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Nr. 197
Erstheini »gttch mit Ausnahme des Sonntags.
Tie „Glehener Samilienblätter“ werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigclegt. Der ^elfijch« Canbwtrt" erscheint monatlich einmal.
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch« Universitätsdruckerei. R. Lange, Giehe».
Redaktion, Expedition ».Druckerei: Gchulstr.A, Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr. t Anzeiger Gieß«.
Zweites Blatt 156. Jahrgang Donnerstag Ä3. August 1V06
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger, Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehe».
Die Lage des hessischen KandwerLs,
ii.
Aus den ausführlichen Berichten der Handmerkskaunner über die Lage deS Handwerks ist im allgemeinen zu entnehmen, daß ähnlich, wie im Baugewerbe, auch fast allen anderen Berufsarten die Großindustrie eine immer drückender werdende Konkurrenz dadurch bereitet, daß sie die Arbeiten des kleinen Handwerkers öfters in eigenen Werkstätten Herstellen läßt. So klagt besonders das Schneidergemerbe über die zu große Konkurrenz der Konfektionsindustrie. In letzterer vereinigt sich eine Anzahl wirtschaftlicher Momente, die ein Aufkommen der Maßindustrie hiergegen aussichtslos erscheinen kaffen. Insbesondere ist es oft die erschreckende Billigkeit der angebotenen Waren, die im Publikum den Glauben erwecken muß, unter allen Umständen vorteilhafter zu kaufen. Die geringwertigen Rohwaren, die der Maßschneider bei nur einiger Verantwortlichkeit seiner Kundschaft gegenüber nicht fuhren kann, dazu die für die Anfertigung gezahlten Löhne, die in der Regel nur einen Bruchteil der in der Maßbranche üblichen Lohnsätze betragen, tun hier ihr möglichstes und ein beklagenswerter Rückgang der Maßgeschäfte ist die Folge. Allgemein wird auch über Mangel an Gehilfen und Lehrlingen geklagt. Der Kredit wird immer stärker in Anspruch genommen. Die Forderung der Beschränkung deS Hausierhandels und der Konkurrenz der Regimentsschneider ist eine allgemeine.
Ganz ähnlich lauten auch die Klagen aus dem Schuhmachergewerbe. Während auf dem platten Lande noch mehr die von Schuhmachern hergestcllte, zwar nicht so elegante, aber desto widerstandsfähigere Ware bevorzugt wird, ist in den Städten und deren nächster Umgebung das Anfertigen von neuen Schuhwaren für die Kundschaft ständig im Abnehmen begriffen. Dem Schuhmachergewerbe bleibt hier in vielen Fällen nur die Reparaturarbeit übrig, verbunden vielleicht mit einem Lager fertiger Schuhe. Die Preise für die Rohmaterialien sind infolge des Rückgangs der Schlachtungen bedeutend gestiegen. Eine Befferung deS Borgsystems ist nicht eingetreten. An tüchtigen Gehilfen, wie an Lehrlingen herrscht Mangel.
Von sonstigen Gewerbezweigen sei erwähnt, daß z. B. der handwerksmäßige Hutmacherbetrieb fast ganz verschwunden ist, ferner ist ein bedeutender Rückgang in der Weberei und den verwandten Berufen, Färberei, Zeugdruckerei 2C. eingetreten. Rur im Vogelsberg sind noch Reste der ehemaligen Hausindustrie zu finden.
In den Berichten über daS Nahrungsmittelgewerbe wird konstatiert, daß die Geschäftslage sowohl bei den Bäckern, wie bei den Konditoren in den letzten zwei Jahren eine wenig günstige war. ES wird sehr über das stete Anwachsen der Konkurrenz geklagt, sodaß auch bei Lieferungen für staatliche und kommunale Institute vielfach von einem Verdienst keine Rede sein kann. Besonders aber wurden die Preise durch die Brotfabriken, Konsumvereine und Warenhäuser ungünstig beeinflußt. Unter dem fortwährenden Steigen der Einkaufspreise für Rohmaterialien und den infolge» dessen notwendigen Preisaufschlag der fertigen Waren haben die Gewerbe schwer zu leiden; der Verdienst ist daher auch ein recht mühevoller. Die Beziehungen der Meister zu den Gesellen waren durchweg gute. — „Sehr ungünstig" war endlich auch die Geschäftslage im Metzgergewerbe. Der Bericht sagt darüber:
Die außerordenklich hohen Viehpreise machten eine Erhöhung der Fleischpreise notig. Trotzdem fehlt jeder geschäftliche Nutzen, mährend die Bevölkerung den Fleischverbrauch auf das Mindestmaß herabdrückte. Dabei übt die Fleischbeschau in Verbindung mit der ungerechten Belastung der Währschaftsverordnung und sonstigen Bestimmungen in sanitärer Hinsicht und der bierdnrch gebotenen Schlachtviehversicherung, weiter die hohe Okkroilast nach wie vor einen schweren Druck aus. Die
ßin Aeiseörief des Aeichstagsabg. 5>rc Wallau.
