Einladungen waren weiter bedacht Staatsminister Ewald, der preußische Gesandte in Darmstadt und Geheimerat Freih. v. Gagcrn. Im ganzen waren 32 bis 35 Gedecke auf der Tafel aufgelegt.
Der Kaiser zeigte sich auch bei der Tafel in bester Stimmung: er scherzte und lachte und ließ sichs gut schmecken, unterhielt sich aber auch noch eingehend mit dem Großherzog über den äußerst günstigen Verlauf der Truppenbesichtigung. Staatsminister Ewald führte längere Gfe« spräche mit dem neuen preußischen Gesandten in Darmstadt, der den Kaiser auf seiner jüngsten Nordlandr^ise begleitete. Einen Hauptpunkt der Unterhaltung bildete die Frage der Neuregelung des hessischen Vertreterpostens beim Bundesrat, da Exz. Dr. von Neidhardt demnächst wegen hohen Alters von seinem Amte zurücktreten wird.
Nach dem Mable begaben sich der Kaiser, der Großherzog, Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, Prinz Georg von Griechenland und die Gefolge nach dem
Museum.
Hier übernahmen Direktor Lindenschinidt, Professor Schumacher, Professor Dr. Körber und Hauptmann der Reserve Wallau die Führung. Eingehend wurde insbesondere die große, mit reichen Reliefs versehene Jupitersäule besichtigt, die hier vor einigen Jahren ausgegraben worden ist.
Auszeichnungen.
Der Kaiser verlieh u. a. folgende Auszeichnungen: Roten Adlerorden 1. Klasie mit Eichenlaub Generalleutnant v. Voigt, Roten Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub Generalmajor Graf v. Bünau, Kronenorden 2. Klasie mit Stern General- major Mudra, Inspekteur der 2. Pionierinspektion, Kronenorden 2. Klasie Oberst Tülff, Jnf.-Regt. Nr. 166, und Oberst Freih. v. Süßkind, Jnf.-Regt. Nr. 80, Roten Adlerorden 3. Kl. mit Schleife Oberst Loeb, 6. Dragoner-Regiment, Kronenorden 3. Klasse Oberbürgermeister Göttelmann-Mainz.
Abreise.
Der Großherzog kehrte zunächst nach dem Großh. Schlosse zuruck und später mittels Sonderzuges nach Schloß Wolfsgarten.
Um 31/, Uhr fuhr der Kaiser nach Schloß Friedrichs- Hof im Äutomobil. Mit dem Kaiser im ersten Automobile fuhren Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen und Generaladjutant Generalleutnant v. Löwenfeldt.
Der Kaiser im Taunus.
Am Samstag abend fand auf Schloß FriedrichShof eine Tafel zu 18 Gedecken statt, an der außer dem Kaiser und dem Prinzen und der Prinzessin Friedrich Karl von Hesicn unter andern teilnahmen: Die Kronprinzessin von Griechenland und Großfürst Georg von Rußland mit Gemahlin, sowie der Kommandeur deS 18. Armeekorps v. Eichhorn mit Gemahlin.
Am Sonntag vormittag besuchte der Kaiser in Cronberg den Hauptgottesdienst in der Johanniskirche und begab sich darauf im Automobil nach Homburg v. d. H.
Dort traf er um 11 Uhr ein und fuhr zur Erlöserkirche, dann zum Landgrafendenkmal und gegen 12 Uhr wieder nach Cronberg zurück.
Hier empfing der Kaiser den preußischen Minister der öffentlichen Arbeiten, Breitenbach, den Regierungspräsidenten von Wiesbaden, von Meister, und den Landrat des Obertaunuskreises, Ritter von Marx, zur Konferenz über die projektierte elektrische Taunusbahn. Während der Konferenz nahm der Kaiser auch die Modelle des neuen Homburger Bahnhofsgebäudes in Augenschein. An der Mittagstafel beim Kaiser nahmen außer den genannten Herren noch teil: Geh. Rat Exz. Prof. Dr. Schnndt-Metzler-Frank- furt, der deutsche Gesandte in Tokio, Freiherr Mumm von Schwarzenstein, Generalleutnant von Festenberg-Packisch und der bayerische Gesandte in Wien, Freiherr von Tücher. Kurz vor 3 Uhr fuhr der Kaiser mit einigen Herren seines Gefolges und dem Landrat von Marx in Automobilen nach der Saa l bu rg.
