Nr. »51 Zweites Blatt
156. Jahrgang
Donnerstag »5. Oktober 1906
Erscheint tigllch mit Ausnahme des Sonntags,
Die „Siebener KamNienbiStter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich betgelegt. Der Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Gietzener Anzeiger
Rotationsdruck und Verlag der BrÜhl'schen Universitätsdruckerei. R. Lange, Dießen.
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General-Anzeiger, Amts- nnd Anzeigeblatt für den Kreis Sichen.
Eine Wagistralsverfaffuug für Kessen.
Man schreibt unS aus Darmstadt, 24. Oktober:
Bekanntlich enthält unsere derzeit geltende Städtcordnung Vorschriften über die sogen. Magistratsoerfassung. Sie sind bisher in feinem städtischen Gemeinwesen in Anwendung gekommen. Vor etwa 4 Jahren wurde in der Darmstädter Stadtverordnetenversammlung ein Antrag gestellt, von der Magistrqtsverfassung Gebrauch zu inachen. Dieser Antrag kam aber nicht aus dem Ausschuß heraus, iuo er, weil aussichtslos, schon zurückgezogen wurde. Die Regierung hat dann in ihrer Vorlage einer neuen Städteordnung (in der vorigen Landtagssession) die bezüglichen Bestimmungen betr. Magistratsverfassung fallen gelassen. Sie begründete dies damals wie folgt:
»Ihre (der Vorschriften über eine MaqistratSversassuug) Ueber- nahme empfiehlt sich nicht, da die.Bestimmungen insofern lückenhaft sind, als sie lediglich den Magistrat an Stelle des Bürgermeisters setzen, im übrigen aber nicht die mit dem Begriff »Magistratsverfassung" in der Gesetzgebung anderer Staaten verbundenen vollen Konsequenzen ziehen, nämlich Einführung einer dem Zweikammersystem ähnlichen Einrichtung mit dem Magistrat auf der einen und dem Stadtverordnetenkollegium aus der anderen Seite. In absehbarer Zeit dürste auch nad) übereinstimmender Ansicht der Städtebürgermeister die Einsühnmg dieses Systems und damit die Beseitigung des bis jetzt nur fruchtbringend gewesenen solidarischen Zusammenwirkens von Bürgermeister und Stadt- verordneten-Versammlung nicht zu erwarten sein. Sollte sich später einmal das Bedürfnis und der Wunsch in den Städten des Landes auf Einführung der Magistratsversafsung regen, so kann demselben immer noch durch Vorlage eines Gesetzentwurfs Reck)nung getragen werden, der unter Berücksichtigung aller mit der Magistrals- veriasfung auswärts gemachten Erfahrungen auszuarbeilen sein würde."
Von verschiedener Seite wurde dieses Fallenlassen der sogen. Magistratsoerfaffung als ein Mangel des Gesetzentwurfs bedauert. Der alte Landtag konnte sich bekanntlich mit der Verwaltungsgesetzreform nicht mehr befassen. Die Regierung legte darauf dem neuen, jetzigen Landtag u. a. auch deu Gesetzentwurf über die Städteordnung wiederum vor. In der diesem neuen Entwurf beigegebenen Begründung erklärte die Regierung:
»Nach den vorläufigen Ergebnissen der letzten Volkszählung Hal die Bevölkerung in den größeren Städten des Landes einen zum Teil erheblichen Zuwachs aufzuweisen. Die hierdurch hervor- gerufene weitere dienstliche Belastung der Städtebürgermeister läßt die Annahine berechtigt erscheinen, daß zur Bewältigung der zu leistenden Arbeit die eine oder andere Stadtvertretiing fiel) doch in vielleicht nicht ferner Zukunft zur Einführung einer Magistrats- verfassung veranlaßt sehen möchte . .
