Ausgabe 
17.12.1906 Erstes Blatt
 
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fcaflio* * haben einen Wahlaufruf entworfen und beschlossen, in dem eS beißt:

Die Auflösung des Reichstage», der Ruf an das deutsche Volk toar e», was allein noch übrig blieb, als sich ergeben, daß die ®e- tneinfchaft der nationalen Parteien im baute nicht stark genug fein werde, um dem k a u d i n i s ch e n I o ch des Zentrum - sich zu entheben. Seit Jahren hat das Zentrum dieses Joch über den Reichstag, die Gesamtvertretung deS deutschen Volkes, gelegt. So ist jetzt das Reich in Gefahr gekommen, vor dem AuSlande zu bekennen, daß wir einen unS aufgezwungenen Krieg nicht mehr in Ehren zu Ende zu bringen vermögen. Werden die verbündeten Regierungen stark genug sein, um mit diesem Zustande zu brechen? So lautete die bange Frage unter uns noch am Morgen desselben Tage«. Da kam die kaiserliche Botschaft, und minutenlanger Beifall begleitete die Auflösung. Helle Freude leuchtete auf den Mienen, auch derjenigen unserer Abgeordneten, die sich sagen mußten, daß sie vor einem ganz besonders schweren Wahlkampfe stehen zu winterlicher Zeit. Warum? Diese Auflösung ist nichts anderes, als das Bekenntnis der verbündeten Regierungen zu der- eiligen Politik, welcher unsere Partei von jeher zu dienen gesucht hat. Diese Politik ist nicht etwa nur die Kolonialpolitik, die den lediglich zufälligen Anlaß zur Auflösung gab, sondenr es ilt bie Politik der nationalen Ehre, die Politik der freien Ent­wickelung unseres Volkes, die Politik, ivelche eine ft a r f e, ziel bewußte Leitung der R e i ch S g e f ch äs t e ohne Rebenregiernng verlangt, welche dem Kaiser geben will, waS des Kaisers ist, und die für das Parlament diejenigen Rechte fordert, welche ihm verwffungsmäßig zustehen. In- dessen das Parlament soll das Gesamtvolk vertreten, nicht nur zwei Richtungen im Volke. DaS Parlament soll nicht nur Zentrum und Sozialdemokratie fein, das gebildete Bürge r- t u m, der deutsche Bauer, der B e a m t e, der Kaufmann, der H a n d w e r k e r, der A r l> e i t e r, kurz, alle Stande, die kaiser­treu^ sich nicht nur nach konfessionellen Fragen und nicht nur nach Klaffeninteressen zu ihren Parteien bekennen, einerlei, ob sie kon­servativ, nationalliberal oder freisinnig wählen, sie alle haben den gleichen Anspruch darauf, in der Volksvertretung zu ihrem politischen Rechte zu kommen. Die? ist seit langen Jahren tat­sächlich nicht mehr der Fall gewesen. Der deutsche Reichstag was beschloß er in vielen wichtigen Fragen? Was Zentrum und Soflialdemokratie zuzulaffen beliebten, allzu häufig leider unter stiller oder offener Nachgiebigkeit der verbündeten Negierungen. Das hat, so hoffen wir, mit dieser Auflösung des Reichstages ein Ende, wenigstens dann, wenn das deutsche Volk, an dem es jetzt ist, seinen Willen in Neuwahlen kundzutnn, sich nicht selbst zur klerikal-sozialdemokratischen Herrschaft bekennen will."

Im weiteren werden die abgelehnten Forderunaen der Re­gierung klargestellt, und gefragt: »Wem will baS deutsche Volk folgen, dem Generalstabe oder Herrn Erzberger und Genossen, dem Ruse der nationalen Pflicht, ober Herrn Roeren und Genossen?" Am Schluß wird zum Zusammenstehen gegen Zentrum und Sozial­demokratie ausgesordert.

