Ausgabe 
24.7.1906 Erstes Blatt
 
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mtb die Meinung geäußert daß der Monarch nur von schlechten Ratgebern irre geführt ist. Daß die revolutionäre Partei ihre Bomben-Attentäte wieder ausnehmen wird, gilt alZ sicher.

In Paris lorrd die Auflösung ebenfalls als ein großer Fehler angesehen. Rur der(pulvis" und derEclair" heißen die LLuflösung gut, heben jedoch hervor, daß der Erfolg von der weiteren Haltung der Regierung abhängt. Die soKialistischc .Humanitö" äußert sich folgendermaßen: Eine verbrecherische Handlung ist geschehen. Nikolaus II. Ordert sein Volk -um Kriege bis aufs Messer heraus."

Mc Wiener Pceffe sicht neue ernste Ereignisse in Rußland voraus.

Die Börse hat die Auflösung der Duma mit größerer Fassung aus­genommen, als man befürchtete. Allerdings sind die Kurs­rückgänge in russischen Werten sehr beträchtlich, doch wurde Dank derstarken Hand" des die russischen Finanz- interesien vertretenden Bankhauses eine Panik hintangchalten. Jedenfalls haben Londoner Spekulationskreise schon vor etlichen Tagen Wind davon bekommen, was gegen die Duma geplant war. Die Berliner Börse schloß gestern sogar ziem­lich ruhig, weil zum Glück die Pariser Börse nicht den Kopf verlor. Trotzdem besteht keinerlei Gewähr, daß nicht die Be­unruhigung der Besitzer von Rustenwerten demnächst noch lebhafter sich geltend macht. Es verbreitete sich das Ge­rücht, daß die Seehandlung russische Werte nicht mehr be­leihe. DerNationalztg." wurde auf telephonische Anfrage bei der Seehandlung erklärt, die Redaktion möge in einer schriftlichen Eingabe die Frage wiederholen. Wir meinen, daß in erregten Zeiten sofort gesagt werden müßte, was an einem Gerücht Wahres oder Falsches ist. Uns erscheint die Behauptung vorerst nicht glaubhaft.

§as Nundesfest des Wundes der Landwirte für Kberheffen.

k. Friedberg, 22. Juli.

