Nr. 147 Zweites Blatt 156. Jahrgang
Dienstag 26. Juni 1906
Erscheint W-!tch mit Ausnahme des Sonntags.
Die „•lefotntr KamllienblStter" werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Etzrjstschs Landwirt^ erscheint monatlich einmal.
Gietzener Anzeiger
Rotationsdruck und Verlag der vrübl'fch« UniversltLtSdruckeret. R. Sange, Gte-e».
Redaktion. Expedition ».Druckerei: Schulftr.A, Tel. Nr. 51. relegr..Adr.: Gieße»,
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen.
Reaktionäre Träume.
In einem konservativen sächsischen Organ ist dieser Tage die alte Frage nach einem „Reichs Oberhaus" wieder angeschnitten nnd lebhaft Stimmung für die Schaffung einer solchen Institution gemacht worden. Begründung: durch die Gewährung von Diäten ist der deutsche Reichstag auf eine demokratische Basis gestellt, die nicht dein Gedanken entspricht, aus dem heraus in der NeichSverfassung das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht zugestanden wurde. Um nun einen billigen Ausgleich zu schaffen, soll dein demokratischen Reichstag eine Art von erster Kammer, ein Oberhaus vor- gesetzt werden, das die Beschlüsse der Reichstags zu prüfen hätte. Ein dritter Faktor in der Reichsgesetzgebung also!
Der Gedanke ist nicht neu und nicht originell, denn er tauchte schon auf, als der deutsche Reichstag geschaffen wurde. Bismarck ist damit schnell fertig geworden; er war der Ansicht, daß der Bundesrat für allzil fortschrittliche Wünsche des Reichstags Hemmschuh genug sei, und er hat bisher damit durchaus recht behalten. Dutzende von ReichstagS- beschlüssen sind im Bundesrat in der Versenkung verschwunden, auf Dutzende ist eine abschlägige Antwort erteilt worden, auf Dutzende hat man erst nach Jahren überhaupt eine Antwort gegeben. Je fortschrittlicher der Reichstag sich zeigt, desto reaktionärer ist der Blmdesrat, der in seiner veralteten Einrichtung und mit dem preußisch-reaktionären Uebergewichl niemals besonders erbaulich wirken konnte und wirken mochte. Wären die Konservativen wielleicht dafür, daß der Bundesrat preisgegeben und dafür das Oberhaus eingerichtet wird? Ganz gewiß nicht, denn reaktionärer als der Bundesrat könnte diese erste Kammer sicher nicht sein, und die Reaktion ist den Leuten doch die Hauptsache!
Es ist unbegreiflich, wie m unseren Tagen sich ein solches Verlangen an die Oeffentlichkeit wagen kann, ohne sofort von allen Seiten gründlichst belacht zu werden. Was hat man denn mit den ersten Kammern in den Einzel floaten für Erfahrungen gemacht? DaS sächsische Blatt hätte doch Gelegenheit, in allernächster Nähe die Wirkungen des Zwei- kammersystems zu betrachten, und wenn das ohne Voreingenommenheit geschähe, bann könnte das Blatt ganz gewiß die Einrichtung eines Oberhauses nicht verlangen! Wirsehen in Preußen den Kampf zwischen dem gewiß in seiner Mehr- heil nicht fortschrittlichen Abgeordnetenhaus und dem Herrenhaus, indem die Ultrareaktionäre sitzen. Wir haben in Hessen iviederholenllich Konflikte sehr ernster Natur zwischen den beiden Kammern erlebt, und in den übrigen Einzelslaoten ist es genau dasselbe. Viag die zweite Kammer noch so wenig dem Willen des Volkes entsprechen,, mag sie aus dem schlechtesten aller Wahlsysteme hervorgegangen sein — so wenig Blick für die Gegenwart und ihre Bedürfnisse, wie beispielsweise die preußischen Herrenhäuslec kann sie nicht haben, beim besten Willen nicht. Die erste Kammer würde daS Rad der Zeit um Jahrhunderte zurückdrehen, wenn die zweite Kammer nicht märe.
