Ausgabe 
20.11.1906 Erstes Blatt
 
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A

nicht annahm, zmn 1. Vorsitzenden Pfarrer Schulte- Großen-Lmden, zum Stellvertreter Geh. Hoftat Haupt- Gießen, zum 1. Schriftführer Oberlehrer Schmoll, 'Stellvertreter Prof. Helm, Beisitzer Bonkdirektor Heichel­heim. Der bisherige 2. Vorsitzende Prof. Wünsch legte .fern Amt schon jetzt nieder, da er im Frühjahr nach Königsberg verzieht. Dr. Hepding dankte ihm für seine Verdienste um die Vereinigung. Daran schloß sich ein höchst interesianter Vortrag des Lehrer Neumann- Großen- buseck überGlockensagen." Der Redner gab eine Zusammen­stellung aller der Sagen und Legenden, die sich über Guß, .Verschwinden, Auffinden, Wundertaten rc. der Glocken gebildet haben und erntete den lebhaften Beifall der Ver­sammlung. Eine lebhafte Erörterung schloß sich an, in der die Darlegungen des Redners noch manchen interessanten Nachtrag fanden. Es beteiligten sich u. a. Prof. Sauer, Prof. Helm, Dr. Hepding, Prof. Röschen, Geheimrat Haupt und Lehrer V. Müller.

- Ausschußsitzung be§ landwirtschaftlichen Provtnzialv ereins. Die gut besuchte Versammlung fand am 16. d. MtS. in Gießen, Hotel Prinz Karl statt. Von allgemeinem Jnteresie war der 2. Punkt der Tagesordnung: Stellungnahme deS Ausschußes zu der Frage über den Fortbestand deS ProvinzialvereinS.' Nachdem eine Anzahl Redner daS Für und Wider besprochen hatten, fam man ein­stimmig zu dem Beschluß Landtagsabg. Bahr-Herrenhag enthielt sich der Abstimmungder Ausschuß deS land­wirtschaftlichen Provinzialvereins hat keinen Anlaß, infolge der Bildung der Landwirtschaftskammer einen Antrag auf Auflösung deS landwirtschaftlichen Vereins für die Provinz Oberhesfen zu stell en.' Die Errichtung einer weiteren Fohlenweide im Göringer Grunde bei Zell-Romrod ist »geplant und sind die Vorarbeiten durch den Provinzialverein für dieses Projekt erledigt. Die Durchführung des Projektes wird nach einem früheren Beschluß deS Ausschußes der Land­wirtschaftskammer überlaßen. Die Hauptversammlung deS landwirtschaftlichen ProvinzialvereinS wird an einem der ersten Tage deS Dezember einberufen werden.

Der Freidenker-Verein hielt so schreibt man unS gestern abend im Saale deS Caf6 Leib eine stark besuchte öffentliche Versammlung ab, in der Schriftsteller Dr. Bruno Wille auS Berlin über das Thema sprach: ,£Ba 9 ist Leben, wa8 ist Tod?' Der Redner, der mit glänzender Beredsamkeit das philosophische Moment der Frage in allgemein verständlicher Weise behandelte, fand für seine Ausführungen den begeisterten Beifall der Hörer, unter denen alle Gesellschaftskreise unserer Stadt vertreten waren.

* Lebensretter. Der Beigeordnete Reichardt zu Nierstein hat am 1. August d. IS. einen Knaben vom Tode deS Ertrinkens gerettet. Als Anerkennung hierfür ist ihm von S. K. H. dem Großherzog die Rettungsmedaille verliehen. Der Schüler Heinrich Kirchner zu Ginsheim, der am 4. Sept, einen Menschen vom Tode des Ertrinkens gerettet hat, erhielt eine Geldprämie.

