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Sischofsbersammlungen noch Weisungen vom Papste er- Dartet, so könne man sicher sein, das) er den Bischöfen »ber einen zwar vorsichtigen aber entschiedenen Widerstand gegen das Trennungsgesetz als die Unterwerfung empfehlen werde. Ter Untcrrichtsmuiister Lrran d erklärte dagegen einem Mitarbeiter des' „Echo de Paris", er sei überzeugt, dkß der Vatikan angesichts der Ergebnisse der Kammcrwahlcn sich in die durch das Trennungsgesctz geschaffene Lage schicken werde. Der Vatikan werde dies seinen Ucberlieferungen entsprechend tun, aber er werde eine Formel finden, um das Unvermeidliche hinzunehmen. Er, der Minister, hoffe, das; die Bischofsversammlung im Interesse der K'irche das Gesetz anerkennen und die Bildung von Kultusvereinigungen anraten wird. Tas wäre das Znde des religiösen Streites imb für Frankreich biete sich dann die Möglichkeit, eine Politik der wirtschaftlichen und sozialen Reformen in Angriff zu nehmen. In derselben Unterredung sagte der Untcrrichtsminister: Die Wahlen beweisen, daß das Land weder von bett Pfarrern noch von den Militärs regiert werden wolle. Was die Geeinigten Sozialisten anbelange, erklärte der Minister, so werden dieselben ihre etwaige Opposition so einrichten, das; sie die angestrebten Reformen nicht verhindern. Die revolutionäre Gefahr bestehe nicht, wenn man sich entschließe, mutig den Weg der Reformen zu betreten.
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Paris, 22. Mai. Zur Krönung des Königs Hakon entsendet Frankreich eine besondere Kommission, die aus dem Gesandten in Christiania, de la Vaud, dem dortigen Vizekonsul, dem französischen Marineattachee in Petersburg Bcllav und dem Militärattachee in Kopenhagen de la Panouse bestehen wird.
Aie Entwicklung von Tsingtau.
lieber die Entwicklung von Tsingtau schreibt in der „Münch, med. Wochenschr." Dr. Treutlcin von, hygienischen Institut der Universität Würzburg: Schon in Ostafcika wurde ich mit lebhafter Freude erfüllt bei der Betrachtung dessen, was deutsche Tatkraft und Unternehmungslust in etwa 20 Jahren in fernen Landen errungen hat. Dtirch einen Vergleich mit den Leistlingen der beiden alten Koloniemächte England und Holland, welche ich inzwischen in Indien und Java hatte studieren können, wurde diese meine Bewunderung für unsere deutschen kolonialen Ergebnisse in nichts gemindert. Geradezu mit Stolz muß es aber jeden Deutschen erfüllen, zti sehen, was man in Tsingtau in acht Jahren erzielt hat.
Mit Fug und Recht hatten mir schon in Hongkong und Schanghai neidlose Engländer Tsingtau als den angenehmsten und gesündesten Platz an der ganzen chinesischen Küste geschildert. Eine genaue Besichtigung der Stadt, ihrer Umgebung und des Hinterlandes muhte mir dies bestätigen. Dies prächtige Ergebnis ist einerseits der wirklich großzügig mit bedeutenden Geldmitteln bewerkstelligten ersten Anlage der jungen Kolonie zu verdanken, anderseits einem fast europäischen Klima mit vier Jahreszeiten und einem nicht zu rauhen Winter.
Die Kolonie liegt etwa auf der Höhe des südlichen Spanien, während Schanghai noch auf der von Kairo liegt. Der Hauptteil der Stadt liegt am äußeren Eingänge zur Kiautschou-Bucht, nach Norden geschützt durch eine Kette stattlicher Hügel, nach Süden offen für die meist angenehme erfrischende Seebrise. Innerhalb des durch starke Forts geschützten engen Einganges zur Bucht liegt der eigentliche Hafen, der in seinen Ktinstbauten seit neuester Zeit ein Schwimmdock für die größten Panzerschiffe enthält.
