Ausgabe 
24.7.1906 Erstes Blatt
 
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Dienstag 24. Juli 1906

Aie heutige Kummer umfaßt 8 Seite»

deutsche Hinsicht sich an daß die

156. Jahrgang

russische Negierung ihrerseits die Verantwortung für den Artikel derRossija" ablehnte.

Mit Ausnahme derKreuzzeitung" und der ihr politisch verwandten agrarischenTageszeitung" wird in der deutschen Preffe die Auflösung der Duma als eine bedenkliche Ent- chließung, als eine Tat der Verzweiflung betrachtet.

Kritik des Auslandes.

In London nimmt die Auflösung der Duma das Interesse der politischen und diplomatischen Kreise voll- tändig in Anspruch. Tas Gefühl des Bedauerns ist vorherrschend. Die Entscheidung wird allgemein verurteilt

sonst könnte es allzuleicht passieren, daß auf die Auflösung der Duma die Auflösung des moskowitischen Reiches über­haupt folgt.

Wo sind denn dieRiesen des Gedankens und der Tat" in Rußland, an deren Erscheinen Zar Nikolaus glaubt?

der Wetterdienst. L-.cstcu Int Dienstag, den ,ch trocken, dann Gewilln.

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ES ist durchaus zweckmäßig, daß das offiziöse RegierungSorgan dieses entschiedene und in jeder unzweifelhafte Dementi veröffentlicht. Man dürfte unseren amtlichen Stellen nicht damit begnügen,

SichenerAnzeiger

General-Anzeiger **

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Yach der Auflösung der Auma.

Unter dem Ministerium Stolypin kann sich die russische Regierungspolitik nur in der Richtung auf die Militärdiktatur entwickeln, denn es ist kein großer Unterschied zwischen den Anschauungen Stolypins und des Generals Trepoff. Nach welchen Grundsätzen ersterer zu regieren für erforderlich hält, das hat er gekennzeichnet in einem von ihm in seiner Eigenschaft als Minister des Innern des Kabinets Goremykin an die Gouverneure gesandten Rundschreiben. Es heißt da:

In kritischen Zetten ist das einzige Fundament, out dem der Schutz der Ordnung, des Eigentums und Lebens ruht, eine teste und keinen Schwankungen unterliegende Staats­gewalt. Daraus folgt, daß offene Unordnung aufs ent­schieden st e niederzu schlagen und eine F e st i g k e l t' und Bestimmtheit in den Handlungen zu zeigen ist, die jeüe Mög­lichkeit einer Inkonsequenz auSschließt. Machtmittel stehen sur diesen Zweck m genügendem Maße zur Verfügung, und im Notfälle werden sie verstärkt werden."

Das ist das politische Glaubensbekenntnis Stolypins, und es könnte ebensogut das des Generals Trepoff sein. Doch Stolypin machte den Gouverneuren noch zur Pflicht, die Grundsätze der Gerechtigkeit nicht außer acht zu lassen und Ue bergriffe oder Pflichtversäumnisse Unter­gebener nicht zu dulden. Darauf würde General Trepoff wohl keinen Wert legen, und man muß mit der Möglichkeit der Ablösung des Kabmets Stolypin durch eine Säbel- diktatur 2C. immerhin rechnen. DaS ist dieheitere Zu­kunft" Rußlands. Jetzt wird auch klar, warum die englische Regierung an dem erst so warm befürworteten Flottenbesuch in Kronstadt plötzlich keinen Gefallen mehr fand. Sic ist offenbar von Petersburg unterrichtet worden über die Auf­lösung derselben Duma, deren Präsidenten der englische Ge­sandte Nicolson bald nach seiner Ankunft einen feierlichen Besuch abgestattet hatte. Immer dunkler wird die Zukunft Rußlands, der russischen Staatspapiere und des russischen Staatskredits.

