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3.3.1906 Erstes Blatt
 
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F. März 1906

156. Jahrgang

Erstes Blatt

Nr. 53

Urschet«« rS-ktch außer Sonniaa».

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Äffischen Landwirt die Etetzener Kamillen- blätte^ Dtennal in der 5?*d)e beiqclegt

RolanonSdruck il Ver­lag der Brüh l'schen ttn wers.-Buch-u. Stern­druckerei. R. Sange. Redaktion, ßrveMttdW und Druckerei:

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Anzeiger Bietzen.

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Verantwortlich hnf den volit. und allgem. Teil: P. Witt ko; *üt etabt und Land^ und Genchtssaal"'. Ernst y c6; für den An­zeigenteil: $>an3 BecL

durch zu allen Fächern zugelassen, würden das gelehrte Proletariat vermehren, die Sozialdemokratie stärken und das aktive und passive Wahlrecht fördern.

Kultusminister Dr. Studt erklärt, die Frauenemanzi­pation entspreche der deutschen Eigenart nicht. Die Einzel­heiten des Neformplanes, der darauf hinaustaufe, die Vor­bildung der Frauen für einen Beruf durch Schaffung eines Lycenrns zu bessern, stände noch nicht fest. Abg. Ernst (frs. Vgg.) bedauert, daß die Regierung noch nicht ent­sprechend einer vorjährigen Resolution einen Gesetzentwurf zur Regelung der Besoldungsverhältnisse an höheren Attid- chenschulcn vorgelegt habe. Nachdem der konserv. Abg. S t r o s s e r zur Schaffung von Anstalten nach dem Muster der R e f o r m g y m n a s i e n statt der Oberlyceen geraten hatte, erklärt der Abg. Metzger (ntL) die Forderung des gemeinsamen Unterrichts für beide Ge- schlechter für nicht richtig und bedauert, daß die Budget- kommission sich mit dem Reformplan erst heute beschäftigen werde. Abg. Dr. Hacken berg (ntl.) bestreitet, daß der Reforinplan eine Konzession an die exaltierte Frauen­bewegung bedeute. Die Regierung habe damit Großes und Gutes getan. Tenn es handle sich um Dinge, in denen man den Frauen auch ein Wort gestatten müsse. Hätte man das gleich getan, so wären die Frauen mit so beweiskräftiger Rede gekommen, daß Einseitigkeiten, wie sie Dr. Krüger gezeigt habe, nicht möglich gewesen wären. Wenn man be­fürchte, daß durch eine höhere Bildung die Frauen nicht zu guten Hausfrauen mid Müttern erzogen wurden, so übersehe man doch, daß gerade die Aufgaben der Haus­frauen und SOtüttcc heute so gesteigert seien, man solle doch die Frauen heute hinein führen in alle Probleme, damit sie ihre Kinder wirklich führen und leiten können.

Ter Titel Mädchenschulwesen wird bewilligt.

ietzener Anzeig

General-Anzeiger v '**

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eietzen

Gieszener Sradttheater.

Die verfunkene Glocke.

Ein deutsches Märchendrama von Gerhart Hauptmann.

Nun hat ulis wieder einmal Gerhart HauptmannsVer­sunkene Glocke" gelungen, und in die Wunder des Märchenlandes uns geführt, während man noch m Berlin und islbst m Peters- burg von Hauptmanns neuester Dichtung, dem wunderlich ver­worrenem GlaslstittenMärchenUnd Pippa tanzt" spricht, deren Ausführung auch in unserem Stadttheater immerlstn lohnend wäre.