Die Stadt, welche sich einer vorzüglichen Wasserleitung und elektrischen Beleuchtung erfreut, bat schöne, breite Straßen, zwei gute Hotels, eine Reihe deutscher Kaufhäuser und Ladengeschäfte und trägt das Gepräge der neueren Teile einer größeren deutschen Provinzstadt. Etwa ein Viertelstündchen von der Stadt findet sich ein prächtiger Badestrand mit zahlreichen schmucken Badehüten tind einem behaglichen Badestrandhotel, das im Jahre 1904 bereits 500 Badegäste von der ganzen chinesischen Küste, bnrnnter etwa 200 Engländer, beherbergte. Ein umfangreicher, eben fertiggestellter Schlacht- hos würde mancher deutschen Stadt Ehre machen. Die Gouvernementsschule umfaßt die ersten fünf Klaffen der deutschen Gymnasien und für Knaben und Mädchen ist eine vorzügliche Missionsschule vorhanden. Außerdem finden sich Kapellen der beiden Konfessionen.
Der Gesundheitsztlstand, der in den ersten Jahren infolge von Typhus, Rlihr, Malaria und Hundswut wenig erfreulich war, ist durch eine gute Trinkwasserversorgung und Kanalisation, durch Anlage europäischer Gärtnereien, durch tatkräftige Bekämpfung der Moskitos- und Mückenplage und Errichtung einer Hundswutstation ein recht guter geworden. Das äußerst zweckmäßig angelegte, neu erbaute Garnisonlazarett wird von vorzüglich geschulten Marineärzten versehen und ist mit den neuesten Einrichtungen ausgestattet. Für kranke Chinesen wird in einem Missionshospital aufs beste gesorgt.
2his Stadt und Land.
Gießen, den 23. Mai 1906.
Militärdienst nach richt. Oberlt. Soldan im Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 zum überzahl. Hauptmann befördert.
* • Bei der Staatsprüfung für das Justiz- und Verwaltungsfach, der sich 30 Prüflinge unterzogen, fielen 4 durch, die übrigen bestanden mit 3 und 4. Die Note 2 wurde nicht erteilt.
• * Lehrerpersonalien. In den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer an der Gemeindeschule zu Semd, Sebastian Bundschuh, auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste; erledigt sind eine mit einem eoang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Crumstadt, mit der Stelle ist ein Teil des Organistendienstes verbunden, und eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Burg-Gemünden, mit der Stelle ist Organisten- und Lektordienst verbunden.
• • Die Einweihung der Hermann Schiller- Gedenktafel in der Aula des Gymnasiums findet Sonntag vormittag 11 Uhr statt, worauf die Freunde und Verehrer des Direktor Schiller hingewiesen seien.
* * Von der russischen Gesandtschaft. Der Minlsterresident in Hessen und Sachsen-Koburg und Gotha,
Fürst Kudaschew, wurde zum außerordentlichen Gesandten in Kopenhagen ernannt.
" Fleischabschlag. Wie in verschiedenen anderen Städten, ist auch hier feit Montag ein Abschlag der Preise verschiedener Sorten Schweinefleisch und Fette erfolgt. Der Abschlag ist von den Schweinemetzgern im Verhältnis zu dem Rückgang der Viehpreise und zu dem früheren Aufschlag festgesetzt worden und beträgt durchschnittlich 10 Prozent. Ucbrigens sind die hiesigen Vieheinkaufspreise noch wesentlich höher als die des Frankfurter Marktes.
•• Guter Fang. Der Besitzer des „Jagdschlößchens" in Dutenhofen fing gestern in der Lahn einen Hecht, der daS stattliche Gewicht von zwanzig Pfund aufwies.
-* Verhaftet wurde gestern hier der Arbeiter Chr. N. auS Biskirchen wegen Unterschlagung. Er stand seither in Bielefeld in Arbeit und verschwand dort am 14. l. Mts., als ihm sein Slrbeitgcber 300 ,Mk. zur Besorgung übergeben hatte, unter Mitnahme dieses Betrages. Das Geld hatte er in den wenigen Tagen verjubelt.
• * König!. Preuß. Staatslotterie. Der Vorstand des neu gebildeten Vereins König!. Lotterie-Einnehmer für das Großherzogtum Hessen trat in Mainz zu einer Sitzung zusammen, in der außer Beratung einiger wichtigen geschäftlichen Angelegenheiten, besonders die Konstituierung des Vorstandes vorgenommen wurde. Die Aemter sind wie folgt verteilt: I. B. Heim-Mainz, 1. Vorsitzender, Oskar Petrenz, i. Fa. Müller u. Rühle, Darmstadt, 2. geschäftsführender Vorsitzender, Ph. I. Schmidt-Darmstadt, Schriftführer und Kassier, Emil Dinkelmann-WormS und I. Klang-Offenbach, Beisitzer.
