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Waffe Gebrauch gemacht "und' MieUich scharf geschossen. !Auf Befragen des Bert. J.-N- Dr. Mamroth bekundet der Zeuge, zunächst sei es ihm gelungen, mit 21 Schutzleuten den Striegauer- platz zu säubern. Die Menge drängte jedoch sehr bald von ncu:m in so großer Zalst unter furchtbarem Johlen und Pfeifen nach dem Striegauerplatz, baß mittels Fernsprecher Verstärkung herbci- gerufeu werden mußte. Mends gegen 7 llbr waren weit über 100 Schutzleute auf dem Striegauerplatz und den angrenzenden Straßen postiert. — Polizeikommissar John schließt sich im wesentlichen der Bekundung des 'Vorzeugen an. Nachdem der Befehl zum Blankziehen gegeben war, fei eine Kugel bor ihm niedergeprallt.
Polizeikommissar Mittmann: Ms ich sah, daß ein Schutzmann von der johlenden Menge ins Gesicht geschlagen wurde und die. Menge immer mehr vordrang. kommandierte ich „Gewehr auf!" und befahl, mit blanker Waffe vorzugehen. Ich hatte auch Meinen Säbel gezogen. EinemMann wurde die Hand durchschnitten. Dieser schrie heftig. In demselben Augenblick erhielt ich einen heftigen Hieb auf den Oberarm und einen Stoß in den Rücken, so daß ich an einem Laternenpfahl niederfiel; ich wurde jedoch sofort von Schutzleuten aufgehoben. Inzwischen war der Kommandeur der Schutzmann- schast zu Pferde erschienen. Diesem meldete ich den Vorgang. Ich erhielt von diesem den Auftrag, die Posener- und Schweitzer- straße zu räumen und wenn die Hiebwaffen fruchtlos bleiben sollten, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. In der Schweitzerstraße erhielt ich mit einer Wäscherolle einen so furchtbaren Schlag auf den Magen, daß ick vor Schmerz fast niedergesunken wäre. Ich leide seit dieser Zeit an traumatischer Neurose und bin furchtbar nervös. Ich bin auch in ärztlicher Behandlung; erst gestern ist mir wegen zu großer Schmerzen der Magen ausgepumpt worden. Ich wurde außerdem mit einem Plättbolzen und mit Tellern, Flaschen, Blechschachtcln usw., die zumeist aus den Fenstern geflogen kamen, beworfen. Eine Flasche siel vor meinen Füßen senkrecht zur Erde. Die Flasche muß mit Salzsäure oder Schwefelsäure gefüllt gewesen sein. Der untere Teil meiner Hosen, die von der Flüssigkeit bespritzt wurden, war vollständig zerfressen. Ich hatte nunmehr die Absicht, eine Schützenlinie bilden zu lassen und nach den Fenstern scharf schießen zu lassen. Ich befürchtete aber, es könnten Unschuldige getroffen werden. Ich forderte das Publikum zunächst auf, sich von den Fenstern zu entfernen, andernfalls werde scharf geschossen werden. Da dies nur mit Hohnlachen beantwortet wurde, gab ich zunächst einige Schreckschüsse ab und da auch das nichts half, schoß ich dreimal sch ar s die Häuser entlang. Da aber auch dies likljtS fruchtete, kommandierte ich, eine Schützenlinie zu hüben und scharf in die Fenster zu schießen. Darauf zog sich die Menge von den Feilstem zurück.
Schutzmann Berzel bestätigt die Bekundung des Polizeikommissars Mittmann. Die Menge habe gerufen: Schlagt doch die Aeser von Schutzleuten, die Bluthunde, tot. Schutzmann Jahns: Er sei derartig mit einem großen Mauerstein beworfen worden, daß er 7 "Wochen lang krank lag. Berittener Schutzmann Ragner: Die Menge habe ihm zugerufen: Tu Lump, Du Kosak, schlagt doch dem Lumpen den Schädel ein. Er sowohl als auch sein Pferd seien von der Menge geschlagen worden. Ein Mann sei seinem Pferde in die Zügel gefallen und habe versucht, ihn vom Pferde zu reißen. Der als Zeuge vernommene Kommandeur der Schutzmannschaft, Polizeiinsvektor Roll vermag nichts von Belang zu bekunden. Polizeikommissar Meißner: Ihm sei zugerufen worden: Schlagt doch den Kosakenhäuptling, den verfluchten Leutnant tot. Er sei mit Brotkrusten, großen Kohlenstücken usw. beworfen worden.
