Ausgabe 
25.9.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 225 Zweites Blatt

156. Jahrgang

Dienstag 25. September 1906

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieLietzener Kamillenblätter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Hessische Landwirt" erscheint monaUich einmal.

Lietzener Anzeiger

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.7.

Tel. Nr. bl. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen«

General-Anzeiger, Amt§- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen.

Bekanntmachung.

Wir bringen hierinit zur öffentlichen Kenntnis, daß die Straße Hungen Inheiden infolge der Bauarbeiten zur Herstellung der Wasserleitung für Bad-Nauheim für Auto- mobtle und sehr schwere Lastfuhrwerke nicht gut fahrbar ist.

Gießen, den 20. September 1906.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, _ ______________I. V.: Dr. Wagner._______________

Amtliche Nachrichten Wer Viehseuchen. Nachdem die in mehreren Gehöften zu Burg-Ge- münden, StrciS Alsfeld, ausgebrochene Schweinerotlauf- sc u ch e erloschen ist, wurde die über diese Gehöfte ver­hängte Sperre wieder aufgehoben._________________________

Kelranntmachung.

Zuin 2. Oktober 1906 ist beim diesseitigen Kommando die Stelle eines Zweijährig-Freiwilligen (Schreibers) zu be­setzen.

Leute mit schöner Handschrift und guter Führung wollen sich sofort hier, Seltersweg 55, vormittags melden.

Gießen, den 20. September 1906.

_______Großherzogliches Bezirks-Kommando Gießen.______

KeilanalmaHiliig.

Vetr.: Fcldbercinigung in der Gemarkung Utphe.

Es ivirb hiermit zlir Kenntnis der Beteiligten gebracht, daß die Vollzugskommission mit Rücksicht auf die seitherige trockene Witterung beschloßen hat, die Frist zum Umpflügen der Stoppeläckcr bis 1. Oktober l. I. zu erstrecken.

Bei fruchtlosein Ablauf dieser Frist erfolgt alsdann da§ Umpflügen der Stoppeläcker auf Kosten der Säumigen.

Friedberg, den 21. September 1906.

Ter Großherzogl. Feldbereinigungskommissär: (Spanier, Kreisamtmann.

Russisch-Schwedisches.

Dem schwed. Telegr.-Bureau wird aus Helsingfors tele­graphiert: Am 23. lichtete das kaiserliche russische Geschwader die Anker und fuhr nordwärts. Um 9 Uhr morgens kam es in- Petkaspaari an und ging im Kuvafjord vor Anker.

Rach demselben Bureau betragt die Zah'5 der in Stock- Hol m verhafteten Finnen fünf. Diese bildeten eine Liga. Ihr Präsident ist Nymann. Dieser gestand ein, daß sie auf Befehl des Revolutionären Komitees eine Bank- plünderunF in Stockholm vorbereitet hätten. Außer fünf Kilogramm Dynamit wurde in Nymanns Wohnung eine mit Dynamit gefüllte Bombe gefunden, die bei der Banlplünderung- Verwendung finden sollte. Während der Verhaftung erklärte stchmami: Ich bin niemals für eine Banlplünderung in Stockholm gewesen. Aber was will man tun, wenn man vom Zentralkomitee dazu gezwungen wird?

Wie ein Stockholmer Blatt meldet, wurde bei Born­holm 'der norweg. DampferSkandinavien" von zwei russische Kriegsschiffe angeyalten und dessen Ladung durchsucht. Es wurden 3000 Gewehre und eine Menge Munition gefunden. Sowohl der Dampfer wie die Ladung wurden beschlagnahmt.

Im Gouvernement Samara ist eine furchtbare Hungersnot ausgebrochen. Die Lage der Bewohner ist verzweifelt. Die Priester aus 12 Dörfern flehten das Rote Kreuz um Hilfe an. Die Zahl der Kranken nimmt tägliche zu. Besonders wütet der Skorbut sehr schlimm, ebenso der Unterleibs-Typhus. Brot wird aus unglaublichen Sub­stanzen hcrgesteltt. Das von. der Regierung gelieferte Saat­getreide ist von zweifelhafter Qualität. Die Landschafts­chefs und die Mitglieder der Verpftegungskommission walten ihres Amtes gewissenlos. Im Steppengebiet herrscht ebenfalls Hungersnot. Es ist kein Viehfutter infolge der Mißernte vorhanden und das Vieh muß zu Schleuderpreisen verkauft werden. Es gibt kein Brot und kern Saatgetreid c und es bedarf der Aufwendung vieler Mittel seitens der Negierung, um dem Hunger zu steuern. Allenthalben wird die Privathilfe angerufen.

