Ausgabe 
21.3.1906 Erstes Blatt
 
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Gesetzes Mr die Kamerun-Eisenbahn Duala Manen- aubaberge, sowie die Petition der Akwa-Haupt- tt ttq e.

Geheimrat Rose erklärt, die Kolonialverwaltunq müsse zu ihrein großen Bedauern erklären, das; der Fall des Gouverneur? Honi in Togo zum größten Teil so liege, wie ihn der Abg. Ablaß dargestellt habe. Die Kolonialverwaltung habe aber alles getan, was sie tun könne, um eine Sühne herbeizuMhren. Redner geht dann des Näheren ein aus die geftern von einigen Abgeordneten bemängelten Verordnungen detz Bezirksamtmannes von Brauchitsch in Kamerun und gibt zu, daß dieser nicht immer das Nichtige ge­troffen habe. Das müsse rt^cr in Kaus genommen werden.

Abg. L e d e b o u r (Soz.'i: Wenn man bei einem solchen Beamten Verfehlungen und Verstöße gegen die Gesetze, seien cs auch nur Verstöße aus Mißverständnissen, in Karis nehmen soll, so treffe die Verantwortung die Kolorrialverwaltung, die solche zur richtigen Auslegung von Gesehen unfähige Beamte dorthin schicke. Redner tritt sodann ein für einen Antrag seiner Partei, die Akwa- Häuptlinge unverzüglich auf freien Fuß zu sehen. Ferner für die Resolution der Budgetkommission betreffend Abänderuirg des Cchutz- gebietsgesehes von 1900 im Sinne einer Einengung des Verord­nungsrechtes, ebenso für eine Anzahl fernerer von der Budget- kommission aus Anlaß der Petition der Akwa-Häuptlinge be­schlossenen Resölutiorren, bereie^ine so gut wie völlige Beseitigung der Prügelstrafe, Zwangsarbeu-amd Kcttenhast fordert. Dringend zu wünschen sei. rm Falle PiftKkamer ein vollständiges Brechen mit dem Vertuschungssystem. Anziwrkeniieii sei, daß der Erbprinz Hohenlohe in dieser Richtung bemüht sei. Im Anschluß hieran verbreitet sich Redner noch eingehend über die Zustande in Kamerun unter dem Regime Puttkamer.

Erbprinz Hohenlohe stellt aus Anlaß einer Bemerkung des Vorredners nochmals fest, daß bon der Auseinandersetzung zwischen einem Offizier des Habicht und dem Gbyunerneur von Puttkamer die Kolonial-Verwaltung damals überhaupt keine Kbrrntnis erholten habe. Was die Freilassung der Akwa-,Häupt­linge anlange, so habe er schon gestern erklärt, daß erst das Urteil in einem erneuten Verfahren abgewartet werden müßte. Dem Verbot der Waffeneinfuhr habe sich auch die spanische Re- giening hinsichtlich ihres an Kamerun grenzenden Gebietes tut» geschlossen. Ebenso seien Verhandlungen wegen gemeinsamer Ver­hinderung des Einschmnggelns von Schnaps tut Gange.

Ab§. Kalk Hof (Ztr.) erstattet den Bericht der Dudget- Kommiisirnt über die Eingabe der Akwaleute. Tie Kommission fordert in der Resolution den Reichskanzler auf, tunlichst bald durch kaiserliche Verordnung die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, daß den Eingebvretten der Schutzgebiete zunächst auf dem Gebiete des Strafrechtes, des Strafprozesses und der Disziplinär gewalt im (Sinne der §§ 2 und 3 der Schutzgebietgesetze erhöhte, Rechtsgarantien gewährt werden und ferner sclwn jetzt anzuorduen, daß gegenüber den Untersuchungsgefangenen körperliche Züchtig­ungen, Zwangsarbeit und Kettenlzaft regelmäßig nickt Anwend­ungen finden und endlich durch einen völlig unabhängigen mög- lickft mit Richtergualität bekleideten Beamten eine umgehende Untersuchung über die Deschwerdepunkte der Akwaleute durch­führen zu lassen und über das Ergebnis dem Reichstage Mitteilung zu machen.

