Nr. 24S Zweites Blatt
L 86. Jahrgang
Dienstag 33. Oktober 1900
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.
Die „Gießener Famittenblätter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
vietzener Anzeiger
Rotationsdruck rmd Verlag der Brühl'sche« Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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H'rolog.
Das Interesse an dem gelungenen Räuberhauptmann von Köpenick begrünt nachzulassen. Mit der vorgeschrittenen Jahreszeit beginnt das politische Leben heftiger zu pulsieren, und je näher die Parlamentszeit rückt, desto auf» geregter zeigen sich die Parteien. Schon haben sie, mit denen unser deutsches .Vaterland zum Ueberdruh reichlich gesegnet ist, ihre „Tage" abgehackten und schöne Resolutionen und Beschlüsse gefaßt — freilich ist es nicht überall so glimpflich abgegangen wie ber'den Re sornrp art eien, die voller Brüderlichkeit mit den Deutschsozialen reden trotz des Bruderzwistes in Rinteln (vgl. den heutigen Partei- taaZbericht), und den Frei konservativen, die gleichfalls dieser Tage sich versammelten und wieder als ein Herz und eine Seele in den Kampf ziehen, wenn ihnen in Wirklichkeit auch nicht so einmütig zu Sinne sein mag. Auf dem Mannheimer Parteitag, in Goslar und anderwärts sind die Gegensätze innerhalb der Parteien schroff auseinandergeplatzt, aber inan hat sie glücklich zu überdecken verstanden mrd zieht nun allenthalben scheinbar wohlbewafsnet und mit schneidiger Wehr in den politischen Kampf.
Der Aufmarsch der Parteien ist freilich nicht so lebhaft wie einst. Wer von? kommenden Winter endlich einmal politische Großtaten erwartet, der ivird sich verrechnen.
Freilich, wenn der Reichstag zusammentritt, wird ein großes Streiten anhieben. Sicher sorgt die gesamte Linke dafür, daß die Fleischt en erun g sofort zur Sprache gebracht wird. Dieser Punkt ist noch der einzige, über den man sich im Reichstag noch ein wenig aufzuregen vermag, alles andere ist nebensächlich geworden, und man findet es kaum der Mühe wert, sich zu erhitzen. Unsere große Zett ist vorüber, und was uns einst himmelhoch jauchzen ließ, des deutschen Reiches Wiedererstandene Größe und Herrlich- kett — es «ist arg verblaßt. Ja, wenn der Abg. Büsing recht gehabt hätte, als er im Reichstag mit Emphase davon sprach, daß wir alle noch dse Sieaesglocken vom Jahre 1871 klingen hörten! Mer das ist nicht der Fall, und außerdem! unsere Träumt von einst find nicht in Erfüllung gegangen. Gewiß Hut sich das Reich aufwärts entwickelt, und hat den Welttnarkt erobert. Wer um welchen Preis? Hat der Inlandskonsument nicht bitter für das bezahlen müssen, was unsere Exporteure die Ausfuhr und das Behaupten auf dem Weltnrarkt kostete? lind was die inneren Wirtschaftsverhältnisse anlangt — wohl ist diel für die unteren Volksschichten getan worden, aber leider auch viel gegen sie. Wir sind mit Steuern verankert, daß uns die Augen tropfen, unsere Lebensmittel sind verteuert, daß bei den unteren Schichten das Sattessen immer schwieriger wird.
Wo sollen unter diesen Verhältnissen Ideale noch Platz haben? Die Politik von heute ist eine Magenpolitik, rind ihre Vertteter sind zum größeren Teil auch nicht mit dem Herzen, sondern mit dem Magen linteressiert. Daraus resultiert der Verfall, und daraus resultieren „Schwarzseherei" und Mißstimmung, wovon ja heute bei den Re- sormparteilern wieder ausgiebig die Rede war. Wir hoffen ja auf 'bessere Zetten, aber die kommende Parlamentszeit bringt sie uns sicher nicht.
Versammlung des ZLürgervereins.
Gießen, 23. Oktober.
