Mittwoch 86. September 1906
Erstes Blatt
.Er
den
156. Jahrgang
einen: Anfangsgehalt von 3600 Mark zu vermehren, wird angenommen.
Hierauf wurde der Bericht über die
Tätigkeit de8 Reichstags entgegengenominen.
August Bebel: Die ganze Fraktion bedauert
rrr. 2A6
Erscheint tügltch anher Sonntag-.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechiel mit dem Hessischen Landwirt die Giessener Familien, blätter viermal in der
Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Unwers.-Buch-u.Slein- druckeret. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei:
Schul st ratze 7.
Redaktion 112
Verlag u.(S$peb.e=^51 Adresse für Depeschen:
Anzeiger Gießen.
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger
Amts- und Anzeigebiatt flr fcai Kreis Metzen
unglückseligen Vorgang bei der Borussiainterpellation. Künftig hat der Vorstand der Fraktion bei ähnlichen Interpellationen die Pflicht, schon am Tage vorher alle Fraktionsmitglieder telegraphisch zu berufen. Es ist uns vorgeworfen worden, wir hätten für den
Befähigungsnachweis für das Baugewerbe keine Massenagitation betrieben. Wenn wir das bei jeder solchen Gelegenheit täten, so kämen wir aus den Massenagitationen und Versammlungen nicht heraus. (Sehr richtig!) Und wir hatten dann auch in diesen Versammlungen sprechen sollen. Bei uns in der Fraktion sind schon für jede sozialpolitische Frage zwei bis drei Redner bestellt, z. B. schon zur Heimarbeiterschutzfrage. Was das Zusammenarbeiten in der Fraktion anlangt, so ist es in keiner Fraktion besser, als gerade bei uns. Bei den Steuerfragen war ein gewisses Schwanken vorhanden. Die Tantiömensteuer wurde von unseren Kommissionsmitglie- dern abgelehnt. Später stimmten wir für die Tantiömensteuer, weil wir uns sagten, es ist ein erstes Kerlchen in das bisherige System und führt zur direkten Besteuerung. Unsere Vertreter im Seniorenkonvent haben sich den Vereinbarungen angeschlossen, keine Anträge zum Mannschaftspensionsgesetz zu stellen, weil das ein kompliziertes Machwerk ist.
Hoch- Hanau fühlt sich nicht befriedigt durch Bebels Worte.
Das Mißtrauensvotum gegen das Verhalten der Fraktion Bei der Borussiainterpellation wird abgelehnt. Der ähnliche Antrag, der nur das Bedauern über den Vorfall ausdrückt, gelangt zur Annahme.
Der Parteitag überweist den Antrag betreffend Landarbeiterfrage dem Parteivorstand zur Berücksichtigung.
Verschiedene Anträge fordern wieder die Alkoholfrage auf die Tagesordnung zu setzen. In dem Moment, wo die Alkoholfrage zur Behandlung kommt, bestellen mehrere Delegierte ein Glas Wein.
Neichstagsabg. Bruhns: Der Alkoholismus ist ein gewaltiges Hindernis unserer Aufklürungs- und Orga- ganisationsarbeit. Der Fusel ruiniert das ganze Volk, zerstört die Famllie. , _ _ . _
Auch andere Genossen weisen auf die Ge fahr en des übermäßigen Alkoholgenusses hin. .
Au g u st B e b e l: Ich bitte, den Antrag dem Vorstande nur zur Berücksichtigung zu überweisen. Haben wir Gelegenheit dazu, so werde ich selbst dafür eintreten, datz
Behauptung Stampfers völlig ungerechtfertigt. Stampfer bemüht sich, Drohungen mit der Revolution dem „Vorwärts" vormwerfen. Das ist eine völlige Verdrehung. Ein ähnliches Beispiel spielte sich einst mit unserer Genossin Bader ab, die in Bernau bei Berlin einst die Männer zum sofortigen Kampf aufforderte, natürlich zum geistigen. Denn jeder, der unsere Genossin kennt, traut ihr zwar alle Schandtaten zu (Schallende Heiterkeit), aber nicht, daß ie ausgerechnet nach Bernau geht und die Männer von Bernau zur Erstürmung Berlins aufsordert. (Stürniische Heiterkeit.) Mer der Gendarm faßte die Aufsorderung als sofortige Aufreizung zum Kampfe auf. Das Gericht schloß sich ihm an. So steht es mit dem Genossen S t a m p f e r auch. Er ist unser Liter aturgend arm. (Stürmische Heiterkeit.)
