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nn merkwürdiges Tier im Zoologischen Garten. Nebenbei bemerkt, hat auch Fürst Ferdinand von Bulgarien unter dieser Zudringlichkeit zu leiden und war um ihretwillen schon entschlossen, das böhmische Bad künftig zu meiden Wie man nun aus Marienbad schreibt, ist das Verhalten der Kurgäste dem britischen Monarchen gegenüber diesmal etwas taktvoller.
Verdienst hieran mag die Kurverwaltung sur sich bcanibruclien, die zu dem originellen Mittel gegriffen hat. öffentliche Plakate anzubringen, aus denen das Publikum gebeten wird, den König in Ruhe zu lassen. König Edward glaubt, herauf umso mehr Anspruch zu haben, als er ja unter dem Inkognito eines „Herzogs von Lancaster" reist und die königliche Würde sozusagen im Kaiser gelassen bat, — aus dem er sic nur jüngit am Geburtstage des Kaiser? Franz Josef herau^holtc nm als königliche Maicstat und in der Uniform seines östreicknschen Husarcnrcgiments Nr. 12 dem Gottesdienste heizuwohnen. Auf seinen Fahrten bedient der „Herzog von Lancaster" sich eines eleganten Automobils, das von einem gewandten Chauffeur gesteuert wird, dieser Chauffeur ist aber in Wirklichkeit einer der gewiegtesten Detektivs der Londoner Gcl>einivolizci und von dieser dem Könige bcigegeben, um über die Sicherheit seiner Person zu wachen.
* Cholera ver dacht in Berlin. Berliner Blätter verzeichnen einen Todesfall in Berlin unter angeblich choleraverdäch- tigcn Erscheinungen. Es handelt sich um die achtjährige Tochter des Zimmermanns Weimann. Nach Erkundigungen an zuständiger Stelle ist dem W. T. B. zufolge der Choleravcrdacht äußerst gering. Tie Untersuchung ist eigentlich nur der Vorsicht halber vorgenommen. Die Leiche ist bereits zur Beerdigung freigegeben.
* Paris, 22 Ang. Die silberne Medaille, die die Gesellschaft für internationale Verständigung den von der „H i - b c r n i a" nach Courrieres entsandten Rettern zugedacht hat, ist von der hiesigen Münze fertig gestellt. Sie trägt in französischer Sprache die Inschrift: „Den deutschen, ihren französischen Brüdern tu Hilfe geeilten Bergleuten. Gourrierc5 1906. Internationale Verständigung." Der „Petit Parisien", der diese Meldung bringt, begleitet sic mit den wärmsten Ausdrücken der Achtung für die Auszuzeichncndcn. (V. Z.)
* Der neueste Eisenbahnunfall. Arn 22. d. M. entgleisten auf der Strecke Köln-Aachen zwischen Horrem und Buir die Lokomotive und der Postwagen des von Horrem abgelasscnen Sondergütcrzuges an einer im Umbau befindlichen Gleisstelle. Personen sind dabei nicht zu Schaden gekommen. Die zeitweilig gesperrten Hauptgleise sind wieder fahrbar.
* Ein Duell aus der guten alten Zeit- Daß in England vor 100 Jahren schon das moderne „französische" Duell bekannt war, beweist ein Vorkommnis, das die Times jetzt wieder in Erinnerung bringt. Die Polizei erfuhr, daß am Morgen des 11. August 1806 ein Pistolcnduell stattfinden solle. Sie erschien rechtzeitig auf dem Platze, sicherte sich der Pistolen und verhaftete die ganze Gesellschaft. Vor den Richter gebracht, mußten sie hohe Bürgschaft stellen, daß sie in Zukunft Frieden halten wollten. Als man dann aber die Pistolen untersuchte, stellte sich heraus, daß die eine nur mit Pulver geladen war, während die andere statt der Kugel nur einen Papierpfropsen enthielt. Sie würden also keinen Schaden angerichtet haben.
