f)5(t eS für völlig ausgeschlossen, daß ein Mitglied des herzoglichen HauseS den braunschweigischen Thron besteigt, solange nicht ein Verzicht auf Hannover erfolgt ist. Die Kommission hält es für zulässig, daß noch einmal ein Versuch gemacht wird, die Gegensätze aus zu gl eichen und zwar daß die Landesversammlung ausdrücklich Stellung zum Haupthindernis nimmt, das bisher den Ausgleich in erster Linie vereitelt bat, nämlich der Anspruch des Herzogs auf Hannover. Die Kommission schlagt daher der Landcs- versammlung folgende Resolution vor:
1. Die Landcsversammlung spricht ihre Ueberzeugung dabin auS, daß ohne endgültigen und vorbehaltlosen Verzicht der sämtlichen Agnaten des Herzog!. Hauses auf Hannover eine Verständigung zwischen der Krone Preußens und dem Herzog von Cumberland nicht zu erhoffen ist.
2. Sie ersucht den Regentschaftsrat, diesen Beschluß zur Kenntnis des Herzogs von Cumberland und der preußischen Negierung zu bringen.
3. Sie gibt dem Negentschaftsrat anheim, einstweilen den Landtag zu vertagen und erst dann wieder zusammen treten zu lassen, wenn entweder eine Erklärung des Herzogs von Cumberland eingegangen ist, welche die Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen Negentschaftsrat und Landesversammlung erfordert oder, ohne daß solches geschehen eine Frist von drei Monaten verstrichen sein wird.
Znr Bergarbeiterbewegung.
Nach vorläufigen Ermittlungen des Königs. Oberbergamts zu Dortmund hat der Durchschnitts-Nettolohn aller Bergarbeiter im Ruhrbezirk, der im 2. Vierteljahr 1906 4.26 Mk. betrug und damit den höchsten Stand zur Zeit der letzten Hochkonjunktur im Jahre 1900, nämlich 4.24 Mk. im 3. Vierteljahr 1900, bereits überstiegen hatte, im 3. Vierteljahr 1906 sich, der „Köln. Ztq." zufolge, noch um. etwa 6 v. H. gehoben. Der Durchschnittslohn der Hauptklasie (Kohlenhauer und zugehörige Schlepper), die rund 50 Proz. der ganzen Belegschaft umfaßt, batte zwar im zweiten Vierteljahr 1906 mit 5,14 Mk. den höchsten Stand im Jahre 1900 mit 5,27 Mk. (viertes Vierteljahr 1900) noch nicht erreicht, ist aber im dritten Vierteljahr um etwa 7 Proz. weiter gestiegen und damit auch schon über den höchsten Stand des Jahres 1900 hinausgegangen.
Ob aber durch diese Lohnerhöhungen die seit 1900 ein- getretene bedeutende Steigerung fast aller Lebensmittel annähernd ausgeglichen wird, erscheint fraglich: die Bergarbeiter haben wiederholt erklärt, daß sie ohne diese Verteuerung des Unterhalts zurzeit überhaupt keine Lohnforderungen gestellt haben würden.
Sehr bemerkenswert ist, was die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt:
Die Streiks ekahr im Ruhrrevier dürste durch die von den Zechenverwaltungen dieser Tage erteilte Antwort schwerlich beschwichtigt worden sein. Daß der etwaige Entschluß der Zechen- v e r iü*a l t n n g e n, keinerlei Konzessionen zu machen, dem Wunsche nach friedlicher Verständigung beider Teile keine Rechnung trägt, wird jedenfalls in weiteren Kreisen der Oeffent- lichkeit einen nicht g e r a d e g ü n st i g e n E i n d r u cf erwecken, weil man hier überwiegend von der Ansicht ausgebt, daß die Bergarbeiter trotz der in den letzten Jahren wieder eingetretenen Steigerung der Lohne bezüglich der gesamten Lebenshaltung in Nachteil geraten sind, und deshalb einen gewissen Anspruch auf Berücksichtigung seitens der gerade jetzt durch besonders reiche Gewinne begünstigten Bergwerksbesitzer haben. Die „Nordd. Allg. Ztg." untersucht sodann die Lohnfrage und sagt, daß die Löhne schwerlich als ausreichend bezeichnet werden können, wenn man als erwünscht ansieht, daß auch die Arbeiterschaft an den Segnungen der wirtschaftlichen Entwickelung jederzeit beit ihr gebührenden Anteil erhält.
