Die Komik aber kommt nach. Dem Abg. Drccsbach ist ß gar nicht eingefallen, den Prinzen Max zu besuchen, sondern er hat dem Prinzen Karneval eine Huldigung erwiesen! Das Mannheimer Blatt hatte sich mit seiner Notiz einen Fastnachtsscherz erlaubt!! Die gesamte badische Presse und mit ihr viele andere süd- und westdeutsche Blätter hatten den Scherz sofort begriffen und sich nicht anführen lassen. In Berlin aber haben fast alle Blätter sich übertölpeln lassen. Der vorsichtige „Vorwärts" obenan!
Eine Tropfsteinhöhle in der Nahe von Giessen.
Giessen, 3. März. (Original-Bericht des Giessener Anzeigers.)
Line in Vergessenheit geratene eigenartige Naturerscheinung, welche 1834 entdeckt wurde, befindet sich bei dem Dorfe Obercleen im Kreise Wetzlar, das auch von unserer Stadt aus bequem für den Touristen zu erreichen ist. Friede. Kilian Ab ich, ehemaliger Pfarrer von Hochelheim, berichtet in einer von ihm 1836 bei Carl Wiegand in Wetzlar erschienenen Geschichte des Kreises Wetzlar über eine Tropfsteinhöhle bei Oberelecn das Folgende:
Ter sogenannte Berg, in welchem diese von der Natur gebildete Hoble sieb befindet, besteht aus lauter Kalkstein-Felsen, er ist aut seiner Oberfläche mit Weissbuchen und Haselnußgestra'uch bewachsen. Die senkrecht laufende Oeffnung oder der Zugang zur Höhle, der eng und 14 Fuss lief ist, befindet fick auf dem Gipfel des Berges. Man gelangt dann in einen fünf Fuß im Quadrat haltenden Raum, dessen Wände und Decke bereits mit Tropfsteinfiguren behangen sind. Don diesem Raum au§, in deut man nicht aufrecht stehen kann, muß man, um weiter zu kommen, eine enge, 15 Fuß lange Schlucht auf Händen und Fussen durchkriechen, um darauf in einen elwas grösseren Raum zu gelangen, in dem man aber aufrecht sich bewegen kann. Von dieser Höhle öffnet sich wieder eine 14—15 Fuss lange Schlucht, die schräg abfällt. Nach Heber- schreiten einer Felsenritze gelangt man auf ein mal in die dritte, 30 Fuss lange und 20 Fuss breite Höhle, die 7—8 Friß hoch ist und lieben welcher viele kleinere Räume sich befinden, welche man aber wegen der damit verbundenen Lebensgefahr nicht betreten kann. Von der Höhle aus kommt man wieder durch eine 15 Fuß lange Schlucht weiter, nachdem man dann wieder eine Felsenspalte übersprungen hat befindet man sich in der vierten Höhle, die etwa die gleichen Naumverhältnisse hat, wie die vorige.
Endlich nach weiteren 14 bis 15 Fuß Weges, der ebenfalls durch eine Schlucht führt, gelangt man in die fünfte, ebenfalls 600 Quadratfuß haltende Höhle. Wände und Decken aller dieser fünf Höhlen sind mit gelben, grauen und weissen Tropfsteingebilden behangen. Von der letzten Höhle, so berichtet der Chronist, sollen noch mehrere Schluchten und Gänge schräg abwärts in das Innere des Berges laufen, in welche aber niemand, wegen der darin herrschenden Stickluft, zu gehen sich getraut. Ter ganze Berg scheint demnach hohl zu sein.
