Ausgabe 
15.12.1906 Zweites Blatt
 
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Ans Stadt und Land.

Gießen, den 15. Dezember 1906.

- Lebensretter. S. K. H. der Großherzog haben dem Elektrotechniker Kohl und dem Metallarbeiter Rösch, beide zu Offenbach, je eine Rettungsmedaille verliehen.

- Russische Orden. S. K. H. der Großherzog haben dem Geheimcrat Dr. Eisenhuth zu Darmstadt und dem Geh. Oberschulrat Ludwig Rod nagel zu Darmstadt die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihnen von dem Kaiser von Rußland verliehenen St. Stanislaus-Ordens zweiter Klaffe, sowie dem Gyinnasialdirektor Dr. Ford ach zu Darmstadt die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen LeS St. Annen-Ordens dritter Klaffe erteilt.

Erledigt ist die mit einem evang. Lehrer zu be­setzende Lehrerstelle an der Gcmeindcschiile zu Hart- mannShain. Ihrem Inhaber kann eine Ortszulage be- willigt werden.

**OberhessischerGeschichtsverein. Am Don­nerstag abend sprach der Geh. Hofrat Prof. Dr- Haupt 'nn Caf6 Ebel in einer sehr stark besuchten Versammlung des Oberhessischen Geschichtsvereins sehr interessant über die Entstehung und über die Entwickelung- der studentischen Verbindungen an unserer Landeshochschule. Infolge der an den Vortrag sich anknüpfenden längeren Diskussion mußten die vom Bibliothekar Dr. Ebel zugesagten Mit- teilungenAus dem Gießener Stadtarchiv" auf die Tages­ordnung der nächsten Sitzung verschoben werden.

♦♦ Die Erhöhung der Lehrergehalte. Aus Lehrerkreiscn wird uns geschrieben: Als vor einigen Tagen die Mitteilung durch die Zeitung ging, daß im S^aatshaus- haltunasetat 282 000 Mark zur Erhöhung der Lehrer- Gehalte vorgesehen seien, da hat sich im Stillen wohl

jeder der VeteMgten aus gerechnet, daß es ihm doch eine Mehreinnahme von 8090 Mark tragen werde. Aber welche Enttäuschung haben sehr viele gehabt, als der Gesetzentwurf in den Blättern erschien. Wohl wurde der Höchstgehalt wieder um 200 Mk. erhöht, und die 3000 Mk. prangen auf der höch­sten Stufe. Aber was man oben zugelegt hat, das hat man unten vorenthalten. Die Schulverwalter und definitiven Lehrer mit mehr als zehn Dienstjahren bekommen eine Zulage, dagegen ca 700 Lehrer mit weniger als zehn Dien st jähren haben vergebens gehofft, sie gehenleer aus. Was haben wohl die ,00 Lehrer verbrochen, daß man sie so mitten herausgrcift und ihnen keine Zulage bewilligt? Oder hat etwa die Teuerung vor ihrer Türe Halt gemacht? Im Gegenteil, sie haben sie bei ihrem geringen Gehalt nur noch drückender empfuirden. Und wie viele leiden noch an den finanziellen Nachwehen ihrer Militärzeit. Wie tief hat doch jeder in die Börse greifen müssen, wenn er sich einen eigenen Hausstand grünoete. Doch weg mit den trüben Gedanken, noch ist der Entwurf nicht Gesetz. Hoffen wir, daß die Herren Landtagsaügcordneten den Schaden ausmerzen. Es wäre ein Akt ausgleichender Gerechtigkeit.