Bei dem Vorstande des alten Bergarbeiterberbandes in Bochum ist eine Depesche eingegangen, wonach unter den Bergleuten des Zwickauer Reviers große Aufregung herrsche, weil der Erzgebirgsverein durch Anschlag bekannt gegeben habe, daß die Schichtzeit airf dem Tiefbauschacht, die laut Arbeitsordnung zehnstündig ist, von elf auf zwölf und auf dem Vertrauensschacht von zehn auf elf Stunden ausgedehnt werden solle. Die Bergleute betrachten diese Maßnahme als eine Herausforderung. — In Bockwa und anderen Orten fanden starkbesuchte Bergarbeiterversammlungen statt, in denen der Beschluß der Bergbauvereine in gereiztem Tone besprochen wurde. Die Führer ermahnten die Bergleute, kaltes Blut zu bewahren.
Im Mährisch-Ostrauer Kohlenrevier sind die Arbeiter entschlossen, in den allgemeinen Ausstar/d zu treten.
Angesichts der bevorstehenden Bergarbeiterversammlungen mahnt auch die Bergarbeiterpresse zu unbedingter Ruhe.
Eine Anzahl von Zechen haben übrigens neuerdings Lohnerhöhungen eintreten lassen; namentlich die Löhne der geringer bezahlten Arbeiterkategorien sind derart aufgebesiert worden, das sie einer 15prozentigen Lohnerhöhung gleichkommen. Den Schleppern auf der Zeche Consolidation wurde eine Lohnerhöhung von 40 Pfg. für die Schicht zu- gebiüigt.
Ministerium Clömencean.
Die M'in ist e rkrisis, welche in Frankreich schon lange in der Lust hing, ist zum offenen Ausbruch gelangt, und der bisherige Minister des Innern ClSmenceau tmrrde der Chef des neuen Kabinetts. Aus dem alten Ministerium scheiden fünf Mitglieder aus', außer dem Premier die Minister der Finanzen, der Marine, des Krieges und des Aeußern. Es sind dies lauter gemäßigte Politiker, aber nuch ihre Nachfolger werden aus dem moderierten Lager genommen werden, vielleicht mit Ausnahme eines Sozialisten^ Denn Clömeneeau, welchem die Sozialdemokratie feindlich gegenüber steht, hat die Absicht, dem roten Deputierten Viviani das Justizportefeuille anzutragen, um sich _die sozialistische Partei versöhnlicher zu stimmen. Das Gerücht, daß Clemenceau dem General Picquart, dem Freunde des Majors Dreyfus, das Portefeuille des Krieges anbieten werde, scheint uns unwahrscheinlich. Allerdings hatte Clemenceau bereits eine Besprechung mit Picquart, Idoch erklärte er, er habe von Picquart nur Auskunft über gewisse Fragen erbeten. Clemenceau äußerte, er nehme an, daß er noch vier Tage brauchen werde, um das Kabinett zustande zu bringen, und dann abermals vier Vis fünf Tage, um sich mit den neuen Ministern über alle Fragen zu einigen. Bourgeois lehnte bereits definitiv die Uebernahme eines Portefeuilles im neuen Ministerium ab.
Äömenceau ist ein sozialistisch gesinnter Radikaler, ein talentvoller Schriftsteller, gute'- Redner und ein Mann von Energie. 1865 ließ er sich als Arzt in Paris nieder und
wurde etwa 10 Jahre später Führer der radikalen Republikaner. Jedenfalls wird er die allgemeine Richtung der inneren Politik Frankreichs noch weiter nach links rücken. Wie weit der Wechsel in der Regierung, der Republik auf deren auswärtige Politik von Einfluß sein wird, läßt sich im Augenblick nicht übersehen, weil noch nicht endgültig bekannt ist, wer Nachfolger Bourgeois' werden wird.
Pariser Blättern zufolge soll Clemenceau beabsichtigen, das Marine- und das Kri e g s m i n i st e r i u m in ein einziges Ministerinm umzuwandeln, welches den Namen ,.Lan d e s v er t eid i gun g s m ini st e- riunt" tragen soll.
Hessische Landwirtschaftskammer.
