Nr. 199
Erscheint täglich mrßer SomUagS.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mir dem hessischen Landwirt die Eichener Familien» blätter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch-u.Stem- druckeret. R. Lange. Redaktion, Ervedition und Druckerei:
Schul ft ratze 7.
Redaktion 113
Verlag u.Exped. ^-^51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.
Erstes Blatt
156. Jahrgang
Samstag 25. August 1906
Gietzener Anzeiger
** General-Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt Kr den Kreis Gießen
VezngSpretSr monatlich7bVf.,vierteljährlich Dik. 2.20; durch Abhole- tu Zweigstellen monatlicli Go Ps.; durch diePostDik.2.— Vierteljahr!. auSschl. BesteUg. Annahme von Anzeigen sür die Tagesmuniner bis vormittags 10 Uhr, ZeilenpreiS: lokal 12Ps^ auLwärtS 20 Psg.
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er im Schloß FriedrichShof übernachtet. Am Sonntag reist der Kaiser nach Berlin.
Are heutige Yumrner umfaßt 14 Seiten.
Aer Kaiser und der Kroßherzog in Mainz- (Orig. -Drahtbericht d e S Gieß. A n z.)
-o- Mainz, 25. Aug.
Die Straßen der Stadt, die der Kaiser auf seinem Rückwege von der Truppenschau burdgeitet, sind festlich geschmückt. Vor dem Großh. Palais sind rings Flaggenmaste aufgestellt und in der Mitte ist eine Pflanzen- und Palmengruppe angelegt. Die gesamte Ausschmückung wurde vom Hochbauamt und der Stadtgärtnerei anSgeführt. Auch die Hauser und Kasernen sind geschmackvoll geziert.
In Begleitung seines Flügeladjutanten Generalmajor Masienbach traf mittels Automobils S. K. H. der Groß- h erzog gestern nachmittag ein.
Hofmarschall Exzellenz v. Westerweller war schon vorgestern hier eingetroffen. Gestern abend sang der Mainzer Mannergesangverein vor dem Großherzog.
Heute herrschte von früh an ein gewaltiger Zuzug von Fremden. Die Wiesbadener Kurfremden kamen in großer Anzahl hierher, ebenso sind aus den Landorten viele Zu- schauer eingetroffen. Reges Leben herrscht auf allen Straßen, besonders in den Feststraßen, durch die der Kaiser kommt. Auf dem großen Sande wurde schon seit einigen Tagen fleißig gearbeitet, die Arbeitssoldaten haben einen guten Weg von dem Bahnwärterhäuschen Nr. 39 bis zum großen Sande hergestellt. Auch die Gastell'sche Fabrik prangt im schönsten Flaggenschmuck.
Schon nach 7 Uhr trafen die ersten auswärtigen Truppen auf dem Sande ein und zwar die Regimenter 80, 81, 116 (aus Gießen) und 166.
Der Kaiser traf am Bahnwärterhause 39 der Mainz- lAlzeyer Bahn heute früh ein. Er trug die Uniform des Gießener Regiments. Erschienen waren der Großherzog, der Uniform des 115. Regts. trug- General v. Eichhorn, Gouverneur v. Voigt, Kommandant Generalmajor Kettele r und Provinzialdirektor Geheiinerat Frhr. v. Gagern. Kurz vor 8 Uhr traf der Kaiser ein. Die Begrüßung zwischen Kaiser und Großherzog war sehr herzlich, sie umarmte n und küßten sich. Dann erfolgte die Begrüßung der anderen Herren. Mit tarn. Gouverneur und dem Provinzialdirektor unterhiE sich der Kaiser kürzere Zeit. Der Kaiser bestieg hieraus sein Pferd und ritt im Galopp mit seiner Suite, die Kaiserstandarte ihm folgend, nach dem großen Sande. Sofort begann das Exerzieren des Dragoner-Regiments Nr. 6, diesem folgte eine Gefechtsübung der 41. Inf.-Brig., der Jnf.-Reat. 115, 116, des Drag.- Regts. Nr. 6 und der 1. Abteilung des Feldart.-Regts 61. Das Gefecht, zu dem der kommandierende General v. Eichhorn die Aufgabe gestellt hatte, bot ein richtiges'Schlachtenbild.