Der als Kosakenkommandeur ins Transbaikalgebiet versetzte Garde-Oberst Chrulew wurde in Tschita von dem betrunkenen Leutnant Jushewelski alsreudiger Gardist, Monarchist, Zaren-Lakai" usw. beschimpft. Er versetzte seinem Gegner eine Ohrfeige. Beide begaben sich zum Gouverneur und baten um die Erlaubnis zum Duell. Ms Chrulew aus dem Wagen stieg, feuerte der Leutnant meuchlings mehrere Revolverfchüsse ab, die den O b e r st tödlich verletzten.

In Warschau wurden ein Kreisschutzmann durch drei Unbekannte, ein Arbeiter durch Terroristen, eine Arbeiterin durch Arbeiter erschösse n. In Kielce wurden 5 Ban­diten nach Verurteilung durch das Feldkriegsgericht hin­gerichtet.

Admiral Besobrasow sandte dem ehemaligen Mi­nister des Aeußern Lambsdorff eine Duellfor- d e r u n g.

In Riga wurde der Straßenbahnkontrokleur Vielrose meuchlings erschossen.

poliüjcbc Tages?chan.

Die Revolution auf Kuba.

Auf Kuba wurde am 24. d. M. der W a f f e n still stan d verkündet. In den allernächsten Tagen wird es sich zeigen, ob cs zu einem Friedensschlüsse zwischen dem Präsidenten Palma und den Aufständischen Eoinmt. Eine Intervention paßt allem Anschein nach schlecht in den Kram des Präsidenten Roosevelt, gerade jetzt, unmittelbar vor den Kongreßwahlen. Denn heute täuscht sich in ötordamerika niemand mehr über die Tatsache, daß der Krieg gegen Spanien im Jahre 1898 nicht geführt wurde, um den Kubanern die Freiheit zu verschaffen, sondern allem im Interesse des amerikanischen Zucker - und Tabak- trusts. Nun hat sich aber seit damals der Jankees eine stetig zunehmende Verbitterung gegen die Mißwirtschaft der Trusts be­mächtigt und der demokratische Präsidentschaftskandidat Bryan konnte keine bessere Wahlparole finden, als die Proklamierung des Kampfes gecen die Ringbildung des Großkapitalismus, wo­

durch den Arbeitern die Löhne und den Konsumenten die Preise einfach diktiert werden. Wenn also Nordamerika interveniert und zur Annexion Kubas schreitet, so hat die Kosten der militärisck^n Expedition das Volk zu tragen, und den Profit bei dec industriellen und kommerziellen Ausschlachtung der Insel haben wieder die T r u st m a g n a t c n. Außerdem würde eine Okkupation von Kuba außerordentliche Opfer an Gut und Blut kosten, denn die iubanischen Insurgenten haben stets ihre Meisterschast im Guerillakriege gezeigt. Endlich würden auch die Japaner sicher dafür sorgen, daß auf den ohnehin noch lange nicht pazisizierten Philippinen ein neuer umfassender Aufstand losbricht, und ob Uncle Sam bei seinem Werbcsystem genügend Truppen für einen Krieg gleich nach zwei Seiten hin ausbringen kann, das muß doch noch sehr bezweifelt werden. Die Inter­vention wird also von Roosevelt wohl nur als ultima ratio belrachtel. _____________________

Deutsches Reich.

Ro minten, 24. Sept. Der Kaiser und die Kaiserin mit Gefolge wohnten am Sonntag vormittag dem Gottes­dienste bei. Zur Tafel waren geladen der kommandierende General v. d. Goltz, Obcrpräsident v. Moltke und der Landcs- stallmeister v. Dettingen.

