Ausgabe 
23.5.1906 Zweites Blatt
 
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156. Jahrgang

Nr. 12V Zweites Blatt

Mittwoch 23. Mae 1906

Erscheint WßRch mit Ausnahme deS Sonntags.

DieSiehener Zamilttnblätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Ter »HElch« Landwirt"' erscheint monatlich einmal.

Eichener Anzeiger

Rotationsdruck tmb 8erlog der Vrühl'sche» UnwersUätSdruckeret. R. Lange, Ätehe».

Redaktion. Expedition o. Druckerei: Schulstr.K, Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr. r Anzeiger Gießen.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Eichen.

Hefterreich-Zlngarn.

Nachdem das österreichische Kabinett die For­derung der ungarischen Regierung abgelehnt hat, das; das Zollbündnis durch einen Zollvertrag erseht werde, und nachdem es ferner ablchnte, daß der autonome Zoll­tarif als ungarischer und nicht mehr als gemeinsamer Tarif ins Leben trete, scheint sich die Situation tri» t i s ch zu gestalten.

Wie verlautet, haben der ungarische Ministerpräsident Wekerle und der österreichische Ministerpräsident Prinz zu H o h e n l o h e dem Kaiser Franz Josef ihre Demission an geboten, der .Kaiser aber habe beide Minister an­gewiesen, in der strittigen Frage, ob Zollbündnis oder Zollvertrag, neue Verhandlungen zu versuchen.

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Wien- 22. Mai. Abgeordnetenhaus. Bei der Fortsetzung der Debattte über die Regierungserklärung betont der Ministerpräsident, daß« der Wahl­reformgedanke bereits große Fortschritte gemacht habe. Sei es einmal gelungen, durch die im Einvernehmen mit den Parteien geschaffene Wahlreform das nationale Kräfteverhältnis auf oer Grundlage der Gerechtigkeit und der vollsten politischen Gleichstellung zu sichern, welch tief­gehender Wandel werde dann in allen bisherigen nationalen Reibungskonslit'ten eintreten. Die Differenzen, die betreffs der Mandatsaufteilung bestanden haben, seien auf eine zissermäßig beschränkte Zahl gesunken. Er sei bemüht, sie zu verringern. Er baue hierbei auf die Loyalität der Par­teien, sowie auf die Macht des Wahlreformgedankens. Er sei daher überzeugt, daß die verhältnismäßig nicht zu großen Differenzen unmöglich die Neugestaltung des Vaterlandes würden vereiteln und die Ausgleichung der politischen Rechte und eine Anbahnung des nationalen Friedens würdet! ver­zögern können. Wäre eine Einigung auf dem Wege des Kompromisses zu erzielen, so wäre die Regierung fest ent­schlossen, mit selbständigen Vorschlägen vorzutreten. Er glaube jedoch, daß in allen Teilen des Vaterlandes der freudigste Wiederhall geweckt mürbe durch die Kunde, daß sich die Völker Oesterreichs in einer der wichtigsten Fragen frei geeinigt hätten. (Lebhafter Beifall.) Im weiteren Ver­laufe der Debatte erklärt Abg. Graf Dzieduszycki, die Spaltung des Polenklubs werde davon abhängen, wie sie sich den Bedürfnissen Galiziens und des Polenvolkes gegen­über erweisen werde. Was die Wahlreform anginge, so werde es Sache der Regierung und der Parteien sein, durch Entgegenkommen gegenüber den berechtigten Forderungen des Polenklubs demselben au ermöglichen, der Wahlreform zuzustimmen. Hinsichtlich der Verhandlungen mit Ungarn werde der Polenklub sein Verhalten nicht von der Stellung zur Regierung abhängig machen, sondern jeweilig für die Maßnahmen stimmen, die ihm für die Machtstellung und die notwendige Einheit der Monarchie ersprießlich erscheinen. Abg. Stein betont, eine Wahlreform ohne Sonder­st e'l l u n g Ga l i z i e n s sei undenkbar. Redner fordert ferner die Festlegung der deutschen Staatssprache, sagt, die jetzigen trostlosen Verhältnisse entsprächen dem Mangel an einer führenden Regierung und an einem selbstbewußten Parla­ment, und schließt mit einem Willkommensgruße der All­deutschen an den demnäch-sii ,in Wien eintreffenden deut­schen Kaiser. D v o r e k erklärt, die Tschechen könnten nur einem wahrhaft gleichen Wahlrecht zustimmen. Hierauf werden die Verhandlungen abgebrochen. Bei der Feststell­ung der nächsten Tagesordnung beantragt Abrahamo- witsch, die erste Lesung der Regierungsvorlage betr. die Verstaatlichung der Nord bahn als ersten Punkt auf die Tagesordnung zu setzen, wogegen mehrere Abgeord­nete protestieren, weil dadurch die Verhandlung der Wahl­reformvorlage verzögert werde. Der Antrag gelangt jedoch mit 102 gegen 98 Stimmen zur Annahme. (Anhaltender lärmender Protest der Mldeulschen und mehrerer Mgcord- neter der deutschen Fortschritts- und Volkspartei.)