Das große Interesse, das die hiesige Bürgerschaft der Frage der Kanalisationsgebühren entgegenbringt, bewies der außerordentlich starke Besuch der gestrigen ersten Winteroersaminlung des Bürgervereins im »Neuen Saalbau". Auch zahlreiche Mitglieder des StadtoorstandeS benutzten die Gelegenheit, die Wünsche der Bürgerschaft in dieser hochwichtigen Frage unmittelbar kennen zu lernen.
Um 8 Uhr eröffnete der Vorsitzende, Lehrer Valentin Müller, die Versammlung mit herzlicher Begrüßung der Anwesenden, insbesondere die Mitglieder der Stadtverwaltung. Magen- und Geldfragen bewegten ja in besonderem Maße das Interesse der Bürger und Steuerzahler, das beweise wiederum der gute Besuch der heutigen Versammlung, in der die Frage der Fleischteuerung und der Kanalgebühren auf der Tagesordnung ständen. Er hoffe, daß die heutige Besprechung, die auf Grund eines sachlichen Neferates erfolgen werde, zum Wohle der Stadt beitragen werde. lieber den anderen Gegenstand der Tagesordnung, die Fleischteuerung, bedürfe es wohl keiner längeren Besprechung, denn jeder spüre in seinem eigenen Haushalt die Folgen.
Gastwirt Jaskowsky, der Schriftführer des Bürger- veceins, verlas sodann folgende Resolution zur Sache der Fleischnot, die der Staatsrcgierung und dem Bundesrat unterbreitet werden soll:
Die nun schon Länger als ein Jahr anhattende und immer noch steigende Fleischteueruug lastet schwer auf dem Volke. Große Massen besonders der städtischen Bevölkerung sind gezwungen, ihren Fleischverbrauch einzuschränken und zu niinbertoertiger Ernährung überzugehen.
Die heute in Gießen zusammengettetene allgemeine Bürger- versammlmig erblickt in dieser Entwicklung eine ernste Gefahr für das Gedeihen aller gewerblichen Arbeit, für Kraft und Gesundheit breitester Volksschichten und damit überhaupt für die nächste Zukunft unseres Volles und Vaterlandes.
Sie richtet daher an Großh. Staatsregierung die Dringende Bitte, bei hohem Bundesrat dahin wirken zu wollen, daß die Eür- fuhr ausländischen Viehes in weitersehendem Maße unter Beobachtung der notwendigen sanitären Vorsichtsmaßregeln baldmöglichst freigegeben werde.
In der Diskussion ergriff Hauptmann a. D. Oelse das Wort, der nach seinen Ausführungen bis vor kurzem ein landwirtschaftliches Gut mit größerer Viehproduktion bewirtschaftet hat. Er wies daraufhin, daß die Oeffnung der Grenzen ihre zwei Seiten habe und mit dieser Maßregel, wenn nicht die geeigneten Schutzmaßregeln ergriffen würden, unter Umständen der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben werden würde. Zu den Ursachen der Fleischnot trage übrigens auch das fast völlige Verschwinden der Schafzucht bei, ferner die vielfach vorhandene Abneigung gegen die Scbweineruckrtt die
durch die stets drohende Seuchengefahr hervorgerufen sei. Er sei an sich nicht gegen die Forderung der Grenzöffnung, aber Garantieen gegen die Einschleppung von Seuchen müßten vorhanden seim Zum Teil werde die Fleischteuerung auch durch den Zwischenhandel heroorgerufen und die Vieh-Großhändler- kreise seien es auch, die die Forderung der Grenzöffnung am lautesten stellen. Für die Schweinezucht, die auch vielfach zur Preisbestimmung für das Rindvieh bestimmend sei, wären die Futtermittelpreise maßgebend und bei Zeiten hoher Kartoffelpreise fielen namentlich die teuren Preise für die Futter- crsatzmittel, Mais, Reismehl usw., ins Gewicht, auf denen hohe Zölle ruhten. Er bitte, der Resolution eine allgemeinere Fassung zu geben.