Po'lizeikommissar Schmidt: Die Menge hat alle möglichen Schimpfworte ausgestoßen und die Beamten mit Blumentöpfen, Bierflaschen, großen Kohlenstücken, Brotkrusten usw. beworfen.
Bert. J.-R. Dr. Mamroth: Herr Polizeikommissar, Sie sagten, noch am Wend war die Hildebrandtstraße schwarz von Menschen. Wann war das? Zeuge: Zwischen 8—9 Uhr. Bert.: Der Fall Biewald ist zwischen 7—8 Uhr, etwa gegen 7s/j Uhr, im Hause Hildebrandtstraße 25 geschehen. Zu dieser Zeit ist die Hildebrandtstraße menschenleer gewesen, es standen nur eine Anzahl Bewohner dieser Straße plaudernd vor bfn Haustüren. Auch Biewalb stand mit "Hartmann und einigen anderen Leuten plaudernd vor der Haustür. Da die Leute sahen, daß Schutzleute in die Häuser eindrangen, so begaben sie sich in ihr Haus und machten die Haustür zu. In demselben Augenblick drangen 8—9 Schutzleute in das Haus, verletzten die flüchtenden Bewohner und einer der Schutzleute schlug dem Biewald mit gezogenem Säbel die Hand ab. Ich frage also zunächst den Herrn Polizeikommissar, ob die von ihm bekundeten Ansammlungen in der Hildebrandtstraße etwa aus Anlatz des Falles Biewald geschehen waren? Zeuge: Ich kann darüber nichts sagen. Jedenfalls habe ich den Versuch gemacht, den Fall Biewald festzustellen. Ich habe deshalb Hartmann vorgeladen und ihm gesagt: Er habe nicht nötig, sich oder seinen Freund Biewald zu belasten. Hartmann erklärte mir darauf, sie hatten sich an dem Krawall beteiligt und hatten auch am Abend Lust, sich noch weiter die Sache anzusehen, deshalb habe er Biewald abgeholt. Vert.: Ich beantrage,^ die Arbeiter Biewald, Hartmann, den im Hause Hildebrandtstraße 25 wohnenden Gruna und die Frauen Buchmann und Hirsemehl als Zeugen zu laden. Diese werden hefunben, baß zwischen 7—8 Uhr abends die Hildebrandtstraße fast menschenleer war. Plötzlich seien 8—9 Schutzleute in das zugesperrte Haus Hildebrandtstraße 25 eingedrungen. Die Ails- sagen dieser Zeugen wären zum mindesten für das Strafmaß einiger oder vielleicht auch aller Angeklagten von Erheblichkeit.
Nach nur kurzer Beratung des Gerichtshofes verkündet der Vorsitzende: Da die Vernehmung der von Justizrat Mamroth vorgeschlagenen Zeugen für die Strafzumessung von Erheblichkeit sein könnte, hat der Gerichtshof beschlossen, dem Anträge auf Ladung der genannten Zeugen stattzugeven.
Es werden danach mehrere Schutzleute vernommen, hie zum Teil bekunden: Sie seien durch Wurfgeschosse so arg verletzt worden, daß sie dauernden Schaden davongettagen Haben. Schutzmann Tschetschke bekundet: Er sei am linken Auge derartig verletzt worden, daß er sich noch immer in ärztlicher Behandlung befinde. Eisenbahn-Sekretär Neudeck, Prokurist Brühl und Lehrer Knispel bekunden übereinstimmend: Die Schutzleute seien mit größter Ruhe und Besonnenheit vorgegangen.