Die freisinnige VolkZpartei, bie freifinnige Vereinigung und die deutsche Volkspartei erlassen folgenden gemeinsamen Wahlaufruf:

Der Reichstag ist aufgelöst! Zentrum, Polen und Sozial- bemokraten haben die Mittel zur völligen Niederwerfung des Auf­standes in Deutsch-Sudwestafrika verweigert. An dem Ausbruch des Aufstandes trägt die Schuld nicht zum wenigsten die mangel­hafte Verwaltung und das alte System der Kolonialpolitik. Unsere Parteien haben die Kolonialpolitik der Negierung stets entschieden bekämpft, aber unsere Mitwirkung zur Wiederherstellung der Ord­nung im Schutzgebiete nicht versagt. Sie unter st ü tz e n auch bie verantwortliche Leitung d e r N e i ch s g e s ch ä s t e bei der Abwehr unverantwortlicher Neben regier ungen und unzulässigen Pressionen, von welcher Seite sie auch auSgeübt werden. Die Auflösung des Reichstags führt die l i b e- ralen Parteien in den Kampf geaen btc Ueber- m a d) t des Zentrums, das bald im Bunde mit den Rechtsparteien, bald in der Mehrheit mit der Sozial­demokratie einen unheilvollen Einfluß auf die Ge­staltung des öffentlichen Lebens im Reiche ausübt. In diesem Kampfe muß der Liberalismus den Einfluß gewinnen, der ihm nach seiner geistigen und wirtschaftl. Bedeutung gebührt. Zu ge­meinsamer Arbeit der Freiheit und Kultur haben sich frei­sinnige Volkspartei, freisinnige Vereinigung und deutsche V o l k s p a r t e i z u s a m m e n g e i it n b e n. Wir fordern alle Liberalen in Stadt und Land zu arbeits­freudiger und o p f e r w i l l i g e r U n r e r st ü tz u n g auf. Es gilt, das deutsche Reich zu einemmodernenVer- fass ungsstaat auszubauen, die politische Freiheit zu f ch ü tz e n und die W o h l s a h r t aller Volksschichten zu fördern.

Ter engere Vorstand des Bundes derLandwirte «erläßt einen Wahlaufruf, in dem es heißt:

Die Reicl)stagsmchrhüt nahm für sich das Recht in Anspruch, in der Frage der Verteidigung deutschen Besitzes ihr Urteil über das der Reichsregierung und ihrer militärisä>en Autoritäten zu stellen. Sie hat damit der Regierung die Behauptung deut­schen Besitzes, der mit viel teurem deutschen Blute gewonnen

vn dem Flügel. Im Gegenteil, Herrn Trautmanns be­scheidenes, aber doch warmes Sfrtel von der Technik gar nicht zu reden! stelle ich jedenfalls höher als das einer Frau Wassermann. Von dem Sänger hatte ich nach dem, was ich über ihn gehört hatte, viel erwartet. Aber im Liederkreis enttäuschte mich Herr K o h m a n n. Es klang gepreßt, undeutlich. Im zweiten Teile, in den Einzelliedern, besonders in demDie Himmel rühmen" hob sich seine Befangenheit^ und wir hatten einen Genuß von seiner Dar­bietung. Danach mach man Herrn Kohmann eine frische, Metallene, recht kräftige und modnlatwnsfähige Stimme zugestehen, wenngleich er im Ausdruck ost fehlt. 'Seinem Gesänge fehlte das Darstellende, Bildende. Er hielt sich zu eng an Beethovens Notizei:. Nichtsdestoweniger war er stimmlich, wie gesagt, äußerst vollendet.

Hier möchte ich schließen, wenn nicht ein beispiellos charakteristischer Fall mich zwänge, noch einmal die Mode des Zugäbefordenrs zu erwähnen. Bei mir saß ein junges Herrlein, aus dessen Reden ich entnahm, daß Musik und Nordpol für ihn gleich dunkle Gebiete sind und den die erschienenen jungen Damen sichtlich weit mehr interessier­ten als Beethoven. Diesesgeduldete" Herrlein hätte sich während der letzten Lieder fast totgelacht über das Mienen­spiel des Sängers. Der Sänger verschwindet Beifall er erscheint wieder, verneigt sich nochmals Beifall nochmals Erscheinen des Sängers. So, jetzt ist sicher Ruhe. Aber da faßt jenen Jüngling der Kunstsinn und er be­weist schlagend, daß er noch Hände hat. Sofort fällt es um ihn her ein, und die Zugabe ist da. Sagt das nicht genug? Ich begreife auch unsere Künstler nicht. Der Konzertsaal ist denn doch kein Warenhaus mit Rabatt­gaben. Gestern abend gewann ich auch die Gewißheit, daß nicht ich allein hierübernörgle", sondern daß viele meiner Meinung sind.

