Ausgabe 
22.2.1906 Zweites Blatt
 
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Zeit durch den Fleiß und NniernehmrmgSgeist seiner Mit- bürger die Stadt aufgeblüht ist, Fabriken gegründet, Schulen und Theater gebaut worden sind, kann er darauf rechnen, - bei der Heimkehr sein Boden einen Wertzuwachs erfahren hat, gegen den u. U. große Gewinne aus mühevoller Arbeit ein"Kinderspiel sind; und er kann mühelos die Werte sich aneignen, die nicht er, sondern die Gesamtheit inzwischen ge­schaffen hat. Und da sollte es ungerecht sein, wenn dieselbe Gesamtheit einen verhältnismäßig kleinen Teil dieses von ihr allein geschaffenen Wertzuwachses in Gestalt der Steuer wieder an sich nimmt- Unsere Städte brauchen Geld. Soll da immer wieder die produktive Arbeit, sollen Gewerbetreibende, Beamte, Handarbeiter stärker herangezogen werden, während der Bodenspekulant Tausende gewinnt, ohne seinen Boden auch nur mit dem Finger berührt zu haben? Denn nur der .unverdiente" Wertzuwachs soll besteuert werden, nicht solcher, der durch nützliche Aufwendungen irgend welcher Art vom Besitzer geschaffen worden ist. Die Wertzuwachssteuer ist eine ergiebige Einnahmequelle für die Gemeinde und dabei die denkbar gerechteste Steuerart.

In der Einrichtung der Zuwachssteuer haben wir daS Vorblld von Frankfurt a. M., Köln, Gelsen­kirchen, Berlin und Bremen. Ein Zwanzigstel der preußischen Bevölkerung steht damit unter der Wirkling dieser Steuer. Redner hat genaue Erkundigungen eingezogen über die in Frankfurt a. M. und Köln bis jetzt gemachten Er- sahrnngen. Oberbürgermeister Ad icke s in Frankfurt hat ihm mitgeteilt, daß seit Einführung der Steuer die Umsätze an Boden mindestens so stark waren, wie vorher. Abschlüsse lägen noch nicht vor. Das finanzielle Ergebnis sei aber sehr- gut. Schwierigkeiten hätten sich so gut wie nicht ergeben. Das maßgebende Kölner Magistratsmitglied erklärt, nach den bisherigen Erfahrungen sei die Steuer sehr zu empfehlen. Der Vortragende erörtert eingehend die Frankfurter und Kölner Steuerordnung. Die Erhebung der Steuer hat nur bei Eigentumswechsel zu erfolgen. Es empfiehlt sich, die Steuer, wie in Frankfurt, vom letzten Eigentumswechsel an zu berechnen. Bei der Festsetzung der Höhe ist ein gewiffes Maß des Wertzuwachses freizulaffen, dann progressiv zu steigern, besonder? auch nach der Kürze der Zeitdauer zwischen den einzelnen Besitzwechscln.

Die Wirkung der Zuwachssteuer erstreckt sich in zwei Richtungen. Ihre finanzpolitische Bedeutung liegt auf der Hand. Aber auch sozialpolitisch ist sie von Wert. Sie schränkt die Grundstücksspekulation ein, unterbindet damit die künst­liche Wertsteigerung imd hält die natürliche Steigerung in maßvollem Tempo. Sie wirkt im allgemeinen beschleunigend auf den Umsatz an Baugelände, befördert die Bautätigkeit und verbilligt dadurch die Wohnungen. Ihre Abwälzung auf den Käufer und damit indirekt auf die Mieter ist auS- geschloffen. Der Verkäufer fordert mit und ohne Zuwachs­steuer so viel, als er erhalten kann, und das Maß deffen richtet sich noch der objektiven wirtschaftlichen Lage, nach Machtverhältniffen. Fordert er zu diesem höchstmöglichen Betrag noch einen Zuschlag im Betrage der Zuwachssteuer, so wird er sein Land eben nicht los. Die Unabwälzbarkeit dieser Steuer bestätigt auch eine so gewichtige Autorität wie Adolf Wagner. Auch OberbürgermeisterAdickeS teilt diese Anschauung. Die Zuwachssteuer ist zunächst eine Aufgabe der Gemeindepolitik. Aber es gibt keine ernste Arbeit an der Gemeinde, die nicht schließlich dem großen Vaterlande dient. Auch dieses Bewußtsein gibt unS frohen Mut und tiefe Be­friedigung bei unseren Bestrebungen. Echter Patriotismus offenbart sich nicht bei festlichen Mahlen, sondern in realer Arbeit für Volk und Staat, und eine solche ist auch jede Arbeit für eine so soziale und gerechte Einrichtung wie die Wertzuwachssteuer.