Bierabfüller Biewald ist ein kleiner, sehr gutmütig, freundlich aussehender, hübscher junger Mann mit einem Anflug von dunkelblondem Schnurrbart. Er hält den Stumpf des linken Armes, von blem ihm am Abend des 19. April die Hand glatt Abgeschlagen wurde, in seiner vorderen Rocktasche. Eine künstliche Hand hat er noch nicht.
Der Leiter der Breslauer Hirsch-Dunckepschen Orgoni- sationen, Karl Mladek, als Zeuge bekundet: Die Hirsch-Duncker- schmr Gewerkvereine erstreben auskömmliche Löhne, möglichst gute Arbeitsbedingungen und die Versicherung der Arbeiter gegen KrEheit, Invalidität usw. durch Kassen. Die Mitglieder des Hrrsch-Dunckerschen Metallarbeiteroerbandes haben zu dem sozial- demokr^lschen Metallarbeiterverbande keinerlei Beziehungen. Dies • r03« ö0Jl bm Arbeitgebern anerkannt worden; die Wieder- emstellung der Hirsch-Dunckerschen. Mitglieder sei auch früher er- wlgt als der des Metallarbeiterverbandes. Einige Zeit vor der Aussperrung sei den Mitgliedern des Hirsch-Dunckerschen Metall- cwberter-Gewerkvereins nahegelegt worden, aus dem Gewerkver- ern auszutreten mit dem Bemerken: alle Arbeiter, die durch die Vorlegung des Mitgliedsbuches den Nachweis führen können, daß sw mindestens 14 Tage aus dem Gewerkverein ausgeschieden seien, reiner anderen Organisation angehören, werden von der Mssperrung verschont. (Große Bewegung im Zuhörerraum.) Dieser Aufforderung sei aber nicht ein einziger Mann nacb- getommen.
Beuge föemtmcr 3^: Als er am 19. April über den Stric- gauer Matz ging, habe der Angeklagte Babst- Tu ^ump Du Mausack, zu ihm gesagt. Bors.: Was soll der Ausdruck Blausack bedeuten? Zeuge: Die Unorganisierten werden Blausack" die des Metallarbeiterverbandes „Rupfack" genannt Bors - 'Nv wenn ich die Wahl zwischen Blausack und Rupsack hätte,' dann wählte ich Blausack. (Heiterkeit im Zuhörerraum
Der Arbeiter Scharf als Zeuge: Der Angeklagte Gerlach habe ihn, da er zu den sogenannten Arbeitswilligen gehörte, be-
schimpst, angespieen und ihn beim Schneuzen der Nase mit Nasenschleim besudeln wollen. Bors.: Hat Gerlach Sie bei diesem Nasenschneuzen mit dem Nasenschleim getroffen? Zeuge: Er hat mich leider nicht getroffen. (Große allgemeine Heiterkeit.)
Die 16jährige Verkäuferin Fräulein Fuchs bekundet als Zeugin: Am 19. April sei sie nach Geschäftsschluß nach Hause gegangen. In der Leuthenstraße sei der Andrang so fuxchtbar gewesen, daß sie sehr bald weder vorwärts noch rückwärts konnte. Ms sie den Versuch machte, sich nach rechts zu wenden, da dort weniger Menschen standen, habe sie von einem Schutzmann einen heftigen Hieb mit gezogenem Säbel auf die Schulter erhalten.
