Ausgabe 
22.10.1906 Zweites Blatt
 
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Montag SS. Oktober 1906

Zweites Blatt

Nr. S48

Eichener Anzeiger

1S6. Jahrgang

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schere Univerfttätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition u.Truckerei: Schulstr.7.

Tel. Nr. 6L Telegr,-Adr.: Anzeiger Gießen.

Erscheint KgNch mit Ausnahme deS Sonntags.

TieGießener ZcnnMenblStter- werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

GeirerÄ-Mzeiger. Mir- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Deutsches Reich.

Berlin, 21. Okt. Fürst Philipp zu Hohenlohe soll, wie verlautet, vom Reichskanzler empfangen worden fein, um sein Bedauern über die Veröffentlichung der Memoiren seines Vaters durch den Prinzen Alexander Hohen» lohe auszudrücken. Dies ist durchaus falsch. Et denkt gar nicht daran, seinem Bruder zu zürnen, sondern er ist, wie er sich einem Mitarbeiter der »Berl. Morgenpost" ausgesprochen hat, der Ansicht, daß sein Bruder in guter Absicht und nach den Wünschen des Vaters gehandelt hat. Es sei allerdings unklug gewesen, gewiße Teile in den Memoiren zu veröffent­lichen. Aber trotzdem trat Philipp warm für seinen Bruder ein. Denn dieser habe manche intercffante Stellen unter­drückt, die der Oberkonsistorial.Präsident Eurtius veröffent­licht wissen wollte.

Dem früheren Leiter in der Kolonialabteilung, dem Erbprinzen zu Hohenlohe-Langenburg, ist vom Kaiser, wie decVerl. Morgenp." onS guter Quelle bestätigt wird, dec zum nächsten Januar infolge Rücktritts des Grafen Wolff-Metternich frciwerdende deutsche Botschafter- posten in London angebotcn worden. Prinz Hohenlohe, dessen Gesundheit in letzter Zeit etwas zu wünschen übrig ließ, hat sich Entscheidung vorbehalten.

Köln, 21. Okt. Die ,K. Volksztg." meldet auS West­falen ein starkes Sinken der Schweinepreise. Die Fleischfabriken nehmen an, daß in vier Wochen die Schweine­preise wieder auf der gewohnten Höhe stehen werden.

Köln, 20. Okt. Im benachbarten industriereichen Kalk wurde in der Stadtratssitzung der Bürgermeister interpellrert, was die städtische Verwaltung zu tun gedenke, um die gegen­wärtige, durch die hohen Fleischpreise unter den Ar­beitern hervorgerufene Not zu lindern. Letzter Tage sei eine Frau gestorben und zwar, wie der Arzt ausdrücklich fest- gestellt hatte, an Unterernährung. Fleisch könne sich die Arbeiterschaft nicht mehr leisten.

Mülhausen i. E., 21. Okt. Bei der heutigen Nach­wahl zum Gemeinderat siegte die bürgerliche Liste mit 2600 Stimmen Mehrheit. Durch dieses Wahlergebnis ist die bisherige sozialdemokratische Mehrheit des Gemeinderats beseitigt.

Heilbronn, 22. Okt. Zu den Hohenlohe'schen Memoiren bringt die »Neckarztg." einen Artikel, nach welchem weder Prinz Alexander noch Dr. CurtiuS Aus­lastungen oder Kürzungen delikater Stellen vorgenommen hätten. Lediglich die Verlags anstalt habe, nachdem verschiedene Indiskretionen mit einer scharfen Spitze gegen den Kaiser bereits gesetzt waren, diese gestrichen.

AnsLcrnH.

Rom, 20. Okt. Der Minister des Auswärtigen Tittoni empfing heute mittag ben Staatssekretär des deutschen Auswärti­gen Amts v. Tschirschkp und erwiderte dessen Besuch. Gior- nale d'Jtalia sagt, daß die Unterredung eine vollständige U c b c r e i n st m m u n g der Anschauungsweise über die Lebens­fähigkeit des Dreibundes sowie eine Wiederherstellung der herzlichen Beziehungen zwischen Italien und Deutsch­land gebracht habe. Die übrigen römischen Blatter veröffent­lichen einen Artikel des MailänderTempo", wonach die An- kmist Tsclnrschkhs sowohl - der Negierung als auch dem König überraschend gekommen sei. Deutschland habe diese Lag- Italiens ausgenutzt, um einen großen Schlag auszuführen imb Italien nicht Zeit zu lassen, seinen Entschluß^reifen zu lassen.

