Nr. 231 Zweites Blatt 156. Jahrgang
Dienstag 2. Oktober 1906
Erscheint Eßlich mit Ausnahme des Sonntags.
Eie „Etetzener Zamilienblätter- werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der hessisch« Landwirt- erscheint monatlich einmal.
Giehener Anzeiger
Rotationsdruck und Verlag der Brü bliche» Universitätsdruckerei. R. Lang«, Eietz«.
Redaktion. Expedition ».Druckerei: Schuksir.L.
Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr.: An-etga Gieße».
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Netzen.
______________ —--------------------------WIM ■ i ■! immii——■unmat^nMa«a—rTrg!aKaaa«iwnn»taMaa.'WPEg-i:.-guj i.jjLWLaj»3nBiiiimwBl> ■■■>»
politische Tagesschatt.
Die Unfallziffern im deutschen Bergbau stellen sich, wie sich auS dem soeben veröffentlichten Jahresbericht der Knappschafts-Berufsgenoffenschaft ergibt, immer ungünstiger, während eS m England durch verbesserte SicherheitLeinrichtungen gelungen ist, die früheren ungünstigen Ziffern herabzudrücken. Die Unfallziffer in Deutschland ist von 80 242 im Vorjahre auf 81178 im Berichtsjahre gestiegen, trotzdem in letzterem nahezu 200 000 Bergarbeiter infolge des Streiks einen Monat gefeiert haben. Die Zunahme ist keineswegs etwa auf selbstverschuldete Fälle zurückzuführen; diese haben sich im Gegenteil seit 10 Jahren um ein Drittel vermindert, während die durch ungenügende Sicherheit der Betriebe heroorgerufenen Unfälle sich in demselben Zeitraum um ein Fünftel erhöht haben. Gewiß nimmt die Gefährlichkeit des Bergbaues mit der Tiefe der Gruben zu; es ist aber nicht richtig, daß eS dagegen keine Vorkehrungsmaßregeln gäbe; zum mindesten sollte man die Arbeiter an der Grubenkontrolle mitwirken lassen, schon um sie selbst an der Verantwortung mit zu beteiligen.
Die Lage der Bergindustrie in Deutschland ist z. Zt. wahrhaft glänzend; die Werke sind nicht entfernt imstande, die Aufträge zu erledigen. Die Jahresabschlüsse dec Gruben weisen Gewinnziffern auf wie nie zuvor. Sollte es da nicht für die Bergindustriellen ein nobile officium sein, alles zu tun, was in ihren Kräften steht, um durch vermehrte Sicherheitsmaßregeln die Zahl der Unfälle herabzumindern?
*
Der Eiseubahuminister und der Alkohol.
Die ,Nordd. Allg. Zig." schreibt:
Bekanntlich hat der Minister der öffentlichen Arbeiten vor etwa Jahresfrist allen im Eisenbahnbetriebe beschäftigten Bediensteten verboten, während des Dienstes alkoholische Getränke irgend welcher Art zu sich nehmen, und gleichzeitia tue Eisenbahndirektionen angewiesen, dafür zu sorgen, daß allen Bediensteten Gelegenheit geboten werde, ivährend des Dienstes Erfrischungen, insbesondere alkoholfreie Getränke, zu billigen Preisen zu verschaffen. Unter anderm hat er den Eisenbahndirektionen empsohlen, Vorrichtungen zur Herstellung von Brausemasser und Brauselimonade zu beschaffen, diese Ersrischungsmitlel zum Selbstkostenpreise an die Bediensteten abzugeben. Ein geringes Hinausgehen über den Selbstkostenpreis soll nur dann gestattet sein, wenn Arbeitergemeinschajlen oder Vereine der Angestellten die Herstellung auf ihre Kosten übernommen haben und die geringen Ueberschüsse zu WohlMhrtsem- richtungen für die Mitglieder verwenden. Abgabe der Erzeugnisse an Personen, die nicht im Eisenbahndienst beschäftigt sind, ist streng untersagt. Auch dürfen Getränke nur zum Verzehr während des Dienstes oder der Dienslpausen verabfolgt werden. Damit dieser Wohlfahrtseinrichtung möglichst viele Bedienstete teilhaftig werden, wird der Bedarf kleinerer Stationen, auf denen die Aufstellung eigener Apparate nicht lohnend wäre, von den größeren Stationen