Budapest, 22. Mai. Der Reichstag wurde heute mittag eröffnet In der vom König verlesenen Thron­rede heißt es:Unserem väterlichen Herzen ist es schmerz­lich, auf die Begebenheiten der jüngsten Vergangenheit, die den ordentlichen Gang des konstitutionellen Lebens gestört haben, zurückzublicken. Wir sagen der göttlichen Vorsehung Dank, daß die unheilvollen Mißverständnisse geschwunden sind. Das Einverständnis mit dem frei ge­äußerten Willen der Nation ist unsere sichere Hoffnung, daß das verfassungsmäßige Zusammenwirken sämtlicher Faktoren der Gesetzgebung künftig stets ungetrübt bleiben wird. Die Thronrede zählt sodann die Aufgaben des künf­tigen Reichstages auf und erklärt, daß, obzwar die mit den Verbündeten bestehenden, auf die Erhaltung des Frie­dens abzielenden engeren Verhältnisse und die freundschaft­lichen Verbindungen mit anderen fremden Staaten eine Gewähr des Friedens bieten, doch für die Wehrmacht vorgesorgt werden müsse. Es fei daher notwendig, außer dem ordentlichen Rekruten kontingente auch die außerordent­lichen Rüstungsbedürfnisse zu befriedigen, die in Den frühe­ren Delegationen bereits als richtig anerkannt worden sind. Die Tbronrede kündigt an, daß nach Beendigung der Wahlreiorm die Einberufung eines neuen Reichstages er­folgen werde.

"Rußland.

Petersburg, 22. Mai. Wie in Dumakreisen erzählt wird, ist der Dilmapräfident Mur o mz ew am Sonntag vom Zaren in Prioatau dienz empfangen worden. Der Zar hat sich längere Zeit mit ihm unterhalten. Ans der Unter­redung habe Muromzew den Eindruck gewonnen, da,; der Zar fest entschlossen sei, sich von der Duma nichts vorschreiben zu lassen und Uebergriffe derselben auf die Herrscherrechte nicht zu dulden. Dem Einfluß Muromzews sei es zu- zuschreiben, daß die gestrige Diirnasitznng einen ruhigen Ver­laus genommen habe. Mit größter Spannung sieht man ber Antwort entgegen, welche der Zar auf die Duma-Adresse erteilen werde. . . o

,Nascha Shisn* bringt em Interview emeS Mit­arbeiters mit dem Reichskontrolleur Schwanedach, wonach dieser auf die Frage, ob der Ministerrat mit Not­

wendigkeit auf eine Auflösung der Duma rechne, kate­gorisch erklärte, solche Gerüchte seien völlig sinnlos, die Frage sei im Ministerrat gar nicht aufgetaucht und eine Auflösung würde zugunsten extremer Parteien ausfallen, diesen Gefallen werde man ihnen nicht tun. Schwanebach fügte hinzu: ,Jch sage Ihnen dies als Mitglied des Ministerrats.

Der Herausgeber derNowoje Wremja" Suworin veröffentlicht einen Artikel, in dem er gegen die Anarchie und die Mordtaten als System und gegen die Ver­teidigung der Verbrechen vom politischen Standpunkte protestiert. Jeder, der den revolutionären Parteien nicht angehöre, müsse sich dagegen auflehnen. Man müsse auch der Duma nutteUen, daß sie ein Verbrechen gegen Rußland und gegen das russische Volk begehe, wenn sic Abgeordneten zusähe, bie' es fertig brächten, wie Pilatus ihre Hände in Unschuld zu ivaschen. Suworin erklärt, daß die Duma in­direkt die Taktil der Morde und der politischen Briganten bestimme, die sich auf revolutionäre Beweggründe beriefen; ie billige in gewissem Sinne die Anarchie und scheine sieh auf sie in ihrem Kampfe gegen die Regierung zu stützen. Es fei unmöglich, die Weigerung der Duma, die politischen Mordtaten zu verdammen, von einem anderen Gesichtspunkte aus zu betrachten, da sich nur 78 Deputierte den fünf Tuma- mitgliedern angeschlossen hätten, die gegen diese Ent­scheidung protestiert hätten, und auch andere hätten in beredter. Weise bewiesen, wie vernünftige Leute über die direkte ober inbirefte Billigung bet Mordtaten urteilen.

