Ausgabe 
24.9.1906 Erstes Blatt
 
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von ^Schiffahrtsabga^cn auf dieser bisher abgabenfreien Wasserstraße entgegenzutreten; falls aber die Einführung beschloffen werden sollte, dürfte die Verwendung der ein­gehenden Abgaben nur im Schiffahrtsinteresie erfolgen.

Oberstein, 23. Sept. Der südwest'deutsche Partei­tag der Freisinnigen Volkspartei beschloß einstimmig eine Resolution, welche die Steuerpolitik verurteilt, sah jedoch von einer Beschlußfassung hinsichtlich der Einigungs­frage ab, da über das liberale Zusammengehen Ein­stimmigkeit herrscht. In einer Volksversammlung sprachen die Abgg. Kopsch und Müller-Meiningen, ersterer über aktuelle politische Fragen, letzterer über die Steuer- und Sozialpolitik. Ein Vertreter der Nationalsozialen stimmte den Ausführungen zu und sprach die Hoffnung aus, daß eine Einigung erzielt werde.

Ausland.

' Rom, 23. Sept. Wegen eines Artikels gegen die Königin- Mutter Marghuerita fand gestern ein Säbelduell zwischen dem Chefredakteur des sozialdem. Avanti und dem Mon­archisten Journalisten Vittori "statt. Nach dem 20. Gang wurde das Duell wegen Uebcrmüdung der Kämpfenden abgebrochen und wird heute fortgesetzt.

New York, 23. Sept. Auf Kuba soll, wenn Palma mit seinen Ministern- zurücktritt, zunächst ein amerikanisches Militär-Gouvernement eingesetzt werden. Ein der Ne­gierung nahestehender Kongreßabgeordneter erklärte, daß die be­waffnete Intervention der Vereinigten Staaten am 25. d. M. beginnen werde. DieNewyork Tribüne" be­hauptet, die kubanische Revolutionsjunta in Newyork habe in Deutschland vor drei Wochen eine große Menge Waffen und Munition für die Rebellen bestellt. Die Bestellung soll bei einer Damburgev Firma erfolgt sein und sich auf 6000 Mausergcwehre und eine Million Patronen belaufen haben. Der Auftrag wurde jedoch widerrufen, da erst das Resultat der J-ricdensverl-andlungen abgewartet werden sollte. Wenn diese aber endgültig scheitern, sollen die Waffen, toie' das Blatt wissen will, wirklich geliefert werden.

Die .-Sage in Bußland.

Alle Gerüchte von einer Verschwörung gegen die Zarenfamilie sind nach neuesten Petersburger Meldungen als Erfindung zu bezeichnen. Wie aus bester Quelle mit­geteilt wird, hat die Polizei, die bei der Anmeldung der Zaren­familie zum Regimentsfest der Chevalierg"rde unter den Be­wohnern von Peterhof und den zugereiste,-. Fremden verschiedene Verhaltungen vornahm, die sestgenommenen Personen fast alle aus Mangel an Beweisen freigelassen, darunter auch einen verhafteten Palaisdiener. Der vielberufene Gärtner,, der wie ge­wöhnlich bei allen angeblichen Attentaten eine Rolle spielte und bereits eine legendäre Persönlichkeit geworden ist, befindet sich unangefochten auf freiem Fuße. Auch von dem Selbstmord eines Offiziers aus Furcht vor Entlassung, ist' in Petersburg nichts bekannt. Stolypin und Iswolsky begaben sich an Bord der kaiserlichen Jacht, um dem Zaren über die Lage Bericht zu erstatten.

Die kaiserliche Familie unternahm am Donnerstag und Frei­tag Jagdausflüge in den Schüren. Die kaiserliche Flottille liegt stit Donnerstag bei Penttilä.

Behufs durchgreifender Reform des V o l i z e i w e se n s hat die Regierung je einen englischen, deutschen und französ. Polizisten berufen. Jeder dieser fremdländischen Beamten soll einen höheren Posten im Polizei-Departement erhalten.

, .In Siedlce überreichte eine von zahlreichen Reitern be­gleitete Abordnung dem auf einer Dienstreise begriffenen katholi­schen Bischof von Ljublin ein prächtiges Kissen, welches mit dem Emblem des poln. Königtums, dem cinköpsi- gen weißen Adler mit rotem Schnabel, geziert ist. Auch die Kleid­ung der Reiter, welche polnische Nationaltracht trugen, sowie das Banner zeiatcn den weißen Adler. Die Juden brachten überall dem Bischof Salz und Brot dar.

