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Nr. 145
Zweites Blatt
Samstag 23. Juni 1906
156. Jahrgang
Eichener Anzeiger
Rotationsdruck mtb Verlag der Btflbridx»
Untversitätsdruckeret. R. Lang«,
Redaktion, Expedition ».Druckerei: Scbnlstr.U.
Id. Nr. 5L Idegr^Adr.: Anzeiger Lietzen.
Erscheint E-Nch mit Ausnahme d«L Sonntags.
Die „Gießener AamlNenblStter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der E^eiftschr Landwirt*' erscheint monatlich einmal.
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Bekanntmachung.
Betr.: DaS Ober-Ersatzgeschäft für 1906.
Das Ober-Ersatzgeschäft zu Lich wird am 9. und 10. Juli d. Js. erst um 9.30 Uhr vormittags beginnen.
Gießen, den 21. Juni 1906.
Der Zivilvorsitzende der Ersatz-Kommission des KreiseS Gießen. Dr. Merck.
Wcudeutsche Wirtschaftspolitik,
Mit einem großen neuen Werke tritt der bekannte frühere Pfarrer D. Friedr. Naumann vor die Oeffcntlichkeit. Es ist seine „Neudeutsche Wirtschaftspolitik" (Buchoerlag der „Hilfe"- Berlin-Schöneberg, Preis drosch. 4 Mk.), ein umfangreiches Buch, daS in fünf größeren Abschnitten die Gedanken des vortrefflichen, edlen Menschen und Schöpfer? der nationalsozialen Geistesrichtung über die Entwickcltmgstendenzen im neudeutschen Wirtschaftsleben enthält. DaS Buch ist mehr ein persönliches Bekenntnis zu einer Wirtschaftsauffaffung als wissenschaftliche Doktrin und, wie alle Werke Naumanns, überaus feffelnd und interessant. Es wird auf die Heranwachsende Generation zweifellos nicht geringe Wirkung auS- üben, und gibt sich für die Meinung und Ziel Suchenden als ein Wegweiser aus dem nationalökonomischen Labyrinth, als welches sich die deutsche Volkswirtschaft in ihrer jetzigen Verfassung manchem leicht darstellt.
Die folgende Betrachtung soll keine eingehende Kritik über daS Naumannsche Werk sein. Eine wissenschaftliche Erörterung würde die Voraussetzungen der Naumannschen Darlegung zu prüfen und etwaige Inkonsequenzen innerhalb s-ines EedankeugangeS nachzuweisen haben. Davon ist im folgenden abgesehen. Denn der heutigen Zeit tut mehr als zuvor eine positive Wirtschaftsanschauung not, ein nationalökonomischer Zukunftsglauben, der sich nicht in utopistische Gedankenpfade verirrt, sondern der die auf der Gegenwart sich aufbauende Entwickelungswahrscheinlichkeit unentwegt im Auge behält. Und darum sei an dem Werk nicht kleinlich gekritelt.
Naumann ist in seinem neuen Werke durchaus und mit intensivster Entschiedenheit Kapitalist. Er durchleuchtet daS Wesen des kapitalistischen Wirtschaftssystems, indem er fest auf dem kapitalistischen Boden steht.
Nach Naumann kann die Lösung deS Arbeiterproblems nicht auf dem Marxistischen Wege erfolgen, da tfber Gedanke, dem einzelnen Arbeiter den vollen Arbeitsertrag seiner Arbeit zu gewähren, em ganz unvollziehbarer Gedanke ist." Er motiviert dies damit, daß ,im kapitalistischen Arbeitsvorgang die einzelne Arbeit für sich allein gar keinen erkennbaren und bestimmbaren Wert hat*. Seine Ausführungen hierüber lauten wie folgt:
„Es ist Phantasie zu sagen, daß der einzelne Arbeiter als Einzelner weniger Lohn erhält, als er verdient. Wenn er ein Einzelner für sich wäre, würde er noch viel weniger verdienen. Eben deshalb ordnet-er sich dem kapitalistischen Arbeitsvorgänge an, weil er als Einzelner noch schlechter leben ioürbe. Wir sagen nicht, daß er jetzt gut lebt, aber wir sagen, daß er sonst noch schlechter leben würde. Es ist also falsch, ivenn man die Lohnzahlung nach Marktwert des Lohnes als eine Art moralischen Unrechts hinstellt, als einen Riesenbetmg des Kapitalismus am arbeitenden Volle. Tie Forderung des vollen Arbeitsertrages ist ein logisch nicht haltbarer AiiSdruck für den einfachen und sehr berechtigten kaufmännischen Wunsch des Arbeiters, seine Leistung so teuer wie möglich zu verkaufen. Dantit fällt die Marxisnsche Begriffsbestimmung des Mehrwerts als der Tifferenz von Lohn und vollem Ertrag der persöiilichen Arbeit. ES bleibt aber doch elivas übrig, was Mehrwert zu heißen verdient, und was als Ursache der stetigen Kapltaloermehrung anzusehen ist."