Zwei Mitglieder des Reichsrats, Krestownikow und Dmitri Schipow, haben in Moskau erklärt, daß der Reichsrat sich bestrebe, einen Konflikt mit der Duma zu vermelden, indem er selbst auf die Initiative zur Gesetzgebung verzichtete, um sie der Duma völlig zu über­lassen.

Reichsduma.

Petersburg, 21. Mai. In der heutigen Sitzung herrschte in der Duma augenscheinlich der Entschluß, sich nicht auf neue Debatten betreffend die brennendste Frage der Adresse, bie bekanntlich bie Amnestie bilbet, einzulassen. Dieser Entschluß ging auch klar aus einem Zwischenfalle hervor, ber sich ngch ber Erklärung beS Dumapräsibenten betreffenb bie Vorlage ber Abresse ereignete. Kornilow erinnerte baran, baß bie Duma in ihrer ersten Sitzung ein­stimmig ben Wunsch ausgesprochen habe, baß bald eine Am­nestie erlassen werbe. Die Erfüllung dieses Wunsches sei aber bisher noch nicht eingetreten. Infolgedessen dürfte man es für überflüssig ansehen, den Erlaß ber Amnestie von oben her zu erwarten, und der dlibnec schlägt vor, als ersten Pimtt ber Tagesorbnung ben Entwurf eines Gesetzes be­treffenb bie Freilassung aller politischen Gefan­genen zu beraten. Hierauf erklärte ber Präsibent, baß ihm biefer Entwurf unbekannt fei. Als ihm jcboch bic Verteilung bieses Entwurfes von mehreren Seiten be­stätigt wurde, bemerkte ber Präsibent, baß bann bic Verteilung vielleicht von pripater Seite erfolgt fei; beim in biefem Falle hätte er ber Duma burch eine Anzahl ihrer Mitglieber vorgelegt, barauf burch eine Sonderkom­mission umgearbeitet und erst dann an die Deputierten zur Verteilung gebracht werden müssen. Nabokow setzt darauf auseinander, man habe in der Adresse ursprünglich die Frage einer umfassenden politischen Amnestie stellen wollen, ohne dem Grundgedanken derselben eine Einteilung nach einzelnen Gesichtspunkten zu geben und darauf die wünschenswerten Grundlagen für die Durchführung dieser Amnestie in einem besonders begründeten Beschlüsse bringen wollen. Indem bie Duma eine umfaffenbe Amnestie in ihrer Abresse anregte, beseitigte sie bie Notwendigkeit ber Beifügung einer besonberö begrünbeten Resolution, welche seinerzeit einfach als Material für den bic Amnestie betreffenben Punkt ber Abresse verteilt worben ist, jetzt aber nicht ber Duma zur Prüfung vorliegt. Infolge biefer Erklärung förbertc bie Amnestiefrage in ber heutigen Sitzung ber Duma keine neuen Debatten, beren Fortsetzung der Mehrheit augenscheinlich antipathisch war, zutage.

Deutsches Reich.

Berlin, 22. Mai. Der Kaiser richtete an den Staats­sekretär des Reichsschatzamts Freiherrn v. Stengel folgendes Telegramm:

Nachdem der Reichstag die Steuergesetzvorlagen angenommen hat, ist es mir cm Bedürfnis, Ihnen für Ihre hervorragenden Ver­dienste um das Zustandekommen dieses für die Zukunft des Reiches jo bedeutungsvollen Werkes der Neichssinanzreform meine wärmste Anerkemnmg aiisjufpredjen. Als äußeres Zeichen meiner Dank­barkeit und niemes Wohlwollens habe ich Ihnen den Noten Adler­orden erster Klasse verliehen, dessen Abzeichen Ihnen alsbald zu- geheu werden."

