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3.2.1906 Erstes Blatt
 
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Nr. 29

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Tein föicsener 91 uzeiger roerben im Wectüel mit dem kesfifchen L«mvwtrt die Hietzener Zainilien. blätter viennal m der

Woche beifldcflL Rotanon-druck u. Ger­ing der B rüh 1 'schen Uinoerj.-Buw-u.Slein- driickerei. 9t Lange. Redaktion, Grveötnon und Tmrferet: eckralstratze 7.

Redaktion 113

Verlag u.Exved.L^öl 24breffe für Teeeieben:

Anzeiger Gießen.

Erstes Blatt 1S6. Jahrgang

Eeneral-Anzeiger '

Amts- und Anzeigeblatt für den

Samstag 3. Februar 1903

Ve^ugHyretS: monatlich 75 Pf., viertel« fährlid) M. 2.20; dnrch 91bhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post 9)ik. 2. viertel« jährt, ansschl. Bestellg, Annahme von Anzeige» für die Tagesnmmner dis vormittags 10 Uhr» Zeitenpreis: lokal 12Pf^ auswärts 20 Pfg.

Verantwortlich für den poliL und altgern. Teil: P. Witt ko: für ,Stadt und Land^ und .(tterichtsfaaf: Ernst Heß; für den 91n« zeigenteil: Hans Beck.

Kreis Gießen

Die heutige Nummer umfaßt 16 Ketten.

Die neue Kammertagung.

R. B. Darmstadt, 2. Februar.

Die Politik unseres Grobherzogtums steht im Zeichen -er Trauer, aufrichtiger Trauer um den Mann, der seit dem Jahre 1898 der Leiter der Staatsgeschäfte HesienS war. Er hat eS verstanden, in dieser Zeit daS Steuerruder so zu führen und die verschiedenartigen Kräfte so zusammenzufassen, das; sich Alle gern seiner Führung anvertrauten und sich jetzt auch an seiner Bahre in tiefer Betrübnis versammelten. Hier sah man am Donnerstag Vormittag neben dem ihm mit herzlichster Sympathie zugetanen Landesfürsten und den diplomatischen Vertretern anderer Staaten, die höchsten Be­amten, die Standesherreu und die sonstigen Mitglieder der vornehmsten Kreise, hier waren auch die politischen Parteien der zweiten Kammer einschließlich der Sozialdemo­kraten, vollzählig am Platze. ES wollte eben ein jeder Anteil nehmen an dem Schmerz um den so unerwarteten Verlust dcS hochverdienten Staatsmannes, der seine ganze Kraft mit unermüdlichstem Eifer dem Wohlergehen seines engeren Vaterlandes gewidmet hat.

Eine eigene Fügting des Schicksals hat es gewollt, daß das Ableben deS leitenden Ministers gerade 30 Stunden vor ! em Wiederbeginn der Beratungen unserer zweiten Kammer erfolgte. Sonst pflegte der Präsident die erste Sitzung be§ neuen Jahres mit einem fröhlichenProsit Neujahr* und den besten Wünschen für die Förderung der parlamenta­rischen Arbeiten cinzuletten. Diesmal war die ganze erste Sitzung in pietätvoller Weise dem ehrenden Gedächtnis deS toten Staatsmannes geweiht. Und wenn der Präsident mit vor innerer Erregung schluchzender Stimme des segens­reichen Wirkens Rothes für des Landes Wohl gedachte, wenn er die weisen Maßnahmen auf dem Gebiete der Gesetz­gebung, der Sozialpolitik und der Landeskultur erwähnte, von denen jedes Jahr seiner Ministerlanfbahn erfüllt war, seine für jeden Beamten vorbildliche Pflichttreue, seine Herzens­güte, seine rührende Einfachheit und seine jederzeilige Leut­seligkeit und Hilssbereitschast auch für den Geringsten, so haben diese Worte gewiß in aller Herzen lauten Widerhall gefunden. Man konnte es dem Kammerpräsidenten an Ton und Satzbildung anmerken, daß er bei seiner schweren Aufgabe, dem Jugend­gespielen und Freund die letzte Ehrung zuzurufen, aufs tiefste ergriffen war. Dieselbe wehmutvolle Stimmung prägte sich auch auf den Gestchtern der meisten Abgeordneten aus, und als der Präsident die vortrefflichen persönlichen Eigenschaften des Verewigten berührte und da§ HauS ermahnte, die von ihm vorbereiteten großen Werke der Gesetzgebung zur Aus­führung zu bringen, da glitzerten in den Augen Vieler helle Tränen.

