Nr. 44
Erlchetnt «LgNch
außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wecblel mit dem hessischen Landwirt die Lietzener Familien- blätter oiennal in der Woche betqelegL
Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'scheu Unwers.-Btlch-u. Steindruckerei. St Lange. Redaktion, Lrvedilton und Druckerei:
Schul st raße 7,
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Anzeiger Gieße«.
Erstes Blatt
158. Jahrgang
Mittwoch 81. Februar 1906
Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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ve»ugSpret»t monatlich 70'131"., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstelle« monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.— viert ol- jährl. ausschl. Beslellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnmnmer bis vormMags 10 Uhr. ZeUenprels: lokal 12Pf^ auswärts 20 Pfg.
Verantwortlich tüt den polit und aÖqem. Teil: P. Witt ko: tut »Stadt und 2anb' und »Gerichtssaal"'. Ernst Heß; für den Anzeigenteil: Han« Beck.
Die üeulrge Kummer umfaßt 10 Seiten.
Ate Ketchsregieruiig unö der Kandel.
Aitf dem Deutschen Handelstage verglich der Reichskanzler die Reichsregierung mit Goethes Lotte in Werthers Leiden, wie sie den Kindern das Brot schneidet. Die Kinder der Reichsregierung sind die verschiedenen Erwerbsstände, und die Regierung sorgt nicht nur für Brot, sondern sie sorgt auch dafür, daß alle auch Butter aufs Brot bekommen. Dieses Bild hat uns ausnehmend gefallen, und es wird nicht acht Tage dauern, dann haben sich sämtliche Witzblätter des deutschen Reiches seiner bemächtigt, und wir werden den „gescheitelten" Kanzler Brot schneiden und Butter streichen sehen. Fürst Bülow hat ja großes Verständnis für die politische Karikatur.
Tie Reichsregierung hat alle ihre Kitrder gleich lieb. Zwar, die Landwirtschaft ist, wie der Kanzler sich ausdrückte, ihr Sorgenkind, aber sie liebt den Industriellen, den Großhandel, den Mittelstand und den Proletarier, alle in gleicher Weise. Sie will Aller Blühen und Gedeihen. Wir zweifeln nicht daran, daß sie das will, aber es kommt uns manchmal vor, als ließen die trüben Erfahrungen des Schusters Lechner in Bernsteins „D'Mali" doch in gewisser Weise tief blicken, als würde die Butter für alle Stände nicht gleich dick gestrichen, als bekämen manche Stände überhaupt kein Butterbrot, sondern nur einen Löffel Syrup auf die Zunge. Tenn Brot und Butter wollen nicht immer ausreichen.
Jagen wir das schöne Bild nicht tot! Das Wohlwollen der Reichsregierung für alle Erwerbsstände steht außer Zweifel, und man kann sich im allgemeinen auch nicht darüber beklagen, daß billige Wünsche nicht berücksichtigt würden, soweit es angeht. Vor allem die der Land wir t- s ch ast — daran haben wir uns schon gewöhnt, und finden es durchaus in Ordnung. Tann haben wir unseren Arbeits- und Arbeiterminister, den Grafen Posadowsky, der mit warmem Herzen für das Proletariat einttitt. Es ist sehr erfreulich, daß Fürst Bülow die Ausführungen des Staatssekretärs über die deutsche Arbeiterschaft, die zu Anfeindungen Anlaß gegeben bäben, ausdrücklich billigte — daß er sie noch ergänzte uno dem Gedanken Ausdruck gab, daß auch die Unternehmer ihr reich gemessen Teil an dem Aufschwung des deutschen Erwerbslebens haben, daraus wird man beim besten Willen keinen Gegensatz zwischen dem Kanzler und dem Staatssekretär konstruieren können. Tenn die Verdienste der Unternehmer schließen die Verdienste der Arbeiter keineswegs aus. Tas nur nebenbei!