Die versunlene Glocke" war das literarische Ereignis oev Jahres 1896. Im nächsten Jahre schon war sie m fast allen Theaterorten Deutschlands bekannt, man kannte |ic jelbst in Frankreich, Polen und Rußland

Ueber die Dichtung,bewundert viel und'viel geicholten , ist seit dem Jahre ihres Erscheinens viel geschrieben worden, viel an ihr herumgedeutet worden. Unendliw viel ist m ste hmein- geheimnist worden. . . . ,

Tie Lymbottk der Dichtung loppte und peinigte gar viele. Der Phantasie jedes Einzelnen läßt der Dichter, deßen erster tastender poetischer Versuch dasPromethiderilos" des 23 Köngen war, weiten Spielraum. Wir finden m der Dickffung drei Schemen: das Naturleben vom Frühling bis zum Herbst, die Liebesleiden­schaft und das Künstlerschicksal. . Dieic drei Themen aus einer Wurzel zu entwickeln und ineinander zu fugen, war des Dichters Bemühen. Die Frage, ob ihm dies gelungen ist, beantwortet Hauptmann selbst. Die Wittichen lagt s dem Glockengietzer:Du warst ein gerader Sproß, stark, doch nicht swrk genug Du warst berufen, nur ein Äuserwahlter warn Tu nicht." In seiner neuesten DichtungUnd Pippa tanzt ', aber , klagt er; Ich kann meine Hände nicht freikriegen, die Phantasie hat mm eingeschnürt, sie hat mich auf eine verwünscht eigentümliche Art und Weise festgeschnürt." Das ist Hauptmanns gerechtes sclbst- urteil seines ganzen Schaffens, das nach dem Höchsten strebt und doch nicht weit über die Hälfte des Weges ^hinaus kommt. Er will ein Meister sein und bleibt doch nur ein Eller, cm Epigone, n will ein Goethe sein, und kann doch nicht mehr sein als Gerhart ^^Äus'den Reichskleinodien des poetischen Besitzes, aus Mythos, Sage, Dichtung und Philosophie entwendete er in seinen beiden Märchen mit kecker Dichterhand kostbare Juwelen zu einer klaren Einheit aber konnte sein gmbter Finger sie nicht fuhrem

Neben b:r objektiven Dreiheit in seinerVeriunkenen Glocke finden wir noch eine subjektive Dualität. Zwei peelen hat der Glockengießer in seiner Brust. Er ist der Typus de» Menschen, dessen Können nicht standhält mit semem Wollen er tragt ba* Kainsmal des Poeten, er ist das Urbild des Künstler- ber nie zufrieden ist mit dem, was er schafft, weil e» im endlich wett hinter dem zurüststeht, was er sckstifien inoaste. Geilte G.cmen klingen nur im Tal,sie waren nicht gemacht, den ^tderl>all der Gipfel aüfzuwecken". Todmüde und,gebrochen 1 mit er nic3er an der Schwelle des unabänderlichen >Lchmsals d.r Menschheit, das, objektiv betrachtet, erbärmlich nüchtern ist. (^nrm wohl

der zur verlorenen Höhe führt.War die derstciga will, muuihl Fligel hoan, und Deine Fligel, Moan, die sein zerbrocha". Drei Becher reicht das Schicksal dem Menschen. Der erste hält das Leben, der zweite weckt das Streben, der dritte gibt den Aob, una wer die ersten zwei geleert, sich gegen den dritten nicht mehr wehrt; das ist des Schicksals strenges Gebot. Nachdem er die ersten zwei getrunken hat, erblickt er zum letztenmale die entichwundene Lebensfreude, die ihm den Erlösungstrank zum Mieren ^ensetts reicht, und sterbend sieht er die Sonne, die er lebend nie ge­schaut hat.