Und wie denkt man sich denn die Zusammensetzung eines Reichsoberhauses! Sollen etwa erwählte Oberhäusler über den Beschlüssen des Reichstags zu Gericht sitzen, ehe diese dem BundeLrat unterbreitet werden? Wer wird sie ivählen? Das Volk? Der Kaiser? Tie einzelnen Bundesstaaten? Sollen sie Tagegelder erhalten? Welches wären ihre Kompetenzen dem Reichstag, dem Bundesrat gegenüber? Genug der Fragen — der Plan ist zu töricht, als daß man sich weiter ernsthaft mit ihm befassen könnte. Er zeigt nur das eine wieder zur Evidenz, wie sehr das Reichstagswahlrecht den Leuten von bex hochkonservativcn Observanz ein Dorn im Auge ist. Man hat es bei ben maßgebenden Stellen nicht durchgedrückt, daß an dem Wahlrecht anläßlich der Diätengewährung etwas geändert wurde, und der Reichstag selbst hat mit Fleiß und Eifer in der Diätenvorlage die Stellen ausgemerzt, die sich mit der Verfaffuug nicht besonders zu vertragen schienen. Nun versucht man es auf eine andere, noch dümmere Weise, dem verhaßten Reichstag beizukommen — wird man damit mehr Glück haben?
Unsere Reichsregierung ist, man mag sonst von ihr in Bezug auf die innere Politik halten, was man mag, zu klug, um auf diesem sublimen Gedanken auch nur einen Augenblick ernsthaft einzugehen. Denn er bedeutet weiter nichts, als eine Vergrößerung des Gesetzgebungsapparates, der ohnehin gewiß nicht zu klein ist. Welch ein schwerfälliges Instrument würde doch ein Reichstag darstellen, der zwei Kammern umfaßte und obendrein als oberste Korrekturansialt für zu fortschrittliche Beschlüsse der beiden Reichstagshauser, den Bundesrat! Es geht ohnehin auf dem Wege der Gesetzgebung von Jahr zu Jahr langsamer vorwärts — was sollte das erst werden, wenn zwei Kammern zu reden hätten!
Man exemplifiziert in der Verteidigung des Reichsoberhauses immer wieder auf das englische Parlament — du lieber Himmel! Wer heute in dem englischen Parlament mit seinen zopsigen Geschäftsordnungen noch das Muster eines modernen Parlaments sieht, dem ist nicht zu helfen! Ein Oberhaus wie das britische, ginge uns gerade noch ab! Der Plan hat, wie gesagt, nicht die mindeste Aussicht auf Verwirklichung. Aber die reaktionären Maulwürfe werden nicht aushören, gegen das Reichstagswahlrecht zu wühlen, und darum heißt es, acht geben auf die Leute, die da zurück wollen, anstatt vorwärts!
Deutsches Reich.
Kiel, 25. Juni. Der Kaiser hat heute nachstehende Ordre an ben Oberwerftdirektor der kaiserlichen Werst in Wilhelmshaven gerichtet:
9ün heutigen Tage, an welchem vor oO Jahren die 4L<ex1t zu Wilhelmshaven errichtet worden ist, entbiete ich den Offizieren, Beamten und Arbeitern dieser Werst meinen kauerlicken Gruu.
Ueberzeugt davon, daß reges Streben und emsiges Schaffen die Werst wie bisher auch stets auszeichnen wird, wünsche ich ^ebein Einzelnen in ihrem Dienste ben vollen inneren wie äußeren Segen treuer Arbeit. Sie haben diese Ordre der Weckt zu Withelmshaven bekannt zu geben. Kiel, an Bord des TampserS .Hamburg'', 25. Juni 1906. Wilhelm, I. R.