Stadtv. Krumm führt au5, daß die Fleischteuerung um so härter empfunden werde, als gleichzeitig auch fast alle übrigen landwittschaftlichen Produkte im Preis erheblich gestiegen seien. Hinsichtlich der schlimmen Wirkung der Futterzölle stimme er mit dem Vorredner überein, aber diese seien im Interesse einer verschwindenden Minderheit der großen Grundbesitzer geschaffen worden. Zwei Drittel des deutschen Volkes hatten überein keine Landwirtschaft und auch die kleinen Landwirte hatten keinen Vorteil von den jetzigen hohen Preisen. Eine ziel- und planlose Grenzöffnung wolle wohl niemand, aber die Einfuhr von größeren Quantitäten Schlachtvieh sei recht gut mit einem entsprechenden Seuchenschutz zu vereinbaren. Er bitte, der Resolution ohne Abänderung zuzustimmen. (Zustimmung.)
Die Resolution fand fast einstimmige Annahme. Auf Vorschlag des Stadtv. Eichenauer wurde beschloßen, die Resolution direkt an die Staatsregierung und den Bundesrat zu richten, anstatt den Umweg über die Stadtoerordneten- Versammlung zu wählen, da die Stadtverordneten-Versamm- lung ihre Meinung über die Fleischteuerung in unzweideutiger Weise zu erkennen gegeben hat. Die Resolution fand zahlreiche Unterschriften und soll noch in hiesigen Geschäften ausgelegt werden, damit sich auch die Nlchtanwesenden unterschreiben können.
Hierauf erstattete Rechts anwalt Leun ein anschauliches Referat über die Frage der Kanalgebühren in Gießen. Angesichts dec Wichtigkeit der Sache für die gesamte. Bürgerschaft werden wir, vielfach geäußerten Wünschen enisprechetrd, morgen den Vortrag wörtlich wiedergeben, weshalb wir uns heute mit der Feststellung begnügen, daß die eingehenden Erörterungen des Vor- ttagenden geeignet waren, allen Interessenten ein klares Bild der in Frage kommenden Gesichtspunkte zu geben und auch für die demnächsttge Beratung in der Stadtverordnetenversammlung schätzenswerte Unterlagen und Fingerzeige zu bieten.
Das Referat fand den lebhaftesten Beifall der Versammlung und der Vorsitzende sprach dem Redner den wärmsten Dank des Bürgervereins-Vorstandes für seine mühevolle Arbeit aus.
In der Diskussion führte Revisionsbeamter Grünig aus, daß es Hauptsache sei, den Steuerzettel nicht noch mehr anschwellen zu lassen, also müsse wohl der Hausbesitzer in erster Linie heranKuziehen sein, daneben habe die Allgemeinheit zu den Kosten beizutragen. Er schlage vor, die Hausbesitzer und Steuerzahler je zur Hälfte heranzi^iehen, da die Heranziehung der Dkieter die Berechnung zn kompliziert mache und auch die Berechnung nach der Höhe der Miete nicht gerecht sei. Die Hausbesitzer sollten nach dem Brandkatasterwert herangezogen werden, während der die Allgemeinheit treffende Teil durch besondere Steuerzuschläge zu erbeben sei.
Rechtsanwalt Leun Wendet sich dagegen, daß die Heranziehung der Mieter eine komplizierte Berechnungsweise bedinge, und hält es für unbillig, eine einzelne Klasse bei der Kostendeckung nicht heranzuziehen. Aufseher Bräutigam ist auch der Ansicht, die Kosten die Allgemeinheit tragen zu taffen unter Ausschluß der drei untersten Steuerklassen (bis 900 Mk. Einkommen) und progressiver Stei- gernng der Beiträge.
Von einer Beschlußfassung über den Gegenstand wurde abgesehen, und es soll dem Stadtvorstand überlassen bleiben, die Frage unbeeinflußt zu entscheiden. Aus der Mitte der Versammlung wurde noch der Wunsch ausgesprochen, daß der Vortrag gedruckt werden möge.
Oberlehrer Werner bemerkt sodann zur Geschäftsordnung, daß durch Abänderung der Reihenfolge üi der Tagesordnung es einigen Bcsnckern der Versammlung nicht möglich gewesen sei, ihren von oer beschlossenen Resolutton abweichenden Standpunkt in Sachen der Fleischnot geltend zu machen. Der Vorsitzende erwidert, daß die Abänderung der Tagesordnung aus Zweckmäßigkeitsgründen erfolgt und es den Gegnern der Resolution unbenommen gewesen sei ,sich zum Wort zu melden.