Dem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag, der in seiner ganzen Gedankenfülle hier nicht annähernd wiedergegeben werden kann, folgte eine überaus lebhafte Aus­sprache, an der sich die Herren Dr. Ebel, Kommerzienrat Georgi, Dr. Koch, Amtsrichter Dr. Lehr, Oberbürger­meister Mecum, Kreisamtmann Dr. Merck, Generalagent Schmidt, RegierungSasseffor Schreiner und Universitäts- profcffor Dr. Weber beteiligten. Um % 12 Uhr schloß der Vorsitzende, Stadtverordneter Dr. Ebel, die für alle Teilnehmer äußerst fruchtbare Besprechung.

Aus Staat utto Land.

Gießen, den 22. Februar.

** Weltuntergang. Die große Frage vom Werden und Vergehen, die seit unvordenklichen Zeiten die Philosophen und Naturwiffenschaftler bewegt, bildete das Thema eines gestern abend von derwissenschaftlichen Vereini­gung Gäa"-Dresden im Neuen Saalbau veranstalteten Ausstattungs-Vortrags, der ziemlich zahlreich besucht worden war. Die hier mit dichterischer Phantasie in die Wirklichkeit umgesetzten Hypothesen und Theorien von der Entstehung unseres Weltalles bis zu ihrem dereinstigen Unter­gang wurden an Hand großer Prachtlichtbilder geschildert, und zwar so rasch, daß der Verstand der Zuhörer den sich förmlich überstürzenden Worten des Erklärers kaum zu folgen vermochte und es schwer hielt, Dichtung und Wahrheit'zu unterscheiden. In der Zeit von noch nicht zwei Stunden wurde nicht allein der ganze Weltenraum wiederholt durch­eilt, sondern auch die Entstehung der Erde und anderer Weltkörper, die Entwickelung der ersten Lebewesen und der Menschen geschildert. Sodann wurde ein kühner Ausblick auf die Zukunft unternommen, die höchste Stufe der Kultur und ihr Verfall, sowie endlich der Weltuntergang beschrieben. Alles ganz intereffant und auch zum Teil lehrreich, wobei es nur schade war, daß die der Phantasie entsprungenen Bilder nicht immer genau von den wertvollen Darstellungen wirklich vorhandener und beobachteter Dinge zu unterscheiden waren. Heute findet eine Wiederholung deS Vortrags statt.

* Der tägliche Pflegesatz der 3. Klaffe in der medizinischen Klinik der Landesuniversität ist bis auf weiteres auf 1 bis 2 Mark für Sommer- und Winter­halbjahr festgesetzt worden. Innerhalb dieser Grenzen bleibt die Festsetzung des Psteggeldcs dem Direktor der SXIinif mit der Maßgabe überlassen, daß für Kranke, welche zu Lasten dec staatlichen Betriebskrankenkaffe verpflegt werden, nur der Mindestsatz von 1 Mark zur Erhebung kommt.

** Bürgerve rein. Der Vortrag über die Kanali­sation, welcher wegen Verhinderung des Referenten ver­schoben werden mußte, findet nun am 14. März im Caft

Gerichtssaal.