** Das Südddeutsche Männer-Quintett (auch Koschat Lieder-Quintett genannt) gibt am Dienstag, 29. Mai int Neuen Saalbau einen Liederabend. Dem Quintett gehören nur Solisten größerer Stadttheater an und sie fingen u. a. Lieder von Abt, Koschat :c. — Der Hannoversche Courier schreibt über das Quintett: Die einzelnen Vorführungen des „S. M.-Quintetts" wiesen eine vorzügliche Schulung auf, wozu noch das hervorragende Stimmenmaterial kam. So war es denn ganz natürlich, daß jede Nummer des Programms stürmisch applaudiert wurde. Vollendeter als Nr. 7 des Programms „Das stille Tal" kann wohl ein Quartett nicht wiedergegeben werden :c.
• • Der Gesetzgebungs-Ausschuß der 2. Kammer genehmigte Dienstag nachmittag die vorgelegten Berichte der Ausschußreferenten über das Fe l d b e r e i n i g un g s g e s e t; und über die Vorlage betr. die Abänderung des Berggesetzes vom 28. Januar 1876. Bei der Beratung über da§ letztere wurde auch gleichzeitig der 2( n t r n g Noack mit zur Debatte gezogen, der bekanntlich den staatlichen Schutz auch auf „Bitumen" ausgedehnt wissen will, weil die Vermutung nahe liegt, daß sich auch in Hessen Petroleum vorfinden werbe. Der Ausschuß beschloß nach Anhörung bes Negierungsvertreters, Ministerialrat Usinger, im Sinne bes Antrags Noack auch Bitumen in den Gesetzentwurf mit aufzunehmen. Ein weiterer Antrag Fulda, welcher eine Gleichstellung in der Behandlung des standesherrlichen Grundbesitzes mit dem der übrigen Grundeigentümer bezweckt, wurde zur Beratung auf eine spätere Sitzung verschoben. Weiter wurde vom Ausschuß noch über die beiden Anträge Dr. Schmitt und Ulrich, betr. Entschädigung an unschuldig Verurteilte und Verhaftete eine genauere Beschlußfaffung für die Beratung im Plenum vereinbart. — Am heutigen Mittwoch werden sowohl der Finanzausschuß wie der Wahl- und der Petitionsausschuß Beratungen abhalten.
* * Der Oberhessische Bienenzüchterverein hält am 22. Juli in Friedberg seine -^.Jahresversammlung ab, verbunden mit einer B i enen--AuS ste l l u n g.
4- Lang-Göns, 23. Mai. Der Gesangverein Frohsinn, der unter seinem Dirigenten, Lehrer Schwinn, schon viele Preise bei Gesangswetlstreiten erhalten hat, beabsichtigt den Gesangswettstreit in Kassel zu besuchen. Die Hauptprobe findet Sonntag, den 27. ds. im Vereinslokale statt. — Die Freiwillige Feuerweh r, die das Fest ihres 25 jährigen Bestehens, mit Fahnenweihe verbunden, am 30. Juni, 1. und 2. Juli hält, hat bereits zahlreiche Zusagen auswärtiger Wehren erhalten, die an dem Feste teilnehmen.
△ Lich, 22. Mai. Bei der gestrigen Beigeordneten- wahl wurde nach genauer Feststellung Jakob Ihring mit 197 Stimmen gewählt.
— Lützellinden, 21. Mai. Ein chr i stlich cs Wa l d- fest findet am Himmelfahrtstag nachmittags auf der Holzburg statt, bei dem Pfarrer Deggau von Darmstadt, Pfarrer Koch von Lützellinden und Lehrer Müller von Allcndors an der Dill Ansprachen halten werden. Posaunen- und Gesangschöre werden das Fest verschönern.
x Waldgirmes, 22. Mai. An der in unserem Walde gelegenen „Dicken Eiche" findet am Himmelfahrtstage wiederum ein christliches Waldfest statt. Pfarrer Schmidt- Waldgirmes hat die Leitung des Festes übernommen. Der Bundesagent der Evang. Jünglingsvereine, Wegener-Barmen, wird als Redner auftreten. Das Fest kann natürlich nur bei günstiger Witterung ftattfinben, fein Anfang ist auf nachmittags 3 Uhr festgesetzt.
