Ausgabe 
25.8.1906 Zweites Blatt
 
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mental efißebenrt man an der DrvTermühle und oberhalb derselben, wo die eigentlichen Quellen des Lauterbaches nahe deS alter: Postwegs Grünberg-Laubach liegen. Hier wird gegenwärtig noch vermessen und an der Ausschachtung der Rieselkanäle und der Freilegung der Quellen gearbeitet. Tic hier bereits gefundenen Wassermengen sind so stark, das; sic imstande wären, eine Mühle zu treiben. Im Spätherbst oder Frühjahr wird mit der .Verstellung eines weiteren Sammelbassins begonnen, von diesem aus wird ein Hochbehälter oberhalb Lauter abgeleitet, der dann die hochgelegenen Orte, wie Lauter, Münster, Bessingen, Röthges und Nonnenroth mit Wasser versorgen soll. Nach Fertig­stellung dieser Quellfassungen hofft der Staat auf ca. 10 000 Kubikmeter Wasser pro Tag zu kommen. Dadurch wird allerdings der Bach sehr beträchtlich an Wasser verlieren, es besteht deshalb die Absicht, den Mühlenbesitzern eine angemessene Entschädigung zu gewähren. Die Rohrlegung erfolgt für die 37 Kilometer lange Strecke bis nach Nauheim größtenteils entlang der Kreisstvaßen, sic ist bereits bis auf die Genehmigung des Staates vergeben und wird in Kürze begonnen. Für den staatlichen Betrieb in Bad-Nauheim wird arif dem Goldstein bei Nad-Nau- l;eim ein 1000 Kubikmeter fassender Hochbehälter erbaut, der zu ca. 35 000 Mk. veranschlagt ist. Er soll noch dies Jahr vollendet werden. Die Gesamtanlagc des Wasser­werks ist zu 1867 000 Mk. veranschlagt und wird bis Früh­jahr 1907 zum größten Teil vollendet und in Tätigkeit sein. 'Auch an der Riedmühle bei Hungen hat der Staat ein wasserreiches Quellgebiet, ca. 10 Morgen, für 25 000 Mk. angekauft. Tas gesamte Gruppenwasserwerk erhält keinen, Dampfbetrieb und keinerlei Maschinen, die Wasserzuführung geschieht durch das natürliche Gefäll.

** Den Mädchenmörder von Seligenstadt will man jetzt in Nippberg in Baden gefaßt haben. Der Ver­haftete heißt Fritz Tand und stammt aus Frankfurt.

Proportionalmahl. Im ersten Blatt unserer .Zeitung vom 21. August wurde in dem ArtikelDie Pro- portionalwahl bei den Hess. Kommunalwahlen" mitgeteilt, die Verhältniswahl sei in Deutschland erstinalig bei den Gewerbe- gerichtSwahlen in Mannheim zur Anwendung gekommen, nach­dem die Gewerbegerichtsnovclle vom September 1904 die Verhältnis- und Listenwahl ausdrücklich als zulässig erklärte. Wie wir nachträglich erfahren, hat eine Reihe deutscher Städte dieLZerhältniswahl bei den Gewerbcgerichtswahlen schon früher ei^geführt, unter anderen die Stadt Gießen seit dem 1. Januar 1903; bei den Ge werb eg«; richts wählen in Gießen in den Jahren 1903 und 1906 hat sich dieses System sehr gut bewährt, indem es bei den Arbeitgebern und den Arbeitern auch der Minderheit Sitze beim Gericht verschaffte, während die Minderheit früher nicht vertreten war. Bei den Wahlen zum Kaufm ann sgerich t ist die Verhältniswahl laut Gesetz vom 6. Juli 1904 obligatorisch.