Unter allgemeiner Spannung wird alsdann Arbeiter Biewald als Zeuge aufgerufen. Biewald bemerkt: Am 19. April, abends gegen 7 Uhr, kam ich von der Arbeit nach Hause. Ich begab mich in meine Wohnung. Gegen 7s/4 Uhr abends kam mein Freund Hartmann und forderte mich auf, mit ihm noch ein bißchen spazieren zu gehen. Ich entsprach dieser Aufforderung. Vor dem Hause standen etwa 10 Personen, die sich über den Krawall unter hielten. Ich blieb mit Hartmann einen Augenblick vor der Haustür stehen. Nach Verlauf von kium einer Minute sahen wir 7 bis 8 Schutzleute mit gezogenem Säbel au unser Haus zulominen. Die vor der Tür stehenden Leute, auch ich und Hartmann, flüchteten ins Haus und schlossen die Haustür hinter uns zu. Der Riegel muß aber wohl nicht ordentlich vorgeschoben gewesen fein, denn die Schutzleute stießen die Haustür ein und verfolgten uns. Während alle anderen in den Hof flüchteten, lief ich die Treppe hinauf, um in meine Wohnung zu kommen. Ein Schutzmann lief mit gezogenem Säbel hinter mir her und versetzte mir von hinten einen so furchtbaren Hieb auf den Kovf, daß ich n i e d e r stü r z t e. Ich erhob mich, aber bald wieder und flehte den Schutzmann an, doch von mir abzulassen, ich habe mit dem Krawall nicht das geringste zu tun. Der Schutzmann versetzte mir aber einen zweiten Säbelhieb, auf den rechten Arm. Ich lief die Treppe hinauf, immer vier Stufen auf einmal überschreitend. Mit der linken Hand umfaßte ich daS Geländer. In demselben Augenblick erhielt ich einen dritten Säbelhieb, wodurch mir die linke Hand glatt abgehauen wurde. (Große allgemeine Bewegung.) Nun erst lieh der Schutzmann von mir ab.
Vors.: Bluteten Sie, als Sie die beiden ersten Schläge erhielten? Zeuge: Jawohl, ich blutete stark. Meine Mütze war durch den Säbelhieb, den ich auf den Köpf erhielt, vollständig durchgeschlagen. Vors.: Haben Sie sich irgendwie am Krawall beteiligt ? Zeuge: Nicht im mindesten. Vors.: Ihr Freund Hartmann soll gesagt haben: Sie hätten Lust empfunden, sich den Krawall ein bißchen mit anzusehen und sich zu beteiligen? Zeuge: Das ist eine grobe Unwahrheit. Ich hatte, als ich nach Hause kam, überhaupt vom Krawall keine Ahnung.
Hierauf wird der 18 jährige Arbeiter Eduard Hartmann, der ebenfalls einen sehr guten Eindruck macht, vernommen. Er sei auf den Hof geflüchtet und h'.be ebenfalls von den ihm nacheilenden Schutzleuten zwei scharfe Hiebe mit g e - zogenem Säbel über Kopf und Rücken erhalten. Dieser Zeuge bestreitet ebenfalls mit voller Entschiedenheit, sich irgendwie an dem Krawall beteiligt zu haben.
Bäudlerin Buchmann: Am Abend des ,19. April habe sie plötzlich schreien gehört. Sie sei auf den Hausflur geeilt. Sie fei vor Schreck fast ohnmächtig geworden. Biewald stand auf der Treppe und schrie: Ein Schutzmann hot mir die Hand abgehauen. Auf einem sogenannten Abkratzer lag eine menschliche Hand. Aus Biewalds Arm schoß das Blut in starken Strömen. Sie führte ihn in ihr „Bändel", verband ihn so gut sie es vermochte und veranlaßte Hausbewohner, mittels Fernsprecher den Krankenwagen herbeizurufen. Nach etwa 20 Minuten kam der Krankenwagen, in dem Biewald, unter Mitnahme der abgehauenen Hand nach dem Allerheiligen-Hospital fuhr. Biewald jammerte und schrie: Mir armen Menschen muß ein solches Unglück passieren, der ich doch am Krawall vollständig unbeteiligt war. Frau Hirsemehl: Sie wohne ebenfalls im Hause Hildebrandstraße 25 und habe am 19. ?Lpril abends auch vor der Haustür gestanden. Der Schutzmann, der Biewald die Hand abgeschlagen, war mittelgroß. Dieser habe durch das Glasfenster der Hausttir gerufen: „Lump, mache, daß Du die Treppe hinaufkommst, sonst passiert Dir etwas."
