Ausgabe 
23.7.1906 Erstes Blatt
 
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vor nücin infolge seine? Bundes mit dem Zentrum »mfähig ist. DnS Mast der politischen Stärke des Liberalismus hängt ab von der Stärke seiner antiklerikalen Politik.

Die Christlich-Sozialen von heute sind so schreibt man unS nur noch ein kleiner Nest auS vergangener Zeit, nämlich aus den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, wo sie c§ freilich auch nicht zu einer wirklichen Bedeutung gebracht haben. Aber heute ist viel mehr und viel ernsthafter von ihnen die Rede als damals. In Essen, in Altena und in Hagen haben die Ehristlichsozialen Verwirrung angestiftct. Infolgedessen schreiben die Blätter so viel Artikel über sie, daß bald auf jeden Christ- lichsozialcn einer kommen wird.

In Hagen hat ihr Kandidat Mu in m soeben daS gleich­zeitige Zurücktret en des nationallibcralen, dcS kleri­kalen und deS christlichsozialen Kandidaten zu Gunsten dcS Prof. Franke oder des Grafen Hasel er empfohlen, um die Wahl dcS freisinnigen Cuno noch im letzten Moment zu verhindern und sich durch diese unermüdliche Wahltaktik einen Namen zu machen. Und die National- liberalen haben diesen Gedanken wirklich ernst genommen und hätte Pros. Franke von derSoz. Reform", der schliestlich allein in Frage kam, nicht kühl gedankt, dann wäre womög­lich wirklich daraus etwas geworden!

Trotzdem ist die Rolle der Christlichsozialen dort noch nicht ausgespiclt: in einer Woche ist erst die Stichwahl und in dieser langen Zeit lasten sich noch allerlei artige oder weniger artige Streiche anSheckcn. Da wuchs Herrn Lie. Mumm die Spannkraft und er suchte in einem Artikel für dieTägliche Rundschau" dasEristenzrecht der Christlichsozialen" nach- znweisen. Dieser Artikel gipfelt in der Behauptung, daß ein Abgrund" die kapitalistischen Nationallibcralen von den reformerischen Christlichsozialen trenne, weshalb die Christlich­sozialen selbständig bleiben und dem Sozialdemokraten Wähler und Wahlkreis abnchmen müßten. DieTägl. Rundschau" zahlt Herrn Mumm zu ihren regelmäßigen Mitarbeitern. Die neuesten Vorgänge haben aber ihren Chefredakteur Rippler ernüchtert und er versieht die Zuschrift mit verschiedenen scharfen Gegenbemerkungen. Am markantesten ist sein Vorwurf, daß die christlichsoziale Partei jetzt offen dazu übergeht, das protestantische und antiklerikale Bewußtsein geradezu durch Förderung klerikaler Machtgelüste zu brüskieren. Auch das stimmt noch nicht ganz. Die Christlichsozialen betreiben nach Art des Zentrums innerhalb der evangelischen Benölke- rnng die Verquickung von Politik und Religion. Wenn von dieser Tätigkeit meist nicht viel die Rede ist, so kommt e§ daher, weil die Christlichsozialen wenig erreicht haben. Hiervon abgesehen hat Rippler sie nun erkannt.

Noch eine Bemerkung Mumms ist von Jntcrcste.. Er behauptet:

Es ist unrichtig, anzunehmen, daß die christlichsozialen Stimmen aus nationalliberalem Holze geschnitzt seien. Sie foinntcn znm Teil aus Gemeinschaftskreisen, die bisher überhaupt nicht stimmten, znm Teil aus Arbeiterkreisen, die früher im Sozialdemokraten den einzigen Vertreter der Arbeiterrechte ansahen."

Wir glauben im allgemeinen nicht daran, daß die Christ* lichsozialen Sozialdemokraten bekehren. Als Stöcker den, Kaiser einmal berichtete, ein Sozialdemokrat habe auf einem christlich­sozialen Fest das Kaiserhoch anSgebracht, handelte es sich um einen von seiner Partei AuSgestoßenen, mit dem er nachher an Gerichtsstclle üble Erfahrungen machte.

Generalversammlung des Geselligkeitsvereins Gleiberg.

th. Gießen, 23. Juli.