** Ein spaßiges Stückchcn passierte in der Frank­furter Markthalle dem Käsehändler Walter aus Langgöns. Infolge tropischer Hitze waren die Handkäse des Händlersins Laufen" gekommen und bildeten eine einzige wandernde Masse, sodaß der Ticfbetrübte die Ware nicht mehr an den Mann zu bringen vermochte. Kurz ent­schlossen forderte er die Kinder auf der Straße auf, nach Hause zu gehen und Gefäße zu holen, da er ihnen den Käse schenken moste. Daß es bei der Gratisverteilung nicht ganz ruhig zuging, läßt sich denken, zudem der Händler allerlei Späße machte und den wandernden Käse verteilte. Der Auf­lauf und der Tumult wurde schließlich so arg, daß die Markt- polizci eingreifen und die Ordnung wieder herstellen mußte. Das Schlimmste aber war, daß dem edlen Menschen- und Käsefreund aus Langgöns auch noch eine Ordnungsstrafe zu­diktiert wurde.

-i- Lich, 24. August. Ter Neubau der hier neu ge­gründeten landwirtschaftlichen Winterschulc ist jetzt im Rohbau fast vollendet. Das Gebäude steht in der Nähe der fürstlichen Obermühle. Der 2. Winterkursus an der Schule beginnt am 6. November.

^Butzbach, 24. Aug. Auf der heute abend im Hotel zum Löwen" abgehaltenen Versammlung der Wirte von Butzbach und Umgegend wurde beschlossen, unter keinen Umständen die von der Brauerei Melchior ge­plante Bierpreiserhöhung von 50 Pfg. pro Hekto­liter zu zahlen. Es soll die Brauerei vor allem ersucht werden, nicht dem Brauereiring beizutreten. Sollte dies er­folglos sein, so sind Abkommen mit je 2 Wetzlarer und Licher Brauereien soweit getroffen worden, die sich bereit erklären, event. das Bier zu seitherigen Preisen ab 1. September an den Wirteverein von Butzbach und Um­gegend zu liefern. Unter den Maurergehilfen des Bauunternehmers Kreh ist eine Bewegung im Gange, die bezwecken soll, daß die Hess. Behörden verhindern mögen, fortan Strafgefangene als Maurer an öffentlichen Gebäuden zu beschäftigen. Genannter Unternehmer hat die Erweite­rungsbauten der hiesigen Zellenstrafanstalt übernommen und weigerten sich sämtliche Gehilfen nach der 4-Uhrpause heute nachmittag in Gemeinschaft mit den Strafgefangenen weiter zu arbeiten. Die Israelitische Religionsgemeinde hat an maßgebender Stelle ein Gesuch eingereicht zur Verlegung des auf den 2 0. September festgesetzten Vieh Marktes, da es den israelitischen Handelsleuten an diesem Tage, als dem jüdischen Neujahrstag, nicht möglich sei, dem Markt bei­zuwohnen.

Bad-Nauheim, 24. Aug. Bis zum 16. Aug. sind 24441 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 5085 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 23. Aug. 1906 318 037 abgegeben.

k- Ober-Bessingen, 24. Aug. Schwere Verletzungen am Kopfe zog sich ein hiesiger Bursche zu, der bei dem Kirch­weihfest vom Tanzboden stürzte. Man mußte ihn nach Lich zum Arzt bringen.

a Lauterbach, 24. Aug. Verhaftet wurden gestern durch die hiesige Gendarmerie zwei Handwerksburschen, die einen Straßenwärter in der Gegend von Schlitz eine silberne Taschenuhr gestohlen hatten. Sie hatten die Uhr be­reits verkauft und für das Geld ihren Durst gelöscht. In Willofs wurde an Stelle des seitherigen Beigeordneten Kreutzer Landwirt I. Döring gewählt.

