Ausgabe 
24.4.1906 Erstes Blatt
 
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Fnlberang&rtbffrtknS, Mr. Eho ale, <ru3erfc^cn, dm gefeierten Gast ans Aanada für diese Idee zu begeistern. Er entledigte fiel) feiner Aufgabe, indemjn die Einverleibung Kanadas in die Bereinigten Staaten als der Verbrüderungsweisheit letzten und erwünschten Schluß bezeichnete. Flugs erhob sich Earl Grey zu der kühlen Erwiderung, k e i n M e n s ch i n K a - nada wolle eine politische Verbindung mit der Union. Wie das Bankett geendet hat, darüber schweigt der Bericht, aber lehrreich ist der Vargang in Hinsicht auf die Eigenart der Ätonnbier. Sie sind geradezu typische Realpolitiker, un­zugänglich jeder Einwirkung, in der sie eine Beeinträchtigung ihrer Interessen, ja auch nur die Msick't einer Beeinflussung der Volksstimmung argwölmen. Es wird für Deutschland am ivenigften leicht sein, mit diesem Partner zu einer befriedigenden handelK- politisckwn Vereinbarung zu gelangen. __________________

und Flotte.

Prinz Friedrich Karl von Hessen ist mit seiner Beförderung zum Oberstleutnant als Offizier beim Stabe des 81. Infanterie-Regiments an die Stelle des als Oberst des 73. Regiments nach Hannover versetzten Herrn von Hertz­berg getreten und auch wie dieser zum ständigen Richter beim Oberkriegsgericht des 18. Armeekorps ernannt worden. In der Sitzung vom vorigen Samstag führte Prinz Friedrich Karl zum erstenmal den Vorsitz.

* Von einem s ch w cr c n Unglück ist die belgische Marine heimgesncht worden. In Antwerpen meldeten am Montag Extrablätter, daß. das belgische Schulschiff Graf De sm et de Naeyer", das am 15. April von Antwerpen nach Australien auslief, untergegangen ist. Ein französisches Segelschiff berichtet, daß es einen Teil der Mannschaft des Schulschiffes an Bord genommen habe. Der Unfall wird auf die schlechte Konstruktion des Schiffes, das auf einer englischen Werft erbaut wurde, zurückgeführt. An Bord des Schiffes befanden sich 30 Kadetten, 9 dem Stabe und dem Lehrkörper angehörige Personen, 11 Matrosen, ein Koch und 3 Maschinisten, im ganzen also 54 Personen. Düs Schulschiff sank auf der Höhe von Prawle Point während eines Sturmes. Der Kapitän und 33 Mann der Be­satzung deS Schulschiffes sind ertrunken.

Ausland.

Paris, 23. April. DemPetit Parisint" zufolge ist der frühere Minister Tittoni, gegenwärtig italienischer Botschaf­ter in London, dort eifrig am Werke, die mannigfachen Hin­dernisse zu beseitigen, welche bisher vorzugsweise durch die an­geblich allzu deutfchfreundliaie Haltung seines Vorgängers Pansa einer resoluten italienisH--englisch--französischen Afrika-Politik entgegen standen. Man werde bald ver­nehmen, daß bezüglich Abessinien dieser neue Afrika- Dreibund für feine Wünsche in Zlddes Abeba volles Verständ­nis gefunden habe.

Nom, 23. April. DieTribuna" veröffentlicht einen Bries einer hohen politischen Persönlichkeit, worin diese mitteilt, daß Deutschland, als Italien dem Dreibund-Vertrag neue Klauseln betreffend die Mittelmeer-Jnter- essen einfügen wollte, antwortete:Der Dreibund-Ver­trag bleibt wie er ist, nichts wird daran geändert". Dieser Zwischenfall soll den Anlaß gegeben haben zu dem franzö­sisch-italienischen Abkommen.