Das Oberhessische Bundesfest vom Bunde der Landwirte fand am Sonntag unter äußerst zahlreicher Beteiligung der Landwirte Oberhestens und besonders der Wetterau in dem idyllisch gelegenen Ostenheimer Wäldchen bei Friedberg statt. Die Zahl der Festgäste wurde auf ca. 3 bis 4 Tausend ge­schätzt und trotz der besten Vorbereitungen gelang es vielen nicht, einen Platz zu finden. Aus ganz Oberhesten war die Bauernschaft per Leiterwagen, Landauern, Rädern :c. ein­getroffen, man zählte fast 100 Wagen. Sogar aus dem benachbarten Nassau hatten sich Gäste eingefunden. ^Die hessischen Abgeordneten der freien wirtschaftlichen Vereinigung waren zahlreich vertreten, u. a. die Abgeordneten Breiden­bach, Köhler, Korell, Wolf, Bär, Hirsche!, Leun, Ullmann und Hauk. Um xj4 vor 3 Uhr eröffnete der Landesvorsitzende deS Bundes, Abteilung für Hessen, Graf von Oriola- Büdesheim das Fest. Redner führte unter lebhaften Beifalls­bezeugungen, von denen er öfters unterbrochen wurde, etwa folgendes auS: Es ist nicht die Zeit, Feste zu feiern, sondern es gilt auch heute, ernste politische Arbeit zu hm, eS gilt den Bauern auch nicht allsonntäglich Feste zu begehen, heute soll in erster Linie Gelegenheit geboten werden, neue Bande zu knüpfen, daS Fest soll zum Zusammenhalt beitragen, sich für ernste Zeiten fest zusammenzuschließen. Ja, ernst ist die Zeit! Unserem Kaiser ist eS gelungen, uns vor jetzt einem Jahre den Frieden zu erhalten und daran hat der Bauern­stand am meisten Jntereste. Der deutsche Bauer muß im Krieg die größten Opfer bringen, besonders wenn die Kriegs­fackel inS eigene Land getragen wird. Zum Frieden bedürfen wir einer scharfen Wehr, das Eisen darf nicht rostig werden. Wir sind nicht kriegs- und eroberungssichtig, aber wir sind bereit und entschlossen, unser Leben einznsetzen für unsere ge­liebte Muttererde, für unser Vaterland. Deshalb bekämpfen wir die Sozialdemokratie, die das, waS uns heilig ist, über den Haufen werfen will. Leider wird sie selbst von kleinen Bauern unterstützt. Die Sozialdemokraten wissen, so lange der Bauer.fest steht zu Kaiser und Reich, wächst ihre Saat nicht. Wir bedauern von dem Standpunkt des Landwirts aus, daß sich einzelne bewegen lasten, sich der Bewegung der roten Internationale anzuschließen. Redner vergleicht die vielbesprochene und erwartete Mauserung der Sozialdemokraten mit der Mauserung eines Vogels, sein Kleid werde wohl ein anderes, aber es erhalte noch grellere Farben als vorher. Um diese Erkenntnis immer mehr auszubreiten, dazu gehört eine rührige Tätigkeit, sonst werden Bauern- und Mittelstand vernichtet, dann gäbe es nur noch zwei Faktoren: Arbeit und Großkapital. Wir streben ver­nünftige soziale Reformen an, aber wir treten dem Umsturz entgegen. Wir bedürfen dringend einer ge­sunden Wirtschafts- und Heiinatspolitik. Der Landwirt mißgönnt keinem Stand sein Gedeihen, ja das Emporblühen aller Stände konunt jeden und dem gesamten Vaterland zu- glite, doch der Bauer will in Zukunft nicht mehr das Stief­kind des Reiches sein. Seitdem im Bauernbund sich Groß­grundbesitzer und Bauern die Hand gereicht haben, ist eine entschiedene Besserung eingetreten, besonders gegenüber den Zeiten Eaprivis. Die Handelsverträge haben nicht alles er- füllt, aber doch vieles gebessert, es weht ein anderer Geist durch die Handelsverträge. Dafür sind wir Kaiser und Re­gierung dankbar. Ties wurde erreicht durch das Zusammen­stehen dec Landwirte einerseits, und andererseits durch die Erkenntnis der Regierung, daß man einen kräftigen Mittel­stand im Interesse des Reichs erhalten müsse. Das Fleisch­beschaugesetz hat gezeigt, wie vollberechtigt die Forderung der Landwirte war. Wer möchte heute noch amerikanisches Pökel­fleisch esten? (Pfuirufe!) Wichtige Fragen gilt es noch zu lösen, z. B. Handelsverträge mit überseeischen und europäischen Ländern, die Reform der Vcrsicherungsqesetze, die Milchwirt- schafts- und Verwertungsfrage usw. Mögen die verbündeten Regierungen den betretenen Weg weiter verfolgen bei den neuen Handelsverträgen. Wir aber wollen uns geloben, fest und treu zusammenzuhalten zu der Fahne des Vaterlandes und des Bundes der Landwirte. Schwarz bedeutet uns Treue bis in den Tod zum heimatlichen Herd und Vater­land, Weiß sagt uns, einzutreten für alles Gute, was uns die Väter überliefert haben, Rot bedeutet die echte Freiheit, das Zeichen der Bruderliebe, der Liebe zur Muttererde. Wir geloben heute und allezeit: Treue zu Kaiser und Reich, zu Hessens Fürsten, zum Hessenlande. Hoch leben unser Kaiser und unser Großherzog! Begeistert klang das Hoch der Volks­

menge durch den schönen Buchenwald und lebhafter Beifall wurde dem Redner zuteil. Es wurde daS Lied gesungen: Deutschland über alles."