Erbprinz Hohenlohe erklärt hierzu: Was Punkt 1 an- kange, so enthalte der bestehende Zustand tatsächlich Unklarheiten. Ghte_ beffere Regelung sei notwendig. Er werde darüber bei den verbündeten Regierungen auf Erwägungen hinwirken. Was Punkt 2_ anlange, so könne schon jetzt von fortgesetzter körper­licher Züchtigung keine Rede sein. Endlich betreffend Punkt 3 könne er mitteilen: eine bestimmte Persönlichkeit mit richterlicher Qualifikation sei schon in Aussicht genommen, um diese Funk­tionen zu übernehmen.

Abg. Lattmann (wirtsck. Vg.) verbreitet sich haupffächlich über die Kamerun-Eisenbahn-Vorlage. Diese sei in der Kom- miffion so verbessert worden, namentlich in Bezug auf die Land- Entcignmigsfrage, daß er dafür stimmen werde.

Abg. v. RicktHosen kkons.l meint, zweifellos habe Putt- kamer große Verdienste um die koloniale Säcke sowohl in Kame­run, wie früher in Togo fick erworben. Von einer vorzeitigen Entlassung der Akwa-Häuptlinge, noch ehe das neue Verfahren rm Gange sei, könne nickt die Rede sein. Zugeben müsse er, daß die Beschwerde ein Uebermaß von Rechtsünsicherheit in den Kolo­nien beweise. Insoweit die Resolution der Kommission einen geordneten Rccktszustand in den Kolonien Herstellen wolle, würden er _unb seine Freunde ihr zustimmen. Dem Anträge Storz be­treffend Absetzung des größeren Teiles der Etatforderungm für Bauzwecke könne man zustimmen, insoweit er eine Einschränkung der. Baute» in Buea wünscke. Daher beantrage er Rückverweisung dieses Teiles mit dem Anträge Storz an die Kommission.

Ahg. Bebel: Nickt wir, sondern die bürgerlichen Blätter und die bürgerlichen Kommissionsmitglieder brachten die ersten An­griffe gegen Puttkamer. Es besteht kein Zweifel, daß Puttkamer die Zugehörigkeit der angeblichen Eousine zur Halbwelt kannte und ihr den falscken Paß ausstellte, damit sie auch in Deutsch­land als Frau v. Eckardstein auftreten, konnte. Daß Puttkamer den Charakter dieser Dame kannte, beweist seine Entschuldigung gegenüber dem Kommandanten desHabickt". Puttkamer machte sick also einer schweren Urkimdensälschung sckuldig. Ter Reichs­tag muß den Beschwerden der Akwaleute abhelfcn, sonst kommt es zum Aufstande.

Erbprinz zu Hohen! ob^ erklärt, Bebel warf mir ein großes Maß von LeichtgläubMeit vor. Meine Pflicht ist cs, einen Beamten, auch wenn der Schein gegen ihn spricht, nicht frei» zugeben, sondern vollständig zu ermitteln, ob die erhobenen Vor­würfe bestimmt beweisbar sind und ob die Handlung im Be­wußtsein ihrer Strafbarkeit geschah Tatsächlich ist es unbe-

hatte sich einen dem genialen Pinsel des Velasquez, des großen Zeitgenossen des Cervantes, würdigen prächtigen Charakterkopf aufgesetzt, zeichnete den Getreuen mit markig hingeworfenen derben Strichen und handhabte die Rede im Shakespearesinne.

Der deus ex machina des Stückchens, der Scholar, ift eine Hosenrolle par excellence. Sie verlangt viel Drolerie und Schelmerei, viel Charme ttnb Schlagfertigkeit. Frl. Donecker gab einen niedlichen Hans in allen Gassen, einen flotten, herzhaft spottenden Irrwisch mit viel Lustigkeit. Aber sowohl die Deklamation vom Apfel wie die kecke Improvisa­tion mit der paradigmatischen Schlußfabcl, die wohl den rhetorischen und schauspielerischen Höhepunkt des allzu aus­gedehnten Ganzen bilden könnte, kam nicht unmittelbar und schlagfertig genug heraus. Man hatte ,veder da wie dort die Illusion bc5 frisch Erlogenen, sondern sah das Eingelernte. Auch daß der Haupftpoß des Ganzen, des kleinen Eulen- spiegels Tischchendcckedich-Schwarzkunst welcher gesuchte TitelDer Schwarzkünstler"! dem feinen Kopfe blitzartig entsprang, blieb leider unangedeutet. Frl. D. sprach ihre Verse keck und munter, ohne gerecht zu werden dem allmählichen Etttstchen der tollen Scholaren­einfälle, von denen einer sich am anderen entzündet zum Hellen Gaudium des Erfinders selbst. Ich habe auch Frl. D. schon wiederholt besser Verse sprechen hören, ihr eine sehr achtenswerte Begabung, ja bei fleißigem Studium eine wahre Virtuosität de§ gut pointierten, plastischen Vortrags zugctraut. Dem gestrigen Abend entsprachen solche Aussichten nicht. Eine allzuanstrengende Saison vermag freilich zu er­müden.

