Nv. 200
ertoetntegn^ mit Ausnahme des SormtagS.
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch«, UniversitätSdruckeret. 9L Lange, Dietz«.
Redaktion, Expedition «.Druckerei: Schulstr,U, Tel. Nr. 6L Telegr^Adr. r Anzeiger Gtetze«.
Zweites Blatt 186. Jahrgang Montag ÄAugust 1806
Die ^Giehener §amiNenbI8tter- werden dem Gä EsralS D DA sn
»Anzeiger viermal wöchentlich beigelegl. Der WF ■ 81, ttL, ZN WL, « R JL B (Ä öl $1, riL
^esfisch« Landwirt" erscheint monatlich einmal. v v W V Ä 'v
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Gießen, den 22. August 1906. Betr.: Die Wahlen zur Landwirtschaftskammer.
Das Großherxogliche Kreisaml Gießea
an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.
Wir beauftragen Sie hiermit, gemäß § 3 der Wahlordnung die Wählerlisten Ihrer Gemeinden nebst zugeteilten Gemarkungen auf der Bürgermeisterei
vom 29. August bis 5. September l. Js. einschl.
zu Jedermanns Einsicht offenzulegen.
Innerhalb der Ofsenlegungsfrist können Einwendungen gegen die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Wählerliste schriftlich oder mündlich zu Protokoll der Bürgermeisterei erhoben werden.
Der Tag des Beginns und die Dauer der Offenlegung der Wählerliste sind vor dem Anfang der Offenlegung unter Hinweis auf die Einspruchsfrist durch die Bürgermeistereien in ortsüblicher Weise bekannt zu machen. (Siehe Formular Anl. 3.)
Die Offenlegungsbckanntnmchung ist von Ihnen alsbald nach Empfang der gegenwärtigen Verfügung zu veröffentlichen und die Bescheinigung hierüber gemäß Anl. 3 der Wahlordnung (Anlage B zum Wahlprotokoll) sodann auszufertigen.
Die Bürgermeistereien derjenigen Gemeinden, welche in mehrere Vertrauensmännerkreise verfallen, haben die Offenlegungsbekanntmachung und Bescheinigung für jeden Ver- traueusmännerkreis besonders auszufertigen.
Usber die während der OffenlegungSfcist vorgebrachten Einwendungen hat die Bürgermeisterei alsbald zu entscheiden, wenn nötig nach Anhörung deS Steuerkommissariats. Die Entscheidung ist schriftlich zu erteilen und gegen Bescheinigung zuzustellen.
Gegen die Entscheidung der Bürgermeisterei findet die Beschwerde an den KreisauSschuß gemäß Art. 48. II. 6. der Kreis- und Provinzialordnung statt. Die Beschwerde muß binnen einer unerstrecklichen Frist von drei Tagen, vom Tage nach der Bekanntmachung der Entscheidung an gerechnet, bei Vermeidung des Verlustes bei der Bürgermeisterei unter Beibringung der Beweismittel, angezeigt werden. Darauf ist die Wählerliste mit den zugehörigen Verhandlungen, unverzüglich, jedoch nicht vor Ablauf der Offenlegungsfrist, an das KreiSamt zur Herbeiführung der Entscheidung deS KreiS- ausschuffes einzusenden.
Eine Anfechtung der Entscheidung deS Kreisausschusses hat keine aufschiebende Wirkung für die zunächst bevorstehende Wahl (Art. 67 Abs. 1 letzter Satz der Kreis- und Provinzialordnung).
Nach den ergehenden Entscheidungen ist die Wählerliste von der Bürgermeisterei richtigzustellen. Die Gründe für Streichungen und Nachtragungen sind am Rande der Liste (in Spalte 10) kurz zu bemerken.
Hiernach ist die Wählerliste unter dem letzten Eintrag von der Bürgermeisterei für festgestellt zu erklären.
Die festgestellte Wählerliste bleibt zunächst nebst den etwaigen zugehörigen Verhandlungen in Ihrem Besitze. Eine Vorlage an uns hat daher nur bei Anbringung einer Be- '»chwerde an den Kreisausschuß gemäß vorstehender Bestimmungen zu erfolgen.
I. V.: Dr. Merck.
Politische Wochenschau.
