Ausgabe 
21.7.1906 Zweites Blatt
 
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fUflte Tyabe auch nicht die geringste Veranlassung noch irgend­welche Berechtigung zu ihrem Vorgehen gegen ben Kläger gehabt. Der BeNagten wohne die denkbar niedrigste Gesinnung inne. Gründe zu ihrem Vorgehen habe sie dein Gericht überhaupt nicht angeben können Die Erzählung in derVolkszeitung" steh? mit der Wirklichkeit in grellem Widerspruch und sei derRoman" nur auS der Phantasie der Angeklagten entsprungen.

Aus StaSt itno

Gießen, den 21. Juli.

Die Hessische Vereinigung für Volkskunde hielt vor einigen Tagen in Gießen ihre Hauptversammlung ab. Sie beschloß (wie wir auswärtigen Blättern entnehmen müssen, da uns trotz unserer Bemühungen ein Bericht über diese Versammlung nicht zugegangen ist) eine Biographie der Volkskunde für das 19. Jahrhundert in Angriff zu nehmen und eine wissenschaftliche Saminlung deS deutschen Volksliedes zu bewerkstelligen. Der Vorsitz des deutschen VerbandcS wurde nach Gießen gelegt.

** Eine Ausstellung der 15 Entwürfe, die infolge des Preisausschreibens für den Neubau der Gewerbeschule eingegangen sind, findet von jetzt bis nächsten Mittwoch vormittags von 812 Uhr und nach­mittags von 26 Uhr im alten Gewerbeschul-Gebäudc statt.

* Die Anlagen-Musik fällt morgen aus.

" Unwetter-Nachrichten. In Hattenrod schlug vorletzte Nacht der Blitz in die Scheuer des Schmieds Georg Krug, ohne zu zünden. In Lich brach in derselben Nacht 1 Uhr in der Hosraite des Handelsmannes Hirsch in der Hintergaffe Feuer aus. Es wurde zum Glück gleich bemerkt und von der Feuerwehr gelöscht. Da hier die Häuser eng zusammenhängen, so war ganz Alt-Lich in Gefahr. Bei Landwirt Seibert in Bannerod schlug der Blitz ein und tötete ein Kalb. In Grebenhain brach während des Gewitters bei Metzger Faitz Feuer auS, das die Feuerwehr bald löschte. (V. a. 1. Blatt.)

** Einen Karl Neurath-Abend veranstaltete, wie man uns schreibt, gestern die hiesige Freidenker- Vereinigung, der wegen der zu späten Bekanntgabe leider den Besuch nicht aufzuweiscn hatte, wie cs wünschenswert gewesen wäre. Nach kurzen einleitenden Worten, in denen Herr Neurath über das Wesen deS lyrischen Gedichtes als ursprünglichste Dichtungsart sprach und auf seine Beziehungen zu Wahrheit und Leben hinwies, rezitierte er mehrere Ge­dichte, die von tiefem Gehalt und sicherer Sprachbeherrschuug zeugten. Obschon Herr Neurath in seiner Vorrede betonte, daß der Autor am wenigsten geeignet sei, seine eigenen Werke vorzutragen, widerlegte er diese Behauptung durch seinen Vor­trag. Mit klangvoller Stimme brachte Herr Neurath seine, teils schon imHessischen Musen-Almanach" veröffentlichten Dichtungen zu Gehör und die spannende Aufmerksamkeit der Anwesenden bezeugte die tiefe Wirkung, die seine Werke machten. Besonders erwähnenswert sindMein Mädchen", Herdglück", sowie zwei größere DichtungenSeine Majestät der Tod" undZwei Menschen", ein Zwiegespräch, die seiner im Herbst erscheinenden GedichtsammlungEinsame Sterne" entnommen sind.