Von der höchsten Zinne des Burgfrieds der altehrwür­digen Burgruine Gleiberg wehte am SamStag tagsüber die Fahne und entbot ihren Gruß hinunter in das weite Tal, auS dem am Nachmittag ein starker Strom von Touristen zu Berg zog. Das Willkommen galt besonders den Mitgliedern deS Gleibergvereins, den treuen Behütern und Bewahrern der Burg. Im Nastauerbau hatten die Herren sich zur alljähr­lich stattfindenden Generalversammlung am SamStag nach­mittag zahlreich eingefunden.

Der Vorsitzende Gehcinierat Dr. B re id e rt begrüßte die Erschienenen, unter denen sich Landrat Dr. Sartorius von Wetzlar, Kreisbaumeister Stief-Wetzlar, Mitglieder der Kreis- ausschüste von Wetzlar und Gießen sowie die Mitglieder des Stadtoorstandes von Gießen: Dr. Gutfleisch, Dr. Haberkorn, Haubach, Heichelheim, Kirch und Keller sich befanden. Geheime- rat Dr. Breidert wies im Jahresbericht darauf hin, daß dank der Zuwendungen dec Abschluß der Kaste für das ab­gelaufene Jahr recht günstig zu nennen ist, trotz der erheb­lichen Arbeiten zur Sicherung der eigentlichen Burg. Der Verein zählt 151 ordentliche und 5 außerordentliche Mit­glieder. Durch den Tod sind im abgelaufenen Geschäftsjahr aus diesem Leben abberufen worden: Quästor Orbig, Rentner L. Bücking, Ingenieur Schiele, Veterinärrat Dr. Schmidt, Geheimrat Prof. Dr. Oncken und Apotheker M. Lamle- Krofdorf. Die Versammlung ehrte die Entschlafenen durch Erheben von den Sitzen. Aus den: Kassenbericht dürfte interessieren, daß für den Gleiberg an freiwilligen Beiträgen der hessische Staat 300 Mk., der Kreis Gießen 200 Mk., der Kreis Wetzlar 100 Mk die Stadt Gießen 100 Mk., die Rheinprovinz 600 Mk., der preußische Staat 500 Mk., ein 'Unbekannter 100 Mk. gegeben haben. An Mitgliederbeiträgen gingen 480 Mk. ein. Infolge dieser Einnahmen war es möglich, energisch an die Arbeiten zur Erhaltung der Ruine heranzugehen und eine erhebliche Besterung des Inventars zu betreiben. Ebenso war es möglich, Abortverhältniste zu schaffen, die der Frequenz des Gleibergs entsprechen. Die Vereinsleitung hofft, da die auf 6 Jahre verteilten Arbeiten im Jntereste der Erhaltung der Ruine jedes Jahr erhebliche Kosten und Anforderungen erfordern, daß die alten Mitglieder und Freunde des Vereins diesem treu bleiben werden und es gelingen werde, dem Gleiberg neue Freunde zu erwerben.

Der Kostenvoconschlag für das Jahr 1906/07, der mit (3744,17 Mk. abschließt, sieht für Renovierung der Decke und "ber Wände des Kaisersaales :c. 150 Mk., für die Abortanlage 1200 Mk. und für die Ruine 1500 Mk. in Ausgabe vor; er wurde von der Versammlung genehmigt. Der 2. Vor­sitzende, Geh. Justizrat Dr. Schmidt, gedachte dann noch in beredten Worten der Verdienste des verstorbenen Quästors August Orbig, der 19 Jahre lang mit Liebe und Anhänglich­keit als Rechner des Vereins für den Gleiberg gearbeitet hat. Dieser Mann, so erklärte Dr. Schmidt, war geradezu die ver­

körperte Tradition der Burg, er wußte alles, was den Glei- bergverein und was die Burg betraf, alle je gefaßten 23c» schlöffe waren ihm gegenwärtig, er kannte alle Mitglieder persönlich. Orbig habe es verdient, daß man seinem Bild auf dem Gleiberg einen Platz gebe. Ein dahin gestellter Antrag wurde von der Generalversammlung zum Beschluß erhoben. Geheimerat Dr. Schmidt ließ dann noch eine Ab­bildung zirkulieren, welche die Burg Gleiberg vor ihrer Zer­störung im Jahre 1656 darstcllt. Das Bild stammt jeden­falls aus dem ersten Viertel des 17. Jahrhunderts und wird seinen Platz auf dem Gleiberg sinden. Ein Rundgang durch die Burg beschloß den offiziellen Teil der Sitzung. Die Mit­glieder des Vereins leerten später im Naffauer Zimmer eine von Konrad Roth zugunsten der Baukaste des Vereins ge­spendete Erdbeerbowle und benutzten zum größten Teil die! Gelegenheit, den schönen Abend auf den, Gleiberg zu genießen.