Die Kärrner, die immer zu tun haben, wenn die Könige Kauen, konnten sich über den Besuch des Königs Eduard bei Kaiser Wilhelm bisher noch immer nicht beruhigen. Im Laufe der vergangenen Woche ist eine Reihe absonderlicher Kombinationen aufgetaucht. Bald hieß es, der ersten Zusammenkunft sollte eine zweite folgen, bald wurde behauptet, Fürst Bülow würde im Anschluß an die Entrevue eine Begegnung mit dem englischen Minister des Auswärtigen haben, und was dergleichen Dinge mehr sind. Ob diese Gerüchte irgend welchen positiven Hintergrund hatten, ist natürlich ganz unbekannt, aber wir glauben nicht, daß ernstlich jemand an sie geglaubt hot. Man ist von der politischen Wichtigkeit des Zusammenkommens der beiden Herrscher überzeugt, aber gar zu viel aus der Geschichte zu machen, liegt fein Anlaß vor. Interessant ist übrigens die Treiberei bezügl. einer Amerikareise unseres Kaisers, eines Unternehmens, das uns! völlig ausgeschlossen scheint. Der Kaiser soll die Aeußerung getan haben, er würde gern einmal über das große Wasser fahren, und flugs kombiniert man aus dieser nicht verbürgten Aeußerung die Meldung, der Kaiser habe die Absicht, dem Präsidenten Roosevelt einen Besuch abzustatten. Unter den Deutsch-Amerikanern drüben soll sich bereits eine Bewegung geltend machen, den Kaiser zu Gast zu bitten — es ist unglaublich, was in diesen Sommertagen alles zusammenphantasiert wird. Wenn Roosevelt übrigens, wie er sagt, Sehnsucht nach unserm Kaiser hat — er hat ja auch nicht weiter herüber, als Kaiser Wilhelm hiruiber.
Die „Kolo ni alskand ale" gehen ihren Gang weiter. 9!och ist Podbielski Minister, noch hat man gegen T i p p c l s- kirch also nichts unternommen, weil ihre Bücher keine Buch
Neberzeugung Fommcn, daß das deutsche Bolt noch immer unmündig ist und die Wohltaten nicht zu verstehen vermag, die man ihm auf dem Papier einmal zugesagt hat.
Man denke an die Affäre mit dem „Konto K." Gewiß wurde Dr. Stübel damals zu Unrecht genannt, aber ist üp diesem Prozeß etwa das Verhalten des preußischen Land- wirtschastsministers klargelegt worden? Nein. Der verantwortliche Leiter der Verhandlung hat diese Frage nichd zugelassen, und die Wahrheit, die sich jetzt enthüllte, blieb verborgen, wäre verborgen geblieben, hätte nicht ein anderer Faktor zur Aufklärung beigetragen.
Die Immunität der Abgeordneten hat man in Zweifel gezogen, indem man den Versuch machte, Abgeordnete zums Abgeben eines Zeugnisses zu zwingen. Diese Immunität! soll die Freiheit des Wortes den Erwählten des deutschen^ Volkes verbürgen — ist das nach den Affären Erzberger, Kopfch, Ledebour und Ablaß noch der Fall? Der Unter-, suchungsrichter hat wiederholt mit der Anwendung des! Zeugniszwangs gedroht, und vielleicht erleben wir es eines! Tages noch, daß man Abgeordnete ins Gefängnis schleppt,! weil sie nicht etwa selber etwas Strafbares begangen haben,! sondern weil sie sich weigern, einen Vertrauensbruch zu be-< gehen. Es ist beschämend, daß solche Dinge passieren, können.
Hundert Jahre sind vergangen, seit Palm unter den Kugeln des franz. Gewaltmenschen verblutete. Viel haben uns diese hundert Jahre gebracht, viel Gutes, viel Schönes! und viel Großes. Aber das, wofür dieser Märtyrer des freien Wortes starb, das freie Wort selbst, haben sie uns nicht gebracht. Werden wir nach aber hundert Jahren dieses freie Wort haben? Es besteht vielfach das Be-^ streben, rückwärts zu marschieren. Wie lange der Marsche dauert, das ist nicht vorauszusagen. Wohin er uns fühäck, auch nicht. Es ist Zeit, sich zu besinnen.
Vor hundert Jahren.