Ycus --Lyrik.
Zu lyrischem Genüsse bedarf eS wahrer Feierstunden. Am empfänglichsten für gute Gaben auS dem reichen Geheimschatze unserer detitschcn Lyrik sind »vir wohl ziuneist in freier Natltr an linden Abenden. Dann ist uns oft ein zartes Gedicht der Erlöser eigener tiefster, verborgener, uns selber unbewußt gebliebener Empfindungen. Der erhabene Friede in der Natur, die Einsamkeit im stillen grünen Winkel, stimmt uns empfindsam, meid) und andächtig, reinigt unsere Seele von alltäglicher Nüchternheit und von dem niedrigen widrigen Staube der Wirklichkeit, feint unsere Sinne und läßt uns in manchem schlichten und unscheinbaren Bändchen Schönheiten besonderer Art entdecken, die wir im grellen Scheine des Tagslichtes gar leicht übersetzen.
An einem köstlichen Spätfrühlingsabend in einer matt erleuchteten, von letzten blühenden Syringenzwcigen um» dufteten Laube, neben der sich ein efeuumsponnener, halb verfallener Turtn aus deutscher Ordensritterzeit trutzig und finster emporreckte, während drunten im Tale die Fluten des Neckar leise oorüberranschten, fiel mir ein solches unscheinbares Büchlein m die Hände, das mir eines an Gemütsticfe reichen und trotz erschütternder Lebensschläge zu harmonisch geläuterter Weltfrcude durchgedrungcnen echten Dichters warme Grüße sandte. Dieses im äußeren sich höchst simpel gebende schmale Bändchen trägt die Aufsck)rift »Albert Kohl, Gedichte" und ist erschienen im Verlag für Literatur, Kunst und Musik in Leipzig. Gewiß ist cs nur eine kleine, sehr vorsichtig getroffene Auswahl unter der Zahl der Gedichte KohlL. Darum ist zunächst seine weise Selbstkritik und Selbst- bescheidung zu rühmen. Mit den Zeilen aber, die die etwa 90 Seiten seines Büchleins tragen, hat er uns vielfältiger beschenkt als mancher Roman- ober Tragüdiendichter. Und säst aus jeder Seite flackern Flämmchen und Flammen auf, die uns erwärmen, und einige sind eS, die uns erleuchten.
Die wohltuendste Wärme entquillt seinen der Heimat gewidmeten Gedichten (z. B. dem friedvoll andächtigen »In der Heimat" S. 24, ober dem frischen antiphiliströsen ^Daheim" S. 61). Für sein untrübliches Eheglück und zugleich für den
Dieser neue, nicht marxistische, sondern Naumannsche Mehrwert kommt nach Naumann auf folgende Weise zustande :
,TaS, waS Marx Mehrwert nennt, ist in unseren Augen ein Spannungsverhältnis zwischen dem Arbeiter als Lohnempfänger und als Warenkäufer, oder anders ausgesprochen: der Arbeiter steht zwischen zwei Preisbllbungssystemen, bem System der Arbeitspreise und dem der Warenpreise und beiden Systemen gegenüber ist er relativ schwach, man kann sagen: zu schwach. Er muß seine Arbeit billig vertäuten und muß die Ware teuer kaufen. Er kann im Kampf um den Lohn seinen Willen nur wenig zur Geltung bringen, da seine Zahl Legion ist, und da die Festsetzung unter Rechtssormen erfolgt, die er nicht gemacht bat, und er kann im Einkauf der Ware feine besonderen Bedingungen stellen, da und solange er als verstreuter Einzelner kaust. Tie Tatsche bet doppelten Schwäche des Arbeiters erhöht den kapitalistischen Gewinn. Ter kapitalistische Gewinn besteht in der Tifferenz des Herstellungspreises und des Verkaufspreises der Waren."