Es ist mir unangenehm, gerade heute dieses noch ein­mal erwähnen zu müssen. Denn das gestrige Konzert war meines Erachtens das beste dieses Quartals. Ohne un­galant sein zu wollen, halte ich von Künstlern im all­gemeinen mehr als von Künstlerinnen. Herren werden lange nicht so verwöhnt wie Damen und haben dal-er allen Grund, durch ihe Leistungren sich die Gunst des Publikums zu er­kaufen. Sie werden sich also doppelte Mühe geben. Die letzten Konzerte könnte man schon als Beweis ansühren. Hosfen wir, daß im neuen Jahre uns gleiche Genüsse ge boten werden! O. R.

und biS jetzt gehalten ist, rur Unmöglichkeit' gemacht und hat die Wahrung deutscher Ehre gefährdet. Die verbündeten Re­gierungen haben dies durch Auflösung des Reichstages mit Ent­schiedenheit zurückgewiesen. Wir sind überzeugt, daß alle Mit­glieder dcö Bundes der Landwirte über diesen hierdurch bekun­deten festen Willen der verbündeten Regierungen, die Stellung und das Ansehen des deutschen Reiches in der Welt kraftvoll zu behaupten, erfreut sind, und daß hier, wo eS sich um die Ehre des deutschen Reiches handelt, kein Bundes­ratsmitglied zurückstehen wird, den verbündeten Regierungen in dieser nationalen Frage das zu gewähren, was sie verlangen. Der Bund der Landwirte wird in den Wahlkampf eintreten müssen mit der Parole: Gebet dem Reiche, was« das Reich gebraucht an Macht und Mitteln, um deutsche Ehre uud deutschen Besitz zu wahren und zu verteidigen! Wählt aber nur solche Abgeord­nete, welche unerschütterlich gewillt sind, Mittelstand und Landwirtschaft und damit die Quelle deutscher Kraft dem Vaterlande zu erhalten! Tue jeder seine Pflicht, fehle keiner an der Urne, denn jede fehlende Stimme kommt den Gegnern zugute.

Der sozialdemokratische Parteivorstand erläßt einen Wahlaufruf, der mit folgenden Worten schließt: Wähler Deutschlands! Wir wsssen, daß alles, was wir heute erreichen können, nur Stückwerk ist gegenüber dem, was erreicht werden müßte. Wir wissen, daß eine Reform von Grund aus eine durchgreifende Umwandlung unserer ökonomischen und poli­tischen Zustände erfordert, daß volle Freiheit und Gleichheit der Menschen in Staat und Gesellschaft die volle Anteilnahme an den Errungenschaften bet Kultur auch für den letzten unter uns nur das Werk des festen Wollens und der klaren Einsicht bet großen Mehrheit der Nation sein kann. Aber wir wissen auch, daß die Zustände, die heute herrschen und sich immer mehr zu­spitzen werden, dank der Einsichtslosigkeit der herr­schenden Klassen die Revolutionierung der Köpfe h e r b e i f ü h r e n , d. h. die Einsicht und den Willen zur Umgestal­tung der Gesellschaft auf sozialistischer Grundlage schaffen. Die Not der Zeit lehrt die Menschen denken. Im Vertrauen auf diese revolutionierenden Wirkungen der Tatsachen ziehen wir guten Mutes in den Wahlkampf. Unsere und Eure Wahlparole sei: Nieder mit allem, was uns hudelt und büttelt, was sich dem Fortschritt der Menschheit zur vollen Sonnenhöhe der Kultur entgegenstemmt. Hoch die Sozialdemokratie!

politifd>e Lage-sehan.

Berechtigte Kritik

hat der nationalliberale Führer Bassermann an der Art und Weise geübt, wie die ReichstagZauflösung von der Negierung vorbereitet, bezw. nicht vorbereitet wurde. Mit Recht wies er darauf hin, daß der Reichskanzler vorher mit den Parteien, die ihm bei allen wichtigen Fragen zur Seite standen, hatte Fühlung nehmen sollen. Das wäre unseres Erachtens schon deshalb wünschenswert gewesen, weil dann diese Parteien ihre Reichstagsabgeordneten besser mobil machen konnten.