Graudenz, 24. Sept. Hier stritt man sich über die Form, die einem Kaiser-Wilhelm-Denkmal zu geben fei. Man hatte sich zu einem eigenartigen, künstlerisch her­vorragenden Walkürenbrunnen entschlossen. Der Beschluß ist jetzt umgestoßen. Graudenz erhält keinen Gedenkbrunnen, wohl aber ein Standbild. Der Denkmalsausschuß hat be­schlossen, nicht einen Walkürenbrunnen mit dem Reliesmedaillon Kaiser Wilhelms L, sondern ein militärisches Standbild Kaiser Wilhelms I. errichten zu lassen, d. h. also zu Fuß, das zahl- reiche andere Städte nach altem, wenig erfreulichem, alle Städtekultur verleugnenden Schema getan haben, weil der jetzige Kaiser erklärt hat, ein Medaillon am Brunnen zieme sich für einen Kaiser nicht. Darauf hat der Chefredakteur Fischer vom .Geselligen" erklärt:

Ich scheide aus dem Tenkmalsausschuß aus mit dem tiefen Bedauern darüber, daß cs trotz ernster Arbeit im Laufe eines Jahr­zehnts nicht gelungen ist, das eigenartige, kerndeutsche und durch­aus würdige Kunstwerk, den Kaiser-Wilhelm-Gedentbrunnen mit der Walküre, nach dem einstimmig (1904) preisgekrönten Entwürfe des Bildhauers Heinrich Günther-Gera, in der Stadt Graudenz unb zu deren jo notwendigem Schmucke zur Ausführung zu bringen, gelnäß dem von der Mehrheit des engeren Ausschusses am 25. Sep­tember 1904 selbst gefaßten Beschlüsse, der für mich weder durch die leider versagte, aber nur irrtümlich vom Magistrat der Stadt Graudenz nachgesuchte königliche Genchmigmig, noch durch irgend welche Versammlungen oder dnrch verspätete, unzuständige Proteste erschüttert worden ist. An der Beschaffung und Errichtung eines Kaiser Wilhelm-Standbildes, das* man sich schon vor Jahren ohne jeden Aufwand von Zeit und Nachdenken billig hätte besorgen tonnen, habe ich kein ausreichendes Interesse."

Berlin, 24. Sept. Der .Neichsanzeiger" meldet: Der verwitlveten Frau Franziska Speyer, geb. (Smnbert, zu Frankfurt a. M. wurde der Wilhelrnorden, bci^ Präsi­denten des Oberlandesgerichts in Colmar, NassAa, der Charakter als Wirklicher Geheimer Nat mit dem Prädikat Exzellenz oerlieben.

DemMilitärwochenbl.E zufolge wurde v. Langen­de ck, komnt. General des 2. Armeekorps, in Genehmigung seines Abschiedsgesuches mit der gesetzlichen Pension zur Dis­position und gleichzeitig ä, la suite des Ulanen-Negiments Großherzog Friedrich von Baden" Nr. 7, und v. Mass ow, General der Kavallerie, ä la suite der Armee, Präsident des Neichsmilitärgerichts, mit der gesetzlichen Pension zur Disposition und gleichzeitig ü la suite des 1. branden­burgischen Dragoner-Negiments Nr. 2 gestellt.

In einer ans den verschiedensten Teilen des Reiches zahlreich besuchten Versammlung von Buchdruckereibesitzern wurde einstimmig die Gründting eines sofort in Tätigkeit tretenden Arbeitgeber-Verbandes für das Bnch- druckereigewerbe beschlossen.

Gegen den Abg. Dr. v. Chlapowski, den Be­sitzer von Kurzgauze, bei dem seinerzeit eine nicht angemeldete Sokol-Versammlung polizeilich aufgelöst worden ist, ist Strafverfahren wegen Beamtenbeleidigung sowie wegen des Vergehens gegen das Vereins- und Versamm- lungsrecht eingeleitet worden.

Von privater Seite wird gemeldet, daß der Kaffeler Korpskommandeur Linde ztim Präsidenten des Reichs Militärgerichts ernannt wurde. Unb der Württemb. Staatsanz." teilt nut, daß an dessen Stelle der Herzog Albrecht von Württemberg tritt.

