Ausgabe 
23.3.1906 Erstes Blatt
 
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In Audienz empfangen wurde von e. K. H. dem Großherzog am 21. März nachmittags der frühere Keichskommissar der Weltausstellung in St. Louis Geheimerat Lewald.

Erledigt ist eine mit einer katb. Lehrerin zu be­setzende Leh re rinn en stelle an der Gemeindeschule zu Ockenheim und die mit einem cvang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an dec Gemeindeschule zu Lardenbach. Mit der Stelle ist Organisten- und Lektordienst verbunden. Den Freiherren Niedescl zu Eisenbach steht für diesmal das Präsentationsrecht zu.

Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Schulamts aspiranten 9lbnm Hübner au5 Wald-Michelbach die 2. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Offenthal, der Schulamtsaspirantin Franziska Kolb aus Ober-Olm eine Lehrerinnenstelle an der Gemeindeschule zu Mühlheim (Kr. Offenbach). Bestätigt wurde der von dem Fürsten zu Lömen- stein-Wertheim-Rosenberg und dem Fürsten und Grafen zu Erbach-Schönberg auf die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Birkert präsentierte Schulamtsaspirant PH. Zimmer­mann aus Esselborn.

Das Staatspapiergeld vom 1. Juli 18 6 5 verliert am 1. Januar 1907 seinen Wert und kann einen Anspruch an den Staat nicht mehr begründen. Mit dem genannten Zeitpunkt wird die Einlösung des Staatspapier- geldeS bei der Großh. Staatsschuldenkasse aufhören.

Nationalliberalcr Verein. Da Reichstags­abgeordneter Hagemann für den kommenden Sonntag schon einen Vortrag in Lauterbach und für Montag einen solchen in Darmstadt zugesagt hat, kann er hier erst in den ersten Tagen de§ April sprechen. Der Termin wird später bekanntgegeben.

** Aus dem Bureau des Stadttheaters. Nochmals sei auf das heutige Benefiz des verdienst- bollen Regisseurs Georg Wittmann hingewiesen, der bekanntlich Dr. Klaus zu seinem Ehrenabcnd gewählt hat. Am Sonntag hat Herr Bruno Reimer seinen Benefizabend, zu dem er den SchwankRaub der Serbin erinnert" gewählt hat. Die Paraderolle des Striese dürfte Herrn Reimer besonders liegen, da er geborener Sachse ist. Um besondere Abwechslung zu bieten, wird er im Verein mit der Ballettmeisterin Frl. Oldini eine Balletteinlage zum Besten geben, die als Zeichen der Vielseitigkeit des Herrn R. noch besondere Anziehungskraft ausübcn dürfte.

* Mehrere Mansardendieb st äh le wurden gestern hier von unbekanntem Täter ausgeführt. Zwei silb. Damen­uhren nebst Ketten und Baarbeträge von 40 und 25 Mark fielen dem Dieb zur Beute. Darüber, daß alle Diebstähle von einem und demselben Täter ausgcführt und daß es sich um einen gewerbsmäßigen Mansardendieb handelt, besteht kein Zweifel.

Lohnbewegung der Steinmetzen. An sämt- lichc Steinmetzgeschäfte in Gießen und Umgegend wurde von den Gehilfen wegen der fortwährend steigenden Preise der Lebensrnittel und anderer Bedürfnisse eine Lohnforderung unterbreitet. Hoffentlich werden bei den Verhandlungen der Meister und Gehilfen nicht zu scharfe Gegensätze zu Tage treten, damit nicht andere Erwerbskreise in Mitleidenschaft gezogen werden.

In Amerika verstorbene Hessen. Frau Marie Margarethe Kessel, geb. Zimmermann, aus Selzen, 82 Jahre alt, zu Richfield, Wis. Frau Anna Christine Gettmann, geb. Kreuz, aus Fränkisch-Crumbach, 62 Jahre alt, zu Pitts- bürg, Pa. Frau Elisabeth Pfeffer, geb. Schmidt, aus Alsfeld, 35 Jahre alt, zu Cleveland, O.

p. Klein-Linden, 22. März-. Dieser Tage erhielt die hiesige Familie Mathes vom Norddeutschen Lloyd die Nachricht, daß ihr Sohn, der vor etwa zwei Jahren als Schiffsjunge eintrat, mit seinem Schiff nicht in den Hafen zurückkehrte und seitdem vermißt wird. Der hoffnungs­volle junge Mann ist 18 Jahre alt und besuchte vor seinem Eintritt zum Norddeutschen Lloyd das Gymnasium zu Gießen.

