Montag 17. Dezember 1906
1S6. Jahrgang
Zweites Blatt
Nr. 5496
Aufjijchcs.
In Petersburg wurde gegen den früheren Moskauer Gcneralgouocrneur Admiral Dubassow ein Bomben- attentat verübt. Ter Admiral wurde leicht verwundet; zwei Täter wurden verhaftet. Es wurden zwei Bomben geworfen und sechs Nevoloerschnsse abgegeben. Dubassow konnte zu Fuß nach Hause gehen.
In Rad am wurde gegen den Chef der Gouvernements- gendarmerie. Obersten Plotto. eine Bombe geworfen, durch welche ihm ein Bein abgerissen wurde. Der Verbrecher wurde bis zu seiner Wohnung verfolgt und dort ergriffen; rr erwies sich als ein Zögling der Handelsschule.
In Llpkany (Bessarabien) erschossen drei Revolutionäre einen Beamten und versuchten zu entfliehen. Vier an der Verfolgung teilnehmende Bauern wurden von den Revolutionären getötet; von den Revolutionären wurden alsdann zwei erschossen, der brüte erschoß sich selbst.
Eine bewaffnete Bande drang in Lesnoy in eine Villa ein und zwang die Besitzer durch Drohungen Geld und Wertsachen im Betrage von mehreren tausend Rubel hercmszu- ßCbCIQn Riga hat die Polizei eine große revolutionäre Organisation aufgedeckt. 70 Personen wurden verhaftet. Em fertig aiisgcarbeiteterAttentatSplan gegen den temporären Generalgouverneur der baltischen Provinzen, Baron von Möller-SakomeSki, wurde aufgefunden. Auch einige Beamten der Geheimpolizei sollten gewaltsam beseitigt werden. Unter den Arretierten befindet sich einer der gefährlichsten Revolutionäre, Bjelajew, der Sohn eines StaatSrats, der erst unlängst die Realschule verlassen hat.
Nach der provisorischen Schatzung deS Statistischen Zentralkomitees beläuft sich der Ernteertrag an Sommer- aetrclde in 72 Gouvernements Rußlands auf 445 Millionen Rud Weizen, 28 Pud Roggen, 6 Pud Spelz, 415 Pud
Pud Hirse, 110 Pud M-i-, 67 Pud Buch, roeijcn, 37 Pud Erbsen, 632 Pud Haser und 1690 Pud Ka rtoffe ln.
Deutsches Reich.
Wildpark, 16. Tcz. Der Kaiser und die Kaiserin J sind heute abend nach Kiel abgercist. Ter Herzog und die Herzogin von Sachsen-Coburg und Gotha find mit dem ■ Erbprinzen heute dort emgetroffen, ferner dec Herzog Ernst f Günther von SchleSwig-Holstcm und Gemahlin und die Töchter des Herzogs Friedrich Ferdinand zu Schleswig- Holstein.
Berlin, 16. Dez. Dec Reichskanzler Fürst Bülow hatte gestern eine Besprechung mit de»n Minister des Innern von Bethmann-Hotlweg. Es handelt sich bei dieser Besprechung um eine neue Kundgebung zu den R e l ch s t a g ö w a h l e n.