Doch fort mit aller Allegorie. Gerade bie schönsten «-telleck des Märchens sind darum schön, weil sie nichtsbedeuten . Der tiefe Schatten int dichten Tann, das lauschige Plätzchen am tiefgrünen See, die knorrigen Wurzeln, die alten Weiden am! endlosen Heidewege, die vielgestaltigen, Erlen am grün ulo] en Sumpfe, murmelnde Quellen, die zur saftigen Waldwiese springen, gurgelnde Brunnen, die den dunkeln Felsen entquellen, das Lispeln des Schilfes, das Rauschen der Waldkronen, das ist altes Märchenland, wo es den Mensckstn wunderbar umweht und aus dem Alltagsleben in die geheime Geisterwelt hineinzieht, die es belebt. Denn hier leben und weben des alten Volksglaubens Göttergestalten und ihre Gehilfen: die Zwerge mit dem Berggeist, die Vertreter der rohen Naturkräste, die Nibelunge, die in der -viele b-r Berge schassen und nur dem Sonntagskinds widerwillig dienen; die bösen Wald geister, die den verirrten Menschen äffen und in den Sumpf locken, allerhand Uebermut und Tollheck treiben; die zarten Lichtelien, die int Mondschein ihre Reigen tanzen und nach der Liebe der Menschenkinder bunten, weck sic nur dadurch eine Seele gewinnen können, die sie locken und umwerben, um dann, abgewiesen, ihre dämonische verderbliche Macht an ihnen zu beweisen; die Wassergeister, die in Bäumen und Teichen Hausen, und ans ihnen emporrauschend die Vorüber­gehenden umgarnen und in die Tiefe ziehen: die Hexen usw. ifftv. Die g anze Natur bevölkert sich dem Dichter mit Märchengestalten. Entschiedener noch als der Einfluß Nietzsches und Wagners auf Hauptmatm war hier der Böcklms. Bei der Lektüre mehr noch als beim Schauen der Dichtung auf der Bühne stehen uns ständig vor Augen nicht mir Böcklinsche Gestalten, sondern namentlich ein in Dresden befindliches plastisches Bildwerk, ein Mädchen darstellend, das, die Augen voll Tränen, in die Feme starrt, während ein zwergiger Wassermann mit schmerzlichem Gesichts­ausdruck sich zu ihm wendet. Irre ich nicht, so ist dieses Werl von Dietz.

Wie wunderbar mutet im ersten Akte die Geburt der Träne an! Wie liebevoll und effektvoll ist int 4. Akte die alte Mär vom Tränenkrüalein venvenoet! Nicht nur wer Natnrstimmungen, sondern auch Klangwirkungen poetisch empfindet, entdeckt in der Dichtung eine Fülle von Schönheiten. Die Unterredung des Hel­den, den der Dichter in völliger Passivität hingestellt bat und der in Wahrheit würdelos als ein unverbesserlicher Phantast stirbt, mit dem Pfarrer, bei der der Dichter inhaltlich allerdings nur den landläufigen KünstlerpantheiSmus vertritt, erhebt sich sprachlich zu einer Schönheck von funkelndem Glanz.

Messiastat aber warTie versunkene Glocke" wahrlich

pie heutige 'Dummer umfaßt 16 Seiten.

Die Lehrer- «ud die Frauenfrage vor dem preuß. Abgeordnetenhause.

Berlin, 2. März.

