1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr
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Sommerkur für
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Dr. M. Schnlze-Hahleyss. Nervenarzt.
Sanatorium Hofheim im Taunus.
Um 11 Uhr begann heute die dritte g e sch lo s sc n e Generalversammlung. Man stimmte einem Anträge auf Aus- dehnung der Fürsorge für die Krüppelhaften zu. Ein Antrag
— I 7NAlter von 10 2 I a h re n ist, wie aus Petersburg geschrieben wird, in Pawlosk vor wenigen Tagen Dr. Leonidas Marcel, Ehrenleib arzt des Zaren, gestorben. 'Alle Freunde eines guten Tabaks werden mit Befriedigung vernehmen, daß dieser Greis bis ans Ende seinesLebens täglich Zigarren geraucht hat. Er bewahrte bis zu seinem Tode eine erstaunliche Frische des Geistes und insbesondere des Gedächtnisses. Erst mit 85 Jahren gab er das Praktizieren auf, aber bis zuletzt nahm er an allem' Interesse, was die medizinische Wissenschaft betraf. Er war zugleich ein unermüdlicher Wohltäter der Armen.
Wilhelms in Wien, als wahrscheinlich hingestcllt wurde: eine gemeinsame Flottenschau der Dreibund in ächte, die in einem deutschen Kriegs Hafen stattftnden sollte. Dafür bietet der Ausgang des Sommers eine andere, nicht minder bemerkenswerte Erscheinung. Die der italienischen Negierung nahestehende Presse, die im Juni nicht umhin konnte, auch ihrerseits den Dreibund als unerschüttert zu bezeichnen, nimmt die Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und König Eduard zum Anlaß, die deutsche Politik zu verspotten unter gleichzeitiger Belobigung der en gl. Staatskunst. Minister Tittoni aber, der Freund des Fürsten Bülow, läßt es geschehen. Es darf bezweifelt werden, ob man an der Themse für diese Aufdringlichkeit der Italiener irgendwelche Wertschätzung übrig hat. Eine gewisse Vornehmheit der Gesinnung hat in den ernsten politischen Kreisen dort noch stets etwas gegolten. Die öffentliche Meinung Deutschlands weiß zwar längst, was sic von dem italienischen Bundesgenossen zu halten hat, aber sie nimmt nach Gebühr Notiz davon, daß selbst die halbofftziöse italienische Presse so schnell wieder ihr wahres Gesicht zur Schau trägt.
53. Deutscher Katholikentag. (Unberechtigter Nachdruck verboten.) III.
Essen, 22. Ang.
Der Andrang zu der zweiten öffentlichen Generalversammlung war wiederum ganz außerordentlich. Ter erste Redner war der Reichstagsabg. Öberlandesgerichtsrat B u r l a g e - Oldenburg, der über die römische Frage sprach. Daß durch die Vernichtung des Kirchenstaates, der legitimsten Herrschaft der Welt, die mehr als 1OOO Jahre hindurch bestand, die Gerechtigkeit verletzt wurde und dann einen Schlag ins Gesicht erhielt, wird selbst von den verbisscndsten Apostaten anerkannt. Von vornherein betonen wir, daß wir Ka t ho l i kcn D e u t s ch l a n d s allein in der vollen Freiheit und Unabhängigkeit des Papsttums die Lösung der römischen Frage erblicken. Wie der Ausgleich im einzelnen gestaltet werden mag, ist nicht unsere Sorge. Wir sind nicht päpstlicher als der Papst. Was können wir vergleichen mit dem Papsttum, vor dem die Throne zusammenstürzen, mit dem Papsttum, das die Verheißung hat, es werde dauern bis zum Ende der Welt! Soll der Papst frei sein, so muß er als Mensch frei sein, in Ansehung seiner menschlichen Eigenschaften. Er darf nicht Untertan sein in einem anderen Staate. Er muß souverän sein. Kein irdischer Staat, der jemals die Forderungen des Papsttums erfüllen könnte. Das Papsttum ist international, oder besser gesagt, übernational. Uns ist schon der Gedanke unerträglich, daß der Papst von einer fremden Macht unabhängig sein könnte. Gegenwärtig befinden wir uns in Not und Trübsal, weil der Papst unfrei ist. Wir erstreben nicht die Anwendung von Waffengewalt. Der Abg. Dr. Porsch hat aus den Peterspfcnnig hingewiesen. Oeffnen wir unsere .Hände, ob groß oder klein und spenden wir Gold oder Silber, denn beides hat dem alten Kirchenstaat als gangbare Münze gegolten.