* Der Schwiegerpapa als Schwerenöter. Ein nicht alltägliches Abenteuer hat ein junger Mann aus dem Departement Scine-et-Oisc, der sich dieser Tage verheiratete, während seiner Hochzeit erlebt. Die Hochzeitsfeier war sehr fröhlich verlaufen. Es war gegen mitternadit, die Gäste gaben sich mit Eifer dem Tanze hin, der junge Ehemann aber hielt die Zeit für gekommen, sich mit seiner ihm soeben angetrauten Gattin zurückzuziehen. Er suchte sie unter der Tänzerschar, fand sie aber nicht: auch in den Nebenzimmern war sie nicht zu finden. Des Suchens müde, begab sich der glücklich-unglückliche Neuvermählte in die eheliche Wohnung die er gleichfalls resultatlos durcheilte. In großer Aufregung kehrte er in den Hochzeitssaal fiurünf, um feine liebe Schwiegermutter von feiner Situation in Kenntnis zu setzen. Man begann gemeinsam zu suchen, leider wieder ohne Erfolg. Endlich erfuhr man, daß ein Kutscher vor einer Stunde die verschwundene Brant zum Bahnhof gefahren hatte, sie befand sich in Gesellschaft eines eleganten älteren Herrn, den der Kutscher für den Bräutigam gehalten hatte. Lange forschte man, wer wohl der Entführer gewesen sein mochte. Schließlich hatte man es heraus: es war der Vater des Bräutigams'! Er ist mit seiner neugebackenen Schwiegertochter nach England geflohen. Der arme Ehemann aber hat bereits die Scheidungsklage eingereicht.
* Kleine Tageschronik In Berlin ist in einem Anfall nervöser Ueberreizung die 57 Jahre alte Gattin des Geh. Sanitätsrats Dr. Konrad K ü st e r in den Tod gegangen. Fran Geheimrat K. befand sich schon seit länger als einem Jahre unter ständiger Ueberwachung, der sie gestern zu entschlüpfen verstand. — Aus Karlsbad wird telegravhiert: Dem hiesigen Hotel Goldne Schild ging eine Zuschrift des Berliner Rechtsanwalts Luke zu, welche lautet: „Im Auftrage des Fürsten Wrede und zum Ausgleich Ihrer Rechming für abhanden gekommenes Geschirr bitte ich um Quittung." Gleichzeitig erhielt die Hotelleitung 87 Kr. 70 h. — Vor einiger Zeit hat der Adjunkt Schmidt in Germersheim seine Frau wegen angeblicher ehelicher Untreue erschossen. Wie die „Ps. Post" meldet, ist Oberleutnant Röder vom 7. Ini.-Regt. zu Germersheim verhaftet und in das Militärarrestlokal nach Landau verbracht worden.— In Enspel (Westerwald) erschoß ein Italiener, der im Steinbruch beschäftigt war, den Polizeidiener Miller, gab dann einen zweiten Schuß auf den Steinbruchvsrwalter Berner ab und wandte sich dann zur Flucht. Es gelang, ihn dingfest zu machen.'— Der Bergwerksdirektor Blume aus S a a r b r ü cf e n, der als Oberleutnant im Infanterie-Regiment zu Plauen zur Uebung em- gezogen worden ist, erlitt einen Sturz mit dem Pferde, an dessen Folgen er einige Stunden später verstarb. Blume war Vater von zwei Kindern. — Der l5jährige Gymnasiast Reich- hold, Sohn eines Münchener Professors, ist bei einer Tour auf den Hochwart (Tirols von einer Felswand abgestürzt und schwer verletzt. — Leutnant v. Halben vom 6. Grenadier-Regt. in Posen wollte seinem Burschen den Mechanismus seines Tienst- revolvers zeigen. Tie Waffe ging los unb der Bursche wurde tJ51 l i ch getroffen. — In M a l st a t t - B n r b a ch verübte ein Tagelöhner ein scheußliches Sittlichkeitsvergehen an seiner eigenen vier Jahre alten Tochter. Ter Unmensch wurde verhaftet. — In einem Orte bei Aschaffenburg wurde der aus Kaiserslautern stammende Schlosser Schuster unter dem Verdacht den Mord an der Elise Weih aus Zellhausen verübt zu haben, verhaftet.