Magdeburg, 16. Dez. Der Kronprinz traf heute hier em. Am Bahnhof wurde er vom kommandierenden General van Beucckeudocf und von Hindenburg, dem Ober- prästdenten Frethcrrn v. Wiltnowski und bcm Regierungspräsidenten Tr. Baltz empsangen. Hierauf begab er sich nach den, neuen städtischen Kaiser Friedrich - Museum. Ferner waren angekommen: Kultusminister v. Studt, Ministerialdirektor Schwartzkopff und der frühere Oberpräfident, Tr. von Bötticher. Oberbürgermeister Dr. Lentze hielt eine Ansprache, in der er darauf hinwieS, daß die Stadt durch drc Errichtimg eines Denkmals ihre dankbare Treue und da§ Andenken an den verewigten Kaiser Friedrich zum Al,Z- druck bringen wolle. Das neue Museum solle den Namen Kaiser Friedrich-Museum führen, um das Andenken dcö Kaisers zu ehren, der besonders die Kunst in Deutschland zu neuern lieben erweckle und ihre Pflege eifrig betrieben habe. Hierauf fiel die Hülle des Denkmals. Hieraus betrat der Kronprinz da« Museum und unternahm unter Führung des Museumsdirektors Tr. Bolbehr einen Rund- gang. Gegen 1 Uhr wurde im Rathause ein Frühstück gegeben. Während deS Frühstücks brachte dec Oberbürger, meister Tr. Lentze einen Trinlspruch aus. Ter Kronprinz erwiderte mit solgenden Worten: „Indem ich vielmals für die freundlichen Worte und den außerordentlich warmen Empfang der Stadt danke, trinke ich auf daS Wohl der Stadt Magdc- bürg, seiner Bürger und seines Oberbürgermeisters. Hurral*
München, 15. Tez. Wie die Abendblätter melden, ist während dcS Festmahls, welches sich gestern abend an einen Borlrag von Tr. Karl PeterS anschloß, folgendes Telegramm an Dernburg gerichtet worden:
Ein Kreis Münchener SchriststeUer, Künstler, Gelehrter und Freunde der Kunst, veifammeU im „Olcucii Hierein" nach dem Vorträge von Karl PelerS bemgl Eurer Exzellenz den Ausdruck auirichligsten Tankes iür das lalkrästig emgeleuete ReorgamwlionS- werk dar und versichert, daß die Jmettekmelten Temschlands em- müliq m der Kolonialwirtschast die uneuibehrilche Grimdlage einer kulturellen Eniialiung unseres Volkes erblicken und dem Barken Eurer Exzellenz b e g e i st e r t z u st i m m e n.
— Entsprechend der preußischen Verordnung wurde auch für die bayerischen StaalScisenbahnen angeordnet, daß ab 15. Tez. 1906 bis Sl. Dez. 1909 Fleisch von frisch ge- schlachtctem Vieh in den Spezialtarif für bestimmte Eil- güter anfgenommen wird und zwar zunächst im.Bayerischen, demnächst aber auch im Verkehr mit den preußisch-hessischen und sächsischen Staatsbahnen. Ferner wird vom 1. Jan. 1907 ob eine weitere Frachtvrrgünstigung für frisches Fleisch in Wagenladungen bei Versand über Entfer/mngen von mehr als 100 Kilometern eingcführt.
Hauptversammlung ves lanvw. Irrcins für
- (PW»* ^L^BenTlÄemto.
2ie Hauptversammlung tagte am Samstag nachmittag im „Neuen SucEbau" uiüex, dem Vorsitze des Oekonomierat
gegen.