(Schluß.)
Ein ausgezeichneter Gedanke, aber Spanien bekam einen 'gewaltigen Schreck, rüstete 12 große Fregatten und 2 Brander aus und griff unseren wackeren Alders bei Cap Vincent (in; wohl würden die Spanier mit großem' Verluste geschlagen, aber, die brandenburgischen Schiffe waren doch derart zerschossen, daß Alders sich nach Lagos zurückziehen mußte und mit der Silberflotte war es nichts.
Äür Abend spät waren wir schon vor Gibraltar, blieben aber die Nacht auf hoher See, um am andern Morgen mit Tagesanbruch in die Bai von Gibraltar einzu- i)(impfen. Unvergeßlich wird mir der Anblick sein, der sich Itn^ bei der Einfahrt bot. Die aufgehende Sonne übergoß die trotzigen Felsen bm Gibraltar mit blutiger Glut, die afrikanische Küste war ausgezeichnet zu sehen und wie auf dem Präsentierteller liegt das durch die bekannte Konferenz so berühmt gewordene Algeciras von uns, man Jmtte jedem der 'Abgesandten genau auf die Finger sehen Wunen, wenn sie noch dagewesen wären; sie haben aber vorgezogen, sich unserer Kontrolle zu entziehen, vielleicht wäre die ganze Märokkosrage anders geworden; Böhlendorf Minister dort, und ich Kreisrat v'on Marokko, Lunnerwettev!
Zwischen englischen Kanonen, mit denen Gibraltar gespickt ist, wie bei uns ein alter Hase mit Speck, zwischen Panzertürmen und neun englischen Kriegsschiffen (lauter Unfläter) halten wir, bis der Doktor vom Land da war und die Erlaubnis erteilt hat, daß Passagiere und Ladung an Bord komüren können. Nach drei bis vier Stunden ist cklles erledigt und wir dampfen ins schöne blaue Mittel- tneer, nicht so rasch wie sich das schreibt, aber doch mit respektabler Geschwindigkeit. Aut Nachmittag des 29. Juli passieren wir die kleinen und großen B a l e a r e n in nächster Nähe, das Wetter ist wuudenz-ll, die Landschaft herrlich; am 20. vormittags gebt es die französische Küste entlang; welcher Unterschiä) in der Kultur gegen Spanien, dort alles
Konkurrenz der Warenhäuser, Kolonialwarenbandlungen, Dclikateß- gcschäste mit den Verkäufen von Fisch, Wild, Geflügel ist in den letzten Jahren fühlbarer geworden. Auch wird geklagt, das; die Militärverwaltung das Gewerbe durch Vergebung der Fleischlieferung für die Garnison nach den Grundsätzen des Unternehmertums schädige.
Das Angebot von Arbeitskräften war im allgemeinen genügend.
Von den Forderungen steht im Vordergrund eine Blenderung der Fleischbeschau und Währschaft, die zurzeit eine einseitige, schwere Belastung bedeutet. Außerdem wird die Abschaffung des Oktrois, dagegen eine Nachuntersuchung für eingeführtes frische? Fleisch, sowie Umgestaltung der Militärlieserung und Vergebung der slädt. Lieferungen an die Innung gefordert.