Neben diesem nie verlegenen Burschen hat die stets verlegene, mit dem Feuer nur spielende, sich aber nie ent­zündende, auf schiefer Lufispiclebene stehende Frau Alison einen schweren Stand. Frau Vayrhammer hatte also eine schlechte Rolle, aber hübsche, ober besser hübsch machenbe

wiesen, daß Puttkamer wissen mußte, daß jener Dame der Name Eckardstein nickt zustetzt. lieber die Konsequenzen der Angelegen­heit kann ick mich noch nickt aussprecken. Tas ist keine Zwei­deutigkeit, sondern ick bin mir über den Fall noch nicht aus­reichend klar. In der Rcservatfrage ist den Wünschen der Ein­geborenen entsprechend eine Regelung erfolgt. Man darf nicht Gerechtigkeit und Schwache verwechseln. Bebels Behauptung von Bedrückung der Eingeborenen ist falsch. Die Hüttensteuer ist er- hcblick niedriger als' die englische. Gegenüber den Schwarz­malereien erinnere ick daran, oaß in den Kolonien besonders auch in Kamerun viele deutsche Beamte und Privatleute leben, von denen niemand spricht, die aber in anerkennenswerter Weise für die Entwickelung der Kolonie arbeiten.

Abg. Erzberger (Ztr.) verbreitet sich über verschwenderische Bauten in Kamerun und erklärt seine Spmpathie zu dem An­träge Storz, au den Baufordcrungen Abstricke zu machen. Er habe zu dem Kolonialleiter das Zutrauen, daß er alles unter­suchen werde. Es sei Zeit, daß endlich einmal ein offenes Wort über die Kolonial-Mißwiitschaft hier gesprochen worden sei.

Erbprinz Hohenlohe erklärt aus eine Anfrage, er wolle im Bezirk der Süd-Kamerini-Gesellsckaft dauernd einen richterlich aualifizierten Beamten stationieren zur Kontrolle, ob die. Gesell­schaft die Bcj.'minungen über die Handelsfreiheit auch innehält. Gegen die Ausweitung der Scknnpsseucke solle nach Möglichkeit vorgegangen werden. Der frühere Gouverneur Horn sei zur Dis­position gestellt. Von der Paß-Angelegenheit Puttkamer habe die Verwaltung zum ersten Male Kenntnis erhalten am 16. De­zember v. I. durch einen Zeitungsartikel.

2lbg. v. Gerlach (Hosp. d. fr. Vg.) führt aus: Die Ueber- einftimmig hinsichtlich der Luxusbauten in Buea zeigt die Nützlichkeit der viel bespöttelten Abgeordnetenreise nach Afrika. Solche Reisen sollten auf Beranlafsung des Reiches öfters ge­schehen.

Erbprinz zu Hohenlohe: Die Anregung ist mir höchst sympathisch. Audi mir ist der Mangel der eigenen Kenntnis der Kolonien mißlich. Ich werde mich aber bemühen, diesen Mangel auszugleichen.

Nack einigen weiteren Bemerkungen des Abg. Dr. Arendt folgt die Abstimmung. Das Haus nimmt die Resolu­tion betreffend Einengung des VerordnungSrecktes in den Ko­lonien unter Mitwirkung der Reichsgesetzgebung an, ferner die Resolution der Kommission zur Petition der Akwa-Leutc betreffend 1) Gewährung einer erhöhten Recht^arantie für die Ein­geborenen, 21 Ausschluß der körperlichen Züchtigung, der Zwangs­arbeit und Kcttenhaft, 3) Entsendung eines unabhängigen Be­amten zur Untersuchung 6er Beschwerden der Akwa-Lcutc, 4) die Ueberweisimg der Petition an die Regierung als Material. Das Haus bewilligt sodann den PostenGouverneurgehalt ffir Kamerun" und einen weiteren Titel, ferner den Antrag der Kom­mission betreffend die Laufbalm der Kolonialbeamtcn und ver­weist den Antrag Storz auf Streichung von 266 000 Mark für Luxusbauten in Buea an die Budgetkommission. Der Antrag Auer auf sofortige Freilassung der Akwa-Neger wird abgelehnt und sodann der Rest des Etats für Kamerun nach den Beschlüssen der Kvmmission bewilligt mit einem Anträge Bachern,. wonöch der Reservefonds nur zu notwendigen und un­vorhergesehenen Ausgaben verwendet werden soll. Das Haus nimmt die Vorlage betr. denBabnbauDualla-Manen- g ub a berge in der Kvmmissionsfassung nebst einem Anträge der Kommission a n , wonach die Prüfung der Reckte und Pflichten und der bisherigen Tätigkeit der Landes- und Bergwerksgesell­schaft für Kamerun der Prüfungskommission zu überweisen ist, welche mit der entsprechenden Prüfung für Südwestafrika be­traut ist.