Budapest, 23. April. In Ungarn äußert sich der neue Kurs in einem ungemein provokatorischen Vor gehen gegen die Deutschen. Auf den Bahnhöfen n. a. O. sind Plakate angeschlagen, in denen vor dem Verkehr mit deutschen Reifenden gewarnt, ja dieser Verkehr geradezu verboten wird; die k. k. Hoflieferanten werden veranlaßt, den Adler in ihren Schildern zu entfernen. Auf den Gütern der Magnaten wird alles, was deutsch und öftreichisch ist, entlassen.

Kairo, 22. April. Ein ab^synischer Bandenführer namens Marim hat in der letzten Zeit verschiedene sudanesische Dörfer hn der sudanesisch-abessynisckxm Grenze geplündert und dabei 101 Dorfbewohner, einschließlich 13 Frauen ge­tötet und 41 Männer imb 133 Frauen entführt. Die Ne­gierungen von Abessynien und Sudan haben darauf längs der Grenze" Heine Militärpvsten errichtet, um in Zukunft derartige Räuber eien zu verhindern und inerben schließlich zusammeu- gchen, um Mariam und seine Leute zu bestrafen.

'AuchangHai, 23. April. Der revidierte engl.-tibe- LanrscheVertrag istin Peki ng unterzeichnet worden. Er setzt fest, daß England und Tibet das ä)inesiscl)e Protektorat über Tibet anerkennen. Großbritannien ist verpflich­tet, in die inneren Angelegenheiten Tibetsnicht einzugreifen, außer wenn dies andere Mächte tun. China erklärt sich damit einverstanden, mehrere tibe­tanische Märkte dem indischen Handel zu öffnen, Telegraphen- linien in Tibet zu bauen unb Großbritannien bei der Erteilung von Eisenbahnkonzessionen in Tibet zu bevorzugen. Ferner willigt China ein, 2400000 Taels Entschädigung für die Kosten der britischen Expedition nach Lhassa zu zahlen.

Neapel, 23. April. König Eduard wird am 27. April hier eintreffen. Obgleich der König nicht inkognito reift, wird fein Besuch einen privaten Charakter tragen. (Natl. Ztg.)

Aus Stadt ttnö Land.

Gießen, den 24. April 1906.

* Lehrerpersonalien. Uebertraqen wurde dem Lehrer Jak. Buß zu Burkhardsfelden eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Großen-Buseck, dem Lehrer Wilh. Eller zu Kirtorf eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober- Hilbersheim, dem Lehrer Martin Wilh. 9tüding er zu Staden eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rendel, dem Schulamtsaspiranten Joh. Ertel aus Westhofen eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Sulzheim, dem Schul- amtsaspiranten Franz Jos. Kraus aus Büdesheim (Kreis Bingen) eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Venders­heim.

** Erledigt ist die Stelle eines Stcuerkom- m i s s a r i a t s a s s i st e n t e n bei dem Großh. Steuerkommisiariat Mainz I.

* Ein heiteres Vorkommnis ereignete sich bei 6er Anwesenheit S. M. des Kaisers in Schlitz. Der Kaiser ging so schreibt man uns am Donnerstag morgen ohne jegliche Begleitung nach dem Porter Berg. Da sah er an der Chaussee einen pflügenden Bauern, Namens Rokel, den er fragte, wie es ihm ginge. Der alte Mann erwiderte, gut, und setzte hinzu:Sie" sein gewiß aaner vom Schloß." Ter Kaiser bejahte diese Frage und knüpfte gleichzeitig die Frage daran, was man eigentlich vom Kaiser rede.Ei es eaß an g out er Mann."Nun, und von der Kaiserin?"Das eaß aach an gout Fraa." Der Kaiser erkundigte sich bei feiner Rückkehr, wer der Dauer war, dann ließ er mittags anfpannen und führ denselben Weg, den er morgens eingeschlagen hatte. Als er seit Bauer von weitem sah> ging er zu ihm und sagte ihm, wer er sei. Ter Bauer war so erschrocken, daß er nichts mehr sprechen konnte, aber der Kaiser lud ihn ein, auf das Schloß zu kommen, wo er sich das Bild des Kaisers nebst einem Geschenk holen sollte. Ter Landmann bedankte sich vorläufig uni) sagte noch wörtlich:Grüß Se mer aach Ihre Fraa en Kinne r", worauf der Kaiser auch ihm an feine Freut Grüße auftrug.