Das von ihm Gewollte zur Vollendung zu bringen! DaS ist in der Tat eine Aufgabe, die in den kommenden Tagen die Volksvertretung mit größter Einmütigkeit zu erfüllen be­strebt sein sollte. So wie Staatsminister Rothe jederzeit

mit dem größten Eifer und Schaffensmut bemüht war, in

beiden Krimmern Licht und Schatten gleichmäßig zu ver­teilen, so hat er auch schon bewirkt, oaß in der Thron­

rede vom 20. De?,, b. I. durch die Form der Ankündigung einer erneuten Einbringung der unerledigt gebliebenen Gesetzesvorlagen der Weg zur Verständigung geebnet wird. Bei der Wahlrechtsvorlage dürften sich, ttrie wir glauben möchten, durchaus keine unüberbrückbaren Schwierigkeiten mehr ergeben, sobald sich beide Kam- mern nur entschließen, nach dem Wunsch des Präsidenten Haas das Wert genau so hinzunehmen, wie es ihnen der von uns geschiedene Staatsminister vorgelegt hatte. Bringt jetzt, wie man versichert, die Regierung eine von ihr sorgfältig ausgearbeitete W ahlkrei s e iu teilun g ein und läßt die zweite Kammer den unglückseligen Antrag Bähr auf Festsetzung der städtischen'Mandate auf 12 und der ländlichen auf 43 fallen, so zweifeln wir nicht, daß auch über die übrigen Tis seren zpunkte und selbst über die von der ersten Kammer verlangte Verfassungsänderung eine beide Teile zufriedenstellende Verständigung zu erreichen sein wird.

Anders liegen die Truge bezüglich der Gemeinde­steuerreform, denn hier stehen sich in den beiden Kammern theoretische Anschauungen in prinzipieller und schroffer Weise gegenüber. Man wird aber nicht vergessen Dürfen, daß hier nicht die Theorie, sondern, wie überall int Staatslebcu und besonders beim Steuerzahlen, die Praxis, die wirklichen Verhältnisse den Ausschlag geben müssen. Der Verewigte hat auch bei den Kammerverhandlungen auf diesen Punkt des näheren bingewiesen, und hat sich zur Prüfung eines jeden Vorschlags bereit erklärt, durch welchen der Gemeindeumlagcn-Reformentwurf einer noch gerechteren Verteilung der Lasten entgegengeführt werden könnte. In der weisen Voraussicht, daß bet der Wiedereinbringung des Gesetzentwurfs auch der parlamentarischen Erörterung dar­über noch ein breiter Raum gewährt werden müsse, hat er sich noch im letzten Stadium feiner Tiensttütigkeit ver­anlaßt gesehen, bei den Kammern anstatt einer wiederum einjährigen Verlängerung des Provisoriums eine dreijährige Frist zu beantragen, damit auch diese Frage in aller Ruhe und Wohlerwägung zu einem enbgiltigen Abschluß gebracht werden kann.

Deutsch-Ostafrika.

Gouverneur Graf v. Göyen telegraphiert aus Tar-es- Salaam: Major Johannes meldet ein krsolgreiche§

Olefecht des Leutnants Sibberus ohne diesseitige Verluste bei Kohamakiro im Norden des Bezirks Songea und fort­schreitende Unterwerfung. Hauptmann Seyfried meldet, daß derAufstandimLindi-Bezirkvöllig gebrochen sei. Tie Neu-Gumea Leute sind am 31. Jan. eingetronen.