0 Laub ach, 19. Nov. Ein wertvolles Fohlen besitzt der hiesige Fuhrunternehmer Schmidt. Es ist in diesem Sommer auf fünf Pferdemärkten, in Alsfeld, Butzbach, Friedberg, Gießen und Ortenberg, mit den ersten Preisen diplomiert worden, und der Besitzer erhielt zwei silberne Medaillen und 220 Mark Geldpreise. Das Fohlen ist 21/, Jahre alt und fällt durch starken, gedrungenen Körperbau auf; der Eigentümer hat es, als es wenige Wochen alt war, aus Belgien bezogen und selbst aufgezogen. Ein schon drei Jahre andauernder Pserdcprozeß wurde vor wenigen Tagen zu gunsten des Beklagten, des hiesigen Metzgermeisters Georg Siegfried, durch das Oberlandes­gericht in Darmstadt entschieden. Der Prozeß, bei dem es sich um den Verkauf von ein Paar Zugpferden seitens einer Bensheimer Firma handelte, kostet etwa 4000 Mark. Aelteren Touristen, namentlich auch denen aus Gießen, ist das mitten im Walde gelegene Forst haus Rutarts- h aus en unter den NamenJägerhaus" gut in Erinnerung; besonders werden sie sich auch der biederen Wirtin, deren gute Verpflegung weithin bekannt war, der sogenannten Kunigunde", die bis vor wenigen Jahren dort das Küchen­szepter schwang, entsinnen. Bald nach dem Tode ihres Mannes zog sie zu Verwandten nach Eichelsdorf. Von dort gelang jetzt die Kunde hierher, daß sie im 70. Lebens­jahre nach langem schweren Leiden verschieden ist.

x Ulrichstein, 18. Nov. Am 8. ds. Mts. vor­mittags 81/* Uhr wehten bereits auf dem Schloßberge die Flaggen und kündeten den Bewohnern die Geburt des Erb- großherzoges an. Heute wurde eine Prinzenlinde gepflanzt. Die Sektion des Vogelsberger Höhenklubs hat dieses veranlaßt. Die kleine Feier entsprach der Bedeutung des Tages.

A Mark urg, 17. Nov. Die heutige Ergänzungs­wahl für die aus dem Kreistage ausscheidcnden Mit­glieder gewann dadurch erhöhtes Interesse, daß die im Wahloerband der Höchstbesteuerten ausscheidenden länd­lichen Mitglieder nicht wiedergewählt, sondern fünf Herren aus Marburg die meisten Stimmen auf sich vereinigten. Im Kreistage war die Stadt seither, trotzdem sie die meisten Kreissteuern aufbringt, stets in der Minderheit, dies hat sich jetzt geändert. Bei der heutigen endgültigen Im­matrikulation der Studierenden für das Wintersemester ermahnte der Rektor Prof. Dr. von Sybel die Studenten, die Zeit ihres Aufenthalts auf der Universität dazu zu benutzen, brauchbare Mitglieder des Vaterlandes und der Menschheit zu werden, sowie neben der gegenseitigen Achtung auch die des schaffenden Bürgers nicht zu verletzen.

** Kleine SJJ' i 11 c i i t e n c> 'i - dessen n n d den Nachbar st aat en. In Assenheirn wurde der in der Koch'- ^chen Mühle beschäftigte Müller Birkenstock, Vater von füni un­mündigen Kindern, als er damit beschäftigt war, mit dem Fahr­stuhl Lasten hochzuziehen, von dem durch einen noch nicht aufge­klärten Zufall sich löslöfenden unb berabsallenden Fahrstühle er- schlagen. In Worms ist eine allseitig beliebte Persönliclfkeit, Hehrer i. P. Joh. Rod en Hausen, im Alter von 80 Jahren aus dem Leben geschieden. Die 93cerbigung erfolgte am Sonntag nachmittag auf dem Hochheimer Friedhöfe. In einem Balken­loch feines Hauses, das mit einem Brettchen vernagelt war, fand -diese Woche ein Einwohner von Bellnhausen eine Anzahl Goldmünzen aus den Jahren 1596 und 1627. Die Münzen sollen französischen Ursprungs fein.

Vermischtes.

*Eine ganze Republik ist bas Opfer eines Hoch- HaFers geworden. Woch>en. Aelt sich in San Marino

ein Mann auf, der sich als Vertreter des ameviranischen Milliardärs Pierpont Morgan ansgab und versprach, die Finanzen der Republik zu verbessern, wenn Morgan der .Herzogstitel gegeben wurde. Dafür wolle Atorgan eine Lotterie mit einem Gewinn von drei Millionen Lire ar­rangieren. Für sich verlangte er sofort einen hvlftn Orden und den Titel Generalkonsul der Republik für die Ver­einigten Staaten. Dann wolle cr ^u Morgan reisen und die Sache perfekt machen. Tie Kapitani der Republik ließen sich täuschen und vergaßen in ihrer HerzensfrerLe Er- nlndigungen einzuzichen. Erft kürzlich holten sie das Ver­säumte nach. Der Hochstapler erfuhr davon und verduftete.