Soweit der Bericht des Pfarrers Abich. An Ort und Stelle haben mir festqestellt, daß der Eingang zu den Höhlen auf dem Gipfel des Berges bei Obercleen noch vorhanden ist, der zu den Höhlen führen würde, wenn nicht nachgestürztes Gestein den Zugang zu diesen versperrt hätte. Leute im Dorfe erinnern sich vom Hörensagen aus Väterzeiten, daß man früher in das Innere des Berges hineingelangen konnte. Ab und zu auch kommen heute noch an schönen Sommertagen Touristen nach Obercleen, die vergeblich versuchen, in das Innere des Berges zu gelangen. Es bedarf wohl nur dieser Anregung, um die berufene Stelle zu veranlassen, den Versuch zu machen, einen Zugang in die Räume im Innern des Berges zu schaffen. Die aufzuwendenden geringen Kosten, welche dazu führen, in der Gegend eine Sehenswürdigkeit niehr zu erschließen, werben sich sicher bezahlt machen. Würde doch mit einer Zugänglichmachung dieser Tropfsteinhöhlen ein Anziehungspunkt mehr für den Touristenverkehr in der Gegend geschaffen, von dem nicht nur die Bewohner von Obercleen, sondern auch die nahen Städte Wetzlar, Gieren und Butzbach Vorteil haben werden.
Aus SecrSt ittto Laus.
Gießen, den 3. März.
* * Heber Theater bauten und den Neubau Lus eres Stadttheaters wird auf Veranlassung des Verkehrsvereins Architekt Meyer am Montag abend einen
nicht. Sie ist mich nichts weniger als die „Tragödie der Menschheit", überhaupt keine Tragödie, ja ebensowenig wie „Hnd Pippa tanzt" ein rechtes Drama. Tenn wir müssen uns in die Personen der Tichtnng erst künstlich hineingrübeln. Heinrich ist in die ihn umwebende symbolische Märchenwelt zu sehr versunken, als dass er vor uns als eine reale Persönlichkeit in voller Körperlichkeit stehen könnte. Sehen wir sie uns aber als Dichtung an, so glänzen uns ans dem schwankenden Farbengewoge des allzu lockeren dramatischen Gefüges Zaubertöne an, die uns derart bestricken, daß wir es kaum gewahr werden, wenn uns der dramatische Faden entfällt.
*
Das Theater ist zu Ende, Rautendeleins klagende Lieder und fce§ froschigen prustenden Nickelmanns „Ouosar, brekekekex" sind verklungen. Tas Publikum strömt hinaus ins Freie, vorüber an den wartenden Tienstmädchen, die mit noch ein paar Regenschirmen (vor allem anderen gehören s i e ins Giessener Stadtwappen) seit mindestens einer halben Stunde immer noch zettelgläubig im Vor- llur ihre Hausfrauen erwarten. Im Cafs Skalitzky umgeben späte Gäste einen Marmortisch nach dem anderen. Ein merkwürdiges Gemisch von Zigarren', von Kaffee» und Spiritnosenaroma lagert über dem Ganzen, bläulicher Rauch steigt dazivischen kringelnd zur Tecke, und funkelnd und blitzend leuchtet ans den weissen Birnen das. elektrische Licht. Tie Kellner laufen hin und her, helfen hier Gästen aus den Hüllen, dort in den Heberzieher, bringen hier die gewünschten Getränke, räumen dort das gebrauchte Geschirr fort. Hnd aus dem allgemeinen Stimmengewirr klingt es ab und zu lauter heraus: „CafS — Eacao — Ein Dunkles — Zahlen bitte".
Wir drücken uns in eine Ecke und plaudern. „Ob das Hundewetter mm endlich vorüber ist?" — „Ich glanb's nicht. Seit mir den Nordpol hier haben, regnet? fortwährend." — „Tas ist der Sieg der Gegensätzlichkeit. Haben Sie übrigens Nanfen gelesen?' — „Gelesen? Liest denn der Teutsche überhaupt Bücher? Er blättert höchstens." — „Leider richtig. Auch ich habe heute geblättert — in Rudolf Presbers hübschem Buche „Vom Theater um die Jahrhundertwende" *). Er erzählt da, wie er einmal in einem süddeutschen Städtchen beim Abendfchoppen im „Löwen" oder „Einhorn" einen Redakteur traf, der ihm einen längeren Vortrag über den Glockengiesser hielt und diesen schloss mit den kritisch- prophetischen Worten: Mir scheint, Hauptmann ist noch nicht fertig mit dem Stoff und deni Gedankengang; sehr möglich, daß er noch mal auf all das, was in der Versunkenen Glocke anllingt, Traum und Größenwahn, zurückkommt." — „Hnd nun, glauben Sie, hat sich durch „Hnd Pippa tanzt" jene Prophezeiung erfüllt?" — ,/Jlllerbmg§; freilich nur zum Teil. Denn Pr. legte jenem süddeutschen Redakteur noch die Worte in den Mund: Aber als Ironischer, als ironischer Realist. Hnd die tanzende Pippa ist alles Andere, nur nicht ironischer Realismus". — „fHbcr fertig mit dem Stoffe und dem Gedankengang ist auch diesmal Hauptmann nicht geworden." — „Sehr richtig; und noch erheblich viel weniger alt. in der Glocke."