Beim Kapitel Glementammterrichtswesen beantragt die Budgelkommission die vorliegenden Petitionen um Bewillig­ung von Staatsmitteln zur Verbesserung der Lehrerbesoldung und Erhöhung der Grund­gehälter für erledigt zu erklären und Petitionen um Gewährung der Osttnarkenznlage durch Ueberaang zur Tagesordnung zu erledigen. Abg. Keruth (Frs. Vp.) beantragt eine Resolution anzunehmen, in der die Regier­ung aufgefordert wird, im nächsten Etat zwei Millionen zu fordern für Beihilfe an leistungsschwache Schulverbände behufs Erhöhung des Mindestgehalts und der Dienstalters- znlagen der Bolksschnllehrer und Volksschullehrerinnen. Abg. Frhr. v. Zedlitz (frks.) beanttagt, eine Resolution anzunehmen, in der die Petitionen nm Erhöhung der Leyrergehälter zur Berücksichtigung überwiesen werden und zwei Millionen Mark behufs Erhöhung des Mindestbetrages der Tienstatterszubagen für den nächsten Etat gefordert wird. Abg. Ernst (frs. Vgg.), beanttagt Umwandlung der Präparandenanstalten in Realschulen. Alsdann bringen eine Reihe von Rednern lokale Beschwerden vor. Tie Be­schwerden gehen balym, daß mitten im Semester Abberuf­ungen von Lehrern erfolgen, ohne daß die Schuldepuiationen rechtzeitig davon unterrichtet werden. Das .Schulwesen könne nur gedeihen, wenn die Schulleitung nicht fortwährend bevormundet werde. Ministerialdirektor Schwartzkopff erklärt, es liege der staatlichen Unterrichtsverwaltung fern, in die Rechte der Selbstverwaltung ungerechtfertigt ein­zugreifen. Abg. Dr. Friedberg (ntl.): In dem letzten vom Abg. Cassel erwähnten Fall habe die Schulauf­sichtsbehörde es am nötigen Takt fehlen lassen, und es zeige sich da eine gewisse bureaakratische Ueberhebung. Maßnahmen, wie die Entziehung des Rechts der Lehrerbcrufung der Stadt Linden bei Hannover gegenüber erschweren das Zustandekommen des Schulnnter- haltungsgesetzes. Abg. Frhr. v. Zedlitz (frk.) tritt für eine gesetzliche Regelung des Verhältnisses zwischen Staats­aufsicht und Selbstverwaltung ein. Abg. Cassel (frs. Vp.) erklärt, er bringe die Beschwerde hier vor, weil uns ein anderes Mittel zur Abhilfe nicht zu Gebote steht. Redner gebt dann aus das Berliner Schulwesen ein. M'nister Dr Studt bestteitet, daß es der Berliner Schuldeputation unmöglich sei, auf dem Instanzenwege Abhilfe auf Be­schwerden herbeizuführen, und protestiert dagegen, daß das Abgeordnetenhaus zum Gericht über noch nicht rechtsttäftige Fälle ausgerufen werde.

Bei Abschnitt Schulaufsicht empfiehlt Aog. Hecken- roth (kons.) die geistliche Ortsschulinspektion beizube- halten. Kultusminister Dr. Studt stimmt dem zu.

Bei Kap. Höheres Mädchenschulwesen bespricht Abg. Dr. Krüger die Vorschläge der vom Kultusmini­sterium gebildeten Kommission zur Reform des Mädchen­schulwesens. Die Vorschläge stellten ein N a ch g e b e n gegen­über der Frauenbewegung dar. Die Frauen würden da­

von Spanien, dessen Braut in Versailles wohnt, inkognito König Eduard besuchen.

Merkwürdigerweise übten diese Nachrichten bisher auf die Börse so gut wie keinen Einfluß. Wohl aber wurde erörtert, daß angeblich Fürst Bülow sich in günstigem Sinne über Marokko geäußert haben soll gegenüber einem der Geschäftsinhaber der Berliner Handclsgesellschcift. Dies augenblicklich nicht koutrolierbare Börsengespräch verbesserte einigermaßen die Stimmung der Spekulation. 9llgceiras ist und bleibt eben die größte Sorge der Börse. Was au dem Bülow-Gerücht wahr ist, wisseu wir nicht. Aber wie einer unserer Berliner Korrespondenten versichert, konnten. die Bc> sucher des König!. Opernhauses kürzlich wahrnehmen, daß der Kaiser bei der Aufführung des »Roland von Berlin^ in frischester Stimmung sich besand, wie Jemand, der von der Zukunft das beste erwartet.

Ter blamierte ,,Vorwärts".

Im neuesten ,Vorwärts" findet sich folgender Artikel: In der MannheimerVolksstimme" lesen wir folgendes: E iu so z i a 1 d e m o kr a t i s ch er B e su ch b e i v o s e Der' Reichs^gsabg. des Kreises, Stadttat Llugufi Drees b a ch, stattete gestern, zwei Tage nach der Gebutt eines neuen Zährmgersproß- lings. dem Prinzen einen Besuch ab. Der Führer der badischeiv Sozialdemokraten wurde bort mit allen Ehren em­pfangen unb kehrte mit den besten Eindrücken von dem> Besuch zurück. Es darf wohl erwartet werden, daß der Gang unseres Parteigenossen zu Hofe, der lediglich als cm qe3 Anstandes zu betrachten ist, von gewister Seite keine Miß­deutung erfährt, und nicht über Gebühr zu einer caufe c61ebre aufgebaufcht wird, wie es kürzlich in unserer Nacyoarstadt -barm* stodt geschah. In solchen Fioqen kommen neben politischen Erwägungen u. E. denn dock- auch Momente reinmenschlicher Natur in Frage." . ...

