den angeführten Gründen für Italien notwendig sei, sei er es au ch für Deutsch- land, weil Deutschland mindestens ebenso wie Italien das Gleichgewicht der l’ulliancen wünschen müsse. Da der Treibund somit dem Gefühl und der Vernunft der Verbündeten nach ihnen gegenseitig nützlich und vorteilhaft sei, so glaube er, Redner, es sei gesat/rlich, daß die Presse darüber diskutiere, als ob der Treibund auseinmidevgehen sollte, und er glaube, daß die Haltung Italiens in irriger Weise kommentiert tverde. Nach seiner Meinung dürste nichts geändert werden in den freund s ch af t 1. Beziehungen zu den Mächten, die direkt am Gleichgewicht am Mittelmeer interessiert seien, und ebensowenig an den getroffenen Abkommen, weil die einen wie die anderen nicht im Gegensätze zum Dreibünde seien. Wer er wünsche, .die Regierung weroe ausdrücklich erklären, daß das Bündnis mit den Zentralmüchten nach QL'ift und Buch? staben der Verträge die ui.diskutierbare und unerschütterliche Grundlage der auswärtigen Politik Italiens bleibe.
Ter Minister des Aeußcrn Gras Guicciardini erklärt, die Konferenz von Algeciras habe ihre Arbeiten zur Zufriedenheit aller beteiligten Mächte beendet. Im deutschen Reichstage habe Fürst Bülow sich in hohem Maße befriedigend darüber ausgesprochen, daß das Ergebnis gleich günstig fei für Teutschland wie für Frankreich. In der französischen Kammer habe Minister Bourgeois sich dahin ausgesprochen, daß die Konferenz dem hohen Ziele, um dessentwillcn sie einberusen wurde, nämlich der Einigung und dem Frieden, gerecht geworden sei. Ich beglückwünsche mich dazu im 9tarnen der Regierung und weiß, daß ich damit die einsttmmige Auffassung und Gesinnung unseres Landes zum Ausdrna bringe. Dee^glück- liche Ausgang der Konferenz von Algeciras, der nützlich und ehrenhaft für die ganze Welt ist, ist ein neuer Beweis für den friedlichen Geist gewesen, der die Tätigkeit der internationalen Diplomatie be/eelt. Italien betrachtet diesen Geist nicht weniger als jede andere Nation als nützlich für das Wohl der Völker, und trägt seinerseits dazu, wie es das auch in Algeciras getan hat, in weitestem und aufrichtigstem Maße bei. Tie Stellung Italiens
auf der Konferenz iu-u bfon 1
überzeuge... Zum Beweis soll im folgenden eine Probe gegeben. iuerben: Neben dem Radium unterscheidet ntun bekanntlich nodj eine Reihe anderer strahlender Elemente. Damit die Sache aber erst recht verwickelt werde, sendet jedes dieser Elemente noch vcr- ici/iebene Arten von Strahlen aus. Der erste strahlende Körper, ben Iran Curie, die treue Mitarbeiterin ihres (Ruten, enlbeckte ivar das Polonium, ein bisher unbekannt gewesener Stoff, der feinen Namen nach der bolncfcltcn Wstammung von Frau Curie erhielt. Dies Element ist bis auf den heutigen Tag höchst rätselhaft geblieben, obgleich gerade die letzte Zeü seine Geheimnisse etwas mehr aufgehellt hat. 5rau Curie selbst hat eine wichtige Arbeit über die Beziehung bis- Polonium zu dem von Professor Marcktvald aus firobicnben Wismutsalzen gewonnenen Radio- teUurium veröffentlicht und darin festgestellt, daß der Zerfall beider Körper in gleicher Weise vor sich geht. Bei beiden vermindert sich die Strahlungssäh.gleit in etwa 140 Tagen auf die Hälfte ihrer Stärke. Danach ist anznnehmen, daß beide Stoffe identisch sind. Professor Giesel, einer der hervorragendsten dcnt- sck^n Vertreter der Radium forschmtg, hat nun aber mittlerweile ein Beta-Vol-onium unterschieden, das eine andere Strahlengattung als das ältere Polonium oder Radiotellurium aussendet, nämlich statt Alphaprahlcn die iogenannten Betaßrahlen. Außerdem verliert es i'ajon in wenig mehr als 6 Tagen die Hälfte seiner üial;(enben Energie. Die Arbeiten der Wiener Forscher Meyer und v. ^weibler inben dazu beigetragen, die Mannig» wlligteit der Radiumsorschung noch bedeutend zu vergrößern inbem fre ein ftrahlendes Wismut erhalten haben, das sie als eine Mcschung von Radium D, Radium E und Radium y auf» schien, jyrau Gurie^ bat gemeint, baß das Polonium möglicher» wefte mit Radium F identisch sein tonnte. Vorläufig hatte mau aljo bereits stchs verschiedene Sorten von Radium zu trennen.