Frankfurt a. M., 24. Aug. Eine Brauerei­genossenschaft ist hier zu stände gekommen. 53 hiesige und auswärtige Flaschenbierhändler und Wirke haben sich zusammengeschlossen und die G. H. Bader'sche Brauerei an- Lekauft, um sie als Genossenschaft weiter zu führen. Die

Verträge sind notariell festgelegt. Der Kaufpreis beträgt 250 000 Mk., die Käufer sollen unabhängige und gut situierte Leute sein. Die hiesigen Ringbrauereien berechnen den ihnen bis jetzt durch den Bierkrieg verursachten Aus­fall auf 20 Proz. Der Maurer Jost aus Erzhausen stürzte am neuen Bürgerhospital beim Vergipsen einer Decke rücklings vom Gerüst. Er erlitt eine Gehirnerschütterung und einen Bruch des Oberarmes.

sd. Wiesbaden, 24. Aug. Die Eisenbahndirektion Mainz schreibt gegenwärtig die Verpachtung der Wirt­schaft im neuen Wiesbadener Hauptbahnhof zum 15. November oder einem noch zu bestimmenden späteren Termine aus. Daraus geht hervor, daß an eine Eröffnung vor Weihnachten nicht gedacht wird.

fc. Weil bürg, 24. Aug. Der Groß Herzog von Luxemburg stiftete zur Erinnerung an das tausendjährige Jubiläum der Stadt der hiesigen rg er g a r d e" einen in Silber getriebenen Pokal mit Inschrift. In der Wandung des Pokals sind 30, in den Deckel 6 nassauische Taler ein­gelassen. Das Ganze ist bekrönt durch den nassauischen Löwen.

** Kleine Mitteilungen au§ Hessen und den Nachbarstaaten. In Büdingen wurden die Opserstöcke der k a t h o l i s ch e n K i r ch e e r b r o di e n und ausgeraubt. Die Polizei ist den Tätern auf der Spur. Die Arbeiten zur Vergrößerung des H a u p t b a h n h o f e S in Mainz sind soweit gediehen, daß der Personentunnel int Lause dieser Woche dein Verkehr übergeben werden kaum In Frankfurt stieß der Arbeiter Sonack aus Niederrod mit seinen: Rade auf ein Milch­fuhrwerk. Er kam unter das Fuhrwerk zu liegen und wurde schwer verletzt hervorgezogen. Ferner kollidierten dort zivei Radfahrer mit einer Droschke in der Kaiserstraße, wobei der Hilfsarbeiter Hoffmann schwere innere Verletzungen davon trug.

Vermischtes.

* Ein Wettl aus um sein Recht. Ein Bauer aus der Gegend von Mayen halte einen Prozeß beim Koblenzer Landgericht verloren, und da er nicht wußte, welche Schritte er zu tun hatte, um gegen das Urteil Be­rufung einzulegen, wandte er sich an den Lehrer des Dorfes. Dieser verwies ihn an einen in Mayen wohnenden Rechts­konsulenten. Alnstatt daß dieser klugeRechtsberater" einfach eine schriftliche Eingabe für seinen Klienten auf- fetztc, die die Bitte um Zuordnung eines Rechtsanwalts im Armenrechte enthielt, damit dieser gegen das landgcricht- liche Urteil Berufung eintege, gab er dem Bauer den Rat, zu dem Obertandesgerichtspräsidcnten nach Köln zu reifen, der würde die Sache schon in Ordnung bringen; er, der Bauer, müsse sich aber eiten, die F-rist (damit meinte er die Be­rufungsfrist) fei schonam Laufen und könne ihn leicht Überholen".Da ist es aber Zeit, daß du dich ans Laufen gib ft", dachte der Bauer,damit die verd.....Frist dich

