156. Jahrgang
Erstes Blatt
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General-Anzeiger '
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eietzen
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Ariette seinen warmen Humor.
An eine Gemeinde, sagte ich, wenden sich des tauben Meisters Quartette, d. h. an die Hörer. Spielen können sie nur ech^ Beethovenjünger, die mit dem Großen fühlen können. Uns ward diese hehre Musik von dem jungen Frankfurter R e b n e r--Quartett geboten. Meine Hochachtung! Rebner hat es verstanden, Diaq gleichgesinnte, gleichwertige Künstler zu vereinen und ein mustergiltiges Quartett zu schaffen. Kein Instrument drängt sich vor, keines ver|agt, und jeder Ton ist fein abgerundet. DaS Quartett ist noch im Werden, ab und zu störte wohl einmal ein „Kratzer"' ein empfindliches Ohr. Aber schade, wenn das Quartett schon vollkonnnen wäre, denn wenn etwas vollkommen ist, so ist es gewöhnlich am Ende, und diesem Quartett möchte id) doch ein recht langes Leben wünschen. Neben Herrn Redner selbst sei vor allem der Cellist, Herr Hegar,' erwähnt. Die vier Ausführenden sind, keine Virtuosen, sondern Künstler, vor allem der Letter^ Nicht sein Bogen ist es, der dem Instrument die Mängel entlockt, sondern sein Herz, und lvenn er technisch hinten einem Burmestcr v. _r Kubelik auch zurückblerbt, mir iftj er darum doch ebensoviel wert. Ja mcht vergessen fei aber Herr Pros. Traurmann. Laß das Klavier wohlj fflftl M laut düL ML niM LAlonperA
\ Alsfeld-Lauterbacb-Schotten frühere Reichstagsabgeordnete Bindewald als antisemitischer Kandidat ausgestellt worden.
In Offenbach haben bie Nationalliberalen den bisherigen Abg. Dr. Becker-Sprendlingen, die Sozial- d emo trat en Ulrich, und das Zentrum den LandtagZ-
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enhandlung ortlieinitT Str. 42.
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9, den 15. und am vage 11 bis abends Ilern und Angehörigen W einqeladen. 7397
abgcordncten U e b c l - Dieburg wieder ausgestellt.
In Erbach i. O. hat die wirtschaftliche Vereinigung den Buchhändler Nippel aus Hagen als Kandt- baten aufgestellt.
Ter Landesausschuß der nationalliberalen Partei hielt gestern nack)mittag in Darmstadt eine Sitzung ab, die, wie uns drahtlich gemeldet wird, au3 den drei Provinzen sehr zahlreich besucht war. Die durch die Auslö|ung des Reichstags geschafsene Situation wurde einer eingehenden Besprechung unterzogen. Bon verschiedenen Seiten wurde ztvar aus die ungünstige Zeit für die Neu- Wahlen hingewiesen, aber nach den Berichten aus den Wahlkreisen herrscht überall e t n e z u v e r s i ch t l i ch e S t i mmun g. Es wurde beschlossen, mit aller Kraft den Kamps gegen die kolonialscindlicheu Parteien auszunei-mcn. — Nach einer in der Versammlung gemachten Mitteilung hat eine in W orms abgeijaitene Borsmndssitzung der Vereinig- teu Liberalen im Neichsmgstrat)llrei.s Worms-Hcppen- Heim-Wimpsen bcschlo.seu, von der Ausstellung eines eigenen Kandidaten A b st a n d zu neymcn.
Ter Landesausschuß der hessischen Freisinnigen Partei trat, wie uns geschrieben wird, am gestrigen Sonntag zu einer Sitzung in Frankfurt a M. zusammen, um zu der bevorstegenden Reichs tags wähl Stellung zu nehmen. Die Versammlung war von Vertretern aus allen Wahlkreisen besucht. Tie lebhafte Aussprache ergab allgemeine Uebereinstimmung über die Notwendigkeit freisinniger bezw. liberaler Kandidaturen in den Wahlkreisen Gießen, Alzey-Bingen, Darm- stadt-Groß -Gerau, Alsfeld-Lauterbach, Worms - Heppenheim und Bensheim - Erbach. Tabei soll i m I n t e r e s s e d e r E i n i g u n g d e s L i b e - ralismus möglichst eine Verständigung mit der nationalliberalen Partei angebahnt werden. Tie allgemeine Auffassung ging dahin, daß die Aussichten für den Liberalismus bei den bevorstehenden Wahlen außerordentlich günstig seien.