man ein|t weilen kaum irgend eine Gesetzmäßigkeit bei bat prahlenden uörpern feststellen kamt, lehren weitere Vcrössent- lichungen über Actinium, strahlendes Thorium und Emantum. Giefel hat bei dem vo.i ihm gefundenen Emanium beobachtet datz feine prahlende Tätigkeit nicht abnimmt, sondern weniastens im Lauf eines halben Jahres dauernd wächst. Eine ähnliche Eigenschaft ist auch beim Actinium ermittelt worben. — An der Akademie der Wisscnscl-aften zu 'Paris widmete am 24 d M Frankreichs größter lebender Mathematiker, Po in c ar 6 Curie “n€TL ergreifenden 9tachruf, worauf die Sitzung zum Zeichen ba .-trauer aufgehoben wurde Die Regierung bewilligte F-rau Curie für ,ich und ihre Kinder 12 000 Fw. jährlich als Elweir- gäbe. Geruchtweiie verlautet, Fran Prof. Curie werde art ber limöcnität der Sorbonne einen Lehrstuhl für all» 8 e mc t n e ..Hy si k überragen toerben. Frau Curie ist Leiterin, der Aroerten tm Laboratorium der Universität.
hat, und welche der Ministerpräsident in seiner Erklärung vom 8. März üt folgende Worte zuscunmenfaßte: „Zn lichcr Treue zum Dreibünde werden wir die tradt» tioneNen innigen Beziehungen zu England und die aufrichtige Freunofchafl mit Frankreich aufrechterhalten, indem wir die Politik fortsetzen, die darin bestehl, int Konzert der Völker die Stolle der Eintracht uni) des Friedens zu spielen." Es gibt keine neue internation-alc Lage, cs gibt keinen Grund, den dazu raten könnte, diese Richtung zu ändern, die nicht nur unseren nationalen Interessen nützlich ist, sondern auch dem Gleichgewicht und der Ruhe Europas. D^s Hauptziel unserer auswärtigen Politik ist oer Friede, ber die Be- dingungen für die Sicherheit und di" Entwicklung Jlaliensl sichert. Ich begnüge mich zu erinnern, daß es für Italien unumgänglich nötig ist, dag der Status qno aus dem Balkan gewahrt bleioe, und daß dort keine Acnderung zu unserem Nachteil eintritt, besonders nicht in dem Teile, der für das Gleichgewicht am Adria t ischen Meer von Interesse ist. Es ist deshalb unerläßlich, daß unsere Interessen in Afrika in wirkfamer Weise gewahrt werden, besonders hinsichtlich dessen, was sich auf die Lage Italiens im Mittelländischen Meere bezieht. Es ist gewiß, daß diese Interessen, bi-e von so wesentliche>' Bedeutmrg für die Sicherheit und die Zukunft unseres L.-ndes sind, m einer Politik ihre Verteidigung finden, cK Grundlage den Dreibund hat. Diese Politik war r-n Viertel jahrhundert eine sichere Grundtage für die Lage Europas, sie hat nicht verhindert und hat in gewisser Beziehung es beit drei Verbündeten erleichtert, mit anderer! Machten besondere Uebc rein kommen zu treffen, die ein Snstem gegen? feitiger Verpflichtungen geschaffen haben, durch welche ein Streit ausgeschlossen wird und welche der Sache des Friedens eine neue Bürgschaft bieten. Was nun besonders Italien betrifft, so ist der Dreibund für unsere Interessen