In Wahrhett war das Manifest vom 30. Oktober 1905, womit Zar Nikolaus II. seinem Volke eine Verfassung be­willigte, ebenso ein VerlegenhettsauSweg, wie es jetzt die Auflösung des ersten russischen Parlaments ist. Man kann ein Reich, daS durch eine schier größenwahnsinnige Expensions- polittk zu einem unnatürlichen Staatskoloß aufgetrieben, das Jahrhunderte hindurch in einer notorisch beispiellos korrupten Weise verwaltet und dessen in' größter Unwiffenheit und Dummheit gehaltene Bevölkerung nur als Ausbeutungsobjekt für eine gewissenlose Aristokratie und Bureaukratie betrachtet wurde, nicht durch Verleihung einer Verfassung allein kurieren. Nur in Verbindung mit einer Reformation größten Stiles an Haupt und Gliedern durfte in Rußland eine Volksver­tretung einberufen werden. Da man aber augenscheinlich der Ansicht huldigt, es könne alles beim alten bleiben, wenn man die Duma nur als Dekorationsstück benutze, um damit die allgemeine Mißwirtschaft zu verdecken, so mußte das Parla­ment zu einem revolutionären Konvent werden, von wo aus die aufreizendsten Reden gehalten werden konnten, ohne daß die Sprecher zur Verantwortung gezogen werden durften. So wirkte denn die Duma nicht als Blitzableiter, sondern als Spannungserreger.

Die Agrarfrage war es, die den direkten Anstoß zu der Regierungsmaßnahme gab. Denn in der für die Zu­kunft Rußlands allerwichtigsten Angelegenheit der Land­verteilung an die hungernde Bauernschaft zeigten sich sowohl die regierenden Kreise wie auch die Duma von einer geradezu kläglichen Hilflosigkeit. 130 Millionen Deßja- tinen Fruchtboden sind nach einwandfreien Berechnungen not­wendig, um der Bauernschaft, aus ihrer Not zu helfen, und nur 43 Millionen Deßjatinen, also nicht einmal ein Drittel Land, ist in Rußland zu diesem Zwecke verfügbar! Es müßte also ein Teil der Bauern in Sibirien angesiedelt und in Ruß­land selbst, die Landwirtschaft nich nach dem russischen Schlendrian, sondern mit dem Fleiße und der Kunst der west­europäischen Agrikultur betrieben werden. Beides läßt sich in Rußland nicht im Handumdrehen erreichen. Wenn die Regierung versuchen wollte, jetzt in dieser aufgeregten Zeit Bauern nach Sibirien zu transportieren, so würde sie bte Agrarrevolution erst recht hcraufbeschwören, abgesehen davon, daß eine solche Kolonisation gewaltige Summen erfordert und den russischen Muschlk zu einer intensiven Bewirtschaftung seines Grundes und Bodens zu erziehen, das ist eine Auf­gabe, die sich nicht in Jahren lösen läßt.

Es wäre töricht, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, welchem Ziele Rußland zusteuert. Fand oder findet der Zar die aeeianeten Männer, welche im Stande sind, die Magenfrage zu lösen das Volk zu beruhigen und eme Basis zu schaffen, auf l>er sich eine gesunde Verfassung aufbauen kann, dann wird Rußland die revolutionäre Krisis überwinden; ist jedoch Stolypin nichts anderes als em Goremykin in Ausgabe und meint er die Revolution mit Gewalt niederschlagen zu können, um dann den Staatswagen im alten Geleise weiterzuschleppen, so würde dieser Irrtum sich furchtbar rächen. Was Rußland braucht, das sind Männer, welche den Mut und die Macht besitzen' unerschrocken zu reformieren und nicht nur nach unten, -andern vor allem nach oben hinauf. Ganze Arbeit muß geleistet, Rußland zu einem modernen Staate gemacht werden.

«ezng»pretSl monat 11*75111., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Aoholc- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePostMk.2. viertel- jährl. anSfchl. Bestellg. Annahme von Anzeige« für bte Tagesuummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 12 Pf^ auswärts 20 Pfg.

Verantwortlich für den polit. und allgem. Teil: P. Witt ko: für Stadt und Land" und Gerichtssaal": Ernst Heß; für den An­zeigenteil: HanS Beck.

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des Programms wird die Agrarfrage, Behebung d-.r Landnot der bäuerlichen Bevölkerung bilden.

Unruhen.