aus gedeckt. Die Versendung erfolgt als Dienstpost, lueil die Verwaltung im Interesse der sicheren Beförderung der Personen und Güter, welche die Eisenbahn benutzen, und im Interesse des Lebens und der Gesundheit der Angestellten großen Wert darauf legt, daß die Einhaltung des Alkoholverbots den Bedien st eten möglich st erleichtert iv i r d. Im übrigen sind tue Preise so zu bemessen, daß sämtliche Herstellungskosten, wie Löhne, Materialien, Apparate, Flaschen »isw. voll gedeckt werden. Wenn neuerdings in der Presse Aeuße- rungen laut werden, die behaupten, daß die Verwallnng bei der Preisfestsetzung für diese Getränte die Selbstkosten nicht hinreichend berücksichtige, so sind diese Aeußerungen ebenso unbegründet, wie die wettete Behauptung, daß sie mit dieser Einrichtung Mineral- wassersabrikanten unerträgliche Konkurrenz bereitet. Denn Käufer dieser von der Eisenbahn hergestellten Getränke sind vordem als Abnehnter öffentlich angeborener Mineralwässer ihres viel höheren Preises wegen nur ganz ausnahmsweise in Betracht gekommen.
Der Kongreß für Kiuderforschuug und Jugendfürsorge trat am Montag in der Unioersitätsaula in Berlin zusammen. Den Vorsitz führte Geheimrat Prof. Dr. Münch-Berlin. Vertreter entsandten die Städte Hamburg, Stuttgart, Antwerpen, Kiel, Dortmund, Gelsenkirchen und Rixdorf, der Landesdirektor der Provinz Brandenburg, der Bund des Deutschen Frauenvereins, tue Zentralstelle für Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen, der Verein für ländliche Wohlfahrtspflege und andere.
Die Fragen, um die es sich bei diesen Beratungen handelt, sind von hoher Bedeutung. Man braucht nur an die erschreckende Zahl jugendlicher Verbrecher zu denken, um den Wert vorbeugender Maßregeln auf dem Gebiete der Jugendfürsorge zu erkennen. In der ersten Versammlung, die unter sehr starker Beteiligung stattfand, erläuterte, wie unser Berliner L.-Korrespondent schreibt, ein bemerkenswerter Vortrag des Professors Dr. Baginsky, des Direktors des Berliner Kaiserin Friedrich-Krankenhauses, den Einfluß der Umgebung auf die Kindesseele. Profeffor Baginsky kam dabei auf die Kinderaussagen vor Gericht zu sprechen, die bekanntlich in einer Reihe von mehr oder ntinbet sensationellen Prozessen der letzten Jahre eine große und entscheidende Rolle gespielt haben. Professor Baginsky meinte, Kinderaussagen vor Gericht seien für den wirklich erfahrenen Kinderkenner gradezu null und nichtig. Er wolle sich beinahe verpflichten, in ein Kind von 8 bis 9 Jahren jede beliebige Zeugenaussage hinein und wieder heraus zu examinieren.
Diese Beobachtungen und Erfahrungen eines Gelehrten von dem Range Baginskys machen sicherlich auf Beachtung Anspruch. Dennoch wird man nicht so weit gehen können, die Kmderaussage vor Gericht zu beseitigen durch Einführung entsprechender Bestimmungen, etwa wie in Schweden, daß der als Zeuge zu Vernehmende mindestens ein Alter von 15 Jahren haben muß. Profeffor Baginsky ließ die Frage der Altersgrenze offen, befürwortete grundsätzlich aber die Abschaffung der Kinderaussagen. Wir glauben nicht, daß der Vorschlag in der deutschen Rechtspflege zur Ducch- fühtüng gelangen wird; es wäre durchaus nicht gut, wenn es geschähe. Denn die Gefahr liegt doch sehr nahe, daß da
durch ein starker Schutzwall den Kindern genommen würde, daß Verbrechen aller Art gegen Kinder, beispielsweise fortgesetzte Quälerereien, viel schwerer als jetzt, zu entdecken und zu ahnden wären, wenn die Kinderaussage null und nichtig sein soll. Unsere Gerichte behandeln diese Aussagen schon jetzt mit großer Vorsicht, und das genügt vollkommen.