Der »Fall Ä o r el P hat noch ein Nachspiel gezeitigt, indem Pfarrer Korell die Behauptung Pfarrer Bernbecks, Korell habe bei der Reichstagswahl 1898 sozial- dem akratische Stimmzettel verteilt, in einer Zu­schrift an den .Täglichen "Anzeiger" für eine .glatte Unwahr­heit" erklärte. Da Pfarrer Berndeck darauf erwiderte, er werde seine Behauptung durch einwandsfreie Zeugen beweisen, so blieb für Korell nichts weiter übrig, als eine Disziplinar- untersuchung gegen sich ju beantragen. In dieser Disziplinär- untersuchling soll, wie uns aus Darmstadt gemeldet wird, Pfarrer Bernbeck drei Gewährsmänner namhaft gemacht haben, die bereit sind, seine Behauptung eidlich zu erhärten. Der eine derselben entsinnt sich sogar noch genau, dem Pfarrer Korell darüber Vorwürfe gemacht zu haben, daß er als evangelischer Gei st lich er sozial­demokratische Stimmzettel verteilte. Pfarrer Korell hat sich darnach veranlaßt gesehen, den gegen Pfarrer Bernbeck erhobenen Vorwurf der Unwahrheit zurückzunehmen.

A Butzbach, 15. Dez. Gestern abend mit Zug 8 Uhr 34 traf Oberregierungsrat Straßburger von der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. mit mehreren Beamten hier ein und alarmierte telegraphisch den HilfSzug von Gießen. Gegen 1/t10 Uhr traf dann aiich der HilfSzug mit den auf den: Bahnhof Gießen verfügbaren Mannschaften auf dem hiesigen Bahnhof ein und eS wurden m Gegen­wart der Herren von der Direktion Probc-Verbände und -Hilfeleistungen vorgenommen. Um 10 Uhr 40 Min. ging der Hilfszug wieder nach Gießen zurück. Eine interessante Wette zwischen einem Gutsbesitzer und einem Kaufmann wurde am Sonntag hier ausgetragen. Ersterer verpflichtete sich gegen Deponieren von 10 Flaschen Champagner die 9,4 km betragende Gemarkungsgrenze von Butzbach bei jeder Witterung in 90 Minuten abziigehen. Bei starkem Schneegestöber wurde der Gang innerhalb 88 Minuten gemacht, was in Anbetracht dessen, daß fast ausnahmslos über Aecker und Wiesen marschiert werden mußte, als gute Leistung bezeichnet werden kann.

du'ch bt dieser Woche Vvrmittagssihungen der Landtagsausschuffe in Darmstadt beizuwohnen, die mich in meinem Krankheits^zustand über Gebühr belasten und mich immer von neuem gesundheitlich zurückwerfen. t .

UebrigenS kennt man in Gießen und in der Provinz meine Ansichten über die Sozialdemokratie bereits seit einem Menschen­alter. Ich bin der auch von unserer Regierung am 29. vorigen Monats im wesentlichen geäußerten Auffassung,daß der Kampf gegen die Sozialdemokratie mit Aussicht auf Erfolg nur auf dem Boden der bestehenden allgemeinen Gesetzgebung und unter Beachtung her verfassungsmäßigen Gleichheit der Staats­angehörigen möglich und zulässig sei".

Säron im Jahre 1881 habe ich, damals Kandidat aller Liberalen im Reiaistagswahlkreise, diesen meinen Standpunkt unter Verwerfung des damals noch geltenden Sozialistengesetzes öffentlich dargelegt, ebenso 1884, 1887 und 1890 und noch später auch in den Wahlkreisen Friedberg und Alsfeld, und zwar in zahlreichen öffentlichen Versammlungen. Es. liegt für mich um- loiucniger Grund vor, von meiner alten Ansicht abzugehen., well ich deutlich gesehen habe, daß der anderen Ansicht, die der sozial­demokratischen Partei Ausimhniemaßregeln in Gesetz und Ver­waltung entgegenstellen möchte, seit den drei Jahrzehnten, die sie in der Praxis nahezu herrschend war, eine irgend erfolg­reiche Bekämplung buc Sozialdemokratie nicht gelungen ilL

Ich bin manche Jahre hindurch von sozialdemokratischer Seite mit herben Angriffen verfolgt worden, weil man die Motive meinet gesetzgebernchen Arbeiten, zumal in der Arüeiterschutz- gcsctzgebung vielfach mißverstand. Ich werde aber das mir ge­schehene Unrecht nicht in gleicher Weise vergelten.