Tanger, 21. Okt. Eine Kolonne Truppen des Sultans von Marokko ist zwischen Azessour und Mazagan Rebellen begermet, wurde von diesen angegriffen und geschlagen. Man spricht von mehreren hundert Toten._______________

Hser und Flotte.

Wien, 20. Okt. Heute fand bei dem Ehe? des Eeneralstabs, Grafen Beck, der sein 60 jähriges Militärjubckäuin begeht, großer Gratulationsernpsang statt. Hierbei empfing Gras Beck den Ches des Militärkabinetts des deutschen Kaisers, Grasen Hülsen-Häseler, der ein H a n d s ch r e i b e d e s K a i s e r s W i l h e l in überreichte, sowie den Oberst von Below vom 19. Jnsaulerieregiment, dessen Ches Gras Beck ist. Das Handschreiben des Kaisers hat folgenden Wortlaut:

Bonn, 20. Okt. An den k. k. österr. ungar. Feldzeugmeister Grasen von Beck, Ches des Generalstabs sür die gesamte be­waffnete Macht. Mein . sehr geehrter Herr Feldzengmeister! Durch Gottes Gnade ist Ihnen heute beschicden, in aller Frische die Erinnerung des Tages 511 feiern, an welchem Sie vor nun­mehr 60 Jahren Ihre an Ruhm und Verdiensten reiche rnilö tärische Laufbahn begonnen haben. Es ist mir eine besondere Freude, Ihnen zu diesem seltenen Gedenktage meine aufrichtigen, herzlichen Glückwünsche a.ussprechcn zu können. Ich knüpfe hieran den lebhaften Wunsch, daß es mir und meiner Armee noch lange vergönnt sein möge, Sie zu den Unsrigen zu zählen. Mit besonderer Wertschätzung Ihr wohlgeneigter Wilhelm."

Nach derMünch. Allg. Ztg." ist im Neichsmarineamt eine selbständige, besondere Z c n t r a l v er w a l t u n g für das S ch u tz g e b i c t K i a u t s ch 0 u errichtet worden.

Zer fatsche Kauprmarm, der in Köpenick den Kassen raub verübte, hat am Mittwoch der vorigen Woche seine Offiziersausrüstung: Ueberrock, Mantel und Hose, bei der Tcödlccur Henriette Rernlinger in Potsdam erstanden. Gleichzeitig wollte er auch einen Helm kaufen, sand jedoch wegen seiner eigenartigen Kopfformation kein geeignetes Exemplar. Mit Sporen, die er gleichfalls verlangte, konnte ihm die Trödlerin nicht dienen. Der Gauner trug bei seinem Einkauf in Potsdam einen Vollbact.

Eine Jagd auf den fatschen Hauptmann gab es im Plantec Wald bei Treptow. Ein Bauarbeiter aus Rix- dorf, der auf dem Wege nach seiner Arbeitsstelle war, sah einen Mann, dessen Aussehen auf das Signalement des Pseudohauptmauns paßte; der Mann schien im Walde etwas vergraben zu wellen. Dec Arbeiter, der ihn hinter einem Baumstamm beobachtete, winkte mehrere Arbeitskollegen herbei. Als man jedoch auf ihn zuschritt, ergriff der Mann die Flucht und lies nach dec Rixdorfer Grenze zu. Hier kletterte er über

einen Zaun des dortigen Gactengeländes und war wie vom Erdboden verschwunden. Alles Absuchen der Arbeiter blieb ohne Erfolg. Die Arbeiter wollen bemerkt haben, daß er neue Stiesel trug.

Ein Mann, der dem Köpenicker Kastenrauber gleicht, tauchte zwei Tage vor dem Kassenranbe in Nauen auf. Er erzählte, er sei aus der Epileptikeranstalt Wuhlgarten ent* wichen und versuchte vergeblich, die Funkenstation zu besich­tigen. Anscheinend ist eL ein Schuhmacher au8 Hamburg.

In Essen wurde aus Veranlassung eines Schaffners ein Mann aus dem Zuge yeraus verhaftet, auf welchen das Signalement des Köpenicker Pseudohauptmanns paßte. Eine Schriftprobe soll angeblich dieselben Schriftzüge wie die von dem falschen Hauptmann unterzeichnete Quittung ergeben haben. Der Verhaftete befand sich im Be­sitze einer Fahrkarte von Berlin nach Holland.