(sd.) Darmstadt, 21. Febr. Der Unfall des Ritt-' SV c r 5 de Neus ville, dessen Fuhrwerk kürzlich an einem Bahnübergang bei Darmstadt von einem nach Worms fahrenden Personenzug erfaßt to-urbe, wobei zwei wertvolle Pferde tot blieben und der Wagen stark beschädigt wurde, beschästigte gestern dre Zivilkammer des Landgerichts. Ter Rittmeister hat den ErsenbahnfiSkus auf Erstattung des Betrages von 7500 yJcarT verklagt. Zu entscheiden ist, ob der Eisenbahnfiskus ge- setz-lcch überhaupt für Sachschaden verantwortlich und dann, in welchem Grade ein Verschulden nachweisbar ist. Das Gericht ft* x « ©ntKÖcibuiig in der nächsten Woche verkünden.

CP-) Mainz, 21. ?ccbr. Wegen Verbrechens gegen die Sitt- llchkect wurde die 44 Fahre alte Frau Katharina Acker und dre 25 Jähre alte Frau Katharina Köhler, beide aus West- falen gcbürtrg, von der hiesigen Strafkammer zu je 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Sie hatten sich beide an einem 14jähr. Knaben sittlich vergangen und außerdem öffentliches Aergernis erregt.

. ~ dem Schwurgericht in Neu-Rupp in stand

der frühere Staatssekretär Richard Barth aus Wittenberge a. Elbe, der beschuldigt ist, 7600 Mk. unter- 'chwgen und Bücher gefälscht zu haben. Der Angeklagte war be­reits am 13. Januar d§. Fs. wegen Unterschlagung von Mündel­geldern in Hohe von 2500 Mk. zu 1/? Jahreir Gefängnis ver­teilt worden. Barth, den der Staatsanwalt als einen gemeinen Gauiier bezeichnete, wurde unter Einrechnimg von früher erkannteir 1 b Andren Gefängnis zu vier Jahren drei Monaten Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt.

21. Febr. Während eines Bauarbeiter- streiks stellten der Bürgermeister und die Stadtverwal- den arbeitswilligen Italienern und Polen dre Cholera-Baracken als Wohnung zur Verfüg­ung. Redakteur Töpfer vomBauhilfsarbeiter" nannte das mnen Schandfleck für die Stadtverwaltung. Bürgermeister Hausknecht und Unternehmer Daß strengten ernen Prozeß an. Das Urteil lautete auf 75 Mk Geldstrafe In der Begründung wurde die Maßnahme der Itzehoeö Behörde als parteiisch dargestellt.

Leib statt. Baurat Schmick wird die Kanalisations-Anlage in großen Zügen erklären und dann eingehend die Haus- anschlüffe behandeln. Stadtbaumeister Braubach hat ebenfalls seine Mitwirkung zugesagt. An die Bürgerschaft ergeht die Bitte, Fragen, deren Erörterung gewünscht wird, dem Vor­stand deS Bürgervereins bekannt zu geben, damit sie im Anschluß an den Vortrag genaue Beantwortung finden können.

"Besitzwechsel. Der Allg. Verein für Armen- und Krankenpflege verkaufte sein Haus in der Katharinen­gasse an Kaufmann Georg Kinkel am Kreuzplatz für 7500 Mk. Konditor Geißner kaufte die Hofraite des Kaufmann Philipp Herrmann, Seltersweg Nr. 33, für 60 000 Mk.

** Verhaftet wurde gestern auf der hiesigen Herberge ein Handwerksbursche, der am Vormittage in Lollar beim Betteln eine Taschenuhr gestohlen hatte. Da der Bestohlene den Verlust bald merkte und dem Betreffenden nach Gießen nacheilte und hier Anzeige erstattete, fand sich die Uhr noch im Besitz deS Diebes vor, er hatte noch keine Gelegenheit zur Veräußerung finden können.

" Entlarvt wurde gestern eine Frauensperson, welche in mehreren Geschäften auf den Namen ihrer früheren Dienstherrschaften Waren entnommen hatte. Derartige Be­trügereien kamen in letzter Zeit so häufig vor, daß den Ge­schäftsinhabern nur Vorsicht anempfohlen werden kann.