TerVorwärts" ist darüber empört Er schreibt:

Von Mißdeutung kann, da es sich um Fragen des partei­politischen Taktes und der Parteidisziplin handelt, temc Rede fein, wenn wir der Ansicht der Mannh.Volksstimme' durchaus nicht beipflichten. Unseres Wissens hat Genöße Treesvach als Piivatmann nicht die gesellschaftlichen und persönlichen Bezieh­ungen zum Zähiingerh^ufe, die es ihm zu einer Pflicht des per­sönlichen Anstandes machen könnten, bei Hofe aus Anlaß eines Familienereignifses einen Besuch abzustatten. .

Wenn der Abg. Treesbach als Privatperson irgend lemand? ob Prinz ober Prinzessin oder sonst wem, ist dabei gleich einen Besuch abstattet, so ist das natürlich lediglich Privatsache und geht auch die Presse nichts an. Wenn aber die Dlannh.Bolks- stimuie" in der angegebenen Weise von dem Besuch usw. schreibt, so drängt sie die Ansicht auf, daß den Genoßen Dreesbach poli­tische Erwägungen geleitet haben, er also als Vettreter deck Sozialdemokratie nickst dem Privatmanne, sondern dem F ü r st e n einen Huldigungsbesuch abstattete. Wir glauben kcium! auf Widerspruch zu stoßen, Wenn wir betonen, daß der Repräsentant der Partei deren Prinzipien und Reputationen leinen persönlichen Gefühlen voranzustellen bat/7

Immerhin ist die vorsichtige Tonart des »Vorwärts", der doch sonst so leicht aus seiner Haut fährt, sehr bemerkens­wert. Er fürchtet eben, es mit den süddeutschen Sozialdemo­kraten vollends zri verderben, er faßt sie mit Glacehand­schuhen an. _____

poetische Tagesschau.

Kaijer Wilhelm und üöiiig Eduard.

DerKöln. Ztg." wird aus Berlin telegraphiert:

Die durch das Reutersche Bureau verbreitete Nachricht von einer zu einem nahen Zettpunlre zu erwarienbcn Begegnun g zwilchen kaijer Wilhelm und König Ebuard bebart jedenfalls noch her Bestätigung. Bisher ist über die Reifepläne Kaiser Wilhelms nur so viel bekannt geworben, daß er wahrscheinlich ui der zwecken Hallte des April dem König Alions von Spanien seinen Gegenbesuch machen wird. König Eduard bleibt, wie bereits gemeldet wyrde, drs Dienstag an? der T'rrch- reue nuogntto m Patts und bcbiöt sich alsdann zu längerem Auf­enthalt nach Biarrttz. Nach dem, was bisher darüber verlautet, erfcheiitt eine baldige Begegnung der beiden Monarchen, insbesondere auf offener See ober in einem Hafen, kaum wahr-- scheinlich. .....

Bemerkenswert ist, daß diese Meldung vom ofiizwsen W. T. B. heute verbreitet wirb. Also hat ber Onkel einen Fühler ausgestreckt und der Neffe zögert noch? Nach den letzten Verfügungen besucht König Eduard am Sonntag früh den Präsidenten Falltßres. Am Abend findet ein Diner in der engl. Botschaft zu Paris statt, woran Fallieres und Roiwier mit ihren Frauen, sowie der ehemalige Botschafter Courcel teilnehmen werden. Am Montag dürfte der König legt der Dichter den Alltagsbialekt seiner Heimat der alten Wittichen in ben Munb.) Doch bas Schicksal geht kalt, erbarm­ungslos an ihui vorüber,a Bünblc Hei" zum letzten Lager, bas ist bas einzige, was sie bem.Hänfia Himmelsiammett reicht.