— Heute abend nahm der Kaiser in den Räumen des Jachtklubs die Verteilung dcr Preise für die Wettfahrt der Kriegsschiffboote vor und erschien bann zu einem Festmahl deS kaiserlichen Jachtklubs. An ber Tafel nahmen u. a. die anwesenden MilitärattacheeS, die spanischen Ofsiziere, Mrs. Longvorth, geb. Roosevelt, und andere Amerikaner teil. Im Verlaufe deS MahleS erhob sich Admiral v. Arnim 511 einem Trinkspruch. Er dankte tm Namen des kaiserl. Jacht- klllbs dem Kaiser für sein Erscheinen und für sein Interesse an dem edlen Segelsport, dem auch der kaiserl. Jachtklub seinen Aufschwung zu verdanken habe. Redner schloß mit einem dreifachen Hurra auf den Commodore des KlubS. Die Musik spielte die Nationalhymne. Dcr Kaiser erhob sich darauf und erwiderte mit den Worten: .Der kaiserl. Jachtklub und seine Gäste Hurra! Hurra! Hurra l" Später hielt der Kaiser in dem Klubgarten Cercle.
Berlin, 15. Juni. Wie wir hören, ist der frühere Großh. heff. Regierungsassessor, bisherige Atlachee Dr. jur. Frhr. v. Heyl zu Herrnsheim zum LegationSsekretär ernannt und ihm der Posten des Legationssekretärs bei ber Kaiserl. Gescmbtschaft in Rio de Janeiro übertragen worden.
— Fürst Bülow hat den Ehren Vorsitz zum Stenographentag der Schule Stolze-Schrey mit dem Wunsche übernommen:
,Tie Foribildung der Kurzlchrift möge an ihrem Teile dazu beitragen, die geistigen Arbeiter in diesem Zeitalter sich ver- mehrender Beruispflichten zu entlasten und Kräfte für die höhere Ausbildung deS Einzelnen frei zu machen."
— Wie aus Paris gemeldet wird, steht das zwischen Frankreich, Italien und England abzuschließende Einvernehmen ü b er A b e ss i n i e n nahe bevor. Deutsch- land hat in Abessinien keine politischen Interessen und erkennt auch das Ueberroiegen solcher Interessen für die benachbarten Staaten als berechtigt an. Bon deutscher Seite wird lediglich Abessinien an dem Prinzip der offenen Tür und der vollen Wahrung der wirtschaftlichen Interessen fest- gehalten. Dies erhellt auch aus den in Abessinien vorkommenden deutschen Expeditionen, auf deren privaten Charakter mit Fug und Recht hingewiesen worden ist.
Ausland.
London, 25. Juni. Nach einer Meldung aus Mailand entdeckte die italienische Polizei eine weit verzweigte Verschwörung gegen das Leben König Viktor EinanuelS. Im Besitz eines Anarchisten, der in Mailand wegen verdächtiger Umtriebe verhaftet worden war, fand die Polizei einen Brief, der sie auf die Spur ber Verschwörung lenkte. Weitere Nachforschungen enthüllten ben ganzen Plan, ber bahin zielte, den König während seiner Reise nach Ancona oder bei der Ankunft in Ancona zu ermorden.
Paris, 25. Juni. Der Unterrichts Minister Briand hielt gestern in Roanne eine Rede, worin er den Wunsch ausdrückte, daß die Lohnfrage eines Tages zum Wohle der Menschheit verschwinden möge. Als Uebergangs- hiittcl zu dem neuen System befürwortete der Minister die Gewinnbeteiligung ber Arbeiter bei ben Gesellschaften unb die Beteiligung ber Arbeiter am Verwaltungsrat.
Eh inon (Dep. Jndre-ct-Loire). Kriegsminister Etienne hielt bei bem Turnerfeste .eine Rede, worin er auSführte, er werde stets von bem Lande fordern, daß es auf der Höhe ber Lage sei, er wolle ein starkes, w 0 h l b isz ip lin ie r - tes Heer, das sich fern von der Politik halte, aber bereit sei, wenn nötig, Frankreich und die Republik zu verteidigen.
Ans dem parlamentarischen Iußland.
In Beantwortung einer Interpellation über die Hungersnot führte am Montag in der Reichs d um a der Minister des Innern aus: Etwa zehn Millionen würden erforderlich sein, um die dringenden Bedürfnisse zu befriedigen. Die Regierung werde der Duma einen Gesetzentwurf betr. die Unterstützung der Bevölkerung vor- Icgen; die Regierung verausgabte für den gleichen Ziveck bereits mehr als 80 Millionen Rubel. Die Regierung erwarte die Mithilfe des Publikums in ihren Bestrebungen, im anderen Falle wäre ihre Arbeit sehr schwierig.