Tie christlich-soziale Partei hat die Agitation zunächst in Wetzlar-Altenkirchen, Gummersbach, im Till kreise, in Siegen und in anderen Kreisen von Rheinland-Westfalen ein geleitet.
Zn Kassel designierte der nationallibcrale Wahlverein den Landiagsabg. Landrat Dr. Schroeder, die Sozialdemokraten Hüttmann-Frankfurt a. SDL
In Hanau beschlossen, wie uns geschrieben wird, die Nattonalltberaten den bisherigen Abg. Amtsrichter Dr. LueaS zu ersuchen, wiederum eine Kandidatur anzu- nehmen. Der Bund der Landwirte und die Konservativen wollen gleich im ersten Wahlgange für Dr. Lucas stimmen.
Tie liberale Vereinigung (teilte als ihren Kandidaten im Wahlkreise Hanau den Rechtsanwalt Heilbrunn aus Frankfurt a. M. auf.
Der Rcichstagspräsident Graf Balle st rem und Ab- geordn. Szmula wollen, wie es heißt, nicht mehr kandidieren. Der Rücktritt Ballestrcms, der durch seine Befürwortung der Regierungsvorlage sich in Gegensatz zu seiner Partei gestellt, würde für das Zentrum einen sehr schweren Verlust bedeuten. Herr Szmula fürchtet wohl die Polen in seinem schlesischen Wahlkreise und liefert ihnen von vorn herein das Feld aus.
Montag 17. Dezember 1906 enufleprciii monall>cb7bl.u,, viertel»
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feinsinnigen Geist auf. Sonst hört man in einem Beethovens Kammermusikabend fast immer nur seine Meisterauartette, Um so interessanter ist nun natürlich die seltene Gelegenheit einmal etwas aus des Meisters Werdegang zu hören. Auch der Liederkceis „An die ferne Geliebte" darf noch zup zweiten Periode gerechnet werden. Ein einziger Liebest brief ist von B. erhalten, ohne Jahreszahl und odns Adresse. Er selbst hat über seine Herzensangelegenheit immer geschwiegen. Aber schon „Fidelio" gibt Aufschluß^ darüber, ob B. auch die Liebe gekannt hat, und sein Lieder» kreis spricht klar und deutlich, noch deutlicher fast aber und um so inniger und wahrer das Liedchen „Ich liebe dich". Das noch gebotene „Die Himmel rühmen", das ja als Chor recht bekannt ist, zeigte B.'s Frömmigkeit und hiH
und noch nach neunter Symphonie und Messe hat ihn die Kammermustk zu wundersamsten Schöpsungen begeistert. Daß daher ein Beethoven-Abend und ein Kammermusik- Abend identisch sein können, liegt aus der Hand, und so war dieses denn gestern der Fall. _______u
Die zweite Periode Beethovens mußte gestern herhalten. In ihr schreitet der Meister energisch fort in dem Bestreben, das Streichquartett von der Symphonie durch zartere, feinere Linienführung, durch Aussprache einer stillen Innenwelt zu unterscheiden, bis er zu dem Höchsten der Kunst gelangte, jenen Quartetten, die unter vielen seelischen und körperlichen Leiden in den Jahren 1824—26 entstanden. Seine ersten Quartette hinwiederum gehören noch der Kultur eines vergangenen Jahrhunderts an. Aber in der zweiten Periode ist sein Stil schon weit persönlicher, und die Offenbarungen der Einsamkeit verdrängen die Bedürfnisse der Geselligkeit, und hier beschreitet er schon feine eigenen, charakteristischen Bahnen. Freilich, von seiner Zeit ward Beethoven nie verstanden und noch über diese hinaus erbittert bekämpft. Zeder Mangel an Erhabenheit, überhaupt an Verständnis, an künstlerischem Können ward ihm abgestritten.