**DaS Turnvereinsjubiläum, das ursprünglich in ganz internem Rahmen geplant war, nimmt nunmehr doch einen größeren Umfang an. Dank der Beliebtheit, der sich Gießen als Feststadt in Turnerkreisen erfreut, und des An­sehens deS Turnvereins Gießen im mittelrheinischen Turnkreis sind die Anmeldungen zu dem Fest auS nah und fern ungemein zahlreich erfolgt, sodaß die Zahl der auswärtigen Festgäste sich auf viele Hunderte belaufen wird. Und sie kommen nicht nur als Festgäste, sondern sie werden sich an dem turnerischen Teil deS Festes eifrig beteiligen. Nicht weniger als 34 Riegen sind bis jetzt zu dem Riegen- wett- und Schauturnen gemeldet worden, sodaß das Fest in turnerischer Beziehung ganz hervorragend roerbcn wird. Auch der Verqnügungsteil wird recht schön gestaltet werden; neben turnerischen Darbietungen, Gesangsvorträgen, Feuerwerk, Tanz usw. werden zwei vollständige Militär- kapellen die Besucher unterhalten. Außer der hiesigen Regi- mentsmusik ist nämlich die Kapelle des 2. Hess. Lcibdragoner- Regiments Nr. 24 für die Dauer des ganzen Festes (4. bis 6. August) gewonnen worden. Um dem Fest den Charakter eines allgemeinen Volks- und Turnfestes zu geben, sind die Eintrittspreise außerordentlich niedrig festgesetzt worden.

r. Londorf, 20. Juli. Die FirmaHessische Steinbrüche" kaufte einen Bauplatz zur Errichtung eines Wohnhauses mit Bureauräumen, nahe am Bahngelände ge­legen, für 3000 Mk. Gestern verunglückte im hiesigen Steinbruch ein italienischer Arbeiter durch einen Sturz. Er erhielt schwere Verletzungen und wurde in die Gießener Klinik gebracht.

§ Kloster Haina, 20. Juli. AuS der hiesigen Landes­heilanstalt sind drei in höherem Grade gemeingefähr­liche Menschen entwichen. Sie heißen Julius Heinrich Holz mann aus Wasungen, Ludwig Junk auS Nieder­weimar und Adolf Warnte aus HerSfeld. Die Kleidung der Flüchtlinge trägt den Anstaltsstempel L. K. H.

R. B. Darmsta dt, 20. Juli. (Eig. Drahtmeldung.) Ein dem mittelrheinischen Verein für Luftschiffahrt gehöriger größerer Ballon unternahm heute vormittag vom Gaswerk auS eine Auffahrt. Die Füllung des 1500 Kubikmeter enthaltenden BallonS, an der 50 Arbeiter beschäftigt waren, ging glatt von statten. Um 9 Uhr segelten die Luftschiffer Artillerie-Hauptmann von Hahn, ein Ulanenoffizier und ein Student in der Richtung nach Aschaffenburg ab; sie ge­denken sechs Stunden im Ballon zu verbringen. Derselbe Ballon machte kürzlich eine Auffahrt von Mainz, die ihn bis Erbach i. O. führte.

Mainz, 20. Juli. Nachdem die Restaurierung des so­genannten Greiffenklau-BaueS, deS ehemaligen Kur­fürstlichen Schlosses vollendet ist, sollen jetzt die wertvollen Schätze dcSRömisch-Germanischen Museums darin aufgestellt werden. Die hierzu nötige Einrichtung kostet Mk. 60 000. Die Bürgermeisterei ersucht die ReichSregierung, Mk. 30 000, den hessischen Staat, Mk. 20 000 von diesem Betrag zu übernehmen, sodaß die Stadt Mainz den Rest mit Mk. 10 000 zu tragen hätte. Die ReichSregierung hat sich auch schon bereit erklärt, Mk. 30 000 in das nächste Budget einzustellen. Der hessische Finanzminister will vorerst nur Mk. 10 000 übernehmen, sodaß auf die Mainzer Stadt­verwaltung noch Mk. 20 000 entfallen würden. Die Bürger­meisterei hat nochmals in einer ausführlichen Darlegung den

Finanzminister ersucht, für den angefordcrten Betrag von 20 000 Mk. bei den Landständen einzutreten. (Frkf.Ztg.)