Stampfer: Ich bin in der merkwürdigen Lage, die gegenwärtige Redaktion des „Vorwärts" in Schutz nehmen zu müssen gegen die Angriffe Hochs. (Heiterkeit.) Er sagte, der „Vorwärts" sei zu scharf gewesen. Wenn ich aber alles getan hätte, was man mir vorgeworfen hat, dann war der „Vorwärts" mit seinem Tone im Recht. Wenn ich so ein „dunkler Ehrenmann", so ein „Fälschergenie" bin, dann müßte ein Schiedsgericht mich mit Schande aus der Partei jagen. (Sehr richtig!) Ich sehe hier Leute, die als die elende st en, infamsten, gemeinsten Schurken, als „tote Stuten", als „Lauscher an der Wand" usw. beschimpft worden.sind und doch noch immer in der Partei sind, weil wir sie den Gegnern gegenüber decken. Der Parteigendarm Kautsky hat mich gehörig zerzaust. Der „Vorwärts" merkte, daß etwas schwankte, er merkte nicht, daß er es selbst war und glaubte daher, ich wäre es. (Heiterkeit.) Ich bin nicht Bebel, aber mir kann doch auch mal eine Laus über die Leber laufen. (Heiterkeit.) Lesen Sie den Artikel noch einmal ruhig durch und wenn Sie mich dann noch einen Fälscher nennen, dann werfen Sie mich in Gottes Namen aus der Partei heraus (Zurufe: Werden wkr auch tun.)
Wels-Berlin: Braun, der sich mit der sittlichen Entrüstung, die ihm so gut steht, als Hoherpriester der Parteisittlichkeit ausspielte, hat wohl aus der Lachsalve, die sein Abgehen begleitete, gesehen, wie man die Wichtigkeit feinte Worte einschätzt. (Sehr wahr.) Die „Neue Gesellschaft" wird nie in der Partei Heimatsrecht haben. Die politische Arena ist doch kein Altjungfernspital. (Lebhafte Zustimmung.) Der „Vorwärts" wird bei seiner Taktik bleiben.
Die Angelegenheit Stampfer wird einem Schiedsgericht unterbreitet werden.
Während der ganzen Diskussion über die Stampferaffäre ging Frau Lilly Braun mit einem Lorgnon durch den Saal und musterte spöttisch die Genossen, die den Gegnern ihres Gatten Beifall klatschten. Wiederholt sprach sie auch auf den Genossen Stampfer ein.
Es ist ein Antrag vom Parteivorstande eingegangen, den Parteivorstand um einen Parteisekretär mit
VezugSpretsr monotheb 75'131, Dterteb jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch dicPost Wit. 2.— viertel» jährl. auSschl. Bestellg. Annahme von Anzeige» für die TageSnuuuner bis vormittags 10 Uhr, ZeileupreiS: lokal 12 Pf, ausivärts 20 Pfg.
Verantwortlich für den polit. und allgem« Teil: P. Witiko: für »Stadt und Cant)' und «Gerichtssnal*: Ernst Hetz; für den Anzeigenteil: HanS Beck,
die Alkoholfrage schon auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages gesetzt wird. (Beifall.)
Die Anträge zur A l k o h o l f r a g e werden dem Partes Vorstande zur .Berücksichtigung, überwiesen.
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Aus Mannheim wird uns' heute geschrieben:
Zu den „Schwarzsehern" gehört auch Aba. Bebel, denn er spricht in seiner Resolution zur Frage des Massenstreiks von „Bedrückung und Ausbeutung der Arbeiter- kl a s s e". An der Staalsfürso r g e, wie sie in der Arbeiterversicherung zum Ausdruck kommt, geht der Sozialistenführer! vorüber, und doch ist es Tatsache, daß in keinem Lande der Erde, auch nicht in dem gepriesenen England, die soziale Gesetze gebung so gepflegt wird, wie in Deutschland.