Wenn es der NeichSregierung weniger auf die Bewilligung ihrer Forderungen als auf einen Bruch mit dem Zentrum ankam, hätte der Reichskanzler gut daran getan, sich vorher mit den Führern der ihm nahestehenden Fraktionen zu verständigen. Einmal ist es eine sehr kürzstchtige NeqiernngSpolitik, einzelne Parteien zu gebrauchen, gelegentlich auch zu mißbrauchen und sie zugleich durch Vorenthaltung eines jeden nennenswerten Einflusses auf die Regierungspolitik beim Volke bloßzustellen. Und dann handelt eS sich doch nicht bloß darum, den Reichstag nach Hause zu schicken, sondern vor Allem darum, eine andere, für die Negierung erwünschtere Zusammen­setzung desselben zu erlangen. Sollte dieses Ziel aber erreicht werden, so mußte man Zeit und U mstände richtig wählen, die ganze Aktion umsichtig und plan­mäßig vorbereiten, und zu diesem Behufs war eine vertrauliche Aussprache mit den Führern der Fraktionen, auf bie man sich stützen wollte, unbedingt geboten. Denn sie haben intimere Fühlung mit der Wählerschaft als die höchsten Neichsbeamten. Sie konnten dem Neichskanzler sagen, ob und wann es Zeit sei, loSzuschlagen und wie die Sache gemacht werden mußte, um einigermaßen bie Garantie eines Erfolges zu bieten.

Damit soll nicht gesagt sein, daß Fürst Bülow genau das tun mußte, was ihm die Parteiführer rieten. Nein, er hätte ihre Ansichten und ihre Gründe hören, sie mit den {einigen vergleichen, alles gewissenhaft abwägen und dann

nach seiner staatsmännischen Neberzeugung handeln sollen« Daß er da? nicht getan hat, schreiben wir nicht einem Mangel an Einsicht, sondern einem Mangel an Festig­keit nach oben zu. Wenn der Kaiser einen Bruch mit dem Zentrum wünschte und der Kanzler der Meinung war, daß die Erfüllung dieses Wunsches den Interessen deS Reiches entspricht, so hätte er dem NeichSoberhaupte klar machen müssen, daß der bann unvermeibliche Kampf auch mit tauglichen Waffen, auf einem möglichst günstigen Terrain uud unter möglichst günstigen Auspizien geführt werden muß. Hätte sich Fürst Bülow freimütig dieser Pflicht unterzogen, so wäre der Kaiser sicherlich einsichtig genug gewesen, die Modalitäten der Durchführung feiner Absicht dem Kanzler und einer Verständigung mit den Parteiführern zu über- lassen. Eine Neichstagsauflöfung ist eine ernste Sache. Sie will wohl erwogen sein, und Besonnenheit braucht Energie nicht auszuschließen.

Ausland.

London, 16. Dez. Der RiesenpanzerDread­nought" ist bei seinen Schnelligkeitsversuchen gegen ein Wrack gerannt und erlitt bedeutende Beschädigungen. Mehrere Panzerplatten wurden eingedrlickt. Der Dampfer muß umfassenden Reparaturen unterzogen werden.

Paris, 16. Dez. Der Abgeordnete Baudry-D'Asson hat einen Gesetzentwurf eingebracht, daß die überflüssigen Beamten­stellen, als Unterpräfekten, Steuereinnehmer usw., ob ge­schafft würden, und daß die Gehälter über 5000 Francs» jährlich um 10 Prozent, diejenigen über 20000 Francs jährlich um 20 Prozent gekürzt werden.

Die Kammer nahm mehrere Anträge an, nach beite* Soldaten des Jahrganges 1903, welche Landwirtschaft treibenden Familien angehören, nach der Heimat entlasse* werden sollen.

Rom, 15. >Dez. Kammer. Vissolati (Soz.) betont, die sozialistische Partei habe stets für gute Beziehungen zwischen Italien und Oesterreich mitgewirkt. Doch sei der Dreibund für Italien ein unnützes Band und eine schwere Verpflichtung ohne genügende Gegenleistung: der Drei­bund setze Italien der Gefahr eines Konflikts mit England aus. Das HauS nimmt eine Vorlage betreffend außerordentliche mili.< tarische Ausgaben in geheimer Abstimmung an.

Wien, 16. Dez. In einer spat abends' abgehaltenen Ver­sammlung beschlossen die Po stbediensteten bei Nichterfüllung ihrer, Forderungen mit den Weihnachtsfeiertagen in die passive Resistenz einzutreten. Die Versuche, vor bent Handelsministerium zu demonstrieren, wurden von der Polizei verhindert. Mehrere Verhaftungen wurden vvrgenommen.