hierauf sprach Ritter v. Kralik-Wien über Volksbildung s bcstre bung en. Ter wesentlichste Faktor sei die Literatur, durch die die Volksbildung am direktesten vermittelt werde, und daher wende er sich in erster Linie an die Schriftsteller. Eine Literatur, auf christlicher und nationaler Grundlage, wie sie bei den alten Griechen bestand, müßte wiederkehren. Ein weiterer wichtiger Faktor der Volksbildung sei die Schule. Für die jungen Leute, die der Schule entwachsen seien, empfehle er die Volkslesevercine und die Büchereien. Redner beschäftigte sich sodann mit der k ü n st l e r i s ch c n A u s b i l d u n g. Werke von Tolstoi, Sudermann und ähnlichen Umstürzlern (!! D. Red.) sollten in keinem katholischen Hause Eingang finden, noch ihre Stücke im Theater bewundert werden. Das müßte die verderblichsten Folgen für das ganze Leben haben. (Beifall.)
Der dritte Redner des Abends, Universitätsprofessor Dr. Zahn (Straßburg), sprach über die Erziehung zur Kunst. Die Neueren hatten nicht unrecht, als sic auch ein soziales Moment für die Kunstpflege anführten. Die Kunst hat keinen ärgeren Feind als die Zügellosigkeit der Sinne. Ich möchte keineswegs der Engherzigkeit und der .Kritiklust bezichtigt werden. Kritik ist gut, Wohlwollen ist besser. Wir wollen Zusammenwirken, eine Kunst zu schaffen, welche würdig i|t ihrer Vergangenheit.
Als letzter Redner des Abends sprach Seminarprofessor Lausberg-Köln über Die Frauenfrage. Der Standpunkts der vollen Gleichberechtigung erstrebe die christliche Frau nicht. Die Arena der politischen Kämpfe mupe den 9Nänncrn überlassen bleiben. (Bei s all, auch auf der D amcntribüne.) Neben der häuslichen Ausbildung ge- hore auch eine gute Fachausbildung zur Erstrebung einer selbstständigen Lebensstellung. , Die weibliche Bildungsweise müsse erweitert und gefördert werden, z. B. durch Einführung von Haus- Haltungs- und Fachschulen. Zum Schluß seiner Ausführungen kam der Redner dann noch kurz auf die Vorgänge auf dem r er Lehr erlag zu sprechen und bemerkt dabei: Jener
taliche Angriff auf die relative Gleichberechtigung der Lehrerinnen sei ausgegangen von den Leuten, die da sagten: Wir sind mündig und brauchen die Kirche nicht mehr! (Lebh. Zustimmung.)
Öänben der Frauen, so schloß der Redner, mögen die ©ajnften fern bleiben, die der modernen Ethik das Wort reden. Eine Ellen Key, Maria Lischnewska, Helene Stöcke usw. könne eine katholische Frau nicht über ihre Aufgaben belehren. (Lebh. Beifall.)
Tuberkulose Phlegmone Lungenentzünduiig Krebs Nierenentzündung Gehirnentzündinig Daruikatarrh Lebensschwäche Embolyn Selbstmord
Summe 16 (5) 9 (4) 4 3 (1)
An Ni.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von arlsmärts imd) Gießen gebrachte Kranke koinmen.
In der Debatte empfahl auch der Vorsitzende des Windthvrst^ bundes, Eickold-Münster den rücksichtslosen Kampf gegen den! Schmutz, durch den auch die Wehrhaftigkeit des Volkes unter-- graben werde. Man müsse die Lästerzungen aufs Maul schlagen! und den unsittlichen Handel an den Geldbeutel zu fassen suchen. Besonders solle man mit Anzeigen an die Staatsanwaltschaften vorgehen, aber niemals anonym, dann werde es schon besser werden.