Q Lauter bei Grün berg, 22. Mai. Welch einträgliche Summen eine Gemeinde ans einer systematisch betriebenen Ob st anpflanz ung erzielen kann, davon gibt unser Dorf einen schönen Beweis. Die Gemeinde als solche erzielte in den letzten 6 Jahren eine Einnahme von über 13 000 Mk., davon entfallen auf 1899 — 797 Mk., 1900 — 1040 Mk., 1901 = 290 Mk., 1902 — 1107 Mk., 1903 = 4832 Mk., 1904 — 2023 Mk., 1905 (es war ein schlechtes Obstjahr) nur ca. 500 Mk. Für dieses Jahr steht wieder eine sehr reiche Obsternte in Aussicht. Im Kreise Gießen steht unser Dorf inbezng auf Obsterlös an erster Stelle.
□ Bad Nauheim, 22. Mai. Fortgesetzt ist die Badeverwaltimg bemüht, den Kurgästen die Schönheiten unserer Taunuswälder, des Usatales und der Umgegend durch 'Anlage schöner Spazierwege, Rundfahrten und Aussichtstempel zu erschließen und ihnen dadurch den Aufenthalt angenehmer zu gestalten. So ist dieser Tage ein neuer Fa hr° weg vom Golfsklubhaus am Fuße des Obermörler Berges nach der Höhe dieses Berges eröffnet worden. Forst- affeffor Dr. Weber hatte die Pläne hergestellt. Ter Weg führt durch Wald auf die Höhe. Von ihr hat man eine
herrliche Aussicht ins Usatal, Jfeltal, nach dem Kranzberg, HauSberg, nach Butzbach, Münzenberg, Hochweisel, Ziegen- berg; westwärts überschaut man die Wetteran mit zahlreichen Orten, begrenzt von den Höhen deS Vogelsbergs. Der Berg wird täglich von zahlreichen Kurgästen besucht. — Um die ast vollendete Daukeskirche werden z. Zt. schöne Anlagen angepflanzt. Die Orgel ist dieser Tage angekommen und wird gegenwärtig aufgestellt.
Vermachter.
* Ehrentafel deutscher Arbeitgeber. Das Ge- ’amtergcbniS des in der „deutschen Ehrentafel" für den Zeitraum 1898 bis 1905, also für acht Jahre bearbeiteten Materials, beläuft sich auf über % Milliarde, nämlich auf 551 657 098 Mk. Für das gleichmäßig bearbeitete Jahr- ünft 1901 bis 1905 beträgt das in den 7124 Details quellenmäßig nachgewiesene Gesamtergebnis 424 555 393 Mk., das durchschnittliche Jahresergebnis 84 911 078 Mk. Von diesen Beträgen entfällt auf direkte, freiwillige Fürsorge für Angestellte, Arbeiter und deren Angehörige die reichliche Hälfte, nämlich 241 271 310 Mk. auf das Jahrfünft und 48 254 262 Mk. auf den Jahresdurchschnitt. Hervorzuheben ist, daß bei diesen wirklich freiwilligen Zuwendungen von Arbeitgebern für Arbeiter diejenigen der privaten Spender von 20 Mill. Mk. im Jahre 1901 auf fast 61 Mill. Mk. im Jahre 1905, also um daS Dreifache gestiegen und daß die ermittelten Zuwendungen der Aktiengesellschaften und Banken von 22 Mill. Mk. im Jahre 1901 auf 18 Millionen Mark im Jahre 1905 gefallen sind.
• Der Eisenbahn-Alkoholgegnc: -V erband, zu dem der am 26. Januar 1902 vom Eisenbahndirektor de Terra ins Leben gerufene Deutsche Verein enthaltsamer Eisenbahner sich seit 1. April erweitert hat, scheint, wie uns geschrieben wird, sich zu einer internationalen Vereinigung auszuwachsen, in der sich mit der Zeit alle Bestrebungen zusammenfinden, die in den verschiedenen Ländern nach dem deutschen Beispiel auf Erhöhung der Verkehrssicherheit durch möglichst weitgehende Ausschaltung des Alkoholgenusses beim Eisenbahnpersonal gerichtet sind. Das befreundete Oesterreich hat sich dem Verbände bereits angeschlossen. Aber auch in anderen Ländern erheben sich schon Stimmen, die einem derartigen Zusammenschluß das Wort reden. Zunächst in bet Schweiz, wo der Verein abstinenter Eisenbahner dank verständnisvoller Förderung durch die Verwaltungen und die Regierung, aber auch dank der Einsicht und Tatkraft des Personals selbst, überraschend schnell emporgeblüht ist. Auf Veranlassung dieses Vereins wird Eisenbahndirektor de Terra den schweizerischen Eisenbahnern in nächster Zeit eine Reihe von Vorträgen halten, die den Gedanken eines Anschlußes auch in der Schweiz an den Eisenbahn-Alkoholgegner-Verband voraussichtlich zur Reife bringen werden. Und da auch in Dänemark ein solcher Anschluß bereits erwogen wird, so steht zu erwarten, daß schon der nächste internationale Kongreß gegen den Alkoholismus (Ende Juli 1907 in Stockholm) dazu führen wird, die für den gesamten Verkehr überaus wichtigen Bestrebungen auf einheitlicher Grundlage international zu organisieren.