In ihrer außerordentlichen Sitzung beschloß am SamStag die Köpenicker Stadtverordnetenversammlung als Antwort auf das Schreiben des Bürgermeisters Dr. Langerhans, in dem dieser sein Amt niederlegt, ein» stimmig eine Resolution, in der das Bedauern über den Rück­tritt des Bürgermeisters ausgedrückt und dieser ersucht wird, seinen Antrag auf Entlassung zu rückzu ziehen. Und am Sonntag nahm eine von etwa 1200 Bürgern Köpenicks besuchte Versammlung einstimmig eine Resolution an, dem Dr. Langerhans das Vertrauen der Bürger­schaft auSzudrücken und ihn gleichfalls zu ersuchen, im Amte zu verbleiben. Dem Vernehmen nach ist Dr. Langerhans geneigt, dem Ersuchen zu entsprechen.

Ans Stadt nnd Land.

Gießen, 22. Okt. 1906.

** In Audienz empfangen wurden von Sr. Kgl. Hoh. dem Großherzog am Samstag u. a. der Rektor der Landcsuniversttät Geh. Medizinalrat Prof. Bostroem, der KreiSassistenz-Veterinärarzt Blume von Homberg a. d. Ohm, der Rektor Hahn von der Volksschule zu Gießen und der Bergwerksdirektor Schulz von Friedberg.

* Von der Provinzialdirektion. Se. Kgl. Hoh. der Groß Herzog haben den Rat bei der Provinzialdirektion Oberhesten, Re gicrungsrat Dr. Wilh. Wagner, zum Mitglied und Rat bei der Oberrechnungskammer und den Kreisamtmann bei dem Kreisamt Bingen, Regier- ungSratFriedr. Welcker, zum Rat bei der Provinzial­direktion Oberhessen und zweiten Beamten des Kreis- amtS Gießen, und den KreiSamtmann bei dem Kreisamt Mainz, Regierungsrat Ernst Krug von Nidda, zum Rat bei der Provinzialdirektion Rheinhessen und zweiten Beamten deS Kreisamts Mainz, beide mit dem AmtStitelRegierungs­rat ernannt.

* Zur Offenbacher Bürgermeisterwahl. Wie n. d.Frkf. Gen.-Anz." zuverlässig verlautet, kommen Bei­geordneter Walter-Offenbach, Bürgermeister Kayser- Bad-Nauheim und Kreisamtmann Dr. Mcrck-Gießen in die engere Wahl um den Offenbacher Bürgermeisterposten. Die Entscheidung wird in Kürze fallen.

** Zur Landtags-Ersatzwahl im Wahlkreise Höchst-König i. O., die nach dem erfolgten Tode des Abg. Häusel dieser Tage stattfindet, ist von der nationalliberalen Partei Postverwalter Olt-Höchst ausgestellt worden. Nun meldet eine Darmstädter Korrespondenz, daß von anderer Seite Rechtsanwalt Dr. Sandmann in Hungen als Kan­didat aufgestellt worden ist, der seine ganze Jugendzeit in Höchst verlebt hat und mit den dortigen Verhältnissen sehr vertraut ist. Er soll große Aussichten haben, die Mehrheit der Wahlmännec-Stlmmen auf seine Person zu vereinigen.

** Die Bestätigung des s 0 zia lde m 0 kr all. Bei geordneten der Stadt Offenbach wird, wie uns aus Darmstadt geschrieben wird, alter Wahrscheinlichkeit nach zu heftigen politischen Erörterungen in der zweiten Stündekammer Veranlassung! geben. Gutem Vernehmen nach wird demnächst der Landesausschuß der Nationalliberalen Parte: des Großherzvgtums zu einer besonderen Sitzung zusammenberufen werden, unt über die Stellung der Partei und deren weitere Maßnahmen irrr Hinblick auf das Vor­gehen der Grohh. Regierung Beschluß zu fassen. In der nationalliberalen Kammerfraktion wird beabsichtigt, sofort beim Zusammentritt der Kammer eine Interpellation an die Regierung zu richten und sie um nähere Aufklärung resp. um Rechtfertigung ihrer Maßnahme zu ersuchen.

** Gefunden. Die am 15. l. Di. in der Hanimstraße gestohlene Kiste mit Schuhwaren ist in der Nacht vom 19. auf 20. l. M. in den Hof Bergstraße 3 von einem Unbekannten niedergestellt worden. Die Kiste war erbrochen und es fehlten daraus vier Paar Kuabenschuhe. Vielleicht tragen diese Zeilen zur Feststellung der Täter bei.