Nach dem Gefechte versammelte der Kaiser die sämtlichen berittenen -Offiziere zur Kritik um sich. In der Zwischenzeit erfolgte die Ausstellung zur Parade. Die Aufstellung war folgende: 41. Jnf.-Brigade (6 Bataillone), 42. Jnf.-Brigade (8 Bataillone), 49. Brigade, Pionier-Bat. Nr. 21, Stab der 21. Kav.-Brig., Dragoner-Regt. Nr. 6, 1. Abteilung des Feld-Art.-Regts. 9tr. 6, die Unteroffiziersehnte von Biebrich folgte dem Inf.-Regt. 9lr. 116. Die Spielleute des Jnf.-Regts. Nr. 87 hatten den ersten Vorbeimarsch der gesamten Truppen durchzuschlagen. Der Parademarsch aller Truppen stand unter dem Kommando des Kommandeurs der 21. Division. Vor Beginn der Parade wurden dem Kaiser, dem Großherzog, der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen und dem General v. Eichhorn die 'Frontrapporte überreicht. Der erste Borbeimasch erfolgte bei den Fußtruppen in Kompagnie-Fronten mit aufgepflanztem Seitengewehr, Kavallerie in Eskadrons-Front im Schritt und die Feldartillerie in Batterie-Fronten im Schritt.
Tie Fahn en-Ko mpa g ni e (Leib ko mPagn ie)
I n s. - R c g t s. Nr. 116 mit Regimentsmusik und Spielleuten, sowie die Standarten-Eskadron (3. Drgg. Nir. 6) mit dem Trompeterkorps des Regiments rückten nach dem zweiten Vorbeimarsch alsbald zur G a st e l l s ch e n F a b r i k. Dorthin entsandten nach dem letzten Vorbeimarsch alle Truppenteile ihre Fahnen. Das Inf.-Regt. Nr. 116 stellte noch 20 Unteroffiziere, welche beim Möringen der Fahnen während des Marsches in die Stadt den Raum, in welchem der Kaiser ritt, gegen das Publikum abschlossen.
Die übrigen Truppen bildeten bis zur Gastell'schen Fabrik Spalier, in erster Linie waren es die bei der Gefechts- Übung nicht tätigen Truppen und das Inf. - Re gt. Nr. 11 6. Die die Ehrcnkette bildenden Truppen präsentierten bei Annäherung des Kaisers Regimenterweise, die Musikkorps spielten und die Truppen riefen Hurra l
Zur Absperrung wurde eine Eskadron des Dragoner- Regiments Nr. 24 mit 4 Offizieren und die erste Abteilung deS Feldartillerie-Reg. Nr 61 verwendet.
Kurz nach 12 Uhr ritten der Kaiser, der Großherzog und der General v. Eichhorn an der Spitze der Fahnenkompanie vom Mombacher Tor aus durch die Mombacher- straße, Wallstraße, Aliceplatz, Bingerstraße, Große Bleiche nach dem Großh. Palais. Das die Straßen dicht besetzte Publikum brachte dem Kaiser lebhafte Ovationen dar.
Sowie der Kaiser in den Hof des Großh. Palais einritt, wurde die Kaiserliche Standarte gehißt. Im Vestibül des Palais wurde der Kaiser von Oberbürgermeister Dr. Göttel- inann namens der Stadt begrüßt und der Kaiser dankte, indem er dem Oberbürgermeister die Hand reichte.
Nach dem Diner, das militärischen Charakter trug, reiste oer Kaiser um 3.50 Uhr per Extrazug nach Kronberg, wo
Aus Aiga
ging dem „Gieß. Anz." eine Stummer des „RigaerTagebl." vom 8. (21.) August zu. Da finden wir unter den Nachrichten aus Rigas Umgebung hintereinander vier raube» rische Ueberfälle, vier Mordtaten und eine Vergewaltigung an einem armen lbjährigen Mädchen, und im lokalen Teil folgen einander (wir geben nur die Spitz- marken an): „Neue anarchistische Mordtaten"; „Ueberfüll in einer Zementfabrik"; „Heberf all in der Rigaer Molkerei"; „Geplanter Ueb erfall auf das Zentralgefängnis"; „Verschwunden"; „Rätselhafter Mord"; „Ueb erfall"; „Die Rigasche Kampforganisation zum zweiten Male vor dem Kriegsgericht" (36 Angeklagte, davon 8 Todesurteile); „Bestrafung von Agitatoren"; „Die politischen Verbrecher"; „Eine Partie Arrestanten"; „Arrestantenflucht"; „Großfeuer"; „Erhängt"; „Ein Taschendieb"; „Feuerbericht" rc. rc. Schon diese Spitzmarken sprechen beredt von den dortigen entsetzlichen Zuständen.
