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4.7.1906 Erstes Blatt
 
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Nr. 154

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Erscheint tLglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSiebener .^amMrnblatter- werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^hessisch« Landwlr*" erscheint monatlich einmal.

Die Gärung in Rußland.

In Warschau wurden am 3. d. Mts. zwei Ober­schutzleute auf der Straße erschossen. In beiden Fällen sind die Täter entkommen. Es handelt sich bei diesen Mord­taten ebenso wie bei den vorgestrigen Verbrechen um ein systematisches Vorgehen der Terroristen.

In Aahoff (Livland) überfielen Räuber das Gemeinde­amt und plünderten e§ vollständig aus.

*

DerVorwärts" schreibt zu der Freilassung der Rosa Luxemburg: Seit dem 5. März befand sich die Luxemburg im Warschauer Gefängnis. Rach fast viermonat- lichec Untersuchung lehnte das Gericht vor 8 Tagen die Er­hebung^ einer Anklage ab, weil keinerlei belastendes Material gegen die Luxemburg vorlag. Die Entlassung verzögerte sich uni einige Tage, weil die Polizeibehörde den Nachweis ihrer preußischen Staatsangehörigkeit forderte. Ohne eine solche wäre jedenfalls das sogenannte administrative Verfahren ein. geleitet worden. Die Luxemburg hat im Gefängnis schwer leiden muffen. Eine Woche hindurch beteiligte sie sich an einem Hungerstreik der politischen Gefangenen in der Warschauer Citadelle.

fand heute eine von Mitgliedern aller Parteien einberufene, überaus stark besuchte P rötest Versammlung gegen die russischen Metzeleien statt, in der nach Ansprachen von Professor Rade au§ Marburg, Rechtsanwalt Shdanof aus Petersburg und Professor Dr. Quid de aus München folgende Resolution beschlossen wurde:

Die Versammlung spricht ihr tieseS Mitgefühl mit den Opfern der Metzeleien m Rußland und ihre Empörung über die Urheber der unmenschlichen Grausamkeiten aus. Sie vertraut, daß die Duma es erreichen wird, die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen, damit neuen Untaten vorgebeugt werde, und sie ist von dem Wunsche beseelt, daß cs den Mächten des Fortschritts und der Kultur gelingen möge, unserem großen östlichen Nachbarreich den Versassuligsstaat nut Sicherung der bürgerli ch e n N e ch te und der religiösen Freiheit zn bringen, zum Segen Rußlands und als eine zuverlässige Bürgschaft friedlicher u n d f r e ii n d s ch a f t l i ch e r B e z l c h u n g e n,z u m D e u t s ch en Reiche.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den N a ch barstaate n. In Ermenrod schlug ein Pferd den Landwirt Weil so unglücklich, daß er an den erlittenen Ver­letzungen starb. Dieser Tage ivoren es 25 Jahre, daß Oetonoinie- rat O. Lichtenstein, Winohünser Hof, Besitzer dieses Gutes i'"L Aus dieser Veranlassung hat er der Gemeinde Elsheim den Betrag von 15OUO Mart zur Errichtung einer Kleinkinderschule zur Verfügung gestellt.

daneben arbeiteten, Flammen fing und explodierte.

Von einem besonderen Korrespondenten wird ilns geschrieben:

Mitten in die festlichen Vorbereitungen zum Empfang des Königs Friedrich August von Sachsen gellte am Jahrestag der Schlacht von Königqrätz, nachmittags halb 3 Uhr der Entsetzensruf:Ter Michaelis- türm brennt!' Durch Schmiedearbeiten im Turm war das Feuer aus­gekommen und weit unheimlicher Geschwindigkeit fraßen die Flammen weiter, und Minuten vergingen und den ganzen Turm hüllte eine hoch zum Himmel ragende Flammeusäulc ein. Run rasselte es heran, oic ge­samte Hamburger Feuerwehr erschien, aber sic war von Anfang an zum Nichtstun verdammt: in dieses Flammenmeer hatte mau einen Ozean gießen muffen, um es zu löschen. Der herrliche Turm mit seiner säuleii- getragenen Kuppel glühte in rotem Feuer, aus allen Oeffnuugen schossen die Flammen heraus, wie wenn feuerspeiende Ungeheuer ihren giftigen Odem aus dunklen Höhlen hervorsanden. Starr vor Entsetzen steht die vieltausendköpfige Menge ohnmächtig gegenüber diesem Element. Da lommt von der Polizei der Befehl, die nmlicgeudeu Straßen zu räumen, da der Turm cinzustürzen drohe. In wilder Flucht strömte cs aus den Häusern, staute sich m den engen Gassen, fand Widerstand an den neugierigen Massen, alle Besinnung hörte auf, au Rettung von Gegensläudeu dachte niemand, nur das Leben, nur das Leben retten!

sJiun schmilzt die Kupferbektcidung deö Turmes, grün und gelb färben sich die Flammen und die glühende Masse fließt in Strömen her-

§er Scutsche Thronerbe.