** Der Männergesangverein Harmonie beging am verflossenen Samstag sein 60. Stiftungsfest, bez. dessen Nachfeier, weil die Hauptfeicr anläßlich des Lahntalsängerbundes- sesteS im Juli bereits stattgefunden batte. Chorwerke, durch den Dirigenten Herrn Alb ach gut vorbereitet, wechselten mit Lieder-Borträgen und humoristischen Ensemble­gesängen, die von Mitgliedern ausgeführt wurden, ab. Ein Prolog, durch eine junge Dame schwungvoll gesprochen, wies auf die Bedeutung des Tages hin und ein lustiger Schwank, von Mitgliedern ausgesührr, schloß den offiziellen Teil des Festes. Allen Mitwirkcnden lohnte reicher, wohlverdienter Beifall, an welchem auch die Feuerwehrkapelle, die sich durch Vor­träge moderner Piecen hervortat, beteiligt war. Der übliche Tanz schloß das hiibsche Fest in gewohnter und angenehmster Weise

*'* Landesversicherungsanstalt. S. K. H. der Großhcrzog Haden den Kreisrat des Kreises Alsfeld Franz Hölzinger von der ihm seither übertragenen Stelle eures stänoigen Mitglieds des Landesversicherungs­amts d den Ooerccgiccungsrat im Ministerium des Inner. . Eugen Wagner von dec ihm seither über­tragene» grelle eines stellvertr. stäridffgerr Mitglieds des

Landesversicherungsamts im Nebenamt entbunden und ben Oberregierungsrat im Ministerium des Innern Dr. Otta Heinrichs zum stellvertr. ständigen Mitglied des Landes­versicherungsamt im Nebenamt ernannt.

* Die hessischen Privatschulen. Wie sehr durch das neue Schulgesetz und die durch e§ hervorgerufenc Hebung des staatlichen Schulwesens das Pcivatschulwesen in Rück­gang gekommen ist, zeigen die soeben erschienenen statisti­schen Nachweise. Danach ist die Zahl der Privatschulen von 84 im Jahre 1877 bis heute auf 42 zurückgegangen, die Zahl der Lehrkräfte von 495 auf 185 (82 Lehrer und 103 Lehrerinnen), und die Schülerzahl von 6489 auf 3728.

)( Dutenhofen, 21. Okt. Zu Ehren unseres aus dem Amt geschiedenen Hauptlehrers B. Schiefer st ein fand heute im Saale des Jagdschlößchen eine Gemeinde feier stall, an dec sich sämtliche Vereine, ja, man kann sagen, das ganze Dorf beteiligte. Der Gesangverein, dessen langjähriger Dirigent unser Lehrer war, leitete die Feier mit einem Jackelzuge ein und ge* leitete ihn zum Festlokal. Hier sang der VereinDas ist der Tag deS Herrn". Nach einem Prologe und einem Luck-des Kricgervereins wies Pfarrer G e i b e l als KreiSschulinspclwr hin auf die 46 jährige Dienstzeit des Herrn Schiescrstein in Dutenhofen, besonders auf das schöne Verhältnis zwischen Pfarr- haus, Kirche, Schule und Lehrerhaus. Sodann ging er auf das Verhältnis zwischen Schule und Haus ein, um zum Schluß ein Hoch auf den Scheidenden auszubringen. Sekretär E h m a e l aus Krofdorf dankte im Namen der Gemeinde Dutenhofen dem Scheidenden und überreichte ihm als sichtbares Dankeszeichen eine goldene Uhr. Herr Schneider aus Münchholzhausen, der jetzige Dirigent des Gesangvereins, gratulierte im Namen des Vereins seinem Ehrenmitgliede und überreichte einen Spazier­stock. Pastor Schieferft ein aus Duisburg, ein Sohn des Gefeierten, dantte im Namen seines Vaters. Zum Schluß ge­langten noch 12 lebende Bilder (Poesie und Prosa) sowie vier Gruppenbilder des Turnvereins zur Borsührung, die großen Bei-- fall fanden.

(?) Butzbach, 20. Okt. Unsere Stadt, die infolge ihrer altertümlichen Bauart und ihrer noch zahlreichen alten, kunft- historischen Bauten für das im verflossenen Sommer ftallgehabte hessische Trachtenfest der geeignetste Ort war, hat den für Altev- tumsfreunde interessanten Beschluß gefaßt, die noch vorhandenen alten Stadtbefestigungen, besonders die Stadtmauer, zu erhalten, und zu unterhalten. Man will auch Erhaltungsarbeiten an der alten Festungsmauer vornehmen und hofft dabei auf einen Zu­schuß des Staates. Besonders gut erhalten ist die Stadtmauer im Westen der Stadt nach der Mainweserbahn zu.

