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21/07/1906 Erstes Blatt
 
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edler Sitte erzählt dasNew Monthly Magazine", daß Lord Beaconsfield zu sagen pflegte, er habe viele Menschen gekannt, die sich ihren Weg durchs Leben weit rascher und besser durch gute Manieren als durch Intelligenz gebahnt haben. Ost ist der Mangel! au Höflichkeit auf große Eile zurückzuführeu. Ter berühiute engL! Schauspieler Fred Leslie befand sich in einer Bahnhofshalle, als ein Mann in größter Eile aus ihn zustürzte und fragte:Sie^ sagen Sie mal, wo steht der Zug nach Waterloo?* Es standen' mehrere Züge zur Abfahrt bereit. Der Schauspieler, den der, unhöfliche Ton des Fragenden ärgerte, zeigte auf den aus dein! ersten Bahnsteig stehende,: Zug und sagte:Dieser Zug" Er sprach die Worte reckt langsam und sckien fortfahren zu wollen, aber der andere war bereits in ein Kupee gesprungen und der Zug ging ab.Wenn er," so erzählte später der Schauspieler, sich wcnigsteus die Zeit genommen hätte, einDanke schön" zu sagen, hätte ich den angeiangenen Saß noch vollenden können und ich hätte dann gesagt: Dieser Zug gebt nicht nach Waterloo. Aber wir wollen hassen, daß er in ein Land gekommen ist, roo man ihm Höflichkeit beibringt/' Der Bersasser des Artikels er* wähnt auch den Fall zweier Kaufleute, die beide aus den Gedanken gefotmnen waren, dem Publikum mitzuteilen, daß das Geschäft noch andere als die ausgestellten Waren enthalte. Der eine ließ nachstehendes Plakat ins Sckausenster hängen:Wenn Sie nicht die Waren sehen, die Sie wünschen, so haben Sie die Güte zu. fragen, und Sie werden sofort bedient werden." Und der erstere Händler wußte sich nicht zu erklären, weshalb das kaufende Publiklun weit lieber zu seinem Konkurrenten ging, als zu ihm. Bei den letzten englischen Parlamentswahlen kam ein Kandidat in die Wohnung eines Wählers, um ihn um seine Stimme zu- bitten und ihn aus Dankbarkeit seiner Hochachtung zu versichern. Der Wähler aber erwiderte frei und offen :Ich glaube, daß bet Gegner größere Hochachtung für mich hat, denn er säubert sich, bevor er ins Zimmer tritt, an der Tür seine Stiesel." Der Herzog von Wellington erwiderte einem Freunde, der ihn kragte, weshalb er aus der Straße vor allen Leuten, die ihn grüßten, den Hut ziehe:Ja, glauben Sie denn, daß ich jeden beliebigen Menschen gestatten würde, höflicher und besser erzogen zu sein, als ich es bin?"

Universitäts-Nachrichten.

Berlin, 20. Juli. Als Nachkolger des verstorbenen Prof. Hirschberg ist Prof. Silbergleick, Direktor des statistischen Amtes Schöneberg, früher in Magdeburg, vom Magistrat zum Direktor des Statistischen Amtes der Stadt Berlin gewählt worden.

Gerichtssaal.

Hannover, 20. Juli. Tas Kriegsgericht der 20. Division verurteilte den Musketier Arnold vom Jnkanterie-Regiment Nr. 85 wegen fortgesetzter Fahnenflucht und anderer Vergehen zu 7 Jahren Zuchthaus und Versetzung in die 2. Klasse des Soldatenstandes.

eng den ^Ißniifeomlerecifiern 6er Stkdt Gießen.

Aufgebote.

Juli: 13. Friedrich Neuling, Lackierer dahier, mit Elisabeth« Marie Luise Hermine Siinon Hierselbst; Friedrick Wagner, Buchhalter in Lich, mit Luise Waag dahier; 14. Gottlieb Räuber, Eisenbahn-Gütervorsteher in Frankfurt a. M.-Sachsenhausen, mit Helene Stephani) dahier; 17. Christian Reibeling, Bureauvorsteher dahier, mit Elise Stemmler Hierselbst; Heinrich Lehrmund, Schlosser dahier, mit Eva Hamm Hierselbst; Heinrich Jodt, Maschinenarbeiter dahier, mit Elisabethe Revv Hierselbst; 18. Heinrich Müller, Taglöhner dahier, mit Karoline Müller Hierselbst; Philipp Brück, Fabrikarbeiter dahier, mit Marie Kloos in Hausen ; Heinrich Nau, Schuhmacher dahier, mit Anna Elisabeth Jakob in Kassel; Einil Hinneburg, Sergeant dahier, mit Elise Roth in Mamz; 19. Wilhelm Weigel, Schlosser dahier, mit Wilhelmine Berg Hierselbst.

