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Weise 51t gestalten. Er teer eine durchaus praktisch veranlagte Matur, dem seine Kollegen vieles verdanken. Seine nur auf Drängen der Kollegen veröffentlichten Aussätze in den forstlichen Tageszeitungen fanden anerkennenden Widerhall in den Fachkreisen ganz Deutschlands. Er liebte es in seiner überaus großen Bescheidenheit und Einfachheit nicht, sein Wirken in den Vordergrund zu drängen. Seine Taten reden eine um so lautere Sprache für ihn.
Bei der Gründung der forsilichcn Wirtschaftsräte im Jahre 5.899, von welchen di Behandlung forstwirtschaftlicher und ^wissenschaftlicher Ausgaben, die Erwägung brennender forstlicher Tagesfragen, die Besprechung von Wirtschästsmastnahnien an Ort und Stelle im Walde irsw. zu geschehen hat, wurde für den Bezirk Gießen Geh. Fvpstrat Heber von seinen Kollegen einstimmig zum Vorsitzenden erwählt. Er hat dieses Amt bis zu seiner Pensionierung vcrseh'n. Die ?iebe nd di'Verehrung Hiner Kollegen äußerte sich in dein herzlich i'.nd aufrichtig empfundenen, warmen Nackruf, den Gronh. Forstmeister Schwarz vm Ober-Eschbach dem teueren unvergeßlichen Däyingeschiedenen am Grabe widmete.
Rcqniescat in pace.
Der Kroßöerzog von Kessen über Keine.
Wir lesen heute in den Darmstädter Blättern:
Im Auftrage des Darmstädter Sonderausschusses für Heinrich Hein e's deutsches Denkmal mürbe am Mittwoch Herr Hermann Schmallenbach vom Großherzog empfangen. Der letztere sprach seine Befriedigung darüber aus, daß der große Dichter, welcher die deutsche Sprache mit einer solchen Feinheit und Eleganz gehandhabt habe, wie deren kaum die Meister der französischen Sprache fähig gewesen feien, eidlich auch in Deutschland fein läng st verdientes Denkmal erhalten solle. Den ganz besonderen Beifall des hohen Herrn fand, daß unsere als Kunststadt aufstrebende Residenz auch in diesem Falle in die erste Reihe getreten fei.
lieber den Aufstellungsort des Denkmals äußerte der Landesherr den Wunsch, es möge am Rhein und nicht in B er l in erstehen, nicht nur, weil die mehr sentimentale Seite des Dichters bie dann in erster Linie zum Ausdruck komme, die bekanntere und beliebtere im deutschen Volke sei, sondern weil der Rhein im Gegensätze zu Berlin und zur Nordsee doch von jeb ent Deutschen einmal besucht werde. Das Denkmal soll doch ein Dankesausdruck der ganzen Nation fein. Selbstverständlich wird diese Ansicht, zumal sie von der Mehrzahl der bekannt gewordenen Spender geteilt mirb, seinerzeit vertreten werden. Im ganzen versicherte der Großherzog, daß das Illtternehmen seiner freudigsten Zu st immung gewiß sein dürfe.
Diese guten und klugen deutschen Fürstenworte legen aufs neue beredtes Zeugnis ab von der freien und weiten Lebens- und Kunstauffassung unseres verehrten Landesherrn. Die Geschichte der deutschen Nationallitteratur wird dafür den Großherzog Ernst Ludwig von Hessen nimmer vergessen.
Ans StaSt und Land.
Gießen, den 24. März 1906.
** Auch im neuen Quartal wird der Gießener -Anzeiger sich bemühen, der wachsenden Beliebtheit, deren er sich in weiteren Kreisen von Stadt und Land erfreut, LaLnrch Rechnung zu tragen, daß er sich bemüht, den wirtschaftlichen und geistigen Interessen der Bevölkerung zu dienen. Allen Gebieten des politischen und wirtschaftlichen Lebens, sowie den lokalen Vorgängen in Stadt und Land wird die gebührende lebhafte Aufmerisamkeit gewidmet. Dem Bedürfnis nach Unterhaltung wird durch die „Gießener Familienblätter", in denen gegenwärtig ein besonders spannender Roman erscheint, in trefflicher, die 'Heimat besonders berücksichtigender Weise Rechnung getragen. Die ausführlichen Parlamentsberichte und Briefe aus Reichstag und Landtag und ein vorzüglicher Nach>- richtendienst sind weitere besondere Vorzüge des Gießener Anzeigers. Ter Abonnementspreis des Gießener Anzeigers fist trotz feiner Reichhaltigkeit sehr niedrig, und eine Probe- Lestellung für das 2. Quartal wird sicher zum dauernden Bezug der Zeitung Veranlassung geben.