Aus Rheinhessen, 19. Juli. Bis jetzt sind in der großenteils wasserarmen Provinz, wo die gewöhnlichen Brunnen in den Gemeinden während des Sommers oft ganz versiegen, drei WasserversorgungSgruppen im Be­trieb, davon zwei (Nahe- und Apfelbachgebiet und Boden- heimergebiet) schon längere Zeit, während das Selz-Wiesbach- gebiet mit dem Hauplorte Wörrstadt erst vor einigen Wochen eröffnet worden ist. Das Wasserwerk für das Seebachgebiet mit dem Hauptorte Osthofen wird am 28. d§. Mts. eröffnet werden. In Angriff genommen ist auch schon das Wasser­werk für die 5. Gruppe, das Rhein-Selzgebiet mit dem Haupt- orte Guntersblum. Die Bildung von zwei weiteren Gruppen ist nach derF. Z." in Aussicht genommen, die eine betrifft einen Teil des Kreises Alzey, die andere einen Teil deS Kreises Bingen.

vermischte».

* Testamenta risch vermachte der verstorbene Multi- Millionär Beit seiner Vaterstadt Hamburg seinen dortigen Grundbesitz. Dieser wird auf anderthalb Millionen Pfund Sterling geschätzt. Die National-Gallerie in Berlin erhalt ein Bild Reynolds', betitelt:MrS. Boone und Tochter" und eine Bronze-Statue des Herkules. Ferner vermachte Beit 120 000 Anteile der Rand MineS Limited im Werte von 1 200 000 Pfund zur Förderung des Baues von Eisenbahnen und Telegraphen im Britisch-, Portugiesisch- und Deutsch-Ostafrikanischem Gebiet und solche, die von der ge­planten Kap-Kairo-Bahn berührt werden.

Ein heiteres Erlebnis de§ Groß Herzogs von Baden wird aus dem Schwarzwaldorte Villingen bekannt. Der Großherzog und die Großherzogin weilen dort znm Luft- kuraufcnthaltc für einige Zeit. Bei einem Spaziergänge im Walde trafen sic einen alten Waldarbeiter, den der Groß- Herzog anredetc und allerlei fragte, ohne daß ihn der Mann zu kennen schien. Als er dann angab, daß er schon 60 Jahre

Waldarbeiter und 77 Jahre alt sei, da meinte der Groß­herzog teilnehmend:Da sind Sie ja nur drei Jahre jünger als ich!" Jetzt blinzelte der Alte den Großherzog an und sagte:Dann seid Ihr der Großherzog un sälli ischt Euer Frau!" Und als beide lächelnd bejahten, erklärte der Alte sehr herablassend:Sell kann ich Euch sage, 'S Volk ischt aber au sehr z'friede mit Euch!"

* Kleine Tageschronik. In Aachen erkrankte unter Vergiftungserscheinungen eine aus vier Personen bestehende Familie nach dem Genuß verdorbener Leberwurst. In Ibbenbüren wurde der Bergmann Pelshing verhastet, welcher cingestanden hat, einen Lustmord an einem Schulmädchen und einige Ueberfälle verübt^l^habem^

Der Rheinisch-Westfälische Effektenmarkt.

Tagesbericht der Firma Walter Hammer st ein.

Mülheim o. d. Ruhr, 20. Juli 1906.

Der Kohlenkurenmarkt lag an der heutigen Börse nichts ganz einheitlich. Geschäfte kamen nur ganz wenig zu stände. Ge­fragt blieben Deutschland bei Haßlingshausen, Dorstfeld, Constantin! der Große und Königin Elisabeth. In der Versteigerung erzielten 1 Alte Haase 18301835, Schürbank 1900, Deutschland 5700, Langen- brahm 6825, Dorstfeld 15250.

Der Ka likuxenmarkt war weiter etwas abgeschwächt und die Kurse notierten mit wenigen Ausnahmen etwas niedriger. Größere Zwangsversteigerungen brückten weiter den Markt und erzielten in der Versteigerung Kaiseroda 7955, Hohenzollcr t 7475 bis 7485, Hedwig 585, Deutschland-Justenberg 87808785, Günters- ball 44604200, Bergmannsglück 80 Mark, Bismarckshall-Aktien 767fl Proz., Neu-Ble,cherode 1177, Proz., Friedrichshall 135 bis 137 Proz., Sarstedt 90 Proz. In Versteigerung gingen Wintcrhall zu 1320013400 um.

Ter Erzkuxenmarkt lag weiter ruhig und unverändert. In der Versteigerung erzielten Bautenberg 14001470.