Generalsekretär Burkbardt-Berlin referierte dann in ausführlicher Weise über das Thema „Die Errich tun g von Viehverwertungsgenossenschaften für Oberhessen". Redner kommt zuerst aus die Fleischteue- rung und Fleischnot zu sprechen und betont, daß die deutsche Landwirtschaft durchaus in der Lage sei, der Fleischversorgung des deutschen Voltes Rechnung zu tragen. Die Leistungsfähigkeit unserer Viehhaltung werde stets verbessert, um dadurch dem gesteigerten Fleischbedürfnis des Volkes Rechnung zu tragen. Tie Ursachen der Fleischnot seien besonderer Natur. Tie schlechte Kartoffelernte von 1904, die in manchen Gegenden eine Mißernte war, hatte eine bedeutende Einschränkung der Schweinehaltung im Gefolge. Die Schweinehaltung reicht hinüber in die Arbeiterkreise, sind doch 93 Prozent der Schweinehaltung bei mittleren und kleineren Landwirten und Arbeitern zu suchen. Alle diese Leute mußten 1901 die Schweinezucht fast ganz ausgeben, da die Kartoffeln kaum zum Essen reichten. Im Vergleich der Zeit vom 1. Juli 1904 bis dahin 1905 äu der Zeit der Fleischnot wurden in letzterer 3 200 000 Schweine weniger geschlachtet, das ist ein Rückgang von 12 Prozent. Auch frühere Jahre zeigen Schwankungen. Dagegen hat von Juli 1905—1906 die Schlachtung des Großviehs um 155 500 Stück und der Schafe um 127 800 Stück zu genommen. Diesen Ausfall hat die Landwirtschaft mehr als gedeckt. Der Redner kommt dann auf die großen Preisunterschiede zwischen teuren und billigen Städten zu sprechen. Auch hierfür ist nicht die Lanowirtschast verantwortlich. Der direkte Verkehr zwisa-en Lcurdwirt und Metzger ist fast verschwunden, es habe sich ein Zwischenglied durch die Händler angeschoben und hierin liege der Hauptsaktor der Fleischtenerung. Die Händler hätten gewissermaßen ein Monopol, jeder besitze einen besonderen Wirkungskreis, sie arbeiteten mit gegenjeitiger Verständigung. Um nun dieses Monopol zu durchbrechen und das Vieh dem Metzger direkt verkaufen zu können, habe sich die Landwirtschaft ent- schlossen, Viehverwertungs - Genossenschaften zu gründen. Nur so gelinge es, den Zwischenhandel aus- zusa)alten und den Händlern gleichsam eine neue Konkurrenz zu geben. Gegenwärtig ,ei die Schweinehaltung in einet, bedeutenden HebMg begriffen und zwar gegen frühere
spielen, sang und tonnte. Dies benutzten die Gäste, um zehrfrev gehalten zu werden. ES trank alles auf Kosten des Angeklagten. Das Bier floß in der Stube und die „Hamburger Tropfen", wurden in Aiergläsern hcrumgereicht. Satte Gäste reichten derv Wein zum Fenster hinaus -an Vorübergehende und Nachbarsleute. Trotzdem N. immer viel Geld nachtrug und Barzahlungen leistete, hat er 500 Mk. bei einem Wirt ankreiden lassen. Er zahltet häufig mit Goldstücken, die er aus der Westentasche nahm; auch ließ er einmal, als die Gäste bereits satt waren, einen Hundertmarkschein mit dem Bemerken sehen, daß dieser auch noch drauf- gefcn dürfe. Als ein Wirt aus Grebenau auf Zahlung drängte, nahm er ihn mit auf die Alsfelder Vol^bank, wo er sich 150 Mk. auszahlen ließ, wovon er 50 Mk. für sich behielt und dem Wirt 100 Mk. aus händigte. Dieser unterschrieb, in der Meinung, er bestätige den Empfang der Abschlagszahlung, ein Schriftstück, tatsächlich hatte er aber die Dürgschastsurkunde unter-, zeichnet. Durch Vorlage des Kassenbuchs wurde nachgewiesen> daß er auch die Spareinlagen seiner zwei in Frankfurt dienen-, den Töchter bis auf 7 Mark erhoben hat. Der Staatsanwalt hielt es für eine Gewiffenlofigkeir, daß er die Spargroschen seiner Kinder auf diese Weise verschwendet hat. Ehe der Verteidiger zum Wort kam, versuchte der Vorsitzende den Angeklagten nodj einmal zu einem Geständnis zu bewegen. Nichtsdestoweniger be. stritt er, sich an dec Kasse vergriffen zu haben, falls er aber in anderer Weise, womit er die mangelhafte Buchführung meinte.