Die von der Stadt Berlin infolge eines Beschlusses des deutschen Städtetages eingerichtete ^Städte tags- zentr alstelle" hat mit ihrer Tätigkeit begonnen. Sie steht unter der Leitung des Magistratsrats Dr. Schalhorn. Die mit einer Bücherei verbundene Zentralstelle erteilt Auskünfte über alle städtischen Einrichiungen, dort werden auch Studien über deutsche Städteverwaltung- und Stadtverfassungsrecht, ferner über Städtewesen, Stäbteentwicklung und Stadtgeschästc an der Hand eines vollständig gesichteten Stoffes betrieben. Die 152 deutschen Städte (über 25 000 Einwohner) mit zu- lammen 14 Millionen Einwohner, die Mitglieder des deut­schen Städtetages sind, haben sich verpflichtet, sämtliche in ihrem Verwaltungsbereich hcrgcstellten und mit bem städtischen Leben zusammenhängenden wichtigeren Drucksachen re. kosten­frei aii die Zentralstelle abzuliefern.

Braunschweig, 24. Sept. Der Führer der Welfcn- Partei, Graf von der Schulenburg, veröffentlicht heute eine Erklärung, in der es u. a. heißt, der Herzog von Cum- berlaub wünsche unter Zuziehung seiner Söhne unb Be­rater und auf Grund des in Gmunden liegenden Llkten- Materials alsbald zur Thronfolgefrage Stellung zu nehmen.

Eisenach, 24. Sept. Nach Weimar haben nun auch in Eisenach die' Nationalliberalen beschlossen, bei den bevorstehenden Landtagswahlen mit der Freisinnigen Volkspartei gemeinsam vorzugehen. Cs wird dies all­

gemein als eine günstige Vorbedeutung für die Reichstags- wahlen 1908 angesehen.

Gera, 24. Sept. Die Regierungen der thür. Staaten iverden gemeinsam den Reichskanzler zur Oefsnung der Grenzen im Interesse der Linderung der Vieh­not auffordern.

München, 24. Sept. In Kreisen, die über die Vor­gänge in Braunschweig und Gmunden unterrichtet sind, ver­lautet gerüchtiveise, daß die maßgebenden Persönlichkeiten in Berlin und andern Bundesstaaten dahin verständigt wurden, daß die jetzige Regcntschaftscrlcdigung unbedingt zur end- g i l t i g e n L ö s u n g d c r b r a u n s ch w c i g i s ch c n E r b f o l g c - frage führen werde. Für dcn Fall einer Unentschiedenheit des Herzogs von Cumberland und seiner Söhne werde der Landtag zur Wahl eines neuen Herrschers schreiten und diese zunächst auf den zweitberechtigten Agnaten, den Herzog Karl Borwin von Mccklenburg-Strelitz, dem zweiten Sohne de§ Großherzogs Adolf Friedrich, deffcn noch lebende Mutter, die Großherzogin Witwe Augusta Karoline, eine geb. Prinzessin von Großbritannien und Irland ist, lenken. Herzog Karl Borwin ist 1888 geboren und wird) am 10. Oktober volljährig.

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Ausland.

London, 24. Sept. ZurMeteor-Ang ele gen - hcit" veröffentlicht der Daily Expreß eine Mitteilung der deutschen Botschaft, daß der Zwischenfall beendet sei. Es heißt darin: Wir sind überzeugt, daß der .Meteor" den Hafen von Portsmouth infolge eines Mißverständnisses zwischen seinem Kapitän und bem königlichen Hafenmeister verlassen hat. Wir sind fest der Ansicht, daß keine Kränkung Deutsch­lands beabsichtigt war und daß die Beziehungen zwischen beiden Mächten weiter die sreundlichstcn sind. Der Kapitän desMeteor" verstand anscheinend nicht die ihm erteilten Befehle.

