Nr. 46 Erstes Blatt 156. Jahrgang
Freitag23. Februar 1906
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Roranonsdruct n. Verlag bet Brü h l'scheu Un rvers.-Buch-u. Steindruck erei. 9t Lang«. Redaktion. 6rvebttto* und Druckerei:
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Anzeiger Sieben.
Amts- Md Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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Verantwortlich Hit den poliL und allstem. Teil: P. Wittko, h"rt .Stadt und Land^ und .GerichtsjaafErnst Heß: (ür den Anzeigenteil: Hans Beck.
Are SeuLiqe Kummer umfaßt 12 Seiten.
Am Zeichen des Verkehrs.
Als die Oteuerfommiffion des Reichstags sich entschloß, dem Eisenbahnverkehr im Reich ihre liebenswürdige Fürsorge in der bekannten Weise an gedeihen zu lassen, da haben viele ihre Hande über dem Kvpf zusammengeschlagen. Man wunderte sich und mitunter hat man sich auch entrüstet. Es kommt aber noch dicker: die Kommission (v-gl. den Artikel „PortoerhShung und Wehr- steuer".) ist auf dem besten Wege, unter freundlicher Assistenz Krätkes auch der Po st die Steuerkandare anzulegen. Das Drucksachenporto, das Porto im Ortsverkehr und noch einiges andere soll erhöht werden. Mit der Ansichtskartensteuer ist es nichts rechtes. Der Staatssekretär des Reichspvstamts hat gesagt: wenn wir die Ansichtspostkarte mit 2 Pfg. besteuern, dann wird sie als Drucksache imtcr Umschlag für 3 Pfg. verschickt, und statt 7 Pfg. erhalten wir 4 Pfg. weniger. Das war einleuchtend, aber nun erhob sich die bange Frage, ob nicht das Drucksachenporto überhaupt erhöht werden soll.
Man ist bereit, es zu tun, und der Staatssekretär scheint geneigt zu sein, diese Wünsche aufzunehnren. Außerdem will man die Ermäßigung im Ortsverkehr aufheben, die Zeitungsbestellung verteuern, und der Himmel weiß, was sonst noch. Was die Drucksachen anlangt, konnten bis jetzt 50 Gramm für 3 Pfg., im Ortsverkehr für 2 Pfg. befördert werden. Der Drucksachenverkehr hat in den letzten Jahren ganz. bedeutend zugenommen. Durch die Verteuerung wird er wohl wesentlich verringert werden, und so wird zwar die Post nicht mehr so viel Arbeit haben, als bisher, aber daß die Einnahmen sich erhöhen werden, das glauben wir auf keinen Fall.
Noch viel schlimmer liegen die Dinge mit dem Ortsverkehr. Die Gebühren für den Ortsverkehr sind ermäßigt woroen, als man die Privatpostunternchmungen aus der Welt schaffte. Das Verdienst gebührt Herrn von PodbielSki. Nun sagt Krätke, der Ortsverkehr rentiert bei den billigen Portosähen nicht. Das ist sehr merkwürdig. Die Prioatpostnnternehmungen, die zum Teil noch wesentlich billigere Beförderungsbedingungen stellten, rentierten sehr gut, trotzdem sie ihre Angestellten auch nicht schlechter zahlten als die Postverwaltung. Woher kommt es, daß die Postverwaltuug unter besseren Bedingungen Schaden erleidet? Sie mußte mehr Beamte anstelleu, um den Verkehr zu bewältigen, aber machen sich denn die Beamten nicht bezahlt? Wir begreifen das nicht, und seinerzeit, als es sich darum handelte, das Postmonopol gegen das Eindringen der privaten Unternehmungslust zu schützen, las man den Text anders. Wird der Ortsverkehr erhöbt, dann tritt das gleiche Schauspiel ein wie bei den Drucksachen: der Verkehr nimmt eben ab. Unserem Publikum ist es nicht gleichgiltig, ob es fünf oder zehn Pfennig für die Beförderung zahlen muß.