meistert Regner aus Bretzenheim zu verantworten. In der Volksztg." war im November während der Landtagswahl dem Bürgermeister als Wahlkommissar der Vorwurf gemacht worden, daß er die Wahlliste leichtfertig anfgeftellt, von im ganzen 613 Wählern 140 auf Reklamation des' soziald. Wahl- komitecs hätten nachgetragen werden müssen. Dabei war gesagt, dem ultramontanen Bürgermeister sei nicht über den Weg zu trauen ufw. Durch seine Bummelei sei ein soziald. Wahl mann nicht in die Wahlliste gekommen und dadurch seine Wahl für ungiftig erklärt worden, und an seine Stelle ein ultromontancr Wahlmann getreten. Der Staatsanwalt beantragte 200 Mark Geldstrafe, das (ifericht verurteilte den Angeklagten zu 300 Mark und Urteilsvublikation in derVolksztg."

Arbeiterbewegung.

Berlin, 23. April. Der deutsche 9)1 ctaHor beiter- Verband läßt verkünden, das; er auch ohne fremde Hilfe die Aussperrung noch mindestens ein Viert eljahr aushalten könne. Auf der anderen Seite wollen die Arbeit­geber die Aussperrung auch noch in anderen Bezirken als in Dresden, Breslau, Frankfurt, Hannover usw. eintreten lassen, wenn die Former und 6Peher die Arbeit nicht bald wieder cmßiehmen. Gegenwärtig sind mehr als 50000 Arbeiter der Metallindustrie brotlos.

Dresden, 23. April. Der F o r m e r a u s st a n d und die damit zusammenhängende A n s s p e r r u n g der organisierten Metallarbeiter im Bezirk der Krcishauptmannschaft Dresden geht voraussichtlich zu Ende. In der heute von etwa 1200 Metall­arbeitern besuchten Versammlung wurde eine Kommission gewählt, welche sofort mit ihren Fabrikleitungen wegen Beilegung des Aus­standes in Verbindung treten soll.

Die neue Bahnstrecke Gedern-HartmannZ- hain-Gr eben ha in. Der östliche Vogelsberg, der bis vor wenigen Jahren von jedem Verkehr abgeschlossen lag, erhielt vor etwa 5 Jahren durch Eröffnung der Strecke Lauterbach- Grebenhain die erste Verkehrslinie. Gleichzeitig entstand auch das Projekt, das den Vogelsberg ü6or Gedern, Swckheim, Helden- bergcn und Vilbel in direkte Verbindung mit Frankfurt bringen sollte, und hiervon erwartete man mit Neckst die größten Vor­teile, zumal dann der Händler und Landwirt in einem Tage seine Produkte nach Frankfurt bringen, bezw. seine Geschäfte und Einkäufe dort besorgen und noch am gleichen Tage zurück­lehren könne. Nach dem neuen Fabrplan hat sich dies aber nickst bestätigt. Leider ist nur für die Markttage zu Frankfurt em Frühzug ab Grebenhain 4.38 Uhr eingelegt, der es den Händ­lern möglich macht, um 10 Uhr in Frankfurt zu sein. Mer auch! der Mendzug von Stockheim aus geht nur bis Gebern er trifft 11,13 Uhr ein anstatt weiter bis Grebenhain zu führen. Dieser Mißstand wird vvn den Bewohnern des südöstlichen Vogels- berg sehr beklagt, und es erheben sieb Stimmen, die vorstellig werden, das; die Verbindung mit Frankfurt, das doch für Vogels­berger das Haupiabsatzgebiet bildet, besser und günstiger tv1- stallet wird. Auch die Verbindung mit der Provinzialhauptstadt Gießen ist nicht sehr günstig.