Das Konzert wurde eingeleitet vom T-dur-Trio op. 70. Cello hat hier die Leitung, oft verstärkt und auch af>ge» löst von der Violine, während das Klavier kein sklavischer Begleiter der Streichinstrumente ist, sondern seinen eigenen Weg geht. Die Romanze op. 59 bot ja ein verhältnismäßig einfaches Motiv, während das eigentliche Werk des Abends, das Quartett, schon eine besondere Besprechung wert wäre. Interessant ist bei diesem, daß es bestellte Arbeit war. Es touroe dem Fürsten Rasumossky gewidmet. Darauf deutet auch die Verarbeitung russischer Volksweisen hin. Von allen drei Werken, namentlich aber von dem Quartett, gilt das oben allgemein Gesagte. Im op. 59 zeigt sich schon der Meister der letzten Quartette.
Abau rinn es sich nicht verhehlen, daß der gestrige Abend in einer Beziehung mustergiltia war. Das Pro- LtMum WM nämlich eine erjreulM Eucheit und ttneft
Die Polen wollen in Berlin, Teltow, Nieder» und Oberbarnim usw. eigene Zahl-Kandidaten ausstellen. Ebenso beabsichtigt das Zentrum in allen Berliner Wahlkreisen sowte tn den Kreisen des Regierungsbezirks Potsdam einen Zcchl-Kandidatcn und zwar überall den Abg. Erzbcrger auszustellen. Erzberger wird auf Ersuchen der Zentrums- Fraktion eine Broschüre Über alle kolontalen Norkommmsss verfassen.
Tie Sozialdemokraten stellen in Berlin bie bisherigen Rcichstagsabgg. Fischer, Heine, Singer, Robert Schmidt und Ledebvur auf. Im 1. Berliner Reichstags- Wayllrcise wird wieder der ehemalige Privatdozent Ti. Leo AronS für die Partei lanbibicrcn. In den beiden großen Vororll'reisen, die zu Groß-Berlin gegoren, wtro in Nieder- Barnim der bisherige Abg. Stadchagen ausgestellt, wahrend der jetzige soz. Vertreter des Wahlkreises ^eUow. Zubeil, wte verlautet, mandatmüde sein soll. ,
Ter deutsche Reformverein stellte in Leipzig-Stadt den Stadto. Justizrat Siynauß in Leipzig, einen Mittelstandsverfechter aus. Tie frei,innige Voltspartei in Ko bürg hat den Lehrer Scmdner in Lauenhain ausgestellt. Die Antisemiten stellen in sieben ThÜringer Wahl- kreisen Kandidaten auf. Die liberalen Parteien durften ihnen geschlossen gegenübcureten, da die liberale Einigung große Fortschritte macht.
Im Wahlkreise Pyritz-Saatzig, der bisher durch den antisemitischen Pastor Krösell vertreten war, kandidiert für die vereinigten Liberalen Dr. Breitscheid-Berlin. Tch Liberalen treten in den Wahlkanipf, der große Opfer undi Anstrengungen erfordert, mir großer Energie ein. Ter bisherige Vertreter des Wahlkreises Tuisburg-Ruhrort-Mül* yeim-Oberhauien, Dr. Beumer (nl.) erklärte, aus Gesunde yeitsrücksicyten nicht mehr zu kandidieren.