** Militärpersonalien. Folgende Vizefeldwebel bezw. Vizewachtmeister befördert zu Lts. der Nes.: Mickel (Torgau), des Jnf.-Leib-RegtS. Großherzogin (3. Gr. Hess.) Nr. 117, Fröhling (I Bochum), des 1. Gr. Hess. Feld- art.-Negts. Nr. 25, Hartbau in, Böckmann (I Darmstadt) des 1. Gr. Hess. Inf.- (Leibgarde-) Ngts. Nr. 115, Büttner (I Darmstadt), des Jnf.-Rgts. Kaiser Wilhelm '(2. Gr. Hess.) Nr. 116, Clemm (Friedberg), des 5. Groß- herzogl. Inf.-Ngts. Nr. 168, Moeser (I Darmstadt), des 2. Großh. Hess. Feldart.-Rgts. Nr. 161. — Schm 0 ele (Münster), Oberlt. der Res. des 2. Gr. Hess. Feldart.-Regts. Nr. 61, zum Hauptm. befördert. — Der Abschied bewilligt: Scholl (I Darmstadt), Oberlt. derLandw.-Inf. 2.Aufgebots, Ax (I Darmstadt), Lt. der Landw.-Jnf. 2. Aufgebots. — Bramm, Kriegsgerichtsrat, von der 8. zur 30. Div. (Amtssitz Saarburg) zum 1. April 1906 versetzt.
” Personalien. Uebertragen wurde dem Schulamts- aspiranten Dan. Komo, aus Hausen (Kreis Offenbach) eine Lehrerstelle au der höheren Bürgerschule zu Groß-Bieberau.
** V 0 u der landw. Gen v ssen schaf t in Fried- lb er g. Nach einer Mitteilung der „Meinen Presse" toeilt seil einigen Tagen Landgerichtsrat Wehner in seiner Eigenschaft als Nntersuckmngsrickster in Friedberg, um dort die Bücher der Genossenschaft zu revidieren. Wre die „Kl. Pr." weiter mitteilt, liegt gegen den 2. Direktor Hirschel der als der eigentliche Leiter der Genossenschaft gilt, bet Verdacht vor, Gelder der Genossenschaft an die Kasse verspätet c.t)geliefert zu haben. Auch das Depeschen- bureau „Herold" verbreitet eine ähnliche Meldung. — Wir geben riefe Rachrich. unter allem Vorbehalt wieder und können im Interesse der Genossenschaft nur wünschen, daß der Sachverhalt möglichst bald klargesteNt wird. — Gleiche- zeitig schütteln T e u t s ch s 0 z i a l e und Reformer öerrn Hirschel von ihren Rockschößeu. Der Gießener „Deutsche Verein schreibt uns:
In Nr. 67 Ihres geschätzten Blattes sagen Die, dast die „Deutsche AoltÄvau^" in Friedberg, bn? Organ des Landtagsabg. Hirscnel. „ins Lager der „Deutsch-Sozialen" übcrge- gangen ist". Demgegenüber möchten mir folgendes feststellen:
1) Die „Deutsche Volksmacht" ist Organ des Bundes der Landwirte und der „Vcremigteu Landwirte von Frankfurt a. M. Und Umgegend".
2) Die „Deutsche Volksmacht" ist kein Purtciblatt (? D. Red. 2>. Gieß. Anz.) und steht zur Deutsch-sozialen Partei iu teiltet Beziehung
3) Hccr Abg. Hirschel ist Mitglied und Agitator deS Bundes der Landwirte und ist weder Teutschsozialer noch Reformer.
*♦ Unsere Regimen i s in u s i f konzertiert Sonntag nachmittag 4 Uhr im Philosophentvald. Bei diesem Donnert wird Frau Leib zum letztenmchl den Restaurations- jfi&trieb führen.