Was die Hauptsache anlangt, nämlich die Förderung des deutschen Handels durch die Reichsregierung, so kann dem Kanzler nicht widersprochen werden, wenn er sagt, die Regierung tue, was in ihren Kräften steht. Es hat nur leider manchmal den Anschein, als wenn diese Kräfte nicht recht bedeutend wären. So kann man nicht behaupten, daß der neue Zolltarif, der am 1. März in Kraft tritt, den Wünschen des deutschen Handels und der deutschen Industrie vollauf entspricyt, und Handel und Industrie sind an die Resignation gewöhnt; sie haben auf vieles verzichten müssen. Wir glauben auch nicht, daß Handel und Industrie mit dem Handelsprovisorium zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten zufrieden sein werden.
Ter preußische Handelsminister hat ein ebenso begeistertes Loblied auf den deutschen Handel gesungen, wie der Reichskanzler, nur hat er davon gesprochen, daß unserem Handel der Gei st des Eroberers fehlt. Sehr richtig! Tie Vertreter unseres Handels sind viel zu bescheiden. Sie freuen sich, tvenn sie angenehme Worte zu hören bekommen, und nehmen dafür vieles in Kauf, was ihnen weniger angenehm ist. Es wären Eroberungen zu machen, aber nicht nur draußen in der weiten Welt, wie der Minister meinte, sondern auch imdeut^chen Reiche selber. Wo ist denn die parl. Verttetung unseres Handels? Tie deutsche Landwirtschaft hat es ganz anders angefangen, als sie sich durchsetzen wollte. Die ganze Rechte des deutschen Reichstags ist erzagrarisch. Wer vertritt den .Handel im Reichstag? Tie Nationalliberalen? Ter Freisinn in seinen drei Schattierungen? Ja, mitunter sieht cs so cniy. Llber diese parlamentarischen Körperschaften wären, selbst wenn sie eine energische Vertretung der Handelsinteressen darstellten, viel zu schwach, um etwas besonderes zu erreichen.
Wir wünschten, die Vertreter des deutschen Handels, die mit Freude den Worten des Reichskanzlers und des Handelsministers gelauscht haben, zögen die entsprechenden Konsequenzen und träten einmal etwas energischer auf den Plan. Was die L a n d w i r t s ch a f t politisch durchgesetzt hat, das verdankt sie neben dem Wohlwollen oer Regierung ganz allein ihrer rastlosen politischen Tätigkeit. Tas Wohlwollen unserer Reichsregierung ist auch für den Handel, die Industrie vorhanden, man braucht also nur nachzumachen, was die Landwirtschaft vvrgemacht hat. Tonn wären zu Hause Eroberungen zu machen — die Eroberungen draußen würden nicht ausbleiben!
EpoUtische LagesScharr.
Tie Darmstädter Neichstagserjahwahl.
Die Vertrauensleute der sozialdentolratischen Partei des Wahlkreises Darmstadt-Groß-Gerau waren am Sonntag in Groß-Gerau versammelt, um zur Mandatsniederlegung des Genossen Cramer Stellung zu nehmen. Nach längerer Beratung ivurde die Resolution der Darmltädter Parteiversammlung akzeptiert. Bezüglich der einzlilcitenden Agitation wird eine Wahlkreiskonferenz für den 4. März nach Darmstadt einberufen. Einstimmig wurde beschlossen, der Wahlkreiskonferenz den Buchhändler Berthold in Darmstadt als Kandidaten vorzuschlage«.
Wenn, wie wohl als sicher anzunehmen ist, die Wahlkreiskonferenz die Kandidatur Berthold gutheißt, wäre die sozialdemokratische Pattei im Falle seiner Wahl vor unangenehmen Settensprungen nach Art des Cramerschen Hofganges allerdings sicher, denn Betthold ist als Patteibuchhändler und Expedient der Mainzer Volkszeitung viel zu sehr von der Partei abhängig, als daß er sich solche Extravaganzen leisten könnte: Berthold vetttttt seit 1899 den Wahlkreis Groß-Gerau im hessischen Landtag, beschränkte aber seine Tätigkeit stets auf das Vorbringen von lokalen Wünschen aus seinem Wahlkreis.