Wegen Unterschlagung und Veruntreuung amtlicher Gelder steht der Gemeinde- und Kirchenrechner W. N. von Udenhausen vor der Strafkammer. Bei der int Dezember v. I. bei ihm vor genommenen Revision ergab sich ein Fehlbetrag von über 4300 Mark. Die Buchsührung war sehr maugcihait und bot bei der Nachprüfung Schwierigkeiteii. ES waren eine Reihe eingenommener Beiträge nicht in Einnahme gestellt, anderLrieits aöcx wieder kleinere Einnahmen gebucht, die tatsächlich nicht eingenommen toareit Bei Beginn der Bec-, Handlung wurde iljnn vom Vorsitzenden vorgehalten, t» seien Tatsachen festgestellt, auf Grund deren an seiner Schuld nicht ;u zweifeln s i; er möge sich überlegen, ob es sich ia seinem eigenen Jutereise nicht empieh.e, ein BeftäuduiS objulegcn. Der VI n- e geklagte erklärte aber, er sei sich keiner Schuld bewußt außer, paß er bei der Buchsühoung leichtsinnig verfahren bube; von den ihm anvertrauteu Gelds habe er nichts sür sich verwendet, wenn das Ge.d tatsächlich sehle, so müsse es ihm gestohlen worden fein. Einen Verdacht auf eine bestimmte Person dmnte er niibt äußern, er nahm vielmehr an, die Fehlbeträge seien aus salsche Bucheiutrüge zurückzusühren. ,Daß eines seiner ^amitieuangv^ hörigen, die alle Zutritt zu der Kommode, in der bad Geld nufo bewahrt wurde, hatten, sich an dem Geld« vergrijsen hätten^ hielt er für ausgeschlossen. Er messe dem Bürgermeister, derj im Abliefern her Einnahmebelege sehr nachlässig gewesen fei, die Hauptschuld bei; dieser gab auch zu, daß er und auch der Angeklagte wiederholt wegen Nachlässigkeiten vom KreiLantt bi8* zipliniert worden sind. Eine Reihe von Zeugen bekundeten, daß der Angeklagte seit dem vor etwa drei Jahren erfolgten seiner Jrau dem Trunk ergeben sei. Sie erzählten Vorgänge, bei denen er andere frei gehalten hat, die von Mittag biS nach Mitternacht gedauert hätten, und man wunderte sich allgemein, wo er das Geld herirähme. Einmal erklärte er, cP habe 60 Mk. bei sich, die Gäste sollen nur trinken, wenn dey Betrag nicht reiche, so könne er in einer Stunde noch 1500 3)1 Li haben. Gelegentlich einer Kirchweihe bestellte er so viel Würste^ daß er nicht alle unterbringen konnte, und dazu das größte paß Vier, was sogar dem Wirt bedeuklich vorkam. Einzelne Zeche« schätzte man auf 50 bis 75 Mark. ;®a er stets Lotterie spielte, war man allgemein der Ansicht, er habe größere Betrüge ge^ luonnen, was er auch geltend machte. Als aber der Sache auf den Grund gegangen werden sollte, gab er zu, daß seine Gewinne die Einsätze nicht wesentlich überstiegen haben. Er will auch bei seiner Gutsübergabe einen Geldbettag von 700 Mark zuiückbehalten haben, den er in der Kommode verborgen aufi bewahrt hätte und von dem niemand etwas wußte. Demgegenüber wurde ihm durch Einlagebücher nachgewiesen, daß er in unverantwortlicher Weise die Einlagen seiner Kinder nach unÜ nach erhoben hat. Weiter mußte er zugeben, erhebliche Darlehen ausgenommen zu hoben. Acußerungen, die er bei Abheben der Einlagen seiner Kinder und bei der Ausnahme von .Darlehen! getan M, ließen darauf schließen, daß ihm bekaunt war, wie cs mit seiner Kasse steht. Nach den Aussagen der bis iefrfc, vemommeuen Zeugen müssen seine Ausgaben die Emnahmew, wesentlich überfd)ritten haben. Die Tatsache, daß er, als bie, Visitationsbeamten in Sicht waren, sich schleunigst auf die Seine machte, um den Rest der Spareinlagen seiner Kinder zu erheben, bezw. Darlehen aufzunehmen, ließen ebenfalls auf sein Schuld-j bewußt,ein schließen. Nach )0 stündiger Verhandlung erfolgte Vertagung aus Samstag früh Uhr, nachdem etwa die Hälfte der Zeugen vernommen war. j