Naumann verwirft also den Gedanken, daß eine „absolute Lohnhöhe* vorhanden sei, auf deren Annahme die Marxistische Krisenlehre basierte. Er statuiert an ihrer Stelle die Tatsache der Spannungtziveite zwischen Lohnhöhe und Warenpreis.
,(S§ ist möglich," so führt er auS, „daß beide steigen, und daß doch die Spannungsweite größer wird. Es ist möglich, daß beide sinken und daß ebenfalls die Spannungsweite sich vergrößert. Es ist aber auch möglich, daß die eine Lmie steigt und die andere sich senkt, und daß in allen diesen Fällen die Spannung nicht größer, sondern kleiner wird. In diesem Falle gewinnt der Arbeiter an Lebensspielraum, im anderen gewinnt das Kapital."
Der Behauptung des Marxismus, daß die als dauernd angenommene Vergrößerung der Spannungsweite zur Katastrophe, zum Ende deS kapitalistischen Systems führe, tritt Naumann entgegen, indem er ausführt, daß der KapilalismuS folgende Möglichkeiten hat, eine Krisis, in die er geraten ist, nicht zur Katastrophe werden zu lassen:
,1. Er setzt die Warenpreise herab und vermehrt damit den Absatz und vermindert die zu groß gewordene Spannung. 2. Er vermindert seine Produktion und verzichtet damit zeitweilig auf kapitalistischen Gewinn. 3. Er erhöht die Löhne und hebt damit die Konsumkraft. 4. Er wirft sich mit neuer Energie nach außen."
ist also," so fahrt er fort, »nicht zu erwarten, daß wir oder unsere Kinder die Marx'sche Form des Gesellschastsunisturzes erleben. WaS wir aber erleben werden, ist, daß man die kaufmännische Eigenschaft b e 5 Lohnes immer allseitiger erkennen wird. Man wird auch innerhalb der kapitalistischen ßeitung genötigt Jein, die freie Handelsbewegung der Lohnhöhe als notivendiges Element der Gcsamtwirtschast anzuerkennen."
AIS Lebensgesetz der kapitalistischen Gegenwart verkündet Naumann daher die .Forderung absoluten Freihandels für den Lohn*. In dieser Forderung liegt „die größte denkbare Sicherheit des inneren Gleichgewichts der gegenwärtigen Gesellschaft.* Naumann kommt alsdann zu folgender volkswirtschaftlichen Fragestellung: »Wie groß muß das Lohnquantum sein, damit der kapitalistische Arbeitsprozeß sich ohne Absa tzstörungen entwickelt?" Diese Frage ist „nicht durch Akte der Gesetzgebung" zu lösen, sondern sie ist „eine rein kaufmännische Frage". Zu ihrer Lösung fordert er: „So gut das Kapital seine Direktoren hat, muß die Arbeit sich ihr Direttorialsystem schaffen, Großhändler in Arbeitskräften, die ebenso zur Arbeiter- klaffe gehören, wie die Bankdirektoren zur Klaffe der Kapi- talistem"
Den folgenden Hauptteil seines Werkes widmet Naumann einer Darstellung der Entwicklung deS Kapitalismus von dem chaotischen Getriebe der privatwirtschaftlichen Einzelkonkurrenz an bis zur Entfaltung eines in Syndikaten und Aktienunternehmungen die Produktion und Konsumtion unter Ausschluß der Konkurrenz regelnden, höchst komplizierten Sozialkapitalis- muS. Durch diese Entwicklung ist nach seiner Auffaffung
diejenige soziale Forderung, welche die soziale Demokratie als Zukunftsproblem aufstcllte, nämlich die „Ueberwindung der Einzelwirtschaften durch eine Gcsamtwirtschast* erfüllt, und zwar durch die jetzigen „aristokratischen* Träger der Wirtschaftßentwicklung selbst. Zu lösen bleibt nach seiner Ansicht nichts weiter als die weitere soziale Forderung:
.Die H e b e r f ü b v u n g der jetzigen Gesa >nlwirisch a f t in Besitz und Leitung aller Beteiligte n." Dieser „Sozialismus" ist, wie Nauu-ann ausführt, .feine reine toeqenbeiuegung gegen die GegemvarlZivirtichaJt als solche mehr, sondern em Kampf um Macht und Einfluß der Besitzlosen in dieser Wirtschaftswelt, die allseitig dem Ziele der Bereinheit- lichuug z u ft r e b t." Tie Arbeiter „verlangen an dem System des Kapitalismus als Mitorgamsatoren und Mitbesitzer teilzuhabeu. Ihr Sozialismus ist eine UmgestaltungStendcnz innerhalb deS Kapitalismus."