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 20. Juli.

Ter vielfach bestrafte Arbeiter T. F. ans Elpenrod batte sich in einer Wirtschaft zu Friedberg auf einige Tage einlogiert und als Forstbeamter ausgegeben. Bei seiner Abreise gewahrte das Bületsräulein, daß die Türe ihres Zimmers anfgebrochen nnd aus ihrem Koffer eine Uhr mit Kette nnd etwa 50 Mk. Geld ver­schwunden war. F. machte sich durch unwahre Angaben so ver­dächtig, daß alsbald seine Festnahme erfolgte. Trotzdem er leugnete und sich weder die Uhr noch das Gelb bei ihm vorsand, hatte das Gericht keinen Zweifel, daß er der Täter ist, da es ausgeschlossen erschien, daß ein anderer den Diebstahl ansgcsührt haben kann. Er wurde des Diebstahls im wiederholten Rückfall für schuldig erachtet nnd unter Versagung mildernder Umstände zu 1 Jahr 6 Monaten Zuchthaus nnd 5jährigen Ehrverlust verurteilt. In Anbetracht der Gemeingefährlichkeit wurde auch die Zulässig­keit der Polizeiaufsicht für an gezeigt erachtet.

Gegen den 44jährigen Schriftsetzer I. H. aus Danzig wurde wegen S i t t l i ch k e i t s v e r b r e cb e n s au Kindern unter 14 Jahren unter Ausschluß der Oefsentlichkeit verbandelt. Das öffentlich verkündete Urteil lautete ans 4 Jahre Zuchtbaus nnd 5jährigen Ehrvcrlnst. Er ist bereits zweimal wegen desselben Verbrechens bestraft, weshalb ihn die volle Strenge des Gesetzes zn treffen batte. Das Gericht biclt die eine an einem 4jähriqen Kinde verübte Tat für so gemein nnd niederträchtig, daß es ihm auch die bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre absprach.

Der 15 jährige Bergarbeiter W. I. hier wußte, daß ein Ar­beiter ans dem Branusteinbcrgwerk das für Flaschenbier gesammelte Geld in seinem Spind aufbewahrte. Er verschaffte sich einen Schlüssel, mit dem er den Spind öffnete nnd etiva 4 Mk. daraus entwendete. Der Arbeiter halte zwar schon mehrfach bemerkt, daß ihm kleinere Geldbeträge fehlten, doch konnte dem Angeklagten nicht nachgewieseu werden, daß er auch dieses entwendet hat. Nach an­fänglichem Leugnen gestand er seine Tat einem Gendarmen gegen­über ein: er Suchte sich aber damit zu entschuldigen, daß er nach einem seinem Vater abhanden gekommenen Portemonnaie fachen wollte. Noch seiner Intelligenz kam das Gericht zu der Ueber- zengnng, daß er die zur Strafbarkeit seiner Handlung erforderliche Einsicht besessen hat. Er wurde wegen Diebstahls zu drei Wochen Gefängnis verurteilt.

Dem Bahnarbeiter K. Z. von Kaichen ging ein Strafbefehl zu, weil er wiederholt unentschuldigt bei derPslicht- f e u e r w e b r n b u n g gefehlt hat. Er erhob gegen dos Schöffen- gerichtsurleil, das seinen Einspruch verworfen hatte,-Berufung und machte geltend, er habe nur zwei Sonntage im Monat dienstfrei nnd soll diese Zeit noch zn Uebnngen der Feuerwehr verwenden. Er hielt dies für unzulässig und bat, da er diese Zeit zur Erholuiig nölig habe, um Freisprechung. Die Staatsanwaltschaft hielt die Anklage nicht aufrecht, da nach einem Ministerialaiisschreibeu Eisenbahnbedienstete nur mit Zustimmung ihrer vorgesetzten Be­hörde zil den Hebungen der Feuerwehr heraugezogen werben dürfen. Daß im vorliegenden Fall eine Zustimmung erfolgt ist, hielt das Gericht für ausgeschlossen, iveshalb es die Berufung für begründet aiisah und F r e i s p r e ch il n q einfreten ließ.