nicht cinholt." Diesem Gedanken folgte die Ausführung auf dem Fuße, denn das Bäuerlein trat schon am anderen Tage mit seinem Ehegespons Lies, das es für gut fand, für alle Fälle einen großen Korb Eier mitzunehmen, um sich, wenn es nötig sein sollte, ein bereitwilliges Gehör bei dem Beamten zu verschaffen, die Reise nach Köln cm. Dort angelangt, erkuirdigten sie sich sofort nach der Wohnung des Oberlandesgcrichtspräsidcnten, und begaben sich ohne Verzögerung dorthin. Zn ihrem Schrecken wurde ihnen aber dort mitgeteilt, daß sich der Präsident in der Sommer­frische befinde, daß er überhaupt keine Besuche annehmc, und daß sie sich mit ihrem Anliegen an den zuständigen Beamten im Justizgebäude am 'Appellhofplatz wenden müßten. Früh am andern Morgen, schon um 5 Uhr, gingen die Bauersleute zum Justizgebäudc, in der 'Angst, die Frist, die ja nach Auskunft ihres Rechtsberatersam Laufen" war, könnte sie einholen. Ta sie das Portal des Gebäudes zu dieser frühen Morgenstunde noch verschlossen fanden, schellten sie an der Nachtglocke. Unwillig über die Störung in seinem Schlummer, kam der Kastellan des Oberlandes­gerichts heraus und fragte die Leute nach ihrem Begehr, worauf der Bauer meinte:Wir Han et mit der Frest zu don, d'ie es am lafe, wenn mer net schnell mache, holt die ons en; sat Här, die Frest es doch net schon vor on§: hi gewese?" Erst nach längerer Auseinandersetzung wurde der Kastellan daraus klug, was die Leute wollten. Er be­deutete ihnen dann, daß sie um 9 Uhr wiederkommen müßten, um sich dann mit ihrem Anliegen an die Gerichts-- schreiberei zu wenden. Dieser Ausweisung folgend, kamen die Bauersleute pünktlich zu der angegebenen Stunde auf die Gerichtsschreiberei, wo der Beamte bereits durch den Kastellan über das seltsame Auftreten in Kenntnis gesetzt, deren Gesuch um Erteilung des Armenrechts, das schrift­lich eingereicht, schon längst seine Erledigung gefunden hätte, zu Protokoll nahm. Der Beamte, ein witziger Herr, machte die Bauersleute darauf aufmerksam, daß sie Glück gehabt hätten, denn eben wurde ihm gemeldet, daß die Frist am Hauptbahnhof angekommen sei und gleich erscheinen werde, daß sie aber zu spät komme. Aus Freude und Dankbar­keit bot die Bäuerin dem Beamten den Korb mit Eiern an. Dieser lehnte aber dankend ab, die Frau belehrend, daß ein Beamter keine Geschenke annehmcn darf.Dann kommt wenigstens zu onser Kirmes", meinte da die Frau,et werd, euch sicher got gefalle, mir backen ene Quetschekoche, so hat ihr noch keine gegesse."

* Ein Eis en bahn Unfall. Nach der Ausfahrt des Personenzuges 466 ans dem Bahnhof Stendal ist am Freitag zwischen Kilometer 1,7 und 1,8 der Strecke Stendal- Uelzen der Kessel der Zuglokomotive explodiert. Per­sonen sind nicht verletzt, Entgleisungen nicht vorgekommen, sodaß die Gleise nicht gesperrt sind. Der Zug wurde durch eine Hilfslokomotivc nach dem Bahnhof zurückgeholt und fuhr mit 40 Minuten Verspätung ab. Die Ursache der Explosion ist mit Sicherheit noch nicht festgestellt.

* Kleine Tageschronik. In Crimmitschau wur­den von der Hochdruck-Spannung der elektrischen Leitung ein Maschinenmeister und ein Arbeiter getötet. Nach dem Unglück versagte in der Stadt auf einige Zeit die elektrische Kraft. Am Nordhafen in Berlin ist ein s ch w e r e r T y v h u s f a l l festgestellt worden. Die Polizei hat wegen der großen Änsteckungs- gesahr unter den dort verkehrenden Schiffern strenge Maßregeln getroffen und u. a. die Badeanstalt im Nordhafen sofort ge­schlossen. In Zabrze (Schlesien) stürzte ein Wohnhaus in­folge zu tiefer Ausschachtungsarbeiten zu einen nebenan liegenden Neubau der Töchterschule ein. Mit knapper Not konnten kurz vor dem Einsturz sämtliche Bewohner gerettet werden. Nach Blättermeldungen herrscht in Chocen (Böhmen) Erregung, weil ein Dienstmädchen einen jüdischen Arbeiter beschuldigte, er habe sie im Schlaf überfallen, narEotifiert und sie zu rituellen Zwecken mißbraucht. Man befürchtet antisemitische Ausschreit­ungen. Das Mädchen wird von ihrer Dienstherrin als schwach­sinnig bezeichnet. Ein Duell zwischen einem Major und einem Redakteur in Budapest wurde, als die Duellanten auf dem Kampfplatz erschienen waren, auf Befehl des Honved- ministers verboten. Während eines Waldbrandes bei Toulon wurden mehrere Soldaten, welche bei den Löscharbeiten beteiligt waren, von den Flammen überrascht. 3 Soldaten kamen in den Flammen um, 7 erlitten schwere Brand­wunden. Ein Dorf mit 800 Einwohnern ist von byt Flammen