AnZversttäts-NachrZehteir.
„ — Sein 70j (ihrig es Doktorjubiläum beacht am 25. August Exzellenz Professor Dr. Eduard Z"ller. Der be- rühmtc Philosoph steht im 93. Lcbenswhre. 1847 folgte er einer Berufung als außerordentlicher Professor nach Bonn und wurde bald ordentlicher Professor in Marburg (1849), 1862 kam er nach Heidelberg und 1872 nach Berlin, wo er bis 1894 wirkte.
Von der Akademie zu Frankfurt a. M. wird un^ v^vtgetcilf: Die Anrechnung zweier an der Akademie verbrachter Semester ist nun generell ausgesprochen und betrifft baS ganze n eusprachliche Studium. Diese ueusprachlichen Stu- merenbcn finden nun also auch Vorlesungen und Hebungen auf £cnt az -J--Cif ber Philosophie, der Psychologie und Pädagogik, der Geschichte, der germanischen Sprachen und Literaturen. Es iverden im nächsten Wintersemester zunächst praktische Hebungen auf bem Gebiete des Englischen. Französischen, Italienischen, Spanischen gehalten. Es findet der Studierende ferner folgende Vorlesungen: Geschichte der Philosophie im Altertum (Prof. Marbel. — Zeitalter Bismarcks (Prof. Küntzell — Friedrich ter Ystoßc (Prof. Künkel). — Geschichte der deutschen Heldensage mit Erklärung dc§ Nibelungenliedes (Prof. Panzer). — Richard Wagners Leben und Werke (Prof. Panzer'. — Shakespeare and his agc (Prof. Curtis). — Geschichte der französischen Literatur im 19. Jahrhundert (mit besonderer Berücksichtigung der Romantik) (Prof. Mors . — Voltaires Leben und Werke cProf. Mors). — Le thäätre contemporain en Fra nee (Dr. Ott). Im englischen, romanischen, germanischen unb historischen Seminar, im Seminar für Philosophie und Pädagogik, im Institut für experi
mentelle Psychologie werden von einem reichen Hilfsmaterial unterstützte wissenschaftliche Hebungen abgehalten, die sich in be^ sonderen Abteilungen an Anfänger und an Fortgeschrittene wenden.
Handel uitö Verkehr, Volkswirtschaft.
Umwandlung der russischen Staatsbank? Ein etwas sehr phantastisches Projekt vcröfsentlicht der , Temps". Er ist darüber aus Wiborg informiert worden. Danach besteht die Umwandlung der Russischen Staatsbank in eine Aktienbank, bereit Kapital von 600 Mill, Golbrubcl burcb Menbelssohn unb anbere auswärtige Banken beschafft werden soll. An die Spitze der Bank würde Witte treten. Tie neue Bank werde alle Privilegien der Staatsbank erhalten, wogegen b-'r gegenwärtige Goldschatz der Staatsbank der Regierung ausgelicsert werden soll. Es werde auch die Ersetzung des Rubels durch eine andere Münzart erwogen. Ter Korrespondent des „Temps" glaubt sich für die Richtigkc't dieser Information absolut verbürgen zu können. Tie Nachricht wird schon von Berlin aus als freie Erfindung bezeichnet. Jetzt hätte der Korrespondent des „Temps" wieder das Wort, denn, so unwahrscheinlich die Sache an sich auch klingt, so bat sic doch insofern etwas Wahrscheinliches für sich, da Rußland Geld braucht und es herzunchmen sucht, wo es eben noch welches bekommen kann. Die Einzelheiten des angeblichen Projektes können allerdings nicht richtig sein, zumal nicht, daß das Kapital auf 600 Mill. Rbl. bemessen werden solle, was ja mehr als 50 Prozent des Notenumlaufs bedeuten würde. Die Deutsche Reichsbank arbeitet mit einem Kapital von 180 Mill. Mark, die Oesterreichisch-Ungarische Bank besitzt ein solches von 210 Mill. K^r. und die Bank von England ein Kapital von 14,55 Mill. Lßr. Tie Bank von Frankreich, deren Notenumlauf ca. 5 Milliarden Frs. beträgt, hat ein Mtienkapital von 182' ? Mill., Frs. Die „F. Z" bemerkt zu der Sache mit recht, daß solche Gerüchte, auch wenn ihnen das übliche Ternenli folgt, dem Vertrauen in die russische Währung nicht gerade förderlich sind.