Die Regierung sagt dann, daß sie barum von dem bisherigen Standpunkte abgehe und eine besondere Vorlage über die fakultative Einführung der sog. MaglstratSverfassung vorbereiten werde. Diese bereits kürzlich erwähnte Vorlage liegt nunmehr im Druck vor. Die Begründung beschränkt sich auf die vorstehend angeführten Argumente.
Was die Frage, ob Magistratsverfassung oder nicht, anlangt, so ist sie nicht lediglich eine solche der Zweckmäßigkeit, wie es nach der Regierungsbegründung erscheinen möchte. Es handelt sich bei Einführung der Magistratsverfassung um Bildung eines Zweikammersystems, in dem naturgemäß der Magistrat ein gewisses Uebergewicht besitzen würde. Die Vorfrage wäre also die, wie die allgemeine St'cidteordnung beschaffen ist. Ob und inwieweit sie die Entscheidung auf den wichtigsten Gebieten der Gemeindeverwaltung dem Stadtverordnetenkollegium überläßt. Ob sie die Beigeordneten lediglich als „Amtsgehilfen" des Bürgermeisters betrachtet und so dem Bürgermeister eine ungeiunde Machtvo Klommenheit bewahrt, wie das in dem Gesetzentwurf der Regierung der Fall ist. Jedoch es besteht gerade in dieser Beziehung bei der derzeitigen Ausschußberatung der zweiten Kammer die Absicht einer durchgreifenden Aeuderung der Regierungsvorlage. Wird dies zur Wirklichkeit, dann dürfte die Frage, ob eine Stadt Magistratsversafsung annehmen will, sobald noch nicht aufgeworfen werden.
Aber auch im einzelnen bedarf die Nachtragsvorlage der Regierung (Magistratsversasfung) einer Revision seitens der Kammer. So lautet ein Artikel (204): „Der Vorsitzende ist verpflichtet, die Ausführung eines MagistratSbefchlusses abzulehnen, der das Gemeinwohl oder das Gemeindeinteresfe erheblich verletzt" usw. Begriffe, wie „verletzt" oder nun gar „erheblich" verletzt, sollte der Gesetzgeber vermeiden. Wie die „Begründung" sagt, hat sich die Regierung die neuesten hessen-nassauischen Kvm- munalgesetze zum Muster genommen. Gesetze, die das preußische Abgeordnetenhaus geschaffen hat, werden von vielen Hessen von vornherein nichts weniger als für muster- gültig angesehen werden.____________________
Mschicdsseier für Kirchenrat Jh'. Mauuianii.
Gießen, 24. Oktober.
Heute abend um 6 Uhr fand in dem festlich geschmückten Konsirmandensaal eine Abschiedsfeier für den am 1. Nov. in den Ruhestand tretenden Herrn Kirchenrat Dr. Naumann stätt, wozu sich die Gemeindevertretung der evangelischen Gesamtgemeinde versammelt halte. Nachdem der Herr Kirchenrat, geleitet von den Herren Pfarrer D. Schlosser, Karl Schwan und Friedrich Helm, erschienen war und in einem gleichfalls schön geschmückten Sessel Platz genommen hatte, hielt Pfarrer D. Schlosser nachfolgende Ansprache:
Hochgeehrter Herr Kirchenrat! Ein ernster und bedeutungsvoller Einlaß hat uns hier zusammengeiührl. Tie Vertretung der evangelischen Gesamtgemeinde Gießen und der Johaimesgem'ciude wollen Abschied von Ihnen nehmen.