* Kleine TageSchronik. Am 19. Nov. sprang ans einem <5?crioiteii3Uq Berlin-Görlitz kurz nach der Abfahrt von der Station Niederschöneweide-Johannistal ein Musketier des 52. Regiments aus Kottbns nach Angabe von Mitreisenden a b- s i ch t l i ch a u s d e m A b t e i l und wurde schwer verletzt. Seitens der Eisenbahnverwaltung wurde aus dem schnellsten Wege für die Ueberführung in das Garnisonlazarett Tempelhof gesorgt. In Budapest brach in der K u n st a u s st e l l u n g Urania ein Brand aus, ourch welchen wertvolle Kunstgegenstände im Werte von über 50 000 Kronen vernichtet wurden. Während eines Sturmes, der am Samstag Teile der Nordamerika n. Staaten Alabama, Mississippi und Tenessee heimgesucht hat, sind acht Personen umS Leben gekommen und eine große Anzahl verletzt worden. Viel Eigentum und viele Saaten haben schweren Schaden gelitten, viele Däuser sind vom Erd­boden verschwunden oder teilweise zerstört worden. Einige Teile des Landes sind überschwemmt, und die Eisenbahn- und Telegraphenverbindung sind vielfach zerstört worden. Es ist wohl möglich, daß die Zahl der Todesfälle sich später als noch größer Herausstellen wird. Der DampferDix" wurde im Puget Sound bei Washington von dem DampferJennie" gerammt und zum Sinken gebracht. 41 Passagiere sind ertrunken.

Gs?er;bahtt-Zestung.

Die Betriebseinnahmen der preußischen Staatseisenbahnen zeigen im Oktober dieses Jahres gegenüber dem gleichen Monate des Vorjahres eine Zuna h in c von Mk. 3 373 000 im Personenverkehre und von Mk. 13 411 000 int Güterverkehre. Bei Beurteilung der Ergebnisse ist in Betracht zu ziehen, daß der diesjährige Oktober einen Arbeitstag mehr und einen Sonntag weniger zählte als der vorjährige. Aber wenn hierfür im Güterverkehr auch ein Abzug gemacht wird, bleibt immer noch eine Mehreinnahme, die von der Lebhaftigkeit des derzeitigen Erwerbslebens zeugt. Den erheblichen Mehreinnahmen der Staatseisenbahn, die für das ganze Etatsjahr auf etwa Mark 120 Millionen gegenüber dem Etalsansatz geschätzt werden, stehen Mehrausgaben von mel)r als Mk. 100 Millionen gegenüber. Ter verbleibende, nicht unbeträchtliche Mehrüberschuß findet im wesentlichen für die Ausgestaltung der Bahnanlagen und die Vermehrung des Fuhrparks weitere nutzbringende Verwendung.

Arbeiterbewegung.

Hamburg, 19. Nov. TieDeutsche Arbeiterztg.' berichtet: In der Nacht vom Sonntag zum Montag wurde der Dampfer Bertini" mit vier Kähnen der Berliner Lloyd-Aktiengesellschaft, der in Jegza vor Anker lag, von einer Anzahl Männer ü ber­füll e n; die Angreifer begaben sich mit Handkähneu an Bord der Fahrzeuge, schnitten die Schlepptresien durch, zerhackten sie mit Beilen, warfen dann einen Teil der ans Stückgütern bestehenden Ladung in das Wasser und bedrohten die Besatzung mit Tätlichkeiten. Es handelt sich bei dem Ausstande um die Ab­sicht, die Schiffahrtsgesellschaften unter die Botmäßigkeit des sozial­demokratischen Hosenarbeiterverbandes zu bringen, und darum wird der Ausstand mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln fort­gesetzt. Angesichts dessen wird es den von dem Ausstande be­troffenen Gesellschaften auf die Taner unmöglich sein, auch den beschränkten Betrieb in Zukunft aufrechtzuerbalten, da sie nicht im Stande sind, für die pünktliche Ablieferung der übernommenen Ladung eine Garantie zn übernehmen. Es dürste demgemäß den Gesellschaften kaum noch etwas anderes übrig bleiben, als zu dem äußersten ihnen noch zur Verfügung stehenden Ölittel zu greifen und eine Totalaussperrung eintreten zu lassen.