Ter am 7. März 1905 in Adis Abeba abgeschlossene deutsch-äthiopische Freundschafts- und Handels­vertrag ist durch den Kaiser ratifiziert und an den König von Äthiopien, Menelik II, am 16. Mai mitgeteilt worden. Ter Vertrag tritt am 16. Juni in Kraft.

Reichskanzler Fürst Bülow empfing den Chef des Generalstabs ber Armee, Generalleutnant v. Moltke, vor dessen 9lbreife nach Wien.

Prökelwitz, 22. Mai. Der Kaiser ist heute nach­mittag mit ben Herren ber Umgebung zum Besuche bes Fürsten zu Dohna-Schlobitten hier eingetroffen.

Stuttgart, 22. Mai. Die Kammer ber StandeS- herren begann heute bie Beratung ber VerfassungS- revision. Ministerpräsibent v. Breitling sah in den Beschlüssen ber Kommission eine Erschwerung für ben Abschluß bes Werkes, sprach aber bie Hoffnung aus, baß trotz aller cntgegenstehenden Schwierigkeiten ein Ausgleich auf gerechter Grundlage geschaffen werbe. Notwenbig sei ein tatkräftiges

Mitwirken bes hohen Hauses. Die von dem Fürsten von Löwenstein-Wertheim abgegebene Erklärung, baß bie Er­höhung ber Mitglieberzahl bes onberen HanseS um 75 keine so schwerwiegende Frage sei, bezeichnete ber Ministerpräsident als sehr wertvoll und für bic Verstänbigung geeignet. Im Lause ber Debatte wirb eine Erweiterung beS BubgetrechtS ber ersten Kammer geforbert. Die von ber Kammer ber Abgeorbneten getroffene Bestimmung, baß bic StandeSherren ihren Wohnsitz im Laube haben müßten, sowie bic Bestimmung über bic Aufhebung bes Kronrechts für bie Ernennung neuer erblicher Milglieber wirb für unannehmbar erklärt.

München, 22. Mai. Der Generalabjutant beS Prinz- regenten, General ber Kavallerie Graf Lerch en selb, ist heute nachmittag gestorben.___________________

'.Kolonialpoft.

Berlin, 22. Mai. v. Trotha, Generalleutnant, Kommanbeur ber Schutzlruppe für Sübwestafrika, würbe in Genehmigung feines Abfchiebsgesuches mit ber gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt; v. Deimling, Oberst, mit bem Range eines förtgabcfommanbcurS unb Abteilungschefs im Großen Generalstab, scheibet aus bem Heere mit bem 21. Mai aus unb wirb mit dem 22. Mai als Kommandeur ber Schutztruppe für Sübwestafrika angestellt.

Ein Telegramm auS Winbhuk meldet: Der Reiter Friedrich AlthauS, geboren zu Bockenheim, früher Pionier­bataillon Nr. 21, am 15. Mai im Feldlazarett zu Lüberitz- bucht an Herzschwäche gestorben.

Ausland.

London, 21. Mai. Hinsichtlich des in verschiedenen Blättern erschienenen Gerüchtes, nach welchem ein englisch - chin efischer Vertrag für bie Abtretung Weihaiweis an China abgeschlossen worden sei, erfährt daS Reuterbureou, daß keine Veränderung bezüglich der britischen Stellung stattgefunden habe. Es handle sich gar nicht um eine britisä-e Zurückziehung und es fänden keinerlei Verhandlungen über Weihaiwei statt.

R o m, 22. Mai. Der König hatte Unterredungen mit verschiedenen politischen Persönlichkeiten über die Lösung der K a b i n e 11 s k r i s e. Visconti Venosta befürwortete ein Ueber- gangsministerium, welches sich verpflichten würde, das Programm Sonninos durchzuführen. Ter Kammerpräsident Manchem riet dem Könige, entweder ein Kabinett Giolitti oder Sonnino zu bilden. Fortis bezeichnet seinerseits Giolittt als künftigen Käbi- nettschef. Sein Programm würde bis auf einige Einzelheiten das seines F-rcnndeS fein, nämlich die Herbeiführung eines Bun- des mit den Konservativen gegen die äußerste Linke. Rudini würde dann das Aenßere übernehmen und Fortis den Vorsitz.