Ausschreitungen, begangen am Sonntag am Sennaycr- Markt zu Petersburg, trugen regierungsfeindlichen Charakter. Kleine Kaufleute protestierten in großer Zahl gegen die Dumaauflösung. Es wurden revolutionäre Reden gehalten. Als reitende Gendarmerie auf dem Platze erschien, wurde sie mit einem Steinhagel empfangen. Die Menge wurde auseinandergejagt, nachdem etwa 15 blinde Salven abgegeben worden waren. Um Mitternacht war die Gegend in tiefstes Dunkel gehüllt, da die Gas- laternen zertrümmert worden waren. Später versammelte sich die Menge an einer anderen Stelle.

In Petersburg haben tue Eisenbahner den Ge­neralstreik auf den Bahnhöfen erklärt. Auch ein allg. Ausstand der Post- und Telegraphenbeamten ist zu be­fürchten.

In den Filialen der Singerschen Nähmaschiuenfabrik in Sosnowice und Vendzen (Russisch-Polen) wurden zu gleicher Zeit große Verwüstungen angerichtet. In Sosnowice wurden fünf, in Bendzen vier Personen schwer, eine große Anzahl leicht verletzt. Militär sperrte die Straßen ab. Sämtliche Läden sind geschlossen. Es herrscht eine furchtbare Panik.

Aus Woronesch werden mehrere Jnfanterieregimenter nach Staigaonosk entsandt werden, um die dortigen Agrar-Unruhen energisch zu unterdrücken. In den Kreisen Bobrow und Woronesch sind die Kosaken an der Arbeit. Es gab zahlreiche Tote und Verwundete.

Der Hilfsverein der deutschen Juden in Berlin er­hielt nachstehendes Telegramm aus Petersburg:Die jüdischen Einwohner Rußlands befürchten von neuem furchtbare Krawalle am 15./28. Juli, dem Jahrestage des Festes der Wasserweche. Ueberall aus jüdischen Orten er­halten wir Nachrichten von zahlreichen Versammlungen der Hooligans, welche von der Monarchistenpartei wahrhaft russischer Männer organisiert werden. Offen hetzt man gegen dieJuden und verteilt Waffen und Flugblätter." Das Telegramm schließt mit der Bitte, alles zu versuchen, um die Gewalttaten äbzuwenden.

Die russische Preffe äußert sich über die Dumaauflösung in verhältnismäßig gemäßigtem Tone. Die lirfts stehenden Blätter sind aller­dings vor einigen Tagen fast sämtlich unterdrückt worden. Das Organ der Kadetten sagt: Die Sache des Friedens und der Reform sei ^vernichtet. Alle Verantwortung falle auf jene Vertreter der Bureankratte und der Hofkamarilla, die in den Kampf mit der Duma getreten seien.

In Petersburg sind augenblicklich zusammenge­zogen: 40 Linien-Bataillone, die Garde-Kavallerie und die beiden Garde-Divisionen nebst vier Maschinen­gewehr-Kompagnien. Alle Bahnhöfe erhielten starke mili­tärische Wachen.

Kaiser Wilhelm und der Zar.

Der Petersburger Korrespondent desStandard" tele­graphiert seinem Blatte, daß der deutsche Botschafter v. Schön einen direkten Draht nach Berlin während der ganzen Nacht von Samstag auf Sonntag benutzte. Bor der Ver­öffentlichung des Ukas, wodurch die Duma ausgelöst wurde, erhielt der Zaroine chiffrierte Depesche von KaiserWilhe Lm in der Länge von 1000 Worten.

Dazu schreibt ein Berliner Blatt: Das einzig Wahre ist das mehrfLuhe Telegraphieren des deutschen Botschafters! an seine hiesige vorgesetzte Behörde. Ein besonderes Be­legen der Telegraphenlinie für die deutsche Botschaft hat dabei aber nicht stattgefunden. Alles andere, was die Standard"-Depesche meldet, ist eitel Erfindung.