- Autom obilsport. Morgen, Sonntag, hält in Gießen im Hotel Schütz der Gau 3, Hessen und Hessen- Nassau der Deutschen Motorfahrer-Vercinigung seinen Frühjahrsgautag ab. Der Gau zählt bereits 650 Motorfahrer, denen durch ihre Mitgliedschaft viele Vorteste geboten werden. Es wird beabsichtigt, in Gießen eine Ortsgruppe der Vereinigung, der im ganzen Reiche bereits 11 000 Motorwagen- und Motorradfahrer angehören, zu bilden.
** Kunstverei n. Wegen verspäteten Eintreffens der Gemälde muß die Ausstellung noch einige Tage geschlossen bleiben. Außer der bereits erwähnten Kollektion Aquarelle und Oelgemalde von Prof. Günther-Naumburg gelangen noch Kollektionen von Hans Välluschek, Martin Brandenburg- Berlin, M. Rüdisühli-Vasel, C. Geist-Karlsruhe, W. Barthel- Gießen und anderen Künstlern zur AiMellung. Schon jetzt fei auf diese hochinteressante Ausstellung hingewiesen.
** Stadttheater. Mit oem Ende der Spielzeit kommen auch die Beuefizvorstelluugen anmarschiert. Leider nicht, um das Interesse und Entgegenkommen seitens des theatergehenden Publikums zu finden, bas ihnen von rechts- ivegen gebührt. Dem Benefizianten des gestrigen Abends, Herrn Witt mann, dem wir so manche genußreiche Theaterstunde dieses Winters zu verdanken haben, wäre ein regerer Besuch zu wünschen gewesen. Besonders, da er in der Titelrolle des L'Arrongeschen Lustspiels „Do kt 0 r Klau s" ganz Vortreffliches bot und das barsche, brüske Wesen des vielbeschäftigten, in seinem Beruf äufgehenden Arztes mit dem weichen, gütigen Herzen sehr gut zu charakterisieren verstand. Reicher Beifall und eine Lorbeerspende waren sein wohlverdienter, aber karger Lohn. Die anderen Mitspielenden taten alle ihr Bestes, um zu dem Gelingen der Vorstellung beizutragen. Herr Mendel (Leopold Griesinger) war als zärtlich liebender Vater seiner Tochter wie immer an seinem Platz, während diese in Frl. Maurice und ihr junger Gatte in Herrn Steinmann angemessene Vertretung sanden. Allerliebst war Frl. Schellenberg als Emma und auch Herr Lüttjohann als verliebter Referendar fand sich mit seiner Aufgabe gut ab. Zu erwähnen sind noch Fran Fischer als „die in Ehren grau gewordene" Haushälterin und Herr L i p p e r t als Lubowski, „sogenannter" Kutscher bei Doktor Klaus, der durch seine drastische Komik große Heiterkeit erzielte.
*• Das Promenadenkonzert findet Sonntag vormittag 11»/, Uhr in der Südanlage mit folgendem Programm statt: 1. Krönungsmarsch von Meyerbeer. 2. „Früh- lingSluft", Walzer von Fotwas. 3. Potpourri aus der „Afrikareise", von Suppö. 4. Armee-Marsch Nr. 126.
" Der Männer-Turnverein hält morgen im Neuen Saalbau einen Familien ab end ab (siehe Inserat).
•• Der hessische Weinkontrolleur, Weinguts- besitzer Richard Braden legte aus Anlaß der Rede des Staatsministcrs Ewald in der 2. Kammer, in der der Minister das Vorgehen der Mainzer Staatsanwaltschaft im Falle Braden billigte, zum zweiten Male sein Amt nieder.
** Aus Anlaß der Eröffnung der normalspurigen Neben bahn st recke Gedern — Grebenhain — Crainfeld findet am Samstag, 31. Marz, eine Feier statt. Die Festteilnehmer fahren mittelst SonderzugeS, der um 8 Uhr vormittags in Frankfurt a. M. abgeht, die gesamte Strecke (Gedern ab 10.55 Uhr) und in den einzelnen von der Bahn berührten Orten finden Begrüßungen der Festteilnehmer statt. Zu diesem Zwecke ist in Oberseemen, Hartmannshain, Vermuts- hain nnd Grebenhain-Crainfeld ein längerer Aufenthalt vorgesehen. Um 1.10 Uhr fährt von letzterer Station der Zug nach Gedern zurück, wo um l»/4 Uhr im Bergwirtshaus ein Festessen stattsindet. Am Abend sind für die Teilnehmer Sonderzüge von Gedern nach Frankfurt und über die neue Strecke nach Fulda vorgesehen. Am Sonntag, 1. April, findet sodann Bctriebserösfnung statt.