Der dritten öffentlichen Versammlung wohnten die Kardinäle Vanutelli und Fischer bei, die bei ihrem Erscheinen stürmisch begrüßt wurden. Graf Galen sprach dann über chari- tative Bestrebungen der Katholiken, besonders des Bonifatius-- Vereins, während Abg. de Witt die Betätigung des katholischen Teiles des Volkes im öffentlichen Leben beleuchtete und der Jesuitenpater Seiler-Feldkirch die soziale Frage besprach.
Kranke. (Geisteskranke ausgeschlossen.) Behaglich eingerichtete kleine Anstalt svis 30 Patienten). Kühler schattiger Park. Sorgsame Ktekandlung und Verpflegung. Diätkuren. (Dependance für Minderbemittelte.) Prospekte franko.
fahren. „Quanta costa?“ frage ich den Kerl, und deute auf Lukas und mich, „quattre lire“ sagt er, dabei eine Entfernung von vielleicht 300 Meter, hierfür will der Kerl 3 Mk. 20 Pfg.; ich sage: Spitzbubio, Gaunerio, una lii a pro duo (1 Lire für uns zwei) und mit dem vergnügtesten Gesicht von der Welt fährt uns der Gauner für 80 Pfennig nn unser Schiff; so geht es mit allem und jedem, was man in Italien als Fremder haben oder kaufen will und mein Schimpfen: Schafskopfio ober Ochsio machte noch dazu wenig Eindruck auf die Banditen. Morgen früh 6 Uhr sollen wir in Port Said sein und mein Brief muß zur Post, die schon bald geschlossen wird.
In Port Said muß afrikanisch und in Suez indisch geschimpft werden; ich glaube aber, ich komme mit Abänderung der Endungen meines in Italien angewcndcten Wortschatzes durch. Nur in Japan und China wird er schwer, weih! weih!
die Mehrzahl aber verhält sich passiv. Es sind Kleinigkeiten, auf die wenige achten, aber sie können sehr verhängnisvoll werden. Nicht allein an den Häusern selbst, auch an ihrer Umgebung wird oft in erschreckender Weise gesündigt. Wie wußten unserer Väter ein lauschiges Plätzchen unter blühenden Linden- und Eichenbäumen zu schätzen. Die glücklichsten Stunden ihres Daseins verlebten sie im Famrlien- und Fweundeskreise unter jenen Heimatbäumen. Ta kommt aber ein Spekulant, kauft das Grundstück mit sämtlichen Mckern und Wiesen, parzelliert es, teilt es in Baustellen, schlägt etwaigen Wald oder sonstige Bäume ab, verkauft was irgend möglich ist, wie Steine und Kies und läßt eine „ausgesogene Ruine" übrig. Wo liebliche Felspartien winkten mit lauschigen Buchen- und Haselnußsträuchern, liegt jetzt oft ein sonniger Steinbruch, saftiges Wiesenland ist durch einen tiefen Kies sch a cht in eine gelbe Sandhalde verwandelt worden. Die dicken, moosigen Steinmauern, die den schmalen Fußpfad begrenzten, die einst unsere Vorfahren mit schier übermenschlicher Kraft hingewalzt hatten, sind als Bausteine verwendet worden, und an ihrer Stelle zeigen sich graue Wassertümpel. Unbarm- herzig ist jeder schattenspendcnde Strauch, jeder Baum abgeschlagen worden. „Dar brengt doch nischt, da dämmt bluß", hört man gar oft den Gebirgler reden. Mit welcher Liebe und Sorgfalt hat oft der alte Vater jedes Bäumchen gehegt und gepflegt, der moderne Sohn schlägt cs mit wahrem Vandalismus zu Boden. Wieviel Jahre vergehen, ehe sich ,d.ie Natur wieder verjüngt hat, das lebende Geschlecht, es schaut's kaum wieder. Mit welcher Wehmut der Heimatsfreund durch solche Dörfer schreitet, mit welcher Sorge er an die Zukunft denkt, wer ahnt es? Die wenigen
Schont die Bäume! Wir lesen im „Kunstwart": Em Lehrer im Riesengebirge, der aber ebenso gut im Vogelsberg und in der Gegend Gießens wohnen konnte, denn auch in unseren schönen Bergwäldern geht es leider hier und da ähnlich zu wie in den Borgen Rübezahls, ruft die Bergbewohner auf, die Heimat zu schützen. Er zeigt, wie auch der einzelne seine Kraft innerhalb seines Kreyes emsetzen und die Stumpfheit bekämpfen sollte. Lehrer Knappe sagt unter anderem, es sei nicht zu verkennen, „daß einzelne Bauherren bei dem Bau von Villen
Landhausern der Umgegend Rechnung getragen haben
Essen, 22. Ang Die Sozialdemokraten haben anläßlich der Katholiken-Vcrsammlung eine Anzahl P r o t e st - V e r- sammlungen anberaumt. Die erste findet am Freitag statt. In derselben wird über das Thema „Ultramontanismus die größte Gefahr" gesprochen werden.