auf dem Balkan — in der Tat sichert uns der 'Dreibund, was Macedonicn betrifft gegen jede ohne uns vorgenommene Aendcrung, und was Albanien angeht, so bietet uns cüt Sonderabkommen mit Oesterreich-Ungarn, das ein Zusatz zu dem Bündnisvertrag ist — eine Sicherheit gegen Änderungen, die das Gleichgewicht der Wriaf berühren würden. Die Zweifel, die ausgelaucht sind, um! zu unterstellen, daß diese Politik jetzt abgeschwacht sei, finbt unbegründet. Tat < chi/üb . -,erc Beziehungen zu O e st e r r e i ch - U n g a r u sehr h e r z l i ch, wie das gegenseitige Verttanen beiveift, das die Beziehungen zn-ischen den Reg-ierungen m Rom und Wien beseelt. Bezüglich Englands! erinnert der Minister daran, daß Italien, als vor einer! Reihe von Zähren die ersten Verhandlungen zu einenc Bündnis mit den Zentralmüchten eingoleitet wurden, Sorge: trug, die alten, unveränderlichen Bezie^niigen zu England! zu betonen, auf die es nicht würde haben verzichten Lömien. Zm vergMigenen Dezember habe Fürst Bülow lebhaft gegen die Behaupttmgen der Möglichkeit von Reibungen Mischen Teutschland und Großbr-itannien protestiert. Hieraus schöpfe er, Redner, das Vertrauen, daß die ttaditionellen Beziehungen Italiens zu England auch für die Zukunft, wie es in der Vergangenheit gewesen, ein Element des guten Einver» nehmens unter ben Nationen sein werde. Der Minister fährt fort: So hat die Polittk, welche zur Grundlage den Dreibund hat, welche alle unsere Znteressen in beit Balkanstaaten unb int Mittelmeer^ wahrt unb welche die alten intimen Beziehungen aufrecht erhält, nicht die gc-i wünschte Annäherung verhindert und bleibt ein fester Grundpfeiler des europäischen Friedens. Den
meines Feuilleton.
— Tie »Deuts ti)C K u n u Ausstellung Köln 1906" wird ücraiiftaliet vom Verbände ber Kunstsrennbe in ben Ländern am Rhein unb bem Kölner Verein zur Fürberung der Ausstellung. Sie ist errichtet in ben Parkanlagen ber Aktiengesellschaft „Flora". Ter Etat ber Ausstellung beläuft sich auf mehr als 1, Million Mk. TaS Hanptgebäube ist nach den Plänen von Professor Ailling in .Karlsruye errichtet. Die 9(uoficllimg bes Verbanbes ber Kunst- ireunbe in ben Vänbern am 9i()ciu, ber bekanntlich bas Gebiet Rheinlanb, Westfalen, Provinz und Großherzogtuiii Hessen, Vaden, Württemberg und Elsaß-Lothringen umfaßt, ist die erste roße Lluöstellung, welche ber Verband ins Leben gerufen hat. Ter staifer hat genehinnft, baß Professor Trü bn er für bie Anspülung in Köln ein Reiterporträt Sr. Majestät tm Auftrage bes Verbanbes ber Kunstfreunbe in bei, Länbern am Rhern malt. Für die Emp re-Ausstellung hat ber König von Württemberg bie Her- leihung ber hierzu erbetenen Kuiistgegenstänbe', Atöbel unb Bilder, aus seinem Privaibesit; genehmigt. Außer bem Hanptgebäube finb noch zwei befonberc Gebäude errichtet. 