Die allgemeine Tätigkeit der Handwerkskammer erstreckte sich im Berichtsjahr besonders auf die weitere Ausgestaltung und Vesserimg des Lehrlingswesens. Die Handwerkskammer hat in ihrer Plenarversammlung int Juni 1905 der veränderten Sachlage entsprechend eine Aenderung der bisherigen Vorschriften über die Dauer der Lehrzeit und die Anzahl der Lehrlinge eintreten lassen. Die neuen Bestimmungen darüber werden halbjährlich im amtlichen Teil der Kreisblätter bekannt gemacht. Die mit der Kontrolle im LehrlingSwesen Beauftragten mußten feststellen,
„daß in hunderten von Fallen von dem Abschluß eines schriftlichen Lehrvertrags feine Rede war, zwischen Vater und Sohu überhaupt nicht. Nur nach eitigehender Belehrung über Ziveck und Nutzen des schriftlichen Lehrvertrags, nach mitunter langwierigen Verhandlungen waren oft Lehrmeister, Lehrlinge, Eltern ober Vormünder zu bewegen, den Vertragsabschluß herbeizuführen. Abneigung gegen jedwede Namensunterschrist bereiteten hierbei die größten Schwierigkeiten. Wenn alle Ver- nmütgrünbe versagten, mußte zu Strasanbrohnngen geschritten lverben, bas wirkte dann meistens; in insgesamt 33 Fällen hatten bie Androhungen keinen Erfolg unb würben Geldstrafen in bet Regel in Höhe von bis 5 bis 10 Mk. verhängt."
Anlaß zu Klagen bot auch die Frage der Lehrzeitdauer, die häufig bei Bäckern, Metzgern und Müllern vereinbart wurden. Ueberschreitungen gegen die Bestimmung über die Zahl von Lehrlingen kamen besonders im Schloffergemerbe vor, während sonst nur wenig Verstöße gegen die erwähnten neuen Bestimmungen zu verzeichnen waren. Es ist mit Befriedigung zu konstatieren, baß daS Angebot von Lehrlingen sich gegen früher bester geregelt hat, auch hat der Umstand baß der Ausbildling der Lehrlinge eine so große Aufmerksamkeit zugewendet wird, bewirkte, daß allutählich aus befferen Kreisen dem Handwerk wieder jugendliche Kräfte zugeführt werden. Die Kammer spricht daher die Hoffnung aus, daß mit der Zeit wieder mehr tüchtige Arbeitskräfte und immer bester vorgebildeter Nachwuchs zur Selbständigkeit gelangen werden. Dann würden, so meint die Kammer, auch die Beschwerden mehr und mehr verschwinden, welche die Gewerbefreiheit für alle dem Handwerk erwachsenen Schädigungen verantwortlich machen.
Ein längeres Kapitel wird in dem Jahresbericht auch den selbständigen Handwerkern gewidmet, für welche drei Mei st erprüfungskom Missionen in Darmstadt, Gießen unb Mainz eingerichtet und bestimmte Prüfungsvorschriften erlassen worden sind.
Heber die M c i st e r p r ü s u u g e n ist crsreulicherivetse das gleiche zu berichten, wie von den Gesetlenprüslmgeu. Die jungen Handwerker zeigten von Anfang an ein gewisses Interesse lür die Prüfungen und beteiligten sich an denselben in steigendem Maße. Tie praktischen Leistungen der Prüflinge waren im allgemeinen als gut. einige als hervorragend zu bezeichnen, ein Zeichen für bas Bestreben, in der Gesellenzeit sich tüchtig weiter zu bilden zum eigenen Vorteil unb zu dem des ganzen Berufes. Tie schriftlichen Leistungen dagegen ließen bei vielen zu wünschen übrig. Bisher haben 523 Handwerker ihre Meisterprüfung bestanden und damit den Meistertitel rechtmäßig erworben.
Was die Führung des Meistertitels anlangt, so war die Kammer ständig bestrebt, demselben Anerkennung und Zuerteilung wirtschaftlicher Vorrechte zu verschaffen. Auf eine Eingabe hat Grosch. Ministerium der Justiz in einem Ausschreiben an die Standesbeamten angeordnet, daß bei Eintragungen in das Standesamtsregister nach Möglichkeit darauf zu
öde und verlassen, hier ein schöner großer Ort neben dem anderen; 11 Uhr kommt das berühmte Bad Cannes in Sicht und dann die Riviera, Nizza, das berüchtigte Monte Carlo, Mentone, Bordighera unb kürz nach 12 Uhr Genua.