Mit hochachtungsvoller Begrüßung

Ihr ergebener

gez. Dr. GutfleisA

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Auszug eus des Zstsllvkssnrlereylperu der Stkdr Siefte.

Tknfgebotc.

Dez. 8. Ferdinand Niedieck, Gerichtsaffeffor in Hamm i. mit Mathilde Hornmann dahier.

Eheschließungen.

Tez. 8. Augu,st Aßmann, Fuhrmann, mit Wilhelmine Bender, beide dahier. Nikolaus Tanu, Bahnarbeiter, mit Katharine Becker, beide dahier. 12. Peter Gaub, Gastwirt, mit Anna Ohlenschläger, beide dahier. Wilhelm Bogt, Hilfsheizer, mit Katharine Barthel, beide dahier.

Geborene.

Tez. 2. Dem Friseur Wilhelm Balser ein Sohn Georg Ka'l. 3. Dem Bizeieldivcbel Adam Becker ein Sohii Karl Heinrich. 6. Dem Monteur Franz Joses Braun eme Tochter Josefrue Anna. Dem Taglöhner Ludwig Pfeifer eine Tochter Anna Dorothea Emilie. Dem Bierhändler Albert Merlau eine Tochter Liefet Lotte Emmy Auguste Luise. 11. Dem Lokomotivheizer Heinrich Weber ein Sohn Richard. Dem Lokomotivheizer Karl Hecker ein Sohn. 13. Dem Oiensetzer Philipp Hof em Sohn.

Gestorbene.

Tez. 7. Job,annette Tickord, geb. Fink. 43 Jahre alt, Wolf- stratze 7. lu. Ehris.oph Bischofs, 66 Jahre all, Straße,imeisler i. P., Ebelstr. 14.11. Wilhelm Bornträger, 5 Jahre alt, Seliers- weg 65. Joseiat Slaubach, 52 Jahre alt, Briefträger, Hainm- straße 12. 12. Cäcilie Schanzt eh, geb. Offermaun, 7U Jahre alt, Aiarburgerstr. 35. 13. Johanna Frieda Bolz, 9 Monate alt, Neustadt 16. Emma Wülfing, 2 Jahre alt, Schifsenberger- weg 60. Dr. Albrecht Konrad Thaer, 78 Jahre alt, Umversitäls- pro'essor, Geh. Ho'rak, 9leuen Baue 25.

Vergessen Sie nicht, daß Weihiiachlcn bevorsteht und daß als bestes Weihuachtsgefchenk sich eme Oav-Füllseder erweist, welche oon Mk. 12.50 auswärts, der Größe der Goldfeder entiprechend, käuflich ist. Es gibt nichts Brauchbareres, weil jedermann täglich sich einer Feder bedienen muß. Es gibt auch nichts Dauerhafteres, iüciI sie lebenslänglich vor hält. Es gibt überhaupt nichts, dessen sich der Beschenkte angenehmer erinnert, als der Gabe einer Caws- Füllseder. Nachahmungen sind zahlreich, aber jeder Händler von gutem Rule wird Ihnen eine Caw verkaufen, wenn Sie Caw ver­langen. Man beachte beim Kausen, daß der Halter den Namen Caw trägt. Bezug durch Paviergejchäile. Jllustr. Katalog gratis. Lchwau-Bleistift-Fabrik, 9t ü r n b e r a. |ss/

ÄAmSAlkhß in der Entwicklung oder beim Lernen zurückbleibeude Kinder, sowie blut, arme, sich mattfühlende und nervöse überarbeitete, leicht erreg­bare, frühzeitig erschöpfte Erwachsene gebrauchen als Kräftigungs­mittel mit grobem Erfolg Dr. Hommcl's Haematogen.

Der Appetit erwacht, die geistigen und körperlichen Kräfte werden rasch gehoben, das Gesamt-Rervcusystem gestärkt.

Man verlange jedoch ausdrücklich das echteDr. Hommel'S" Hacmatogen und lasse sich keine der vielen Nachahmungen aus- reüeiu_____________________________________________________________

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