Uns bciuefltj zuerst der Gedanke, wa? das für Sie bedeutet. Wir empfiiibcn es tiel nut Ihnen, wie schwer Ihnen der Entschluß, ans Ihrem Amt zu scheiden, werden mußte. Tenn nicht aus ganz freiem Entschluß, weil Sie sich nad) langem mühevollem Tagewerk nach Ruhe sehnten, wollen Sie tum m den Ruhestand treten, sondern tvctl Gott nach seinem nnerforschlichen Ratschluß es Ihnen burd) körperliche Le den also aideilcgt hat. Wir wissen es, ivie sehr Sie an Ihrem Amt nnd an Ihrer Arbeit hängen, mit ivelcher Arbeitssrendigkeit Sie noch bis zuletzt darin gestanden haben, und wir suhlen es mit Ihnen, was es Sie kostet, das aufzugeben. Un
sere herzlichste Teilnahme hat Sie bei dem Ihnen daraus cv- wachsencn inneren Kampf begleitet, und es iit unser herzlicher Wunsch, daß Gott Ihnen, tote bisher, so and) ferner Kraft verleihen möge, die Bitterkeit dieser Schickung in demütiger Ergebung in seinen Willen zu überwinden.
Vor allem aber ist eö uns, den Vertretern der evangelischen Gesamtgemeinde Bedürfnis, Ihnen in dieser Stunde den Tank aus- zusprechen für alles, ivaS Sie unserer Gemeinde seit 26 Jahren als erster Pfarrer geivejen sind. Wir fühlen uns gedrungen, es Ihnen zu bezeugen, daß diese Jahre auSgelüllt tvaren mit rastloser Arbeit zum Wohl unserer Gemeinde und mit der vollsten Hingabe an Ihre Pflicht nach allen Seiten. Das wird und kann unter uns nimmer vergessen werden. Auf Schritt und Tritt begegnen uns die Spuren Ihres erfolgreichen Wirkens. Tavott zeugt diese herr- lid)e Kirche, zeugen die neuen Psarr- und Gemeindehäuser, die gesamte Organisalton unseres (SeineitibclebenS, die reinliche Durchführung der nötig gewordenen Sck)eidnng zwischen kirchlicher und bürgerlicher Gentcinde, die musterhafte Ordnung in der Verwaltung aller äußeren Kirchenangelegenheiten.
Leider hat die Rücksicht auf Ihren Gesundheitszustand uns verboten, zu dieser Abschiedsfeier, tute wir gerne gewollt hätten, die ganze Gemeinde einznladen. Aber wir können Ihnen die Versicherung geben, daß unser Tank der der ganzen Gemeinde ist. Aber die vielen, denen Sie mit dem Worte Gottes gedient haben, auf der Kanzel, in der Schule, im Konfirmandenunterricht, bei den mancherlei Vorfällen des Lebens freudiger und trauriger Art, die Sie getröstet tmd denen Sie geholfen haben, werden mit uns Ihr Scheiden beklagen und Ihr Gedächtnis in treuem dankbarem Herzen bewahren. Diesem Danke möri)ten auch wir, Ihre AmtLbrüder, uns anschließen. Sie sind uns jederzeit ein Muster und leuchtendes Vorbild aufopfernder Hingabe an unseren geistlichen Beruf gewesen. Wir haben viel von Ihnen gelernt und haben unö gerne von Ihnen führen lassen. Nur mit schwerem Herzen und ernster Empfindung unserer Verantwortung treten wir das Erbe der Arbeitsleistung, das Sie uns hinterlassen, an, aber zugleich auch mit dem dankbaren Gefühle, daß Sie uns überall gebahnte Wege, geordnete Verhältnisse hinterlassen, und daß wir nur nötig haben, auf dem von Ihnen gelegten Grunde weiterzubauen
Mit unserem Dank verbinden wir die herzliche Bitte zu Gott, daß er Ihnen in der Ruhe, in die er Sie nun hineinführt, and) wirklich Ruhe schenken möge, ein friedliches Ausruhen von schwerer Lebensarbeit, daß er Ihnen verleihen möge, Ihren Lebensabend im Kreise Ihrer Familie nock) recht lange ohne drückende Beschwerden zu genießen.
Und nun zum letzten Male: Herzlichen, innigen Dank!