Der W e ltpostko n g r e ß nahm übereinstimmend Be­stimmungen für den Postpaketvcrketzr an, durch die das Porto für den Versand nach übcrseessu)cn Ländern entsprechend der Entfernung herabgesetzt werden soll.

Der Papst ist von der Unpäßlichkeit, die ihn in den letzten Tagen betroffen hatte, fast völlig wiederhergestellt. Er empfing heute den Kardinalstaatssekretär und beschäftigte sich mit den laufenden Angelegenheiten. Im Lause des Tages em­pfing der Papst den Fürsterzbischof von Salzburg, Kardinal. Katschthaler. ,

New Or lcans, 21. Mai. Der deutsche Bizekonsul. C a n n i ch ist in Bocas del Toro von einem Eingeborenen namens Meier ermordet worden. Cannich saß in einem Restaurant mit dem Konsul Teckmann und mit anderen Herren. Meier eröffnete das Feuer ohne jemand zu warnen, indem er laut rief, daß er den Konsul Beckmann zu töten beabsichtige. Der Mörder wurde von der Polizei verhaftet, die Mühe hatte, ihn vor der Lynchjustiz zu schützen. (Notiz von Wolffs tclegraphi- schem Bureau-Berlin: Eine amtliche Nachricht hierüber liegt noch nicht vor.)

Houston lTexas), 22. Mai. Ter deutsche Generalkon,nl in Ncw Orleans, Frhr. v. Nvr den f l Y cht, mad# zur Zeit eine Rundreise durch Teras, um sich über die Verhältnis, e in diesem Staate zu unterrichten und dann imstande zu sein, aus Anfragen bei den Konsnlaten über diesen Staat authentische Auskunft erteilen zu können. Er wird auch die deutschen An­siedelungen von New Draunfels, Dorne, Fredericksburg und San Anlvuio und andere besuchen unb' insbesondere Houston und Galveston eingehende Aufmerksamkeit schenken.

T a n g e r , 21. Mai. Laut Nachrichten ans- spanischer Quelle ist eine F e l u ck e, roeldje die amerikanische Flagge trug und 15 Passagiere auS Tetuan an Bord hatte, an der Riffküste von Mauren beschlagnahmt worden. Drei von den Passa- gieren wurden zn Gefangenen gemacht.

Frankreich.

Paris, 22. Mai. Im Elysecpalast sand heute ein Ministerrat statt, in welchem beschlossen wurde, daß 2 ch ü l e r kirchlicher Lehranstalten, bie infolge bes Tremiungsgesctzes unter bas gemeine Recht fallen, nicht mehr bas Recht haben sollen, als Einjährige zu bienen. Ter Ministerrat beschäftigte sich sodann mit ben Zwischen­fällen in Billerupt (Dep. Meurthe-et-Moselle), roq die Stahlhüttenbesitzer etwa 10 200 . Arbeiter, die sie ent­lassen hatten, anderen Arbeitgebern der Gegend namhaft gemacht haben und außer Stand setzten, anderweitig Ar­beit zu finden. ES wurde beschlossen, über diese Tatsachen, die einen Angriff auf die Freiheit der Arbeit darstellen, eine gerichtliche Untersuchung in bie Wege zu leiten. Clä- menceau schickte den Arbeitern, die dadurch arbeitslos ge­worden sind, eine Hilfe. Ter Ministerrat beschloß ferner, einen Entwurf vorzubereiten, aufgrund dessen bic Zahl der Unterpräfetten auf die Hälfte reduziert wer-, den foll. Der Attnifter der öffentlichen Arbeiten führt aus, daß Gesteinseiiibrüche bic Nvttveudigkeit bedingten, Maß­nahmen zu ergreifen, um die Sicherheit der Arbeiter zu gewährleisten. Ferner bemerkte Minister Barthou noch, daß die Hälfte der Leichen der bei der Berawerlskatastrovhe in Courriöres Umgelommenen wieder aufgefunden wurde, daß aber noch 21/2 Monate vergehen würden, bis säuitliche Leichen zutage gefördert sein würden. Im Auf­trage des Ministerpräsidenten wurde eine aus Beamten der verschiedenen Ministerien bestehende Kommission ein­gesetzt, bie mit der Ausarbeitung eines Gesetzes betraut werden wird, durch welches den Staatsbediensteten gewisse der im Synditatsgesctz von 1884 vorgesehenen Rechte bewilligt werden sollen.

DemMatin" wird aus Rom gemeldet: Falls bie