2luf ber einen Seite bes alten Flora-Weihers erhebt sich der in bimfelrotcm Mainfanbstcin errichtete „Franenrofenhos" von Professor O l b r i ch in Tarnlstabt. Zn biefeni Gebäube werben eigens zti diesem Zwecke von Kölner Tarnen befteüte Schmuckslucte und sonnige lunstgcrverbliche Geqen- siänbe aiisgestellt. Zugleich wirb ber bereits bei der Garlenbau- ausstcUung in Darmstabt gemachte Versuch tvieberholt, eine archi- t Klonisch in sich abgeschlossene Garten partie durch einheitliche Aepslanzung zur erhöhten Farbenwirkung zu bringen. Stuf der anderen Seite des Weihers erhebt sich ber zwischen mächtigen Bäumen unb alten Traucrweibcn versteckte Bau bes Professors Peter Behrens, weldier ben Namen „Tonhaus" trägt. Zn iciefent Raum, ber etwa 150 Personen Platz bietet, wirb tm Laufe dies Sommers emc Anzahl intimer Konzerte unb Rezttattonsabenbe stattsind^i. Am 5. At a i sinbet in '21 nwcsenhe11 bes Protektors, bes G r o ß h e r z o g s v o n H e s s e n bie E r ö s f n u n g fflatt; bie Ausstellung bauert bis Enbc Oktober.
— D t c Moskauer T h e a t e r g e s c l l s ch a f t, bie in Berlin ganz außergewöhnlich große künstlerische Erfolge errungen h,ai unb am nächsten Tonnersiag unb Samstag in Frankfurt gastieren wirb, ist auck) in W i c n sehr gefeiert loorben. Zahlreiche Mnbslcuic unb Frcunbe bes rufsijchen Ensembles (amen bort nach d?r Vorstellung am bie Bühne. Der in Wien lebende russische SchrutsteUer Swic$bit|dj trat bei offener Szene vor die Schau- luielcr, m bereu Mitte die Direktoren Stanislawski unb Nemiro- irritsch Tantjd)enko sianbcn, und äußerte den berechtigten Stotz ber iin Üliiölaitb lebeiiben Russen über die Leistungen bes Enfembles irr. einer and) polnisch pointicrien Rebe. Er führte aus, daß der
Konferenz sollte eine Streitfrage regeln zwischen einer Macht, die unser Verbündeter ist, und einer Macht, mit der wir schon seil einigen Jahren ein S o n d e r a b k v m m e n, be- Iresfend die das Mittelmeer berührende afrikan. Frage, besaßen. Unsere Tätigkeit in Algeciras konnte deshalb nur eine Aktion der Versöhnung und Vermittlung sein, und der Zweck ivurde völlig erreicht, denn keine Mack)t hat uf/iie Verminderung ihrer materiellen Interessen oder chres moralischen Ansehens die Konferenz verlassen, und ein neues glückliches Blatt des Friedens wurde für Europa und die Zivilisation geschrieben. Italien muß besondere Dankbarkeit gegenüber Visconti Venosta empfinden, der wie ein Berater und Dolmetscher des Gedankens der Regierung mit Erkenntnis der Schwierigkeiken und mit klarem Blick für den zur Erreichung des gewiinschten Zieles einzuschlagenoen Weg einen zweifachen Dienst dem Lande, dessen Vertreter er war, und der Sache der internationalen Einigung erwies, welche Regierungen und all Völker ersehnten. Tic Richtung, welche wir in der internation. Politik verfolgen, ist dieselbe, welche in ihren Grundzügen mehrere Male die Zusttmmung und Billigung des Landes gefunden
Italien und der Dreibund.
