Ausgabe 
24.10.1906 Erstes Blatt
 
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Nr. 250

erscheint taflltd)

außer Sonntag«.

Den» Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Familien« blätter viermal in der Woche beigelegt.

Notationsdruck u. Ber­ing der Brüh l'schen Unwerf.-Buch-u. Stein- bruderet. R. Lang«. Redaktion, Expedition und Dniaerei:

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Redaktion 112

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Anzeiger Gießen.

Erstes Blatt

15«. Jahrgang

Mittwoch 24. Oktober 1006

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Eichener Anzeiger

M General-Anzeiger *' zv

Bezugspreis, monatlich 7bPf., otertel* jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. ZiveigsteUen monatlich 65 Ps.; durch diePost Mk.2. viertel- jährl. ausschl. Bestellg. rintiahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis vornültagS 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 12Pf« auLivärls 20 Pfg.

Verantwortlich tüt den polit. und allgern. Teil: P. Wtttko' für , Stabt imb fianb' und -Gerichts) aal': Ernst Heß; sür den An- gcigenteil: Hans Beck.

Are heutige Kummer umfaßt 1V Seiten.

ßißnert.

Wir lesen heute in der ,Darmst. Ztg/ folgende offiziöse Auslassung:

In den Preßerorterungen, die sich mit der Bestätigung der Wahl des Stadtv. Eißnert au Ost'eltbach ginn unbesoldeten Bei­geordneten dieser Stadt beschästigen, sind mehrfach unrichtige Be­hauptungen ausgestellt worden. Unrichtig ist gUnächst die An­gabe, daß das Ministerium die Bestätigung der gu Beigeordneten der Gemeinden M ü h l h e i m und Kelsterbach gewählten Alitglieder der sozialdemolratischen Partei, Zahn und Hilbert, versagt habe: keine dieser beiden Angelegenheiten ist bis jetzt beim Ministcriiim anhängig geworden. Es ist ferner unrichtig, daß die Bestätigung des Beigeord­neten Eißnert mit ber rage der Wiederwahl des Oberbürgermeisters Brink in irgend ivelchem Zusammenhang steht. Endlich ist es unrichtig, daß die Bestätigung mit einem Projekte der Schaffung einer Kunst- a t a b e m i c etwas gu tun habe, für das bie Regierung eine Mehr­heit im Landtage gu gewinnen strebe. lieber die Gründe, bie bei ber Bestätigung für bie übereinstimmende Stellungnahme beS Lanbesherrn imb der Regierung ansschlaggebenb waren, sich ein­gehend gu äußern, glaubt diese einer etwaigen Erörterung im Landtage vorbehalten gu sollen.

Diese offiziöse Erklärung war zu erwarten. Wir haben bereits einige falsche Gerüchte in bas Bereich ber Fabel verwiesen, weil wir all das Gerede in Darmstädter und anderen Blättern als durchaus unglaubwürdig von vorn­herein ansahen. Dieses Gerede nahm nachgerade einen so lächerlichen Charakter an, daß man womöglich demnächst hätte irgendwo lesen können, S. K. H. unser Großherzog habe dem ^Genossen" Eißnert die Bestätigung erteilt, da ihm Herr Ulrich im änderen Falle mit Entziehung seiner persön­lichen Freundschaft gedroht habe. . . .

Die Tartarennachricht von dem großherzoglich-sozial- demokratischen Komprotniß betreffs einer Kunstakademie erschien zuerst in einem Wormser Zentrumsblättchen. Sie bekundet die niedrigste Stufe von monarchischer Gesinnungs- tüchtigkeit, von der ans man hinter jeder freien Tat ein klägliches Handelsgeschäft wittert. Zu dieser verächtlichen Niedrigkeit der Gesinnung und unmonarchischen Kleingläubig­keit tritt noch bei allen denen, die diesem dummen Gerüchte Beachtung schenkten, eine höchst kümmerliche Kenntnis unserer jüngsten hessischen parlamentarischen Geschichte. Ist es doch jedem Zeitungsleser bekannt, daß die sozialdemokratischen Abgeordneten der Darmstädter Kammer wiederholt schon den Ausschlag für die Annahme von Regierungsvorlagen gegeben haben, ohne daß ihnen dafür ein ,Zugeständnis" wurde, höchstens außer der Zensur aus den Reihen der eigenen Parteiorthodoxen als »Großherzoglich hessische Sozialdemo­kraten".