Am 2 5. Januar wird die Neuwahl zum Reichstage stattftndcn. Ter Tag, ein Freitag, hecht im Kalender .Pauli Belehrung*. Soll die Wahl dieses TageS vielleicht ein Scherz fein, der von der guten Laune Bülows Kunde geben soll? Wird sich die .Bekehrung* der Wähler in seinem Sinne vollziehen? Der 25. Januar war auch der Tag, an dem Kaiser Heinrich IV. feine dreitägige Bußübung in Schnee und Eis im Schloßhofe zu Kanossa antrat, die mit der Unterwerfung der RcichSgewalt unter die Macht der Kirche abschloß. Das Zentrum glaubt ja wohl an die Vorbedeutung solcher Fingerzeige! Die Kanossasaule, die einst dein Fürsten Bismarck errichtet wurde wegen seines leider nicht wahr gemachten Wortes »Nach Kanossa gehen wir nicht*, hat seit einer langen Reihe von Jahren einen Riß vor dem Worte „nicht*. Nun, wir wollen abwarten, was geschehen wird. Die paar Wochen bis zum 25. Januar werden schnell vergehen.
Die Stichwahlen für den Reichstag werden am 1. F e b r u a r stattfinden. Der Z u f a m m e n t r i t t des Reichs- tagcS ist einstweilen für Mitte Februar in Aussicht genommen.
Tie offiziöse „Nordd. Allg. Z t g." beschäftigt sich in einem Artikel „Rückblicke" mit der Sage und betont u. a: Es könne nur freudig anerkannt werden, mit welcher Entschiedenheit die freisinnige Volkspart er auf ihrer Berliner Tcmung den Kampf gegen daS Zentrum und die Sozialdemokratie proklamiert yat und wie frisch und tapfer sie in dem gejHjMlicheit fUtoment das nationale Banner voranträgt.
Wahlaufrufe.
Die Mitglieder der nationalliberalen Reichstag«-
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Dem Wietzener Anzeige« werben hu Wechlel mit dem hessischen Landwirt bie Gießener fiamllitn« blätter viermal tn bet
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Redaktion e^ä) 111 Verlag u.Exped e=M>51 Adrelie für Teppichen:
Anzeiger Wielen.
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Gießen, den 17. Dezember 1906.
® e t r.: Reichstagswahlen 1907.
Das Grohheriogliche Kreisamt Gießen
an die Großh. Burgcrmctoercien des ttrcijco.
Nuchoern Der uieiujsiug am 13. d. Mio. aus gelöst worden ist, haben die Neuwahlen zürn Reichstag Freitag, den 2 5. Januar 1907 stattzusinden.
Demgemäß beauftragen wir öie, das zur Vorbereitung des Wahlgeschüfts zunächst Erforderliche — Aufstellung der Wählerlisten und Abgrenzung oer Wahlbezirke — ohne jeden Verzug zu veranlassen.
Wir verweisen in dieser Hinsicht auf §§ 1—3 und 7 deS Gesetzes vom 3L fVtoi 1869 (Bundesgesetzblatt 1869 Seite 145) und §§ 1 und 7 des Wahlreglements vom 28. Mai 1870 (Bundesgesetzblatt 1870 Seite 275), insbesondere aus die in 8 7 Abs. 3 des Reglements enthaltene Bestimmung, wonach lein Wahlbezirk mehr als 3500 Seelen nach bei letzten allgemeinen Volkszählung enthalten darf.
Die Stimmberechtigten sind nach Vor- und Zunamen, Alter, Stand oder Gewerbe und Wohnort in alphabetischer Ordnung in die Wählerliste einzulragen.
Das Formular Luc Wählerliste wird Ihnen in der Kürze in doppelter, dasjenige zum Protokoll in einfacher Zahl zugehen. Die Wählerliste ist sofort in doppelter Ausfertigung aujzustellen, jedoch vorerst nicht abzuschließen. Einlagebogen zur Wählerliste sind noch Bedars mit der Feder herzujtellen.
Die Vorbereitungen sind dergestalt zu beschleunigen, daß die Auslegung der Wählerliste unfehlbarFreit ag den 28. d. Mts. beginnen kann.
Montag, den 2 4. und Donnerstag, den 27. d. Mts. wollen Sie in ortsüblicher Weise bekannt machen lassen, daß die Listen der Wähler von Freitag, den 28. d. Mts. bis Freitag, den 4. Januar 1907, beide Tage einschließlich, auf dem Gemeinde Hause oder dem etwa sonst hiersür be ilmmtcn Lokale zu Jedermanns Einsicht ausgelegt feien, und daß Einsprachen gegen die Richtigkeit und Vollständigkeit dieser Listen innerhalb acht Lagen nach Beainn dieser Auslegung bei Meldung des Ausschlusses den betreffenden Vürgermeiftereien vorzutragen ) eiert.