Biewald und Hartmann wurden vereidigt.
vermachtes.
* Einbruch ins königl. bayer. M »in za int. In München wurde von unbekannten Tätern in dein königl. Hauptmünzainte ein schwerer Einbruch verübt. Die Diebe drangen durch einen unter dem Münzgebäude durchgehenden Bach in das Haus ein und gelangten in die Münzwerkstätte. Sie raubten eine große Summe in Papiergeld und reines Gold in beträchtlichem Werte und verschwanden auf dein gleichen Wege. Die Münze soll gut bemacht gewesen sein. Die Gesamtsumme des geraubten Geldes beträgt 1 3 0 000 Mk. in neu geprägten 10-Mark-Stückcn. Die Hauptschuld trifft den Geldverwahrer, der das neu geprägte Geld nicht in dem eisernen Geldschrank untergebracht hatte. Die Räuber sprengten eine eiserne und drei hölzerne Türen, um zu dein Schrank zu gelangen, wo daS Geld verwahrt wurde.
• Ein für alle landwirtschaftlichen Kreise höchst interessanter Fall hat sich in Cheunitz (Altmark) Zugetragen. Dort befindet sich eine Damvfmolkerei, nach der drei Ortschaften die Milch liefern. Die Lieferanten nehmen die Magermilch zurück und verwenden sie auch teilweise zum menschlichen Genuß. Nun ist plötzlich in allen drei Ortschaften gleichzeitig eine schwere Typhus-Epidemie ausgebrochen, der bereits acht Personen zum Opfer gefallen sind. Die Krankheit ist aber nur auf den Gehöften in den drei Ortschaften zugleich ausgebrochen, die an einem bestimmten Tage Magermilch von der Molkerei bezogen und genossen haben. Eine andere Entstehungsursache ist gänzlich ausgeschlossen, denn sämtliche übrigen Bewohner, die keine Milch genossen haben, befinden sich vollständig gesund. Man nimmt an, daß auf einem Gehöft mit typhuskranken Personen die nach der Molkerei bestimmte Vollmilch in Berührung gekommen und von da aus die Seuche dann auf alle an- geschloffenen Ortschaften durch Rückgabe der nicht pasteurisierten Magermilch Verbreitung gesunden hat. Dieser Fall beweist: zurGenüge die Notwendigkeit, daß die angetieferte Vollmilch sofort in den Molkereien keimfrei gemacht wird.
* Eine nette Empfehlung! Wohl weniger mit dein Strafrecht als mit der deutschen Rechtschreibung auf schlimmen Fuße steht ein junger Kaufmann, der auf Stellenausschreibung eines Kaufmannes in StUenftcin folgendes Gesuch einschickte: „Geehrter Herr L.l Ich bin bereit, die ausgeschriebene Stelle anzunehmen und die geforderte Kaution zu stehlen!* Natürlich hat der Kaufmann zu vermeiden gewußt, den bedenklichen Jüngling tinzuftellen.
‘ eine Taube aushalten kann. In den letzten Tagen der vorigen Woche verschwand, so schreiben die „FlcnSb. Nachr., einem Flensburger Züchter eine junge Taube, die zum ersten Male beh Schlag verließ. Seit Sonntag wollte bei einem Nachbar der Schornstein nicht mehr ordent
lich ziehen, obschon die Hausfrau versuchte, durch Ausbrennen mit Papier Zug zu schaffen. Seit Sonntag hörte man denn aber auch ein Geräusch im Schornstein, das mit der Zeit immer auffälliger wurde, bis man am Donnerstagvormittag nachzusehen beschloß. Etwas über der Einmündung des Herdes in den Schornstein bemerkte man etwas Lebendiges, das, ans Tageslicht befördert, sich als die verschwundene Taube entpuppte. Aber wie sah daS Tier aus! DaS weiße Gefieder völlig graublau, die roten Füße und der Schnabel kohlenschwarz. DaS äußerst matt gewordene, aber recht lebendig blickende Tier wurde seinem Eigentümer zugestellt, bei dem es zuerst Wasser vorgesetzt erhielt. In einem langen Zuge leerte es ein Näppchen von drei Zwanzigstel Liter Inhalt, nahm auch bald darauf feste Nahrung zu sich und fliegt, nachdem es 24 Stunden zur Erholung isoliert gewesen war, heute wieder lustig im Freien herum. Das Tier ist viermal 24 Stunden Hunger und Durst, Schornsteinhitze und Kohlenrauch ausgesetzt gewesen.