Was die Zeitungen anlangt, so hatte man ohnehin in der postal. Besteuerung des bedruckten Papiers seinerzeit scbon zu viel getan. Die Bestrebungen, die Zustellung von Tabeszeitungen auf privatem Wege zu ermöglichen, zeigen sich allerorts. Auch hierbei ist die private Beförderung wesentlich billiger, als die postalische, woraus doch hervorgeht, daß die Post bereits genug für die Beförderuug nimmt.
Nehmen wir diese Vorschläge von welcher Seite wir wollen, es kommt nichts dabei heraus, als eine Beschränkung, eine Erschwerung und eine Verteuerung des Verkehrs, die der P o st noch dazu nichts ein tragen wird. Tie Maßnahmen ließen sich entschuldigen, wenn wirklich festgeftellt Ware, daß wesentliche Mehreinnahmen durch sie erzielt werden könnten, aber das ist nicht der Fall.
Jin übrigen drängt sich uns auch die Frage auf: Ist denn die Post weiter nichts als ein Institut, aus dem möglichst viel Geld herausgeschlagen werden muß, da§ man dann in der merkwürdigsten, Weise und für die sonderbarsten Experimente wieder verpulvert? Muß der Briefverkehr nur die Kassen der Postverwaltung anstüllen, die sich durch fragliches Herumpfuschen am Telephonverkehr wieder zum Teil leeren? Krätke und mit ihm die Mehrheit der Steuerkommission scheint nur fiskalische Verpflichtungen seitens der Postverwaltung anzuerkennen. Wir waren bisher anderer Ansicht. Wir glaubten, die Post sei dazu da, den Verkehr zu fördern und zu erleichtern, und wenn dabei noch hübsche Summen in den Neichssäckel fielen, so war das wohl erfreulich, aber als Endzweck der Post konnte das doch nicht gelten. Schraubt man aber das Porto in der angedeuteten Weise hinauf, so ist unsere Post nichts weiter mehr als ein Institut mit bcm Zweck, möglichst viel Geld aus einem Monopol herauszuschlagen, unbekümmert darum, ob die Allgemeinheit dabei auf ihre Rechnung kommt oder nicht.
Ein Monopol sollte dem Staat gewisse Verpflichtungen ideeller Natur auferlegen, andernfalls hat es keine Berechtigung. Es ist uns unbegreistich, wie die ©teuer» kommission des Reichstags nicht selbst auf den Gedanken kommt, daß sie Irrwege wandelt auf ihrer Steuersuche. E§ kann nicht ausbleiben, daß Jnteresientenkreise sich in der heftigsten Weise gegen die drohende Verkehrs» erschioerung und Verteuerung zur Wehr setzen; durch die Pläne wird eine Beunruhigung in weiteste Kreise des Publikums getragen, die nicht gerechtfertigt ist durch das, was wirklich dabei herauskommen kann. Denn hier ist jedermann Jnterestent, der schreiben kann und der Briefe
empfängt, vor allem aber unser Handel, dem Fürst Bülow kürzlich so schöne Worte gesagt hat. Gewiß, es muß Geld her. Aber man darf eS nicht suchen in der Verteuerung der notwendigen Lebensrnittel und nicht in der Erschwerung deS Verkehrs. Wo eS zu finden ist, darüber hätte die Reichsreaierung nachuidenken.
politische Scrgesschan.
Zu dem Aufruf der fünf Studeuteu an die deutschen Profesioren und Studenten zum ,Austritt aus den verschiedenen Kirchen* ging unS heute folgende Zuschrift zu:
Sehr geehrte Redaktion?