p Lollar, 22. März. Bei der heutigen Bcigeord- netenwahl wurde das Mitglied bcs Gemeinderates Wagnermeister Karl Schwalm mit 124 Stimmen ge­wählt. Gegenkandidaten waren nicht vorhanden.

t. Beuern, 21. März. Der Mazzenbäcker Aron Gries­heim von hier stürzte gestern so unglücklich, daß ec sich schwere Verletzungen an Kopf und Arm zuzog. Er mußte sich vom Arzt den Kopf vernähen lassen.

() Bad-Nauheim, 22. März. Für die Usatal- bahn Bad-Nauheim Usingen sind die Absteckungs­und Vorarbeiten beendet, die Gemeinden haben schon vor einiger Zeit die kostenlose Stellung des Geländes und Bei­träge zu den Kosten bewilligt. Man hofft auf eine baldige Inangriffnahme der Strecke. Nennenswerte Geländeschwie­rigkeiten stellen sich dem Projekt nicht entgegen, da die Linie erst eine Strecke von zirka 1 Km. der dNamweserbahn nordwärts folgen und dann in das Usatal einmünden und fortgesetzt der Ufa folgen soll. Die Bahn wird in Usingen an die genehmigte Weiltalbahn UsingenWeilmünster an­schließen. Die preußischen Landräte haben vor kurzem beide geplanten Strecken besichtigt. Das Eisenbahnbaubureau, das seither in Nidda sich befand, wird ab 1. April nach Usingen verlegt. Die beiden Bahnstrecken werden unseren Badeort in direkte Verbindung mit Taunus, Weiltal und Lahntal bringen.

A. Büdingen, 22. März. Dem Gendarmerie-Ober- wachtmeister Schmidt hier wurde vom Fagdschutzverein für besondere Tätigkeit und Verdienste um den Jagdschutz eine Geldprämie von 30 Mk. zucrkannt.

Mainz, 22. März. Der Verein Mainzer Kaufleute beschloß, bei der städtischen Verwaltung im Sinne der Ein­führung des obligatorischen Acht-Uhr-Ladenschluss es vorstellig zu werden. Für die Zigarrenbranche soll der Laden- schluß auf 9 Uhr abends ffestgesetzt und für alle Branchen das Offenhalten der Läden am Samstag bis 9 Uhr statthaft >->n. (Srtf. Ztq.)

Mainz, 21. März. Die Staatsanwaltschaft macht be­kannt, daß vor einigen Tagen bei den Erdarbeitcn an dem Bahnhof Kurve ein weibliches Skelett, das 30 bis 35 Zentimeter tief unter dem Feldweg lag, aufgefunden worden ist. Das Skelett liegt seit etwa 15bis20Jahren unter der Erde und gehört einer Person von etwa 20 bis 22 Jahren an. Wahrscheinlich liegt ein Lustmord vor. Tie hier domilizierte Fleische r-Berufsge- vossenschast bezahlte im Jahre 1905 an Unfallend- schädigungsgcldern 698 461 Mk., gegen 608243 Mk. im Jahre 1904. (Frkf. Ztg.)

Worms, .90. März, Gestern und heute konnten bri

der Tieferlegung oes FutzvodenS am Ostchor des Dornes eine Anzahl Gräber bis jetzt 11 freigelegt werden, von denen man annimmt, daß es Bisch ofs- oder Her- zogSgräber find. Heute nachmittag fanden sich der Kirchenvorstand zu St. Peter und der Vorstand des Alter­tumsvereins an der betreffenden Stelle im Dome ein, um der Oeffnung der Gräber beizuwohncn. Von Darmstadt waren dazu erschienen Geh. Oberbaurat Prof. Hofmann, Kunstpfleger Dr. Müller, Professor der Kunstgeschichte Dr. Kautsch und RegierungSrat Dr. Kranzbühler. (W. Z.)