Potsdam, 4. Mi. Die Kronprinzessin wurde heute vormittag 9 Uhr 15 Min. von einem Prinzen entbunden.

Brand einer Kirche in Hamburg.

Homburg, 3. Juli. In dec großen Michaelis- kirche war heute Feuer ausgebrochen. Bei dem Brande kamen der auf dem Turme Dienst habende Feuertele- graphist sowie zwei bei der Reparatur der Turmuhr be­schäftigte Mechaniker und ein Uhrmacher ums Leben. Der Turm ist eingestürzt. Der Einsturz erfolgte nach der Englischen Planke hin. Die an die Kirche an­grenzende Häuserreihe an der Englischen Planke wurde von den Flanimen ergriffen. Die vordersten 22 Häuser sind eingeäschert worden. Bei einigen 20 Gebäuden, zumeist Fachwerkbauten sind der Dachstuhl und die oberen Geschosse ausgebrannt. Total niedergebrannt ist u. a. das große Kauf- )alis von I. Braun, das mehr als hundert Angestellte be- chäftigt und aus drei Gebäuden besteht. Sämtliche Waren­vorräte sind vernichtet. Der Dachstuhl der Kirche ist vernichtet. Der Brand hat auf die innere Kirche übergegriffen. Das Kircheninventar und die Kirchen­bücher konnten gerettet werden. Um 4 Uhr nachmittags kürzte der Dachstuhl mit donnerähnlichem Getöse iu§ Innere dec Kirche. Nach angestrengtester Tätigkeit gelang es der Feuerwehr gegen 5 Uhr, den Brand in ihre Gewalt zu be­kommen. 30 Feuerwehrleute wurden verletzt, dar-

rrrrd Schule.

Berlin, 3. Juli. Der Kultusminister hat die Ge­nehmigung zur Niederlassung von Ordens­chwestern nach den Regeln des heiligen Augustinus in Heiligenhaus (Regierungsbezirk Düsseldorf) erteilt. Außer der Krankenpflege widmen sich die Schwestern der Pflege noch chulunmündiger sowie verwaister und verwahrloster Kinder; auch übernehmen sie eine Handarbeitsschule für schulentlassene Mädchen.

Mittwoch 4. Juli 1906 Rotationsdruck und Verlag bet Vrühl'fch«, Universitätsdruckerei. R. Lange, Gtetzeu.

Redaktion,Expedition ».Druckerei: Schulftr 1. 2eL Nr. 61. Telegr.-Adr.; Anzeiger Gieße«.

B. B. Darmstadt, 3. Juli. Die Gründung einer neuen Kunstoereinigung steht in Darmstadt bevor. Von einem provis. Ausschuß war gestern Abend eine größere Versammlung von Künstlern und Kunstfreunden nach dem Fürstensaal" einberufen worden, die sich in einer langen und teilweise sehr lebhaften Debatte mit der Frage der Gründung einerVereinigung zur Förderung der freien und angewandten Künste in Hessen" beschäftigte. Den Vorsitz führte Postsekretär i. P. Heyer. Der Einladung waren neben hiesigen Malern und Kunstbandmerkern auch Geh. Kabinetsrat Röm Held, Ministerialrat Frhr. von Bi ege­leben, der Vorsitzende der Zentralstelle für die Gewerbe Regiecungsrat Nvack u. a. gefolgt. Dec neue Verein soll den Zweck verfolgen, die hessische Kunst und das hessische Kunslhandwerk zu fördern und zwar nicht nur Malerei,Bildhauerei und Kuustgewerbe, sondern auch Architektur, Denkmalspflege, Theaterwesen, Musik, Dichtkunst usw. Erreichen will der Verein seinen Zweck durch die Gründung einer Zeitschrift, die, aufs trefflichste außgestattet, mindestens zweimal monatlich erscheinen, allen Mitgliedern kostenfrei zugehen und den breiten Schichten um ein geringes abgegeben werden soll. Dabei soll die neue Zeitschrift für keine Richtiing verschlossen sein, sondern unparteiisch allen die Pforte öffnen, die etwas ivahrhaft Künstlerisches leisten. Etwaige Ueberschüffe sollen für Stipendien, Ausstellungen oder Ankauf von Kunstwerken für die Mitglieder verwendet werden. Neben begeisterten Anhängern dieser Idee kanten in der Versammlung auch ver­schiedene warnende Stimmen zum Worte, die auf das Schwie­rige der Durchführung eines so hochgesteckten Zieles hinwies. Die Versammlung ernannte zum Schluß einen größeren Aus­schuß, welcher nach den gegebenen Anregungen den Gründ- ungsplan weiter ausarbeiten und einer neuen Versammlung unterbreiten soll.