R. B. Darmstadt, 20. Okt.^,
Die neu gebildete Landwirtschaftskammer für das Großherzogtum Hessen ist heute vormittag IIV2 Uhr int Saal der zweiten Ständekammer zur Konstituierung und Bureauwahl versammelt worden. Gegen IIV2 Uhr erschienen, nachdem die Mitglieder im Saal Platz genommen hatten, als Vertreter der Regierung resv. der landwirtschastl. Zenlralverwaltung, Minifterial- präsideut Braun, Ministerirlrat U sing er, Oberregierungsrat H ö l z i n a e r , Landesökonomierat Müller und Oberregierungsrat Dr. Heinrichs.
Ministerialpräsident Braun berief zunächst Herrn Anton Schmidt II. aus Bretzenheim, der nach den Feststellungen der Regierung heute seinen Geburtstag feiert und das älteste Mitglied der Versammlung ist, zum Alterspräsidenten.
Herr Schmidt übernahm das Amt und begrüßte die Versammlung mit herzlichen Worten, dankte auch den Regiertmgs- bertretern für ihr Erscheinen. Er wies daun kurz auf die Ent- stebungsgesck'ick'te der Kammer hin und siwach die .Hoffnung aus, daß die Tätigkeit der Kammer zum W^ble her gesamten Landwirtschaft in Hessen beitragen werde. (Beifall.)
Ministerialpräsident Braun bemerkte darauf: Mit der Uebernahme des Altersvräsidiums durch Herrn Schmidt ist die Kammer vorläufig konstituiert. In diesem für die Landwirfichast bedeutungsvollsten Augenblick ist es mir Wunsch und Pflicht, zugleich int Namen der Großh. Regierung die Kammer aufs herzlichste zu begrüßen und der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß sich die großen und schönen Erwartungen, die sich an die Begründung der Lchi'.dwirtscl''lskammer kiiüpsen, im reichsten Maße erfüllen werden. In der hessischen Geschichte wird der 20. Oktober einen wichtigen Markstein für die Landwirtschaft bilden. Die landwirtschaftlichen Vereine haben seit Jahrzehnten eine ersprießliche Arbeit entfaltet, die den ungeteilten Dank aller Kreise verdient. Tausende bewährte Männer leeren int Dienste der landwirtschaftlichen Vereine erfolgreich tätig, und die Großh. Negierung hat bo’ii gern die reichen Mittel bewilligt. Man empfand in weiten Kreisen die Mängel einer nicht einheitlichen Organisation, wodurch die Arbeiten erschwert und die Berufsinteressen nicht genügend verlrelcn werden konnten. Das waren die Gründe, die schon vor vielen Jahren den Ruf nach einer festeren Organisation laut werden ließen. Dazu kam das Vorgehen anderer deutscher Bundesstaaten, namentlich das Vorgehen Preußens, das teilweise sogar die Negierung nicht vor dem Vorwurf schützte, daß man in Hessen auf diesem Gebiete rückständig sei. Welche Form der Organisation nun für Hessen die glücklichste sei, darüber gingen die Ansichten weit auseinander und es hat sehr erheblicher Arbeit bedurft, um zu einer Einigung zu gelangen. Man ist beute zu einem K 0 m v r 0 m i ß gekommen. wie er ja im wirtschaftlichen und politischen Leben überhaupt nickt zu entbehren ist für jede praktische Arbeit. Unsere Landwirtschaftskammer hat einen wesentlichen anderen Ausbau erhalten, als die Kammern in Preußen, der Aufbau ist von unten nach oben erfolgt, nach dem Grundsatz, daß die bewährte Vereinsorganisation dabei maßgebend blieb. Sie sind heute ans freier Wahl der landwirtschaftlichen Berussgenossen im vollen Umfang zu den Ausgaben berufen worden, die int Art. 4 des Gesetzes näher bezeichnet sind. Die Großh. Negierung hofft auf ein gedeihliches Zusammenarbeiten mit der Kammer und vc spricht Ihnen, daß die Wünsche der Kammer um so mehr Beachtung finden werden, je mehr sie den gesetzlich gesteckten Zielen und den Interessen der Landwirtschaft entsprechen. (Beifall.) Es ist mir eine hohe Freude, daß ick zugleich int Namen Sr. K. H. des Groß Herzogs sprechen darf, der mir vor wenigen Minuten den Auftrag erteilt bat. Sie auch in seinem Namen zu begrüßen und Jlm"u herzlichsten Erfolg zu wünschen. lLebh. Bravo!) Möge es Ihnen beschieden fein, einen stattlichen Bau für die Landwirtschaft Herzustelleri, möge über Ihren Verhandlungen walten der von den Vätern ererbte gute Geist der hessischen Landwirtschaft. (Beifall.)