In Sosnowice umzingelte eine Kosaken-Abteitung von 200 Mann unter Führung von Grenz-Gcndarmerie-Offizieren in der Siedlcer Vorstadt ein Arbeiterhaus, um eine Bomben- fabrik aufzuheben. Die Hausbewohner eröffneten das Feuer auf das heranziehende Militär, das die Schüsse erwiderte. Sechs Arbeiter wurden gelötet, 4 verwundet, drei Bomben be­schlagnahmt. Die Verwundeten wurden verhaftet. Einige Sol­daten erlitten Verletzungen.

; Am 22. September nahm die Geheimvolizei aus Warschau in der Kreisstadt Nowominsk mit militärischer Hilfe eine Durchsuchung der Arbeiter aus der Rudzki-Fabrik und deren Privarwohnungen vor. 5 Arbeiter empfingen die Polizei mit Re- volverschnssen. Es kam zu einer gegenseitigen Schießerei. Die Ar­beiter suchten zu entkommen, was aber nur einem gelang. Ein Arbeiter wurde erschossen, drei verhaftet. In einer Wohn­ung wurde ein Wasfenlaqer und eine Bomben-Fabrik entdeckt. Mehrere Revolver und Bomben, sowie viele" Patronen wurden beschlagnahmt. Die Verhafteten wurden nach Warschau trans- Vortiert.

und Flotte.

Aus London wird uns geschrieben: Tie Rüstungen Deutschlands zur See lassen die englische Presse nicht zur Ruhe kommen. Selbst die Zurückziehung der Halste der Truppen aus Südwestafrika hat die englische Presse sticht befriedigen können und diese kommt schon wieder mit einer neuen Forder­ung: Deutschland müsse seine Rüstungen zur See ein stell en. Zum Sprachrohr dieser Stimmen macht sich der >,Observer". In, einem langen Artikel sagt das Matt: In ein­flußreichen englischen Kreisen ist man Anhänger einer Beratung der Frage, die Einstellung der Rüstungen zur See auf der nächsten Haager Friedens^nferenz zur Erörterung zu bringe^. Es wird dann hervorgehoben, daß angesichts des englisch-iapaitischen Bünd­nisses und der loyalen Freundschaft mit Frankreich Deutschland die einzige Seemacht sei, die England gefährlich werden könne; an Rußland sei in den nächsten 20 Jahren nicht zu denken. Deutschland solle infolgedessen von England ersucht werden, sein Fkottenprvgramm abzuändern, wobei erklärt wird, daß eine Wei­gerung Deutschlands bon England als eine Beleidig- ung aufgefaßt werden würde. ____________________________

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 24. Sept.

** Die prdentliche Generalversammlung ver Bezirkssparkasse fand am 21. X. M. in dem Sckale der höheren Mädchenschule statt. Der Geschäfts-Ab­schluß von 190 5 ergab einen Reingewinn von 57321,87 der sahungtz'gemaß zur Vermehrung der Rücklagen (Reservefonds) und zur Bewilligung der übligen Unter» stutzungen im Betrage von 17 355 Mk. verwendet wurde. Eine dringend notwendige und zeitgemäße Einrichtung er­fährt dre Kasse dadurch, daß sie vom 1. Oktober d. I. ab feden Werktag von morgens 8 bis 1 Uhr und nach­mittags von 3 bis 41/2 Uhr für das Publikum geöffnet ist und die Verzinsung der Einlagen vom Tage der Ein­lage an beginnt. Der Zinsfuß beträgt zurzeit 3i/2 Proz. Durch die Amtsniederlegung des Direktors Wiener muffte eine Neuwahl der Verwaltungsbeamten stattfinden Es wurden gewühlt Rendant D öri n g als Direktor, Buchhalter Eisenhauer als Rechner und Buchhalter Haas als Kontrolleur.