= Wetzlar, 22. März. Am 18. d. Mts. tagte im Hotel Kalt-- wasser die Generalversammlung des Mitteldeutschen Ka­ninchenzüchter-Verbandes. Es waren Vertreter von ollen Vereinen anwesend. Der Verband erstreckt sich über die Rbeinprovinz, Hessen-Nassau, Großherzogtum Hessen und Waldeck. Zum Verbandsvorsitzenden mürbe Theodor Viehmann aus Kinzenbach gewählt. Die Bundes-Ausstellung findet Ostern in Kinzenbach statt, an ihr beteiligen sich alle Verbandsvereine mit insgesamt über 1000 Vieren. Die Ausstellung soll dazu bei­tragen, den Sinn für die Kaninchenzucht immer mehr zu wecken.

p. Biskirchen (Lahn), 22. März. Heute morgen wurden hier zwei Scheuern und ein Wohnhaus ein Raub der Flammen. Die Entstehungsursache des Brandes ist unbekannt.

[] Marburg, 22. März. In der gestrigen Stadt­verordnetensitzung kam eS wegen der auch schon in diesem Blatte erwähnten Vergebung der Fenster an eine Firma in Weimar wieder zu einer äußerst erregten Debatte. Bei der Submission erhielt bekanntlich die letztere den Zuschlag, weil sie mit 12 240 Mk. das billigste Angebot abgab; die Forderung der hiesigen Schreinermeister betrug 3517.57 Mk. mehr. Die Beschwerde der Schreinerinnung an die Regier­ung, der Protest einer großen Handwerkerversammlung und der Stadtverordneten usw. hatte keinen Erfolg und die Firma behielt den Auftrag. Der hinkende Bote kam aber nach, denn als kürzlich das Probefenster hier eintraf, zeigte es sich, daß dasselbe absolut nicht den gestellten Bedingungen ent­sprach. Gestern brachte nun der Obermeister der Schreiner- innung, Stadtv. Bang, die ganze Angelegenheit zur Sprache, weil zu befürchten stehe, daß Marburg ein neues Sch ul- gebäube ohne Fenster bekäme; die Firma könne viel­leicht gar nicht rechtzeitig liefern. Es wurde schließlich be­schlossen, daß eine Sachverständigen-Kommission nach Weimar reist und nachsieht, ob und wann eigentlich Fenster geliefert werden.

Ems, 22. März. Hier verlautet, daß der Kaiser in diesem Jahre eine Badekur gebrauchen und in Koblenz vorübergehend Aufenthalt nehmen wird.

** kleine Mitteilungen aus Hcsse n und den Nachbarstaaten. Die preuß. Regierung hot die Bestätigung bet Wahl desi Lehrers Schick'in Amöneburg bei Marburg zum Bürgermeister dieses Städtdreus versagt.

Französisch-belgischer Bergarbeiterausstand.

Lens, 22. März. Versammlungen von Bergarbeitern fanden heute in mehreren Zentren statt. Die Redner traten dafür ein, daß die Forderungen der Föderation Syndikate angenommen werden, nämlich 8 Francs Lohn und der Acht­stundentag, und suchen darzulegen, daß das Programm des Kongrcffes für die Arbeiter nicht zufriedenstellend sei.

Aus Mangel an Kohlen wird in den Fabriken von Denain und Anzin, die gegen 6000 Arbeiter beschäftigen, die Arbeit eingestellt werden müssen. Auf Schneefall folgte strenge Kälte.

Mons (Belgien), 22. Marz. Man befürchtet hier den Ausbruch eines Bergarbeiterstreiks im Zusammenhänge mit dem Ausstande in Frankreich. Die Arbeiter einer Anzahl Gruben haben Lohnaufbesserungen verlangt, und falls diese nicht bis zum 1. Aprst bewilligt werden, wird der Streik proklamiert werden. Einige partielle Streiks haben bereits begonnen, wurden aber infolge der entgegenkommenden Haltung der Grubenleitungen sofort beigelegt.

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E s n, 22. März. Zu der Meldung, daß die deutsche Rettungsmannschaft der von der Volks Universität in Paris ansgefvrochenen Einladung zu dem Besuch der fran­zösischen Hauvtstadt am 21. März Folge zu leisten beabsichtigt hatte, wird von zuständiger Seite gemeldet: Tatsächlich wurde die zu­nächst auf telegraphischem Wege ciugegangenc Einladung alsbald nach Eintreffen der in der Depesche in Aussicht gestellten brieflichen Wiederholung in höflicher Form mit der Begründung abgelebnt, daß die Abwesenheit der deutschen Rettungsmannschaft von Billy Montigiiy unmöglich ist, solange noch die Bergungsarbeiten im Gange sind. ______________________________

Die Ermordung des Oberstleutnants Roos.