Mehrere Redner weisen nach, daß die Lokalverwaltung die öffentliche Hilfeleistung gehindert hat. Al ad j in führt unter lärmendem Beifall der Linken aus,dieRegierung habe das Volk arm gemacht, und Gurko, der seinerzeit vorgeschlagen habe, die Familien der an den Agrarunruhen beteiligten Landleute ihrer Habe zu berauben, sei jetzt zum Leiter der Unterstützungstätigkeit 111 den von der Hungersnot betroffenen Gegenden ernannt worden. Die Minister seien bei ben Amnestiedebatten nicht in der Duma erschienen; jetzt kämen sie, iveil die Hungersnot Geldaufwand erfordere und das Geld werde in ben Taschen der Beamten bleiben. Er beantrage, daß man eine Kommission von Dumamit- gliebem in das Hungergebiet sende und der R e g i e r u n g, die des Vertrauens der Duma entbehre, nicht eine Kopeke gegeben werde.
Roditschew sagt in leidenschaftlicher Rede, die Regierung habe die Russen zu Bettlern gemacht. In Rußland werbe immer Hunger herrschen, solange die Regierung nicht für Ordnung sorge und solange alle Vertreter der Zentralgewalt durch ein Willkürregiment verdorben seien.
Der Minister Stolypin erwidert, er sei bereit, die Reden der Dumamitglieder anzuhören und sich über ihre Angaben zu unterrichten, aber den Rednern der Linken wolle er nicht antworten.
In diesem Augenblick erhebt sich ein Geschrei: Gehen
Sie hinaus! Demissionieren Sie! Wagen <oie nicht, die Duma zu beleidigen! ...
Der Minister verläßt hierauf die -trihune und den Saal unter großem Lärm des Hauses.
DaS Haus nimmt die von Nabokow und^Madiin av- gefaßte Tagesordnung mit allen gegen drei Stimmen an, worin ausgesprochen wird, daß die Hindernisse, welche |tet» die Tätigkeit der öffentlichen Huseleistung gehemmt haben, solange bestehen werden, als das Land von einem der Duma nicht verantwortlichen Ministerium regiert merben wird. Sodann wird die Einsetzung einer Spezial-Kommis s i 0 n unter Kontrolle der Duma für die Angelegenheiten der Hungersnot verlangt. Die Minister verlassen unter dem Lärm des Hauses den Saal.
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Der Duma-Mg .Bruk erhielt aus bem Gouvernement Tschernigowdic Nachricht, daß dort furchtbare Au s- r c g u 11 g unter der jüdischen Bevölkerung herrscht. Namentlich in Nowosybkow werde täglich eine Massakre erwartet. Bruk machte dem Minister des Innern hiervon Mitteilung, woraus dieser ihn noch in der Nacht telegraphisch davon verständigte, daß er ein dringendes Telegramm an den Gouverneur von Tschernigow gesandt habe mit der energischen Aufforderung, Maßregeln zu ergreifen, um etwaige Judenhetzen sofort bei Beginn niederzuwerfen.
In Dombrowa an der schief. Grenze sind zwei Provokateure von Sozialisten erschossen worden, weil sie verdächtig waren, im Grenzbezirke Judenhetzen zu provozieren.
Aus Schitomir wird gemeldet, daß aüch dort ben Ausbruch einer Judenhetze droht.
Bei Riga überfiel eine bewaffnete Räuberbande eine Sägemühle, ermordete den Kassierer nnd verwundete den Geschäftsführer schwer. Der Polizei gelang es, drei Räuber zu verhaften.
Infolge dringenden Ersuchens des Generalgouverneurs der Ostseeprovinzen sind starke Truppenverstärkmigen, hauptsächlich Artillerie, dorthin abgegangen.
Wie man aus Moskau meldet, herrschte in der Stadt lebhafte Panik, da man heftiges Artillerie- und Gewehrfeuer in der Umgebung hörte, das zwei Stunden andauerte. Man glaubt, daß die Truppen eine große Volksmenge in einer Vorstadt auseinanderjagten. Nach einer anderen Version soll die Infanterie, welche entsandt war, um die Unruhen zu unterdrücken, auch gemeutert haben. Daraus soll die Artillerie die meuternde Infanterie sowie die Volksmenge beschossen haben. Sicher ist, daß Artillerie zw^c Stunden hindurch in Aktion war.