V -0. Der Prospekt unseres Stadtth^aters für die bevorstehende Spielzeit, die letzte im alten Hause, liegt unserer heutigen Nummer bei. Man wird dem langjährigen Gießener Musenheim auf dem Hofe an der Wallthorstraße

Tränen des TrennungSwehS nicht 'nachweinen. rXDie' Wieder- engagements einer Reihe beliebter Darsteller, der Damen Schellenbcrg, Bayrhammer und Donecker, sowie der Herren Reimer, Goll, Lippert und Herrscher haben wir bereits bekannt gegeben und sie sind von allen Theaterfreunden mit Freuden begrüßt worden. Wir dürfen wohl hoffen, daß diese uns lieb geivordenen Künstler uns auch weiterhin treu bleiben und im neuen Hause al§ alte, werte Bekannte übers Jahr uns empfangen werden. Von den angekündigtenNeu­heiten" verdienen SchnitzlersLetzte Masken", des unglücklichen Briten Oskar Wilde, eines der geistreichster: Poeten der neueren Weltlitteratur,Idealer Gatte", des grau in grau rnalenden sozialistischen Niederländers Heycr- mans (des Dichters der unvergeßlichenHoffnung auf Segen") FamilientragödieAllerseelen", und Lilien- feinSBerg des Aergernisses" besonders hervor­gehoben 31t werden. Wenn schon dieses oder jenes der genannten Werke richtiger 31t denälteren in Aussicht ge­nommenen" zu zählen wäre, so ist daS entschieden der Fall bei des Russen GogolRevisor" und Bj örnsonS hübscher KomödieGeographie und Liebe", die beide, wenn auch für Gießen neu, ein recht stattliches Alter haben, trotzdem aber die gleiche Aufmerksamkeit verdienen, wie die drei Ibsen- Werke und die Shakcspeare'schen Lustspiele. Ein Ereignis für Gießen würde das Matkowsky-Gastspiel werden, ist M. doch vielleicht der letzte große deutsche Heldendarsteller. Goethe regte, wie Eckermann berichtet, als er einmal auf Theaterverordnungcn zu sprechen kam, ErmunterungS- Belohmmgen für Schauspieler an und schloß:Dadurch, daß alle mehr tun, als zu erwarten und zu verlangen, kommt ein Theater in die Höhe." Unter dem Begriffalle" möchten wir nicht nur alle, die zum Theater gehören, sondern auch alle, die das Theater besuchen und besuchen sollten, verstanden wissen.

* * Wegem der von der Eisenbahndirektion Frankfurt geplanten Umleitung der Bahnzüge zwischen Mainz und dem Rheingau über Wiesbaden hat Landtagsabg. Dr. Schmitt mit Unterstützung von Ab- geordneten der verschiedensten Parteirichtungen eine Anfrage an die Großh. Regierung gerichtet, in der Schritte gefordert werden, um diese zugunsten von Wiesbaden wirkende Benach­teiligung der Verkehrsinteressen von Mainz abzuwenden.

* * Militärisches. Gestern mittag wurde im Ka­sernenhofe der neuen Kaserne RegimentSappcll abge­halten. Die Fahnen wurden dann in die Wohnung des Obersten v. Lindenau gebracht. Heute früh 7 Uhr wurden die zur Entlaffung gekommenen Reservistcu mit klingendem Spiel nach dem Bahnhof geführt.

Renitent. In der Nacht vom Samstag ailf Sonn­tag mußte ein hiesiger Wirt einen Gast wegen unanständigen Betragens aus dem Lokal verweisen. Der so Gemaßregelte schlug bann von außen die Tür entzwei, jedoch folgte die Strafe auf dem Fuße, denn er erhielt sofort eine Tracht Prügel, ohne eigentlich zu wiffen von wem.

* * Aufgegriffen wurde in der Nacht zum Sonntag hier ein Schuljunge aus Ostheim. Ec war von zu Haus weggelaufen, weil er wegen eines schlechten Schulzengniffes Bcstrafling von seinem Vater befürchtete. Der Vater holte den Burschen dann hier ab.

* Verstorben ist am Samstag der Schuhmacher Lepper, der sich am Tage vorher in selbstmörderischer Absicht eine Kugel in die rechte Schläfe geschossen hatte.

* * Verh aftet wurden in verflossener Nacht zwei Ar­beiter wegen fortgesetzter Ruhestörung.