Der Kampf entbrennt deshalb mit solcher Heftigkeit, weil die neue Wirtschaft sich eine der Neuzeit entsprechende „Industrie Verfassung* noch nicht geschaffen hat. Kapital liSmiis ist nach Naumann nichts anderes als „die aristokratische Aiiffaffimg desselben Wirtschaftslebens, dessen demokratische Auffassung Sozialismus heißt." Als die 91 uf- gäbe des „neuen Liberalismus" bezeichnet es Naumann, „die sich streitenden Einzelintereffen in den Gedanken einer gemeinsamen vorwärts schreitenden neu deutschen Kultur einzuordnen."
.Diese Kultur muß eine Methode der Mitbeteiligung aller au Leitung und Erttag der Produktion zum Ziele haben. Das ist neuer Liberalismus, ebenso wie die Beteiligung aller am Staat das Ziel des älteren rem volitischcn Liberalismus war."
Wir haben den Grundgedanken der Naumannschen Schrift möglichst in seinen eigenen Worten aus seinem umfassenden Werke herausgelöst, um so klar als möglich das, was Naumann will, in die Erscheinung treten zu lassen. An dem System der kapitalistischen Zins- und Rentenwirtschaft will Naumann nichts geändert wissen, sondern er will allein die organisierte Arbeiterschaft als mitbestimmend en Faktor in das herrschende kapitalistische System, dessen entschiedenster Verteidiger er ist, eingegliedert sehen. Die gegenwärtigen Lohn- und Tarifkämpfe lehren, wie unendlich weit wir von einer solchen Lösung der sozialen Frage noch entfernt sind. Voraussichtlich wird Pfarrer Naumann mit wenigen, gleichstrebenden, wackeren und großzügig denkenden Jdeallisten noch auf lange Zeit hinaus einsam bleiben und die Erfüllung seiner Forderung schwerlich erleben. Wir begnügen uns damit, wie schon eingangs betont, ohne seine wirtschaftlichen Entwicklungsideen einer kritischen Zergliederung zu unterziehen, seine Anschauung, die jedenfalls als bemerkenswerte Zeiterscheinung Beachtung verdient, objektiv bekanntzugeben und zu überlassen es jedem einzelnen, sich seine eigene Meinung über das hier vorgetragene neudeutsche Wirtschaftssystem zu bilden.
polUifcfcc Tagesschau.
Der Termin der zweiten Friedenskonferenz
im Haag steht zwar noch nicht fest, aber Holland hat die durch die Konferenz für seinen Teil entstehenden Kosten bereits kreditweise bewilligt. Man gewinnt aus den Verhandlungen der holländischen Parlamente den Eindruck, baß bic Bewilligung hauptsächlich erfolgte, weil bie Versagung eine Unhöflich- feit wäre. Die Erwartungen praktischer Erfolge der Friedenskonferenz und des internationalen SchiedSgerichtShofs
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Kummer seiner kinderlos gewordenen Ehe findet er in ergreifend schönen Strophen „Am Hochzeitstag" warmen und wehseligen Ausdruck. Inniges Mitleiben ist eine seiner vorzüglichsten Eigenschaften. Ich setze ein paar kurze Verse hierher:
Am Wege.
Du träumtest von Gold und Seide Und raufcheudem Lorbeer einst. Nun stehst du im Bettlerkleide Müde am Wege und weinst.