Lugau, 19. Nov. Gestern tagte hier die Landes­konferenz der s ä ch s is ch en B e r g ar b e i t e r, soweit diese dem deutschen Bergarbeiterverbande angehören. ES wurde eine Resolution angenommen, nach der die Versammlung sich mit den von den vereinigten Organisationsvorständen am 9. November 1906 in Essen gefaßten Beschlüssen einverstanden erklärt. In der Reso- lrrtion heißt es weiter: Tie Konferenz beschließt, an den For­de r u n g c n f e st z u h a l t e n, überläßt aber die Entscheidung der am 21. November 1906 statlsindenden Konferenz den größeren Re­vieren. Im übrigen verspricht sie, in allen Fragen der Lohn­bewegung ihr weiteres Verhalten nur nach den anderen größeren Revieren einzurichten. Die Konferenz spricht ihre schärfste Ent­rüstung über die ablehnende Haltung d e r W er k - befitjer gegenüber den Forderungen der Bergarbeiter, sowie über die Nichtanerkennung der Bergarbeiterverbände anS. Die Konferenz steht auf dem Standpunkte, daß es den Grubenbesitzern bei einem einigermaßen guten Willen wohl möglich gewesen wäre, sich mit den Vertretern der Arbeiter in Verbindung zu setzen und den not- wendiaen Frieden herbeizuführen.

Gerichtssaat.

d. Mainz, 17. Nov. Strafkammer 2. Am 20. Oktober kam ein Unbekannter in eine Wirtschaft von Nackenhein und verlangte einen Schnaps. Als er die Wirtschaft verlassen wollte, nahm er den mit einem silbernen Griff versehenen Spazierstock des Wirtes an sich. Ein im Lokal anwesender Arbeiter bemerkte den Diebstahl und stellte deshalb den Fremden zur Rede, der behauptete, der Stock sei sein Eigentum. Die hinziigekommene Wirtin rekla­mierte den Stock als das Eigentum ihres abwesenden ManneS, worauf der Dieb den Stock hinlegte und sich entfernte. Der Ar­beiter wollte den Dieb so leichten Kaufes nicht dahm gehen lassen und verfolgte ihn. Als der Dieb sich verfolgt sah, lief er an den Rhein, fand dort einen Nachen los und fuhr damit zu der gegenüber siegenden Insel, worauf er, dort angekommen, den Nachen dem Strom preisgab. Tie am Nackenheimer Ufer stehenden Leute höhnte nun der Dieb ans, er wußte aber nicht, daß er sich selbst gefangen hatte und es ein Entrinnen von der Insel nicht gab. Die Nacken­heimer Leute, darunter der Polizeidiener, fuhren nun zur Insel und fanden nach 2 stündigem Suchen den Fremden in einer Sand­höhle bis zum Kopse vergraben vor. Unter heftigem Widerstände wurde der Dieb festgenommen und nach Nackenheim zurückgefahren. Dort wurde er der Gendarmerie übergeben, die ihn nach Oppen­heim ins Arrestlokal verbrachte. Bei feiner Visitation wurden auf den Namen eines Arbeiters Gustav Preuß aus Peitschendorf Legitimationspapiere bei ihm uorgefunben, er ließ sich auch auf diesen Namen ins Gefängnisregister eintragen. Bei den Ermitte­lungen stellte es sich aber nach einem erlassenen Steckbrief der Staatsanwaltschaft Lüneburg heraus, daß der Arbeiter Preuß von dem 30jährigen Taglöhner Jos. Gorski aus Trotzig (Posen) bei Lüneburg ermordet und beraubt worden ist. Die Personalbeschreibung des Mörders paßte genau auf den in Nacken­heim feftgenommenen. Vor der hiesigen Strafkammer unb dem Untersuchungsrichter leugnete der Verdächtige anfänglich der Gorski zu fein, später gab er eS zu, doch wollte er dje Papiere des Preuß von einem Unbekannten unterwegs auf der Wauderscl^ast erhalten haben. Heute hatte sich Gorski wegen des Dieb st a h l s des Stockes zu veranworten. Er will mit der Mitnahme dss Stockes sich nur einen dummenScherz" erlaubt haben. Ter Angeklagte will zuletzt in Bodenheim an der Dreschmaschine gearbeitet und sich am 20. Oktober nach Nackenheim begeben haben. Honte legte der Angeklagte auf Anfragen des Vorsitzenden über den Raubmord Preuß, infoibeit ein Geständnis ab, als er behauptete, er sei in einem Wirtshause in einem Dorfe bei Celle (Lüneburg) mit Preuß in Streit geraten. Auf der Straße habe er später den Preuß mißhandelt und als daher dieser zu Boden gefallen, habe er ihm die Papiere gestohlen. An den Folgen der Mißhandlung sei, wie er später erfahren habe, Prenß gestorben. Das Gericht »erurteiltc den Angeklagten wegen des Diebstahls des Stockes unb mteßetkieUec