Wir leben im Zeitalter der Erinnerungen und so gedenken wir heute des 26. August 1806, — des Tages, da in Braunau der Nürnberger Buchhändler I. Palm erschossen wurde. Genau hundert Jahre sind es, da Deutschland in seiner tiefsten Erniedrigung vor dem großen Korsen auf den Knien lag und sein Schicksal aus der Hartd dieses bis zum Wahnsinn ehrgeizigen Menschen in Empfang zu nehme» geneigt Men. Damals mußten die glühenden Patrioten schweigen,'und wenn sie sprachen, dann kannte der große Korse für sie nur eins: eine Kugel!
Hundert Jahre sind seit jenen Tagen, die jeden ehrlichen Deutschen mit tiefster Beschämung erfüllen müssen, verflossen. Ter „große Korse" ist längst vergessen, sein '"Geschlecht ist zerfallen, und die Spuren, die er einst der Welt aufgedrückt hat, sind im Winde verweht. Deutschland ist aus der tiefsten Erniedrigung erwacht, hat die Fessel abgeworfen, in die des fremden Eroberers Wille es einst gezwungen, und hat sich int Kampf mit seinen Erben endlich selbst gefunden. Ter 100. Tag der Wiederkehr der Erschießung Palms aber zwingt uns die Frage auf: Wie steht es heute um das freie Wort im deutschen Reiche?
Gewiß, um des freien Wortes willen wird im Deutschen Reiche heute niemand mehr zu Pulver und Blei verurteilt. Wir haben die Immunität unserer Volksvertreter — oder irren wir am Ende.?
Wer englische, wer französische Verhältnisse kennt, wird uns Deutsche für rückständig halten, oder er muß zu der
ungen zur Bestechung auswicsen. Aber um so fleißiger führt mau die Untersuchung gegen die Beamten weiter, durch deren Indiskretionen die Kolonialschmutzereien an den Tag kamen. Man schreckt nicht vor der Verletzung der Abgeorduetcnindemnität zurück. So ist in dem Strafverfahren gegen Götz und Gen. nunmehr auch der Abg. Roer en (Ztr.) als Zeuge vor dem Untersuchungsrichter vernommen worden. Eine Haussuchung hat bei ihm im Gegensatz zu dem gegen seinen Fraktionskollegen Erzberger beliebten Verfallen nicht stattgefunden. Weitere Haussuchungen sind wegen der neueren Enthüllungen über die Kolonialskandale m Aussicht genommen. Es ist zu erwarten, daß die Abgesandten des Staatsanwalts auch dort erscheinen, wo sie bereits früher einmal einen Besuch abgestattet Ijoben. Oberst Ohnesorg vom Oberkommando der Schutztruppe hat kürzlich um seinen Abschied nachgesucht und ein Berliner Blatt weist darauf hin, daß außer Major Fischer auch noch andere Offiziere der Schutztruppc in einem engen freundschaftlichen Verhältnis zu Herrn v. Tippelskirch gestanden haben, das Beziehungen zur Folge hatte, welche 511 nicht wünschenswerten Kreditgewährungen führten. Was aus der ganzen peinlichen Geschichte wird, läßt sich heute noch nicht sagen, zumal ja fast jeden Tag eine andere „Enthüllung" kommt, und eine „Sensation" die andere jagt. Ter Erbprinz v. Hohenlohe ist in Berlin eingetrofseu und wird wohl wacker mitarbeiten an der großen Aufgabe der Reinigung seines Ressorts.
Der deutsche Katholikentag in Essen a. R. hat, wie man das gewohnt ist, einen imposanten Verlaus genommen: auch die Gegner müssen anerkennen, daß die Katholikentage zum mindesten großartig inszeniert find. Das Einlaufen eines persönlichen Antworltelegramms des Kaisers trug dazu bei, die Triumphstimmung zu steigern. P. Gras Galen, der Reichs- und Landtagsabg. de Witt und der Jesuit Prof. Seiler traten für ein Zusammengehen der katholischen mit der protestantischen Orthodoxie ein, um den Unglauben zu bekämpfen. „Hier Glaube, hier Unglaube", wurde als Parole für die Zukunft auggegeben. Das souveräne Papsttum soll das einzige Heil gegen alle Schäden der Zeit sein. Wo bliebe die Berechtigung des Protestantismus, wenn man ein derartiges Dogma anerkennte?