In der Politischen Tagesschau Ihrer Nr. 45 vom 22. Febr. 1906 geben Sie in dankenswerter Weise einen großen Teil des Aufrufes an die Professoren und Studenten be- Fnnnt, betr. Austritt aus der Kirche. Merkwürdig berührt aber in unserer Zeit die daran gemachte Schlußbemerkuug. Man mag vielleicht hier von einem in jugendlichem Feuereifer unternommenen, aber doch derzeit noch etwas utopischen Schritt der Unterzeichner jenes Aufrufes reden, da er jo sicherlich der großen Indolenz in religiösen Dingen gegenüber, wie sie heute herrschend ist, nicht allzuviel Erfolg haben wird — allein la cherl ich machen können sich mir alle d ie Mächte, welche hier nach der Polizei rufen. Schade doch, l>aß ein gewisser Friedrich Schiller nicht mehr lebt. Wie ergötzlich müßte ihm doch dieses Treiben erscheinen, in dem man ifjn auf der einen Seite immc-rwährend feiert, während man seine fundamentalsten Ideen gleicherzeit mit Füßen tritt, während man die Freiheitleugnei oder mit Kn ü 11 c l n n i e d e r s ch l ä g t! Aber so ist es noch immer ergangen; es müssen Jahrhunderte, oft Jahrtausende darüber hingcl>en, ehe eine heroische Tat anerkannt wird, aber alle Welt hat doch vor den gewesenen Märtyrern einen mächtigen Respekt — die lebenden Märtyrer aber belächelt man mitleidig als Narren. Nun ich billige den Schritt jener Fünf durchaus und würde mich sehr freuen, wenn dieselben ehrliche tiefreligiöS denkende und das aufrichtig bekennende Nachfolger zu Tausenden und Abertausenden fänden, damit endlich einmal in das religiöse Leben unserer Zeit wahres Empfinden, Leben und Bewegung käme, an Stelle indolenter Stagnation oder des Streites um die Gewalt zur geistigen Knechtung unseres Volkes. Ferne aber liegt es jedem vrnr uns, das aufrichtige ehrliche religiöse Bekenntnis Kirchlich- Gläubiger lterabzusetzen, sofern es gewissenhaft festgehaltcn und verteidigt wird.
Sie würden mich mit der Aufnahme dieser Zeilen sehr verbinden. Ihr
Tu. Spohr, Rechtsäntvalt.
Wir denken denn doch etwas anders als unser Dr. Spohr über eine solche Art von „heroischer Tat". Es ist u. E. eine ungezogene Anmaßung sondergleichen von den fünf jungen Herrchen, nicht sowohl die deutsche Studentenschaft, also ihresgleichen, als vielmehr die deutschen Universitätsprofestoren «in corpore“ auszufordern zum Austritt aus ihrer religiösen Bekenntnisgemeinschaft. Hat denn wirklich unser Herr Tr. Spohr keinen Sinn dafür, welche außerordentlich schwere Ehrenkränkung für die gesamte deutsche Profesiorenschaft in diesem Aufruf liegt? Fünf junge Herren nehmen eS sich heraus, indirekt den Vorwurf der Heuchelei ihren eigenen Lehrern, sowie sämtlichen deutschen Hochschullehrern zu machen, sie der blinden und feigen Unterwerfung unter etwas im Geiste Verleugnetes zu zeihen? Und istS nicht recht komisch obendrein von diesen fünf jungen Herren, ernsthaft anzunehmen, daß, weil sie, auf die ,man- so lange ge- wartet hat, mit diesem Aufrufe kommen, nun alle diese Heuchler im Geiste schleunigst an ihre Brust schlagen, in sich gehen und öffentlich sagen werden: Ja, ihr klugen Fünf habt wahrlich recht, wir heuchelten und knechteten die Freiheit bisher, aber wir werden uns bessern und Euren befreienden Rusen mit Feuereifer folgen?
Und was hat mit solchem kindlich unüberlegtem Ueber- eifer Schiller zu tun? Er hat die rasche Unbesonnenheit der Jugend nicht selten getadelt. In seinem „Wallenstein" steht das gute Wort: „Schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort, das schwer sich handhabt wie des Messers Schneide" und ebenda spricht er auch nicht ohne Tadel von der „brausenden" Jugend.