Gott geleite Sie I
Darauf ergriff Herr Helm das Wort, um im Namen der Johannesgcmeinde dem scheidenden Seelsorger, der sich durch seine kraftvollen Predigten, seine Treue in Seelsorge und Armenpflege so hohe Verdienste um die Gemeinde erworben habe den innigsten Dank auszusprechen, und ihn zu versichern, daß, wie Kirchenvorstand und Gemeindevertretung, so auch alle Gcmeindeglieder seiner allezeit mit dankbarer Verehrung gedenken werden. Die herzlichsten Wünsche der Gemeinde geleiteten ihn in seinen ivohlverdienten Rtthestand.
Sichtlich tief beivegt dankte Kirchenrat Dr. Naumann für die ihm erwiesene Liebe. Der Entschluß, in den Ruhestand zu treten, sei ihm in der Tat schwer geworden. Er habe sick) immer gewünscht, „in den Sielen" zu sterben. Aber er habe es als Gottes Wille erkannt, und sich dem gefügt. Es werde ihm dadurch erleiehtert, daß er ja mit der Gemeinde verbunden bleibe, und er freue sich, wenn er nun künftig als Gemeindeglied mit den anderen das Wort Gottes und das Sakrament empfangen könne, bis ihm einst einer der Amtsbrüder den letzten Segen ins Grab spenden werde.
Ztim Schluß forderte Pfarrer Schlosser die Anwesenden auf, sich zur Versicherung bleibenden dankbaren Andenkens von ihren Plätzen zu erheben, und bat den Herrn Kirchenrat, den Sessel zur Erinnerung an diese Abschiedsfeier und als Verkörperung aller guten Wünsche für feinen Nuhe- stand anzunehmen.
Ans SiUOt Utto LE0,
Gießen, den 25. Oktober 1906.
** Vortragsabend. Im Festsaale des Cafö Leib spricht am Samstag, den 27. Oktober, abends 81/, Uhr, Herr Georg Wagner aus Dresden-Radebeul über „Die Gesundheitspflege nach naturgemäßer 9(n = schauung". Bedenkt mau, wie neben unserer Kulturentwickelung eine Herabsetzung der Widerstandskraft des Volkes einhergeht, die sich kennzeichnet in der Zunahme der Neurasthenie, dec Tuberkulose, der Herzkrankheiten usw., so darf man die Wahl obigen Themas wohl als ivichtig und zeitgemäß begrüßen. Der Redner ist eine in hygienischen Kreisen geschätzte Persönlichkeit, dem reiche Erfahrungen zur Seite stehen.
** Der frcis. Verein hielt am Dienstag abend im Gaf6 Ebel unter dem Vorsitz des Justizrats M-etz seine Generalversammlung ab. Rach Begrüßung der Anwesenden widmete der Vorsitzende dem verstorbenen Eugen Richter einen tiefempfundenen warmen Nachruf, in dem er besonders hervorhob, daß der um die freisinnige Sache und das deutsche Vaterland hochverdiente Parteiführer auch in Gießen mehrfach gesprochen habe. Sein Andenken würden auch die Gießener Parteigenossen nicht besser ehren können, als durch weiteres tatkräftiges Wirken in seinem Sinne. Zur Bekräftigung dessen bitte er die Anwesenden, sick) von ihren Sitzen zu erheben, welcher Aufforderung die Versammlung tiefbewegt entsprach. Des weiteren mürbe das Andenken des hiesigen verstorbenen Parteigenosse Georg Emil Möhl durch Erheben von den Sitzen geehrt. Der Vereinsschriftführer, Stadtv. Eichenauer, erstattete sodann den Bericht über das verflossene Bereinsjshr. Der Parteitag in Wiesbaden war durch die Herren Justizrat Metz, H. Jughardt und Eichenauer besucht, der Parrertag zu Oberstein durch die Justizrate Dr. Entfleisch und Metz. Der Verein hielt vor einem Jahr