Inzwischen hat sich das kleine Nebenzimmer gefüllt. Nun erscheint die Benesizianiin des Abends, Frl. D o n e ck e r, von allen den reichen Blumenspenden der verstrichenen Stunden nur ein
•) Stuttgart 1901, Gremer u. Pfeiffer.
Vortrag im Neuen Saalbau halten. Da bekanntlich Herr Meyer den hier zur Ausführung gelangenden Entwurf mit» bearbeitet hat, ist allen Interessenten Gelegenheit geboten, sich hier von berufener Seite über den hiesigen Theaterbau unterrichten zu lassen. Der Vortrag, der durch zahlreiche Lichtbilder erläutert werden soll, ist für jedermann kostenlos zugänglich.
• • Verein weiblicher Angestellter im Handelsgewerbe. Am Sonntag nachinittag findet im Kaufmännischen Vereinshause eine Versammlung des Frauenvereins statt. Man will eine Vereinigung der weiblichen Angestellten im Handelssache ins Sehen rufen, in der Frau Johanna Wäscher au5 Kassel in einem Vortrage ihre langjährigen Erfahrungen auf diesem Gebiet mitteilen wird.
* ’ Birkeneders Kinematograph. Auf OSwalds- garten werden am Sonntag, Montag und Dienstag Vorstellungen dieses Hnternebmens großen Stils stattsinden. fDht stets wechselndem Proarnmm sollen die neuesten Aufnahmen in lebenden imb sprechenden Bildern zur Vorführung aebracht werde».
Abendstern, 2. März. Einen Riesen kessel für das neue Ziegelwerk des Herrn Gabriel, der 400 Zentnerschwer ist, wurde geftem von der Station Abenbstern der Berlin- Metzer Bahn nach seinem Bestimmungsort transportiert. Den Transport vollbrachten mit grosser Anstrengung 16 Pferde und er hatte viele Zuschauer herbeigelockt.
§§ Klein-Linden, 2. Marz. Das Fest der silbernen Hochzeit begehen nächsten Sonntag Werkmeister Wilhelm Reu schling und seine Ehefrau geb. Schmidt.
A Friedberg, 2. Marz. Sein 5 0 jä hri g es Am ts- jubiläum feiert nächsten Freitag Kirchcnrat Dekan Meyer, der erste Geistliche der evangelischen Gemeinde. Er steht im Alter von 76 Jahren und erfreut sich noch bester Gesundheit. Er absolvierte 1856 das Predigerseminar und trat alsbald in den Pfarrdienst, 1857 wurde er Geistlicher in unserer Stadt, sodaß er jetzt 49 Jahre hier tätig ist. In Bezug auf die Armensürsorge hat sich Kirchenrat Meyer sehr verdient gemacht. Die evangelische Gemeinde, die Stadt, die Behörden und Vereine planen zu Ehren des Jubilars eine größere Feier.
Büdesheim (Rheinhessen), 1. März. Eine Protest- versammlung hiesiger Weininteressenten ivurde hier gestern abend im Rathause abgehalten. Es wurde energischer Einspruch erhoben gegen die neuerliche Behauptung des RcichS- lagsabg. Stauffer, daß er nicht Rüdesheim a. Rh., sondern Büdesheim (Rheinhessen) als Wein fälsch er ort habe bezeichnen wollen. (Darmst. Ztg.)