Der Handelsmann I. B. aus Großen-Buseck wurde wegen Uebertretung «ner Polizeiverordnung auqezeigt, weil er auf der Zufuhrstraße zum Schlachthause, mi einer Stelle, die nicht zum Markt gehört, und nicht zur Marktzeit ein Stück Vieh verhandelt hat Es ging ihm ein Strafbefehl über drei Mark zu, aus deffeu Einspruch das Schöffengericht zum Freispruch kam. Infolge Be­rufung der Staatsanwaltschast fand Termin statt, bei dem es sich herausstellte, daß ein Augenschein an Ort und Stelle nötig sei, weshalb Vertagung eintreten mußte.

Koblenz, 21. Juli. DaS Kriegsgericht verurteilte den Ulan Wahl wegen militärischen Aufruhrs nnd tätlichen Angriffs gegen einen bayrischen Artillerie-Sergeanten zn 5 Jahren Gefängnis.__________________________

* Kleine Tages chronik Bei Neu - Breisach wurde die 2 Mann starke Miloerturmwache Nachts von Männern mit geschwärzten Gesichtern ü b e r f a l l e n. Während ein Mann auf Patrouille war, raubten die Männer das Gewehr und die Patronen des Andern. Ter erstere nahm die Verfolgung auf, von der er mit zerschmetterter Schulter zurückkehrte, während die Täter unerkannt entkamen. In Glogait sind einige 80 Pioniere infolge Erkrankung in das Garnisons-Lazarett gebracht worden. Tie Erkrankung wird aus das Baden in ber Ober zurückge­führt. In Königsberg ertrank bei einer Hebung her Leutnant v. Dreßler, ein Sohn des Landrats v. Heiligen­beil. Das Hochwasser der Weichsel hat in Fordon und Brahemünde Verheerungen angerichtet. Brahnau und andere Ort­schaften wurden unter Master gesetzt. Die Ernte ist vernichtet, viele Haustiere sind n m g e f o m m e n. lieber dem oberschlesischen Jndustriebezirk entlud sich am Samstag ein heftiges Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen und Hagel. In Beuten haben die Wastermassen ganze Straßen überschwemmt. Der angerichtete Schaden ist bedeutend. Am größten ist der Schaden, den der Hagel auf den Feldern angerichtet hat. Auf dem Bahnhose B o r s i g w er t bei Kattowitz sind wegen umfangreicher 65 ü tcr- Diebstähle zwei Eisenbahn beamte verhaftet worden. Bei den Haussuchungen wurden ganze Wagenladungen entdeckt. Tie Diebstähle reichen etwa 6 Jahre zurück. Verschiedene beteiligte Beamte sind inzwischen nach anderen Orten versetzt worden. Die Eisenbahn-Direktion Kattowitz hat eine strenge Untersuchung ein­geleitet. Weitere Verhaftungen stehen bevor. Die Sache ist durch einen anonymen Brief ans Licht gekommen. In Bozen hat der Oberleutnant Zalay de Hagyaros den Kaiserjäger Leising wegen Insubordination im Glieds durch Säbelhiebe schwerver­letzt. In Santa sind über 60 Erdstöße verspürt worden, die immer heftiger werden. Die Bewohner von Socorro haben die Stadt verlosten. In Hannover wurden der von Leipzig aus wegen Totschlags verfolgte Tischler Franz Köhler und seine 65eliebe, die angebliche Schauspielerin Johanna Lange, festgenommen. Wie dieTils. Allg. Ztg." aus Schmal- leningken erfährt, brach in der russischen Grenzstadt Georgen- burg eine Feuersbrunst aus. Sie äscherte besonders in den inneren Vierteln gegen hundert Gebäude ein. Die 8 jährige Ilse Schäfer wurde gestern aus freiem Felde unweit Dort­mund mit abgeschnittenem Halse und gräßlich verstümmeltem Unterlech aufgefunden. Es liegt ein schwerer Lustmord vor. Tie Täter, zwei jugendliche Bergmänner, sind flüchtig. Der Bankier Felix Avec ans Neuchatel, welcher in Begleitung feiner Tochter eine Fahrt nach Bro sing (Ungarn) unternahm, fuhr beim Ausweichen eines Fuhrwerks mit seinem A u t o m obil gegen einen Meilenstein. Ter Chauffeur, der Bankier und seine Tochter wurde aus dem Automobil geschleudert. Die beiden Letz­teren sind erheblich verletzt worden.

Grinst Miifc Wissenschaft.