bedroht. Der Kampf gegen das Element ist mit großer Gesahrs verbunden.

Nnsverssicits-Nachrichteilr.

Marburg, 23. Ang. Au der hiesigen Hochschule wurden! int verflösseueu Jahre 9 6 Promotionen vollzogen, und zwar 55 in der philosophischen, 24 in der medizinischen, 16 in der juristi­schen, 1 in der evangelisch-theologische i Fakultät.

§ Marburg, 24. Aug. Tie Marburger Ferien-^ k u r s e , die in diesem Jahre auf ein lOjähriges Bestehen zurück- blicken können, haben heute ihr Ende erreicht. Noch nie waren so! viel Teilnehmer da, ivie diesntal, int elften Jnli-Knrsns zahlte man 108 Teilnehmer, davon 52 an? Deutschland, nnd int Angust-. Kursus 122 Teilnehmer, davon nur 29 an§ Deutschland. Tie Zahl, der Dozenten betrug 22. Heute abend veranstalteten die Kttrhessen! eine Abschiedsfeier.

handel und Verkehr, Volkswirtschaft.

Russische Staatsbank. Aus Paris kommen Andeut­ungen, daß das Projekt der Umwandlung der Russischen Staats­bank nicht als eine müßige Erfindung zu betrachten sei. Wemp auch die vorläufigen Angaben unzutreffend sein mögen, so habe die Sache einen Untergrund, auf dem weiter gebaut werden könne.. Auch sehe man jetzt schon in Paris das Projekt nicht mehr so pessimistisch an, als bei seinem Erscheinen. Um alles zu re^ gtftriercn, was inbezug auf das Projekt bekannt wird, be-i merken wir noch, daß das russische Finanzministerium dem Kor- respondenten desB. T." dieTemps"-Meldung als völlig^ unbegründet bezeichnete und betonte, daß die Umwandlung der Staatsbank in eine Aktienbank nur durch ein Gesetz möglich wäre, dessen Promulgierung ohne Reichsduma und Reichsrat unstatthaft sei. Außerdem sei kein derartiger Entwurf aus­gearbeitet worden. Hat der Korrespondent desB. T." etwa geglaubt, daß ihm das russische Finanzministerium dieTernps"- Meldung bestätigen würde? Was der Finanzminister sonst als' Grund für die Unmöglichkeit der Umwandlung angegeben bat,; sind Phrasen. Wenn die russische Regierung Geld bekommene könnte, wartete sie sicher nicht auf die neue Duma, von der heute noch niemand weiß, wann sie wieder zusammentritt.

Bon der Berliner Börse. Bei Eröffnung war die Börse noch ziemlich fest, weil Newyork gegenüber umfangreichen Realisationen Widerstandskraft und Gelderleichterung zeigte. Ame­rikanische Werte besserten sich daraufhin etwas. Am Montan-, markt war die Stimmung weiter recht günstig, die Umsätze jedoch> sehr gering. Die Bilanz der Rheinischen Stahlwerke wird auf, 12 Prozent gegen 9 Prozent i. V. taxiert. Russenwerte waren etwas schwächer wie gestern. Auf allen übrigen Gebieten herrschte im weiteren Verlauf große Stille. Privatoiskont 3Vz Prozent.