Und nun der Leitartikel. Er trägt die Ueberschrift „Zum Kampf gegen die Anarchisten" und gibt zunächst folgende Auslassung der offiziösen (1!) „Rossija" wieder:
„Nachrichten, die das Herz jedes ehrlichen Mannes erschüttern müssen, kommen aus Warschau, Plozk und Lodz. Russische Soldaten, Polizisten und Offiziere erschießt man ganz wahllos. Der Kriegszustand, der über das Königreich Polen verhängt ist, gibt zwar der Administration gewaltige Machtmittel in die Hand, aber die Administration befindet es nicht für nötig, sie zu brauchen, krampfhaft bemüht, die Prinzipien der Philanthrop ie und Humanität mit der Notwendigkeit der Niederwerfung des Aufruhrs irgendwie in Einklang zu bringen. Die Trabanten der Revolution, Jünglinge von 18—20 Jahren, fahren in Droschken an den Wachtposten vorüber, schießen auf diese Posten und — fahren unversehrt davon, da die Soldaten nicht nur cs für unmöglich befinden, auf die Verbrecher selbst zu schießen, sondern auch die Pferde ihrer Kutscher schonen. Russische Menschenleben fallen ungenutzt zum Opfer, die russische Macht s ch m i l z t dahin, die Revolution aber gewinnt täglich an Kraft in einem Gebiet, in welchem eine halbe Million russischer Soldaten steht.
Und dabei gibt das Gesetz der Militärgewalt umfassende Rechte zur Unterdrückung des Aufruhrs, Rechte bis zur Sequestrierung der Immobilien und Konfiszierung der Besitztümer und Einkünfte, wenn solche zu verbrecherischen Zwecken gebraucht werden. Das Gesetz gibt der Regierung eine gewaltige Macht und die Regierung kann nicht «.nders als sich dieser Macht bedienen, zur Unterdrückung eines Aufruhrs, der weniger dank der Sympathie der Bevölkerung — wie die Oppositionspresse zu beweisen bestrebt ist — als vielmehr dank der unentschlossenen Art des Vorgehens der Administration geradezu ungeheuerliche Dimensionen angenommen hat.
Die Geschichte des Ausstandes im Königreich Polen im Jahre 1861 gibt wertvolle Winke zum Verständnis der Bewegung von heute. Damals wie heute suchte die Regierung lange Zeit hindurch den fortglimmenden Brand mit Maßregeln des Entgegenkommens und der Reformen zu löschen. Und nur der Kaiser begriff, daß die Forderung von Reformen ein Vorwand war, um die Bewegung harmloser erscheinen zu lassen, die eigentlich die Restitution des Königreiches „von Meer zu Meer" bezweckte. Im September 1861 schrieb der Kaiser an den Statthalter Grafen Lambert: „Ich freue mich, daß Du Dich nun selbst von der Notwendigkeit des Kriegszustandes überzeugt haft. Die Agi- tawren haben sich gar zu sehr daran gewöhnt, uns langmütig zu sehen und schreiben das unserer Schwäche und Unentschlossenheit zu. Ich wiederhole Dir: dem muß ein End e gemacht werden."
Diese Zeilen waren schon geschrieben, als aus Warschau die Nachricht von dem Attentat auf den Generalgouverneur Generaladjutanten Skalon einlief. Gott sei Dank — das schäirdliche Verbrechen ist mißlungen. Aber hat die russ. Amtsgewalt nun nicht lange genug Geduld geübt? Ist es nicht an der Zeit, die Maßnahmen zu treffen, die der Ernst des Augenblicks erheischt?"