Bei der darnach durch Stimmzettel vollzogenen Wahl des 1. Präsidenten, wird Geb. Reg. Nat Haas mit 43 von 45 Abgegebenen Stimmen gewählt.
Präs. Haas nimmt daraus den Vorsitz ein und heißt alle Anwesenden herzlich willkommen, zugleich auch im Namen des Präsidiums der zweiten Ständekammer. Er danke für den Beweis großen Vertrauens und werde seine ganze Kraft seiner neuen Aufgabe widmen. Möge über der Versammlung ein guter Stern und volle Eintracht herrschen. Das Ansehen der Kammer werde er nach außen, wie nach innen streng zu wahren wissen. Redner schloß mit einem dreimaligen Hoch auf den Großherzog, den Förderer und Beschützer der hessischen Landwirtschaft.
Die Kammer wählte darauf zum P r ä s i d e n t e u - S t e l l- bertreter für Ober Hessen Herrn Abg. V ä h r - Herrnhag mit 41 Stimmen. Für Rheinhessen Kar Oekonomierat Lichtenstein Windhäuserhof in Vorschlag gebracht worden. Von ober- hessischen Mitgliedern wurde dieser jedoch als ein „Freihänd - ter" bezeichnet und an seiner Stelle Herr Keller-Stein-Bockcn- heim als Kandidat vorgeschlagen. Bei der Abstimmung erhielt Lichtenstein 21. Keller 24 Stimmen. Die rheinhessischen Mitglieder hatten aber schon vorher die Erklärung abgegeben, daß außer Lichtenstein kein anderer Rheinhesse die Wahl annehmen würde. In einem zweiten Wahlgang wurde deshalb Lichtenstein gewählt und zwar wiederum mit 21 Stimmen, da die ober- hessischen Mitglieder meist weiße Zettel abgaben. — Weiter wurden noch zu Vorstandsmitgliedern berufen Oekonomierat Walter- Lengfeld, Fritsch- Dilshofen, Bürgermeister H a H,N - Haßloch und Köhler-Langsdorf.
In einer darauf statlgehabten Debatte über die nächste Tätigkeit der Kammer schlug Präs. Haas vor, eine Kommission von 6 ^Mitgliedern der Kammer zu wählen, welche die vom Präsidium aufzustellenden Satzungen der Kammer durchberaten soll. Dem Vorschlag wurde zugestimmt. Weiter wird das Präsidium ermächtigt, für die in nächster Zeit notwendigen Aufwendungen (Vnreaukosten usw.) einen von ihm zu bestimmenden Kredit bei der Regierung in Anspruch zu nehmen. Auf Anregung des Präsidiums wird daun die Frage der Erhebung von Tagegeldern besprochen und nachdem Minifterial- vräsident Braun darauf hingewiesen, daß nach dem Gefetz den Mitgliedern nur eine Entschädigung ihrer baren Siu Stagen zustehe, beschlossen, vorläufig Tagegelder in der Höhe der für die zweite Kammer berechneten (9 M a r k) zu erheben und freie Fahrt 3. Klasse.
Nach einer kurzen Pause werden für die Beratunaskom- mission der Satzungen gewählt: Für Rheinhessen Geh. Kommerzienrat Frhr. Hehl zu Herrnsheim und Keller- Spießheim, für Starkenburg Oekonomierat Heil und Krapp- Sickenhofen. für £)b erbeff en Lutz-Elpenrod und Br eiten- b a ch - Dorheim.
Auf Anregung von Bähr- Herrnhag wurde auch noch eine Wahlprüfungskommission gewählt, bestehend aus den Herren Höhn-Heppenheim, T r a u t m a n n-Rimbach, Bähr-Herrnhag, Fenchel-Butzbach, E i b a ch - Psaffen-Schwabenheim und Schmitt- Guntersblum.
Präsident Haas teilte herauf mit, daß er eine neue Sitzung ein berufen werde, sobald die genügenden Vorarbeiten vollendet sind und schloß die Sitzung mit cinnn dreimaligen Hoch auf das schöne Hessen und seim- Landwirtschaft.