" Neuer Zahlmeister. Welsch, Zahlmeister von der 2. Abteilung 1. Großh. Hess. Feldart.-Regts. Nr. 25 wird zum 1. Bat. des Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm Nr. 116 versetzt.

** Bei einer Skitour am Hohenrodskopf verun­glückte dieser Tage nicht unerheblich ein hiesiger als Sports­man, Bergsteiger und Wanderer wohlbekannter Herr, einer der vorzüglichsten Skiläufer, die unsere Stadt besitzt. Er wurde dort durch widrigen Zufall von einem hinter ihm her kommenden Läufer überrannt und stürzte so unglücklich, daß er sich nicht erheben konnte, fonbem von seinen Begleitern nach Schotten zu einem Arzt transportiert werden mußte. Jetzt liegt er zu Haus darnieder. Die Sehnenzerrung des verletzten Beines dürfte mehrere Wochen ihn ans Bett fesseln.

* Die vorjährige Landwirtschaftliche Landes- und Jubiläums-Ausstellung in Mainz hat nach dem bis jetzt festgestellten Ergebnis einen nicht unwesentlichen Ueberschus; ergeben, der aber ziffernmäßig noch nicht definitiv feststeht. Der hessische Land­wirtschaftsrat, der Veranstalter der Ausstellung, hatte ein Defizit von etwa 16 000 Mk. vorgesehen.

** Eine unangenehme Ueberraschung. Zwei Herren, welche die Absicht hatten, mit der Viebertalbahn zu fahren, setzten sich in den 2. Wagen, um ungestört zu plaudern. Sie saßen auch wirklich ungestört, denn das Abhängen des Wagens und das Davonfahren des Zuges wurden sie nicht gewahr, bis der Wagenputzer sie störte und darauf aufmerksam machte, daß der Zug längst abgefahren sei. Die beiden Herren warteten den nächsten Zug nicht ab, sondern ließen sich von einem biederen Roffelenker an ihr Ziel befördern

"Gießener Freie Studentenschaft". Von allen Abteilungen, die die(55. Fr. St/ für das Wintersemester 1905/06 gegründet hatte, war die für K u n st und Wissenschaft am besten besucht. Den Cyklus der wissenschaftlichen Vorträge wird Professor v. Krüger mit einem solchen überDogma und G e s ch i ch t e", der heute abend 9 Uhr im Cas 6 Ebel stattfindet, schließen. Leider ist es der Gießener Finkenschast noch nicht wie ihrer Marburger Schwester gelungen, den größten Teil der Nicht- korporationSstudenten für ihre Ziele zu interessieren. Trotz ihres kurzen Bestehens kann die Marburger Finkenschaft mit Stolz auf ihre Erfolge blicken. Dank der großen Rührigkeit ihrer Angehörigen konnte sie Dienstag abend in den Sälen des Museums eine wohl­gelungene Heine- Gedenkfeier abhalten, zu der zahlreiche Ein­ladungen an die Behörden, Offizierskorps usw. ergangen waren. Namhafte Künstler und Schauspieler hatten ihre Unterstützung für die Feier zugesagt.

o Lauterbach, 19. Febr. Am Sonntag Abend and im Saalbauzum Johannesberg" eine zahlreich be­uchte Versammlung der Ortsgruppe des Flottenver- ;i n s statt. Ter Vorsitzende, Kreisrat v. Bechtold, eröffnete ie und Admiral Rosendahl hielt einen Vortrag, in welchem er der Meinung Ausdruck gab, daß die deutsche Kriegsflotte nicht den Anforderungen entspreche, die nach den Erfahrungen aus dem russisch-japanischen Kriege an die Kriegsflotte einer Großmacht mit Welthandel gestellt werden. Es wurde von der Versammlung einstimmig eine Resolution an den Reichskanzler, den Reichstag und den Abgeordneten des hiesigen Wahlkreises Dr. Wallau an­genommen, in welcher der beschleunigte Ausbau unserer Kriegsflotte gefordert wird. Nach Vorführung einer Anzahl interessanter Lichtbilder aus der deutschen und englischen Marine wurde die Versammlung geschlossen.