InOdessa bewaffnete die Polizei den niederen Pöbel, damit er an ben Juden-Ausschreitungen teilnehmen könne. Die Vorbereitungen zu Judenhetzen werden ganz offen betrieben. Tausende von Flugblättern fordern auf, Mittwoch Nacht über die Juden herzufallen und sie für ihren Ungehorsam gegen ben Zaren an Leben und Eigentum zu strafen. In einzelnen dieser Flugblätter wird dem Pöbel versprochen, daß Polizei und Militär nichts gegen fein, beim Zaren wohlgefälliges Tun unternehmen werben. Der Juden in Odessa und Umgegend bat sich eine große Aufregung bemächtigt. Wer kann, verläßt die Stadt. Alle Eisenbahn-, züge sind von Flüchtlingen überfüllt.
Ein Berichterstatter meldet ferner, daß die Sage in Sewasto po l sehr gefahrdrohend ist. Die Truppen dep Sewastopoler Garnison, die in die benachbarten ländlichen Bezirke entsandt waren, nm die Bauernunruhen zu unterdrücken, feuerten in die Luft. In mehreren Fällen schlossen sich die Soldaten den aufständischen Bauern an unb nahmen an ber Plünderung der Landgüter teil. Die: Artillerie der Sewastopoler Garnison hat auch gemeutert und droht die Stadt zu bombardieren. Matrosen der Kriegsflotte schlossen sich der Aufstandsbewegung an.
Sonntag sind in Kielze (Sosnowiee) während des Gottesdienstes aus der Sakristei Kirchengeräte usw. im Wert von 20000 Rubel von unbekannten Tätern ge^ st 0 hlen worden.
In Berlin fand am 25. Juni eine große Proteste Versammlung gegen die russischen Massakres statt. Nach einer einleitenden Ansprache des Prof. v. Liszt sprach Rechtsanwalt Shd a n o w Moskau als Vertreter der Ka- dettenpartei über die russis he Freiheitsbewegung und Dr. B r u tz k u s - Petersburg, welcher der Untersuchung der Dumakommission Über die Bjelostokcr Greuel beigewohnt hat. Pastor Kir ms gedachte der Verfolgungen gegen die russischen Protestanten, speziell gegen die baltischen Deutschen. Den Schluß bildete eine fesselnde, mit ungeheurem Jubel aufgenommene Ansprache Friedrich Naumanns, der u. a. ben Zweck solcher Protestver-, fammluugen erörterte. Nichc geg n den russischen Bürgerkrieg an sich könne das Ausland protestieren, auch nicht gegen die Grausamkeiten, die bei einem Kampfe von so unvergleichlicher historischer Bedeutung mitt Ücaturnotwen- digkeit auf beiden Seilen vorkommen, sondern nur dagegen, daß der Kampf ausartet in sinnlose Barbarei^ durch welche die Interessen des alten Regimes die Aufmerksamkeit von sich ablenken wollen. Dagegen müsse. Europa einen moralischen Druck ausüben.
Deutsche Journalisten in England.
London, 25. Juni.
Die Vertreter dec deutschen Presse besuchten heute Windsor. Ani Bahnhof wurden sie von einem Kamnierherrn des Königs und dem Bürgermeister empsangen, der jedem ein Buch mit Ansichten von Wmdsoc überreichte. Die Redakteure fuhren zunächst in Begleitung des Lords Avebury unb der Airs. Steak nach Frogmore unb legten im Mausoleum am Grabe der Königin Viktoria einen Kranz meber. Nach einer Rundfahrt durch den Park begaben sie sich nach Schloß Windsor, ivo ein Frühstück eingenommen wurde; während des Frühstücks wurde ein Telegramm an König Eduard gerichtet, in dem die dcutschcni Pressevertreter ihren Dank dafür aussprechen, daß sie in bem alten Königtzschlosse die Gäste des Königs sein dürften. Hierauf wurde das Schloß