b. Friedberg, 21. Okt. Heute wurde Mr ein Fest gefeiert, das von denen, die die Geschichte und die ,Bevn aangenhei.1 Friedbergs kennen, als historisch betrachtet wer* den muß. Es ist Ms nämlich die KirchWeih der ehei maligen Burggrasschaft Friedberg. Im Jahre 1856, also vor 50 Jahren, wurde die Kirchweih zum letzten­mal gefeiert. In der Burgvorstadt, wo früher alles mit Mauer und Wall umgeben war, hat in neuester Zeit ein Herr aus Wiesbaden ein Hotel gebaut. Diesem Herrn vor! allem und einigen Bewohnern der Vorstadt ist es zu vevi danken, daß uns ein so schönes Bild aus Friedbergs ber*; gangenen Tagen wieder vorgeführt wurde. Zwei tebe* bäume wurden zur Feier des Tages gesetzt, einer für das, eigentliche Fest und einen bekam die älteste Kirmesjungfcr,! eine Frau Jost Witwe, die noch bei dec letzten Kirchweih» als Mädchen mitgewirkt hat. Als Musik war eine Militari kapelle herangezogen. Karussell und Luden dienten zur Belustigung und es war ein lebhafter Verkehr in der Vor-, stadt. Dienstag, 23., und Mittwoch, 24. d. M. findet,^ wie alljährlich, dec weitbekannte Fohlen- und Pferde­markt statt. Sämtliche Stallungen sind schon besetzt, und der Markt verspricht gut zu werden.

d. F r a n k f u r t a. M., 20. Okt. Wie die Blätter melden, ist der Magistrat dem von der Stadtverordnctenvccsamm^ lung angenommenen Antrag Wedel in Sachen der Fleischi not beigetreten. Er teilt der Stadtverordnetenversammlung mit, daß er inzwischen eine Eingabe an den Reichskanzler! und den Minister der Landwirtschaft in .Berlin abgesandü habe.

§ Aus der Wetteran, 20. Okt. In ben Orten ben Wetterau, die sich an das staatliche Wasserwerk Lauter; anschlossen, werden gegenwärtig die Rohrlegungsarbeilen vor­genommen; es find dies u. a. die Orte Södel, Melbach, Schwall heim, Berstadt und Dorheim, die insgesamt rund 5000 Ein-, wohner zählen. Es werden 4 Hochbehälter errichtet, das Gesamte rohrnetz umfaßt 14 715 Meter. Auch an dem Hauptrohrftrang? Lauter-Hungen-BerstadttVad-Nauheim wird seit 3 Wochen an ver­schiedenen Stellen gearbeitet. Die g clegtcn Rohre l)aben eine lichte Weite von 4552 Zentimeter. Im F-rühjahr wird den Hauptrohrftrang vollendet sein und alsdann der Anschluß obigen Orte, Friedbergs und Bad-Nauheims erfolgen. Mit einer wei^ teren Anzahl von Orten sind noch Unterhandlungen im Gang. ;

Laubach, 21. Okt. Von einem Unfälle, den ein Gräfliches Fuhrwerk vor einigen Tagen in der Nähe; von Ruppertsburg erlitt, wird berichtet: Das eine Wagen­pferd stürzte, brach zusammen und war sofort tot. Dis Gräfin-Mutter mußte aussteigen und den Weg nach Hause zu? Fuß zurücklegen.

P. Schlitz, 19. Okt. Ausgezeichneten Wild^ stand hat in diesem Jahre die Gräflich Görtzsche Forst­verwaltung zu verzeichnen. In dieser Woche wurden die» ersten lleinen Jagden in den Revieren Queck und Wehnerts abgehalten. Bei ersterer wurden erlegt 45 Hafen, 9 ReM beilletzterer 29 Hasen, 16 Rehe. Für Rehe wird hier; 50 Psg. pro Pfund bezahlt. Ein Hcvse kostet 2,70 Mk. Eine ganz angenehme Abwechslung bei den teuren! Fleischpreisen. Leider wird der weitaus größte Teil deK Mldes' nach auswärts versandt.

"*Aus dem Kreis Büdingen, 21. Okt. Am nächsten Sonntag, 28. Oktober, findet in Büches eine Kon­ferenz der Bürgermeister des Kreises Büdingen statt, die sich mit der Reform der Landgcm einde or dnung und den von ben Abgg. hier und Uebel gemachten Ab­änderungsvorschlägen beschäftigen wird.

Bensheim, 20. Okt. Die eifrige und erfolaren5' Tätigkeit der Svzicildemo kr atie an der Bergeleitet insbesondere hier in Bensheim fängt an, Bedmkerachtung regen. Die Wahl zur Ortskrankerirasse hier enbi einem Siege der sozrnldemokratisckn Liste. 167 so'-Rnsiker, kratischen Stimmen stehen nur 129 fettet der und eine einten BürgerKaptesiLn-ll gegenüber. Das. Ubin Gerhard