Da erbarmt sich seiner Rautenbelein, baslichte Leben", wie ber Dichter sagt, mit feiner nie ertafrmenben Begeisterung, das Symbol ber Lebeussrenbe und des Genusses, der Inbegriff ber blühenben, schwellenben, spenbenben Natur Doch balb ver­blaßt bie himmliche Gestalt, unb Kirche unb ^schule, die ererbten sozialen unb kirchlichen Anschauungen, tragen ben Verzweffeltideu zurück in bas alltägliche Leben zu ben häuslichen ewrgen, bie tvic ein Alp an seinem ruhelosen -streben haften, ^ic Liebe ber Gattin, bas Glück ber Familie empfindtt eck un luchsten Egois­mus bes Schaffens wie schwere Feßeln,^wie eine schuld, die er niemals tilgen kann. Die guälende Sehnsucht nach jenem Unerreichbaren macht ihn empfindungsarm für feine Umgebung. Sein Schasscusdrang findet keine Nahrung in dem engen Raume ber Häuslichkeit, auch tarnt ihm Weber Glaube noch Wmenichaff zum Flug verhelfen in jencs.Marchenreich ber Phantasie, das ber Alltgälichkeit verschlossen ist. Nur Nautenbelem und hier finben sich zahlreiche Parallelen mit ,Hppa". kann ihn er­lösen, sie stellt sich in seine Dienste, öffnet mit einem Küß sem blinbes Auge für alle Himmelsweiten unb läßt ihn cm Werk erschauen so hehrer Art, wie keines ie bestanb. Die Begeisterung, bie ben schaffensdurstigen Künstler überkommt, macht alle Ermahn­ungen bes Gewissens schweigen, sie löst ihn von allen tauben, bie ihn an bas Alltagsleben knüpfen, unb mit Feuerener llurzt er sich in bie Arbeit. Aber mit ber Scl/afienslust erstehen aua) sogleich bie Schwierigkeiten deS Vollbringens. Unzulangliwe Kraft, technische Hiudettiifse unb vor allem ber eigene Zweifel an bem enblick-en Gelingen, biese Zwerge und es, bie ber seele klares Vorbi'b trüben unb bes Tages Muhewcrk zcrichlagen, ehe beiGekrönte" bas ErlösungswottVollenbung" sprach

Nickelmann, ber Inbegriff bes ewig Alltäglichen, rauot ihm bie Ruhe, unb auch Walbschrat, das Tierisch-Sinnliche im Men­schen, (in seiner neuesten Dichtung vertrittber alte Huhn bienachtgeborene Gier") fühtt . seine Kraffe gegen ihn zu Felde. Die verblassende Phantasie weicht den Erinahnungen des Ge- ttässens, das aus der Tiefe des l^rgsees mck Glockentonen donner- äbnlich ruft Das ewig Menichliche zieht ihn hinab, und sluchend verhöhnt er die Zauberin Rautendelein, bie ihn, verlockte unb ihm ein Wett vorspiegelte, das Memchenkrazte nie vollbringen fönuen Das Lnfigebilde, halb Kvnigsiaffoö, halb Kirche denn der erste König einer neuen feieren Zett und der erste Priester im Tempel eines neuen Glaubens, einer Art beleligcw den Sonnenkults, trachtet der Künstler zu werden geht, m Mammen auf. Tie Erde hat ben Hirnmeichtnrrner wieder, sein lichter Geist", Rautendelein, gebt ut dem Brunnen der ewigen Alltäglichkeit zu Grunde. Die sonne, der Baldur m seiner Seel' liitöi, unb 9ci;.elnianu triumphiert. Ans ist es Mit der qtDr-n Genesung. (Man oenkt dabei an das Bulletin des Chi- iuraen' Die Opcialion war vollständig gelungen, leibet starb bei Patient nach drei Tagen an Entkräffung) Vcngebens forbert der Gefallene vom Schicksal, ihm. noch einmal ben Weg tu weiicn»