Urkundenfälschung zu 3 Monaten Gefängnis. GorSki wird in bett nächsten Tagen nach Lüneburg verbracht. Vor der Bürger», meisierwahl in Mölsheim (Reinhessen) gab es zwischen dem Sohne, des fein Amt niederlegenden Bürgermeisters, dem Landwirt Karl Würth und dem als Kandidaten ausgestellten Landwirt und Leutnant der Reserve Eugen Mo Hing er zu Diffe­renzen. Es fand aber eine Einigung statt, daß M. zu Gunsten be§. Würth auf die Kandidatur verzichtete und versprach für dessen Wahl' zu agitieren. Trotzdem wurde am 4. Nov. d. Js. der Möllinger mit großer Stimmenmehrheit gewählt. M. lehnte die Wahl ab, als er bei der zweiten Wahl wiedergewäbl wurde, nahm er sie an. Hierauf legte W ü r t h den Vorsitz des Kriegervereins nieder mit der Erklärung, daß er dem Verein nicht angehören könne, dessen Mit­glied M. sein gegebenes Wort gebrochen habe. Durch den ßanb» | iuirt und Hauptmann der Reserve Spindel wurde der Frieden < wieder hergestellt und die beiden früheren Freunde versöhnten sich. Bald darauf gerieten bei einer Festlichkeit die weiblichen Mitglieder' der beiden Familien in Streitigkeiten, was Würth Veranlassung gab, einen Brief an den Bürgermeister zu schreiben, worin er ihm' >en Vorwurf der Feigheit machte und ihn für unwürdig erklärte, dem Offiziersstand anzugehören. Diesen Brief legte Möllinger dem Ehrenrate vor und dieser bestimmte, daß er, gerichtliche Klage erhebe. Am 7. Juni wurde Würth vom Schöffengericht in Pfed­dersheim zu 500 Mk. Geldstrafe, ev. 4 Monate Gefängnis verur­teilt. Gegen dieses Urteil legte Würth Berufung ein, die heute zur Verhandlung kam. Der Versitzende versuchte einen Vergleich her­beizuführen, der Privatkläger war hierzu persönlich geneigt, erklärte jedoch, daß der Ehrenrat aus Verhandlung bestehe und hiergegen könne er nichts machen. Das Gericht sowohl als auch die betei­ligten Rechtsanwälte fanden den Standvnnkt des Ehrenrates für [ehr unverständlich und unangebracht. Das Gericht ermäßigte die Strafe auf 300 Mk.

Berlin, 17. Novbr. Ter Redakteur des Berliner Anar- ch i st e n b l a 11 e s2 e r freie Arbeiter' Oestreich, wurde heute wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten, Aufforderungen zu strafbaren Handlungen, Gotteslästerung, Beschimpfung der christ­lichen Religion und Verbreitung unzüchtiger Schriften zu 6 Mo­naten Gefängnis und 3 0 0 Mk. Geldstrafe verur­teilt. Der Staatsanwalt hatte 1 Jahr 3 Monate Gefängnis unb 250 Mk. Geldstrafe beantragt.