Vermischtes.
* Gin mysteriöser Leichenfund beschäftigt gegenwärtig die Polizeibehörde in Gera (Reuß^. Im dortigen Stadtwalde fand man vor einigen Tagen die Leiche eines Mädchens, das, wie die gerichtsärztliche Obduktion ergab, etwa vierzehn Tage gelebt und dann umgebracht worden ist. Ms Täterin kommt eine Frau in Betracht, die sich Frau Professor Amanda Reichmann aus Nürnberg nannte und die mit ihrer Tochter, der 9 jährigen Dorothea, in einem dortigen Gasthause logiert hat. Die Fremde, die ungefähr im 35. Lebensjahre steht, ist bald darauf mit ihrer Tochter aus dem Logis verschwunden, ohne die Zechschuld berichtigt zu haben. Ihr Verbleib konnte bisher nicht ermittelt werden. Der angegebene Name ifL offenbar fingiert.
* Das rätselhafte Verschwinden eines Studenten von der R o st o ck e r Universität hat jetzt eine traurige Aufklärung gefunden. Der aus Zehden a. O. gebürtige Stud. med. Walter Menne hatte sich am 7. d. M. aus seiner Wohnung entfernt und wurde seitdem vermißt. Alle Nachforschungen nach seinem Verbleib blieben erfolglos. Wie nunmehr bekannt wird, ist Menne an jenem Tage von dem Warnemünde- Hamburger Schnellzuge unweit der Station Polchow überfahren worden. Nach Angabe des Lokomotivführers gewahrte er zwischen 5 und 6 Uhr nachmittags in der Nähe von Pölchow auf dem Bahnkörper einen Mann, der, seinen Hut schwenkend, dem Zuge entgegenlief. Da der Train wegen der kurzen Entfernung nicht rechtzeitig zum Stehen gebracht werden konnte, wurde der Unbekannte überfahren und auf der Stelle getötet. Seine Persönlichkeit ließ sich zunächst nicht feststellen: jetzt ist sie aber als die des verschwundenen Menne rekognosziert worden. Es liegt Selbstmord vor, dessen Beweggründe noch unbekannt sind.
handel wie» verkehr, Volkswirtschaft.
Markte.
Gieße», 23. Ang. Marktbericht. Auf heutigem Wockienmarkte kosteten: Butter pr. Psd. 1.20—1.30 Mk., Hühnereier 1 St. 8—9 Pfg., 2 Stck. 00—00 Psg., Gänseeier 00—00 Pfg., Enteneier 0 Pfg., Steife uv. Stck. 6—8 Pf., .Käsematte 2Stck. 5—6 Pfg. Erbsen v.Pümd 22Psg,, Linsen p. Pfund 32Pfg., Taubenpr.Paar0,80 —1,00Mk., Hühner pr.St. 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80-2,20 Mk., Gänse vr. Pfd. 00-00 Pfg., Ochsenfleisch pr. Psd. 80—86 Psg., STitb- und Rindfleisch pr. Pfund 80—82 Psg„ Schweinefleisch pr. Pfund 80—94 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund
^^„Kalbfleisch pr. Pfd. 80—84 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 60—80 Pfg. Welsche per Pfund —- Kartoffeln pr. 100 Kg. 7,00—8,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 6,00—8,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepfcl Der Pfund 15 bi? 20 Pfg., in Körben 00 Pfd Nüße 100 Stück 00-00 Pfg., Birnen per Pfd. Mk. 0.00—0 00 Kirschen per Psd. 00—00 Pfg., Weißkraut per Stück 15—30 Pfa., per Zentner Mk. 0.00—0.00. — Marktzeit 7—1 Uhr.