Reformen in der Rechtspflege.
-tt- Berlin, 20. Febr.
Beim Etat der Justizverwaltung sind heute im preuß. Abgeordnetenhause mancherlei Beschwerden und Wünsche von allgemeinem Interesse zur Sprache gekommen. Der neue Justizminister Dr. Beseler gab mit aller Offenheit zu, daß die Rügen über Mängel der Rechtspflege großenteils durchaus berechtigt sind. Solche rückhaltlose Sprache vom Regierungstisch aus hat man wohl zuweilen bei Ihnen in Hessen, hier in Berlin jedoch seit längerem nicht vernommen. So läßt sich ermatten, daß ein irischer Zug in die Rechtspflege hineinkommt, daß mit Veraltetem aufgeräumt und das Vertrauen zur Justiz gestärkt wird. Vor allem erkannte der Minister an, daß die Rechtsprechung zu langsam sei. Er stellte eine Aenderung besonders deS amtsgerichtlichen Verfahrens in Aussicht. Weniger erfreulich war die Hinzufügung, daß dann vielleicht die Kaufmannsgerichte beseitigt werden könnten. Diese Beseitigung würde entschieden zu bedauern sein. Die schnelle, von überflüssigen Formalitäten freie Rechtsprechung der Kaufmannsgerichte hat sich im großen Ganzen durchaus bewähtt. Noch mehr als die Raschheit der Entscheidung fällt inS Gewicht, daß die Urteile sich auf die Beobachtungen und Erfahrungen des Lebens gründen. Die Juristen denken zunächst an Gesetz, Kommentar und höchst- gerichtliche Entscheidungen, die Bedürfnisse der Praxis stehen in zweiter und dritter Linie. Zur Reform des Strafgesetzbuches bemerkte der Justizminister, man dürfe annehmen, daß in diesem Gesetz diejenigen Vorschriften enthalten sein werden, die dem Schutz der persönlichen Ehre vollauf Rechnung tragen. Diesen Worten zollten die Konservativen Beifall. Es ist aber nicht nur eine von dieser Seite, sondern auch vom Liberalismus vertretene Forderung, daß persönliche Verunglimpfungen und Schmähungen, besonders wenn sie die Ehre der Familie treffen, nachdrücklicher geahndet werden müssen, als es im Rahmen des geltenden Gesetzes möglich ist. Warum aber bei der Dringlichkeit dieser Aenderung — die Zunahme der Zweikämpfe unter schweren Bedingungen beweist die Dringlichkeit — die Fertig» stellung eines noch Jahre erfordernden vollständigen Gesetzeswerks abgewattet werden soll, ist unerfindlich. Es könnte sehr wohl ein besonderer Gesetzentwurf im Reichstag eingebracht werden. Oder befürchtet man, daß bei der Gelegenheit die Duellgegner auf Verschärfung der Strafbestimmungen über den Zweikampf dringen werden?_____
Ter" Amtsantritt des' Präsioenterr Falliöres.
In der Deputiertenkammer verlas heute der Ministerpräsident Rouvier eine Botschaft des Präsidenten Fal- liöres.
Die Wahl des neuen Staatsoberhauptes, so wird darin ausgeführt, vollzog sich mit Würde und Ruhe, ein vielversprechendes Zeichen für die Lebenskraft und Festigkeit des demokratischen Regimes.
Die Armee lebt der Ehre und Uneigennützigkeit, und nichts wird sie in der Erfüllung ihrer heiligsten Pflicht, der Vorbereitung für die Verteidigung ihres Landes und ihrer Fahne, stören. Wenn auch jeder Gedankefernliegt, daß ihre Stär ke eine Drohung gegen irgend jemand bedeuten soll, so darf doch niemand an ihre Verminderung denken, da sie das sicherste Unterpfand für die Erhaltung des Friedens bildet.