Nach einer Kieler Meldung gilt die ostafrikanische Be­wegung als unterdrückt. Taher soll, wie amtlich gemeldet wird, das dorthin entsandte Marinedepartement demnächst heimbeordert werden. Tie erste Abteilung des MarineexpeditionSkorps ver.äyt Dar-es-Salaam am 6. Febr. mit dem TampferGouverneur".

Ter Korrespondent derCape-Times" in Swakopmund bestätigt seinem Blatte telegraphisch die von deutscher Seite gegebene Darstellung, nach der ein enalischer Untertan, dessen angebliche Tötung durch betrunkene deutsche Soldaten in Swakopmund von derDaily Mail" gemeloet worden ist, erschollen wurde, als er a u f e i n e deutsche Polizeipatrouille, die ihn wegen eines Einbruchversuches festnehmen wollte, einen Mordversuch machte. Ein englischer Augenzeuge des Vorganges sei nicht verhaktet worden. Londoner Blätter stellen zu diesem Fall! fest, daß die Annahme, daß der Erschossene der Tr. To- nalbfcn aus Montreal sei, nicht richtig ist Tonaldsen hielt sich am Mittwoch in Liverpool aus.

polUifdpc Cagesfchau.

Tie württembergische Verfasiiingsreform.

Nus Stuttgart wird geschrieben:

Tie württembergische Abgeordnetenkammer hat ihre Arbeiten an dem großen Versassungsresormwerke, das das württembergische Volk nun schon seit vielen Jahren beschäf­tigt, vorläufig wieder einmal zu einem glücklichen Ende gebracht. Mit einer Mehrheit, die selbst die Optimisten in Erstaunen setzte, ist der Reform-Gesetzentwurf von der Abgeordnetenkammer angenommen worden. Zweidrit­tel-Mehrheit ist erforderlich zu Verfassungsänder­ungen; 69 Abgeordnete stimmten mit Ja, 20 mit Nein. Mit Nein stimmten die Mgeordneten des Zentrums und zwei von der Ritterschaft. Tie übrigen Ritter stimmten geschlossen mit Ja; und das ist insofern ein bemerkenswerter Akt der Selbstverleugnung, als sich die Ritter mit dieser Abstimmung selbst aus der Abgeordnetenkammer hinausstimmen, um bann, wenn die Reform Gesetz wird, ist verminderter Zahl in die erste Kammer einzuziehen. Llehnlich steht es mit den Prälaten. Auch die 7 Sozialdemokraten haben mit Ja gestimmt. Sie haben aber ihrer Abstimmung eine Motivierung beigefügt, in der sie gegen eine Reihe von Einzelbestimmungen der Reform, insbesondere gegen den Fortbestand der ersten Kammer Ver­wahrung einlegen. Motiviert haben auch die Ritter ab­gestimmt, und zwar in der Weise, daß sie sich ihre Stell­ungnahme in jeder Richtung Vorbehalten für den Fall, daß die Vorlage in veränderter Gestalt von der Ersten Kammer zurückkomme. Und hier liegt derHaken. Von der ersten Kammer, an die der Gesetzentwurf jetzt geht, droht ocr Reform noch die größte Gefahr. Zwar hat die erste Kammer durch die Reform eine bedeutende Stärk­ung ihrer Arbeitskräfte und ihres politischen Ansehens zu erwarten. Die Zahl ihrer Mitglieder steigt von 29 auf 53. Ter Zuwachs besieht aus Vertretern der Ritterschaft, der beiden Kirchengemeinschaften, der Universität und der Technischen Hochschule, der Industrie, der Landwirtschaft und des Handwerks, also ein unbestreitbarer Zuwachs an Intelligenz. Aber diese Stärkung ist keineswegs nach dem Geschmack der klerikal-feudalen Herren, die gegenwärtig in der Haupt­sache den Bestand der ersten Kammer ausmachen.

Von feiten der Regierung droht der Reform keine Ge­fahr. Käme es wirklich so weit, daß die erste Kammer sich mit den Beschlüssen der Abgeordnetenkammer einverstanden erklärte, dann würde sicherlich auch die Regierung nichit anstehen, zu der über den Negierungsentwurf hinausgehen- ben, von der Abgeordnetenkammer beantragten Erweiter­ung der zweiten Kammer um 17 auf dem Weae der Listen­wahl uno des Proporzes zu wählende Abgeoronete Ja und Amen zu sagen.