* Die Explosion in Besanyon. Es zirkuliert das Gerücht, daß das Fort Monfaucon nicht durch einen Blitzschlag in die Lust gesprengt rottrbe, sondern daß die Explosion durch einen verbrecherischen Anschlag entstand. Mit Bezug hieraus bringt der „Matin" die Meldung, daß unbekannte Leute dreimal in das Arsenal von Verdun einzudringen suchten und zwar in der Nacht vom 9., 10. und 11. Sept. Sie versuchten die Schutzmauern zu überklettern, wurden aber dabei von den Wachiposten überrascht und verscheucht. Im Arsenal von Verdun befindet sich ein Magazin von Melinit-Granaten.
Gießener Strafkammer.
)( Gießen, 21. Sept.
Ein teurer Fahrradrcif.
Die Strafkammer bestätigte ein Urteil des Schöffengerichts Vilbel, bas den Baütcchniker K. E. von Groß-Karben wegen L> a chb c s ch ä d i g nn g zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt hat. Der praktische Arft Dr. Kvhl. kehrte in einer Wirtschaft ein und ließ fein Fahrrad "auf ber Straße stehen. Als er zurückkam, fand er bett einen Gummireif seines Rabes durchschnitten, sodaß er an ber Weitersahrt gefyinbert war. Er hegte Verdacht auf den Angeklagten, ber mit ihm berfeinbet ist und kurz vor ihm in auffälliger Weise bie Wirtschaft verlassen hatte. Auf erfolgte Anzeige wurde sein Taschenmesser durch bie Gendarmerie beschlagnahmt und dieses dem Gerichtschemiker Dr. Popp zu Frankfurt a. M. übergeben, ber feststelltc, baß noch kleine Teilchen Gummi bar an hasteten. Der Angeklagte behauptete, er habe mit dem Messer Radiergummi geschnitten, doch ber Sachverständige wies nach, baß es sich um Gummi handle, wie solcher ausschließlich zu Fahrrabmünteln benutzt wirb. Die Staatsanwalt- fchast, bie sich ber Berufung des Angeklagten angeschlossen hatte, beantragte eine Gefängnisstrafe von drei Wochen, da es der M- geklagte bar auf abgesehen Hobe, dem auf ber Berufsreise befindlichen Arzte Hindernisse zu bereiten. Das Gericht hielt dieses jedoch nicht für festgestellt ititb beließ es bei ber Geldstrafe.
Ein radialer Beleidiger.