Nunmehr vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Mittwoch. (Initiativantrag Liebermann v. Sonnenberg betr. Vcrsammlungs- rccht, Antrag Graf Bernstorf betr. Herabsetzung der Verbrauchs- abgaben für Zucker und Wablvruningen.)

Fn der badischen zweiten Kammer sehen sich die erregten Debatten fort. Am Dienstag führte der Sozialdemokrat Eichhorn aus, die Aeußerung des Ministers des Innern, daß die Schutzleute sich nicht mit Beschwerden an sozialdemokratische Ab­geordnete wenden dürsten, sei direkt verfassungs­widrig. Seine Fraktion lehne das Budget ab wegcu der Stellung des Ministers zur Verfassung und wegen seines Verhaltens zur Sozialdemokratie und weil er offen dar- gctan habe, daß er nicht gleiches Recht für alle wolle.

Vencdcy (Demokrat) kann der Behauptung des Mi­nisters nicht beistimmcn, daß die Schutzleute ihre Beschwerden bei den Sozialdemokraten nicht Vorbringen dürfen.

Binz kann in der Aeußerung des Ministers eine Verfassungsverlehuna nicht finden.

Fehrenbach (Ztr > erklärt, da§ Mißtrauen der So­zialdemokratie gegen das Ministerium des Innern sei eigent­lich erst am Samstag ab irato gekommen und er müsse dem Minister zu erwägen geben, in welche Stellung das Ministerium käme, wenn einmal das Zentrum ähnlich vor­gehen würde. Bezüglich der Stellung des Zentrums zu der Angelegenheit vom Samstag erklärt er, daß die Rechte aller Abgeordneten gleich seien.

Minister Schenkel erwidert, er sei nach wie vor der Ansicht, daß die Schutzm.onnschaft nicht bei einer Partei ihre Wünsche Vorbringen dürfe, die darauf ausgehe, den Toilette. Im Spiel suchte sie zu charakterisieren, wozu ihr namentlich während der wiederholten Gelage Gelegenheit gegeben war, aber ihr fehlte da leider bas rechte Maß in Tonfall unb Mienenspiel. Frau B. liebt in Rollen, bie größerer Lebenswahrheit unb tieferem Empfinben ermangeln, grellen Farbenauftrag; sie pflegt bann nie anzubcuten, sonbern in kräftigen Strichen auszuführen.

Tie Liebe Gautiers zu Frau Alison hätte natürlich bei weitem lächerlicher gewirkt, wenn dieser als alter bramar­basierender Don Quixote ganz im Geiste des Ccrvantesschen Rosiuautenritters aufgefaßt wäre. Herr Direktor Stein- goette r, der auch die Regie hatte, war ein recht ansehn­licher häuslicher und ehelicher Unhold, und er tobte und brauste nur so viel, um das gute Ende des Abenteuers glaubhaft zu machen. T-en burlesken Charakter des Stückes mit freilich nicht ganz naiver Freude an der Derbheit der Figuren brachten die Herren Re iw er und Lippert, jener die Falstaffgestalt, dieser den ebenso allbekannten zimperlich girrenden blöden Amantc. Diesmal hatte nicht nur Herr Reimer, sondern auch Herr Lippert die Selbstver­leugnung, sich zum Schluß schwarz beschmieren zu lassen. Mit nachahmenslverter Teilnahme besonders im stummen Spiel verfolgte bald fröhlich, halb angstvoll, immer aber liebenswürdig Frl. Schellen berg als Zofe die Ge­schicke ihrer Herrin. Frau Millar spielte mit viel Lebendig­keit die kleine Episodenrolle einer alten Kupplerin inmitten dieses spanischen Gesindels, das uns an des Masuceio und Bandello altitalienische Novellen erinnerte.