Von der Berliner Börse. Die Ncwyorker Börse ist schon wieder stark ins Schwanken geraten unb ba amerikanische Werte in Lonbon sich unter Newyorker Parität hielten, war Vcrkaussneigung vorherrschenb, bie sich auch auf anbere Werte erstreckte. Baltimore finb um 1 Prorent zurückgcgangen. Im Verlauf stimulierte bas verhältnismäßig leichte Gelb für ben Ultimo unb es waren besoiibers bie schlesischen Werte gesucht. Russische Anleihen waren schwächer auf bie Nachricht bes „Temps" von ber Umwanblung ber Russischen Staatsbank, ba man wicber neuen Gelbbebarf Rußlands fürchtet. Russen von 1902 schlossen 71,2. Banken waren ausnahmslos eher rückgängig, Lombarden verkehrten anziehend auf lokale Käufe. Ultimogeld schloß 4Vs Prozent.
Märkte.
ko. Frankfurt a. M., 23. Ang. (Telegr. Orig.-Bcricht des „Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen V i e b m a r f t» preise. Znm Verkaufe standen: 25 Ochsen, 0 ans Oesterreich 2 Bnllen, 0 ans Oesterreich, 64 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 ans Oester., 756 Kälber, 54 Schafe und Hämmel, 5 Ziegen, 0 Ziegenlämmer, 3 Schaflämmer. Bezahlt wurde für
das Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 81—87 Mk., 2. Qualität 79—81 Mk., 3. Qualität 69-73 Mk.; Bullen 1. Qual. 00-00, 2. Qual. 00-00 ; Kühe 1. Qualität 80-81 Mk., 2. Qual. 77—79 Mk., 3. Qual. 64—66 Mk., 4. Qual. 00—00 Mk., 5. Qual. 00—00 Mk. Kälber 1. Qual. 95—98 Pfg., Lebendgewicht 56—59 Pfg., 2. Qualität 90—96 Pfg., Lebendgewicht 55—57 Pfg., Schlachtgew. 68—72 Pfg.; Schafe: 1. Qual. 82—85 Psg., 2. Qual. 00—00 Pfg. Geschäft: bei Hornvieh gedrückt, Ueberstand bedeutend, bei Kleinvieh lebhaft, kein Ueberstand.
Eingesandt.
(Für den Inhalt der unter bfeier Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Rebakt'" ' dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Nach einer Mitteilung in Nr. 194 des „Gieß. Anz." haben wir für hier und Umgebung also einen Vierkricg n i ch t zu erwarten, was sicher neben heu Brauern und Wirten auch von dem Publikum freudig begrüßt wird, beim alle berartige Differenzen bringen Unannehmlichkeiten mit sich, unter benen auch die Geschäftswelt im ganzen zu leiden hat. Hoffen wir indes, daß diese Einigung nicht gestört wird durch Einführung kleinerer Gläser, wie dies mitunter schon versucht wird.