In Oesterreich-Ungarn herrscht Ruhe und man hat Zeit, der Entwicklung der Dinge auf dem Balkan zuzusehen, die recht interessant zu werden verspricht. Der Zwist zwischen Bulgarien und Griechenland wird von Tag zu Tag größer und nun hat sich auch 110(6 die hohe Pforte in die Angelegenheit gemischt und ihre Hoheitsrechte gegenüber Bulgarien auszunützen versucht. Es ist ihr aber nicht geglückt, denn auf die türkischen Schritte in Sofia wegen der antigriechischen Bewegung antwortete der Ministerpräsident Petrow unter anderem, daß es schwierig wäre, der Erregung des Volkes, das über die Untaten der griechischen Banden erbittert sei, Einhalt zn tun, und das einzige Mittel dagegen in der Ausrottung der griechischen Banden bestände. Die Pforte hat jetzt von neuem dieser halb Schritte in Sofia unternommen, gleichzeitig aber auch das Kriegsmiuiste- rium beauftragt zu veranlassen, daß die Truppen auf das energischste gegen das griechische Bandenunwesen Vorgehen. Viel wird's nicht Helsen. Daß Bulgarien auf den Krieg mit Griechenland hinarbeitet, bar. dieser Krieg von langer Hand borbereitet ist, steht wohl fest. Bulgarien frat sich sehr reichlich mit Munition versorgt, sollen doch östreichische Skodageschutze sowie Kruppsche Geschütze von Bulgarien bestellt werden. Nun kann das Pulverfaß auffliegen, und die ganze Balkanfrage wird wohl in absehbarer Zeit ausgerollt werden. Erfreulich und günstig für die Erhaltung des Weltfriedens ist das nicht!
Spanien litt an einem großen Bergarbeiterstreik, dessen Zentrum die Stadt Bilbao bildete. Es sind dort erhebliche Unruhen mit Schießereien vorgekommen. Am 25. Slug, aber ist die Arbeit in den meisten Werkstätten und Fabriken wieder aufgenommen worden. Der Ausstand der Bergarbeiter dauert indes unverändert fort.
Leider ist ein ähnlicher höchst beklagenswerter Vorgang auch aus Nürnberg zu registrieren.
Landeskonferenz der Sozialdemokraten «Hessens.^
(Original-Bericht des Gießener Anzeigers.)
-0- Mühlheim a. M, 26. Aug.
Die diesjährige Heerschau der hessischen Sozialdemo-* fraten wurde in dem Maindorfe Mühlheim ab gehalten. Star Samstag abend wurden die Verhandlungen durch den Orts«^ führer Klug eröffnet. Klug erklärte, die Mühlheimer würden, wie die Entscheidung in Darmstadt über die Bei,-« geordnetenwahl auch ausfallen möge, der Regier'^ un g ihren „Zahn" immer weiter zeigen. Die Wahl Zahns zum Beigeordneten in M. ist bekanntlich vorn Kreisamt Offenbach', beanstandet worden.
Aus dem Jahresbericht des: Landes-Kotnij^ tees ist u. a. zu entnehmen, daß das in Alzey beschlossene! Flugblatt zum 1. Mai nicht herausLam, da auch nicht! in einem Falle Nachfrage danach erfolgte. Den Bericht des Parteis ekretariats konstatiert eine Steigerung der Mitgliederzahl um 23,6 Proz. Die Gesamtorganisation umfaßt 171 Ortsvereine mit 13 772 Mitglied dern, das sind 20 Proz. der bei der Hauptwahl 1903 abgegebenen sozialdemokratischen Stimmen. Im Berichts-, fahre wurden 43 neue Organisationen gegründet. Geplant ist die Errichtmrg einer Agitatoren schule; zu diesem Behufe will Wg. David demnächst in Mainz, Offenbachs und Gießen R e fe r en t e n kur s e veranstalten. David meint, daß der Wahlkampf in 1908 für die Gegner? der Sozia ldemokratie geradezu verzweifelt sein werde. Schließlich erklärt Dr. David, daß er bei den Belastuna mit zwei Abgeordnetenmandaten ferner nicht in der Lage sei, das Landesfekretftriat weitere zu führ en.
Der vom Abg.Orb vorgelegte Rechnungsabschluß zeigt in Einnahme und Ausgabe 23698 Mk. und einen Ber- mögensbestand von 7473 Mk. Für die vorjährigen Land«, tagswahlen wurden 3087 Mk. ausgegeben; nach Berlin sandte Hessen 2500 Mk. Orb erklärt, das Landeskomitee werdest nicht vor Zuschüssen zurückschrecken, wenn Wahlkreis^ sekretariate gegründet werden sollten.