)( 'S' au bring en, 23. April. Unser Schu lhau s- n en bau wurde vom Gemeinderat mit einem Kostenauf­wand von 26 000 Mk. genehmigt. Tas Gebäude enthält 3 geräumige Schulsäle und eine Vikarwohuung. Die Pläne sind von Baurat Tiehm-Gießen entworfen und die Arbeiten sollen in einigen Tagen zur Ausschreibung gelangen.

t Friedberg, 23. April. Tie rege Musik­pflege in unserer Stadt bereitet der Allgemeinheit in1 dankenswerter Weise fortgesetzt erhebende Kunstgenüsse. So fand am Charfreitag ein Volkskirchenkonzert statt, dessen Wsichtcn und Ausführung die größte Anerkennung sich erwarben. Vierzehn Tage vorher hatte der hiesige Musikverein in der bei ihm gewohnten Vollendung den Messias" gegeben. Tabei, wie bei früheren derartigen Veranstaltungen, war vielfach dem Bedauern Ausdruck ge­geben worden, daß die in solchen Aufführungen angefaiw* melten Resultate monatelanger Mühen und Arbeit nicht mehr ausgenützt, m. a. W., datz solche Ausführungen nicht mehrmals wiederholt und damit noch weiteren Kreisen zu Gehör gebracht werden könnten. Bezüglich desMessias" steht jenen Wünschen nun teilweise Erfüllung in Aussicht, da beabsichtigt ist, dieses Oratorium in der neuerbauten Daukeskirche zu Bad-Nauheim als Eiuweih- ungsfeierlichkeit zu wiederholen. Zu den früheren Mitwirkenden wird noch zugezogen die Nauheimer Kur- kapelle, ebenso die Kirchenorgcl. Der dafür bestimmte Tag ist Mittwoch, 27. Juni; Beginn nachm. 5 Uhr.

h. Vilbel, 23. April. Heute nachmittag hielt der 1.30 Uhr hier fällige Personenzug von Frankfurt einige Kilometer hinter der hiesigen Station auf offenem Felde. Der Transporteur des Gefangenentransportes hatte die Notbremse gezogen und im Halten des Zuges be­merkte man, wie zwei Insassen des Gefangenen wagens zu entweichen versuchten. Es sollten beide jedoch die goldene Freiheit nicht lange genießen, denn in einer Entfernung von etwa 100 Metern wurden beide Verbrecher mit Hilfe eines gerade des Weges kommenden Landwirts vom Zugpersonal wieder ergriffen und in den Wagen zurücktransportiert. Der eine der Verbrecher, ein wegen schweren Straßenraubes zuletzt mit 6 Jahren 7 Monaten Zuchthaus verurteiltes Individuum namens Fleckenstein, hatte vorher den Transporteur gebeten, ihm zur Benutzung des ToiletteraumS die Fesseln zu lösen. Darnach überfiel er den Beamten, entriß ihm den Revolver und schlug ihm die Waffe mehrmals über den Kopf. Das Handgemenge mochte schon einige Minuten dauern, bis der Transporteur dem Angreifer wieder die Waffe entrißen hatte, um mit einem wuchtigen Schlag den letzteren an der Stirn zu treffen und das Halten des Zuges zu veranlassen. In Butzbach wurden beide Ver­brecher zur Verbüßung ihrer Strafen, die sich durch diesen Vorfall noch um etwas verlängern dürften, von der Gen- darrnerie in Empfang genommen.

fc. Au s' Nieder Hess en, 23. April. Tie Preise für fette Schweine sind feit den Feiertagen wieder im Steigen, dagegen sind die Preise für Zuchtschweiue bedeutend im Fallen. So bezahlte man Anfang April für ein Paar vier Wochen alte Ferke'l 48 Mk., während zurzeit die gleichen jetzt für 35 Mk. zu haben find.