Nunmehr ergriff, der Festredner Dr. Rösicke-Görsdorf, der Vorsitzende des Bundes der Landwirte, das Wort. Auch er erinnert daran, daß unsere Zeit eine allzu festesreiche sei, daß man zu viel Aufwand mache und führt das diesen Auf­wand geißelnde Gedicht Felix DahnS an. Redner fährt dann fort: Unser Fest soll kein glanzvolles sein, eS gilt ernster, politischer Arbeit. Wir wollen in den deutschen Festen wieder daS Solide, Gute zur Geltung bringen, das uns zerrinnen will. Auch unsere Frauen und Jungfrauen sollen die Be­deutung des Bundes sehen, eS sind schwerwiegende Existenz- ftagen, um die wir ringen und streiten. Redner führt dann die Worte auS Schillers Glocke an, die die Tätigkeit des Mannes und der Hausfrau betreffen und fährt fort: Unsere Frauen sollen nicht Agitation treiben, wie es die Sözial- demokratie wünscht, wir wollen die Frauen in unserem Haushalt wisten. (Bravo!) Die Frau soll dem Manne seine schwere Pflicht im öffentlichen Leben leicht machen. Wir haben in den letzten Jahren manches erreicht und erkennen die Erfolge an. Dies gelang aber nur durch einiges Zusammengehen und -kämpfen. Tie wichtigste Aufgabe ist die Verbreitung unserer Gesinnung in das deutsche Volk.-Willst du den Frieden, so rüste dich zum Krieg." Zwei Feinde sind es, die für uns in Betracht kommen. ES sind dies einerseits die, die die nationale Arbeit nicht schützen wollen, die den Grundsatz aufstellcn: Mache unter allen Umständen Geld. Wohin das führt, sehen wir bei den Amerikanern, Geld steht über dem Gesetz, Geld kommt vor der Tugend. Andererseits sind es diejenigen, die alles gleich machen wollen. Die Sozialdemokraten wollen aus Deutschland einen allgemeinen Brei machen, da gibt es weder Individualismus, noch Idealismus. Sie kennt keine Zu­friedenheit, sie will die Vernichtung der deutschen Eigenheiten, der nationalen Traditionen. Wir sehen dies wieder in ihrer Zeitungspolemik über den jetzigen Hererokrieg. Wir sind von ihr getrennt wie Feuer vom Master, und der Wall muß fest gehalten werden.Der Bauernstand bildet noch heute die größte, in sich einheitlich und geschlostene Berufsgruppe in unserem gesamten Erwerbsleben und wäre imstande, wenn er wollte, und wenn er die volle Einsicht in seine politische Macht und deren Tragweite besitzen würde, jedes Hindernis, das sich ihm und seiner Berücksichtigung in der Wirtschafts­politik entgegenstellen sollte, lawinenartig aus dem Wege zu schleudern. Die Führer unserer Sozialdemokratie wisten dies, der Bauernstand weiß es noch nicht, ist in seiner Gesamtheit zu dieser politischen Reife leider noch nicht durchgedrungen." (Sehr richtig! Bravo!) Unsere Aufgabe ist es, das durch­zuführen. Den Satz:An deutschem Wesen soll die Welt genesen" müssen wir dahin abändern:An des deutsche Landmanns Wesen soll das deutsche Volk genesen." (Lebhafter langanhaltender Beifall).

Der GesangvereinEintracht" Fauerbach trug hierauf die Lieder vorDas deutsche Lied" undAbschied vom Walde". Graf Oriola dankte namens des Bundes und rief den Sängern zu:Halten Sie als deutsche Sänger fest an der deutschen Sache". Als dritter Festredner sprach der Landes­vorsitzende für Nastau, Generalmajor von Kloeden-Wies- baden, überFeuer und Eisen". Nach einigen Schilderungen auS dem Ruhrkohlengebiet und Esten kommt er auf den deutsch- französischen Krieg zu sprechen und führt etwa folgendes auS: Ich habe im blutigen Feuer der französischen Schlacht mit so manchem wackeren Bauernsohn gestanden, wir haben das deutsche Reich und die deutsche Krone schmieden helfen, da­mals herrschte ein Feuer der Begeisterung. Die Söhne der Landwirte und des Handwerks haben damals zwei Drittel der Krieger gestellt; sie haben die Schlachten geschlagen, die die Welt in Erstaunen setzte und Deutschland einigten. Am 18. August kämpften bei St. Privat Hessen und Preußen Seite an Seite, alle deutschen Stämme sind jetzt unauflöslich in Waffenbrüderschaft verbunden. Nach dem Feldzug tauschten wir Eisen gegen Eisen, wir ergriffen den Pflug, den Hammer, die Spitzhacke. Eingehend auf Schillers Rätsel vom Pflug, erklärt der Redner weiter: Wenn auch die Worte Schillers nicht mehr vollständig für unseren heutigenBauernstand passen, so ist doch der Bauer noch reich an idealen Gütern, der Bauer blickt auf sein Eigentiuu. Auf dcni Asphalt und Basalt der Großstädte gedeiht die verpestende Giftpflanze der Zerstörung, Destille reicht sich an Destille. Darum heißt es: Zurück aufs Land an den heimischen Herd". Darum stützen wir den Mittelstand, den Landwirt, den Handwerker, den Kailfmann, wir können den Mittelstand nicht entbehren. Die Natur fordert:Stelle dich auf eigene Beine, damit du mit» tust in der Politik". Der Bund der Landwirte will die Flammen gewissenloser Agitatoren, der Revolutionäre, ein­dämmen. Er will die wirtschaftlichen Gegensätze mildern, das Großkapital beschranken, dem Schwachen helfen. Redner erinnert dann an Bismarck, der sich mit Stolz Bauer nannte. (Bravo.) Ec erinnert weiter an die kürzlich erfolgte Geburt des jüngsten Hohenzollernsprosses uni? spricht den Wunsch aus, daß er einst ein Kaiser werden möge, der die rechte Hand am Schwert, die linke aber am Pflug habe. Wenn aber der Kaiser ruft, so zieht jeder Bauer freudig in§ Feld, mit dem Schwerte schützt er Herd und Scholle, Thron und Altar. Redner überbringt dann noch die Grüße des Nastauer Bauernbunds und des Vereins der Militäranwärter. Diese wissen, daß sie in dem Bund und besonders in dem ReichStagsabg. G ra fe n Oriola einen wackeren Verteidiger ihrer Wünsche haben, ist er doch stets für die Jnvalidensürsorge eingetreten. Mit den Worten:Es fällt und steht das Vaterland mit dem deutschen Bauernstand" läßt von Kloeden seine Rede in ein Hoch auf die hessischen Bauern ausklingen. (Langanhaltender Beifall.) Nach den Liedervorträgen derKonkordia"-Nieder» Wöllstadt ergriff der zweite Bundesvorsitzende, Gutsbesitzer Lucke-Petershausen das Wort. Er gedenkt der Frauen und fordert sie auf, sich fern zu halten von der Emanzipation, von den Frauenrechtlerinnen. Die deutschen Frauen gehörten nicht auf die Tribüne, sondern an den Herd, sie seien be­rufen, Treue zu Kaiser und Reich, Heimatsliebe und Religio­sität in die Herzen der Jugend zu pflanzen, dadurch würden sie dem Vaterlande nutzen. Seine Rede klang in ein Hoch auf die deutschen Frauen aus. Ter Gesangverein Ossenheim sangMein Vaterland". Landwirt Burckh ardt- Gonsen­heim gedachte der früheren Schmach und jetzigen Größe <