Dann die Nachricht über die Wiederwahl Brinks. Dieser Unsinn! Was seinerzeit der Finanzminister Gna ut h über das Offenbacher Ctadtoberhaupt vor den versammelten Landboten sagte, sollte doch noch in Erinnerung sein.

Wir haben bereits der Vermutung Ausdruck gegeben, daß bei der Bestätigung Eißnerts der Groß Herzog und seine Minister in vollstem Einverständnis gehandelt haben.. Die obige Auslassung bestätigt diese Vermutung, die .sich auf zwei bekannte Tatsachen stützte: Einmal auf die Gegen­zeichnung der Bestätigungsurkunde durch den Präsidenten des Ministeriums des Innern, sodann auch die Haltung des Staats- ministcrs gegenüber den sozialdemokiatischerseits bei der letzten Budgetberatung erhobenen Vorwürfen über angebliche Be­handlung von Sozialdemokraten als Bürger zweiter Klasse. Darum auch präsentierte sich die Notiz über ^Unstimmigkeiten" innerhalb des Ministeriums aus Anlaß der BestätigtmgSfrage als unglaubwürdig.

Die Negierung wird, wie eS heißt, über die Bestätig- ungsfcage interpelliert werden. Sie scheint diese Interpellation zu ermatten, und es geht sogar die Rede, Ministerialpräsident Braun werde desivegen die Vertrauensfrage an den Landtag stellen. Es scheint also, daß man es darauf ab­gesehen hat, der Sozialdemokratie möglichst viel Agitations­stoff ztl liefern. Denn die Mühle der Sozialdemokratie klappert bekanntlich nur von dem Wasser, das unkluge Gegner ihr zuleiten.

Daß der sozialdemokratische Beigeordnete für die prak­tische Partei-Agitation doch in der Hauptsache der Partei verloren ist, daran denkt wohl niemand von den enragierten Eiferern gegen die Bestätigung Eißnerts. Nun aber will man den Sozialdemokraten den Gefallen erweisen, ihnen zu neuer Agitationsgelegenheit zu verhelfen mit einer Inter­pellation, die nichts weiter auZrichten wird, als daß sie auf beiden Seiten viel böses Blut macht. Oder glaubt irgend jemand ernsthaft an eine Kapitulation des Kabinettes Ewald, das doch wohl im Einverständnis mit dem Landcsfürsten handelte?_______________________________________

^ic brarrnschwcig ifche" Frage.

Braunschweig, 23. Oktober.

In der heutigen Sitzung des Landtages nahm der Ober­bürgermeister Retemeyer das Bort zur Begründung des Antrages der staatsrechtlichen Kommission. Er führte aus, daß der Bericht in der Fassung festgelegt sei, nachdem zweimal ver­trauliche Beratungen der Mitglieder der Landesversammlung stattgesunden haben. Die Mitglieder haben sich offen ausgesprochen und Oie Gegensätze sind scharf hervorgetreten. Die Kom­mission glaubt jedoch aus den Verhandlungen den Eindruck ge­wonnen zu haben, daß sie in ihrem Bericht den richtigen Schluß daraus gezogen bat .Selbstverständlich, hat sich, die Kommission

zu einem KomPromis verstehen müssen und sie hat den dringenden Wunsch, daß wenn irgend möglich, auch hier ein Einverständnis erzielt wird. Ich bitte zu beschließen, die Reso­lution anzunehmen und ich bitte auch den Regentschastsrat, dem Luzuftimmen.