Nach der Berechnung eines sozialdeuwkratischen Schrift« stellers in den „Sozialistischen Monatsh." bedeutet die Ar- beitervcrsicherung eine tatsächliche ökonomische Besserstellung der deutschen Arbeiterschaft um l'/r Milliarden Mark. Es gibt wohl niemanden in Deutschland, der den nichtbesitzenden Klassen diese Zuwendungen mißgönnte; es gibt im Gegenteil bürgerliche Politiker in Hülle und Fülle, die mit Bebel der Meinung sind, es müsse noch mehr zu Gunst en der Arbeiterschaft getan werden. Auf der anderen Seite fehlt es allerdings nicht an Leuten, die bereits jetzt ein Uebermatz der Staatsfürsorge für vorlieacnd erachten und gegen die „Theoretiker der schrankenlosen Sozialresorm" ankämpfen, weil! sie der Meinung sind, die deutsche Produktion könne eine weitere Belastung durch Kosten der sozialen Versicherung nicht tragen. Es wird von dieser Seite gerade gegenwärtig in rechtsstehenden; Blättern darauf hingewiesen, daß die für das Jahr 1910 in Aussicht genommenen Arbeiter-Witwen- und Waisen- Versicherung eine Mehrbelastung der deutschen Produktion um jährlich 200 Millionen Mark bedeute. Für Bestreitung der Kosten dieser Versicherung sollen bekanntlich nach den Bestimmungen des Zolltarifgesetzes bis zu einem gewissen Grade die Mehreinnahmen aus den Agrarzöllen herangezogen werden. Man muß da denn doch fragen, warum diejenigen damals nicht gegen das ganze Zoll- tarifgefctz gestimmt haben, die iejt an der Arbeiter-Witwen-- und' Waisenversicherung unmutig herumkritisieren? Es fällt aus der Erhöhung der Getreidezölle also wohl doch ein; trotz alledem Erkleckliches für die Landwirtschaft ab.
Ueberhaupt erscheint cs gerade vom Standpunkt einer bürgerlichen Partei aus wenig angebracht, zu behaupten, Deutschland treibe in einem Tempo Sozialresorm, das mit seiner finanziellen Leistungsfähigkeit nicht Schritt halte. Der für Sozialpolitik ver^ antwortliche Staatsmann ist Graf Posadowsky, und von ihm, der früher selbst Reichsschatzsekretär war, wird im Ernst nicht angenommen werden können, daß er verabsäume, das sozial- reformerische Wollen mit hem finanziellen Können im Einklang- zu halten. Aeußerste Linke und äußerste Rechte neigen zwar beiderseits dazu, im Grafen Posadowsky den vorn Ueberschwang der Theorie beherrschten, weltfremden Ideologen zu sehen. Mer sie würdigen nicht nach Gebühr, daß dieser Staatsmann seit Jahren; schon seinen Sommerurlaub dazu benutzt, mit dem praktischen Leben Fühlung zu nehmen, die sozialen Fortschritte im Ausland zu studieren usw. Zur „Schwarzseherei" liegt sozialpolitisch in der Tat kein Grund vor, solange ein der Arbeiterschaft wohlgesinnter Staatsmann wie Graf Posadowsky das Reichsamt desf Innern leitet, und solange der größere Teil der bürgerlichen Parteien entschlossen ist, in der Fürsorge für die Arbeiterschaft fort-, zufchreiten, selbstverständlich im Rahmen des finanziell Möglichen. Diese natürliche Schranke ist jeder vernünftigen Sozial^ Politik gezogen.
DenLscherReLctz.
Berlin, 25. Sept. Der Landwirtschaftsminister v. Pod> b i e l s k i wird wahrscheinlich Anfang nächster Woche von seinem! Jagdausfluge nach Berlin zurücktehren und die Geschäfte des Lands Wirtschaftsministeriums wieder übernehmen.
Eisenach, 25. Sept. Tie Parteileitung berfreif. Volkspartei hat dem Vorschlag der Nationalliberalen, bei; den bevorstehenden Landtagswahlen gemeinsam vorzugehen, zugestimmt. Die Einigung erstreckt sich insbesondere auf sämtliche ländliche Wahlkreise des Eisenacher Landes. Gemeinsame Programmpunlte, welche das Vorgehen hinreichend begründen, sind die Erringung des direkten Wahlrechts für die allgemeinen Wählen zum Landtag, Schaffung: eines Verwaltungsgerichtshofes und Verbesserung der Gemeindeordnung. , , , , .