Keröanb junger KrveUer Deutschlands, n.
(Unberechtigter Nachdruck verboten.)
Genoffe Katzenstein-Berlin legte zu dec Frage: Jugend und Alkohol
folgende Thesen vor:
Der Alkohol ist ein Giftstoff, der betäubend wirkt. Die dem Alkohol zugeschriebenen Wirkungen der Kräftigung, Erwärmung, Erfrischung, geistigen Anregung rc. sind Selbsttäuschungen. Der dem Alkohol zugeschriebene Nährwert ist in Wirklichkeit minimal. Trotz seines giftigen Charakters ist der Alkohol einer der beliebtesten Gegenstände des Massenverbrauchs. Die ungeheitre Zunahme des Alkoholgenusses verursacht fortgesetzt die schwersten Schädigungen des Volkslebens. Die Herstellung und der Vertrieb des Alkohols verzehren einen unverhältnismäßig großen Teil volkswirtschaftlicher Arbeit. Der Alkoholvertrieb unterhält eine große Zahl parasitischer Existenzen. Der Alkoholvertrieb vermindert die Arbeitsfähigkeit. Er ist eine eigentliche Volksseuche. Der Alkohol vermehrt die Unfälle. Er ist tue Ursache zahlreicher Straftaten und verursacht einen großen Teil der GeisteSkrank- feiten. Der Alkohol beeinträchtigt das Familenleben.
' Am schwersten leidet unter den Einwirkungen des Alkohols die Arbeiterklasse. Je geringer das Elnko>nmen ist, umso größer ist der vom Alköholgenuß in Anspruch genommene Teil. Je geringer die körperliche Widerstandsfähigkeit ist, um so gefährlicher sind die Einwirkungen des Alkohols. Die allgemeine Unsicherheit der Existenz des Arbeiters erhöhen für ihn die allgemeinen Gefahren alkoholischer Ausschreitungen. Die Arbeiterklasse ist in ihrem Befreiungskämpfe auf klarblickende Kämpfer angewieserr. Der Alkohol aber ist eine Quelle der Indifferenz und des bnitalien Egoisnius, ein Hemmnis der Organisation, eine Quelle des Streikbrechertums, der Korruption, der Unbesonnenheit.
Daher ist die Arbeiterklasse in erster Reihe zur Bekämpfung des Alkohols berufen.
Gleichfalls besonders den Gefahren deS Alkohols ausgesetzt ist die Jugend. Besonders gewissenlos ist die Verabreichung von Alkohol an Kinder. Insbesondere die erwachsene männliche Jugend wird durch Alkoholgenuß in ihrer Widerstandsfähigkeit beeinträchtigt. Dec junge Mann, der die Unterlagen zur Gründung einer Familie schaffen, später gesunde Kinder in die Welt setzen, im öffentlichen Leben seinen Mann stellen will, wird hierin durch den Alkohol beeinträchtigt und gefährdet. Der jugendliche Idealismus wird gehemmt durch die Wirkung des Alkohols. Darum ist vor allem die denkende und begeisterte Jugend der Arbeiterklasse bestimmt, den Vorkampf gegen den Alkohol zu führen.
Als durchschlagendes Kampfmittel gegen den Alkoholis- mus hat sich nicht die Predigt der sogenannten Mäßigkeit, der die werbende Kraft des Beispiels abgeht und die oft nur einen Deckmantel für bequemes Sichgehenlassen abgibt, erwiesen — vielmehr, neben der wissenschaftlichen Aufklärung über Wesen und Gefahren des Alkohols, ausschließlich die Abstinenz: die grundsätzliche und völlige Enthaltung von alkoholhaltigen Getränken jeder Art.