Es stürzen Himmel zusammen
Ach über dem frömmsten Haupt. Wer will dich Arme verdammen, Daß du zu tief geglaubt.
Welche edle Einfalt und welche Tiefe der Empfindung! Im ganzen Buche findet man nichts Gesuchtes uu Ausdruck. Jedes seiner schlichten Worte hat er durch sein Inneres gehen lassen, ehe er es als erklärendes, vertiefendes, schmückendes Attribut den Substantiven beisetzte. Mit weichen Fingern und zarten Seidenfäden spinnt er uns in seine ruhige, beruhigte Welt ein, und wir verharren gebannt, bis er uns ihr letztes, von Güte und Feinsinn durchleuchtetes Winkelchen gezeigt hat.
Von Albert Kohl, einem Redakteur an der „Nordhäuser Zeitung", dürfen wir wohl noch manche auserlesene Gedichtsammlung erwarten, die uns erfreuen und erheben wird. —
Nicht gewöhnliche Begabung zeigen auch die unter dem Sammelnamen „Iris" bei Egon Fletschet u. Co. in Berlin W. 35 erschienenen Gedichte von Ilse Franke, einer Tochter der bekannten Nomanschriftstellerin Gertrud Franke-Schievelbein. Die Absicht der Dichterin erfahren wir aus den Versen, mit der bic Sammlung eingeleitet wird:
Der Bogen, der den Himmel überspannt,
Wenn über nassem Laub die Sonne flimmert, Der Tau, der bunt fällt auS des Morgens Hand Und in dem Kelch der blauen Lilie schimmert, Ein Menschenauge, braus der Seele Licht In einem kindlich reinen Lächeln spricht, Sie alle spiegeln Gottes Liebe wieder, Und ihren Abglanz suchen meine Lieder.
Die sprachliche Begabung dec jungen Dichterin ist nicht
gering, aber im Gegensatz zu Kohl begegnen wir hier zuweilen einem gierigen Suchen auf ungangbaren Wegen nach neuen Bildern. Ich habe auch noch nie einen Vogel „heiß seine Lieder schluchzen" hören, und ivenn ein „lauer Schauer aus bem Gras steigt", bann finbc ich ba§ ebenso wenig schön gesagt, als wenn sie gar so „a"-freubig schilbert: „Die Sonne lastet mit blaffen Strahlen auf bem Schnee", ober wenn „bie Güte ihres Blicks lächelt in bie Walbesträume", ober wenn endlich eine „Sternlose Nacht" sie zu folgenden Verjen verhärtet:
.Brotduft dampft der karge Rogge»!, Tannenatem schickt die Ferne, In den Binsen klagen Poggen, Ach, e5 schlafen meine Sterne."
Daneben aber entdeckt sie doch auch manches neue, rasch geschaute Naturbild, daS sie mit ein paar kurzen, scharfen Strichen kraftvoll und eigentümlich anschaultch hinzuwerfen versteht. Und an anderen Stellen wieder offenbart sich eine starke, unfrömmlerisch echte Frömmigkeit. Die beiden Schluß- Gedichte seien hier roiebergegeben:
Ein Frieden, der von Stürmen weiß . . . Siziliane.
Ein Friedeu, der von künft'gen Stürmen weiß, Hält abendschön das fülle Meer umschlossen, Ein Frieden, der von füuft’gen Stürmen weiß, Hat sich m unser beider Herz ergossen.
Ein Frieden, der von künft'gen Stürmen weiß, Ate bang, wie süß, wie schnell ist er genossen. Ein Frieden, der von lünst'gen Stürmen weiß, Ter leuchtet nod), auch wenn er lang verflossen.
Und Gott sprach:
Mein Kind, ich bin bei dir Und reiche dir bie Hand. Ergreife sie, wir sind so lief verwandt. Biel tiefer wie der Gatte seinem Weibe, Wie dem das Kind, das wird im Mutterleibe, Viel tiefer wie das Blatt dem Baurn, Biel tiefer wie der Schlaf bem Traum, Viel tiefer wie der Wem den Reben, Biel tiefer wie der Tob dem Leben, So tief, mein Kind, wie meine Liebe ist, Tte niemand denkt unb glaubt und wägt und mißt. So tief sind wir verwandt.