Eine eingegangene Anfrage bettifft die Frage der elektrischen Beleuchtung des Selterswegs. Sie besagt, daß in der Bürgerschaft die Ansicht herrsche, angesichts der verhältnismäßig geringen Brette des Selters- wegö sei die Gasbeleuchtung dort ausreichend. Dagegen werde es dankbar empfunden werden, wenn die vorhandenen Plätze (Krenzplatz, Vwrktplatz, Lindenplatz, Landgraf Philipp- Platz und Ludwigsplatz), die vier Tore uni> event. noch die Südanlage durch Bogenlampen beleuchtet werden.
Eine wettere Anfrage beschäftigt sich mit der elektrischen Bahn. Bor Monaten schon habe die Stadt- verordnetenversamnttnng den Oberbürgermeister und die in Bettacht kommenden Deputationen beauftragt, die erforderlichen Erhebungen anzustellen; seitdem habe man nichts mehr von der Sache gehört. Der Fragesteller bittet um Auskunft, ob inzwischen etwas in der Sache geschehen sei und wenn dies nicht der Fall sei, welche Grunde für diese langsame Behandlung der Sache vorhanden seien. Jedenfalls sei die Frage so zu fördern, daß die Gleislegung gleichzeitig mit der demnach fügen Umpsla steru n g der Straßen erfolgen könne.
Stadtv. Kir ch bemerkt, daß er zu den Stadtverordneten aehöre. die die Lcage der eie ttrtf dien Beleuchtung des
Selterswegs angeregt hätten. ES sei oies geschehen, wett zurzeit mit der Herstellung der Bürgersteige begonnen worden sei und für nächstes Jahr die Umpflasterung der Fahrbahn in Aussicht stehe. Aus diesem Grunde sei eine Verbesserung der Gasbeleuchtung von der Bürgermeisterei vorgeschlagen worden, die 1600 Mk. erfordern werde. Angesichts dieser Umstände sei die Frage, ob man die Haupt- verkehrssttaße der Stadt elektrisch beleuchten solle, wohl erwägenswert, damit nicht, wenn vielleicht in wenigen Jahren die Sache dennoch zur Ausführung gelange, das jetzt für die Verbesserung der Gasbeleuchtung auszmven- dende Geld nutzlos ausgegeben werde.
Gastwttt I a s k o w s k y hätt die Gründe, die zur Aufwerfung dieser Frage geführt hätten, für beachtens- und anerkennenswert, meint aber, man solle mit der elektrischen Straßenbeleuchtung an den toten außerhalb des Verkehrs liegenden Plätzen beginnen, damit die dortigen Geschäftsleute nicht noch mehr -ins Hintertreffen gerieten. Wetter verbreitet er sich über die elekttifche Bahnfrage.
Stadtv. Kirch erwidert, es sei wohl klar, daß man die elektrische Beleuchtung nicht in allen Straßen gleichzeitig einsühren könne und da sei es wohl das richtigere, daß man wie in anderen Städten mit der Hauptgeschäftsstraße beginne. Wegen der elektrischen Bahn könne man in der Stadtverordnetenversammlung nichts weiter tun, als immer wieder zu interpellieren, und das geschehe fortwährend.
Auch hierüber wirb kein Beschluß herb ei geführt und die Versammlung alsbald geschlossen
Ans Stadt nnd Land.
Gießen, 23. Okt. 1906.
— Der Oberhessische Verein füc innere M ission wird sein JahreSfest am 13, und 14. November in der üblichen Weise begehen. Am 13. wird zunächst der Verband der Oberh. ErziehungSoereine tagen, bann in der öffentlichen Versammlung der Synodaloertteter Prof. DrewS über Sektenwesen in Oberhessen berichten. Die Fest- prebigt wirb Pfarrer Volp auS Laubach halten. Bei der freien Abenbversammlung in SteinS Gatten wirb Profesior Dr. Wurster über die Fürsorge für bie konfirmiette Jugenb, Pastor JuleS Rambanb über bie belgische MissionSkirche reben. Bei ber Hauptversammlung am 14. wirb über bas Thema »Schuld unb Unglück" verhanbelt werben, worüber Pfarrer Naumann auS HubertuSburg baS Referat erstatten wirb.