Eine weitere Regelung ist aber nun noch mit den fremden Bieren zn treffen. Jeder wird wissen, daß z. B. B/,o Siter Münchener Bier früher 20 Pfg. kosteten. Tie Herren Wirte gingen ruhig von den B/,„-Krügen oder -Gläsern zu den 4/,n über, nahmen auch 20 Pfg.; bas Publikum bat dies, wenn auch ungern, hin- genommen. Jetzt ist man noch weiter gegangen unb nimmt für biefe 4/,o 25, 6/10 aber 31 P f g., währenb man beute noch in Baiern bie 6/ip für 11 unb 12 Pfg., nn entlegenen Plätzen, wo das Bier hin getragen werden muß, für 16 Pfg. trinkt. Dieser Unterschied i st doch unerhört.
Man betrachte sich nur einmal das Verkehrte bei der neuen Preisbildung für baierische Biere seitens der Herren Wirte. Es sollen nun kosten */, Liter 15, 8/l0 18, 4/,„ 25, 5/,0 30 Pfg.; da fragt man sich doch unwillkürlich, warum sollen die Vl0 im Verhältnis teurer sein als alle andere Maße, und warum überhaupt diese Preise, wenn heute noch in Flaschen die 6/in 20 P'g. kosten?
Mögen diese Zeilen genügen, die Herren Wirte zu veranlassen, auch bei den fremden Vieren auf die alten Preise z u r ü ckz u k e h r e n. Es wird ihr eigener Nutzen sein. Tas jetzige Verfahren bringt Schaden.
Sporkt.
Bezugnehmend auf ben Artikel über das Wettspiel des Gießener B a l l s p i e l k l u b s mit dem Gelnhausener Fußballklub teilt man uns aus Gelnhausen mit, daß Gießen nicht die zweite, sondern bie erste Mannschaft stellte, unb daß. obwohl Gelnhausen nur mit 10 Mann spielte, Ballspielklnb trotzbein mit 4 : 2 Toren verlor unb nicht, wie es hieß, mit 3 : 2 siegte.
F. E. „Germania" Gelnhausen.
Meteorologische Beobachtungen
der Station Gießen.
Höchste Temperatur am 21.-22. August — 4- 25,1 0 C.
Niedrigste „ 21.-22. August = + 12,8 8 c.
Wetter
22.
22.
23.
>15
I” 15
14,7
14,7
11,7
63
90
96
24,9
18.9
14,4
SSE S Still
750,3
748,4
746,6
Sonnenschein KlarerHimmel Sonnenschein
August 1906
Ivs e
K
Unehliche Nachrichte«.
Israelitische Reliftionsgesettschast. viottesdienft.
S a b b a t h f e i e r am 25. Augu st 1906 :
Freitag abend 6.55 Uhr.
Samstag vormittag 8.00 Uhr.
Nachmittags 4.00 Uhr. Sabbathausgang 8.15 Uhr.
Wochengottesdienst: morgens 6.00 Uhr, abends 7.00 Uhr.
Oriainal-Drahtmeldungen.
Berlin, 23. Ang. Der Zar hat mit feiner Ver- tretun g bei den Tauffeierlichkeiten in Potsdam den Großfürsten Wladimir beauftragt.
Nordhausen, 28. August. Im Walkenrieder Tunnel entsprang der Gefangene Llhlborn aus Tettenborn, der seine Fesseln gelöst hatte, ans dem Zuge bei GO Kilometer Geschwindigkeit. Der nachspriugcnde Transporteur ist schwer verletzt.
Breslau, 23. Aug. Dem weacn Beteiligung an den Krawallen auf bem Striegauer Platz verhafteten, aber nach längerer Untersuchungshaft unter Einstellung des Verfahrens freigelassenen Maler Scholz behielt der Staatsanwalt, wie die „Volksmacht" mitteilt, die Papiere ein, weil diese Bestandteile der Akten geworden seien. Wegen mangelnden persönlichen Ausweises kann der mittellose Mann trotz eifrigen Bemühens nirgends Arbeit finden. Die Beschwerde des Rechtsanwalts blieb unbeantwortet.