Karlsruhe, 25. Sept. An einem Essen, das bei bem! Prinzen Karl stattfand, nahm auch ber Führer ber So- zialbemokraten in der Zweiten badischen Kammer, Vize^ Präsident Geck, teil. ,
Augsburg, 25. Sept. Die Hauptversammlung des Gustav-Adolf-Vereins wurde heute nachmittag eröffnet. Mit herzlichen Worten begrüßte der erste Bürgermeister Hofrat Wolfram die Versammlung, wenn auch zunächst im Namen der evangelischen Bevölkerung der Stadt, so doch mit der Gewttzhett, daß auch ihre katholischen Bewohner dem Verem, der eine Friedensarbeit treibe, ein herzliches Willkomm entböten, v. Schneider, der Präsident des bayerischen Landeskonsistoriums, überbrachte die Grüße der protestantischen Kirche Bayerns. In glanzenbrr Rede erwiderte der Vorsitzende Geh. Kirchenrat D. Pank auf sämtliche Begrüßungen mit einem Rückblick auf die große Geschichte Augsburgs, insbesondere auf das hier abgelegte Bekennt-, nis und auf den hier abgeschloßenen Religionssrieden. Am; heutigen Abend fanden in zwei Kircken zahlreich besuchte Gottesdienste statt. ■ . .
München, 25. eept Im landwirtschaftlichen Kreisv erein für Oberfranken stellte Freiherr v. Fei^ litzfch folgende Thesen auf:
1. Die Landwirt schaftbeklagtdiehohenFleisch- preise, da der Nutzen, den die Landwirtschaft daran hat, in feinem Verhältnis steht zum Nachteil des konsumierenden Publikums. 2. Die Landwirtschaft ist an der Fleischteuerung nicht schuld, sondern die abnormen Ernteverhältnisse der letzten Jahre. — 3. Viehmar.gel ist nicht vorhanden, die Ställe sind mit Jungvieh gefüllt. 4. Der Mangel an Schlachtviehversicherungen i|t eine Hauptursache der Fleischteuerung. 5. Ws iveitere Ursache kommt noch in Betracht: die Zunahme der S&e* DÜlteriing, die hohen Lohne, die bessere Lebenshaltung."
Tie Breslauer Arbeiterkrawalle vor Gericht.
Nachdruck verboten.
IIL
S. u. H. Breslau, 25. Sept.
Eine Zeugin bekundet, daß sie am 19. Aprit zwischen 6 und 7 Uhr abeiids den Angeklagten Schneider mit einem Messer
Aie Heutige Aurumer umfaßt 12 Seiten.
Sozialdemokratischer Parteitag.
IIL
(Unberechtigter Nachdruck "verboten.)
S. u. H. Mannheim, 2o. Sept.
3weit ec Tag.
Der Parteitag tagt von heute ab in einem der schönsten, wenn nicht dem schönsten Saale Deutschlands, dem Ribe- lungensaale des Rosengartens.
Am heutigen zweiten Verhandlungstage wurde zunächst der Bericht der Mandatprüfungskommission erstattet. Darnach sind aus dem Parteitage 313 Delegierte erschienen, die 335 Mandate vertreten. Außerdem-sind noch anwesend 52 Vertreter der Partei int Reichstage, 20 Parteifunktionäre und 19 ausländische Gäste mit Mandaten, sodaß der Parteitag im ganzen 404 Teilnehmer zählt. Dann wird in der Diskussion über den Geschäftsbericht fort- gesahren.
Ulrich-Offenbach verteidigt den sachlichen Standpunkt des Finanzministers der Partei. Er wendet sich aber gegen das scharfe Urteil, das Gerisch gegen einige Genossen gefällt hat. Er hält das Verfahren des Vorstandes, der das Protokoll der Generalkommission veröffentlichte, für berechtigt. Das mußte geschehen, schloß er, wenn wir nicht wie „das Kind beim Dreck" dasitzen wollten.
Hoffmann -Hamburg fordert die Festsetzung eines Minimalbeitrages. Das Herumdrücken ums Beitragzahlen sei nicht zu billigen. Solche jesuitischen Kniffe seien der Partei unwürdig.