D a r m st a d t, 2. März. Der deutsche Zweig des Inter n. Vereins der Freundinnen junger Mädchen, dessen Protektorin die Kaiserin ist, hat dem Kaiser paar zur silbernen Hochzeit eine Gabe von 5 7 00 Mark durch die Vorsitzende Fürstin zu Erbach-Schönberg überreichen lassen, durch welche die Zwecke be§ Vereins gefördert werden sollen. Die Kaiserin hat die Gabe dankend angenommen.
vernirsehter.
* Der neueste Eisenbahnunfall. Am 2. März ist der um 12.21 Uhr in Elzach (Breisgau) abgehende Personenzug der Elztalbahn infolge Dammrutsches entgleist und bis auf zwei Wagen über die Böschung gestürzt. Die Lokomotive fiel in die Elz. Der Loko- mativführer und Heizer wurden schwer verletzt, einige Passagiere leicht.
*v Heber den Untergang des Dampfers „Thor" in der Nordsee wird aus Bergen. (Norwegen) gemeldet: Der Dampfer „Thor" aus Haugesund, der 840 Tonnen Raumgehalt hat, lag diese Nacht vor Lyngholmen. Er hatte 10 bis 12 Mann Besatzung und 25 Leute an Bord. Um 6 Uhr brach ein gewaltiger Sturm aus Nordwest los und die Ankerkette riß. „Thor" trieb nun in dem orkanartigen Unwetter mit der Breitseite nach dem Lande, wo er mehrmals anprallte, bis der Fockmast über Bord ging. Schreien um Hilfe und verzweifelte Rufe erschollen, aber bald war alles still. Es war unmöglich, Hilfe zu leisten. Das letzte, das vom Schiffe gesehen wurde, mar der Schornstein, da der „Thor" mit dem Bug zuerst sank. Mehrere Menschen wurden kämpfend im Wasser gesehen,
vielsagendes kleines Maiglöckchenstränßchen in den Händen, begleitet von einigen jungen Damen und Herren, um ebenfalls im Nebenzimmer zu verschwinden. Tie Tür wird geschloffen.
„Was sagen Sie zu Frl. Doneckers Rautendelein?" —, „O, recht duftig und liebreizend. Gelegentlich aber ist sie nicht so frisch natürlich auf der Bühne wie im Leben. Mancherlei grenzt bei ihr scheinbar an Maniriertheit, ist aber wohl mir Unfertigfeit. Und sie beherrscht noch nicht die Mimik. Seltsam malträtiert sie z. B. ihren Mnnd." — „Ich meine, ihr ganzes Spiel hat einen etwas matten Pulsschtag. Es fehlt ihr die rechte Individualität." — „Tas möchte ich nicht sagen, im Gegenteil. Sie besitzt m. E. in nicht gewöhnlichem Masse die Gabe, einem Schaffenden, um ein Subermannsches Wort zu aebrauchen, gründlich nachzufühlen, und so gestaltet sie selber dein Dichter nach, d. h. ihre Mädchengestalten zumeist ganz von innen heraus. Und es mangelt ihr dabei ebenso- roeuig an Innigkeit wie an Temperament. ^Iber sie getraut sich, wie ich meine, mit dem Temperament noch nicht so heraus, wie sie's vielleicht heute schon könnte und mit reiferen Jahren ganz geiviss können wird. Vielleicht bekommt sie's heute auch trotz Mühen noch nicht heraus. Sie hat wohl noch ihr großes, reifendes Erlebnis vor sich. Ich alaube, daß gerade das Temperament bei ihr stärker ist als das innerliche Ergriffenwerden von einer Dichtung." — „Fürs rote Aennelein