(Unberechtigter Noc'idruck verboten.)

H. F. Düsseldorf, 22. März.

Ein entsetzliches Verbrechen gelangte vor dem Schwurgericht zur Verhandlung. In M.-Gladbach besaß der 48 Jahre alte Oberstleutnant Wilhelm Roos eine Villa, die er allein bewohnte. Um nicht allein zu fein, nahm er ein junges Ehepaar, den Fabrik­arbeiter Adolf Blömers und Frau, in seine etwas einsam ge­legene Villa. Frau Blömers sollte dem Oberstleutnant Aufwarte- menste leisten, dafür hatte er dem Ehepaare das Erdgeschoß als Wohnung abgetreten. Außerdem zahlte er der Frau Blömers monatlich 15 Mark. Im Oktober v. I. faßten die Leute den Entschluß, den Oberstleutnant zu ermorden, um sich in den Besitz seines Vermögens zu setzen.

Die Ermordung im Keller.

Das Ehepaar beschloß, die Ermordung im Keller vorzunehmen. Möbelpolier Leonard Blömers erklärte sich bereit, sich an der Ermordung zu beteiligen. Am Abend des 22. Oktober hatte der Oberstleutnant in einer Gesellschaft den Geburtstag der Kaiserin gefeiert. Am andern Morgen machten die Brüder Blömers int Keller großen Lärm. Sie seblugen mit einem Hammer auf die dort aufgestellten Fässer mit solcher Gewalt, daß man sein eigenes Wort nickt hören konnte. Der Oberstleutnant lief in den Keller, um sich Ruhe auSzubitten. Katlm hatte er aber den Keller betreten, da schlugen die Männer, jeder mit einem Hammer be­waffnet, ihm auf den Kvpf, bis sie die Ueberzeugung erlangt hatten, der Oberstleutnant sei tot.

Daö Frühstück der Mörder.

Darauf begaben fick die Unholde in ihre Wohnung, um zu rühstücken. Es wurde beratschlagt, wie man am unauffälligsten die Leiche beseitigen könne. Dabei wurde der Vorschlag gemacht, ich zunächst des Geldes zu bemächtigen, dann aber brr Polizei zu melden: Der Oberstleutnant habe Adolf Blömers angegriffen, infolgedessen habe Letzterer den Oberstleutnant in der Notwehr er- culagen.

Die wiedererwachte Leiche.

Plötzlich drang ein leises Stöhnen aus dem K'ellcr empor. Kein Zweifel, der Oberstleutnant war noch nicht tot. F-rau Mmers rief zornentbrannt:Das habt Ihr schlecht gemacht. Nun schlagt den Kerl vollständig tot. Ihr habt die Sache einmal angefangen, nun führt sie auch auä". Die Blömers liefen in den Keller. Der Oberstleutnant war aus seiner Betäubung erwacht und hatte sich am Geländer der Kellertreppe aufgerichtet. Die Entmenschten 'chlugen mit Hammer iund Beil aufs Neue auf den Oberstleutnant ein. ALdann fügten £ie dem noch zuckenden Körper

d en Kops a v. T>a Der goldene pitng sich nicht vom Finger ziehen ließ, so wurde der Leiche auch der Ringfinger abgesagt. Die Mörder waren darauf bemüht, die Blutspuren zu beseitigen.

Die Beseitigung der Leiche.

^Am Nachmittag wurde der Kops in einem dem Oberstleutnant gehörigen Handkoffer herausgeschafft und verscharrt. Der Koffer, Kleidungsstücke, Wäsche usw. und der abgehackte Finger wurden verbrannt. Den Rumpf hatten die Mörder in Pa eklem wand eiu- genäht. Von der Dunkelheit geschützt, fuhren sie den Rumpf auf, einer Ziebiarre hinaus und vergruben ihn in der Nähe des Kopses. Sie hatten nur 280 Mark bares Geld gesunden, da der Oberstleutnant sein Vermögen in Wertpapieren hinterlegt hatte.

Es fiel sehr bald auf, daß der Oberstleutnant nicht mehr zu sehen war. Den Fragern wurde bedeutet: Der Oberstleutnant sei auf längere Zeit verreist.