Und schließlich müssen wir den uns gemachten Vorwurf des Rufes nach der Polizei zurückweisen. Wir haben gestern nur die einfache Tatsache von dem Einschreiten der Münchener Pvlizei registriert, ohne mit einem Wort uns dazu zu äußern. Hierin stimmen wir unserem Dr. Spohr durchaus zu: die Polizei mit diesem Falle zu behelligen, war nicht nur unnötig, sondern unrichtig. Tie fünf jungen Herren werden, so meint Herr Dr. Spohr, nicht allzuviel Erfolg mit ihrem Aufruf haben; wir meinen, sie werden so gut wie gar keinen Erfolg haben. Vielleicht werden hier und da ein paar gleichalterige und gleich to-enig überlegte junge Herren dem Ruf der fünf Kommilitonen folgen; in den Äugen der deutschen Professorenschaft aber haben sie sich u. E., wie gesagt, nur recht lächerlich gemacht, und die deutschen Professoren werden, mit ganz wenigen Ausnahmen, zu denen der alte Haeckel gehört, den törichten Schritt der Fünf für disziplinarisch strafbar erachten. Tie Freiheit des relig. Bekenntnisses ist ja bei uns in Deutschland durchaus unbeschränkt und inanrfjer Univ.-Professor gehört heute schon keiner kirchlichen Gemeinschaft an. Wer leugnet denn die Freiheit, wer schlägt sie mit Knütteln? Glaubt 5>err Tr. Spohr wirklich auch, daß die meisten deutschen'Univ.-Professoren das tun, inoem sie ihrer Kirche treu bleiben? Glaubt er wirklich, daß sie in ihrer Mehrzahl Heuchler sind und nur aus Indolenz, aus Trägheit und Feigheit ihrer Kirche an f:äugen, und nicht aus den tiefsten ethischen Gründen, aus der festesten Ueberzeugung heraus, daß die Kirche heute ebenso, ja vielleicht heute mehr als je ein wichtiger Faktor ist gerade zur Aufrechterhaltung unserer Kultur und unterer wohlgefügten staatlichen Ordnung? Ganz adgewyen von der
innersten Zuneigung gar vieler großer Geistesheroen zu ihrer Kirche?
Wir glauben, den guten fünf jungen Herrchen würde der ernsthafte Zuspruch eines reifen Mannes recht dienlich sein. Tenn daß Die jungen .Herren das beste w ollen, glauben wir gern, obwohl die gegenwärtige Faschingszeit sehr wohl die Vermutung zuläßt, daß die tapferen Fünf sich mir einen Fastnachtsulk erlaubten und die unterzeichn neten Namen fingiert sind.
Onkel und Neffe.
Es war seit langem ein öffentliches Geheimnis, daß zwischen Kaiser Wilhelm und König Eduard die einstige herzliche Freundschaft einer eisigen Kälte gewichen war. Ans welchem Grund, das entzieht sich der Kenntnis der Oeffentlichkeit, doch kann man wohl annehmen, daß politische Gründe dafür maßgebend waren. Nun wird berichtet, daß vielleicht in diesem Frühjahr eine Zusa mm en- kunft zwischen den beiden stattfinden soll. Man spricht davon, daß sie sich in Athen bei den olympischen Spielen begegnen würden, und das ist nicht ganz unmöglich, weil, wie nunmehr feststeht, die Mittelmeerreise deS Kaisers trotz aller ftuheren Ableugnungen ftattfinbet. Unter glatteren Verhältniffen in der hohen Politik würde eine solche Zusammenkunst nicht die Bedeutung haben, wie jetzt. ES ist ja richtig, daß heute Völkerfreundschaften und -Feindschaften nicht mehr von den Königen gemacht werden, und das alte Wort von den Achäern, die immer Prügel kriegen, wenn sich die Könige streiten, ist längst nicht mehr wahr. Aber eS wäre verfehlt, wollte man die Beziehungen, die zwischen den Monarchen bestehen, als irrelevant für die Völkerbeziehungen hrnftellen. Man weiß, welchen Einstuß unser Kaiser auf unsere auswärtige Politik übt. Man weiß auch, daß König Eduard Politik macht, soweit ihm da§ bei den konstitutionellen Verhältniffen Englands möglich ist. Vielleicht sogar noch mehr. Wir nehmen nicht an, daß eine Feindschaft zwischen beiden Monarchen für den Frieden bedrohlich gewesen wäre, aber man darf annehmen, daß durch die Erneuerung der alten Freundschaft die Wendung zürn Besseren, die zwischen Deutschland und England sich vollzieht, gestärkt wird. Dorum wäre e§ erfreulich, wenn die Meldung sich bewahrheitete, und wenn der Bruch, der zwischen Onkel und Reffen vorhanden war, auS der Welt geschafft würde.