Weitere Anweisung für das WahlgeschLft folgt demnächst.
Dr. SBreibert
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Au Den Aeuwaylen.
Gießen, den 17. Dezeniber 1906.
Die ersten hessischen Kandidaten, die auf dem Plane erscheinen, haben die Deutsch-Sozialen ausgestellt. Uns in Gießen will man natürlich wieder mit dem unvermeidlichen .Baldur*, Herrn Exburgermeister Phil. Köhler- Langsdorf beglücken. .Phil.* bedeutet bei Leibe nicht Philo- soph, sondern Philipp, das heißt zu Deutsch .Pferdcfrcund*, ein oielsagender Name! Ferner stellten die Deutsch-Sozialen in Darmstadt den Amtsrichter Dr. Mohr auf, der sich bereits in der verflossenen Darmstädter Reichstagswahl unrühmlich hervorgetan und viel zur Verhetzung der bürgerlichen Gegensätze getan hat, der auS einem Beleidigungsprozeß bekanntlich in wenig ehrenvoller Weise hervorgegangen ist; endlich in Marburg den bekannten Agitator Dr. Böhme.
Für den Wahlkreis Darmstadt-Groß-Gerau wird wieder Pfarrer Korell-Königstadten als Kandidat der LinkSliberalen präsentiert werden.
Kammermustk-Abend.
Gießen, 17. Dezember.
Bei dem SLamen Beethoven braucht man nicht gleich an die technische Seite der Kunst zu tarnen, denn bet Beethovens Musik läßt uns der Eindruck die Mittel vergessen. Beethoven hat keineswegs die meisten Kunstmittel erschöpft, irn Gegenteil ist seine Musik mehr redend als singend. Beethoven ist eben ein Tondichter, kein Techntkev. Er lvar voll lebendigen Natursinnes, dabei von einer großen Herzens- flüte, zuweilen ein großes Kind. Bei seiner urgesunden Ncatürlichkeit fühlte er sich ganz unabhängig von Gesellschaft, Publikum und Kritik, wenngleich letztere ihn einmal mit dem schmeichelhaften Titel „musikalisches Schwein" be- dachte. Wie kommt es nun, daß Beethoven — man kann das mit Fug und Recht behaupten - der populärste Tondichter im deutschen Volke ist? Das ist eine Frage, wohl wert, Bände darüber zu schreiben. Beethoven toar der Schöpfer der Programmusik. BerlioL uno Liszt, Wagner und Bruckner und aU^ die mibem scharfumrrssenen Eha- rattere bauen bewußt auf Beethoven weiter. Seme $n- strumentalwerke bilden bie gemeinsame Grundmauer für alle späteren symphonischen Bauten, mögen tacfe auch noch so verschiedenartig emporra^en. .
Ich sagte, Beethoven sei der populärste unserer Komponisten. Aber doch möchte ich nichjl eine Umfrage halten über die Kenntnis seiner Werke. Viele sind es schon, bie bei den Symphonien und Klaviersonaten Halt machen, und ein anderer Teil wird beim „Fidelio" stillstehen. Ein allzugroßer Prozentsatz — wohlgemerkt, der breiten Masse, nicht etwa der musikalisch vollkommen Gebildeten — ivird wohl nicht folgen bis zur Kammermusik und gar bis zu den Liedern. Beethovens Kammermusik — diese Musik ist ja ursprünglich die, welche Zuhörer in stiller „Kammer" ergötzen soll — wendet sich weniger ans Volk ais an eine Gemeinde. Das Tagebuch des Komponisten nennt sie ein bekannter Musikhistoriker, denn sie gewährt scharfe Einblicke in die Entwicklung des Tondichters, aus ihr ist sem Em- £[intan ^ervor^ew>iMen^ W tartianft er
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