Deutschland und Rußland.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt:

Ein Teil der ausländischen Preffe sucht noch immer die Ge­rüchte von einer beabsichtigten Jnterventionspolitik benachbarter Länder gegenüber den Ereignissen im russischen Reiche zu stützen. Wir sehen diesem haltlosen Gerede nochmals die Fest­stellung gegenüber, daß die Angaben über eine Einmischung Deutschlands, fei es aus Grund von Verabredungen mit fremden Höfen oder Regierungen, sei es ohne solche Abreden, aus­nahmslos tendenziöse Erfindungen sind. Wir machen diese Feststellung nicht in der Hoffnung, diejenigen bekehren zu können, die sich nicht überzeugen lassen wollen, weil sie ein Interesse daran haben, die deutsche Politik zu verdächtigen und die öffentliche Meinung Europas irrezuführen. Wir wenden uns aber an alle, die gegenüber den unredlichen Treibereien die Stimme der Wahrheit hören wollen. Es wäre erfreulich, wenn bei uns alle politischen Kreise die Entwickelung der russischen Angelegenheiten mit derselben loyalen Zurückhaltung und Ver­meidung einer einseitigen Parteinahme begleiten möchten, die sich unsere Politik zur Pflicht geinacht hat. Wir können angesichts der Vorgänge in Rußland nicht besonnen genug bleiben, so lebhaft wir auch wünschen, daß es der russischen Regierung und dem russischen Volke gelingen möge, einen Ausweg aus den inneren Schwierig­keiten zu finden.

Eine Dumafitzung in Wiborg.

Da§ in Petersburg am Montag mittag auSgegcbene und dann konfiszierte KadettenblattRjetsch" meldet aus Wiborg, daß sich dort die nach dem sicheren Finnland gereisten Duma-Abgeordneten versammelt und eine Nachtsitzung ab» gehalten haben. Auf die Stimmung der Versammlung, so fügt das Blatt hinzu, lasse die Aeußerung eines Abgeordneten schließen, daß, wenn sich in dieser Sitzung Parteihader äußere, dies beweisen würde, daß die Duma verdiene aufgelöst zu werden. Alle seien damit einverstanden, daß ein energisches Vorgehen nötig sei. Die Petersb. Telegr.-Ag. meldet aus Wiborg: Die hier versammelten früheren Abgeordneten zur Reichsduma haben beschloßen, namens der Duma ein Manifest zu veröffentlichen von folgendem Wortlaut:

An das Volk von den Volksvertretern 1 Bürger des gesamten Rußland I Durch Ukas vom 8. 7. (alten Stils) ist die Reichsduma aufgelöst worden. Ihr habt uns zu Euren Vertretern gewählt und uns beauftragt, Land und Freiheit zu erkämpfen. In Wahrung Eures Auftrages und unserer Pflicht verfaßten wir Ge­setze, um dem Volk die Freiheit z n sichern. Wir forderten die lÄitfernnng der der Verantwortlichkeit baren Minister, die, indem sie ungestraft die Gesetze verletzten, die Freiheit unterdrückten. Zu allererst jedoch wollten wir ein Gesetz erlassen betr. Vertei­lung von Land an die arbeitenden Bauern, nach welchem zu diesem Zweck Ländereien, die der Krone, der Apanagen­verwaltung, den Klösteni und den Kirchen gehörten, diesen ange­wiesen werden, und die Zwangsenteignung von in Prioatbesitz befindlichen Ländereien vorgenommen werden sollte. Die Re­gierung sand, daß ein solches Gesetz unzulässig sei, und als die Duma nochmals dringend ihren Beschluß betr. die Zwangsenteignung betonte, erfolgte die Dumaauflösung. Die Regierung verspricht, eine neue Duma nach sieben Monaten einzuberufen. Ganze sieben Alonate muß Rußland ohne Volksvertretung bleiben, um eine Zeit, wo das Volk am Rande seines Ruins steht, wo Industrie und Handel untergraben find, wo das ganze Land von Unruhen erfaßt ist, wo das Ministerium enbgiltig seine Unfähigkeit bewiesen hat, den Bedürfnissen des Volkes gerecht zu werden. Sieben Monate wird die Regierung voll Willkür handeln und gegen die Volksbewegung ankämpfen, um eine fügsame und dien st beflissene Duma zu bekommen. Wenn es oer Regierung jedoch gelingen sollte, die Volksbewegung vollständig zu unterdrücken, wird sie gar keine Duma ein- berufen.