So der offiziöse Mtikel. Anscheinend richtet er sich nur gegen die Zustände in Polen, aber, so meint das „Mg. Dagebl.", er könnte auch auf das übrige Reich und die dort gegen die Anarchisten verfolgte Politik bezogen toerben. Tenn die Mordtaten in Polen gehen doch nicht von natioual- polnifcher Seite aus, sondern tragen ganz den gleichen anarch. Charakter und werden zum Teil wohl auch von ganz ähnlichen Elementen beruht, wie in den anderen Gebieten des Reichs. ^Außerdem aber wird nicht nur in Polen krampfhaft versucht, die „Prinzipien der Philanthropien und Humanität mit der Notwendigkeit der Niederwerfung des Aufruhrs irgendwie in Einklang zu bringen", und nicht nur dort beginnt der 'Aufruhr „weniger dank der Sympathie der Bevölkerung als vielmehr dank der unentfchloffenen Art des Vorgehens der Admintftration ungeheuerliche Tirnen- fionen" anzunehmen. Vielleicht soll jener Artikel wirklich daraus vorbereiten oder dafür Stimmung machen, daß die russische Staatsgewalt lange genug Geduld geübt hat und nun überall mit Nachdruck borgegangen werden soll.
Es ist in der Tat an der Zeit, daß man den erfolglosen Versuch aufgibt, nach allen Regeln der Humanität Mordfellen unschädlich zu machen, und daß man eine neue Parole an die Vertreter der Administration aus gehen läßt. Tenn an der Parole liegt es doch wohl in erster Linie, wenn in der Provinz nicht genügend Energie an den Tag gelegt wird. , , . s
MZ z. B. hier im Dezember tue Niederwerfung des Aufstandes mit aller Energie bon oben her in Angriff genommen wurde, funktionierte der 'Apparat auch nach unten hin ohne Störungen. Tie Haupthetzer wurden berhaftet oder flüchteten, die Kriegsgerichte berurteüten die anarch. Raub- und MordüeMen in. Mueller Justiz, auch Todes
urtelle wurden bestätigt, und es trat schnell verhältnismäßige Ruhe ein; auch die Streiks hörten auf — sogar „wirtschaftliche" Ursachen waren plötzlich nicht vorhanden. Warum ist denn das jetzt anders geworden? Warum gehen jetzt dieselben Personen bei fortbestehendem Kriegszustände nicht mit der gleichen Strenge vor, warum folgen sich die Urteile immer langsamer, obgleich die Gefängnisse von anarchistischen Verbrechern überfüllt sind, warum fallen die Strafen milder aus und ergehen gar Freisprech- ungen, wenn nicht ein ganz mäthematifcher Schpldbeweis erbracht werden kann? Es ist nur ein Wunder, daß die Polizei überhaupt noch so viele Verbrecher aufspürt und unter eigener Gefahr dingfest macht, wenn den Verhaftungen Feine Verurteilungen folgen. Tie Hauptursache ist offenbar die, daß man annimmt, die Regierung wolle die Revolutionäre noch mit „Entgegenkommen" gewinnen, und daß man daher nicht koste Verantwortung für ein wirksameres Vorgehen tragen will — ja vielmehr froh ist, sich nicht so energisch betätigen zu müssen; man vermeidet womöglich, auf den Ernst der Lage aufmerks am zu mache n. In einem Staate wie Rußland wirll ja mehr noch- als anderswo die Haltung der leitenden Kreise loeit nach' unten hin, bis in die feinsten Verästelungen der Mministra- tion. Nicht minder aber beeinflußt fie die Spaltung der Revolutionäre, die eine scharfe Witterung dafür haben, wie weit sie gehen können.
Sehr bezeichnend hierfür ist der Tramway-Streik. Solch ein Verkehrsstreik ist ja ein sehr beliebtes Kampfmittel der anarchistifchen Revolutionäre; durch ihn wird nicht nur Beunruhigung und eine Störung für große Bevölkerungs- kreise hervorgerufen, sondern die Anarchisten zeigen zugleich offen ihre Macht. Bald nach Auslösung der Reichsduma wurde nun in Riga ein Tramway-Streik in Szene gesetzt — man wollte wohl versuchen, wieviel man. unter dem neuen Kabinett unternehmen könne. Als der Wind für b en ^Anfang doch etwas scharf zu wehen schien, gab man schnell bei. Aber sehr bald hat man es zum zweiten Male versucht — man fühlte sich offenbar schon sicherer. Und der Erfolg ist jedenfalls erzielt, da ß dep Tramway-^Berkehr bis auf weiteres eingestellt ist, während es doch keine Frage ist, daß der Kriegszustand, der noch immer fortbesteht, Mittel genug in die Hand gab, um den Streik sofort (im Keime zu ersticken. Von irgendwelchen Rücksichten auf „wirtschaftliche" Forderungen Tann doch nicht die Rede fein, denn berechtigte wirtschaftliche Forderungen konnten bei den vielen Tramway-Streiks des vorigen Jahres im Uebermaß geltend gemacht unb durchgefetzt werden.