Im Sacellum besichtigte der Kaiser die vom Bildhauer Fritz Gerth ausgestellten Skizzen eines Denkmals für die Landgräfin Elisabeth in Homburg, sowie des vom ehemaligen Herzogtum Nassau seinem letzten Fürsten, dem verstorbenen Großherzog von Luxemburg, in Wiesbaden zu errichtenden Denkmals. Im Kastell begrüßte der Kaiser den Profesior Oechelhäuser aus Karlsruhe, sowie dessen Gemahlin und ließ sich Herrn Robert de Neufville-Frank- furt a. M. vorstellen. Nach fast 21/2ftünbigem Aufenthalt fuhr der Kaiser nach Cronberg zurück und begab sich zur Villa deS Bankiers Karl von Grunelius, um dort mit der Kronprinzessin von Griechenland, dem Prinzen und der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, dem Regierungspräsidenten von Meister und dem Gefolge den Tee einzunehmen.
An der Samstags-Abendtafel beim Kaiser nahmen die verwandten fürstlichen Herrschaften, sowie das Gefolge teil. Einladungen waren nicht ergangen.
Die Amnestie in Preußen,
die so lange erwartet worden ist, ist nun da. Der preuß. Staatsanz. veröffentlichte am Samstag folgenden Königl. Gnadenerlaß vom 24. August:
„Wir Wilhelm von Gottes Gnaden König von Preußen usw. wollen, da Uns durch Gottes Gnade ein Enkel geschenkt worden ist,, der in wenigen Tagen die heilige Taufe empfangen soll, und dieser Tag dazu auffordert, empfangene Unbill zu verzeihen, und Vergebung zu üben, allen denjenigen Personen, welche bis zum Abschluß des heutigen Tages durch Urteil eines preußischen Zivilgerichts wegen einer gegen Unsere Person begangenen Majestätsbeleidigung oder wegen Beleidigung eines Mitgliedes Unseres königlichen Hau- ses im Sinne der Paragraphen 95 und 97 des Strafgesetzbuches zu Freiheitsstrafen rechtskräftig verurteilt worden sind, diese Strafen,, soweit sie noch nicht vollstreckt sind, und die noch rückständigen Kosten in Gnaden erlassen. Ist wegen einer solchen und wegen einer anderen strafbaren Handlung auf eine Gesamtstrafe erkannt, so ist der wegen der ersteren Handlung verhängte Teil dieser Strafe im vollen Umfange als erlassen an- zusehen. Auf die von einem mit anderen Bundesstaaten gemeinschaftlichen Gerichte erkannten Strafen findet dieser Erlaß Anwendung, sofern nach den mit den beteiligten Regierungen getroffenen Vereinbarungen, die Ausübung des Begnadigungsrechtes in dem betreffenden Falle Uns zusteht. Unser Fustizminister hat für die schleunige Bekanntmachung und Ausführung dieses Erlasses Sorge zu tragen." Schlo' Wilhelmshöhe, den 24. Aug. 1906. (gez.) Wilhelm, fgez.) Beseler.