§§ Elpenrod, 21. Februar. Die ersten Holzver- teigernngcn offenbaren die für das Jahr maßgebende Preislage. Das Brennholz ist nicht teuerer, sondern billiger geworden. Die sehr hohen Preise den beiden letzten Jahre, die namentlich bei Gemeindeholzoersteigerungen erzielt wurden, ind seither nicht erreicht worden. Vier Meter Buchenscheit kosteten bis zu 28 Mk., Buchenprügel bis zu 20 und 24 Mk. Bau- und Nutzholz behauptet dagegen seinen seitherigen hohen Preisstand.

§ Aus dem Vogelsberg, 21. Februar. Einen so hohen Stand wie gegenwärtig haben die Preise bei den Schweinen noch nicht gehabt. Bewegten sich seither die Preise noch immer zwischen 50 und 60 Pfg. für das Pfund Lebendgewicht, so ist jetzt diese Grenze erreicht und über» chritten worden. Dadurch stehen die Preise auf dem Lande nur um 4 Pfg. zurück gegen die der Städte.

/^ Ruppertenrod, 21. Febr. Ein hiesiger Schrei­nermeister, welcher gestern Abend Grummet für sein Vieh von dem Gerüst seiner Scheuer herabwerfen wollte, glitt hier­bei au§ und stürzte samt dem Futter mit dem Kopf auf die Tenne. Verletzungen am Kopfe, an den Zähnen und im Rücken waren die Folgen des Falles.

Darmstadt, 21. Febr. Ein Konflikt ist zwischen der Staatsanwaltschaft und dem Amtsgericht I hier ausgebrochen. Nach 8 115 der Strafprozeßordnung muß der Verhaftete spätestens am Tage nach seiner Einlieferung richterlich vernommen werden, selbst wenn dieser Tag ein Sonn- oder Feiertag ist. In diesen Sonn­tagsdienst teilen sich die Richter des Amtsgerichts nach einem jährlich festgelegten Turnus. Nun soll jüngst in Haftsachen der von der Staatsanwaltschaft vorgefubrte Be- chuldigte an einem Sonntage deshalb nicht vernommen worden sein, weil der im Turnus amtierende Amtsrichter nicht da war. Darauf erfolgte Beschwerde der Staatsanwalt­schaft an den Landgerichtspräsidenten, da der Amtsrichter

handel unfc Verkehr, Volkswirtschaft.

Märkte.

ko. F r a n k s u r t a. M., 22. Febr. sTelear rh-i/i s,.

' G'. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Vi e h »n^a r kt vre . f e. Zum Verkaufe standen : 21 Ochsen 0 m.a

3 Bullen, 0 aus Oesterreich, 52 Küste, Fersen 'Ssie^e und Rind^?

5. Qual. 00-00 Mk. Kalber 1. Qual 89qJ&Ls? .Jj 54-57 Pfg., 2. Qualität 82-87 Pfg. ' Lebenda^nuc'bt^49 52

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anscheinend an dem Standpunkt festhält, er brauche Sonn­tags nicht zu amtieren. Zur Lösung des Konflikts wird schließlich das Ministerium das entscheidende Wort sprechen müssen. (Frkf. Ztg.)

Darmstadt, 21. Febr. Ta§ Befinden S. K. H. des Groß- Herzogs hat sich erfreulicherweise so g e b e s s e r t, daß die Großh. Herrschaften die Reise nach Berlin, wie beabsichtigt, am Freitag Mittag anzutreten gedenken. Im Gewlge werden sich befinden die Oberhostneisterin Freiin v. Grancp Exz., die Hokdame Freiin v. NotSmann, Generaladjutant (Kencrahnajor v. Wachter, Flügeladjutant Rittmeister Freiherr v. Massenbach und Freiherr o. Leonhardt. (Darmst. Z.)