San Franzisko, 16. Dez. Das BlattExaminer" ver^ öffentlicht eine Korrespondenz aus Honolulu, daß der Mikado die Absicht habe, die Insel San a t zu erwerben und daß dies durch Vermittlung eines japanischen Syndikates geschehe* werde.

DcrmifdtftSe

* Der Druckfehlerteufel hat einmal wieder fein Spiel getrieben. Die Verlagsbuchhandlung Hermann Hillger in Berlin teilt uns mit, daß bei bet Herstellung ber neuesten Jahrgänge von Kürschners Jahrbuch in ber Buchbruckerei eine bebauerliche Ver­wechselung yorgekommen ist, tnbem das Porträt der Groß­herzogin von Hessen mit d e m der Königin von Italien vertauscht wurde.

Gerichtssaal.

4- Marburg, 14. Dez. Die Strafkammer verur­teilte den Maurer Sch el l berg, ber in Fransenberg einen GotteSbiynst gestört hatte, zu 2 Monaten Gefängnis.

Vergessen Sie nicht, daß Weihnachten bevorsteht unb baß als bestes Weihnachtsgeschenk sich eine Caw-Füllfeder erweist, welche von Mk. 12.50 auswärts, ber Größe ber Golbseber entsprechenb, käuflich ist. Es gibt nichts Brauchbareres, weil jebermann täglich sich einer Feber bedienen muß. Es gibt auch nichts Dauerhafteres, weil sie lebenslänglich vorhält. Es gibt überhaupt nichts, dessen sich ber Beschenkte angenehmer erinnert, als der Gabe einer Caws- Füllfeber. Nachahmungen sinb zahlreich, aber jeber Händler von gutem Nufe wird Ihnen eine Caw verkaufen, wenn Sie Caw ver­langen. Man beachte beim Kausen, daß ber Halter den Namen Caw trägt. Bezug burch Papiergeschäfte. Jllustr. Katalog gratis. Gchwau-Bteistift-Kabrik, Nürnberg. [as/u

tarnte Kche. U" S 1'30 uo 1'60

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Glehener Stadttheater.

Der Schwabenstreich.

Von Franz v. S ch ö u t h a n.

Schönthan?, bes nun auch Verstorbenen,Schwabenstreich" stammt nach Kürschners Literaturkalenber aus bem Jahre 1882, und seit 1892 habe ich ihn nicht wieder gesehen. Seitdem ruht er wohl so ziemlich in allen deutschen Theaterarchiveu. Herr Direktor S t c t n g o e 11 e r hat ihn nun zu neuem kurzem Leben erweckt.

Wie Schönthan durch den Mund seines Gutsbesitzers Konrad v. Schwyburg behauptet, macht jeder Mensch in seinem Leben ein­mal einen Schwabenstreich; und der vorsichtige Gutsbesitzer Friedrich Lörsch ist nicht auszunchmen. Frau Hildegard hat, die kleinen Reimereien, die ihr Gatte im Laufe der Jahre verbrach, sorgsam gesammelt und da sie ihren Friedrich für einen echten und rechten Dichter hält, zum Abdruck an dieDuftigen Blätter' in Berlin gesandt. Dieses Blatt ist eine Schuttobladeslätte für alle verkannten Größen es giebt auch heute derartige Blätter, die von Niemandem als von den Dichterlingen selbst gelesen und be­zahlt werden. Ter Mensch sieht sich ja doch so gern gedruckt! Glückselig liest Frau Lörsch die gedruckten Dichtungen ihres Mannes, strahlend vor Freude sieht sich ihr Friedrich gedruckt, er beschließt größere Werke zu schreiben und nach Berlin überflttftebeln. Tott aber gerät er auf Abwege; seine Gattin eutbeckt sein Treiben, geyabc als sie ben guten Friedrich durch den Gesamtabdruck seiner Liebeslieder überraschen will. Sie Hot nämlich noch herrliche Gedichte in ihrem Wäscheschrank gesunden, wie:

Ich weiß nicht, was' soll es besagen. Daß ich so mißgestimmt bin. Eine Sage aus alten Tagen, Die kommt mir nicht aus dem Sinn".