Frankfurt a. M., 3. Juli. Im großen Börsensaale

Haus und Abgeordnetenhaus beim Schulunter- l) a I t u n g s g e i e tz ist jetzt ff i n w e g g e r ä u in t, da das Herrenhaus heute -.en von seiner Kommission neu hinzu- gefugten £ 23 a, per nur der Schulaufsichtsbehörde die Verfügung^ über das unbewegliche Schutvermögen, also auch die <rcyulsäle zu anderen als llnterrichtszwecken ein- raumt, gestrichen har . Daaegen ist ein neuer Streitpunkt gtoi)u)en Herrenhaus und Regierung geschaffen worden in- dem das Herrenhaus heute einen Änttag aunahrn, daß die durch die Krrusausschüsse oorgcnommoitc Schu!lasten-Ver- teuung nicht der Genehmigung der Aufsichtsbehörde be- darz, obwohl Minister Frhr. v. Rheinbaben den Antrag als unannehmbar für die Regierung bezeichnet Irattc

Von unterrichteter Seite roird derVoss gta " mit- geteilt, daß der weitaus größte Teil der Räte der Koloniatabteilung aus derselben aus­scheiden wird. Voraussichtlich werden nur die zwei höheren Beamten der Abteilung in ihren Stellungen be­issen werden. Es bestätigt sich auch, daß ein höherer Beamter aus dem Finanz in i il i st e r i u m zur Verwendung ber der Aufstellung des Etats als Vortragender Rat zum Kolonialamt versetzt wird. (Vgl. die Vol Tagesschau" vom Prinzen Arenberg.)

linlefn"^CnuCnbro^ Ut 1,011 bic ^cn9e entfernt genug, uni uidjt von öeit bcrabsiurzcndcn Ballen erschlagen zu werden. Da cm Entsetzensschrei von wildem Weh die Turmspitze neigt sich, die Kuppel wankt und der ganze herrliche Turm sinkt trachend in sich zusammen. Himmelhoch Ich lag en die flammen, schwarzer Rauch quirlt empor und der Turm ist verschwunden. Vernichtet ein Wahrzeichen Hamburgs, das jeder fremde kannte, vernichtet eines der schönsten Gotteshäuser, dahin die tzracht der ersten rem protestantischen Kirche der Freien und Hansastadt Hamburg! Dach nun fangen bie anliegenden Straßen an zu brennen alte Weden des Brandes von 1842 leben wieder auf, in drei Straßen- zugcii em einziges Flammenmeer Hamburg bot eine neue Katastrophe' Die ganze Kirche ist dahin, viele Häuser sind zerstört dec -L-chaden ist unermeßlich und in den Trümmern liegen die Leichen vait^vier Menschen, die noch vor einer Stunde froh das Licht sahen'

-Lic Michaeliskirchc wurde schon einmal, 1750, infolge Blitz- K"E-?urch b-cucr gänzlich zerstört. Dann in der Zeit von 1757 bij 1762 vom Architekten Somiin wieder m ihrer nun vernichteten Pracht auigebaut. Der 131,56 Meter hohe Turm wurde erst 1778 icrttg. -Lev Wau war die originelle Schöpfung eines Genies, aroß- artig in seinen Verhältnissen, der Typus cmec evangelischen Kirche. Rein Pleiter stutzte die Decke, sie trug sich vollkommen selbst. Die Die 3000 Personen, die in der Kirche und auf den mächtigen Galerien Platz fanden, konnten überall den Prediger sehen und hören. Tie Orgel war von dem berühmten Musikichriftsteller Mallhesen gestiftet und 1768 von dem Orgelbauer Hildebrandt in Dresden verfertigt. An künstlerischem Schmuck wies die Kirche zwei Gemälde von Professor H. Tischbein aus,Christi Auferstehung" undDas heilige Älbendmahl"; sie barg außerdem die Gedenk- ttrtcln für die 1813 bis 1815 gefallenen Hanseaten und über der Kanzel die pahnen der hanseatischen Legion. Und nun ist alles zerstört!