Die Verhaftung.

Dem Krimmalkommissar Heinzerling kam die Sache ver­dächtig vor. Er ließ die Blömers durch seine Beamten über­wachen. Letztere machten die Wahrnehmung, daß die Blömers Wertgegenstände des Oberstleutnants teils versetzt, teils ver­kauft haben. Heinzerling schritt infolgedessen zur Verhaftung des Ehepaares und verhaftete auch bald darauf den Leonard Blömers. Zunächst gestanden die Mörder> die Diebstähle zu. Nach eingehendem Verhör gestanden sie schließlich auch den Mord in allen Einzelheiten zu. Sie wurden nach Düsseldorf transportiert und hatten sich nun wegen Mordes und Raubes zu verantworten. Adolf Blömers ist 26, fein Bruder Leonard 25 Jahre alt. Frau Blömers ist 29 Jahre alt, "nd Mutter eines kleinen Kindes.

Das Urteil.

Das Scbwurgerick't Verurteilte Adolf und Leonard MömerS sowie die Ehefrau Blömer zum Tode.______________________

Gerti chtsscrcrl.

Die früher sehr beliebte und weit bekannte Sängerin r^rau Tosti-Panzer aus Paris, die einst durch ganz Deutsch­land ihre Konzertreisen machte, stand am Mittwoch unter der Anklage der Körperverletzung mittels hinterlistigen Ueberfalls und Hausfriedensbruchs vor dem Schöffengericht zu B e r t i n. Die An­geklagte ist die exaltierte Dame, die am 3. März auf dem Wandel­gange des K'riminalgerichtsgebäudes einem dort beschäftigten Rechtsanwalt einen Schlag ins Gesicht versetzt hatte. Sie mußte damals mit Gewalt entfernt und der Polizei übergeben werden. Sie befindet sich, da sie als Ausländerin fluchtverdächtig erschien, in Untersuchungshaft. Sie gab ihr Vergehen reuevoll zu und machte zu ihrer Entschuldigung geltend, daß sie das Opfer ihres sehr lebhaften Temperaments sei und sich bei Verübung des von ihr bedauerten Exzesses in einem Zustande hochgradiger Erregung befunden habe. Der Gerichtshof verurteilte die Dame zu 100 Mark Geldstrafe unb rechnete diese auf die verbüßte Unter­suchungshaft an. Die Angeklagte wurde sofort auf freien Fuß gesetzt.

Vermischte».

* K ü nstler un ö Student. Der Posaunenviriuos Alschansky hatte in Göttingen bei einem Konzert einen heftigen Zusammenstoß mit einem Studenten Warnke. Die BurschenschaftBrunsviga", der W. angehört, veröffentlicht über daS Rencontre folgende Darstellung:

Unser inaktives Mitglied Warnke saß noch mit zwei anderen Inaktiven der Unterfertigten unmittelbar vor dem Orchester. Während der Vorträge des Herrn Prof. Alschansky verhielten sie sich vollkommen ruhig, nur W. hustete zweimal durchaus un­absichtlich, hielt sich aber daS Taschentuch vor den Mund, um nicht zu stören. Nach Beendigung dieses Stückes trat der Künstler vom Podium herab auf W. zu und sagte mit lauter Stimme, sodaß es die Umsitzenden hören mußten:Wenn Sie Ihr Hullen nicht lassen können und durchaus stören wollen, bann geben Sie hinaus." Beim Hittaufgeheu auf die Bühne rief er noch zurück:Hier habe tch das Wort" Unsere Mitglieder erwiderten nichts, sondern ver­hielten sich vollkommen ruhig. Dann folgte wieder ein Solooortrag, nach dessen Schluß Herr Prof. A. eine Ansprache an das Publikum hielt, in der er auch noch verletzend wurde und beleidigende Äußerungen gebrauchte, wie z. B.:Leute, die nicht aus'dem Proletariat stammten, sollten sich doch ruhiger verhalten." Nach dem nächsten Stücke verließ der Künstler das Lokal, unb W. ging bald darauf auch hinaus, um den Herrn Prof. A. um Aufklärung zu bitten. W. stellte sich dem Künstler vor unb bat ihn, die grund­lose Beleidigung vor dem Publikum zurückzunehmen. Der Künstler weigerte sich dies zu tun, und daraufhin erteilte ihm W., gereizt durch sein Verhalten, in größter Erregung mit den Worten:Tann sind Sie in meinen Augen ein Lump", eine Ohrfeige. Um einer irrigen Anschauung vorzubeugen, erlaubt sich Unterfertigte noch hinzuzufügen, daß Herr Prof. A. ein Mann von höchstens 30 Jahren ist, und daß sie sich natürlich mit dem Benehmen ihres Mitgliedes nicht einverstanden erklären kann. Von dem Universitäts­gericht ist W. wegen seiner Tätlichkeit mit drei Tagen Karzer und Androhmig des Konsils bestraft worden".