Deutschlands. Abgeordneter Breidenbach- Dorheim dankte als Vertreter des Landtagswahlkreises dafür, daß der Bund ihn zum Festort gewählt und toastet auf die Festredner. Der Vorsitzende des Festausschusses Müller-Marienborn toastet auf den Bund. Landtagsabg. Köhler-Langsdorf erklärt: Wir haben auf die radikale Seite unseres Kampfes verzichtet, im Interesse des gesamten Bauernstandes schlossen wir uns an den Bund, denn:Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern". Das Bauerntum ist das Fundament des Deutsch­tums. Neben der Fahne des Bundes werden wir aber auch die Fahne des Hestentums und der Heimat hochhalten. Die Einigkeit im deutschen Bauernstand lebe hoch. (Beifall.) Damit war um */26 Uhr die Reihe der Redner erschöpft, und nun sollte auch die Fidelitas zu ihrem Rechte kommen. Die Kapelle deS Pionier-Bataillons Nr. 21 aus Kastell spielte zum Tanze auf und noch manches deutsche Vaterlands- und Volkslied ließen die Gesangvereine durch den Wald erschallen. Abends rourbe der gesamte Festplah prächtig illuminiert. Leider trat gegen abend leichtes Regenwetter ein, das aber die Festesfreude kaum beeinträchtigte. Alles in allem muß man sagen, daß das Fest einen überaus harmonischen, schönen Verlauf genommen hat, und daß es sich würdig an das vorjährige BundeSfest in Altenburg bei Alsfeld anschließt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 24. Juli 1906.

' In Audienz empfangen wurde von S. K. H. dem Groß Herzog am Samstag u. a. Kirchenbaumeister Hofmann von Herborn.

* Personalien. Ernannt wurde der Gefangenauf­seher am Gefängnis in Darmstadt Karl Hofmann zum Gefangenaufscher am Landeszuchthaus Marienschloß. In den Ruhestand versetzt wurde der Registrator bei dem Amts­gericht Lorsch Mich. Rettig auf sein Nachsuchen bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit.