Hauptmanns brachte sie zum mindesten viel Hübsches mit: eine clfcnhafte Gestalt und ein sinnendes, reizendes, grossäugiges Gesichtchen." — „Gewiß: und scharf Umrissen und ausdtuckssähig ist dieses Gesichtchen obendrein. Aber blieb auch die Anmut bei Bewegungen immer gewahrt? Ich meine, Gefälligkeit in der Gliederbehanblung ist nur durch häufige körperliche Hebungen zu erlangen. So etwas müsste in den .Konservatorien geübt werben." — „Sie mögen recht haben, baß sie ba noch mancherlei lernen muss. Was mich aber stets besonbers angenehm berührt, bas ist iyr tiefes Organ, von dem ich auf eine nicht gewöhnliche Veistanbesklarhcit imb ruhige Ueber- legung schliesse." — „Hm. Das mag stimmen. Jebenfalls fehlt, für mein Gehör, ihrem Organ bcr sinnliche Timbre." — „Nur ihrem Organ?" — „Meinen Sie, ihr fehle bie Sinnlichkeit überhaupt? Das glaube ich nicht. Ich meine, im recht icbenbigen stummen Spiel bei bet Unterredung Heinrichs mit dem Pfarrer machten sich doch gewisse Gluten erkennbar, auf die ihr rotes Haar und die Mohnblumen im Haar deuten." — „Nach meinem Gefühl aber hat dieses elbische Wesen einen Dämon im Leibe. Es weiß, was heisse Liebe ist, schrickt cs doch nicht vor beit offenherzigsten Ausdrücken des bockbeinigen Waldschratt zurück. Kühn und vermessen muss die Rolle in ihren Hauptszenen gespielt werden. Frl. D. hat mehr das Ballettartige zur Hauptsackie gemacht, das sonnenfrohe Getändel, das niedliche Geplauder, das Liebessehnen mehr als die Liebes l e i d c n s ch a s t. Sie ist mir, im ganzen, zu zahm zunt neckischen Walbhexcken." — „Das alles mag richtig sein. Trotzdem möchte ich denen, die da glauben, daß sie noch von sich wird reden machen, nicht ganz unrecht geben. Heute fehlt ihr vieles, sehr vieles zu einer Aufmerksamkeit erregenden ganzen Künstlerin. Ist doch auch ihr Sprach- Vermögen noch wenig durchgebildet. Echtes Künstlerblut aber hat sie, und heiligen Eifer. Möge eS ihr glücken, das Höchste zu erreichen!"
Ein langer Jüngling mit golbrotenr langen Haar, sehr scharfen Zügen und bedeutender Nase betritt in Gesellschaft eines kleinen Herrn beu „Ist das nicht der Gast des Abends,
doch vergebens. 33 Personen sind umgekommen und nur zwei, ein Heizer und ein Arbeiter, gerettet. Ter Kapitän befindet sich unter den Ertrunkenen.
* Kleine Tageschronik. In Tnrocz-SzentMär- ton (Ungarn) wurde der angeblich frühere preussische Offizier GrasNeuhaus unter dem Verdacht, die 83jäss'sige Witwe Beniczkv, die zwei Millionen Kronen hmlerli ' mit Arsenik vergiftet zu haben, verhaftet. Graf Neuh^i S hatte seine in Preussen lebei'de Frau und Minder verlassen, und Iba Soest, bie Nichte bcr Witwe Veniczky, geheiratet. Seitbem lebte er beschäftigungslos auf bereit Gute Pribocz im Turoeer Komitat. Die Untersuchung '■rgab, dass Arsenik der vergifteten Frau in der Suvve gereicht wurde.
£?anfccl ms:ö Verkehr, Volkswirtschaft.