Ein Spion verhaftet. In Essen wurde ein Fremder verhallet, der sich mit einem Soldaten des Bezirkskommandos an« freunbete unb ihn bann bat, ihm gegen eine Belohnung von mehreren lausend Mark die auf Mobilmachung bezüglichen Pläne des Essener BezirkSkommandos zu verschaffen. Ter Fremde murb» verhaftet. Die Militärbehörde glaubt, es mit einem französischen Spion zu tun zu haben.

* Eine bequeme Gelegenheit, Algeciras ken - n en zu lernen, bietet das Programm der nicht nur für Aerzle, sondern auch sonstige Jiiteressenten offenen Sttrdien- unb Vergnü­gungsfahrt, bie mit bem LuxusbampferOzeana" im Anschluß an die Aerztereise nach bem Medizinischen Kongreß in Lissabon geplant ist. Der Kongreß, zu besten Teilnehmern aud) Geh. Medizinalrat Professor Dr. P f a n n e n st i e l auS Gießen gehört, ftnbet vom 19. bis zum 26. April statt. Jnbem mm bit Hamblirg°Amer,ka°2i>iic ihren DampferOzeana" am 7. April von Hamburg abgehen läßt, bleibt für bie Teilnehmer der Fahrt Zeit, Funchal (Mabeira), Teneriffa, Tanger unb Gibraltar noch vor Lissabon zu besuchen. Von allen genannten Hafenplätzen aus werden Landausflüge gemacht; auch der Besuch von Algeciras, der Stadt der Marokkokonferenz, ist vorgesehen.

* Heiteres aus der © d) u I e. In einer Schule in Frön­denberg (Westfalen) ereignete sich jüngst folgender Vorfall: Ter Lehrer hatte sick) die erdenklidiste Mühe gegeben, um einem sieben­jährigen Jungen das Rechnen beizubringen, ohne auch mir den geringsten Erfolg zu haben. Hierüber erregt, ruft er aus:Junge, was bist Du dumm! Habt Ihr noch mehr solcher Dummen zu Hause?"Ja," war bie Antwort,vegg hat van morgen noch enen kriegen."

s Gerechtfertigter Wuns ch. Beim Minister des Innern hat ein Herr Äubienz, der wegen NamensveränderunH petitioniert

Wie heißen Sie?"

Mein Name ist: Zieh."

Ja, bas ist boch ein ganz schöner Name; weshalb wolle« Sie ihn beim änbem?"

Ich hab doch ein Geschäft l Und sowie ich am Telephon sage: Hier Zieh! ruft der andere immer: Machen Sie die Tür zu!"

Aunst «nd Wissenschaft.

I v h a n n e s R i ck a r d z u r M e g e b e f. Aus Barten- fein in Ostpreußen kommt die Künde, baß der bekannte Roman­schriftsteller Johannes Richard zur Megede in der Nacht vom 21. zum 22. b. M. nach qualvollen Leiben im 44. Lebensjahre sanft entschlafen ist. Megede wurde 1862 in Sagan geboren. Seine literarische Kraft lag im modernen Sittenroman. Ein feines Beobaehtungstalent und die Gabe treffsicherer Schilderung ver­banden sich in ihm mit einem starken Temperament. Das ost- preußische Landleben hat er in greifbarer Plastik tniebergegeben. Es ist tief zu bellaaen, daß dieser hochbegabte Mann die Zeit der Reife und der Vollendung nicht erleben durfte. Mehrere seiner Romane erschienen in der trefflichen Familienzeitschvift lieber Land und Meer".

Eine dän i sch e Expedition von Mhlius Er ichsen nach der Nordoitküste von Grönland geht Ende Jutli von