In der mehr als zweistündigen Diskussion fehlte eI nicht an mit Schärfen gespickten Angriffen auf die Parteileitung. Sie betreffen Parteitagsprotokolle, Maiflugblatt, ferner den der Frankfurter Volksstimme ge-> machten Vorwurf der „Großmannssucht und hauptsächlich Vorgänge von der Darmstädter Reichst aas- e r s a tz w a h l. David wies die über die Darmstadter Wahll gemachten .Borwürfe als ungeheuerlich und einfältig in schärfster Form zurück. In der Reichstagsfraktion hatte man allgemein gewünscht, daß eine Mandatsniederlegung Cramers vermieden werden Eönne,, wiewohl man Cramers Verhalten bedauerte. Angesichts der durch verschiedene Niederlagen bei Nachwahlen geschaffenen peinlichen Situation glaubte man dem Wahlkreise die stärksten Chancen mit einer Kandidatur Ulrich geben zu können. Dieser Meinung war auch Bebel und er (David) habe in diesem Sinne einen Bries an Berthold geschrieben, der inzwischen seitens der Vertrauensmänner des Kreises vorgeschlagen war, zu Gunsten von Ulrich abzulehnen. Das war das gute Recht der Parteileitung, nicht aber demo-
Dorf-Poesie und -Polemik.
Das sogen. „Mückefest" macht in der Grünberger Gegend viel von sich reden. Es ist gut besucht gewesen und heiter und fidel verlaufen. Bis zum tagenden Morgen gabs Karussellbetrieb und Tanzmusik. In drei Wochen folgt die obligate Kirmes. Im »Gründ. Anz." wurde nun das Fest in Versen besungen, die der Originalität halber auch hier auszusprechen Platz finden mögen:
Heut war auf Mücke lustig Fest Und galt nicht nur der reifen Jugend, Vielmehr den Kleinen, Ungereiften, — Und auf dem Festplatz luftig Treiben: Schaubuden, Schlagbaum, Karussell, Ja, schließlich sand sich, wer wills glauben, Ein Zirkus auch an Ort und Stell'. Da ward den Kleinen froh zu Mute, Sie schaukeln, tanzen, scherzen, lachen, Und suchen es auf jede Weise Der reifem Jugend nachzumachen. — Vernünftig ist nur der Gedanke,
Den Schülern auch ein Fest zu gönnen Und nicht erst, wenn sie über vierzehn, Für alle Freuden reif zu nennen. Auch pädagogisch ist's verfehlt, Den Kleinen vieles zu verwehren, Jnd erst in einem späten Alter Auf einmal alles zu gewähren.
Das „nach und nach" auch.hier gewahrt, Entwicklung hat auch hier 'nen Sinn, Bei allem, was allmählich wird, Fallt die Gefahr der Neuheit hin. So wünschen wir, daß folche Feste Von allen Seiten Beifall finden, Und neben allen andern Festen Sich dauernd auch ein Plätzchen gründen. — Nur Ni ü ck e soll nicht alles machen ! Sind Merlau, Flensungen so schwach? Denn wie man richtig wohl vernonunen, War sie die Königin im Schach.
So wird die Mücke sich wohl fühlen, Sie war der Rumps an chrem Wese« Und Merlau, Flensungen die Flügel,
Die ohne sie sehr matt gewesen.
Drum hoffen wir, daß nächstes Jahr,
Da örtlich sie zu betben zählt, Die Regung kommt von allen Seiten, Man Mücke nur zum Jestplatz wählt. —
Jemand, dem diese Reimerei nicht gefiel, sandte dem genannten Blatte dann folgenden Vierzeiler:
Herr! laß das Mücken-Dichten I Du hast dabei kein Glück, Und bleib bei Festberichten Von der Pädagogik.
Einer dem sich der Magen zusammenkrampfte.;
— In U l m ist am 25. d. M. der als Schriftsteller weithin bekannte Geheime Hofrat Dr. Max v. Eyth, der Gründer der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, nach kurzer Krankheit im Alter von 70 Jahren g e ft 0 r b e n.
— Ter Kammersänger Eugen Gura ist in (einer Villa in Aufkirchen bei Starnberg gestorben.