Das ganze Stück wurde leider zu breit und schwer im Tempo genommen und der Darstelluna fehlte, mit wenigen Ausnahmen nur, der karikierende Zug, der vom Tvn Quixote-Schöpfer tendenziös beabsichtigt ist.

Das Publikum nahm den verspäteten Karnevalsspuk mit jubelndem Lachen und reichem Beifall auf.

Des alten B e n e d i x vorauSachendeD i e u st b o t e n" erscheinen heute doch allzu verblaßt. In geschlossener Ge­sellschaft, vor einen: kleinen, durchaus anspruchslosen Pu­blikum Vvu Dilettanten schlecht und recht gemimt, mögen

monarck)ischen Staat zu befeitigcn und die tn ihren Zielen darauf ausgehe, die Gesellschaftsordnung.zu stürzen. Er, der Minister, sei ein FreUnd einer geordneten und gemä ßigten Freiheit. Das habe er in einer Reiha von Jahren bewiesen.

Die Debatte wird morgen fortgesetzt.

parlamentarifcfyes.

Berlin, 20. März. Die Budgetkommission des Reichstages nahm in der heutigen Sitzung eine Erklärung des Untcrstaatssekretärs Twele bezüglich der Gehaltsregelung der Zahlmeister entgegen und ging dann zu dem TitelServis desMilitäretat?" über. Zu dem von der Budgetkommission angenommenen Anträge auf Abschaffung der Servisklaffe^ weist llntcrsiacckssekretär Twele darauf bin, daß die Abschaffung dauernd eine Herabsetzung der zeitigen Bezüge hcrbeifuhren würde, die be­rücksichtigen, daß in Orten der Servisklaffc A die Bezüge schon jetzt nicht mehr zu den notwendigsten Lebensbedürfnissen ausreichen und daher weder das Reichsschatzamt, noch die Heeresverwaltung, nach dic verbündeten Negierungen mit diesem Vorschläge einver­standen seien. Nachdem die KapitelMilitärbauwesen",Militär- inedizinalwesen" unbVerwaltung ber Traindepots" bewilligt waren, geht bie Kommission zu dem Etat derO st a s i a t i s ch e n E x p e d i t i o u" über. Aus eine Anfrage Liebermann'? von Soiinenberg betreffend den Zeitpunkt der Nückkehr der Truppen antwortet der K r i e g s >n i n i ft e r, die Rückkehr erfolge vor­aussichtlich Anfang Juni; auch die Reserven der Gesandt- scka'tswache würden nicht dauernd dort bleiben. Deutschland mache den A n s a » g m i t der Zurückziehung der Truppen; hoffentlich können die Reserven bald folgen. Hierdurch konnten 4 7, Millionen abgesetzt werden. Bebel drückt seine Freude über die so rasch erfolgende Zurückfiehuiig der Truppen aus, glaubt aber, daß eine höhere (Summe abgesetzt werden könne. Der Etat wird abzüglich 4 7, Millionen Mk. genehmigt. Es folgt der Etat d e s A n § w art i g e u. Der durch den Re- sereiueil Dr. P a a s ch e empfohlene Titel 55 000Mk. für Schaffung eines Gefandtenpostens in Adis Adeba wird be­willigt, ebeliso die übrigen Posten für Gesandtschaften und Konsulate. Nach Bewilligung einer Mehrforderung von 237 000 Mark für allgemeine Fonds vertagt sich die Kommission auf morgen.

Das Grubenunglück in CouvriLres und der Aus­stand in Frankreich.

2 e ii 3 , 20. Mar».

Die Jngenieurkommissiou teilt mit, daß man in der vergangenen Nacht bis aus acht Meter an das Feuer hcraugekommcn ist. Die Länge der gelegten Rohren beträgt 300 Meter. Die Erneuerung des Schachtholzes schreitet fort und so wird man das' Feuer gefahrlos mit dem Spritzrohr bekämpfen können.

Die Zahl der ausständigen Bergarbeiter im Departement Pas de Calais beträgt jetzt 51 3 7 6.