Cisenknappheit und Erzvorräte der Welt. Un':r dieser Ueberschrift brachte bie „F. Z." eine längere Kvr- resvonbenz aus den Rheinlanden, in der u. a. konstatiert und des näheren auch bargelegt wird, daß Deutschland bezüglich seines Erzreichtums und seiner Erzförberung immer noch verhältnismäßig günstig gestellt ist. Es lwt in den verschiebensten Landesteilen, Lahntal, Lothringen, Luxemburg, Siegerland, Ober- schlesien, bedeutende Erzablagerungen und förderte, wenn man bie Luxemburger Gruben mit einrechnet, im lebten Jahre 22—23 Millionen Tonnen Eisenerze. Bei b?;n Em vorschnellen bcr Roh- eisenproduktion reicht aber die deutsche Erzförderung schon längst nicht mehr hin, um den Bedarf der Hochöfen zu decken, am wenigsten in der gegenwärtigen Zeit der Hochkonjunktur. Es mussten d"her, wie des wetteren a"sgesührt wird, von den ersten Hüttern,verken im Ausland langfristige Erzlieferungsvcrträoe ab» geschlossen werden, aber auch dies reicht noch nicht aus. Nimmt die Nachftage nach Erzen weiterhin in dem bisherigen nie zuvor gekannten Umfang zu, so wird auf jeden Fall eine temporäre Erznot die Folge sein. In den weiteren Ausführungen wird gesagt, bass,m Stelle des Eisens einmal Aluminium treten könne, aber bis dies notwendig ist, dürfte es noch lange währen, denn cs ist sicher noch viel Eisenerz in Rußland, Algerien, Togo, Kuba und China zu entdecken. Eist kürzlich wurde in dem französischen Departement Meurthc et Moselle dickt an der deutschen Grenze in dem Gebiet von Rrieh bedeutende Erzlager gefunbert und daß Niederrheinisck-Wcstfälisehe Industrielle, so das Eisen- und Stahlwerk. Hoesch in Tmtmimb, P. Kloeckner in Duisburg und A. Thyssen iwrt Er-wn;eksionen erworben haben, ist bekannt. Die Errvorrütc her Welt sind noch recht groß, aber die am Horizont aufsteigende M'Jsickkeit, dass bie Weltvorräte sick erschöpfen, fordert doch mindestens die Frage heraus, ob nicht eine Verbesserung bcr gegenwärtigen Probuktionsmcthodcn und bie Anlage neuer Verkehrsiwae schon sehr bald zu den wichtigsten Kultur- ausgaben gehören wird.
des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank filr Hande) und Industrie, Giessen.
Frankfurter Kurse. 3. März. 1.15 Uhr.
3^®/0 Reichsanleihe . . 100.95 3% do. . . 88.80 3%°l6 Konsols .... 100.95 3% do 88 70 3%°/0 Hessen 99.60 3><°/n Oberhessen . . . —
4% Oesterr. Goldreute. . 100.50 4V5% Oesterr. Silberrente 101.25 4% Ungar. Goldrente . . 95.75 4% Italien. Rente . . . 106 40 3°$ Portugiesen Serie T . 68.70 3% Portugiesen „ III 69.95 4%°/0 russ.Staatsanl. 1905 91.50 4%0'„ Japan. Staatsanleihe 93.80 4 % Conv. Türken von 1903 93 30
Tiirkenlose 144.60
4% Griech. Monopol-Anl.. 5400
4% äussere Argentinier . 91 60
3°/0 Mexikaner .... 67.60
4%°l0 Chinesen .... 96.30
Aktien:
Bochum Guss 235.50
Buderus E. W . ... 128.00
Tendenz: ruhig.
Berliner Börse,
Canada E. B 174.20
Darmstädter Bank . . .14^.00
Deutsche Bank .... 242 —
Dortmunder Union C. . . 81.60 Dresdner Bank .... 163.90 Tendenz: ungleichmässsig.
Elektriz. Lahmeyer . . . 141.50 Elektriz. Schuckert . . . 129.00 Esch weiter Bergwerk . . 254 90 Gelsenkirchen Bergwerk . 220 90 Hamburg-Amerik. Paketf. 164 50 Harpcner Bergwerk. . . 211 00 Laurahütte 236.00 Nordd. Lloyd 126.60 Obeischles. Eisen-Ir..lustrie 124.50 Berliner Handelsges . 173.00 Darmstädter Bank . . . 148.25 Deutsche Bank . . . 242 50
Deutsch-Asiat. Bank . . 182.50 Diskonto-Kommandit. . . 189.00 Dresdner Bank . . . 163.60 Kreditaktien 211.00 Baltimore- und Ohio-
Eisen! ahn . . . 110.50
Gotthardbahn —— Lombard Eisenbahn . . 24 40 Oesterr. Staatsbahn . . . 145.00 Prince-Henri-Eisenbahn . 134.00