Die Fortsetzung der Beweisaufnahme ergab, daß Neeb in unverantwortlicher Weise mit dem Geld umgegangew ist. Nicht bloß in Wirtschaften seines Heimatsortes, sondern auch in der Umgebung, sowie auf Dlärkteu und Kirchweihen hielt er Leute zehrfrei. Ein Wirt auS einem Nachbarort bekundete, roenn; N. eine Zeitlang da war, wurde er lustig, ließ daS Orchestriow jpielcn, sang und tautte. Dies benutzten die Gäste, um zehrfreü gehalten zu werden. ES trank alles auf Kosten des Angeklagten.-
straffällig sein sollte, bitte er um müde Bestrafung. Nach kurzer Beratung wurde das auf 1 Jahr 6 Monate Gefängnis lautende Urteil verkündigt. Die bürgerlichen Ehreureä-te wurden ilM aus die .Dauer von fünf Jahren abgesprochen und der Haftbefehl wieder in Vollzug gesetzt. Das Gericht war der Ueberzeugung, daß er 4316,32 Mk. unterschlagen hat; den von ihm angcdeuteien .Diebstahl hielt es nach Lage der Oertlichkeite« für ausgefchlosser. Es war der Ansicht, er habe die Geldir der Kasse von seinem Beide nicht getrennt gehalten, sodaß er nicht wußte, was ihm gehört, zumal ihm dies aus Grund der nach-, läs,igen Buchführung gar nicht möglich war. Es war zweijel- fcaü- oh her Angeklagte; die Absicht hatte^ hasf. Leid wüHtzß
Tas Vermögen des Provinzialvereins wird auf 130 000 Mark geschätzt. Bei Beratung des Voranschlags für 1907/08 wird ein weiterer StaatsLusllmß von 5000 Mark für Sorten- bauversuche von Saatgetrcioe gestellt und genehmigt.
Kurz nach 2 Uhr eröffnet Oekonomierat Sch lenke die Hauptversammlung mit kurzer Begrüßung. Bei Beginn der Verhandlung weist der Vorsitzende die Angriffe des Landtagsabg. Bähr gegen den Provinzialverein zurück. Bähr behauptet unter lebhaftem Widerspruch der Versammlung, die Bevölkerung habe bei den Wahlen zur Land- wirtschafiskammer gezeigt, daß sie mit dem Provinzialverein nicht zufrieden sei. Avg. Korell, Oekonomierat Schade- Altenburg und ein Lwidwirt der südlichen Wetterau treten dein Abg. Bähr unter lebhaftem Beifall ent
Jahre (1904 und 1905) um rund 160 Prozent au der Zahl. Die Preise für Läufer und Ferkel seien rapid gesunken. Tie Leffnung der Grenzen sei also nicht von nöten. Durch die Gcnofseni'chaften könnten die Preise so reguliert werden, daß die Klagen verfiummen. Auch in Fleischerlreisen habe man begonnen, EmkaufSgenossenscyaften zu bilden, bezw. anzu- regen, so z. B. in Fulda nnd Kassel. In Pommern, Westpreußen, Hannover und Westfalen habe man bereits mit Der Gründung von Viehvcrwcrtungsgenofsenschaften begonnen, deren Organiialion sich bewäyrt hat. Zu der Genossenschaft kmiii jelbst bec kleinste Landwirt beitreten, eS sollen wenigstens 600—800 Mitglieder sein. Die Genossen- jchaflen werden dazu beitragen, daß die Klagen über Fleisch- not und hohe Fleischpreise aufhören, und dies liegt int Interesse der Landwirtschaft. (Lebhafter Beifall.) Im Laufe der sich anschließenden Be prechung wünschen Oekonomierat L e i t h i g e r und Dr. Muller, daß die Landwirtschaft^ kammcr sich dieser Angelegenheit annehmen möge.
lForlfetzung folgt) ■ । । 1 «1 ■■■■
« Gin Gemeindcrcchncr
wegen Veruntreuung vor der Strafkammer.