*• In der Generalversammlung de? Vereins für Krankenpflege (katholische Schwestern) am 21. d. M. wurden als Mitglieder des Vorstandes wieder- resp. neu- gewählt: Rechtsanwalt Grünewald, Vorsitzender; Freiherr v. Jungenfeld, Rechner; Kaufmann Chr. Bieker, Uhrmacher Otto Schmidt, Prokurist Petri, Kommerzienrat Heichelheim, Bankier Grünewald, Amtsrichter Wachtel und Drogist W. Kilbinger. Der Verein unterhält nunmehr l 2 Schwestern und ist dessen weitere Förderung durch Beitritt als Mitglied nur warm zu empfehlen.
*• Wieder Winter. Eine alte Bauernregel sagt: „Wenn es nicht wintert, sommerts auch nicht" und sie scheint recht zu haben. Auf den sehr gelinden frost- und schneearmen Winter hat sich ein sehr rauher März eingestellt, der uns nun schon mehrmals Schnee gebracht hat. Es trat Frost ein und seit Donnerstag herrscht ein heftiger Nordostwind, auf den gestern nachmittag ein heftiges Schneetreiben folgte, das fast die ganze Nacht hindurch und heute morgen anhielt. In kurzer Zeit war Flur und Feld in das Winterkleid gehüllt. Im Vogelsberg liegt schon 8 Tage Schnee, Schlitten und Schneeschuhe sind in Tätigkeit getreten. Die stehenben Wasser sind mit einer dünnen Eisdecke überzogen. Die Landwirte warten sehnlichst auf besseres Wetter, denn es ist dringend Zeit, Hafer und Gerste zu säen. — Auch in der Rhön liegt der Schnee bis in die Täler herab. Auf dem Kreuzberg verzeichnete am Donnerstag das Thermometer 9 Grad Kälte. Die Brauer fahren 8—10 Zentimeter dickes Eis ein. Die Vögel gehen vielfach zu Grunde. Auch die Höhenkurorte der Schweiz melden 5—6 Grad Kälte und starken Schneefall.
— Biebertalbahn. Für den Sommerfahrplan sind zwei wichtige Aenderungen in Aussicht genommen. Der Zug, der früher 7.15 Uhr abends ab Gießen nur an Sonntagen fuhr, wird vom Mai d. I. ab alle Tage fahren und zwar ab Gießen 7.34 Uhr und an Bieber 8.13 Uhr. Außerdem wird noch ein späterer Zug 9.25 Uhr Gießen verlassen, der 10.03 Uhr in Bieber eintrifft. Die Rückfahrt von dort nach Gießen kann um 8.23 Uhr, in Gietzen ankommend 9 Uhr, oder mit einem neu eingelegten Zuge, 10.02 Uhr ab Bieber, 10.45 Uhr Gießen an, erfolgen.
0 Großen-L inden, 23. März. £>err Friedrich Amend junior Gcoßen-Linden kaufte von Herrn F. W. Hock die „S cki a r- rnühlc" bei Groß-Karben für 110 000 Mark.
** Friedbe rg, 23. März. Heute vormittag 10»/2 Uhr starb hier nach schweren Leiden der pensionierte Oberförster, Großh. Oberförster Karl Schnittspahn. Die Beerdigung des Verstorbenen, der ein Alter von 66 Jahren erreichte, sindet am Montag in Darmstadt statt.
Marburg, 23. März. Verschwunden ist n. d. ,H. Ldsz." seit Dienstag früh der Buffetkellner eines
hiesigen Hotels. 400 Mk. Baargeld, die ihm gehörten, fanden sich in einem Schubfach des Buffets. Ob er abgereift ist, ober sich ein Leid angetan hat, weiß man nicht. — Entlassen aus der Untersuchungshaft wurde gestern abend der frühere Inhaber des Hessischen HofeS, Bäckermeister Georg Ho sch aus Biedenkopf. Der Mann stand in dem Verdacht, die Untermühle in Biedenkopf in Brand gesteckt zu haben. Dieser Verdacht hat sich als unbegründet erwiesen. (Ob. Z.)