* Kleine Tag eschrvnik. In Landshut wurde der Nvtar Joses Hippler plötzlich vom Amte suspendiert und in das Landgerichtsgcfängms eingeliefert. Der Notar wirb eines Sittlichkeits-Verbrechens beschuldigt. In M ü n - ch en sollte am 23. d. M. der Tagearbeiter Pöltl, dessen 18 K i u- b er iedesmal gleich nach d e r G eb u r t g e ftvr b e n sind und dem man nachweisen konnte, daß er mindestens vier dieser Kinder vergiftet hatte, vor dem Schwurgericht abgeurteilt werden. Er hat sichin seiner Zelle erhängt. Eine Korrespondenz meldet aus Bozen: Der Privatdozent Hans Kin- Singer aus Frankfurt a. M. stürzte auf dem Nolle Paß einige Meter tief in eine Felsspalte und erlitt bedeutende Verletzungen am Kvpse und an den Armen. In dem russischen Grenzstädtchen P i l w i s ch l i brach ein Brand aus, durch welchen 35 Gebäude eingeäsckert und zahlreiche Familien obdach­los imirbeit. Bei Trinidad (Kvlorado) wurden durch eine Kohlenstaubexplosion in dem der Kolorado-Kohlen- und Eisengesellschaften gehörigen Bergwerk nm Sonntag 22 Arbeiter, nieist Indianer und Japaner, getötet.

SiHsnbahn-Iertnng.

D i e Sätze der neuen E i s e n b a h n t a r i f r e s o r IN, wie sie sich nach den neuen Vereinbarungen der deutschen Stacits- eisenbahnverwaltnngen stellen werden, stellt dieVoss. Ztg." iolgendermaßen zusammen: 1) Fahrpreise für Personen: Einheits- sätze für 1 Personen-Kilometer : 1. öllasse 7 Psg,, 2. Klasse 4,5 Psg., 3. Klasse 3 Psg., niedrigste 5tlasse (3.b ober 4.) 2 Psg. 2) ftcfk Schnellzugszuschläge: Für 175 Km. 0,4 Mk., in 1./2.SU., 0,25 Mk. in 3. Klasse; für 76150 Km. 1 Mk. m 1./2. Klasse, 0,5 Mk. in 3. .Klasse, über 150 Km. 2 Alk. in 1./2. Klasse, 1 Mk. in 3. Klasse. 3) Gepäcktarif (der Tarif finbet nur Anwendung bei gleichzeitiger Lösung einer Fahrkarte): Nahzone 125 Km., Zone I 25- 50 Km., Zone II 51100 Km., Zone III 101150 Km., Zone IVX um je 50 Km. steigend, Zone XI 501600 Km.. Zone XU 601700 Km., Zone XIII 701800 Km. und Zone XIV über 800 Km. Die Gepäckirachlen werden berechnet für Sendungen im Gewichte von je 25 Kg., also für 125 Kg., 2650 Kg., 5175 Kg. n. s. w. bis 200 Kg. (Für höhere Gewichte ist die Bestimmung der Gebühr noch Vorbehalten.) 2lbmeichungen von den Fahrpreisen für Per­sonenbeförderung sind bei den zusammenstellbaren Fahrscheinheften beibehalten worden. Unverändert bleiben ermäßigte Preise für Kinder, sowie für Monats-, Schüler-, Arbeiter- unb Conntags- fnrten. Es bleiben nurf) die Fahrpreisermäßigungen für Schul- ährten und Ferienkolonien, für milde Zwecke (öffentliche Kranken­pflege) und für Sonderzüge, insbesondere Ferien-Sonderzüge. Tie Rückfahrkarten kommen bekanntlich in Wegfall.

Gerrchtssacrl.

Cb. M a i II, 23. April. Der Redakteur dec s o z i a l d e m v- kratischeuVolkszeitung", Gottl. Hitzler, hatte fielt heute vor der Strafkammer wegen Beleidigung des Bürger-

Handel und Verkehr, Volkswirtschaft.

Nene R e i ch s b a n k st e l l e n. Am 1. Mai d. I. wird in Varel (Oldenburg) eine von her Reichsbankstelle in Emden und am 15. Mai in Colbitz eine von der Reichsbankhauptstelle in Leipzig abhängige Reichsbanknebenstette mit Kasseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.

London, 23. April. Das "Bankhaus Baring Brothers fordert zur Subskription des auf England entfallenen Teiles der neuen russischen 5proz. Anleihe in Höhe von Lstr. 13 101 000 zum Kurse von 80 Proz. auf.