Bamberg, 21. Juli. Der 100 j übrige Geburtstag be§ Sprach- und Geschichtsforschers Zeuß wurde heute hier durch

eine Gedächtnisfeier begangen, der der bayerische Kultusminister, Erzbischof Albctt-Bamberg, Vertreter der deutschen Universitäten (au8 Gießen Pros. Dr. D a r t b o l o in a e), Abgesandte der Universitäten Dublin, Genf und nordamerikanischer Hochschulen, ferner Vertreter von historischen Vereinen und andere beiwohnten. UniversttätSprofestor Cuno Meyer- Liverpool hielt die Festrede und feierte Zeuß als Sprachforscher, um die Geschichte der keltischen Stämme hochverdienten Historiker und als Schöpfer der keltischen Philologie. Nach der Feier begaben sich die Festteilnehmer nach Vogtendorf bei Kronach, dem Geburtsort Zeuß'.

Paris, 21. Juli. Wie mitgeteilt wird, hat der Rat der Ehren­legion bet bekannten großen Tragödin Sarah Bernhard das Kreuz der Ehrenlegion verweigert, wie dies bereits vor 2 Jahren geschehen ist. Der Rat begründet dies damit, daß Sarah Bernhard keinen Unterricht erteilt. Man will aber die Meinungsdistercnz dadurch beilegen, daß Sarah eine Ehrenprofessur am Konservatorium erhält und dadurch des Ordens würdig befunden wird. Dagegen ist B r i e u x , der auch in Deutschland, namentlich als Autor derRoten Roben" bekannte Dramatiker, zum Offizier der Ehrenlegion ernannt worden.

Spik-plarc d?r verrimyten Frankfurter Stadttheater.

Opernhaus-.

Dienstag den 24. Juli*):Der Prophet.- Mittipoch den 25. Juli:Carmen." Donnerstag den 26. Juli:Der Evangeli- mann." Freitag den 27. Juli:Der Freischütz." Samstag ben 28. Juli:Plante solo. Hieraus:Maurer und Schlaffer." Sonntag den 29. Juli:Die Afrikanerin." Montag den 30. Juli, abends halb 8 Uhr:Die Geisha."

Schauspielhaus.

Von Samstag den 7. Juli bis incL Freitag den 3. August bleibt das Schauspielhaus geschlossen.

) Ansang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

Nürnberg, 21. Juli. Der 23. Bundestag des deutschen N a d f a h r e r b u n d e s , der hier zusammengetreten ist, hat beschlossen, die den Mitgliedern gewährte Haftpflicht-. Versicherung auf weitere fünf Jahre auSzudehuen und vom 1. Januar 1907 ab eine Unfallversicherung einzurichten mit Gewährung von 1000 Mk. für den Todesfall und 1000 Mk. für den Jnvaliditätssall mit 1 Mk. Kurkostenbeitroq pro Tag der Erwerbsun'ähigkeit. Tie Kosten der Versicherung werden durch die Erhöhilng des Bundesbeitrages von 3 Mk. auf 3.50 Mk. pro Jahr und Mitglied ausgebracht. Ter nächste Bundestag findet im Jahre 1907 in Stettin statt. x

Avbeitorbewegrrng.

Auf den Milowicer Walzwerken in Oberschlesien, wo Streitigkeiten zwischen der Direktion und den Arbeitern bestehen, kam es zu argen Ausschreitungen. Arbeiter warfen gegen 600 Fensterscheiben des Etablissements ein und suchten die G e b ä u d e in Brand zu stecken. Im Fabrikhofe hatten sie die dort lagernden Hölzer mit Petroleum begossen und dann a n g e z ü n d e t. Meister Knebel mürbe schwer mißhandelt. Die Direktion beabsichtigt die Werke zu schließen.

Z ü r i ch, 21. Juli. Zwischen Arbeitern unb Kavallerie kam es nachts abermals zu ernsten Zusammenstößen. Eine Reihe von Verletzungen, darunter auch solche von Polizisten, war die Folge. Heute umstellten Infanterie-Abteilungen alle Bauplätze und Fabriken zum Scluitze der Arbeitswilligen. Infolgedessen haben einige 100 Maurer die Arbeit ivieder ausgenommen, 2000 sind ab­gereist. Heute haben die Bäckergesellen die 9lrbeit eingestellt, da­gegen ist eine Verständigung zwischen ben Schreinern erfolgt. Die Streikaussperrungen rourben hellte aufgehoben.

Ersen? bcrhn-ZerLung.