In Braunkohlen war wenig Geschäft. Lncherberg lebhaft gesucht.'

Märkte.

Gießen, 21. Juli. Marktbericht. 2(uf heutigem Wochenmarkte kosteten: Butter pr. Pid. 1.101.20 Mk., Hühnereier 1 St. 6-7 Pfg.,: 2 Stck. 0000 Psg., Gänseeier 0000 Pfg., Enteneier 7 Pfg,, Käse vr. Stck. 6-8 Pf., Käsematte 2 Stck. 5-6 Pfg. Erbsen p.Pfund 22Pfg., Luisen p. Pfund 32 Pfg., Taubenvr. PaarO,80-l,00Mk., Hühner pr.St.^ 1,001,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,80-1,80 Mk., Enten pr. Stück

das Herzogtum Cleve-Berg wurde sogar dcnr Schwager Napoleons,' Joachim Murat, unterstellt (seit 15. Marz 1806), und des Kaisers Oheim, Kardinal Fesch, >vurde durch Dalberg zum Koadjutor und Nachfolger als deutscher Erzkanzler entmint lMai 1806), Napoleon selbst machte sich zum Protektor des Bundes und gewann dadurch eine bedeutende Macht über die deutschen Fürsten. Zur Berat­schlagung über die gemeinschaftlichen Angelegenheiten der 23er* bünbeten sollte zu Frankfurt a. M. eine Bundesversammlung, in zwei Kollegien zusammen treten; sie ist aber niemals zusammen­berufen worden. Für Napoleon bildete die Hauptsache die! Bestimmung, daß die Kriege der einzelnen Staaten, d. h. vornehm­lich die Kriege Frankreichs als ihnen allen gemeinsam gelten, und daß die Rheinbunbsfürsten insgesamt 63 000 Mann aufstelle«! sollten. Die Fürsten von Oranien-Fnlda, Hohenlohe, Schwarzen»-! berg, Löwenstein, Leiningen, Thunt und Taxis, Salm-Reifser-: scheibt,^Wied-Neuwied und Wied-Runkel, Ottingen, Fugger, Mettev-' nich, Solms', Trnchseß-Waldburg, Furstenberg, der Landgraf, von Hessen-Hombnrg, sowie zahlreickie reichsgräfliche und reichs­ritterliche Häuser wurden der Landeshoheit der Rhein- bundfürsten unterworfen. Im September 1806 trat der Kurfürst von Würzburg als Olroßherzog dem Bunde bei. Eine Folge des fiegreicben Kampfes Napoleons und der süddeut­schen Fürsten war die weitere Ausbreitung des Rheinbundes über den Norden Deutschlands. Zunächst schloß sich der Kuv-

J)ie Kründung des Rheinbundes.

(Unberechtigter Nachdr11ck ist untersagt.)

Nach dem Frieden zu Preßburg am 26. Dezember 1805 kam cs Napoleon I. darauf an, die mit ihm verbündeten süddentsch.'n Höfe für immer durch starke yrsseln an Frankreich zu ketten, in ihnen ein dauerndes Gegengewicht gegen Preußen und Oesterreich herznstellen.

Bayern, Württemberg, Baden, Nassau, Darmstadt, durch den Neick^sbeputationshauptschluß an Ländergebiet um das Doppelt: vergrößert, sahen sieb in ihrem neuen Besitz und durch mgen Anschluß an Frankreich gefiebert. Willenlos hatten sie jed.'m Verlangen Napoleons nachzukommen, zumal da die Franzosen iwch immer in Süddeutschland versammelt waren, um Preußen und Oesterreich in Sckmch zu halten. Ohne auf irgendwelch.' Ver­handlungen cmsutreten, ließ Napoleon im Juli 1806 den G?- fanbten ber Sübstaaten in Paris die Akte zur Grunbimg eines Rheinbundes vorlegen. Sechzehn deutsche Fürsten chie Könige von Bayern und Württemberg, der Kurerzkanzler von Dalberg, der Kurfürst von Baden, der L a n d g r a f v o n H e s s e n - D a r ni­st a d t, der Herzog von Berg, die Fürsten von Nassau-Usingen, Nassau - Weilburg, Hohenzolleru^ Hechingen, Hol>enzvllern - Sig maringen, Salm-Salm und Salm-Kyrluirg, der Herzog von Arenberg, die Fürsten von Jsenburg-Birstein und von Liechtm-