Daß diese wundervolle Reimerei von dem seligen Heine ge» stöhlen iiff, das ahnt die Gute nicht ... Es umwölkt sich der Ehehimmel und Friedrich der Dichter kommt zur Einsicht seinesSchwabenstreichs". Eine Liebesgeschichte ist in diese Handlung verflochten, auch ein neckisches Ehedrama zwischen der verheirateten Tochter des Lörsch'schen Paares und ihrem Gotten, der unter dem Einfluß seiner vergnügungssüchtigen, Frau aus einem tüchtigen Landwirt ein, wie Onkel Bräsig sagen würde, cntfnmigter Windhund wird. Und noch andere mehr ober minder fragwürdige Exempel beweisen Herrn v. Schwyburgs Schwaben­streich-Theorie mit ollem altberaebrochten Possen-Flimmerglanz.

Der Erfolg des Schwankes hängt ganz von der Darstellung ob. Den dichtenden Agrarier gab Herr Reimer recht wirksam und mit Humor, und Frl. B o n e fühlte als die noch viel mehr vom fnror pocticus erfaßte Frau Hildegard ihren Part ebenso lustig burch. Den Boge: ober schoß Herr Herrscher ab, ber immer weiß, was er will. In der verrückten Rolle des das Deutsche rade­brechenden ehemaligen italienischen Ballettmeisters, einer Kari-

katur des Lessinaschen Riccaut, brachte er seine ganze scharf charakterisierende Komik zur Geltung. Auch Herrn Lipperts Dr. Winkelberg war amüsant. In vorzüglicher Maske gab er den raffinierten Poesiespeknümten mit gemütlicher Bonhomie, was diesem unverftonenen Gauner etwas ganz Sympathisches gab; den Absichten des Autors widersprach dos wohl, kam ober seiner Person zu statten. Aks Naive stellte sich wieder einmal Fraulei* Windcrstein vor statt des plötzlich erkrankten Frl. Schellen­berg. Die junge Dame besitzt Frische und Beweglichkeit, auch an gazellenhofter Grazie fehlt es' ihr nicht, mehr an schelmisch- Prickelndem, was sich in ihrem Fache nicht gut entbehren läßt. Stattlich und gewandt, wie immer, war Herr Goll, und auch Herr Kober mackste latus seiner mageren Rolle, was daraus zu machen war. Seiner Partnerin Frl. Schuster hätte ich etwas mehr herzhafte Ungezwungenheit gewünscht. Pc W.

Frau Bahrhammer ist, wie wir hören, nach er­folgreichem Gastspiel an dos Hoftheater zu Kassel von der nächsten Spielzeit ab für das Fach der ersten Solondame engagiert worden. Wir verlieren in ihr eine in der letzten Zeit ganz Außerordentliches verheißende Kraft.

In keinem Berufe ist die Bewertung der Leist­ungen des einzelnen so unsicher wie beim Theater, und sowie es an einer Bühne Mitglieder gibt, die vielleicht nur ein Einkommen von 120 bis 150 Mark monatlich haben, so existieren an der gleichen Stätte Künstler und Künstlerinnen, deren Bezüge sich auf das zwanzig- und drcißigfoche belaufen. Das Lessing- Theater in Berlin z. B. besitzt vierzig Mitglieder: in dieser Zahl befinden sich noch die Vertreter und Vertreterinnen der unbedeutendsten Rollen. Irene Triesch nnd Else Leh­mann, die Herren Bassermann.Rittner, Reicher und Sauer beziehen on dieser Bühne Gagen von 15 28 000 M k., also sechs Personen unter vierzig haben ein Durchschnittseinkommen von minimal 20 000 Mk.

Rudolf Rittner vom Berliner Lessingtheater stellte sich zum erstenmal dem Frankfurter Publikum vor; er spielte ,.Fuhrmann Henschel" und hatte einen vollen Erfolg, ber um so schwerer wiegt, als dos Frankfurter Schauspielhaus für diese Rolle in Artur Bauer einen vortrefflichen Darsteller besitzt. Im weiteren Verlaus seines' Gastspiels spielte Rudolf Rittner auch noch den Flamm inRose Bernd^ und fand begeisterte Aufnahme.

Vom Kasseler H o f t h e a t e r. Die Entscheidung be5 Kaisers zum Hoftheaternenbau ist eingetroffen. Sie gibt beftimmtefte Zusage, daß bie Stadtverwaltung keinesfalls weiteren Kostenzufchuß als bie bewilligten 1 300 000 Mk leistet. Ferner rvurbe bas Karstsche Bauprojekt mit einem Kostenauswcmbe im Höchstbetrag( von 3 305 000 Mk. befinilio genehmigt.