Nur wenige Blätter knüpfen an den Amnestieerlaß Betrachtungen. Ihrer besonderen Genugtuung gibt die „Nat.- Ztg." Ausdruck. Etwas enttäus ch t ist die „Voss. Ztg", welche sagt:
„Die Hoffnung, daß anläßlich der Taufe des jüngsten Hohen-
zollernprinzen eine Amnestie in weiterem Umfange ergehen werde, hat sich nicht erfüllt. Die Zahl der Personen, denen dieser Gnadenakt zu gute kommt, ist außerordentlich gering. Unter den Erlaß fallen nicht einmal die übrigen politischen Delikte. Da mithin nur eine ganz kleine Zahl von Personen die Vorteile des Erlasses genießen werden, kann es fraglich erscheinen, ob ihnen nicht diese Vergünstigung besser durch Einzelbegnadigung als durch den förmlichen Erlaß zugewendet worden wäre. Diejenigen Prozesse wegen Majestätsbeleidigung oder Beleidigung von Mitgliedern des Königl. Hauses, in denen die Verurteilung noch nicht erfolgt, auch noch nicht rechtskräftig geworden ist, werden von dem Erlaß nicht berührt. Es darf aber wohl angenommen werden, daß die Verzeihung und Vergebung auch diesen Angeklagten zuteil werden soll und daher später ihre Begnadigung eintritt."
Höchstes Mißfallen erregt aber der Erlaß beim „Berl. Tage bl.", das sich über ihn folgendermaßen aus- läßt.
„Die Tatsache, daß der Erlaß dartut, der König halte nichts von der angeblichen Hohenzollerntradition, die die Hervorhebung dynastischer Familienfeste durch Gnadenerweisungen verbieten soll, diese Tatsache wird ja zweifellos in weiten Kreisen gern begrüßt werden. Aber auch der loyalste Staatsbürger wird sich nicht verhehlen können, daß der Gnadenerlaß in seinem Inhalt nicht den Erwartungen entspricht, die das preußische Volk auf eine solche Willenskundgebung seines Fürsten setzen zu dürfen glaubte. . . . . Der Gnadenerlaß gilt nur für Zivilpersonen. Der König bekennt sich jederzeit als gläubigen Christen; Pflicht des gläubigen Christen aber ist es, erlittene Unbill zu verzeihen und Vergebung zu üben, aucb ohne daß ein besonderer Anlaß dazu vorliegt. Das Rechtsempfinden des Volkes hält den Majestäts- belcidigungsparagraphen für überlebt, und es kann einem Gnadenerlaß, der sich nur auf Sünder gegen diesen fossilen Paragraphen erstreckt, nicht als ein königliches Gnadengeschenk an die Volksgesamtheit ansehen. Die Ratgeber hätten dem König sagen müssen: Ein Gnadenerlaß, der sich nur auf Majestätsbeleidigungen erstreckt, wird das Volk enttäuschen. Dann lieber gar keine Gnadenkundgebung! Denn ein Gnadenerlaß, der nur die dem Herrscher und seinen Angehörigen persönlich zugefügten Unbilden betrifft, wird im Volke den Eindruck der Kleinlichkeit machen. So hätten die Ratgeber des Königs sprechen müssen. Sie haben es offenbar nicht. getan. Und dadurch, daß sie diesen Erlaß ergehen ließen, haben sie dem König die Rolle oktroyiert, als messe er den Albernheiten und Roheiten unreifer Menschen irgend welche Bedeutung bei, eine Bedeutung, die der königl. Majestät nicht wohl ansteht. Mles in allem: Dieser Gnadenerlaß wird im Volke mehr Kritik als Begeisterung erwecken. Und wir bedauern es, daß dein so sein darf. Denn uns scheint es im Wesen königl. Gnadenerlasse zu liegen, daß sie nur die ungetrübte freudige Zustimmung des Volkes finden dürfen."
Apolitische Tagesschau.
Auch deutlich.