Der Kongreß der Bergarbeiter, an dem 177 Delegierte teilnahmeu, hat mit 167 gegen 10 Stimmen be­schlossen, die am Sonntag von den Bergwerksgesellschaften angebotene Lohn er Höhung abzuleh neu. Heute nach­mittag wurde iiad) einer Versammlung von Ausständigen, die dem derConfederation du Travail" angegliedertcir Spudikate Broutschoux cmgehören, ein Umzug veranstaltet, als Kundgebung gegen das Syndikat, dessen Präsident der Deputierte Basly ist. Als der Zug einer Mteilung Gen­darmen begegnete, schlug der Träger der Fahne mit dieser auf die Gendarmen und ihre Pferde ein. Tie Fahne wurde dem Träger von dem Deputierten Basltl und einigen Gendarmen entrissen und es kam zu einem Handgemenge, bei dem fünf Personen, unter ihnen Broutschoux, verhaftet wurden. Später versammelten sich die Ausständigen mit zwei roten Fahnen auf dem Stadt- Hausplatze, und ein Trompeter, der sich bei ihnen befand, gab wiederholt erfolglos das Signal zum An griff gegen die Bürgermeisterei. Der Präfekt hat angeordnet, daß die Bürgermeisterei, wo der Kongreß der Bergarbeiter tagt, durch Gendarmerie beinacht wird. Der Stadtausschuß, hat an den Minister des Innern ein Telegramm gerichtet, in welchem er gegen das Vorgehen der Gendarmerie und die Verhaftung Broutschoux protestiert und dessen Freiq lassung fordert.

Grenoble, 20. März. 4000 Arbeiterinnen der Seiden­weberei von Byron sind wegen verweigerter Lohnerhöhungen^ in den Ausstand getreten.

Hausens Kasseler

gibt Hafer-Kakao 3 Kindern 5

u.

Kranken Gesundheit u. Kraft

Nur echt in blauen Kartons ä 1 Mk., niemals lose

sie noch Beifall finden. Vor ein literarischerer Kost zugetanes Publikum gehören sie nicht mehr. Ter Küchenroman ist viel zu langatmig erzählt, enthält zu viel Nebensächliches, Nichtssagendes, Veraltetes und Verstaubtes int Dialog, ist durch und durch viel zu altbacken für unseren Gaumen. Auf die Hälfte zusammengcstrichen, hätte er immerhin etwas mehr Eindruck machen können. Tas alte Liebespaar, die ehr- und tugendsame 50jährige Jungfrau und Köchin Christiane Quirl und der Kutscher Buschmann wurden von Frau Fischer uud Herrn Lippert gespielt. Während Fr. F. mit viel Komik aus der Christiane eine gutherzige Hamburgerin machte, berlinerte Herr L. ein wenig. Die klassische Ruhe uud Drastik dieses roman- und geldsüchtigen Rosselenkers aber ist nicht seine Sache. Dazu fehlt es ihm au Behäbigkeit und Terbheit. Recht nett und agil war Frl. Rufs Stubenmädchen. Das Ensemble (darunter die Herren Mendel und S t e i n m a n n und die Damen Sand und Schütz) war sonst aus den rechten Ton ge­stimmt. Auch der Inszenierung, dem geschickten Arrange­ment der Küche ist Anerkennung zu zollen.

Am Schlüsse des Theaterabends sah man beileidsvolle Händedrücke tauschen; es war, ehrlich gesagt, ein ver­lorener Abend. Es hat sich um zwei Wapuisse gehandelt. Sie hätten viclfeicht minder mißglücken können es hat nicht sollen fein. P. W.

' Oskar Wildes Werke in deutscker Sprache. 1. Bd. Gedickte, 2. Vd. Torian Gray, 3. Bd. Der glückliche Prinz, 4. Bd. Ein Haus aus ?lepfeln der Granate. Wien und Leipzig, Wiener Verlag. Eine Gcsanitmisgabe der Werke des so unglück­lichen als talentvollen englischen Poeten in guter deutscher lieber* fetrnng ift natürlich höchst willkommen. Bis jetzt liegen vier Bände vor, die ans gutem Papier und mit klarem Druck sowie vermöge der vollendeten llebertragung durch verschiedene an­gesehene Sckriftsteller wie Rudolf Lothar u. a. einen vorzüglichen Eindruck macken. Den beiden ersten Bänden sind Dildniffe des Dickters beigegeben. Wir behalten uns eine eingehende Be- i" ; rf)img bis zum Erscheinen sämtlicher Bände vor und empfehlen M oit heute allen Literaturfreunden, sich mit dieser geschmack­vollen und seinsinnigeu deutschen Ausgabe bekannt zu machen.