, )( Gießen, 14. .Dezi- •
Sch lenke-Friedberg. In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung war die VersammlunL aus allen Teilen Oberhessens zahlreich besucht Unter den Gästen besanden sich auch Ministerialrac Tr. Usinger, Provinzial- direltor Gegeimerat Dr. Breibert, Vertreter brr Kieis- ämter aus Oberhessen und Direktor Dv. von Peter-Friedberg. Ter Hauptoerfammlung ging eine AuSschußfrtzung voraus. Von den 6 landwirtsa-astlichen Bezirksvereincn Lberhessens war folgender Antrag eingegangen:
„Die Vorsitzeiideu der landwirtsa-aftlichen VezirkS- vereine der Provinz Oberhessen haben beschlossen, bei dem Vorstand dcS landwirtsa-aftlichen Provinzialvereins den Antrag zu stellen, daß der Pr o v i n z ia l v er e i n auch nttü) Errichtung der Landwirtschafts- lammet fortbestehen, im Falle seiner Auflösung aber bas vorhandene Vermögen zu gLeichen Teilen den dennalen bestehenden Landwirtschasclia-Ln VezirkSvereincn der Provinz Oberstessen zufallcn solle. Dem Provinzialverein liegt die Erfüllung zahlreicher und für die Lcu,d- wicijchaft wichtiger AufLaben ob. Jnsolange diese Duft gaben nicht von der Landwirtschaft^kämmet oder deren Organen übernommen worden sind, kann der Provinzialverein sich ihrer Erfüllung nicht entziehen und sein Fortbestand nicht in Frage gestellt werden ohne ernste Ge- säyrdnng schwerwiegender Interessen der Landwirtschaft trcl.bcnben Bevölkerung bet Provinz. Im Falle einA Auflösung würde das Vermögen des Vereins in erster Linie zur Deckung der von dem Verein übernommenen Verpflichtungen dienen.
Nach Abzug dieser Verpflichtungen wird glaubhaften Mitteilungen zufolge kein großes Vcrnttögen übrig bleiben. Abgesehen hiervon dürfte es als ausgeschloffen zu betrachten fein, baj Mittel, die von der Provinz Obetyeffen ausgebracht worben sind, ben anderen Provinzen zur Ver- sügung gestellt weroen, nachdem der Landwirtsci)aslliche Lereul der Provinz Rheinhessen es abgelehnt hat, sein Vermöge» zu anderen, ais nur zu Zwecken bet eigenen Provinz zu verwenden. Was nun die dermalen bestehenden Bezitisveteine betritt, so werben künftig hin noch mehr als seither berufen sein, sich bes für Fortschritt der Lberhessischen Landwirtschaft gan^ unentbehrttchen Landwirtschaftlichen Unterrichts wese ns anzu- nehmen. Schon jetzt hat der Landwirtschaftliche Bezirks- verein Gießen, nacybcm er die Landwirtschaftliche W i n t e r j ch u l e i n L i ch und die überall mit Freuden begrüßte Wander-Koch- und Haushaltungsschule ins Leben gerufen hat, es sich zur Aufgabe gestellt, den naiurlunblich en Unterricht in den Fortbildungsschulen durch eine angeyenbere Be- rückfichttgung der Landwirtschaft nutzbringend zu gefiai- ten. Die Versuche, welche im Laufe dieses Winters zum Abschluß gelangen, werden, wenn sie nach Wunsch aUmfallen, von großer Bedeutung für die Landwirtscyaft der ganzen Provinz sein und in allen übrigen Kreisen Nachahmung finden. Aehuliche Aufgaben liegen den anderen Bezirisvereinen ob. Jyre Erfüllung zu erleichtern würbe die beste und zweckentiprechendjie Verwendung desjenigen Vermögens sein, welches nach Auflösung des Provinzialpereins noch vorhanden sein wird."
en^rint «916» mU «uenafrne W Sonntag*. Z> AM Unw-M^ck7?/^
Di. ZA /X | | K 'i «ebaftion, SiPebtHon u.Drnck.»it
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt sür den Kreis Gießen.