Grinst unö Wissenschaft.

Der offizielle Frankfurter T h e a t e r-A l m a- n a ch für 1907 ist erschienen (Herausgeber A. Stallmann-Frcmk- furt). Er enthält eine Zusammenstellung der in beiden Theatern int letzten Theaterjahre aufgeführten Vorstellungen, Adreffen- verzeichnisse der Künstler, Beamten u. f. w. und die Porträts sämt­licher 9)litalieber des Solo-Personals.

gpidpla« der Vereinigte« Frankfurter Stadttheater.

Opernhaus.

Dienstag den 20. November *):Zar und Zimmermann.' Mittwoch den 21. November geschloffen. Donnerstag den 22. Nov., abends halb 8 Uhr:Lohengrin.' Freitag den 23. November, abends halb 8 Uhr:Der Bettelstudent.' Samstag den 24. Nov.: fDlignon/ Sonntag den 25. November, nachmittags halb 4 Uhr: ^Maurer unb Schlosser.' Abends 7 Uhr: Zum ersten Male:

i e f l a n b." Montag den 26. November, abends halb 8 Uhr: ,1001 Nacht.'

Schauspielhaus.

Dienstag den 20. November*):John Gabriel Borkmann.' Mittwoch den 21. November geschlossen. Donnerstag den 22. Nov.. abends halb 8 Uhr:Das Blumenboot.' Freitag den 23. Novbr.: John Gabriel Borkmann.' Samstag den 24. November:Dienst-- boten." Hierauf:Eine alte Schachtel.' Zum Schluß:Eine Vereinsschwester." Sonntag den 25. November, nachmittags halb 4 Uhr:Mamsell Nitouche." Abends 7 Uhr:Dienstboten." Hierauf:Eine alte Schachtel." Zum Schluß:Eine Vereins--, schwester.' Montag den 26. November:Faust', 2. Teil, 1. Abend. Dienstag den 27. November:Faust", 2. Teil, 2. Abend.

) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

Eingesandt.

(Für Form unb Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Vublikurn gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Man hört häusig im Publikum die Ansicht ausfprechen, daß Beschwerden in öffentlichen Angelegenheiten nur Zeitvergeudung seien, da sie doch nicht berücksichtigt würden. Taß diese Ansicht unrichtig ist, zeigen folgende zwei Fälle, die allgemeineres Interesse haben: 1. Wer Himmelfahrt dieses Jahres einen Ausflugunter­nommen hat und dabei von Station Braunfels zurückfuhr; erinnert sich, daß bei kolossalem Andrang absoluter Wager­man g e l herrschte. Die Beschwerde bet der Kgl. Eisenbahndirettion in Frankfurt führte zur Feststellung des Verschuldens eines den Fahrdienst leitenden Beamten (nicht in Braunfels) und wirb wohl zur Folge haben, baß im nächsten Jahre bessere Vorkehrungen getroffen werben. 2. Wer öfter nach Hagen, Dortrnunb unb Um­gegend zu fahren hat, wirb bemerkt unb wohl mich darunter ge­litten haben, daß die Personenwagen bei der Durchfahrt durch die zahlreichen, teilweise nicht gam kurzen Tunnels zwischen Betz­dorf und Letmathe u n e r l e u ch t e t blieben. Ans Beschwerde hat die Kgl. Eifenbahndirektion in Elberfeld angeordnet, daß fortan die Personenwagen auch bei Tage bei der Durchfahrt der auf den Strecken ihres Bezirks belegenen Tunnels beleuchtet werden.

Ätan vergesse nicht, daß man nicht nur ein Recht hat, sich zn b e f ch w e r e n, sondern damit zugleich eine Pflicht gegen bie Allgemeinheit erfüllt, für die keine Zeitaufwendung zu groß ist. Erste Voraussetzung dabei ist freilich, daß man seine Beschwerde begründen kann, und daß man bei ihr den richtigen Ton anschlägt. Auch wende man sich nie an die niederen Instanzen, die oft gar nicht in der Lage sind, ohne Unbequemlichkeiten für sich selbst der Beschwerde Raum zu geben, sondern immer an die höheren Behörden, bei denen man drs gewünschte Entgegenkommen finden wird.

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