Astlagen, die geschaffen werden, können nie die Natur ersetzen. Ich glaube sicher, daß diese Veränderung vieler Gebirgsdörferden Fr em den zu zug verringert hat. Schützt, Pflegt und hegt eure Heimat, raubt ihr nicht ihr angeborenes Kleid, das wird jedemDorfe und dem Gebirge mehr nützen als alleVerbände, alle Reklame und alle Statistiken."
Gesetzt auch nur, jedes große deutsche Dorf hätte Jähr für Jahr einen Menschen gehabt, der die Mißliebigkeit solchen Warnens nicht gescheut hätte — wäre die Verschandelung unseres Landes möglich gewesen, die wir beklagen? Und dieser Warner hat recht: hütet euch auch aus sehr „Praktischen" Gründen, ihr Herren Grundbesitzer im Gebirg — die Städtler fangen allmählich an, die Augen aufzumachen, und sie werden sich für eure „Sommerfrischen" bald zu bedanken lernen, wo ihr so weiterwirtschaftet wie jetzt.
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32. Woche. Vom 5. bi? 11. August 1906.
Einwohnerzahl: angenommen zu 29 500 (infl. 1600 Mann Militär.)» Sterblichkeitsziffer: 28,20%«, nach Abzug von 5 Ortsfremden: 19,39 ö/oo.
Kinder
Ts starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom
betraf die A l k o h o l f r a g e. Er lautet: „Die 53. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands empfiehlt die Einrichtung von Fürsorgestellen für Alkoholkranke im Anschluß an die Ortsgruppen des Kreuzbündnisses und Annabundes. Ausgabe desselben ist, bei der Unterbringung in Heilanstalten mitzuwirken und nach der Entlassung aus derselben ihnen gesellschaftlichen Anschluß im Kreuzbündnis zu bieten. Sie wendet sich ferner an die akademischen Kreise mit der Bitte, an der Bekämpfung des Trinkzwanges sich mehr zu beteiligen. Die Generalversammlung fordert die katholischen Vereine auf, sich körperschaftlich dem Kreuzbündnisse anzuschließen und die weitesten Kreise in Wort und Schrift über die Gefahren und Schäden des Alkoholismns aufzullären". Wie der Berichterstatter mitteilte, hat dieser Antrag bei seiner Beratung im Charitas- Ausschuß Widerspruch gesunden, und zwar von feiten der Studenten, die aus der Fassung befürchteten, daß sie mit den gebildeten Kreisen gemeint sein könnten. Es sei daher der zweite Teil des Eintrages verallgemeinert worden, indem nunmehr all e gebildeten Kreise aufgefordert wurden, sich an der Beseitigung des Trinkzwanges und an der Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs überhaupt zu beteiligen. Der Antrag wurde darauf einstimmig angenommen.
Man stimmte auch folgenden Leitsätzen zu: „1. Die Pflege des Spürsinns ist namentlich in den Jndustriegegenden, wo Vergnügungs- und Verschwendungssucht die traurigsten Folgen zeitigen, unbedingt notwendig. 2. Die Schule ist der geeignetste Ort, von dem aus ein erfolgreicher Kampf gegen diese Grundübel unserer Zeit geführt werden fen::, denn sie bietet die Möglichkeit, allgemein zu wirken und eine Besserung in weiten Kreisen zu erzielen. 3. Es empfiehlt sich die Gründung von Schul- s p a r k a s s e n , durch welche auch die Unterrichts- und Erziehungszwecke der Schule gefördert werden. 4. Da eine wesentliche Mehrbelastung der Lehrerpersonen nicht ratsam ist, auch die Gründung der Sparkassen dadurch in Frage gestellt wird, ist ein möglichst einfaches System zu wählen. 5. Die Schulsparkassen sollen auch eine Entlastung der charitativen Vereine herbeiführen, namentlich jener zur Kleidung armer Kommunionkinder, um das Ehrgefühl und Selbstbewußtsein der Eltern und Kinder zu heben. 6. Die Gründung von Fo r t b i l d u n g s s ch u l-S p a r ka sse n und solcher innerhalb der Jünglings- und Jungfrauen-Kongre- gationen ist sehr zu empfehlen."
Weitere Anträge, die ebenfalls einstimmig zur Annahme gelangten, empfehlen die Ausbildung freiwilliger Kranke n- foefud) erinnen a u f dem Lande usw.