Wie liegt diese Stadt da, ein unvergleichlich schönes Panorama; es ist ja so ost von berufener Feder beschrieben, daß ich mir dies wohl schenken darf, aber schön ist es, überwältigend schön. Hier legen wir an der Landungsbrücke an und alsbald geht es in die Stadt; so schön die Aussicht auf sie ist, so scheußlich ist das Nest im Innern; die Straßen durchglüht von der italienischen Sonne sind selbst am Abend noch wie ein Backofen; ach könnte man doch eine halbe Stunde beim „SchWärzchen" sitzen und von dem guten Riedesel - oder Schlitzerbier trinken; bis zu Gundrums Nackenheimer sollen sich meine Wünsche gar nicht versteigen. Jede Straße so eng und ein Gestank! Aus jedem Haus riecht es anders, aber immer übel. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, daß es so viel Verschiedenheiten in üblen Gerüchen geben könnte.
Wir fragen uns nach der Elektrischen durch und kommen für wenige Centesimi auf den Righi, der einen wunderbaren Ueberblick gibt über Stadt, Hafen und Meer, und von da nach dem Campo santo (Friedhof), dessen unvergleichlich schöne Lage und Anlagen in manchem den Wunsch laut werden ließ, sich hier begraben zu lassen; ich behielt mir meine Entschließung noch vor, sagte aber wohlwollende Erwägung zu. Dr. Lukas und v. Rrepenhausen kamen jetzt an Bord und wurden von uns wettergebräunten, erfahrenen Seeleuten mit väterlichem Wohlwollen ausgenommen; Genua wurde noch mit fest verschlossener Nase kreuz und gner durchstreift, Palazzi besichtigt und am 1. August ging es wieder in See nach Neapel, wo wir am 2. August nachmittags 1 Uhr atifamen.
9Ba§ soll man von Neapel jagen, es ist zuvrel des Schönen, um auch nur annähernd das wiedergeben zu können, was das Herz bewegt; das Panorama der Stadt Genua ist durch den terrassenförmigen Aufbau von See aus eigentlich schöner, aber die weitere Umgebung, der'
achten ist, daß fein Handwerker als Meister eingetragen wird, der nicht die Berechtigung zur Führung des Meistertitels besitzt. Falls der Standesbeamte Grund zu her Annahme zu haben glaubt, daß ein Erschienener sich den Meistertitel unbefugt beilegt, ist dieser auf die einschlägigen Vorschriften hinzuweisen. Keinesfalls darf aber der Standesbeamte einen selbständigen Handwerker in den standesamtlichen Registern als einen Meister seines Handwerks bezeichnen, wenn derselbe sich nicht selbst vor dem Standesbeamten ausdrücklich als Meister bezeichnet hat; vielmehr ist in Fällen dieser Art der Stand des einzutragenden Handwerkers in anderer Weise kenntlich zu machen.
4polH8fd)c Tagesschau.
Ucber das Verhältnis der Firma Wörmann an der Kolonialabteilung stellt Maximilian Harden in seiner „Zukunft", die schon vor Jahr und Tag auf die außerordentlich hohen an Wörmann gezahlten Transportkosten unter genauen Detailangaben hingewiesen hat, jetzt mehrere Fragen:
„Wie istS mit der Firma Wörmann, deren Status der Krieg so wesentlich verbessert hat? Gab es nicht für alle Fälle der Mobilmachung Verträge, die den Norddeutschen Lloyd verpflichteten, Truppen und Material zu bestimmten Vreissatzeu zu befördern? Weshalb wurde diese V-rtragspflicht nicht länger geltend gemacht? Hat Wörmann, der, als ein Hauptinteressent am Handel aller deutsch-westafrikanischeu Faktoreien, doch zugleich sein eigenes Geschäft sicherte, niedrigeren Preis gefordert als der Lloyd'und, zum Beispiel, Offiziere billiger befördert als anbere Reisende? Oder teurer, etwa mit der Begründung, andere Passagiere würden von der Schiffsküche nicht so reichlich versorgt? Warum ersparte man ihm dann die HBbequcmlid)feit der Konkurrenz ? Waren Liegegelder in solcher Höhe nicht zu vermeiden? Sind atis den Bureaus der Hamburger Reederei nicht Vorschläge gefommen, wie man das Löschungswesen organisieren könnte, und sind sie aus dem Weg in die höhere Geschäftsregion nicht ins Wasser gefallen?“
*
Die Fahrkartenstener.