Portocrhöhrmg und Wehrfteuer.
Berlin, 22. Febr. (Steuert ommission de 2 Reichstages.) Es liegt ein Antrag Gröber u. Gen« vor auf Erhöhung der Einnahmen der 9ieichspostund Telegraphen-Vermaltung durch Beseitigung der im Orts- und NachbarortSverkehr bestehenden Ausnahmetarife für Postkarten, Drucksachen, Warenproben und Geschäftspapiere, sowie Aende- rung der Gebü hren für außerordentl. ZeitungS- beilagen. Der Antrag wird unterslützt vom Zentrum, den Konservativen, der Reichspartei, den Nationalliberalen und der wirtschaftlichen Vereinigung. Speck (Zentrum) beziffert daS finanzielle Ergebnis auf 12 Millionen Mark. Staatssekretär Krätke weist auf die Belastung der Reichs- poft hin, die sich einschließlich der Ausgaben für soziale Einrichtungen auf Illl/z Millionen Mk. belaufe. Müller-Fulda, der für den Antrag spricht, regt an, den Mißbrauch abzustellen, der vielfach bei der Portofreiheit der fürstlichen Persönlichkeiten vorliege. In gleichem Sinne spricht sich Dietrich (kons.) aus. Singer, Lipineli (Sozialdemokraten) und Merten (fr). 23p.) bekämpfen den Antrag, der mit 16 gegen 9 Stimmen angenommen wird. — Es folgt die Beratung deS Antrages Müller- Fulda und Genoffen, betreffend Einführung der Wehrfteuer. Müller-Fulda begründet den Antrag, der nicht die Krüppel treffen wolle, sondern die Vielen, die wegen ganz kleiner Fehler frei werden. Die Wehrfteuer werde 50 Millionen Mk. abwerfen. Fehl. v. Stengel weift auf die einmütige frühere Ablehnung der Wehrfteuer durch den Reichstag hin. Die Regierung habe ethische und praktische Bedenken gegen die Wehrsteuer, die ohne Kopfsteuer undurchführbar sei. Wenn man die Ehrenpflicht des Reiches zur Invalidenversicherung anerkenne, so sei nicht einzusehen, warum zur Erfüllung dieser Pflicht nur diejenigen herangezogen worden sollten, die zufällig einen militärfreien Sohn haben. Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben schließt sich den Ausführungen des Reichs- schatzsekretärS an. Die Wehrfteuer schlage dem heutigen Bestreben, bei Bemessung der Leistungsfähigkeit der Zensiten die Kinderzahl zu berücksichtigen, inS Gesicht. Auch werde das Land benachteiligt, wo mehr Gestellungspflichtige sind. Der Offe.nbacher Dr. Becker (nl.) tritt der Regierungsansicht entgegen, worauf sich die Kommission vertagt.
Deutsches Reich.
Berlin, 22. Febr. Die Einweihung der Ge- dachtnishalle in der Kaiser-Wilhelm-Gedacht- nis -Kirche hat heute mittag ftattgefunben. DaS Kaiser- p a ar wurde unter Glockengeläute vom Kronprinzen, dem Protektor der Kirche, empfangen und vom Generalsuperintendent Dr. Köhler begrüßt. Nachdem Generalleutnant z. D. v. Schubert eine Adresse verlesen hatte, begab sich das Kaiser- paar m die Gedächtnishalle und nahm nach einem Rund- gang durch die Kirche in der Kaiserloge Platz. Emern Orgel-