Staatsminister Dr. v. Otto: Der Regentschastsrat hat den Wunsch, daß gleichfalls eine möglichste Einstimmigkeit in der Behandlung der vorliegenden Fragen herrsche, stets gehegt. Jetzt scheiden sich die Wege zwischen der Regierung und der Landesversammlung. Der Antrag der Kom­mission steht nicht im Einklang mit dem, was bie Regierung em­pfohlen hat. Die Negierung hat empfohlen, die Landesversamm­lung möge ihr Einverständnis damit erklären, daß die Wahlen eines neuen Regenten in die Wege geleitet werden. In entern Punkte steht die Regierung und die Landesversammlung auf dem gleichen Standpunkt. Beide gehen dahin, daß das Haus Braun­schweig nimmermehr bie Negierung au treten könne, wenn es nicht seine Ansprüche auf das ehemalige Königreich Han­nover aufgebe. Die Kommission hat dieser Auffassung in ihrem Anträge Ausdruck gegeben und erachte dies für sehr be­deutungsvoll. Dann gehen jedoch die Wege auseinander, nicht prinzipiell. Die Regierung ist der Ansicht, daß ein langes Warten nicht mehr angängig ift Die Kommission schlage vor, drei Monate zu warten, um dem Herzog Gelegenheit zu geben, sich definitiv zu äußern, die Negierung meine indessen, daß er in den 21 Jahren feit dem Tode des Herzogs Wilhelm von Braunschweig Zeit genug gehabt hat, einen Entschluß zu fassen. Das Ministerium sei der Ansicht, daß ein Provisorium für das Land keinen Schaden bedeuten würde. Nachdem der Minister am Schlüsse feiner Rede noch erklärt habe, daß auch er einen etwas wenig er kühlen Ton der Antwort des Für st en Bü­low gewünscht hätte, wurde die Resolution einstim­mig angenommen und ber Lanbtag vertagt.

Politische Sagesschasr.

Da3 neue französische Ministerium.

Die von Clömenceau eingeleiteten Unterhandlungen zur Bild­ung eines Kabinetts sind zum Abschluß gelangt. Nur die Zu­teilung des Kolonialministeriums ist noch nicht endgiltig er­folgt. Das neue Kabinett setzt sich wie folgt zusammen: Prä­sidium und Inneres: Clömeneeau, Justiz: Guyot- Dcssaigne, Auswärtiges: P i ch o n, Unterricht: Briand, Finanzen: Caillaux, Krieg: Piequart, Marine: Thomson, Oesfentliche Arbeiten: Barthou, Handel: Doumergue, Ackerbau: Ruan, Ministerium für Arbeit und Gesundheitspflege: Viviani. Das Kolonialministerium soll Milliös-Lacroix angeboten werden.

Das neue Ministerium hat einen entschieden radikalen Charakter. Demselben gehören an 6 Radikale und Sozialistisch- Radikale, die Senatoren Clemencbau, Pichon und Millies-Lacroix, die Deputierten Guyot-Dessaignc, Doumergue und Ruau, ferner der gleichfalls zu den Radikalen gehörende General Piequart, zwei unabhängige Sozialisten, Briand und Viviani, bann zwei Mitglieder der demokratischen Linken, die Deputierten Thom­son und Barthou, schließlich das Mitglied ber demokratischen Vereinigung Caillaux.

DerTcrnps" bemerkt: Diejenigen, welche glauben, daß Piequart als Kriegsminister die D r e y f u s - Ange­le g e u h e i t wieder aufrollen und irgendwelche Vergelt- ungsgelüfte befriedigen werde, dürften sich einem Irrtum hin­geben. Piequart habe in heldenmütiger Weise bewiesen, daß er ein Mann von Charakter fei; er besitze militärischen Geist und kenne die Armee. Er werde es als Ehrensache ansehen- die Zu­neigung seiner Kameraden zu gewinnen und den Besitzstand der nationalen Verteidigung gegen schlecht angebrachte Ersparungs- maßregcln zu schützen. Pichon sei ein offener Geist und ein begabter Redner und durch feilte diplomatische Laufbahn habe er seine berufsmäßige Eignung bewiesen. DasJournal des Debats" meint, in Clemenceaus Ministerium seien, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nur Männer, die er nach seinem Gut­dünken gängeln werde.

Als Botschafter für Berlin wird Bourgeois, für Wien wahrscheinlich Paul Tcschanal bezeichnet werden.