Zum ruftsifchen Emissionsprospekt. Jetzt, da! der Pi-ofpekt an allen Pläl-^n aufliegt, unterzieht dieF. Z." benfclben einer Kritik und schreibt: Der einzelne Kapitalist muß sich bewußt fein, daß er mit seiner Beteiligung an einer fremden Anleihe nicht nur eine finanzielle, sondern auck eine politische Maßnahme ausführt, daß er damit nicht nur sein Geld anlegt, sorwemr zugleich ein ganz bestimmtes politisches Pi-inzip, eine bestimmte Negierung und ihr inner- und außervol'tischcs' System zu unterstützen, sich entschließt. Wie stark dieser Faktor gerade bei der gegenwärtigen russischen Anleihe in Betracht zu ziehen ist, das haben nicht nur die Erörterungen über die deutsche Ve- teiligung, sondern noch viel überzeugender die russischen Stimmen gezeigt, die die Anleihe erst nach Zusammentritt der Duma und nur mit deren Bewilligung ausgenommen wissen n-ollten. Wer sich trotzdem an der russischen Anleihe beteiligt, der weiß, das; cs die gegenwärtige russische Regierung ist, die er mit seinem Gelde unterstützt. Und das ist schließlich Geschmackssache.

Die Berliner Börse ist verhältnismäßig recht matt und sehr wenig spekulationslustig gegenüber den letzten Tagen der vergangenen Woche. Am Montan markt kommt man wieder auf die Absichten der konservativen Partei des Abgeordneten­hauses zu sprechen, die gern einen Exportzoll für Kvhleu und Kali sähe. Wünsche, die aber hoffentlich nicht in Erfüllung gehen. Paketfahrt-Mtien und Lloyd waren angeboten infolge ungünstiger Frachtmarkt-Nachrichten. Lombarden waren gebessert. Amerikaner hielten sich. Im weiteren Verlauf des Geschäftes war die Haltung ruhig und fest. Von einem regeren Geschäft war auf keinem Gebiete etwas zu bemerken. Das steife Geld drückt; Privatdiskont 33/s Proz.

Markte.

Gießen, 24. April. Marktbericht. Auf heutigem Wockenmackte kosteten: Butter pr. Pfd. 1.101.20 Mk., Hühnereier 1 St. 6-7 <Bfg 2 Stck. 0000 Psg., Gänseeier 0000 Psg., Enteneier 7 Pfg Käfe vr. Stck. 68 Pf., Kasematte 2 Stck. 56 Psg. Erbsen p. Pfund 22Pfg Linsen p. Pfund 32Pfg., Tauben pr.VaarO,80l,00Mk., Hühner pr.St. 1,001,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,801,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80-2,20 Mk., Gänse vr. Pfd. 00-00 Psg Ochsenfleisch pr. Pfd. 7482 Pfg., Kuh- und Rindfieisch pr. Pfund 7072 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfund 8690 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 94 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 7080 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 6080 Pfg. Wclscbe per Pfund. Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,00-0,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 6,008,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepfel per Pfund 35 bis 50 Pfg., in Körben 00 Pfg., Nüsse 100 Stück 5000 Pfg,, Birnen per Pfd. Mk. 0.000.00, Weißkraut per Stück 2030 Pfg., per Zentner Mk. 0.000.00. Marktzeit 71 Uhr.

Die Marktpreise für Bich unb Frucht und die Gießener Fleisch- unb Brotvrcisc am 23 April 1906.

Weizen 100 Kg. 19.30-00.00 Mk. Weißbrot 2 Kg. 54 Pfg.

Roggen 100 Kg. J 7.75-18.00 Mk. Schwarzbrot 2 Kg. 50 Pfg.

Höchste Cchlarhtoiehpreise in Frankfurt a. M.

Fleischpreise in Gießen

Ochsen

Kälber Schweine

50 Kg. Schlachtgewicht 7577 Mk.

*/? Kg. Schlachtgew. 9095 Pf.

' - ,, 7576

/, Kg. 72-80 Pfg.

7, 7080

7» 76 86

Getrcibcpreise in M a n n h e i m

Brotpreise in Gießen

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