Zum Glück hat man vor einigen Jahren eine genaue 23er- messung der ganzen Kirche und einen exakten Plan hergestellt, sodaß e5 möglich fein wird, sie in ihrem bisherigen Glanze aufs Neue aus der Asche erstehen zu lassen..

D. Schlosser.

Nachdem c unsere Ansicht wiederholt zum Ausdruck gebracht habckonnen wir auch folgenden Satz aus einem Artikel des P v Rade in seiner neuestenChrist!. Welt" ohne Zusatz j Abdruck bringen:

Wir wm es sogar ganz natürlich und statt­haft gcrunbcibeii, wenn der Pfarrer mit im Wahl- lomitce betonen und die Stich Wahlparole mit herbeigefüt und bei der Stichivohl selbst mit für den Soziaunokrateu gestimmt hätte."_____________

Zum Aalte <Kore§

erhielten wir eure folgende Zuschrift, die wir als be­merkenswerte Arßerung eines der angesehensten Geistlichen unseres Landesviedergeben:

Nicht mit lcftem Herzen entschließe ich mich, in dem Fall Korell das Worzu ergreifen, teils, weil die in Betracht kom­menden sittlich' Fragen zu fein und zart find, teils, weil es die Ehrerbinvg vor seiner vorgesetzten Behörde die unser Obcckonsirium trotz einzelner Vorkommnisse tatsächlich auch verdient, - es ihm schwer macht, sich öffentlich mit ihr in Widerspruch i fetzen. Aber Ihre wiederholte Behauptung von deritaalcrhaltenden" Aufgabe der Kirche und des Pfarramtes not: Mich doch zu einer Richtigstellung. Da scheint cji£ doch eine rwechslung vorzuliegen. Gewiß darf man von Lo-.- Pfarrer vacten nicht nur, daß er selbst der Obrigkeit

, \em Gese gegenüber den schuldigen Gehorsam leistet, » ' daß erwch die Gemeinde dazu anleite. Aber darüber -4TL eine Verpflichtung gegenüber den Ordnungen

» VVf. Sre Aufgabe ist nicht, die gegenwärtige Staats«- Vchaftorm, die gegenwärtige Gestatt des wirtschast- w VIjng z erhalten, sondern allein die, Menschenseelen ' Gerechtigkeit zu führen, ihnen den Weg des

X-rTi^tbT Glück zu weisen, und das alles durch die ..aifüigung > Evangeliums, der Frohbotschaft von Jesus Christus. Da l unter allen Staats- und Wirtschaftsformen möglich ist, so t vom Standpunkt oes Reiches Gottes aus dec Pfarrer volle stheit, wie er sich zu den polittschen Parteien stellen zu müsseilaubt. WaS insbesondere die sozialdemo- kralischc Paei anlaugt, so wird bereu Beurteilung sehr verschieden ausen, je nachdem man an ihre gegenwärtige Ge­stalt denkt, vdenhimer die drei Millionen deutscher Arbeiter sieht. Es müs rin schlechter Pfarrer sein, dem nicht das Herz brannte schmerz darüber, daß in diesen Millionen em bitteres Miauen gegen die Verkündigung des Evangeliums genährt und dem Vaterland entfremdet werden, und in dem nicht ein rer Trieb lebte, sie für beides wiederzugewinnen. Wenn einer i Drang und die Gabe hat, dafür auch durch politische Betätng zu wirken, und er tut es aus Liebe zu feinem Volk v ohne Verleugnung der Gerechtigkeit und der Wahrheit, so rf. trotz aller Bedenken, die gegen eine politische Wir! keit der Pfarrer im allgemeinen bestehen Aicmaud es ilwehren, und keine Behörde darf ihm Vorsckwiften machen, wo uwie er zu stehen habe. Bei niemand mehr, als der uns Pfarr hänFt doch aller Erfolg unserer Wirkjamkeü ab von dem ."trauen, daß wir allein aus innerem Drang unb um desewisseus willen, im Gehorsam gegen Gottes Wort und auautercr Liebe zu den Mensck-enseelen, und nicht nach Mcnscheipehciß und Vorschrift, reden und tun. Das wollen und ten wir uns nicht verkümmern lassen. Und darum kann i.sirre Forderung, wir müßten vor allemstaats- erhaltend tat feilt, nicht ohne Widerspruch hingehen laffen. 1 aller Hochachtung

So meldete äns heute vormittag der Telegraph.