Hoch-Hanau bringt nochmals die Affäre Stampfer zur Sprache. Stampfer hatte der Vorwärtsredaktion vorgeworfen, daß sie bald so, bald so schreibe, und das durch Zitate belegt. Der „Vorwärts" nannte das einen „Bubenstreich" und wies ihm eine böswillige Fälschung des Sinnes der Zitate nach. Es war eine absichtliche, böswillige Verdrehung des Wortlautes. (Sehr richtig!) Das schärfste Wort war noch nicht scharf genug gegen diese Unehrlichkeit und Gewissenlosigkeit. (Zustimmung.) Der Schimpfartikel erschien im,;Blatte des Genossen Braun. Braun weiß jetzt, daß der Artikel eine Fälschung war, er hat sich aber nicht entschuldigt. Das ist schamlose Fälschung. (Sehr richtig!) Solche Genossen, die so ehrlos handeln, gehören nicht mehr zur Partei. (Sehr richtig!) Das ist schamlos gehandelt. (Lebh. Beifall.)
Alberti-München: Ich schließe mich den Worten gegen das Treiben des „Vorwärts" an. Ausdrücke, wie „dunkler Ehrenmann" find' geradezu unerhört, überhaupt der ganze Don, der in der Redaktion herrscht. (Bebel ruft: Was hat denn die „Münchener Post" im Vorwärtskonflikt gesagt?) Wir haben solche Ausdrücke nie gebraucht und müssen ganz energisch dagegen protestieren, daß man einzelnen Genossen einfach die Ehre abfchneidet. (Oho-Rufe.) Tas ist absolut unerhört, Parteigenossen so zu beschimpfen. - (Zurufe: Jawohl, Stampfer!)
Dr. Heinrich Braun-Berlin: Hier auf dem Parteitag macht sich ein Ton gellend, der durchaus unziemlich ist. (Lachen./
Singer: Ueberlassen Sie das Urteil darüber dem Bureau.
Braun: Mag der Parteitag entscheiden, vb der Ton der Polemik Hochs gegelt Stampfer und mich angemessen war. (Lachen.) Man hat mir r/orgeworfen, eine „schamlose Fälschung" wiederholt mitbegangen zu haben, indem ich nicht auf die Angriffe des Vorwärts gegen Stampfer eingehe. Die Worte in dem Artikel Stampfers, das Proletariat solle das Pulver trocken und das Schwert geschliffen halten, sind in ganz falschem Zusammenhang zitiert worden. Der Vorwärts hat lediglich in der Verlegenheit gehandelt, wenn er sich auf dieses Wort stürzt und ihm einen Strick daraus drehen will. (Lebhafte Zurufe.) Die Stellen, die die Meinung Stampfers klar darlegten, sind vom Vorwärts einfach verleugnet worden. Es ist eine Verfälschung Stampfers Ansicht, wenn man ihm Widersprüche unterstellt. Es war in dem Artikel nur zu beweisen, daß der „Vorwärts" an völliger Haltlosigkeit leidet, daß er bald heiß bläst, bald kalt bläst, je nach den Weisungen'von oben. (Unruhe. Es ist der Mangel an-Einheitlichkeit, an K du s e - quenz, den wir ihm vorwerfen. (Lachen.) Das leitende Organ, das der Partei Direktiven geben soll, ist selbst vollkommen direktionslos. (Gelächter.) Das ist bewiesen worden. Die Vorwürfe gegen Stampfer sind falsch, ebenso die gegen mich. Wir in der „Neuen Gesellschaft" lassen jede persönliche Spitze beiseite. (Stürmische Heiterkeit.)
Ströbel von der Vorwärtsredaktion verteidigt die Haltung der Redaktion. In der Weise, wie Stampfer gehandelt hat, wird die Polemikvergiftet. Diese u n - ehrliche Weise muß gebrandmarlt werden. Diese hämische, höhnische Art muß dazu führen, daß es aus dem Wald herausschallt, wie hineingerufen wird. Warum hat man denn diese infame Methode des Kampfes gerade vor dem Parteitag eingeleitet. (Sehr wahr.) Dieses F ä l s ch e r g e n i e ist wirklich nicht mit Unrecht so genannt worden. Daß ein Massenstreik zurzeit unmöglich war, hat der „Vorwärts" immer behauptet. Der Artikel Stampfers war eine bewußte Fälschung, eine systematische Unehrlichkeit. Man hat den Vorwarts- redakteuren vorgeworsen, sie seien schwache Kopse, freilich in Fälschertünsten sind sie nicht bewandert. Ich hoffe, daß die Genossen von der „Neuen Gesellschaft" sich endlich mal eines anständigen Tones befleißigen werden. (Lebhafter Beifall.)
Reichstagsabg. Led eb o ur: Wenn man objektiv als .Ganzes die Haltung des „Vorwärts." betrachtet, so ist die