Die Forderung auf Wiederaufhebung der FahrkartensteucL wird wohl nicht mehr von der Tagesordnung abgesetzt werden, verlautet doch mit ziemlicher Bestimmtheit, die Regierung selbst sähe die Stellungnahme gegen diese Steuer nicht ungern. Aber so im Handumdrehen verschwindet die Fahrkartensteuer sicherlich nicht von der Bildfläche, keinesfalls wohl vor Durch- führung der Tarifreform, die für den Sommer nächsten Jahres erhofft wird. Zudem kann die Regierung nicht umhin, den ersten Jahresertrag aus der Fahrkartensteuer abzuwarten. Die Steuer- kontmission des Reichstags hatte ihn auf 55 Millionen berechnet, der Schatzsekretär wollte nur 50 Millionen gelten lassen, und e§ ist anzunehmen, daß in entsprechender Höhe die Einnahmen aus der Fahrkartensteuer im Etatvorschlag für 1907 erscheinen. Der tatsächliche Jahresertrag der Steuer wird sich erst im nächsten Spätsommer feststellen taffen, also kurz vor der letzten Reichstagssession vor den Neuwahlen. Er mag den Voranschlag nun übertreffen oder hinter ihm zurückbleiben: es ist wenig wahrscheinlich, daß die Negierung vor den Neuwahlen mit einer neuen „Steuerreform" unter Aufhebung der Fahrkartenstener auf den Plan tritt. Denn das Volk würde auf ein den Tabak zur Ersatzsteuer kräftig heranziehendes Projekt bei den Neuwahlen eine für die Regierung wenig erfreuliche Antwort geben. Also, der lästigen Fahrkartensteuer ist hoffentlich nicht dauernder Bestand beschieden, aber einige Zeit wird sie getragen werden müssen. Im übrigen ist anznnehmen, daß die Negierung in der kommenden Parlamentssession über diese Sache interpelliert werden wird, denn die Tabakindustrie sieht sich neuer Ungewißheit und Beunruhigung preisaeaeben.
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Der italienische Kamerad.
Der Sommer geht zu Ende, und er hat nicht gebracht, was am Beginn, gelegentlich des Depeschenwechsels zwischen den Dreibundmonarchen aus Anlaß des Besuches Kaiser
Vesuv, das Gebirge bei Neapel, unbeschreiblich großartige Wir sind noch nicht vor Anker, da umschwärmt uns schon eine ganze Flottille von kleinen Kähnen, aus jedem ertönt Geschrei, Geigen. Guitarre, Gesang, Bettelei; ein Kupferstück wird ins.Meer geworfen und wie der Blitz springt ein halbes Dutzend junger Bengel' ins Wasser, einen Moment leuchtet noch die für einen gründlichen Unterricht so beliebte Kehrseite über Wasser und verschwunden sind die Kerls, um kurz darauf wieder aufzutauchen. Einer hat die Münze zwischen den Zähnen und hält sie dann triumphierend in die Höhe. Sorgfältig werden die Kabinen, Türen und Fenster geschlossen, denn unsere hohen Verbündeten stehlen wie die Elstern. Tann fahren wir mit der Tampfbarkasse an Land, ganz gespickt mit guten Ratschlägen gegen die überall lauernden Betrüger, Uebervorteiler, Diebe, Hallunken, die sich uns zunächst in Gestalt von Fischern, Führern, Droschkenkutschern, Kellnern ?c. präsentieren werden.
Wir machen erst eine Rundfahrt durch die Stadt, nach- dein wir uns mit dem Kutscher statt der 12 Lire, die er verlangt, auf 3 Lire geeinigt haben, dann geht es um 2 Uhr bei unglaublicher Hitze per Bahn nach Pompeji, der vor jetzt beinahe 2OOÖ Jahren verschütteten Stadt. Der alte Vesuv, der alles dies angestellt hat, steht so ruhig in der Ferne, raucht ein wenig, tut aber im klebrigen, als könne er kein Wässerchen trüben, geschweige denn eine Stadt verbrennen. Ein eigentümliches Gefühl ist es, in der toten Stadt herumzugehen und zu sehen, wie hier vor 2000 Jahren ein ganzes blühendes Gemeinwesen einem plötzlichen Grab überliefert mürbe. Leider reichte unsere Zeit nicht, um die letzten Schandtaten deS Vesuvs näher zu besichtigen. Um 11 Uhr mußten wir wieder an Bord sein und in zauberhaft schöner italienischer Nacht, begleitet von Gesang und Geigenspiel, ging es wieder weg nach Port Said. Als wir von Pompeji an den Hafen gekommen waren, war die Dampfbarkasse gerade weg und wir mußten mit einem Kahn an Bord