Rom, 24. April. Senat. Die Tribünen sind dicht besetzt. In der Diplomatenloge sind zahlreiche Diplomaten erschienen, unter ihnen der österr.-ung. Botschafter Gvaf von Lützow Auch Visconti Venosta wohnt der Sitzung bei.
Senator de Ma rtin o entwickelt die Interpellation, ob der Dreibund nicht nur dem Buchstaben ber Verträge nach, sondern auch nach dem Geiste der internationalen Politik die Grundlage und Richtung der Aktion Italiens im Auslande bleibe. Redner führt aus: Die Polemiken der Presse der hauptsächlichsten Nationen Europas betreffend die Haltung Italiens in der internationalen Politik und die Kwmmentave betreffend die Konferenz von Algeciras hätten ihn veranlaßt, von der Regierung klare und bestimmte Erklärungen zu fordern. Tc 9Rartino stellt zunächst folgende Frage: Hat Italien auf der Konferenz von Mgeeicas eine Haltung eingenommen, die im Widerspruch steht zu der Politik, die ihm vorgezeichnet war durch seine Sonderabkommen mit befreundeten Mächten und durch Vertrage mit verbündeten Machten, besonders mit Deutschland? Redner erinnert daran, daß man, da Oesterreick)^Ungarn sich in vollem Einvernehmen mit Deutschland mit Rußland bezüglich der Balkanhalbinsel habe verständigen können, demgemäß auch gegen Italien ,?inen Vornntrf deswegen erheben könne, das es ein analoges Abkommen mit Frankreich betreffend das Mittelmeer, wo Italien sehr vitale Interessen habe, abschließe. Das l)ätten auch die Sieben bes Fürsten Bülow und des Grafen Goluchowsky anerkannt. Die auf den Wunsch Deutschlands berufene Konferenz von Algeciras habe dem Zwecke dienen sollen, einerseits die direkten offenbaren Schwierigkeiten betreffs 9Rarokio zu beseitigen, andererseits aber auch die indirekten und damit zusammenhängenden Schwierigkeiten betreffend die allgemeine internationale t'age aus der Welt zu schaffen. Ws erster Delegierter .Italiens zu dieser Konferenz sei unter der Zustimmung des ganzen Landes Visconti Venosta gewählt worden, eine Wahl, die Deutschland nur angenehm sein konnte. Ter delegierte Italiens mnstle in Ucberemsttmmung mit den Verträgen und den internationalen Abkommen mit den verbündeten und befreundeten Nationen handeln. Visconti Venosta habe düs mit Rahe, Leigte.. Und Feingefühl getan in einer solchen Weise, daß er die einstimmige Billig- leit der Staats kanzleien Europas einschließlich der Deutsche lands für sich habe. De Martino führt weiter ans, er fei der Ansicht, daß Jtalie.i in Algeciras genau das getan habe, was er tun mußte, uni) erörtert dann die Frage, welches die Grundlage und die gegenwärtige Richf- tung der internationalen Politik Italiens sein müsse. Er jagt, er glaube, für Italien liege fraglos die N otwen» ) ig te i t vor, weiter treu am Dreibünde fest- zuhalten, und zwar aus drei Gründen: 1. weil Italien, wenn es av.v dem Dreibunde ausscheide, den allgemeinen Frieden EiiropaS gefährden würde, der die Folge des Gleichgewichts aller Alliancen sei, 2. weil es für Italien notwendig sei, den Status quo auf dem Balkan au frech t- zuehralten und für die Zukunft die politische Autononiie neu Bcllkanv - Iker hcrbeizusühren, unb weil dieser Status auo durch die Auflösung des Dreibundes in Frage gestellt werden könnte, 3. weil Deutschland vielleicht die einzige europäisch e M a d) t sei, wit welcher Ita- lienniemalseinenWiderstre.it der direkten Jnter-
«r- 06 EvsteS Blatt 156. Jahrgang Mittwoch 25. April 1906
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