In ihrer auswärtigen Politik, die von Grad- heit, Erleuchtung und Mäßigkeit, nicht minder aber auch von Festigkeit geleitet wird, gibt da nicht die Republik in ihrer andauernden Treue gegen ihre Freunde und Verbündeten ein Beispiel, um welchen Preis sie herzliche Beziehungen mit allen Mächten zu erhalten sucht?
Im Innern, wo die öffentliche Ordnung auf dem unantastbaren Gehorsam gegenüber dem Gesetze beruht, wird der gütige Genius nach wie vor die regelrechte Entwicklung des Hansels, des Ackerbaues und der Jndusttie fördern. Tie große Bewegung der Solidarität wandert auch auf die vom Glück Enterbten, die eine leidenschaftliche Sorge der Vertteter des Landes sind, zu. In der Wett der Arbeit, die unser Schulunterricht von der Knechtschaft und Unwissenheit befreit hat, wird man nicht unempfänglich sein für vorsichtige und weise Jnitiativmaßnahmen. Ter Augenblick ist nicht fern, wo man überall begreifen wird, daß in einem Lande mit allgemeinem Stimmrecht, unter einer Regierung der Freiheit man lediglich auf dem Wege der Vernunft, des guten Rechtes und der Billigkeit zur Harmonie der Interessen, zu einer moralischen Einheit der Nation gelangen wird.
Nachdem die Botschaft verlesen war, nahm das Haus die Besprechung der Interpellation betreffend die Verhältnisse in Französisch-Kongo auf.
Ruamw sprach von den Gr a u sa m ke i t e n , die im Jahre 1906 im Kvngogebiet begangen worden seien. Der Redner behauptet, daß in einer Gegend 20 000 bis 30 000 Ein gehör ene uiedergemacht worden seien. Er ftlhtt verschiedene Vorfälle cm, für die er die Verantwortlichkeit dem Gouverneur Gentil zuschreibt.
Präsident FalliöreS führte heute zum ersten Mal den. Vorsitz im Mini st errate. Loubet wurde zum Mitglied des oberen Ackerbaurates ernannt
Falliöres empfing heute nachmittag das diplomatische Korps. Der italienische Graf Tornelli führte aus, daß man in der stufenweisen Entwicklung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der Nation eine feste Grundlage und eine sichere Bürgschaft für die Dauer des internationalen Friedens erklicke. Es würde die Ehrensache der heutigen Diplomatie sein, alle ihre Anstrengungen auf daS Ideal zu richten, dem die gesamte Menschheit mehr und mehr sehnsüchtig' zuzustreben scheine. Der Redner schloß mit dem Ausdruck deS Vertraueirs in die wohlwollende Gesinnung des Präsidenten, die dem divlomatischen Korps den vollen' Erfolg des Werkes der Eintracht und des Friedens sichern werde, die es in dem schönen Lande verfolge, auf das ihre Mitglieder den Ausdruck ihrep Sympathie und ihrer Wünsche auf sein Wohlergehen richteten. FalliöreS dankte, indem er seiner besonderen Freude Ausdruck verlieh, in neue und interne Beziehungen zu dem diplomatischen Korps zu treten. Es werde in der Tat die große Ehre der heutigen Diplomatie sein, in den Beziehungen der Völker den idealen Teil erweitert zu haben und Begriffen zu haben, daß kein politisches Werk dauerhaft sei, wenn es nicht den höheren Be- sirebmrgen der Menschheit genüge. Der Redner schloß mit der Versicherung, daß das diplomatische Korps und er bei ihrep gemeinsamen Aufgabe dieser Auffassung treu sein werden.