eine Versammlung ab, in der Stadtv. Eichenauer über den Parteitag in Wresbadeir referierte. Weiter beteiligte er sich lebhaft an der Tätigkeit des sreis. Landesvereins und stimmte namentlich auch der Bestellung eines besonderen Parteisekretärs zu. Ständiger Vertreter des Vereins im Landesausschuß ist Herr Th. Hanbach, dessen StcllvertreLrr Herr Eich-nauer. Der Rcichstagsabg. Kommerzienrat Heyligenstaedt erstattete in einer gemeinsamen Sitzung der beiden liberalen Vereine
einen Bericht über die bevorstehende Reichsfinanzreform. Sodann machte der Redner noch Mitteilungen ütier eine am! letzten Sonntag abgehaltene S'.tznng des LandeSausschusseI und über die für den 3. und 4. November festgesetzte Landes* Versammlung in Darmstadt. Die Rechnungsablage des Herrn Leib konnte befriedigende Kassenverhältnisse verzeichnen. Hierauf erstattete LandtagSabg. Reh einen aus-, sührlichen Bericht über den Parteitag des Verbandes der freisinnigen Volkspartei für Südtvestoentschland. Aus den Verhandlungen sei'hervorgehoben, daß der nächste Partep-, tag in Ober-Ingelheim stattsinden soll. Eilten Hauptgegenstand der Verhandlungen bildete die Stellungnahme zu der Darmstädter Wahl, wobei das Vorgehen der Darmstädter Freisinnigen bei der Hauptwahl, in der daS Zusammenfassen der entschieden liberalen Elemente trefflich gelang, sowie» ihre Sdichivuhlparole durchaus gebilligt wurde. Der Partei-, tag beschäftigte sich sodann ferner mit der Frage der Einigung der Liberalen, über deren Notwendigkeit bei den Delegierten keinerlei Meinungsverschiedenheit bestand. An eine weitere Einigung der-lib. Parteien in Hessen ist nach Ansicht des Redners solange nicht zu denken, n!. sich die nationalliberale Partei nicht mehr nach linlv 'wickle. Der Redner schloß mit der Artssorderung zu rech, eifriger Arbeit, dann brauche es um die Zukunft des Liberalismus niemanden bange zu sein. (Zustimmung.) Hierauf machte Landesparteisekretär Kuhlmann Mitteilungen Über den beabsichtigten Ausbau der Organisation. Zum Schluß wurde- noch die Vorstandswahl vorgenommen, bie die Wiederwahl' der seitherigen Mitglieder durch Zuruf ergab.
"Die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde gab sich in ihrer Hauptvorsammlung vom 23. Oktober Rechenschaft über ihre vorjährige Tätigkeit. Das vergangene Vereinsjahr ist in gewohnter Weise verlaufen. Es brachte Vorträge über Marokko, Birma, über die Ent- Wickelung des nordamerikanischen Westens, über die Entdeckungsgeschichte Südamerikas, über die Indianer am Amazones, ttnd über Neuseeland, alles Stoffe, die regstes Interesse beanspruchten. Die Gesellschaft hielt sich in ihrer Mitgliederzahl in altgewohnter Höhe. Der Jahresabschluß war recht günstig: er gestattet in diesem Jahre einen lieber- schuß zur Herausgabe eines neuen Bandes der »Geographischen Mitteilungen aus Hessen* zu verwenden. Der Vorstand, an dessen Spitze Professor Sievers als Vorsitzender steht, wurde wieder gewählt, für den verdienstvollen seitherigen Rechner muß Ersatz geschaffen werden. Die Gesellschaft tritt nun in aller Kürze, schon am 30. er. in ihre Wintcrtätigkeit ein. Das Arbeitsprogramm sieht folgende wieder in der Aula der Universität abzuhaltenden