Einen Tag nach dem Gedenktage von Königgrütz hat dec deutsche Ty/onerbe das Licht der Welt erblickt. 40 Jahre sind es her, s/itdem in jenem großen Bruderkriege bei Königgrätz die Entscheidung fiel, die nicht nur das Schicksal des Krieges bestimmte, sondern auch ausschlaggebend war für die weit^e Gestaltung der Dinge in Deutschland und die Einigung bei deutschen Stämme unter der Führung Preußens, chum mehr als ein Jahrzehnt hat gedauert, daß aus jcifcn Gegnern Freunde wurden. Und fast drei Jahrzehnte dauert letzt diese Freundschaft, die sich zu einem festen Bündnis ^erdichtete, das manchen schweren Ansturm überstanden uns zur Aufrechterhaltung des Weltftiedens wesentlich beigetmgen hat.

Wird diese Freundschaft, dieses Bündnis zur Erhaltung des Weltfriedens kvird vor allem der Weltfriede selüst noch weitere drei Jätrzehnte standhalten, wenn der deutsche Thronerbe, der Sohn unseres Kronprinzen, zum Manne herangereift sein wird?

An einem warnen Sommertage ist der deutsche Thron­erbe zur Welt gek mmen, und gleich einem warmen Sonnen­strahl durchglüh' Freude die patriotischen Herzen. Kaiser und Kaiserin snd Großefftern. Das Hohenzollernhaus wächst. Ein Jubltag war jener 6. Mai 1882, da die K'an- tateglocken die lunbe vom Marmorpalais bei Potsdam hinaus trugen ii die Lande:Dem prinzlichen Paare ist der erste Sohn, dem Hohenzollernstamm ein neues Reis, Preußen und >em Reiche der Erbe geschenkt", und in allen deutschen Leuten erschpll damals der Widerhall von Wilhelms des Iten Freudenwort:Hurra, vier Kaiser!" Heute aber tönies:Drei Kaiser!"

Der deutsch Thronerbe steht dem Bismarckschen Zeit­alter schon fern.oas unser Volk umgeschaffen, von Innen nach Außen, ai dem Denken und Dichten in das Leben und Handeln gehrt hat. Eine in ihrer Art so einzige Erscheinung toicbic des Ahnen des jüngsten Hvhenzollern- prinzen, Kaiser Wilhelms I., war für die Krönung des Reichsgründungverkes unerläßlich.

Vom Geiste Wilhelms I. und vom Geiste Bismarcks möge die Zukuit des deutschen Thronerben getragen sein.

Aus S-aSt uns Luuo.

Gießen, den 3. Juli.

** Vermißt wird seit dem 23. Juni der 17 Jahre alte Bergmann Otto Kreutzer von Gleiberg. Der junge Mann ging an diesem Tage vormittags von zu Hause fort, um sich an seine Arbeitsstelle (Gießener Braunsteinwerke) zu begeben und ist seit jener Zett nicht von seinen Ange­hörigen gesehen worden. Nachrichten über seinen Verbleib bittet man an seinen Vater Wilhelm Kreutzer in Gleiberg zu richten.

B. Frie dberg, 4. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Wegen des kürzlich .gemeldeten KindesmordS wurde die Ehefrau des Gerbers Henkel in Haft genommen. Die Frau hat die Tat eingestanden.

sc. Ilbenstadt, 4. Juli. Gestern fuhr der 32 Jahre alte Heinrich Rupp aus Erbstadt von dort hierher. Zwi­schen Ilbenstadt und Kaicheri geriet der Wkrgen ins Rollen. Rupp sprang yerckb und verletzte f i ch 'Debet so schwer, baß er bald daraus starb.

unter zwei schwer. Am Abend versuchte der Pöbel zu plündern, wurde jedoch durch berittene Schutzleute, die mit gezogenem Säbel eintreten, miSeinanbergetrieben. Der Brand entstand wahrscheinlich dadurch, daß ein Benzin-Ballon, in dem die Uhrmacher ihr Benzin zum Reinigen der Uhrzeiger aufbewahrten, durch einen Lötofen, mit dem Mechaniker

Erstes Matt 1L6. Jahrgang

Gießener Anzeiger

Dentsches Reich.

Kiel, 3uli. Der Kaiser hat yeute an Bord des Dampfers ,Murg" seine No r dla n d sr e i s e ange­treten, gesol.om KreuzerLeipzig" und dem Depeschen­bootSkeipn

Die > n p r i n z e s s i n C e c i l i e erfreut sich zur- zeit der besiGesundheit. Bereits vor Wochen wurde der bekannte Gylloge, G^h. Medizinalrat Professor Dr. Ernst Lumm, birircttor der Universitäts-Frauenklinik, nach Potsdam ben, um sich dort ständig zur Verfügung zu Halten.

Deraupt strei tpun kt zwischen Herren-