* ' Die Bürgermeisterwahl von Münster. Am Samstag wurde von dem Kreis ausschuß des Kreises Gießen über die Bürgermeisterwahl von Münster bei Lich verhandelt. Die unterlegene Partei des Beigeordneten Heinrich Heß hatte gegen die Wahl des Heinrich Gontrum Protest eingelegt. Der Kreisausschuß wies die Reklamanten kosten­pflichtig ab und erklärte die Wahl für giltig. Ter neue Bürgermeister ist der Sohn des alten Bürgermeisters, der ans Rücksicht auf sein hohes Alter eine Wiederwahl ablehnte.

f Butzbach, 23. SeFt. Heute fand hier eine Ver­sammlung der Gauturnwarte des M i 11 e lrh'e In­kreises statt, in der Prof. Wämser-Butzbach einen Vor­trag hielt, der sich mit den eidgenössischen .(Schweizer) Turn­festen und einen Vergleich derselben mit den mittelrhtzinischen Turnfeste befaßte. Im praktischen Teil der Veranstaltung wurde u. a. von Turninspektor Schmuck- Darmstadt eine Uebungsstunde im Damenturnen gezeigt, während unter Leitung des Kreisturuwarts Volze-Franksurt Keulenschwin­gen geübt wurde. Am" Samstag abend hielt der geschäfts­führende Ausschuß des Mittelrheinkreises hier eine Sitz­ung ab'.

Darmstadt, 23. Sept. S. K. H. Prinz Heinrich von Preußen traf, wie dieDarmst. Ztg." meldet, am Freitag mittag 1 Uhr, von Karlsruhe kommend, zu kurzem Besuch des Großherzogspaars im Automobil in Jagdschloß Wolfsgarten ein. Er nahm am Mittageffen teil und wurde abends 7.30 Uhr von S. K. H. dem Großherzog mittels Automobil nach dem Frankfurter Hauptbahnhof ge­leitet. Dort nahmen die Herrschaften das Abendessen ein. Prinz Heinrich trat darauf mit der Bahn die Rückreise nach Kiel an, während der Großherzog nach WolfSgarten zurückkehrte. Minister Breitenbach war heute auf Schloß Wolfsgarten zur Frühstückstafel geladen. Nachmittags kehrte er nach Wiesbaden zurück und am Dienstag wird er nach Berlin zurückfahren.

sd. Michelstadt, 23. Sept. Die Beisetzung des Abg. Häusel fand Samstag nachmittag hier statt. Trotz der ungünstigen Witterung hatte sich eine große Zahl von Leidtragenden aus ganz Hessen ein gefunden. Selbstverständ­lich waren die Parteigenossen Häusels stark vertreten, für die Regierung war Ministerialrat Freiherr von Biegeleben erschienen. Nach der ergreifenden Grabrede des Pfarrers Bernbeck sprach im Namen der zweiten Kammer der Land­stände Vizepräsident Köhler erhebende Worte. Er schil­derte die vorzüglichen Charaktereigenschaften des Dahin­geschiedenen und legte einen Kranz nieder. Weitere Blumen­spenden widmeten dann mit entsprechenden Begleitworten Landtagsabg. Breimer im Auftrage der nationalliberalen Fraktion, Kreisrat Schliephake unter Anerkennung der Ver­dienste des Entschlafenen unt das Bauwesen im südlichen Odenwald, Landtagsabg. Bähr namens des Bauernbundes, Revisionsgeometer Hiemenz namens des Vereins der Geo­meter 1. Klasse. Die Trauerfeier war ein Beweis für die Wertschätzung, 'bereu sich der Verstorbene in weiten Kreisen zu erfreuen hatte.,

[] Marburg, 23. Sept. Eine richtige Räuber­höhle wurde im dichten Tannenwalde hinter dem Dorfe Marbach entdeckt. Vier der Insassen, 18- bis 20jährige arbeitsscheue Burschen von hier, riffen aus, während der letzte einen Revolver hochhielt. Der Bursche wurde jedoch entwaffnet und zum Bürgermeister gebracht. In der Höhle fand man allerhand Tierfelle, Speisereste nsw. Uebrigens wurden in letzter Zeit in jener Gegend mehrfach allcingehende Frauen von den Bürschchen belästigt._______________________

Boranösichtlicke Witterung in Hessen für Dienstag, den 25. Sevtewber: Mäßige nördliche Winde; teilweise heiter. Trocken, nachts kühler, tags wärmer als am Portaoe.