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d.Rheinbundes 1806

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DEUTSCHLAND

E. Franz. Fürsten tum Erfurt

K. Frgnz. Grafschaft KatzcncJInbsgcn NIL zu Westfalen £ rhörig

SA. zu Sachsen Zeh _____________

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REPUBLIK wo /\

stein und der Graf von und zu der Leyen) traten als 93 a fallen zu Frankreich und sagten sich förmlich vom Reiche los. Außer dem Herzog von Berg waren sie alle Glieder des alten Reichs gewesen und den Satzungen^ desselben eidlich verpflichtet. Für Uyrc Lossagung vom Reiche schützten sie die Mängel der deutschen ReicliSverfassung vor und luden anch die übrigen Reichs­stände ein, der neuen Allianz der verbündetenrheinischen Staaten" beizutreten. Die Rheinbnndsakte lAkte der Confsdö- ration du Rhin> vom 12. Juli aus Paris datiert, war angeblich am 17. Juli 1806 gemeinsam von den Gesandten nnterzeichntt worden. Am 1. August wurde sie dem Reichstage mitgeteilt. An demselben Tage gab der sranzösisdre Gesandte in Regensburg die Erllärung ab, daß sein Kaiser ein Deutsches Reich nicht mehr anerkennen werde, worauf Kaiser Franz II. am 6. August seine Würde als Oberl-aupt des Reichs niederlegte nnd den Titel Kaiser von Oesterreich annahm. Um die neuen Bundesgenossen noch enger mit sich zu verknüpfen und sich zu verpflichten, gab ihnen Napoleon die benachbarten kleinen Territorien preis: der Kurfürst von Baden, der Landgraf von Hessen-Darmstadt, der Herzog von Berg, erhielten den gr o ß he r z o g 1 i che n Titel mit königlichen Rechten u n d Vorzügen, ber Kurerzkanzler erhielt ben Titel als Fürst-Primas, Nassau-Usingen die herzogliche, ber Ül-ras von ber Leyen, Dalbergs Nesse, die fürstliche Würbe. Unb weiter traten die Wittelsbaclier und die Zähringer, später auch die Württemberger durch Heiraten in nächste verwandtschaftliche Beziehung zu der Familie Bonaparte;

fürst von Sachsen, der den Königtitel erhielt, am 11. Dezemberi an, ihm folgten vier Tage später die fünf sächsisch-ernestinischeu Herzöge, bann im LLpril 1807 bie Fürsten von Anhalt, Schwaz- bürg, Lippe, Reuß und der Fürst von Waldeck; die anhaltinischen. Fürsten nahmen den Herzogtitel an. DaS neu errichtete König­reich Westfalen unter Jorome Bonaparte wurde durch die von Napoleon vom 15. November 1807 bestätigte Verfassung gleich­falls zum Rheinbundstaate erklärt. Im Februar, März, Oktober 1808 kamen hinzu die Herzöge von Mecklenburg-Sttelitz, von Mecklenbnrg-Schtverin und von Oldenburg. Der Bund zählte nunmehr auf 326 000 Quadratkilometer über 14Vs Millionen Einwohner und das Vimdesheer stieg durch einen neuen Zuwachs auf fast 120 000 Mann. Im Februar 1810 erhielt ber Fürst- Primas ben Titel eines Groß Herzogs von Frankfurt; er mußte Napoleons Stiefsohn, Cmgen Beauhamais, als Nach­folger annehmen.

Das Jahr 1813 machte dem Rheinbund ein Enbe. Die Her­zöge von Mecklenburg und ber Herzog von Anhalt-Dessau waren die ersten, bie sich lossagten. Bayern und Württemberg traten erst burch die Verträge von Rieb >8. Oktober) und Fulda (2. No­vember» zu den Miierten über Der König von Sachsen mußte sein langes Ausharren bei Napoleon mit bein Verluste seines halben Königreichs büßen. Das Königreich Westfalen und die! E-roßherzogtümer Berg und Frankfurt wurden ganz anfgelwben, die Fürsten von Isenburg und von der Leyen wurden mebiatifiert