Die Abstinenz hat nicht zur Voraussetzung der Schädlichkeit auch des kleinsten Quantums Alkohol. Wie bei jedem Gifte, gibt es auch beim Alkohol ein Mindestmaß, das nicht mehr merklich schädlich wirkt. Indessen ist festgestellt, daß auch geringe Mengen bereits körperliche und geistige Minderleistungen verursachen, umsomehr, je mehr sie gewohnheitsmäßig genossen werden und je geringer die Widerstandskraft der Person ist. Die Abstinenz ist das einzig sichere Mittel, sich vor Schaden, wie die Ueberschreitung eines individuell verschiedenen, immer aber sehr geringen Mindestmaßes ihn verursacht, zu bewahren. Sie ist das wirksamste Mittel der Propaganda. Die Veredlung deS geselligen Lebens erheischt die Befreiung vom Trunk mit den damit verknüpften Unsitten und Ausschreitungen aller Art.
Die Abstinenz ist nicht Selbstzweck, sondern ein Mittel im Ringen um höhere Kultur, um Gesundung der Rassen im Befreiungskämpfe des arbeitenden Volkes. Da die Alkohol- gewohnheiten aus sozialen Uebelständen mannigfachster Art erfließen und durch geistige Rückständigkeit gefördert werden, muß der Kampf gegen den Alkoholismus Hand in Hand gehen mit sozialpolitischer Reformarbeit und gründlicher Aufklärung auf allen Gebieten. Dabei darf die Pflege alkoholfreier edler Geselligkeit, die Bekämpfung des Trinkzwanges und der Trink- sitten nicht unterbleiben.
Die Bekämpfung des Alkohols ist eine Aufgabe der gesamten Arbeiterbewegung, deren politische, sozialpolitische, gewerkschaftliche und genoffenschaftliche Betätigung in dieser Richtung zu wirken hat. Die Vertrauenspersonen der Bewegung sind in erster Linie berufen, diese Frage zu studieren und die Konsequenzen ihrer Erkenntnis zu ziehen. Je früher dieses Studium beginnt, je früher der Einwurzelung dec Alkoholsitten ein Damm gesetzt wird, um so kräftiger und klarer wird die weitere Bewegung sich entfalten. Insbesondere in Zeiten lebhafter Bewegung, bei Streik» und Wahlbewegungen, wo die Aufgabe der Selbstbeherrschung von größter Wichtigkeit ist, ergibt sich die Forderung der Abstinenz. Eine wirksame Massenstreikbewegung hat die Alkoholenthaltsamkeit zur Voraussetzung. So ist die Arbeiter-Abstinenzbewegung ein Mittel der Aufrüttelung, der Willens«rtüchtlgung, der
Selbstbefreiung des arbeitenden Volkes. Der Redner schließt seine Thesen mit Ibsens Wort:
„Das Wort ist wie im Meer ein Pfad, Doch eine tiefe Wegspur läßt die Tat.*
Man hatte erwartet, daß das Thema der militaristischen Propaganda einiges Interesse bet den jungen Gardeleuten erwecken würde. Bei der Festsetzung der Tagesordnung hielten die »Jugendlichen" aber das Thema für ziemlich unwichtig, denn sie erhärten, sie wollten erst die anderen Themen erledigen, jetzt da noch alle Delegierten anwesend seien. Die Absage an Liebknecht war also ziemlich deutlich.
Eine ausgiebige Debatte entfesselte die Beratung der Statuten. Dr. Frank konnte dabei unter der Heiterkeit der Versammlung den
„frischen revolutionären Ton" eines Jugendlichen aus Pirmasens loben. Ueber die Frage, in welchem Alter man die Genossen aus der Jugend-Organisation zum Anschluß an die Partei veranlassen müsse, war man sich nicht im klaren. Das 23. Lebensjahr sicht man im allgemeinen als Scheideweg an. Auch der Anregung, weibliche Mitglieder in die Organisation aufzunehmen, standen viele Genossen nicht sympathisch gegenüber. Die Organisation der Fabrikmädchen sei Arbeit der Fcauenorganisation.
Das Statut wird en bloc angenommen.
Dr. Frank, die treibende Kraft der Jugendorganisation, legt dann das Verhältnis zwischen
Partei und Jugeudgarde dar. Die sozialdemokratische Partei erwartet von unS Arbeit auf drei Gebieten: 1. Wir müssen uns gegen die Ausbeutung der Jugend, gegen die Mißachtung dec Jugendschutzbestimmungen wenden, wie unsere österreichischen Genossen. 2. Der junge Mensch muß auf spätere politische Wirksamkeit vorbereitet werden. Dazu ist Aufklärung auf allen Gebieten erforderlich. 3. Der Proletarier muß zu dec Ueberzeugung kommen, daß der jetzt bestehende Militarismus nicht mehr von langer Dauer sein kann. Es wird notwendig sein, den Proletariern das Bewußtsein beizubringen, daß der Mann in der Uniform trotzdem noch Arbeiter bleibt. Planmäßig muß das Klassenbewußtsen geschaffen und entwickelt werden.