Märkte.

fc. Frankfurt 0. M., 24. Sept. (Orig.-Telegr. desGießen. Anz.") Amtliche Notierungen bet heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen Mk. 17.0017.25, Kurhessischer Mk. 18.0000.00, La Plata Mk. 19.2520.25, Kansas Mk. 19.2520.25, Roagen (hiesiger) Mk. 15.2516.00, Gerste (Wetterauerl Mk. 17.2517.75, Franken- selber Mk. 17.7518.25, Hafer 15.5016.25, MaisMk. 13.0013.50, Weizenmehl 26.7527.75, M. 0000, 2. Qualität Mk. 24.75 bis Mk. 25.75, 3. Qualität Mk. 22.7523.50, Roggcnmebl 0 Mk. 24.2524.75,1. Qualität Mk. 22.5023.00, Weftenkleie Mk. 10.00 bis Mk. 10.50, Roggenkleie Mk. 11.0011.25, Maiskeime Mk. 12.00 bis Mk. 00.00, Franken, Pfälzer, Ried All. 17.2518,25. Alles per 100 Kg. ab hier.

k^ Frankfurt a. M., 24. Sept. (Telegr. Orig.-Bericht desGieß. Anz."). Amtl. Notierungen der hentigenViehmarktpreise. Zum Verkaufe ftanben: 348 Ochsen, 150 ans Oestreich, 65 Bullen, 0 ans Oesterreich, 0 aus Dänemark, 771 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 ans Dänemark, 241 Kälber, 318 Schafe und Hämmel, 1681 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100Pfund Schlachtgeivicht: Ochsen 1. Qualität 9093 Mk., 2. Qual 8285 Mk., 3. Qual. 7276Mk.; Bullen l.Qual. 79 bis 81 Mk., 2. Qual. 7375 Mk.: Kühe 1. Qual. 81-85 Mk., 2.Qual. 7983 Mk., 3. Qual. 68-72 Mk, 4. Qual. 0000 Mk., 5. Qual. 0000Ml. Kälber: 1. Qual. 100106Pfg., Lebendgewicht 60-63 Pf., 2. Qual. 96102 Pfg., Lebendgewicht 5861 Pfg., 3. Qual. 0000 Pfg., Schlachtgewicht 7580Pfg., Schafe: l.Qual. 8385, 2. Qual. 0000 Pfg., 3. Qual. 0000 Pfg.; Schweine 1. Qual. 8000 Pfg., Lebdgew. 63.0000.00 Pfg., 2. Qu. 79 00Pfg., Lebend-- gew. 62.0000 Pfg., 3. Qual. 7375 Pfg. Lebendgew. 00 P'g. Geschäft bei Hornvieh gut, bei Kleinvieh gut, Ueberftanb unbe­deutend.

OrigittaL-Drahtmeldnugen.

(fc.) 93 ad) ar ad), 24. Sept. Im H.o t e l zum Blüchcr- tal entstand heute früh 4 Uhr Feuer, bas sich rasch über die Privatwohnung des Wirtes und bad daneben liegende Wohn­haus des Uhrmachers Taß verbreitete. Sämtliche drei Häuser wurden eingeäschert. Der Besitzer des Hotels, von der Rad, wurde wegen Verdachts der Brandstiftung verhaftet.

G r a u d e n z , 24. Sept. Großes Aussehen erregt die Ver­haftung des praktischen Arztes Dr. v. Grumbkow und des Kaufmannes Rudolf Q r 10 v i u s wegen Verdachtes der Ver­übung eines Verbrechens gegen das keimende Leben.

Memel, 24. Sept. Die Strafkammer verurteilte die 18 jähr. Besitzerstochter Gudeit aus Schwengeln, welche im Jahre 1905 ihren Vater durch Arsenik vergiftet hatte, zu 12 Jahren Gefängnis. Ihr Vater hatte ein Liebesverhältnis seiner Toch­ter mit einem Knecht nicht dulden wollen.