In Kronberg fand am Samstag eine Zusammenkunft wegen Erbauung einer elektrischen Taunusbahn statt. Von Hom­burg soll bte geplante Bahn über Obersteden nach der Hohen Mark führen, von dort ans demWeißen Hof" vorbei über die Kaiserin Friedrich-Waldchailfiee, wo sie am Marstall und Schloß Friedrichs Hof mündet. Die Landstraße dient von hier ab über Königstein, Fischbach, Eppstein bis nach Wiesbaden als Trace. Man hofft, durch diese Bahn den ganzen TaunnS zu erschließen.

fianöd rrnd Verkehr, Volkswirtschaft

Mannheim, 21. Juli. Ein Konsortium, bestehend aus dem Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat, ber Rheinischen Kohlen- uudRbedcrei- Gesellschaft in Mühlheim lRubr), der Rheinischen Creditbank in Mann- beitn, ber Süddeutschen Diskonto»Gesellschaft in Mannheim und der Süddeutschen Bank in Mannheim bat mit der Rheinau G. m. b. H. in Liquidation unb ber BetriebLgesellschaft für ben Rheinau-Hafen G. m. b. H. in Liquidation eine Vereinbarung getroffen, derzufolge das Konsortium sämtliche Liegenschaften der beiden Gesellschaften mit verschiedenen weiteren Aktiven und das Elektrizitätswerk der Betriebsgesellschast für den Rheinau- Hafen nebst Zubehör übernimmt. Der Kaufpreis beträgt 81/, Millionen. Wie dieReue Bad. Landesztg.'" erfährt, werden das Rbeinisch-Westsälische Koblen-Syndikat und die Rheinische Kohlen- und Rbedereigesellschast ver­schiedene Plätze von dem neu gebildeten Konsortnm übernehmen. Seitens dieser Gesellschaften besteht anscheinend die Absicht, ihre bisherigen Lager­plätze im Rheinbafengebiet zu vergrößern, und Rheinau zum Stapelplatz für den Kohlenverkehr mit Suddeutschland und der Schweiz zu gestalten.

Tefefcimscsw iKursberäeMe des Giessener Anzeigers, mitseteilt von der Bank für Handel und Industrie. Messen.

Frankfnrter Kötro. 23. Juli. 1.15 Uhr.

3%°/0 Reichsanleihe . . 99.45 3% do. . . 87.80 3%°/0 Konsols .... 99.50 3% do 87 95 3 °/0 Hessen 98.30 3%°/0 Oberhessen . . .. 4°o Oesterr. Goldrente. . 100.50 4x/0 9K Oesterr. Silberrente 100.40 4% Une-ar. Goldrente . . 95.60 4% Italien. Rente . . . 103.10 3% Portugiesen Serie I . 70.00 3% Portugiesen r III 70.60 4%°/0 russ.Staatsanl. 1905 83.50 4%°/ft Japan. Staatsanleihe 94.50 4 % Conv. Türken von 1903 95 80 Türkenlose 145.00 4% Griech. Monopol-Anl. 53.60 4% äussere Argentinier . 90 70 3°/n Mexikaner ..... 4^°/0 Chinesen .... 98 40

Aktien:

Bochum Guss 238.00 Buderus E. W . ... 00.00 Tendenz : schwach.

Berliner Börse,

Canada E. B 157.60 Darmstädter Bank . . 137.00

Deutsche Bank .... 233.70 Dortmunder-Union C. . . 82.80 Dresdner Bank .... 15500 Tendenz: flau.

Elektriz. Lahmeyer . . . 138.00

Elektriz. Schuckert . . . 125.30 Eschweiler Bergwerk . .. Gelsenkirchen Bergwerk . 218.10 Hamburg - Amerik. Paketf. 155.70 TTarpener Bergwerk. . . 204.50 Laurahütte Nordd. Lloyd .... 123.00 Obeischles. Eisen-Industrie 124,00 Berliner Handelssfes . . 164.70

Darmstädter Bank . . . 137.00 Deutsche Bank . . . 233.30

Deutsch-Asiat. Bank . . 175.50 Diskonto-Kommandit. . . 180.10 Dresdner Bank . . . 155.00 Kreditaktien 207.40 Baltimore- und Ohio-

Eisenbahn . . . 115.50

Gotthardbahn 194.

Lombard. Eisenbahn . . 33.30 Oesterr. Staatsbahn . . . 142.90 Prince-Henri-Eisenbahn . 14 3.00

23. Juli. Anfang-sknrse.

Harpener Bergwerk. . . 204.50

Laurahütte 226.40

Lombarden E. B. ... 33.30

Nordd. Lloyd 122.90

Türkenlose . .... 145.20

Hotcl-Rcstauraut Kronprinz, Bad-Salzhanfeu.

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