Ebcschlrcßnngen.

Juli: 14. Wilhelm Luch, Schlosser dahier, mit Marie Elise Schmidt Hierselbst; Robert Mainzer, Eisendreher dahier, mit Mathilde Körbächer Hierselbst; Julius Folsing, Postverwalter in Groß-Felda, mit Karoline Kreiß dahier; 18. Johann Baptist Schurgens, Referendar in Bingen, mit Wilhelmine Helene Müller dahier; 19. Georg Bickelhaupt, Bauausseher-Aspirant dahier, mit Emma Konrad Hierselbst.

Geborene.

Juli: 10. dem Glaser Richard Müller ein Sohu, Richard Adalbert: dem Fuhrmann Karl Schmidt eine Tochter; 11. dem Taglöhner Ludwig Henkel ein Sohn, Walter; dem Schlosser Johannes Roth TI ein Sohn, Walter Wilhelm; 12. dem Güter» Vorsteher Friedrich Wilhelm Wiegand ein Sohn, Friedrich Karl Paul; dem Glaser Wilhelm Taubert eine Tochter. Karoline Wilhelmine Johanna; 13. dein Bizefeldwebel Karl Gauß eine Tochter, Elia Katharina; 14. dem Schußmann Wilhelm Wöll ein Sohn, Wilhelm; dem Schuhmacker Adam Döbus eine Tochter, Marie Katharina Luise; 15. dein Meßger Moriß Rosenbauin eine Tochter, Rudolfine; 16. dem Lithographen Justus Christ ein Sohn, Karl; dem Hilsswagcnwärter Wilhelm Hahn eine Tochter, Anna Marie; 17. bem Bergmann Ludwig Schardt ein Sohn; dein Hutmachermeister Rudolf Richter ein Sohn.

Gestorbene.

Juli: 13. Georg Mar Weißbäcker, 6 Monate alt, Sohn des Elektrotechnikers Mar Weißbäcker dahier ; 14. Emma Rohr, 37 Jahre alt, Tiakonic-Schwesier in Elberfeld.

Absicht, ein hessisches Schulmuseum zu errichten, in dem alles zu vereinigen sein würde, was an Material für die Geschichte be§ UnterrichtSmesens in Hessen ausfindig gemacht und er­reicht werden kann. Ehe zur Verwirklichung dieser Absicht weitere Schritte geschehen, soll durch die Kreisämter festgcsteNt werden, welche Schulbücher, Lehrmittel itnb sonstige für die Schulgeschichte bedeutsame Gegenstände aus der Zeit vor 1830 etwa in den Schulinventaren vorhanden sind.

* Leichtsinniges Fahren. Das Großh. Polizei­amt manit heute in einer Bekanntmachung vor den oft beob­achteten Uebertretnngen der jugendlichen Fahrburschen, der Bäcker und Meßger ?c., durch die in den schmalen Straßen der Stadt Menschen und Eigentum gefährdet werden. Erst kürzlich wurde ein Kind armer Eltern schwer verleßt und zwar dadurch, daß c§ ein Bursche auf dem Wagen mitfahren und sodann die Zügel halten ließ, wobei das Kind vom Wagen fiel und überfahren wurde. Es geht deshalb die Mahnung an alle, die derartige Fahrluirschen besißen, diese darauf hinzuweisen, daß solche Vorfälle * traf bar sind. Die Besitzer selbst können zivilrechtlich verantwortlich für den von ihren Angestellten verursachten Schaden gemacht werden.

Höchste Wahlbegeisterung. In einem Dorfe Oberhesiens hatte die Frau eines Bürgermeisterkandidaten im Eifer der Wahlschlacht vergessen, den Schweinen tagsüber Futter zu geben. Ihrem Eifer mag es wohl mit zu ver­danken gewesen sein, daß die Wahl mit einem glänzenden Siege ihres Herrn Gemahls endete. Als nun aber die Vier­füßler abends, von Hunger gequält, mit lautem Grunzen an der Tür hinaufsprangen, ergriff die neugebackene Dorfregentin wütend ob solcher Dreistigkeit den stumpfen Besen und schlug mit den Worten:Ihr Mißgewänder, macht r so koan Radau, meßt ihr näit, daß auer Herr, ise Scann ihr Voatter, Borgemaoster roonn e§?' schlug sie in berechtigter Entrüstung auf die Unbotmäßigen ein.