Unter der Spitzmarke „Deutlich" wußten kürzlich die sozialdemokratischen Organe „Mainzer Volksztg." und das „Offenb. Abendbl." über eine Vorlesung zu berichten, die Professor Dr. Berg hoff-Ising in der technischen Hochschule zu Darmstadt gehalten, und bei der er sich abfällig über die vom Reichstage beschlossene Steuerreform ausgesprochen haben soll. Die betreffende Notiz des „Offenb. Abendbl." darüber lautete:
„Deutlich! In einer Vorlesung über Nationalökonomie an der Darmstädter technischen Hochschule bemerkte kürzlich, (aut „Mainzer Volksztg." der Vortragende: „Die ganze «Steuerreform, die kürzlich der Reichstag beschlossen, trifft nur das breite Volk. Ter einzige Anteil, der auf den Reichen entfallt, macht diesem gar nichts aus. Ganz ungeheuerlich waren dabei die Vorschläge des Neichstagsabg. Dr. Becker. Wer aber glaubt, daß er diese aus- gedacht, der irrt sich, denn seine 14jährige Landpraxis bot dazu keine Veranlassung, gerade das Gegenteil hätte er dort lernen können. Er hat ein Brüderlein im Ministerium, dieses sagt es ihm in die Ohren, und er ist nur die Trompete."
Brieflich nun teilt Professor Dr. Berghoff-Jsing dem „Darmst. Tägl. Anz." mit, daß der Inhalt der sozialdemokr. Zeitungsnotiz von A bis Z erfunden ist. Das Schreiben darüber lautet:
„Infolge einer längeren Reise erhalte ich erst jetzt Kenntnis von obiger Mitteilung des „Offenb. Abendblatt" in Nr. 175 vom 30. Juli. Dieser Auslassung gegenüber, die durch die Fassung der mir in ben Mund gelegten Aeußerung eine merkwürdige Vorstellung von der Art akademischer Vorlesungen verrät, erkläre ich, daß ihr I n f) a 11 v o m ersten bis zum letzten Wort glatt gelogen ist. Die Dreistigkeit der Erfindung ist um so erstaunlicher, als ich bezüglich der Neichsfinanzreform, in der ich allerdings einen starken Einschlag direkter Steuern gern gesehen hätte, in der Hauptsache auf dem Standpunkte des Herrn Neichstagsabg. Dr. Becker stehe. Ich verweise in dieser Beziehung und insbesondere hinsichtlich meiner Auffassung der indirekten Besteuerung auf meinen am 12. Februar d. Js. im Kaisersaal gehaltenen Vortrag über „Die finanzielle Entwickelung des Reiches." Weiter war mir bis zum heutigen Tag durchaus unbekannt, daß Herr Dr. Becker im Finanzministeritnn einen Bruder hat."
Deutscher Reich.
Berlin, 26. Aug. Zu später Nachtstunde wurden Nachrichten verbreitet über ein gegen den Kaiser verübtes Attentat. Auf Grund zuverlässiger Erkundigungen können mehrere Morgenblätter mitteiten, daß diese Meldungen durchaus unbegründet sind. — Der Kaiser empfing gestern den Prinzen Hans von Schönaich-Carola th, früher Kommandeur des Kürassier-Regiments Nr. 7. Ter Prinz zeigte dem Kaiser im Park das Qu e ll n- finden mit der Wünschelrute und zwar mit dem besten Erfolge.
Ausland.
Paris, 27. Aug. In hiesigen offiziellen Kreisen ist man über Inhalt und Bedeutung der Unterredung von Friedrichshof jetzt unterrichtet und man gibt ohne ein Zeichen von Mißstimmung zu, daß die Zusammenkunft einen entschiedenen Schritt zur Besserung der deutsch-englischen Beziehungen bedeute. In den Unterredungen wurde von beiden Seiten der Wunsch nach einer solchen Besserung der Beziehungen geäußert. Es wurde jede zwischen England und Deutschland schwebende außereuropäische Frage "berührt und kurz durchgespochen. Irgendwelche Verhandlungen sind bisher nicht eingeleitet, doch wurde in Friedrichshof gewissermaßen der Grundsatz aufgestellt, daß man für jede Frage im gegebenen Moment in ruhiger Aussprache eine geeignete Lösung suchen solle. Alles, was über diese Darstellung hinausgeht, gehöre ins Reich der Fabel.