Vom Kalimarkt. Wie aus Berlin berichtet wird, steht der Markt unter dem Einfluß des erneuten und scharfen Kurs­sturzes der Kure der GewerkschaftGlückauf" Sondershausen, die bis 16 800 Mk. zurückgingen, also um 1200 Mark. Die Nach­richten über das Auftreten vonGebirgsdruck" haben in den Kreisen der Interessenten Unruhe hervorgerufen. Besonders litten auch die Werte schachtbauender Unternehmungen. Auch Kohlen- kuxe sind schwächer geworden, während Erzwerte sich ziemlich fest behaupten.

Bestellungen in Eisenbahnmaterial. Die preu­ßisch-hessischen Staatsbahnen und die süddeutschen Staatsbahnen haben mit dem Stahlwerksverband die Verträge zur Lieferung von Eisenbahnbaustoffen bis zum Frühjahr 1907 verlängert. Auch hat der Verband mit anderen deutschen Staatsbahnen günstige Kontrakte abgeschlossen.

Märkte.

Grün berg, 23. Ang. Trotz der drängenden Erntearbeiten herrschte auf dem heutigen Ludwigs markt ungewöhnlich reger? Verkehr. Der Markt war mit Schweinen sehr stark, mit Rindviehs dagegen nur mäßig befahren. Es waren ungefähr 1200 Schweine aufgetrieben und das Angebot übertraf bei weitem die Nachfrage. Tie Preise waren infolgedessen geringer als auf dem vorigen Markte. 68 Wochen alte Ferkel kosteten 4660 Mk. das Paar, vorgeschrittenere waren entsprechend teurer. Ein großer Teil der zu Markt gebrachten Ferkel wurde nicht abgesetzt.

fc. Frankfurt a. M., 24. Aug. b e u- und Stroh - mar ft. Man notierte: Heu Mk. 2.80 bis 3.10. Stroh Mk. 2.30 bis Mk. 2.60. Alles per 50 Kilo. Tendenz: fest.

fc. Höch st a. M., 24. Aug. Auf dem hiesigen Wochenmarkte verlangte heute eine Bauernschöne, ohne mit der Wimper zu zucken, 12 Pfennig pro Stück für ganz gewöhnliche Eier. Auf die Frage, wie sie zu einer solchen Forderung komme, meinte sie:Ei, das Fleisch ist teurer geworden, da müssen wir mit den Eiern auch auffchlagen I"

Gerichtssaal.

Leipzig, 24. Aug. Das Reichsgericht verwarf die Revision des ehemaligen Landgerichtsrates Blumen­berg, der nach teilweiser Aufhebung des ersten Urteils, ba§ auf fünf Jahre Gefängnis lautete, von dem Landgerichte Beuthen am 16. Juni wegen Amtsvergehens usw. zu einer Gesamtstrafe von vierJahren neun Monaten Gefängnis verurteilt worden war.

Oct? HcöaOiom

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt).

K. V. in L. Sie müssen den Unfall Ihrer Frau sofort der Ortspolizeibehörde anzeigen, was eigentlich innerhalb drei Tagen nach dem Unfall geschehen muß. Hoffentlich haben Sie es in­zwischen getan, denn wir waren nicht in der Lage, Ihnen die gewünschte Antwort eher zu erteilen. Außerdem ist die Mitteilung an die Land- und Forstwirtschaftliche Berussgenossenschast not­wendig, und Sie werden wohl bei der Ortspolizeibehörde erfahren können, an wen Sie sich hierfür zu wenden haben. Unseres Er­achtens steht Ihnen nach § 16 pos. 2 des Unfallversicherungsgesetzes für Land- und Forstwirtschaft nur ein Sterbegeld zu, das den fünf­zehnten Teil des bet Berechnung von Renten ztt Grunde zu legenden Iahresarbeitsoerdienstes, jedoch mindestens Mk. 50. beträgt. Ta Sie der Ernährer der Familie sind, so wird für das Hinterbliebene Kind kaitm eine Entschädigungsrente gezahlt werden. Es wird vorteilhafl sein, wenn Sie sich auf dem Kreisamt die näheren Be- timmungen noch einmal erklären lassen.

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