Im Anschluß an die erste Sitzung fand im Hotel zur Traube ein gemeinsames Mittagessen mit sich anschließendem zwanglosen Zusammensein statt, an dem sämtliche Regierungsvertreter und die meisten'Mitglieder der Landwirtschaftskammer teilnahmen. Im Verlause des Essens hielt Abg. Köhler-Langsdorf eine längere Anfprache, in der er die Einigkeit der Heimchen Landwirtschaftskammer feierte und ihr ein Hoch ausbrachte. Präsident Haas dankte der Regierung und besonders dem Ministerial- präsidenten Braun für das bei der Beratung des Gesetzes betätigte Entgegenkommen und Nachgeben gegenüber den Wünschen der hessischen Landwirte und trank auf das Wohl der Reg.erimg. Ministerialpräsident Brann hielt eine längere mit politischen Anspielungen keicb versehene Rede, der er das Wort zu Gninde legte: „Es wächst der Mensch mit seinen größeren Zwecken . Während die Jugend ihren Kopf in allem durchsetzen wolle, sehe man im Alter ein, daß man auch nachgeben müsse, wenn man etwas Ersprießliches erreichen müsse. Er trank mit den anwesenden Regiernngsvertretern auf das Blühen und Gedeihen der Landwirtschaftskammer. Köhler- Langsdorf hielt noch eine' humoristische Rede, in der er im Anschluß an die Feststellung, daß alle auf dem Tisch befindliche Prod'ckte der Landwirtschaft entstammten, den Wunsch ausfvrach, daß alle Parteien land- wirtschaftsfreui'.dlich werden möchten. An S. K. H. den Großherz 0 a wurde folgendes Telegramm abgeschickt:
„Die heute zusammengetretene Landwirtschaftskammer beginnt ihre Tätigkeit im Aufblick zu ihrem geliebten Landesherrn, indem hi1' Mitglieder Alserhöchstdemselben die Versicherung unverbrüchlicher Treue unterbreiten. Die Landwirtschofts- kammer dankt ihrem Landesherrn für die der Landwirtschaft gewidmete Landesväterliche Fürsorge und fühlt sich bestärkt in dem Gedanken, daß die Landwirtschaft für alle Zeit die festeste Stütze des Thrones und des Vaterlandes ist.
Haas, Vorsitzender.
♦
Noch ehe die Landwirtsclmftsrammer konstituiert war, ist schon ein Wahlprotest gegen die Wahl des Kammermitgliedes Mogk von Grund-Schwalheim in Oberhessen bekannt, der die Wahl int Bezirk Nidda-Echzell betrifft. M. wurde mit acht gegen sieben Stimmen gewählt, die Schuch auf Hof-Schleifeld' erhielt. Da aber in dem Orte Stockheim die Wahlkommission die W a h l z e i t anstatt von 10 bis 7 Uhr, wie von der Regierung vorgeschrieben, auf die Zeit von 10 bis 1 Uhr reduzierst hatte, so wird die Wahl des Stockheimer Wahlmannes für ungültig erklärt werden müssen und damit auch die Wahl des Kammermitgliedes Mogk. Nidda-Echzell ist der einzige Wahlbezirk, in dem der Kond'd it her B-wcr^hiindl?'' nicht aemählt wurde.
Gras Pückler auf der Anklagebank.
(Unberechtigter Nrckd -ck verboten.)
H. F. Berlin, 20. Oktober.
Der am Donnerstag Abend vertagte Prozeß gegen den Grasen Pückler und Genossen wird heilte Mittag iortgefetzt. Der Vorsitzende, teilte mit: Der Gerichtshof hat testgestellt, daß Graf Pückler in sechs verschiedenen Reden bezw. Flugblättern zu G e w a l t t ä t i g- feiten gegen d i e Jirden all sg eso rdert habe. Er hat E i n b r e ch e r direkt a u s g e s 0 r d e r t, bei den Juden e i n - z u b r e ch e n , indem er ihnen sagte sie würben dort große Gold- und Silbersäcke finden imb jeder mindestens 30—40 000 Mark erbeuten. Er hat A n a r ch i st e n a u f g e f 0 r d e rt, ihre B 0 in b e n nicht nr ehr gegen die Fürsten, sondern in die I u d e n h ä il s e r zu werfen. Er hat auf rllssische Verhälliiisse hiilgewiesen und ein Massaere, das von russischen Dragonern am Juden unternommen wurde, mit der Bemerkung geschildert: Die Redensart der Dragoner „Wir spalten den Juden die Schädel wie Nüsse" als ganz besonders gelangen bezeichnet. In einem Flugblatt wird aufgesorderst, die Juden mit Steinen zu bewerfen. Jeder Antisemit, so sagt der Angeklagte, mim immer ein paar Steine in der Tasche haben, um damit auf die Juden zu werken und ihnen die Fenster einzuschmeißen. Die Juden werden ferner mit den Hyänen des Schlachtfeldes verglichen, die roten Kerle wurden ausgesordert, die Juden auf der Straße anzuremveln und zu backpfeifen, damit die Keilerei in Fluß kommt. Endlich wurden die roten Kerle auf- gefordert, sich Mut ru trinken, alsdann in die Restaurants und Cafes zu gehen und die Juden mit dem Knüpvel totzuschlagen. Es wird zugegeben, daß die Aufforderung keinen Erfolg gehabt habe. Wäre dies geschehen, dann hätte die Strafe sehr hoch sein müssen. Der Umstand, daß er sagte, er werde einige Russen nach Deutschland imbortiren, damit sie den deutschen Antisemiten zeigen, wie man Judenbuden demolirt, die Sarah zum Fenster hinausschmeißt usw., beweist den gefährlichen Charakter der Reden bezw. Flugblätter.