In der Abgeordnetenkammer wurde das Llbstimmungs- ergebnis mit lautem Beifall, in den auch die Tribünen einstimmten, entgegengenommen. Tie nahe Zukunft muß es nun zeigen, ob die erste Kammer es nochmals wagen wird, sich dem Willen des Volkes, den auch der König von Württemberg in feierlicher Form zu dem seinen gemacht hat, entgegen zu bäumen."

£ Ter Sturz des italienischen Ministeriums hat wenigstens das eine Gute im Gefolge, daß der Marquis di San 'Giuliano, der Minister des Aeußern, vom amtlichen Schauplatz verschwindet. Zum Wück hat die Herrlichkeit des Marquis nur wenige Wochen gedauert, und der Minister wird in dieser Zeit raum Gelegenheit gehabt haben, Taten zu vollbringen. Aber schon die Ernennung San Giulianos mußte als bedenkliches Anzeichen betrachtet werden. In Paris sagte man sich gleich, daß der Trei- bundgedanken eine Schwächung erfahren werde. Tiefe Annahme hat nicht getrogen. Notorisch offiziöse italienische Zeitungen stellten die sonderbarste:: Unter­suchungen darüber an, ob Italien bei Zuspitzung des Marokko- Konflikts Beistandverpflichtungen Deutschland gegenüber habe. Tie Frage wurde mit allerlei weit hervorgeholten Gründen verneint. Es hieß sogar einmal an der Berliner Börse, man habe in Rom sondiert, ob die italienische Ne­gierung mit diesen Artikeln etwas zu schaffen habe. Tie Voss. Ztg." schreibt über die Ereignisse u_ a.:Hoffentlich überträgt die neue Regierung die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten einem Manne, dessen Namen allein nicht schon unbehagliche Empfindungen in Berlin und Wien er­

weckt." Nach einer römischen Privatdepesche desBerk. Tagebl." wird voraussichtlich, falls San Giuliano nichts bleibe, Ti11oni wiederum das Ministerium des Aeußern übernehmen. Tittoni, dessen Besuch beim Reichskanzler Fürsten Bülow in Baden-Baden seinerzeit so viel bemerkt wurde, ist zwar auch nicht das Ideal eines dreibundfreundi lichen Ministers, denn auch während feiner Amtszeit hat die italienisch-französische Annäherung Fortschritte gemachh Toch wird man sich von Tittoni wenigstens keiner aus^ gesprochen unfreundiichen Haltung zu versehen haben.

Außland.

Zwischen Rußland und Japan sind neuerdingL Differenzen entstanden, bezüglich der Zahlung der Ent­schädigung für die Verpflegung der Kriegsgefan­genen. Japan hat Rußland eine gesalzene Rechnung über­sandt. Da Rußland momentan Mangel an Barmitteln hat, so schlägt es Japan vor, die Forderung mit Schatzbonds zu begleichen. Japan besteht aber auf Barzahlung.

In Lodz sind sämtliche staatlichen Alkohol-Niederlagen und Fabriken zerstört worden. In Czcnsiochau wurde ein Gendarmerie-Unteroffizier von Revolutionären ge­tötet.

Die PetersburgerHandels- und Jndustr.-Ztg.* be-> spricht den Mißerfolg der neuerlichen Börsen- pekulation in russischer Valuta auf der Ber­liner Börse und meint, dabei wäre den Spekulanten füo einige Zeit eine kleine Lektion erteilt worden. Schwankungen im Deckungsoerhältniffe der Kreditbillets seien naturgemäß immer möglich, jedoch würde man die Erfahrung machens daß die Spekulation im Rubelkurs jetzt nicht weniger verlast^ bringend sei als in früheren Jahren.