Es wäre sehr erwünscht, daß die Regierung eine unzwei-^ deutige Erklärung erläßt, daß fie lange genug Geduld gegen die Anarchisten geübt hat. Vielleicht ist dep Artikel der „Rossija" der Vorbote einer solchen Erklärung.
Soweit das Rigaer Blatt. Wir haben dem nichts hin-, zuzufetzen. Tenn das Blatt sagt genug zur Beurteilung! der verworrenen russ. Zustände.
Aehnliche Meldungen, wie fie danach in Riga täglich sich zutragen, hegen heute, durch die offiziösen und privaten Tepefchenbureaus verbreitet, aus allen Gegenden Rußlands vor.
Aus dem Petersburger Postamt wurde ein großer Diebstahl entdeckt. Die Filiale der Staatsbank in Eriwan hatte an die Staatsbank in Petersburg 148 000 Rubel gesandt, die in einem Lederkoffer verpackt waren. Die Art der Verpackung?, erregte den Verdacht der Petersburger Postbeamten und der« Koffer wurde in Gegenwart eines höheren Beamten geöffnet,, wobei sich herausstellte, daß der Inhalt lediglich aus Blei und Sand bestand. Die Wertpapiere und Kredit-Billette waren sämtlich gestohlen. Man nimmt an, daß der Diebstahl bereits in Eriwan ausgeführt worden ist, da die an dem Koffer befindlichen Blomben unversehrt waren. In einem Orte bei Pjatigorsk wurden in einem vollbesetzten Personenwagen ein Bahn kassier'er und der ihn begleitende Gendarm schwer verwundet. Die Täter raubten 17 000 Rubel, sprangen aus dem Zuge und verschwanden int Walde. In Kineschma bei Kostroma wurden dem Kassierer der Fabrik Bahakin 28 000 Rubel, in Jwanow-Wosnessensk wurden dem Kassierer der Fabrik Jan- junensli 30 000 Rubel geraubt; die Räuber entkamen.
Aus Baku wird gemeldet, daß dort schwere Streikunruhen ausgebrochen sind. Es kam zu wiederholten heftigen Zusammenstößen zwischen dem Militär und den Aufständischen, die die Röhrenleittmg anbohrteii, in denen Erdöl nach Saturn* 1 geführt wird. Das ausfließende Petroleum steckten sie in Brau d. Die flüssige Feuermasse verbreitete sich mit ungeheurer Schnelligkeit und ging über die Brücke an dem Bahnhof von Balatschari nieder, die völlig niederbrannte, ehe das zur Bekämpfung des Feuers ausgesandte Militär zur Stelle war. Viele Streikende sind erschossen worden. Die Unruhen dauern noch immer an.
politische Tagesschau.
Ein Krach in der Wiener Sozialdemokratie.
Man schreibt uns aus Wien:
Im Schoße der Wiener Sozialdemokratie haben sich, Vorfälle ereignet, die über ein bloßes lokales Interesse hinaus- gehen, weil sie ein Schlaglicht auf den JanuSkopf der roten: Internationale werfen. Aus Anlaß der feierlichen Grundsteinlegung eines Arbeiterheims im 16. Bezirke hielten bie< sozialdemokratisch organisierten Maurer eine von 3000 Genossen besuchte - Versammlung ab, in der in allerschärfster Weise gegen die sozialdemokratische Parteileitung, welche den Bau ins Leben gerufen hatte, Stellung genommen wurde. Wenn auch nur die Hälfte von dem wahr sein sollte, was die Redner vorzubringen wußten, so muß es bei der Erbauung dieses Arbeiterheims ähnlich zugegangen sein, wie bei den Prunkbauten unter den asiatischen Despoten des gralien Altertums. Ein Baukomitee, dessen Mitglieder, ablvechselten, überwachte mit der Uhr in der Hand die! Fortschritte der Arbeit, und wer von den durchwegS)