Mailand, 24. Sept. Der bayrische Ministerpräsident Freih. v. Podewils telegraphierte dem demokratischen Pro­fessor Quidde, daß c§ der Regierung eine freu dige Pflicht der Gastfreundschaft sei, den nächsten Welt­friedenskongreß in München eröffnen zu können. Da§ Telegramm erregt freudige Verwunderung, weil zum ersten Male eine deutsche Bundesregierung gegenüber der Friedens­bewegung eine freundliche Haltung einnimmt.

Mita24. Sept. Seit einiger Zeit erscheint eine lettische ZeitungEzina" als Organ der lettischen Sozialdemokraten, dessen letzte Nummer die Vereinigung derlettischen So­zialdemokraten mit der russischen Arbeiter­schaft meldet. Die Administration ist bemüht, die Druckerei dieses Organs aufzufinden, das in 30 000 Exemplaren aebrueft und über­all, wo Letten wohnen, abgesetzt wirb. Ganze Listen von Todes- Kandibaten, welche als angebliche Spione der nuten Sache schaden, werden offen darin abgedruckt. Die letzte Liste weist 12 Guts­verwalter, einen Pastor, 2 Förster, 3 Landräte, 5 Dorfschulzen und 3 Frauen auf.

Washington, 23. Sept. Die Tarif-Differenzen zwischen Amerika und Deutschland wurden heute zwischen dem Hilfssekretär Keep vom Schatzamt und dein Führer der Deputation deutscher Fabrikanten, Vossen, be­sprochen. Vossen machte bett Vorschlag, baß eine ameri- konische Abschätzungsbehörde die deutschen Handelskammern besuchen und die Mißstände besprechen möchte, um wieder gute Handelsbeziehungen herzustellen. Keep verständigte Vossen, daß die Beschwerden der Deutschen bereits int Kongreß als Vorlage eingebracht,'.im Senat jedoch bei der Vertagung des Kongresses stecken geblieben sei. Vossen er­klärte sich mit den Bestimmungen der Vorlage zufrieden und ersuchte nur um möglichste Beschleunigung der An­gelegenheit.

Havanna, 23. Sept. (Reuter.) Es hat den Anschein, daß das Ende des Aufstandes bevorsteht, ohne daß es zu einer Intervention der Vereinigten Staaten kommt. Kriegssekretär Taft und Unterstaatssekretär Bacon hatten eine Besprechtmg mit den revolutionären Führern, die ein Komitee von sieben Mann ernannten, das Vollmacht hat, die Liberalen bei den morgigen Friedensverhandlungen zu vertreten. 1500 Mann amerikanische Marineinfanterie und Matrosen werden bereit gehalten, in Havanna zu landen, wo sie in 30 Eisenbahnwagen nach dem Lager von Columbia ' gebracht werden. Diese Vorsichtsmaßregel wird getroffen für den Fall, baß bie Aufstänbischen, unzufrieben mit den Ver­handlungen, bi» Stabt angreifen sollten.

Magenkranke und schwächliche Kinder bebürfen einer kräftigen, aber habet leicht verdaulichen Nahrung. Am besten eignet 'sich bas altbewährte Nestle'sche Kittdermehl, ivelches mit Wasser gekocht, eine vollstättbige Nahrung ergibt. Bemttzt man bas Nestle Mehl als Zusatz zur Milch, so macht es letztere leichter verbaulich und tverben hierdurch im Sommer die so häufig mtftretenbeu Magen» unb Darinkatarrhe verhütet. [ss31/a

Arheitsvergebrmg.

Tie nachstehenden Arbeiten für den Nettbau der höheren und erweiterten Mädchenschttle sollen

Donnerstag, den 4. Oktober d. I., vorm. 11 Nhr öffentlich vergeben werben.

Loos I: Knnstfchmiedearberten

darunter 7 Stück Haupteingangstüren

ca. 70 lsd.Mir. Treppen- n.sonstige Geländer ein zweiflügeliges Einfahrttor

Loos II: Schlosscrarbeiten

Loos III: GipSestrichböden 1418 qm

Zeichilimgen, ArbeitSbeschreiblmg und Bedingungen liegen während der Dlenststlmden bei uns zur Einsicht offen. Angebote ans $oi> druck, der dastlbst erhältlich, sind bis zum genannte,' Zeitpunkt bei uns emzure'.chen. Znschlagssrist 14 Tage.*

Gießen, den 22. September 1906.

Städtisches Hochbanaml

Gerbet. [B6/^