* Zu der Affäre der Fürstin Wrede, die beschuldigt wird, in verschiedenen Gasthöfen Silbergerät an sich genommen zu haben, schreibt man uns: Wir enthalten uns des Urteils darüber, ob die Fürstin die ihr zur Last gelegten Taten mit geistiger Ueberlegung ober unter bem Einflüße einer krankhaften Veranlagung vorgenommen hat. Die Wahrscheinlichkeit spricht indessen für den letzteren Fall. Immerhin bleibt diese Affäre in ihrer Art Aufsehen erregend genug und es fehlt ihr nicht an einzelnen Zügen, die dieses Aufsehen voraussichtlich noch steigern werden, wenn sie erst zur Sprache kommen. Die Eheverhältniße des Fürsten Adolf Wrede sind ja schon erörtert und es ist dabei zutreffend erzählt worden, wie seine erste Heirat mit der Sängerin Ludmilla Mal- dauer in Frankreich für rechtsbeständig, in Deutschland dagegen für null und nichtig erklärt wurde. Es ist noch nicht lange her, daß eine Theater-Agentur mit der Fürstin Ludmilla Wrede — Fürstin in Frankreich, aber nirgendwo anders — verhandelte, um sie für ben Berliner Wintergarten zu engagieren, wo sie ihre Chansons zur Begleitung eines Zigeuner-Orchesters fingen sollte unb man sich von ber Zugkraft ihres fürstlichen Namens an ben Plakatsäulen viel versprach. DaS Geschäft zerschlug sich, als feststanb, daß die Behörden dem früheren Fräulein Moldauer, in erster Ehe geschiedenen Gattin des Dr. med. Josef Ritter von Dem- kovicz-Dobrzanski, nicht die Erlaubnis gewähren würden, in der deutschen Rcichshauptstadt einen Titel als Reklame zu gebrauchen, der ihr hier rechtlich nicht zustand. 9(bcr es ist gewiß ein originelles Zusammentreffen, baß diese erste Gattin des Fürsten Wrede sich seit Wochen in einem der ersten Hotels Berlins aufhält; bei ihr ist ihre jugendliche Tochter erster Ehe, eine Erscheinung von hervorragender Schönheit. Und der Schwiegersohn der jetzt unter Anklage stehenden zweiten Fürstin Carmen Wrede, Fürst Edmund Wrede, der bei einem Garde-Kavallerie-Regiment als Leutnant steht, gab sich vergeblich alle Mühe, die Berliner Obrigkeit dazu zu veranlaßen, den Aufenthalt der ersten Frau des zweiten Gatten seiner Schwiegermutter abzukürzen (man muß sich in dieser komplizierten Familienangelegenheit schon ein wenig mit Zahlen behelfen). Aber dieselbe Polizei, die den Wünschen des jungen Fürsten gegenüber so unempfindlich blieb, ist ungalant genug, ihrer mecklenburgischen Kollegin die Hand dazu zu bieten, um gegen die Fürstin Carmen Wrede wegen der Hotel-Diebstähle vorzugehen, deren man sie bezichtigt.
* Courriöres, 20. Mai. Es wird berichtet, daß die Leiche eines Bergmannes namens Pinte herausbefördert worden sei, dessen Tod allem Anschein nach erst vor wenigen Tagen erfolgt ist. Man hat im Magen der Leiche, die noch kaum verwest war, Werg gefunden. Der Unglückliche fei offenbar durch Hunger und Durst zu Grunde gegangen. — Wie aus einer belsiirdlichen Zusammenstellung hervorgeht, waren von den 1094 Opfern der Katastrophe 548 verheiratet und 546 ledig. Die Gesellschaft wird eine Jahrespension von ungefähr 800 000 Francs zu zahlen haben, welche Summe sich jährlich um etwa 25 000 Francs verringern werde.
* Einen empfindlichen Polizeisergeanten hat die Stadt Mühlhausen. Wie der Erfurter Anzeiger zu berichten weiß, wurde dieser schwachnervige Beamte durch ba5
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