3. März. Aufangskurse.
Harpener Bergwerk. . . — Laurahütte . . , . 236.20 I ombarden E. B. ... 24.30 Nordd. Lloyd 126.70 Türkenlose ..... 144.90
Herr Hetebrügge aus Wiesbaden?" — „Nein, o nein. So verändern kann sich kein Mensch." — „Ich glanb's doch. Eine gute Maske macht mitunter den ganzen Menschen." — „Freilich, einen gar jugendlichen Eindruck machte der Glockengießer heute abend. Äber Herr H. zeigte eine, wenn auch junge, so doch schon schön entwickelte Kunst. Jedenfalls brachte er die. langen Verszeilen Meister Heinrichs IXug, wenn auch noch schuss- mäßig korrekt, geglichen und mit Schwung zum Vortrag. Und er vermittelte auch die rechte Anschauung von dem Charakter des Helden." — „Mir gefiel besonders die Kraft und Tonsülle in her großen Unterredung mit dem Pfarrer." — „Ja, für die launige Reizbarkeit des Kranken und später für bie schmerzliche Klage des gebrochenen Titanenstolzes fand er m. E. minber beredten Ausdruck. Auch hätte etwas mehr Phantasterei wärmev und überzeugender geivirkt. Im ganzen aber ein schönes, viel versprechendes, wenn anck nock nicht recht ausgereiftes, noch« suckrendes, ansteigendes Talent. Doch es ist fast Mitternacht. Ich gehe heim — arbeiten, schreiben. Kellner, zahlen! Bleiben Sie noch hier?" — „Ja. Ich gehe noch lange nicht. Kellner, ein Dunkles!"
Nutt ist das Case-Gespräch niedergeschrieben, und cs bleibt mir zu sagen nur wenig übrig. Bestens lösten die Herren Reimer und Herrscher ihre Airsgaben. Zwei Gestalten, einem Vöckl in scheu Gemälde entstiegen, standen sie als Nickelmann und Waldschratt vor uns. Die tolle Frechheit des fauuischen Gesellen und mephistophistisch gelaunten Witzbolds dcS Tannen- bunlcls wußte dieser mit ungezähmter, spukhafter Wildheit, mit der ihm eigenen, grotesken Saune; die behäbige Verschmitztheit des tausendjährigen Monarcken im Wc-sserrcickc jener köstlich zu veranschaulichen. Im „Qnorax, Quorax, Brckekekex" liegt für Herrn Reimer ein tiefer Sinn. Er meisterte die <ochwrerigkeiten der äußerlich humoristischen, innerlich sehr ernsten Seehund- Figur mit Takt und Klugheit und beherrschte bie heikle Lage, xv bei er sich befand.
Frau Millar lieferte als alte Wittichen eine energisch geprägte Charakterfigur rn bcr Färbung der berühmten Hillebobbe des Frans Hals. Ganz vortresflich toar in seiner bebeutenbftcn Szene Herr SBittmann als Pfarrer, in seinem starken, aber unzelotischen Glaubenseiftr von größter Eindringlichkeit. Frau Maurice aber hatte an der Frau Magda keine rechte Freude.
Ein Wehe über den Ringelreigenftüsterkranz! Elsen sind doch feine gut erzogenen höheren Töchter! Die jungen Damen haben das Summen und Surren, das Leben und Weben des Waldes durch zarte, anmutige, geisterhaste, figurcnreiche Tauzbewegungen zu illustrieren, nickt durch „korrekten" Schulplatzrcigen!
Gar zu ärmlich war die Ausstattung der Glockengießcrrvohnuncs.
Der Beifall des gut besetzten Hauses, der ja iu erster Linie her Bencsiziaiitin galt, war ungewöhnlich stark, aber auch bie sinnliche Wirkung her Dichtung auf baS Publikum unverkennbar,
P. W.
*.
— Ter Intendant bet Mannheimer Theaters, Julins Hof^ mann, früher Kölner Sw.d:ll:eaerbirektor, hat nach erst l'/?jähr. dortigen Wirken an den Slablrat das Ersuchen gerichtet, ihn Ablauf bcr Spielzeit von seinem Posten zu e it t b i n b e ii. DiffD renzen mit her Theaterkomimjsiou sollen ben Anlaß bazu geben.