Mainz, 21. Febr. Wie dieM. N. N." melden, hat die Mainzer Liedertafel die Stadt ersucht, ihr zur glänzenden Ausgestaltung des Händelfestes im Mai, zu dem der Kaiser und Großherzog erscheinen, einen Beitrag von 5000 Mark zu gewähren. Baurat Se eling-Berlin, der als S a ch v e r st ä n d i g e r für den Theaterumbau gewählt ist, trifft kommende Woche zur Besichtigung des Theaters hier ein. Prof. Sutter hat inzwischen Pläne zum Umbau ausgearbeitet, die dem Theater, sowie dem Zu­schauerraum ihre Form lassen. Die Pläne werden aus­gestellt und der Stadtverordnetenversammlung zur Begut­achtung unterbreitete In der heutigen Sitzung "der Stadtverordnetenversammlung wurde auf eine Eingabe desVereins auf Gleichstellung der höheren Schulen in Hessen" hin beschlossen, die Be­strebungen des Vereins unterstützen zu wollen, trotzdem sich sämtliche Juristen und die meisten Mediziner gegen, den Beschluß ausgesprochen haben. (Frkf. Ztg.)

fc. Frankfurt a. M., 21. Februar. In der AlbuS- gasse unterhielt sich gestern ein Herr im Zylinderhut mit einer Stadtschönen. Plötzlich legte er den Arm um die Taille des Mädchens und lief darauf davon. Das Mädchen aber hatte eine dreieckige, von einem Dolch herrührende tiefe Stich­wunde im Rücken, die nicht ungefährlich ist.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Mainz wurde der Mensch ver­haftet, der in der Taunusanlage in Frankfurt den frechen RaubanfaN auf den Oberpostassistenten Friedrich Koch verübt hat. In Ober-Ramstadt war der Pumpen-- machen Ludwig Hahn mit seinem Sohne damit beschäftigt, Pappeln zu fällen. Bei dieser Arbeit kam ein Stamm vorzeitig zu Fall, sodaß Hahn nicht mehr auszuweichen vermochte. Der gewaltige Stajnm traf den Mann so furchtbar, daß der Kops völlig zer­trümmert wurde. Der Tod trat auf der Stelle ein.

Vermischtes.

* Große Unruhen fanden auf dem Friedh ofe m Sheffield statt. Ein Einwohner von Sheffield hatte Selbst­mord verübt, weil er glaubte, sein bester Frennd hatte ihn mit seiner Frau betrogen. Bei dem Leichenbegängnis waren die Witwe, sowie der Freund anwesend. Mehr als tarisend Frauen aus der Nachbarschaft erstürmten den Friedhof und griffen die beiden gewaltsam an. Dabei wurde der Sarg umgeworfen, der Geistliche verletzt und den vermeintlichen Ehebrechern von den Frauen die Kleider vom Leibe gerissen. Erst einem herbeigeholten Polizeiaufgebot gelang es, die Frauen auseinanderzujagen.

* Kleine Tageschronik. Kürzlich verschwand auf v c r Hochzeitsreise in Hannover der Nmtsrichtert Dr. von der Meden aus Hamburg. Er nntrbe nach erneut aus Zürich eingetroffenen Telegramm dort in geisteskrankem Zustande ^aufgefimden. In Otterndorf erschoß bed ^tewarb ^-chmibt, bet kürzlich in Bremen wegen Verdachts dep Branbstiftung verhaftet, bann aber wieber fteigelassen worden war, feine in Ihlienwerth wohnenbe Schwiegermutter, seine Fran und sein Kinb unb verwundete ben Mühlen- Pächter Mau und dessen Gesellen schwer. In Danzig unter­nahm einen Mordversuch aus die eigene Mutter der 17 jährige Amtsschreiber Damitz, der Sohn eines Eisenbahn-- sekretärs. Als sie ihm Vorwürfe machte, schoß er ihr vier Kügeln in Kopf und Leib; die Frau ist schwer verletzt. Bei seiner Verhaftung gestand Damitz einen Einbruch und Unter­schlagungen auf dem Amte ein.