Ein in den Abendblättern veröffentlichtes Telegramm, aus Kapstadt bringt die Nachricht, daß zivei Engländer wegen Lieferung von Waffen über die Grenze an die Hereros zu Geldstrafen von je 50 Pfund Sterling oder im Falle dec Nichtzahlung zu je vier Monaten Gefängnis ver­urteilt worden sind. Der Richter verurteilte die Handlungs­weise der zwei Leute in schärfsten Ausdrücken und wies auf die Spannung der Beziehungen zu Deutschland hin, welche voraussichtlich cintrctcn werde, wenn eine solche unerlaubte Handlungsweise nicht scharf unterdrückt werden, würde.

Gent, 24. Sept. Das Institut für internatio­nales Recht gelangte heute zu folgenden Bestimmungen in Bezug auf Luftballons und drahtlose Telegraphie: Die Luft ist frei und die Staaten haben an ihr in Friedens- und Kriegszeiten die ziir Selbsterhaltung erforderlichen Rechte. Auf die drahtlose Telegraphie finden mangels besonderer Bestimmungen die für den gewöhnlichen telegraphischen Ver­kehr geltenden Regeln Anwendung. Jedem Staate steht es frei, zur eigenen Sicherheit die Leitung Hertzscher Wellen über sein Land- oder Weggebiet zu untersagen, ist jedoch gehalten, die anderen Staaten von einem solchen Verbot sofort zu be»' nachrichtigen.

Valladolid, 24. Sept. Auf einer Zusammenkunft von kastilianischcn Bauern wurde Protest erhoben gegen die vorübergehende zollfreie Zulassung von aus» ländischem Getreide und Erhöhung derGetreide- zölle gefordert.

Budapest, 24. Sept. Die hiesige israelitische Kultus- gemeinbe beschloß, einen Weltkongreß aller jübischen Gemeinden nach Budapest einzuberufen behufs Beratung von Schritten, damit die Mächte zu Gunsten der russischen Juden intervenieren.

Die Breslauer Arbeiterkrawallc vor Gericht.

Nachdruck verboten.

II.

Sechster Verhandlungstag,

S. u. H. Breslau, 24. Sept-

Zeuge Max Elsner bekundet: Er sei der Mann, der vok dem Grundstück, in welchem die Hebamme Haase wohne, ge­schlagen worden sei. Er sei mit seiner Frau auf dem Wege nach Hause gewesen und habe dabei Schutzleute gesehen, die auf die Leute cinschlugen. Er sei schleunigst davongegangen, aber dabei su Fall gekommen: die Schutzleute hätten ihn bann verfolgt. Ein Schutzmann sei über ihn gefallen, ein anderer habe ihn mit dem flachen Säbel geschlagen, während andere um ihn hcrum- standen. Er habe die Schutzleute gefragt, wie sie dazu kommen, ihn zu schlagen: inzwischen habe auch jemand aus dem Fenster heraus seiner Entrüstung Ausdruck gegeben, worauf man ihn ruhig weiter gehen ließ.

Aus Stadt und Land.

Sprechstunden bv-c Redaktion 111 llhr Dorrn., V»71/28 Uhr abds. Gießen, 25. Sept. 1906.

** Keine Zusammenkunft des Großherzogt mit dem Zaren. Die Nachricht, daß S. K. H. der Großherzog auf seiner Reise vermutlich mit dem Zaren: eine Zusammenkunft haben werde, wird von hosamtlicher Stelle als Erfindung bezeichnet. Eine solche Zusammen«, kunft fet nicht beabsichtigt.

** Lehrerpersonalien. Ernannt wurde der Schuld amtsaspirant Jul. Kieffer aus Riedisheim (Elsaß) zuM Lehrer an der höh. Mädchenschule zu Offenbach unter Be­lassung in der Kategorie der Volksschullehrer. lieber- tragen wurde den Lehrern Adolf Berthold zu Engel­thal und Karl Back zu Viernheim Lehrerstellen an der kath. Schule zu Bensheim; dem Lehrer Jak. Dörschug zu EberHeim eine Leyrerstelle an der Gemeindeschule zu Gonsenheim, dem Schulamtsaspiranten Karl Dietz aus Gleimenhain eine LehrersteNe an der Gemeindeschule zu Ober-Ohmen.

** Landtagskandidatur. Wie verlautet, wird als Nachfolger des oerilorbcnen Abg. Häusel Posthalter Olt in