Von der Vernehmung des psychiatrischen Sachverständigen Medizinalrats Dr. Hoffmann wurde Abstand genommen, weil man die Ueberzeugung erlangt hat, daß Gras Pückler geistig vollkommen zurechnungsfähig und für seine Taten verantwortlich ist.
Die Strafkammer des Landgerichts verurteilte den Grasen Pückler zu 3 M 0 n a t c 11 Gefängnis, den Buchdruckerei- besitzer Misching wegen Beihilfe zu 50 Mk. und den Buchdruckerei' besitzer Paul Schmidt zu 20 Mk. , Der Geschäftsführer Wigankow wurde freigesprochen.
(PcricbhfaaL
Gl 0 gan, 22. Okt. Das Kriegsgericht oerurteilte den Leutnant L ü b t 0 w vom Liegnitzer Königgrenadier-Regiment wegen Mißbrauch der Dienstgewalt und unerlaubter Entfe'-ung zu e i n em JahreGeiängnis und Dienstentlassung, den Oberleutnant von Waldow wegen versuchter Verleitung zur Fahnenfiucht zu 6 Wochen Gefängnis.
Te!ef©mscßie FCasrsberschte
des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank fflr Handel
nnd Industrie Giessen.
Frankfurter 8lör*e. 22. Oktober, 1.15 Uhr.
97.65
Wk
98.80
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94.20
85.85
97.90
86 00
97.25
140.00
125.30
240.50
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^°/0 3% 3%°/o W/n
Beichsanleihe do.
Konsols . , do. . .
Hessen . . . Oberhessen
4% Öcsterr. Goldrente. . 4l/s 96 Oesterr. Silberrente 4 % linear. Goldrente . .
Nordd. Lloyd .... 123.75
Oberschles. Eisen-Industrie 125.75
496 Italien. Rente . . . 102.70
396 Portugiesen Serie T . 68.30
396 Portugiesen ITT 69-80 4J6°/'o russ.Staatganl. 1905 86.80 4}a°/n Japan. Staatsanleihe 92.00 4 96 Conv. Türken von 1903 93.40
Berliner Handels^es . . 169.00
Darmstädter Bank . . . 137.90
Deutsche Bank . . . 237.20
Deutsch-Asiat. Bank . . 171.50
Diskonto-Kommandit. . . 181.20
Dresdner Bank . . . 154.90
Ttirkenlose 143.80
496 Griech. Monopol-Anl. 53 00
4 96 äussere Argentinier . 87.00 3°/0 Mexikaner . . . 67.10
4>6°/0 Chinesen .... 95.70
Aktien:
Bochum Guss 237.00
Kreditaktien 210.00
Baltimore- und Ohio-
Eisenbahn . . 119.00
Gotthardbahn —.— Lombard. Eisenbahn . . 36.40 Oesterr. Staatsbahn . . . 144.50 Prince-Henri-Eisenbahn . 145.25
Buderus E. W
. 125.10
Tendenz: beruhigter.
berliner Börse, 22. Oktober. Anfancrslnirse.
Can ad a E. B 177.00 Darmstädter Bank . . . 137.50
Deutsche Bank .... 237.00 Dortmunder-Union C. . . 80.75 Dresdner Bank .... 155.00
Tendenz: matt.
Harpener Bergwerk. . . 207.60
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Lombarden E. B. ... 36.90
Nordd. Lloyd 123.70
Tiirkenlose . .... 144.80
gesundeu.
magen- darmkranke
bewährteste Nahrung für y