Der Ausweis der ruff. Staatsbank vom 29. Januar zeigt nach offiziöser Darstellung eineweitere Kräftigung*^ Neben einer Verringerung der Anlagen erhöhte sich der Gold­vorrat von 904 Millionen Rubel auf 905 Millionen Rubels Da außerdem die Zirkulation der Kreditbillets sich umi 25 Millionen Rubel verringert hat, wag in den Ausweis noch nicht ausgenommen worden ist, so gestaltet sich daS Deckungsverhältnis der Kreditbillets wesentlich günstiger.

Dem Petersburger Vertreter des PariserJournal* er­klärte ein Mitglied des revolutionären Ausschusses, daß dis augenblicklich herrschende Ruhe nur äußerlich sei. Die Re­volutionäre seien keineswegs entmutigt In der Stille arbeite man an den Vorbereitungen zu einem neuen Ansturm gegen die reaktionäre Regierung. Alle Elsenbahnzüge, die nach dem Innern deS Landes abgingen, führen täglich Waffen, Bomben und Munition mit. Ein Beweis, wie sehr sich die Regierung fürchte, seien die täglich stattsindenden Haussuchungen und Verhaftungen. ___

Ans Stadt und Land.

Gießen, den 3. Februar 1906.

** Juftizpersonalien. Durch Entschließung deSj Großh. Ministeriums der Justiz wurden die Referendare ßart Brun aus Darmstadt, Dr. Karl Callmann aus Darm­stadt, Jul. Gilm er aus Mannheim, Herrn. Kalbhenn aus Burg-Gräsenrode, Karl Keller ou§ Mainz, Karl Kleinschmidt aus Darmstadt, Dr. phil, Rud. König aus Büdingen (jetzt in Gießen), Dav. Jul. Leoi au5 Mainz/ Art. Levy aus Mainz, Dr. Hugo MatteS aus Nieder«» Ingelheim, Dr. Rud. Merzbach aus Offenbach, HanS Meuseza h l auS Straßburg (iwGießen), Karl O hnacker au« Rieder-Ohmen, Karl Pauli aus Mainz, Erich Salfeld aus Mainz, Dr. Nath. Stein aus Worms zu Gerichts - assessor e n ernannt.

** Gießener Stadttheater. Max Halbes Liebest dramaDie Jugend* wurde gestern abend nach sechs­jähriger Pause in neuer Einstudierung wieder zur Aufführung gebracht und fand bei dem sehr zahlreichen Publikum eine sehr dankbare Aufnahme. Die einzige Damenrolle des Stückes hatte in Fraulein Donecker eine sehr ansprechende Ver­treterin, die den Zuschauern den sympathischen Charakter dec fern vom Getriebe der Welt ausgewachsenen Pfarrersnichte, über die die Liebe gleich einem Sturmwind kommt, um die zarte Madchenblume zu vernichten, menschlich näher brachte. Ihr fein abgewogenes durchdachtes Spiel wußte namentlich in den Szenen voll dramatischer Leidenschaft sich von lieber« treibungen fernzuhalten. Herr Lüttjohann stellte im großen ganzen den MuluS HanS Hartwig glaubhaft dar und nament­lich das Haltlose, Schwankende in deffen Charakter kam in bester Weise zum Ausdruck. Aber der Künstler verdarb viel durch feine unnatürlichen hastigen Bewegungen, bei denen man unwillkürlich den Eindruck hatte, er wisse nicht, wohin er mit seinen Beinen und Armen sollte. Dm Pfarrer Hoppe gab Herr Lippert recht natürlich und mit viel Wahrscheinlich­keit, die den milden abgeklärten Charakter be5 Priesters, dem nichts menschliches fremd ist, bestens zur Geltung brachte^ Im wirkungsvollen Gegensatz dazu stand Herr Mendel als Kaplan, der das Hauptgewicht ans die Darstellung deS pflichtslrengen Seelsorgers legte und diesen daÄmch vielleicht etwas zu viel hervortreten ließ. Tie fd)rotcrige Rolle deS Amandus gab Herr Herrscher angemessen und recht glaub­haft. Das Zusammenspiel war dank dec 9t?gie des Herrn, Direktor Steingoetter recht gut. Störend wirkte das öftere recht unverständige Lachen eines Tekks des PuvlkkumS, das namenUlch anfangs oft bei den ernstesten Szenen erfolgte.