Newy ork, 25. Aug. Präsident Roosevelt hat die Einführung einer neuen Orthographie bei den Behörden verfügt. Der Präsident hofft, "daß auch die übrige Bevölkerung diesem Beispiele folgert werde. Tie Reform besteht darin, daß nur ausgesprochene Buchstaben und Silben geschrieben werden und alte stummen Laute und Silben in Wegfall kommen.
Vom Erdbeben in Chile.
Santiago de Chile, 26. Aug. Es werden noch immer Menschen aus den Trümmern in Valparaiso, unter denen sie fünf Tage gelegen haben, lebend hervorgezogen.
Ein Teil des Kirchhofs rutschte einen Hügel herab, wodurch bte Särge geöffnet wurden. Die Leichname verbreiteten einen unerträglichen Geruch. Tie Behörden wollten sie mit ungelöschten Kalk übergießen, doch widersetzten sich dem die Priester. Es fällt dichter Regen. Hier und in Valparaiso werden die 'Ausbesserungsarbeiten an den Eisenbahnen erschwert und die Leiden der in Valparaiso in den Straßen kampierenden Menschen erhöht.
Aus uns Luns.
Gießen, den 27. August.
* * Gerüchte von einem Raub »nord am Bahndamm bei Nieder-Wöllstadt bestätigen sich zum Glück nicht. Ein Anonymus hatte den Molkereiarbeiter W. Naumann bei der Polizei des schweren Verbrechens bezichtigt und Herr Staatsanwalt R e u ß aus Gießen und Kriminalkommissar Müller ans Friedberg weilten am Mittwoch dort.. Zahlreiche Verhöre und Haussuchungen fanden in Nieder-Wöllstadt und der Molkerei statt, doch fand man weder Blutspuren noch Mordwerkzeuge. Der schwer bezichtigte Naumann konnte sein Alibi erbringen. Da man auch keine Leiche auffinden konnte, so liegt entweder eine beispiellos freche Verleumdung, ober ein dummer Witz vor. Die Untersuchung zur Ermittelung des anonymen Briefschreibers ist bisher ergebnislos gewesen.
* * Diebstähle. Gestern abend wurde in der Sonnenstraße ein Fahrrad von unbekanntem Täter gestohlen. — In einem Hausgarten der Schützenstraße wurde in letzter Nacht der Hasenstall erbrochen ttnd ein S ta l l h a se entwendet. Der Täter wurde gesehen und festgestellt. — Wegen einer ganzen Reihe von Gelegenheits-Diebstählen wurde ein Tapezierlehrling zur Anzeige gebracht.
* * Aufgegriffen wurden zwei junge Burschen, die au§ der Erziehungsanstalt in (Erfurt entlaufen waren.
* ’ Ein Unfall. Vor einigen Tagen erlitt bei einer Gefechtsübung auf dem Trieb der Major des 1. Bataillons, von Wunsch, einen Unfall. Sein Pferd kam zu Fall, der Major stürzte und zog sich eine Verletzung an der Stirn zu. Er konnte an der Truppenschau in Mainz nicht teilnehmen. Die Verletzung ist zum Glück nicht sehr erheblich, sodaß er vom 7. September ab wieder sein Bataillon zu übernehmen und das Manöver mitzumachen gedenkt.
* ’ Vergebung von Sch reinerarbeiten für d ie Töchterschule. Von den in 5 Losen vergebenen Schreinerarbeiten für die Töchterschule wurde nur d er kleinere Teil an Gießener Meister vergeben. Es erhielten B e i l aus Gießen als der Billigste 1 Los für Mk. 1243,30 und Lenz aus Gießen als der Zweitbilligste für Mk. 1524,50 Arbeiten zugeteilt (der billigste Konkurrent verlangte für die gleiche Arbeit ca. 190 Mk. weniger). Der größte Teil der Arbeiten wurde an Herzberger in Homburg v. d. H. vergeben, welcher dafür Mk. 16 779,29 verlangte, während die in Betracht kommenden Gießener Meister für die gleichen Arbeiten Mk. 22 221,25, also Mk. 5442 mehr verlangt haben, lieber die Leistungsfähigkeit des Homburger Unternehmers sollen gute Zeugnisse vorliegen.