Monsig. Prälat Dr. Werthmann-Freiburg i. Br. empfahl die Fürsorge für die italienischen Arbeiter, die in immer größerer Zahl über die deutsche Grenze kämen und hier dem Unglauben und der Sozialdemokratie anheimfielen, wenn ihnen nicht Hilfe zu teil werde.
Pater Wahl-Paris empfahl die charitativen Anstalten in Paris, die durch die bekannten Vorgänge aus dem kirchen- politischen Gebiete in Frankreich auch gefährdet seien. In dem Anträge wird vor allem die Geistlichkeit ersucht, ihre Psarrkinder vor leichtsinniger Auswanderung nack) Frankreick) zu warnen.
Inzwischen war der Kardinal Vanutelli aus Rom als Vertreter des Papstes erschienen. Der 2. Vorsitzende des Katholikentages Frhr. v. Twickel küßte ihm die Hand und bemerkte dann: es sei das erste Mal, daß ein Mitglied des heil. Kollegiums, aus dem oberste^ Rat der heil. Kirche im direkten Austrage des Papstes aus einem Katholikentage erscheine. Erstelle mit Freude und Genugtuung fest, daß dies die höchste Ehrung sei, die überhaupt bisher einem Katholikentage zuteil wurde. Um das brennende Feuer der Liebe zu Christo und seiner Kirche zum Ausdruck zu bringen, bitte er die Versammlung in ein Hoch nuf Se. Eminenz einzustimmen. (Beifall und .Hochrufe aus den Kardinal.) Dieser erhob sick) darauf zu einer längeren italieni- d)cn Ansprache und erteilte schließlich den Versammelten, die niedergekniet waren, seinen Segen.
Vanutelli führte u. a. in italienischer Sprache aus: Der Papst wisse ganz gut, wie herrlich eingerichtet die deutschen Katholikentage seien und er kenne sehr gut ihre schonen Früchte für die Erhaltung und Wiederbelebung des christlichen Geistes in der Familie, dem öffentlichen Leben und ganz besonders im arbeitenden Volke. Der heil. Vater sehe auch mit großem Vergnügen, wie die Katholiken Deutschlands eine großartige kompaktePhalanx, ein unerschütterlicher Turm geworden seien. Er schaue aus sie mit Bewunderung und wünschte, daß andere Nationen sie nachahmten. Er sei sicher, daß die deutschen Katholiken bleiben würden ein Herz und eine Seele, geeint durch den Glauben und die Bande der d)ristlid;en Liebe, der Liebe besonders auch für die arbeitenden Stände.
Daraus nahm Reichs- und Landtagsabg. Oberlandesgerichts- rat R o e r c n das Wort zur Begründung folgenden Antrages:
„Die 53. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands ruft mit Nachdruck die Katholiken Deutschlands zur energischen Bekämpfung der öffentlichen Unsittlich feit auf. eie lenkte die Aufmerksamkeit der Katholiken aus die Bestrebungen und erfolgreiche Tätigkeit des Kölner Männervereins zur Bekämpfung der öffentlichen Unsittlichkeit und empfiehlt dringend die Gründung gleicher oder ähnlicher Vereine für alle, namentlich aber für 'alle größeren Städte."
Selbst unter den gebildeten Leuten werden jetzt Stimmen laut, die gegen den immer schlimmer werdenden Schmutz protestieren. Die erfreulichste Kundgebung dieser Art ist das offene Schreiben des Nestors der deutschen Künstler, des Malers Hans Thoma in Karlsruhe, der darin mit Entschiedenheit gegen das Anwachsen der Pornographien, namentlich durch die Aufnahme nach dem Leben, Einspruch erhebt und auf die dadurch drohende Vergiftung der Jugend hinweist und dann als Haupt der freien deutschen .Künstlerschaft offen und ehrlich eine Lanze bricht zu Ginnten derjenigen, die sich die Bekämpsung der- Unsittlichkeit zur Ausgabe gestellt haben. Es fei eine dringende Notwendigkeit, daß weitere Abwehrvereiue gegründet werden.
Frhr. v. Tw ickel: Ich danke dem Apostel der Sitt- l i ch k e i t, uuserm Abg. Noeren für seine so schönen Worte. (Beif.)
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