Dresden, 23. Aug. lieber die Zigaretten- Produktivgen ossenschaft, die der Tabakarbeiterverba nd nach dem vorjährigen großen Ausstande gründete, ist der Konkurs eröffnet worden.
Nürnberg, 23. 9(ug. Der hiesige Kommerzienrat Wacker hat seiner Vaterstadt Heidelberg aus Anlaß der bevorstehenden Jubiläums-Festlichkeit im Großh. Hause von Baden 100 000 Mk. zur Beschaffung eines HeimeS für den Frau enverein geschenkt.
London, 23. Ung. Nach einer Depesche des „Daily Chroniele" dauern die F e u e r s b r si n st e i n B a l p a r a i so fort. In dem Telegramm wird nicht mitgeteAt, ob diese- Brände noch seit dem ersten Tage andanern, oder ob fiel erst neuerdings ausaebrochen sind. Der BelagernngsMstand ist noch in Kraft. Die Posten in den Banken und großen Geschäftshäusern sind verstärkt worden.
Zürich, 23. Ang. Tie Regierung und der Erziehungs-- rat des Kantons Zürich verfügten Bersch i r fn n g e n d e K A u f n a h m e st a t u t s d e r H o ch s ch u l e Zürich, um den Zudran a von f re in d lä n d i s ch en Studierenden an die hiesige Hochschule einigermaßen einzu schränken.
Bilbao, 23. Aug. Gestern kam es zwischen Truppen und Streikenden mehrfach zu Zusammenstößen, wobei zwei Streikende getötet, ein Polizist und ein Beamter verletzt worden sind. Tie Festlichkeiten in der Stadt sind unterbrochen, der Belagerungszustand ist verhängt.
Belgrad, 23. Ang. Die Berschwörerpartei und die hinter dem Ministerpräsidenten stehende Partei beschloß, die Opposition durch Terrorismus nieder,zuschlagen. Man will einen Auslauf veranstalten und bei dieser Gelegenheit unbequeme Personen aus dem Wege räumen. An der Spitze der Todesopfer soll der Chefredakteur der Stampa stehen. Ferner sollen zwei Llbgeordnete, zwei Redakteure und etwa 50 andere Persönlichkeiten ermordet oder durch Drohlingen zur Flucht nach Ungarn veranlaßt werden.
Petersburg, 23. Aug. In der Peterhofer Burg wurden ein junger Mann und eine junge Dame erschossen aufgeninden. Auf den Leichen fand man da? Todesurteil der Petersburger sozial-revolutionären KampseS- Organisation gegen, General Trepow.
Petersburg, 22. Aug. In dem Bestreben, der nächsten Sefsion bes Reichsrates unb der Reicbsduma in erster Linie einen Gesetzentwurf bezüglich des allgemeinen Elementarunterrichts zu nisterbreften, bat der Ministerrat befchloffen, durch eine besondere Kommission diesen Gesetzentwurf ausgrbeiten zu lassen. Ter Ministerrat bat zu n fei eher Zeit als unumgänglich notwendig erachtet, daß die Bezüge der Lehrer von Elementarschulen erhöht werden, und daß die Zahl dieser Schulen vermehrt wird. Zu biefem Zweck Hot er für das nächste Jahr einen Kredit von 5 333 000 Rubel bereit gestellt. Ferner wurde beschlossen, Gesetzentwürfe betreffend die G l e i ch - m achiing der R e ch t e der Bauern mit denen der anderen Bevölkerungsklaffcn vorzubereiten. Endlich hat der Miuisterrat für nötig erachtet, die bie Freiheit bes Unterrichts in Polen unb in ben li11hauischen Provinzen beschränkenbMn Gesetze a b z u s ch a f f e n.