Vorträge vor: Prof. Dr. Emil Deckert-Frankfurt a. M. über daS Erdbeben von San Franzisko; Dr. R. Hartmeyer-Berlin über Westaustraliett; Bezirksgeologe Dr. Lotz-Berlin über Süd- westafrika; Hofrat Dr. P. Hagen-Frankfurt über seine Reisen im Malayischen Archipel; Prof. Dr. Kurt Hassert-Köln über die italienischen Kolonien Eritrea; Hofrat Professor Dr. G. Steinmann-Boun über seine Reise in Bolivien Bei genügen-1 der Beteiligung sollen wie in früheren Jahren wieder Fachsitzungen mit DiSkttssion im Geogr. Institut der Universität eingerichtet werden. Die Vorträge der Gesellschaft haben von jeher 51t den bemerkenswertesten populärwissenschaftlichen Unternehmungen unserer Universitätsstadt gehört. Ihr Besuch ist ohne große Kosten verbunden, da der Jahresbeitrag von Mkk 4 den Mitgliedern und ihren Angehörigen alle Vorträge kostenlos bietet. Für Studierende ist ein billiges Sonderabonnement eingerichtet. So steht zu erwarten, daß der Gesellschaft auch dieses Jahr wieder ihr altbewährter Erfolg treu bleibt.
•• Der Verein für jüdische Geschichte unb Literatur hielt am Sonntag im Hotel Central seine General-Versammlung ab. Der Vorsitzende Dr. Sand-er konstatierte in seiner Berichterstattung über das 5. Vereinsjahr, daß der Verein seinem Ziele, durch Vorträge auS dem reichen Schatz der jüdischen Geschichte die Atit- glieder anzttregeu und zu belehren, bisher mit Erfolg nachgestrebt hat und daß auch die angelegte Bibliothek rege benutzt worden ist. Der Vorstand habe beschlossen, im laufenden Winterhalbjahr wieder fünf Vorträge halten zu lassen, von denen die ersten drei bereits festgelegt seien. Der Verein zählt 120 Mitglieder und wird ant Sonntag, 28. Oktober» aus Anlaß deL hundertjährigen Geburtstages des verstorbenen Rabbiners Dr. Levy, der über ein Menschenalter in Gießen gewirkt hat, eine Gedenkfeier veranstalten. LevyS Amtsnachfolger, Rabbiner Dr. Sander, wird hierbei ein Lebensbild von ihm entwerfen. Die Vorstandswahl hatte das Ergebnis, daß die seitherigen Vorstandsmitglieder wiedergewählt wtirdcn.
•• Eugen Richter-Denkmal. Man schreibt un§t Für das dem verstorbenen Abg. Eugen Richter in Berlin zn errichtende Denkmal sind von Gießener Mitgliedern der freisinnigen Partei itnb Verehrern dieses hervorragenden Parlamentariers gegen 700 Mk. beigesteuert worden. Es wirb angenommen, daß es noch ntehr Verehrer dieses schwer zn ersetzenden Führers der Freis. Volkspartei gibt, die auch einen Beitrag stiften und mit dazu beitragen wollen, daS Denkmal in recht würdiger Weise zur Ausführung zu bringen. Dio Vorstandsmitglieder deS Gießener freis. Vereins sind bereit, derartige Beiträge entgegenzunehmen. Erwünscht wäre allerdings, wenn solche alsbald eingeliefert würden; attch die kleinsten iverdett mit Dank angenommen.
** Der milde Herbst verursacht fortwährend neue merkwürdige Erscheinungen in der Pflanzenwelt. So wurden tms gestern mehrere Zweige überbracht, an denen reife Him- be er en in großer Anzahl hingen. Die voll ausgereiften und sehr süßen Früchte sind im Braunkohlenbergwerk Ferme gewachsen. 2luch in einem Garten in Klein-Linden wurden dieser Tage reife Himbeeren gepflückt.
X Schotten. 24. Okt. Unsere älteste Bewohnerin^