x Staufenberg, 22. Okt. Die Zwetfchenernte neigt sich enblich ihrem Enbe zu. Sie war hier so reichlich wie an cmberen oberhessischen Otten, von benen bereits berichtet winde. Man schätzt bie Summe, bie von Hänblern hier ausbezahlt würbe, auf über 5000 Mk. Dies entspricht ungefähr 2500 Zentnern. Wenn man bebenkt, baß bie Frcrcht gepflückt werben nmßte, so ist hier eine recht beträchtliche Arbeitsleistung enthalten, aber auch ein ganz schöner Verdienst, trotz bes billigen Preises. Viele hunbett Zentner würben noch selbst verarbeitet unb Vorrat an Honig auf viele Jahre geschaffen.
* Kinzenbach, 20. Okt. Dank ber günstigen Witterung macht ber Schul hausn eub au gute Fortschritte. Auch hier reicht bie Geschichte bes alten SchulhauseS bis in sehr alte Zeiten zurück. Kinzenbach war, wie so viele Otte der Gegend, ehemaliger Sitz verschiedener Familien, wie der Herren von Kmzenbach, von GönS u. f. f. Im Jahre 1790 löste sich der inmitten bes Dorfes gelegene GutShof auf unb die Gemeinde kaufte besten Wohngebäude zum SchulhanS. Aeußerlich ist bas HauS noch gut erhalten, aber in feinem Innern mürben im Saufe ber Jahre umfassende Reparaturen nötig, um eS als Schule beibehalten zu können. So geschah es, baß im Juli 1867 ber Hauptbalken (Träger), auf ben der Schulsaal ruhte, einftürzte unb im April 1872 brach währenb bes Unterrichts ein Teil bes Fußdobcns em, wodurch in beiden Fällen der Schulunterricht längere Zeit ausgesetzt werben mußte. Seit bem Frühjahr 1889 ist in bem im Schulhaus untergebrachten früheren Gemeinbezinuner bie zur Errichtung gekommene zweite Schulklasse untergebracht. Alle biese Umstände, vor allem bie wachsenbe Kinberzcchl, haben ben Schulhausneubau zur Notwenbigkeit gemacht. Tie neue Schule wirb au5 Steinen ber hiesigen Dampfziegelei gebaut unb eine Zierbe unserer Bahnhofsstraße werben.
—r.— Fellingshausen, 20. Okt. Der Bergbau ist ,in unserer Gegend vor Jahren zum vollständigen Stillstand gekommen. Es wurden in den 70er Jahren (1875) auf den am Fuße des DünSbergs gelegenen «Gruben „Meick- hard" und „Eleonore" bedeutende Mengen Brauneisensteinerze zutage gefördert. Beide Gruben hatten in jener Zeit die höchsten Leistungen im Bergbaurevier Wetzlar aufzuweisen, da durchschnittlich 66182 Ztt. auf den Mann und das Jahr zu rechnen waren. Seitdem sehen sich viele Bergleute unserer Gegend genötigt, auswärts, so vor allem auf dem großen Braunsternbergwerk Gießen Arbett zu nehmen. Dura) Benutzung der Biebertalbahn ist dieses Werk auch für die hiesigen Bergleute eine günstig gelegene Arbeitsstätte geworden
==■ Sau bad), 21. Okt. Der in Gießen beschäftigte Buchhändler August Klip stein von hier erlitt vor roenigeu Tagen einen Unfall. Er stürzte vom.Rabe, als er ,Frei- lauf" üben wollte, unb brach ben rechten Vorberarm.
)( Weickartsh a i n, 21. Ott. Daß nicht die gegebene Höhenznlage allein hie Lehrer bewegt, sich um abgelegene Orte im Vogelsberg zu melden, zeigt die Schule im benachbarten Ältenhain. Hier versuchte man 10 Jahre lang die erledigte Schulstelle befimtw zu besetzen. Vergeblicher Versuch, wegen der dürftigen Wohnungsberyältnisse lief feine Meldung ein. Vor wenigen Wochen wurde dorr ein neues eingcweiht, das eine prächtige Lehrerwohnung enthält. Inzwischen konturvierten'ber der definitiven Besetzung schon drei Lehrer. Man verschaffe also bessere! Lehrerwohnungen. ähnlicher Fall liegt hier vor. Schon