Nach einer Meldung aus Kopenhagen erklärte der fvany. Sondergesandte Baron de Courcel, daß währelld der 18 Minuten, die der Kaiser ihm widmete, nicht von AlgeciraS die Rede gewesen sei. Der Monarch sei ihm gegenüber von größtes Liebenswürdigkeit gewesen. Er interessiette sich lebhaft! für die Eigenatt des Präsidenten Falliöres und meinte^ daß nach Allem, was er über den neuen Staatschef vernommen, auch von ihm, wie es während Loubets Septennat Der Fall war> eine Einflußnahme im Sinne der Erhaltung des Friedens zu gewärtigen sei.
parlamentarifctyes»
Berlin, 20. Febr. Die Steuerkommission des Reichstags setzte heute die Beratung der neuen Steuervori schlüge fort und beschäftigte sich zunächst mit dem Anträge Singer und Genossen, eine-Re ich sein kommen - und Vermögenssteuer einzuführen. Ter preußische Finanzminister v. Rheinbaben erklärte, daß der Sin trag' Singer für die verbündeten Regierungen völlig unannehmbar sei und zwar aus Gründen, die sie schon oft im Plenum dargelegt hätten. In der 'Abstimmung wurde der Anttag Singer gegen 10 Stimmen abgelehnt. Dafür; stimmten außer Tr. Burghardt (wirtsch. Bg.) die Polen, Freisinnigen und Sozialdemokraten. Staatssekretär Frhr. i>. Stengel führte aus, er habe bereits im Plenum erklärt, daß die Novelle bezüglich oer Maischbottichsteuer in Vorbereitung fei, durch die einer weiteren Abbröckelung der Einnahmen ein Riegel vorgeschoben werden soll. Die Erörterungen seien hierüber noch im Gange. Ter Bundesrat habe sich hierüber noch nicht schlüssig gemacht, doch glaube er, baß die Vorlage noch int Laufe des Jahres dem Reichs-, tage zugehe. Tie Möglichkeit einer Renaturierung dena-r kurierten Branntweines müsse er zugeben. Bezüglich einer; Reform der Branntwein-Verbrauchs-Abgabe könne er eine Vorlage jetzt nicht in Aussicht stellen; die Vorbereitung begegne großen Schwierigkeiten.
Der Aufstand ut Deutsch-Afrika.
Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Am 14. Februar im Gefecht bei Norechab gefallen: Gefreiter Anton Foerschle und die Reiter Emil Radtke, Franz Heimchen, Horcher und Andreas Baumer. Schwer verwundet: Assistenzarzt Dr. Max Westphal, geb. in Mainz, früher Ulanen-Regt. 16, Bauchschuß, Gefreiter Gottfried Schumacher, Reiter Emil Samel. Leicht verwundet 4 Mann.
Der Bethanier-Häuptling Cornelius hat mit seinem ganzen Anhänge dem Gouverneur o. Lindequist seine Unterwerfung angeboten.
Nussijche Nöte.
Die »Nordd. Allg. Ztg." meldet: Angesichts der Verkehrsstockungen an der deutsch-russischen Grenze, die dadurch veranlaßt wurden, daß die deutschen Waren, welche dort angefahren wurden, um noch vor dem 1. März zu den niebrigen russischen Sätzen verzollt zu werden, auf russischer Seite nicht mehr rechtzeitig übernommen werden, erhielt, tuie verlautet, die kaiserliche Botschaft in Petersburg durch das Auswärtige Amt die Weisung, unter Berufung auf Geist und Wortlaut deS bisherigen Landesvertrages, nachdrücklich darauf hinzuwirken, daß von der russischen Zoll- und Eisenbahnverwaltung alles geschehe, um den fraglichen Mißständen abzuhelfen.
Man meldet aus Warschau, daß 40 bewaffnete Revolutionäre in eine politische Versammlung gewallsam eindrangen und großes Unheil anr chteten. Die Versammlung wurde zur Unterstützung eines gemäßigten Kandidaten für die Reichsduma abgehalten. Die Revolutionäre zettrümmerten alle Gegenstände und griffen die unbewaffneten Anwesenden an. In dem folgenden Handgemenge wurden viele Personen verwilndet, darunter einige lebensgefährlich.
In Aschabad (Transkaspien) wurde während des Beiramfestes General Dschurawek fami seiner Dienerschaft ermordet. Eingeborene sagen, daß es sich um einen oersönlichen Racheakt handle.