fc. Frankfurt a. M., 23. März. Nach einer amtlichen Zusammenstellung wurden in hiesigen Schlachthofe in der Zeit vom 1. April 1904 bis 1. März 1905 lalso in 11 Monaten) geschlachtet 31667 Stück Großvieh, in derselben Zeit 1905/06 34 649 Stück, mithin mehr 2982 Stück Großvieh, an Schweinen wurden in den 11 Monaten geschlachtet 1904/05 117 244, 1905/06 106 617 Stück, mithin weniger 10627 Stück, an Kälbern 1904/05 61572, 1905/06 63 445 Stück, mithin mehr 1873 Stück, an Schafen 1904/05 25 940, 1905/06 26396 Stück, mithin mehr 456 Stück. ______________________
Das Grubenunglück von Courriörcs und der franz. Bergarbeiter-Ausstand.
Trotz aller Bemühungen machen die deutschen und französischen Mannschaften keine Fortschritte m ihrem K a m p s g e ge n d i e F e u e r s b r u n st, und die Schwierigkeiten sind noch immer so groß wie zuvor. Sobald daS Feuer auf eine Strecke von einigen Metern gelöscht ist, bricht es immer wieder von neuem aus, noch "bevor man an die Erneuerung der Holzverschalung der Schächte gehen kann und der Kumpf muß wieder aufgenommen werden. Meist tritt der Wiederausbruch des Feuers ein, wahrend man die Mauern der Gänge abkühlen läßt, um die Verschalung vorzunehmen. Dabei ist aber das Verschalen unumgänglich notwendig, denn das durch das Feuer in m orschen Koks um gewandelte Gewölbe würde zusammenstürzen, wenn nicht große Vorsichtsmaßregeln getroffen würden. Man geht jetzt daran, das Feuer von zwei Seiten anzugreisen und zu umgehen.
In seinem Schreiben an den Deputierten Basly, den Präsidenten des alten Syndikats, führt der Direktor der Gruben in Lens im Namen sämtlicher Gru beni besitz er aus: Man machte aNe möglichen Zu gest än d- nisse. Eine neue Zusammenkunft mit den Abgeordneten der Arbeiter würde unnütz sein, und würde im übrigen Hoffnungen erwecken, die zu erfüllen unmöglich wäre. Der Brief schließt, indem er die Hoffnung ausspricht, daß die Arbeiter die Wiederaufnahme der Arbeit nicht ausschieben werden, was nur dem Auslande zugute käme und den Gesellschaften Verluste brächte, die ihnen nicht gestatten, die bedingungsweise zugestandenen Vorteile aufrecht zu erhalten.
Die anläßlich der Kundgebung vor dem Stadthause zu Lens am Dienstag Verhafteten erschienen am Freitag vor dem Zuchtpolizeigericht. Tas Urteil lautete gegen Broutchoux auf zwei Monate und die drei anderen Angeklagten auf acht, bezw. zehn und zwanzig Tage Gefängnis.
Die Zahl der Streikenden beläuft sich nach genauen Fest> ft et tun gen auf etwa 70000.
Angesichts des Ausstandes der franzöfffchen Bergarbeiter fordert die Arbeiterpresse d.s R u hrr e v i e r s die Bergarbeiter aus, keinerlei Ueberfchichten zu machen, um nicht durch erhöhten Rnhrkohlenversand' den französischen Kollegen in den Rücken zu fallen. Gegenwärtig wird in rheinisch-westfälischen Führerkreffen die Frage ventiliert, ob sich im Falle des Ausbruches des Generalstreiks die Ruhrberglcute mit den französischen Kollegen, solidarisch erklären und heute bereits strikte jegliche Uebcrschichten verweigern sollen. Am Sonntag sollen diescrhall' zahlreiche Versammlungen ftattsinden, in welchen Stell- ung zum Streik der französischen Bergarbeiter genommen werdet: soll.
Gießener Strafkammer.
)( Gießen, 23. März.