Der Metzger I. M. von Tauern heim befand sich in einer Wirtschaft, als die Sprache auf bie bevorstehende. Bürgermeisterwahl kam. Er gab seinem Mißfallen Ausdruck, als die übrigen Gäste den Vorschlag machten, den seitherigen Bürgermeister zu wählen und nannte ihn zum Schluffe einen meineidigen Schuft und dreckigen Hund und wiederholte bie Beleidigungen, als man ihn auf bas Strafbare aufmerffam machte. Weiter ist ihm ein Hausfriedensbruch unb bie Beleidigung eines Amtsrichters von Nidda zur Last gelegt. Als er im verflossenen eommer wegen Körperverletzung zu einer längeren Freiheitsstrafe verurteilt würbe, begab er sich nach ber Sitzung in bie Nähe ber Wohnung des Amtsrichters unb sprang, als bieser das Haus verlassen wollte, mit wutverzerrtem Gesicht unb geballten Fäusten auf ihn zu, sodaß er sich wieder in seine Wohnung zurückflüchten mußte. Er versuchte nun in das Haus einzubringen, er rüttelte an der Türe unb als es ihm nicht gelang, diese zu öffnen, wollte er von dem Garten aus durch die Verandatür einbringen. Ein im Garten beschäftigter Arbeiter brachte ihn mit Hülse des Polizeidieners aus, dem Besitztum hinaus. AlS er wegen dieser Vorfälle zur Rechenschaft ge ,ogen wurde, behauptete er, von der ganzen Angelegenheit nichts mehr zu wissen, was der UnterfuchnngSbehörde Anlay geb, ihn auf feinen Geistes- zustaub untersuchen zu lasse',-. Während der ?lrzt, der ihn während seiner Strafverbüßung beobachtete, es nicht für ausgeschlossen hielt, daß bei Begehung der Tat sein Bewußtsein gestört gewesen sein kann, kam der hiesige Sachverständige auf Grund ber in Betracht Eommcnbcn Tatumstände zu dem Ergebnis, baß er für bie Tat verantwortlich zu machen fei. Das Gericht verurteilte ihn unter Zubilligung milbernber Umstände zu einer Gesamtstrafe von 6 Wochen Gefängnis unb. sprach bem Beleidigten bie Publikationsbefugnis zu.
Eine Lehrorbeleidignng.
Vor bem Schöffengericht Bübingen hatte sich ber Lanbwirt H. I. von Rohrbach wegen Beleidigung eines Lehrers zu verantworten. Das auf Freisprechung lautende Erkenntnis focht bie Staatsanwaltschaft an. In ber Berhanblung trat zutage, daß der Angeklagte, dessen Sohn vom Lehrer ein Lügner genannt worden war, zu biefem geäußert hat: Ich glaube eher. Sie sind ein Lügner. Da der Lehrer sich ebenfalls beleidigender Aeußerungen bedient hat, hielt das Gericht zwar den Angeklagten für schuldig: es ließ ihn aber straffrei ausgehen unb belastete bie Stataskasse mit ben Kosten.
Ein Spinnstnbenklaisch.
Zum Schlüsse würbe ein Urteil des Schöffengerichts Herbstein, das ben Landwirt Eh. H. auf Privatklage des A M. von Altenschlirf zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt hatte, aufgehoben unb auf Freisprechung erkannt. H. war beschulbigt, in Altenschlirf das Gerücht verbreitet zu haben, die Ehefrau des Klägers sei in Evasklcidung vor die versammelten Spinnstubenmitglieder getreten unb ihre Dienstmagd habe sie zurückgewiesen. Tatsächlich hat der Angeklagte eine derartige Anzeige bei der Staatsanwaltschaft cingcreicht, bezüglich dieses ist aber eine Klage nicht erhoben worden: Dagegen konnte ihm nicht nachgewiesen werben, baß er das Gerücht in Altenschlirf, bezüglich dessen Klage erhoben ist, verbreitet hat, weshalb bas Gericht zum Freispruch gelangte.
Märkte.
Limburg a. d. 5., 19. ©ent. Fruchtmarkt. Durch- fchmktspreffe pro Malter. Roter Weizen 15.00 Mk., weißer Weizen 00.00 Mk., Korn Mk. 12.00, Gerste 9.50 Mk., Hafer 7.16 Mk. Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk.
für Kmdeirr Verhütet
u.oeseicigt:Diarrhoe, Brechdurchfall, Darmkatarrh.
lederne Blöbel
kaufen keine Einriohtune" ohne vorher das grosse Muster-Haupt- ansstellnngshaas der Darmstädter Möbelfabrik, Heidelberger- Strasse, welches als Sehenswürdigkeit I. Ranges und bedeutendstes Haus seiner Art bekannt ist, besichtigt zu haben. Man verlange Preisliste mit Abbildungen. (Perspektiv-Aufnahmen von compktten Zimmern).
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