* * Der Verein ehemaliger Pioniere unternahm gestern unter recht zahlreicher Beteiligung einen Ausflug nach Bubenrod. Nach einigen, in recht gemütlichem Zusammensein verbrachten Stunden wurde die Rückfahrt angetreten, wobei man in Nodheim mit Stadtv. und Hauptmann d. L., Gabriel zusamntentraf, welcher den Verein einlud, sein Werk „Abendstern" zu besichtigen. Man folgte gern dieser Einladung, worauf Herr Gabriel seine Gäste freundlich bewirtete. Der Dank dafür blieb natürlich nicht aus. Herr Gabriel bedauerte, daß die Zeit zur Besichtigung so kurz be- mesien war und lud den Verein ein, sein Werk demnächst an einem Wochentag im Betriebe einzusehen. So kann der gestrige Ausflug des Vereins als in doppelter Hinsicht gelungen bezeichnet werden.
-r- Muschenheim, 26. Aug. Gestern vormittag zog man die Leiche des hiesigen Forstwarts Weisel zwischen Kloster Arnsburg und der Berger-Mühle aus der Wetter. W. hatte schon längere Zeit einen tiefsinnigen Eindruck auf alle gemacht, die mit ihm verkehrten. Er scheint den freiwilligen Tod in einem Anfall von Geistesgestörtheit gesucht zu haben.
sm. Mücke, 26. Aug. Das „Mückefest" (vgl. Feuilleton), hat hier Großstadtverhältnisse gezeitigt. Nicht allein, daß kunstgerechte Taschenvisitationen nach gespickten Beuteln abgehalten wurden, auch Uhren waren begehrt; eine Dame war nicht gering überrascht, als sie mit den Ueberresten ihrer elegant durchschnittenen Uhrkette nach Hause kam.
k- Al§feld, 25. Aug. Der wegen der Renovierung der Walpurgiskirche zwischen Stadt- und Kirchenvorstand ausgebrochene Konflikt scheint sich weiterzuspinnen. Auf den Protest des Kirchenvorstandes hin hat der Stadtvorstand dieser Tage erneut beschlossen, die Renovierung der Kirche, die ca. 125 000 Mk. kosten wird, zu verschieben und erst das Rathaus zu restaurieren. Bezüglich der Renovierung der Kirche wurde beschloßen, die Pläne an Architekt Hofmann- Herborn weiterzugeben zur Umarbeitung nach den Angaben des Denkmalpflegers Prof. Walb aus Darmstadt. — Anstelle des langjährigen Bürgermeisters Ernst Arnold, der eine Wiederwahl abgelehnt hat, kandidieren Kreisstraßenmeister Braun und Landwirt K. Arnold.
Frankfurt a. M., 26. Aug. Die „Franks. Ztg." beging gestern und heute das Fest ihres 50jährigen Bestehens. Gestern abend fand ein glänzender Empfang im Festsaale des „Frankfurter Hofes" statt, zu welchem zahlreiche auswärtige Mitarbeiter der Zeitung und Vertreter staatlicher und städtischer Behörden, sowie des Handels, der Industrie und der Presse erschienen waren. Auch der Reichskanzler Fürst Bülow hat in einem Schreiben an den Berliner Vertreter der „Frankf. Ztg." die Bedeutung dieser Zeitung auf dem Gebiete der inneren und äußeren Politik anerkannt und dem Begründer der Zeitung Leopold Sonnemann, sowie allen Mitarbeitern desselben Glückwünsche und Grüße übermitteln laßen. Heute veranstaltete die „Frankf. Ztg." im Festsaale des Zoolog. Gartens eine akademische Feier, zu welcher weitere Kreise der Bürgerschaft Frankfurts, insbesondere des Handels und der Industrie, das Beamten- und Arbeiter- Personal der Zeitung und andere mehr geladen mären. Ein P"^g, vorgetragen vom Ober-Regisseur Quincke, leitete die