In dec Diskussion trat man dafür ein, daß der jungen Garde von den alten Genossen Geldmittel zur Verfügung gestellt würden.
Dr. Dunk er-Dresden: Die Jugendorganisation sollte sich die Pflege der Massengesangs angelegen sein lasten. Ick habe gehört, daß gestern beim BegrüßungSabend auch KupletS zum Vortrag gekommen sind. Dis gehören nicht in Ihre Reihen. Halten Sie auf Reinheit. Für Sie ist die Hauptsache, zu lernen.
Lehrer Schulz-Bremen: Treten Sie nicht in den Kampf gegen die alte Garde. (Beifall).
Eine Resolution des Dr. Frank, welche die Errichtung von Lehrlingsschutzkommissionen fordert, wird angenommen.
In später Stunde sprach Rechtsanwalt Dr. Karl Lie b«* knecht über Militarismus. Es müsse in eine weitgehende Agitation eingetreten werden. Ueber Umfang und Art dieser Agitation müssen genaue Vereinbarungen getroffen werden. Zur Behandlung dieser Frage soll vom Verband der Jugendlichen eine Kommission eingesetzt werden.
Stach Erledigung verschiedener Anträge und nach Voc- nahme der nötigen Wahlen wird dann die Tagung geschloffen.
Das letzte Viertel des Jahres hat begonnen. So laden wir denn zum Abonnement auf den
Gießener Anzeiger für dieses Quartal em. Einer Darlegung unseres Programms' oder Anpreisung des Inhaltes unseres Blattes, das sich weitesten Ansehens erfreut, bedarf es nicht. Der „Gieß. Anz." ist anerkanntermaßen die größte, und zwar völlig unabhängige, für die Versöhnung der Gegensätze zwischen Stadt und Land, sowie der beiden wesentlichen politischen Gruppierungen unter den bürgerlichen Parteien Hessens eintretende, die berechtigten Interessen von Industrie und Landwirtschaft nach Möglichkeit fördernde Zeitung Oberhessens.
Ganz besonders machen wir auf den in dem wöchentlich viermal erscheinenden Beiblatt „Gießener Familienblätter" seit dem 12. September zum Abdruck gelangenden ungemein spannenden Roman „Im Banne deL Geheimnisses" aufmerksam, dessen Anfang auf Verlangen nach- geliefert wird.
Die Bestellung ist sofort bei den Postanstalten oder unseren Boten zu veranlassen.
WcgcUerbrechenS im Amt vor dem Schwurgericht- th. Gie ßen, 2. Oktober.
Gestern entrollte die Verhandlung vor den Geschworenen ein überaus bedauernswertes Veanrten-Elend. An- geilagt wegen Unterschlagung von 1050 Mk. zum Nachteil des Eisenbahnfiskus mrd wegen unrichtiger Führung und Verfälschung der Bücher war der 34jah-rige, der Tat geständige frühere Weichensteller Otto Ullrich, früher zu Geiß-^öidda, der am 1. Januar d. I. als stellvertretender Stationsvorsteher nach Dorheim versetzt ist. Die Anklage vertrat Gerichtsassessor Dr. Hetzel, die .Verteidigung führte Justizrat Dr. Gut fleisch. Der Angeklagte, dem als Beamter und als Familienvater das denkbar beste ßeugnis gegeben wird, verdieirte vor seiner Anstellung den Tag 2,50 Mk., er hatte eine seit längerer Zeit kranke Frau und drer Kinder zu ernähren und geriet, bevor er nach Dorheim versetzt worden war, in Schulden. Nach seiner Versetzung nach Dorheim hatte er UOU Mk. Gehalt und 60 Atk. Wohnungsgeld. Bei der ersten Gehaltszahlung wurden dem Be^