Zu einer Politik der Nadelstiche gegen Deutschland konnte Clämeneeau gar keinen Gefügigeren uno Verständnisvolleren finden, als Pichon, den bish. diplomatischen Vertreter Frank­reichs in Tunis. Millerand hat leider auf die Kandidatur um den Posten verzichtet. Mit Clemenceau und Pichon, dem bezeich­nender Weise von der Londoner Presse von vornherein Sym- pathieen entgegengebracht wurde, hat sich also fortan die deutsche Diplomatie auscinanderzusetzeu. Eine schwierige und sehr unerquickliche Aufgabe. Das Kabinett Clemen- ceau wird besonderen Wert legen auf regen Meinungsaustausch mit dem Londoner Kabinett. Dies Kabinett mag noch so korrekt und höflich fein, deutsche offizielle Besucher in England mögen eine noch so opulente Aufnahme finden: in dem Ziele, Deutschland nach Möglichkeit das Größerwerden zu erschweren und für alle Fälle eine ftarle Vereinig­ung von Mächten gegen Deutschland zu bilden, ist man in Paris und London vollkommen einig. Männer wie (Slemenceau und Pichon wären allenfalls dann keine Gefahr für den Frieden, wenn der Dreibund fester dastehen würde.

Deutsches Reich.

Berlin, 23. DEL Der Kaiser hörte heute die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts, des Chefs des Admiralstabs der Marine und des Chefs des Marinekabinetts. Heute mittag nahm der Kaiser an der Parforce-Jagd in Döberitz teil.

Der österreichische Generalstabschef, Feldzeugmeister Graf Beck, ist heute in Berlin eingetroffen und stattete dem Kriegs mini st er von Einem einen Besuch ab.

Die ^Deutsche Tagesztg.* schreibt: Die Sozial­demokraten werden bekanntlich sofort beim Wiederzu- samnientritte de§ Reichstages eine Interpellation über die Fleisch not einbringen. Voraussichtlich wird der preußische Landwirtschaftsminister im Namen des Reichskanzlers die Interpellation beantworten, falls eS sein Gesundheitszustand erlaubt.

Wie an hiesiger zuständiger Stelle erklärt wurde, könne von irgend welchen Beschlüssen betreffend Milderung der Grenzsperre oder sonstigen Maßregeln noch keine Rede sein. Die Dinge liegen zur Zeit aber doch so ernst, daß man erneut Erörterungen unter den Bundes­regierungen über die Fleischteuerungs- und Fleischoersorgungs-

frage für unabweisbar gehalten habe. Diese seien eingeleitet, ihr Ergebnis aber noch nicht vorauszusehen.

Gn esen, 23. Okt. Am SamStag ist hier eine polnische Frau vor daS hiesige Amtsgericht vorgeladen worden, um als Zeugin inr K i n d e r - S ch ul str e i k vernommen zu werden. Sie sollte darüber Auskunft geben, ob der hiesige Propst Piotrowicz in einer in der Kirche gehaltenen Predigt zum Wider st an de gegen die Lehrer im Religions-Unter­richt auf gefordert habe. Da sie die Aussage verweigerte, ist das Zeugnis-Zwangsverfahren gegen die Frau eingeleitet worden. Sie verbüßt die Haft zur Zeit im hiesigen Gefängnis.

Flensburg, 24. Okt. Bei der gestrigen Reichs- t a g s e r s a tz w a h l HaderslebenSonderburg wurde der Landtagsabg. H an se n-Apenrade (Däne) mit erdrücken­der Majorität gewählt.

Köln, 23. Okt. Eine Bexirksversammlung der Ar­beitervereine von Köln und Mülheim a. 9ch. beschloß, in Sachen der Fleischnot die Absendung einer Petition an den Reichskanzler, sowie an sämtliche Zentrum s.- abgeordnete, in welcher von der Negierung schleunigste Anwendung aller Mittel gefordert wird, die geeignet sind, eine Linderung der Fleischnot herbeizuführcu. Nach Ansicht der Versammlung wäre das wirksamste Mittel eine er- ioeiterte Oefsnung der Grenze für die Einfuhr von Schlachtvieh unter Beobachtung der veterinären Vor­schriften zum Schutze der heimischen Viehzucht; eine zeit­weilige Herabsetzung des Zolles auf Vieh und Fleisch wäre gleichfalls in ernste Erwägung zu ziehen. Die Zentrumspartei soll ausgefordcrt werden, in diesem; Sinne auf die Regierung einzuwirken, da durch die gegen­wärtige, ungewöhnlich anhaltende Steigerung der Fleisch­preise eine erhebliche Verschlechterung der Lebenshaltung der minderbemittelten Volrsklassen herbeigeführt werde.