Riga, 22. Aug. Mit Genehmigung bes Generakgou-' verneuxs soll heute nbenh in assen Zeituiaen ein Mifruf an d''e Bewohner erscheinen, in welchem diese zur Stiftung^ von Geldspenden und zur Anschaffung von Panzerst für die P o s s z i st e n , bauen g-m"n"mrtig große Gefährt droht, nufpeforberf werden. Da es der Krone setzt an Mittelst fehlt, die nötiae 'An'a'' l 'j'-u'.cr anzuschciffen, sei es Pflicht der Gesellschaft, nach dem Prinzip ..Einer für alle und alle für einen" im Interesse des allgemeinen Schutzes der Obrigkeit entaegen'nkoinmen und nicht zuzulassen, baß der Terrors die Tätigkeit h»r Polizei lähme.
Riga, 23. Aug. Der Chefredakteur der „Baltischen Post", Sawitzki, erhielt meqen eines abfälligen Artikels bezüglich des Tramwan-Streikes von den Revolutionären das Todesurteil zugestellt.
Lodz, 23. Aug. Der Gasthofbesitzer Michel wurde auf dem Wege von einer Bank, wo er 1400 Rubel erhoben hatte, ermordet unb berankst.
TeSefamsche
des Giessener Anzeigers. mite,eteilt von der Bank für Handel und Industrie, liessen.
"Fu-nnkfnrter 23. Anemst, 1.15 Uhr.
3^°/n Beic.hsftnleihe . . 98.80 3% do. . . 86.75 314% Konsols .... 98.80 3 % do 86 75
3%°/fi Hessen 97.30 3^°/n Oberb essen . . . —■— 4 % Oesterr. Goldrente. . 100.10 4’/g % Oesterr. Silberrente 100.00 4°s Ungar. Goldrente . . 95.15 4?6 Italien. Bente . . . 103.35 3% Portugiesen Serie I . 70.10 3% Portugiesen HI 70.50 1/4°(0 rnss.Staätsanl. 1905 86.45 4>2°'o japan. Staatsanleihe 94.35 4 % Conv. Türken von 1903 96 30 Turkenlose . . . . .147 00
4% Griech. Monopol-Aul. 54.80 4 % äussere Arß-entinier . 90 00 3% Mexikaner .... 68.80 4%% Chinesen . . . . 97 90
Aktien:
Bochum Guss 245.75 Buderus E. W .... 127.30 Tendenz: schwächer.
Elektriz. Lahmerer . . . 142.80
Elektriz. Schnckert . . . 126.10
Eschweiler Berg-werk . . 254 50
Gelsenkirchen Bergwerk . 227 00 Hamburg - Amerik. Paketf. 161.50 Harpener Bergwerk. . . 212 75 Laurahlltte 240.50 Nordd. Lloyd 131.30 Obeischles. Eisen-Indnstrie 133.90 Berliner Handelsgea . . 169.00 Darmstädter Bank . . . 13910 Deutsche Bank . . . 238 00
Deutsch-Asiat. Bank . . 174 30 Diskonto-Koromandit. . . 183.10 Dresdner Bank . . . 157.75 Kreditaktien 210.30 Baltimore- und Ohio-
Eisenbahn . . . 119.30
Gotthard bahn —.— Lombard. Eisenbahn . . 33.50 Oesterr. Staatsbahn . . . 143.75
Prince-Henri-Eisenbahn . 144.00"
Berliner Börse, 23. August. Anfangskurse.
Canada E. B 167.80
Darmstädter Bank . . . 139.50
Deutsche Bank .... 238.00
Dortmunder-Union 0. . . 90 25
Dresdner Bank .... —.—
Tendenz : träger.
Harpener Bergwerk. . . 212.70
Lanrahütte 240.00
Lombarden E. B. ... 33.50
Nordd. Lloyd 131.00
Türkenlose . .... 146.70