Auf derBahnstreckeWctzlar-Gießen wurde der Kaufmann O. N. aus Magdeburg v hn e Fa hr karte betroffen. Bei seiner Anlunst am hiesigen Bahnhof sollte er deshalb, wie üblich, das doppelte Fahrgeld entrichten, zu welchem Zweck er von einem Portier an einen Schalterbeamten gewiesen wurde. Hierbei erging er sich in Beleidigungen gegen die Beamten; es hagelte mit Ausdrücken wie: Rindvieh, Kamel, Dummkopf, verrückter .Kerl usw., auch beschuldigte er die Beamten des dienstwidrigen Verhaltens. Er besaß auch noch die Kühnheit einen Eintrag in das Beschwerdebuch zu machen, nach 'dem er mit Genehmigung des Bahnhofsvorstehers zu Wetzlar die Reise ohne Karte angetreten habe, und in der er sich über das Verhalten der Beamten beschwerte. Auf Strafantrag seitens der Eisenbahndircktion verurteilte ihn das Schöffengericht wegen Beleidigung zu 2 Wochen Gefängnis und sprach den Beleidigten die Befugnis zu, das Urteil innerhalb acht Tagen nach Erlangung der Rechtskraft auf Kästen des Verurteilten im Gießener Anzeiger zu veröffentlichen. Das Urteil wurde von dem Angellagten zwecks Erzielilng einer Geldstrafe angefochten, worauf sich die Staatsanwaltschast der Berusimg anschloß. Die Strafstrmmer erkannte auf tzwund erneuter Beweisaufnahme, bei der 14 Vorstrafen festgestellt wurden, auf eine Gefängnisstrafe von 1 Monat, wobei sie die Frist der Pnblikationsbesugnis auf 14 Tage festsetzte. Hervorgehoben wurde, daß die Beamten gegen ein derartiges Vorgehen energisch in Schutz zu nehmen seien.
Bei der R e v i s i 0 n d e r M a ß e u n d G e w i ch t c wurde in dem Hause des Oelonomen B. I. zu Vilbel eine Ki'ttenwage älterer Konstruktion, die anscheinend zum Kartoffelauswiegen benutzt worden war, vorgefunden. Da eine Wage von dieser Beschaffenheit nicht mehr benntt werden darf, erhielt er einen Strafbefehl über 2 .Mark, auch wurde die Beschlagnahme der Wage verfügt. Auf seinen Einspruch kam das Schösfengerickst zum Freispruch, da die fraglickw Polizeiverordnung nut bei Gewerbetreibenden in Anwendung kommen kann; ein Landwirt, der seine überffüssigen Erzeugnisse verkaufe, könne nicht zu den Gewerbetreibenden gezählt werden, übrigens sei die Wage überhaupt nicht benutzt worden. Auf Berufung der Staats- anwaltsckwft erkannte die Straffammer auf die im Straf- befehl angesetzte Strafe; indem sie geltend machte, daß der Lanbwirt, der beispielsweise nrie im vorliegenden Fall, jährlich bis 100 Malter Weizen verlauft, wohl zu den Gewerbetreibenden zu zählen sei. Ob die Wage richtig wog und ob damit gewogen worden ist, fei einerlei, nach Artikel 369 des Polizeislrafgesetzbuchs ist der strafbar, in dessen Verkaufslokal ungeeichtes Maß ober Gewicht vvrgefunden wird. In diesem Fall , wurde die Wage im KAler (Kartoffelverkaufsraum) vor- gefnnden. — Bei der nämlichen Revision wurde bei dem Landwirt I. G. K. zu Vilbel ein 'FliiffigkeitSmaß, das nicht vvr- sckriftsmäßig geeicht war, vorgesinlden. K. bewirtschaftet 140 Morgen Land und hat einen sehr großen Viehbestand, dessen Milchertrag er größtenteils nach Frankfurt a. M. absetzt. Das Amtsgericht setzte hier im Strafbefehl die Minimalstra.se von 1 Mark an und verfugte ebenfalls die Beschlagnahme. DasSchöffen- g e r i ck t kam ans den nämlickfen Gründen wie in dem vorhergehenden Fall zum Freispruch, da ein offenes Gewerbe nicht vorläge. Auf Berufung der Staatsanwaltschaft erkannte auch hier die Straflammer ans die im Strafbefehl an- gesetzteStrafe, da das Hohlmaß in der Küche (Milchverkauss- lokaN vorgefunden wurde. Beide Verurleilterr erklärten die Entscheidung einer höheren Instanz herbeiftihren zu wollen.
Der Gastwirt G. E. in Lollar hat in bezug auf einen iit seinem Hause VorgcCommcncn Diebstahl gespräcksiveise ver-
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