Museum des Oberhessischen Geschichts­vereins. Der Besuch des Museums ist anhaltend sehr rege, und immer wieder lassen sich bei den Besuchern Stimmen größter Ueberraschung vernehmen, der Verwunderung über die Fülle des Gebotenen. Es ist in dec Tat bemerkenswert, in welch geringem Zeiträume die Sammlungen unter der rast­losen Fürsorge und der ständigen Anregungen seitens des Konservators zu einem Museum herangewachsen sind, das es ohne Uweifel wenigstens in einigen Zweigen schon heute den Vergleich mit manchem anerkannten Institut dieser Art in größeren Pcovinzialstädten getrost aufnehmen kann. Das Museum wächst zusehens, nicht zum wenigsten durch das Interesse des Publikums, dessen breiteren Schichten offenbar -erft klar geworden ist, welche Schätze wir besitzen, nachdem sie in dem alten Schloß so vortreffliche Unterkunft erhalten haben. Die Butzbacher volkskundliche Ausstellung hat natur­gemäß im Gefolge gehabt, daß der Trachtensammlung wieder besonderes Jntercffe zugewandt wurde. An altem Hausgerät ist von der Ausstellung ebenfalls in unser Museum über­gegangen: ein zierlich gedrechselter Kienspanhalter, der alte bäuerliche Beleuchtungskörper, ein Löffelkasten für Holzlöffel, Bauernschüsseln und Marburger Krüge, insbesondere aber ein sehr alter Kachelofen mit bemerkenswertem figürlichen Schmuck, der in dem Treppenhaus zur Aufstellung gelangt. Ferner ein eiserner Pflug als Aushängeschild usw. Von der be­kannten Seite, der das Museum zu immerwährendem Danke verpflichtet ist, sind wieder reiche Beiträge zugefloffen, u. a. ein Flügel-Hausaltar des 15. Jahrhunderts mit künstlerisch besonders hochstehendem Kruzifix, ein eingelegter wertvoller Rosenkranz, eine kleine Empire-Kommode, Frankentaler Por­zellan, das silberne Schreibzeug einer Landgräfin von Hessen- Philippstal in reinem Empire-Stil, ein Pfeifenkopf (eine Burg darstellend) aus dem gleichen fürstlichen Besitz usw. Die Sammlung der Professorenbilder ist durch ein Reliefbild Riegels von Walter Schauß bereichert; besondere Beachtung werden auch zwei Köpfe von ägyptischen Mumienbehältern finden. So kommt Stück auf Stück. Wieviel liegt aber noch in Urväter Truhen begraben. Man mag sich schwer von solchen Stücken trennen können, dem Museum übergeben und allen zugängig gemacht, würde eS aber in seinem Wert noch erheblich gesteigert werden. Wir wollen hoffen, daß unsere Bürger und Landsleute nicht ablaffen werden, dazu an ihrem Teil beizutragen, daß das Museum bald auch von außerhalb gesucht, ein Anziehungspunkt von Oberheffen wird.

* * Zur Förderung der Lahnkanalisation hat der Lahnkanalverein voriges Jahr bei dem Minister der öffentlichen Arbeiten angefragt ob die Regierung die Aus­arbeitung des Lahnkanalprojekts und die dazu nötigen Er­hebungen übernehmen werde. Der Verein erklärte sich so­gleich zur Beibringung weiteren Materials bereit. Der Minister nahm dieses Anerbieten an. Eine Ministerialkom- mission bereiste bald darauf die Lahn. Nun erfolgte eine erneute Eingabe seitens des Vereins. Die Regierung ant­wortete darauf, daß die bisher angefertigten Vorarbeiten für die Verbesserung der Lahnschiffahrtsstraße fort geführt werden sollen. Unsere Handelskammer gibt sich der Hoffnung hin, daß diese auf zwei Jahre berechneten Vorarbeiten zur Verwirklichung der Lahnkanalisation führen werden.

* Wenn jemand eine Reise tut. . . . Ein Mit­glied des Mainzer Schützenvereins hatte vor seiner Abreise nach München in ein Münchener Blatt einrücken [affen:Ein fideler Mainzer sucht während des Schützenfestes ein gemüt­liches Heim." Er erhielt nicht weniger als 300 Angebote, zumeist von weiblicher Hand. Dafür wurde ihm dann aber auch seine goldene Uhr mit der Kette im Werte von mehreren hundert Mark gestohlen.

X Rauschenberg, 22. Juli. Gegenwärtig wird in unserem Städtchen unter der Leitung des Architekten Dauber aus Marburg die altehrwürdige Kirche ihrem historischen Charakter entsprechend, wieder hergestellt. Bei der Gelegenheit wurden auch äußerst interessante Wandgemälde aus der spät­gotischen Zeit stammend, blosgelegt. Ein in Kassel wohnen­der alter Rauschenberger hat zum Baufonds 10 000 Mark gespendet.

f c. Wetzlar, 22. Juli. Im Kreise Wetzlar gingen im vorigen Jahre sehr viele Rehe am Lungenwurm ein. Die Seuche scheint jetzt erloschen zu fein; der Rehstand hat sich wieder beträchtlich gehoben.