Bürger! Tretet für die mit Füßen getretenen Rechte der Volksvertretung und für die Reichsduma ein. Nicht einen Tag darf Rußland ohne eine Volksvertretung bleiben. Ihr besitzt die Mittel, um diese zu erlangen. Die Regierung ist nicht berechtigt, ohne Einverständnis mit der Volksvertretung vom Volke Steuern zu erheben und das Volk zum Militärdienst einzu- berufen. Daher seid Ihr jetzt, wo die Regierung die Duma auf­gelöst hat, berechtigt, weder Geld noch Soldaten zu geben. Wenn die Regierung jedoch, um sich Geld zu verschaffen, Anleihen machen sollte, so sind derartige, ohne Genehmigung der Volksvertretung gemachte Anleihen ungiltig. Tas russische Volk wird sie niemals anerkennen und denkt nicht daran, sie zu bezahlen. Gebt also bis zur Berufung der Volks­vertretung keine Kopeke der Krone und keinen Sol­daten der Armee. Seid standhaft in Eurer Weigerung! Eurem einigen und unbeugsamen Volkswillen kann keine Macht widerstehen.

Bürger! In diesem erzwungenen, doch unumgänglichen Kampfss werden Eure Vertreter mit Euch sein!

Anwesend luaren in dieser Sitzung zlvei Drittel der Mitglieder und das Präsidium der Duma. Ten Vorsitz führte Murowzow. Da die Ka d e t t e n pa r t e i der Ansicht ist, daß sie nicht mehr als Vertreterin des Volkes erscheinen werde, legt sie ihre Abgeordneten Mandate nieder. Die Mitglieder der Arbeitergruppe be­haupten dagegen, das Recht zu haben, sich Volksvertreter zu nennen und sie wollen nicht vor der Wahl des neuen Parlaments auseinander gehen. Unter den Abgeordneten herrscht einiger Zwiespalt. Trotzdem wurde das Manifest von sämtlichen Anwesenden unter­zeichnet, mit Ausnahme des Grafen Heyden und des Depu­tierten Stachowitsch, die der Versammlung kaum eine halbe ^Stunde beigewohnt hatten. Besonders starken Eindruck rief die Nachricht hervor, daß der Gouverneur auf Befehl des Generalgouverneurs dem Fürsten Dolgorukow mitgeteilt habe, die Versammlung müsse unverzüglich geschlossen werden. Infolgedessen ließen diejenigen Deputterten, welche gegen einige Punkte des Manifestes Bedenken hatten, diese fallen und unterzeichneten ebenfalls. Die Mehrzahl der Deputierten ist dann nach Petersburg ab gereist.

Nach einem Privattelegramm aus Wiborg sollen dort Deputierte des Heeres der Duma die Hilfe der Ar­mee zur Verfügung gestellt haben.

Weiteres vou der Reaktion.

Durch kaiserlichen Ukas ist auf Grund des Arttkels 99 der Staatsgrundgesetze die Einstellung der Tättgkeit des Reichsrates bis zum 5. März 1907 verfügt worden. Ein anderer Ukas verhängt den Kriegszustand über das Gebiet der Don sch en Kosaken.

Der Petersburger Stadchauptmann hat auf Grund des über Petersburg verhängten Zustandes des außerordent­lichen Schutzes Versammlungen und Umzüge ver­boten. Die Hausbesitzer sowie die Portiers sind zur Unter­stützung der Polizei verpflichtet.

Der Ministerpräsident bcichüftigt sich zurzeit mit der Reorganisation des gegenwärtigen Ministerrats, dessen Mitglieder durch andere ersetzt und vermehrt werden sollen.

Die Veröffentlichung des Programms des Minrsterrats wird für die nächsten Tage erwartet. Den ersten Punkt

Nr. 171

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außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem besfischeu Landwirt die Gießener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brü hl'scheu Un ivers.-Buch-u. Steiu- btudereL R. Lange. Redaktion. Erpeditton und Druckerei:

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Anzeiger Gießen.

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