Stuttgart, 23. Okt. Der Rücktritt des Ministern Präsidenten Dr. v. Breitling erfolgt nach Auslösung deK gegenwärtigen Landtages Ende dieses Monats. Sein Nach­folger wird der Minister des .Auswärtigen Dr. v. Weizi s ä ck e r.

Trier, 23. Okt. Eine De'legiertcnversammlung der rheinischen Zentrumspartei nahm eine Resolution an, in der die rheinischen Abgeordneten der Zentrumspartei ausgefordert werden, mit aller Entschiedenheit in der Nächsten Landtagssefsion endlich auf Beseitigung des 2 r e i k l a s s e n w ahl s y st e m s hinzuarbeiten.

Karlsruhe, 23. Okt. Zum Leiter des Finanz­mini st e r iu m s an Stelle Deckers ist der bisherige Diret-, tor der Oberdirektion des Wasser- und Straßenbaues Pro­fessor an der Technischen Hochschule Gehe.imrat Henseb berufen worden. ' | JW

München, 24. Okt. Der König v o n S a ch s e n trifft mit seinen ältesten Söhnen am Donnerstag früh in Mita chen ein und reist nach Süden mit dem nächsten Zug inerter. Die Prinzen bleiben hier. Die Gräfin Montignoso trifft am 24. Oktober nachmittags in München ein.

Ausland.

London, 23. Okt. Die Admiralität hat beschlossen/, eine besondere Heimatsflotte mit Sheermeß als Hauptquartier zu erpichten.

Eine lärmende Frauend'emön stration fand? im Unter hause statt. Viele, zum Teil gut gekleidete, Frauen, einige mit Säuglingen, hatten Zutritt gesundem Plötzlich begann eine Frau eine Ansprache. Sogleich unter­nahmen drei oder vier der stärksten Polizisten einem Angriff auf dia.Fra.uen. Eine von ihnen warf sich nieder, der Polizist mußte mit ihr auf dem Fußboden kämpfen. Verschiedene Abgeordnete nahmen Partei für die Frauen. Die Säuglinge taten ihr mißlichstes, den Lärmt zu erhöhen. Die Frauen klammerten sich energisch an die! Polizisten. Ein Polizist trug eine um sich tretende Frau, auf den Schultern weg. In der Vorhalle halte eine Fran auf einem Fensteraesimse eine Ansprache gehalten. .Auch) die Flagge:Für Frauenstimmrecht!" war entfccktet. AlK die Vorhalle geräumt war, lagen Hüte, Boas, Handschuhe und Taschentücher umher. Gegenüber dem Parlament und« am Themse-Embankment hielten die Frauen dann noch Protestversammlungen ab. Acht Frauen wurden zuletzt von Polizisten, von einer großen Volksmenge begleitet, zur; Polizeistation eskortiert.

Nach einer Ateldung' deck'-Times" wus Tanger? verübte ein Abgesandter Raisulis ein scheuß-^ liches Verbrechen aus dem Marktplatz in Tanger,, gerade vor den Fenstern der deutschen Gesandte schäft. Raisulis Abgesandter ließ einen Mann von adjt Männern peitschen. Der Unglückliche wurde furchtbar zugerichtet; [ein entblößter Leib bildete eine große: blutende, eiternde, grauenerregende Wunde. Seine Leiden waren unbeschreiblich. Schließlich wurde ihm das Ge­sicht mit scharfen Steinen zerschnitten. Nach-, her wurde eine Frau auf derselben Stelle von Raisulis! Anhängern furchtbar aus Ke peitscht. Beide hatten sich die persönliche Feindschast Raisulis zugezogen. Dieser Vor­fall unter den Fenstern der deutschen Gesandtschaft beweist die dringende Notwendigkeit, die internationale Polizei sofort zu organisieren.

Venedig, 23. Okt. Ka iser Wilhelm ließ bemt Bürgermeister von Venedig Grafen Grimani seine Absicht mitteÄen, der Stadt Venedig eine Säfte Wagners zu schenken. Grimani dankte äußerst verbindlich. Bei der Aufstellung sollen durch Musiker der Berliner Hofoper Wagnersche Kompositionen zur Aufführung ße».. langen.

Bern, 23. Okh Ier. AunSesrat - wies aus der. Gibt