* Neuetablierungen imHündwerk n ix b eifter- titel. Im Hinblick auf die zahlreicher stattfindenden Neu­etablierungen von Handwerker:: erscheint es angebracht, auf die Vorschriften der Gewerbeordnung binsicktlich der Berechtigung zur Führung des Meistertitels hinzuweisen. Bei einem Teil der Hand­werker ist die Meinung vertreten, die Beilegung des Meistertitels in Verbindung mit der Bezeichnung eii:e§ Handwerks sei jedem von: Tage seiner Selbständigkeit ohne weiteres gestattet; dem ist aber nicht so. Ter Meistertitel ist gesetzlich geschützt, d. h. die Be­rechtigung zur Führung dieses Titels ist erst nach bestandener Meisterprüfung erlaubt. Es ist also jedem Haudwerker zu em­pfehlen, sich vor seiner Etablierung der Prüfung gu unterziehen. Tie unberechtigte Führung des Meistertitels wird mit Geldstrafe bis zu 150 Mk. ober im Unvermögensfalle mit Haft bis zu vier Wochen bestraft, lieber die näheren Bestimmungen der Zulassung zur Meisterprüfung, über die Befugnisse zur Führung des Meister­titels usw. erteilt die Handwerkskammer zu Darmstadt jederzeit nähere Auskunft. Die Anmeldung zur Prüfung ist von ben Prüf­lingen aus Oberhessen an Baumeister L. Traber zu Gießen, Wall­torstraße 77, zu richten.

* D i e b e v o r st e h s n b e n S t e r n s ck n n p p e n s ä l l e. Wiederum nähert sich der Teil des Jahres, in dem die Stern- schnuppenfälle sich häufen und ihren Höhepunkt erreichei:. Tie Meteore sind in: ersten Teil des Jahres im allgemeinen selten, und in den Monaten Mai und Juni ist das Dämmerlicht so stark, daß es alle schwächeren Sternschnuppen überdeckt und nur die be­sonders stark leuchtenden Meteore sichtbar werden läßt. Aber schon in: Juli werden, obgleich der Nachthimmel auch noch recht hell ist, diese Himmelserschein:n:gen häufiger und glänzender; besonders in der letzten Woche diese? Monats. Ihn jene Zeit erscheinen durchschnittlich dreimal so viele Sternschnuppen am Himmel wie in gewöhnlichen Nächten des Frühjahrs und Mittsommers. Tie ersten, die den Reigen der Sternschnuppenfälle eröffnen, find die sogenannten Aguariden in den Tagen vom 27. bis 31. Juli, die daher ihren Namen haben, weil sic von einem Hiinmelspunkt im Sternbild des Wassermanns (Aquarius) auSzugehen scheinen. Das Schauspiel ist aber nicht auf diese kurze Zeit beschränkt, sondern verteilt sich in geringerer Entwickelung auf mehr als einen ganzen Monat, von: Ende Juli bis zum Ende August. Tie noch be­kannteren Meteore aus der Gruppe der Perseiden, die aus dem Sternbilde des Perseus kommen, erreichen bei: Höhepunkt ihrer Häufigkeit und ihres Glanzes in der zweiten Augustwoche, ©ie heißen in: Volke vielfachTie Tränen des heiligen Laurentius" und find von Wilb. Jordan in einem schönen kosmischen Gedichte besungen worden.

(X) Klein-Linden, 20. Juli. Nette Familien- z u st an be scheinen in Bernharbshausen in einer noch nicht lange bort wohnenden Familie zu herrschen. Als derzärt­liche^ Gatte eines Abends von einen: Feste aus einem Nach­barorte heimkehrte, entstand ein Spektakel, auf mehrere Ne - volverschüsse folgte lautes Schreien, und die Gattin flüchtete notdürftig gekleidet in ein Nachbarhaus.

Bad-Nauheim, 20. Juli. Bis zum 19. Juli sind 18 0 5 5 Kurg 5 ste angekommen, wovon an genannten: Tage noch 6399 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 19. Juli 219 329 abgegeben.

a Lauterbach, 20. Juli. Gestern fand in: hiesigen Burgschloß die Verlobung des Freifräulein Katho v. Ried- esel, Tochter des Großh. Oberstallmeistcrs Moritz v. Nied- e f e (, mit dem Grafen Wilhelm v. Schlitz genannt v. Görtz statt. Bei der Festlichkeit konzertierte die Kapelle des Dra­goner-Regiments Nr. 23, bei dem Graf Wilhelm zurzeit als Offizier steht. Graf Wilhelm ist Pate des Kaisers.

Darmstadt, 20. Juli. Jh. Großh. Hoh. Prinzessin Ludwig vonRattenberg begibt sich aus mehrere Wochen nach Rußland und ist heute nach Jlinskoe abgereist.

sDarmst. Ztg.)

Frankfurt a. M., 20. Juli. In einer dieser Tage hier abgehaltenen Versammlung des kürzlich gegründeten Arbeitgeberverbandes in der Untermaingegend wurde, wie die Südd. TabakSztg.* mitteilt, festqestellt, daß die kürzlich in Frankfurter Blättern verbreitete Notiz, es hätten in und bei Hanau in den meisten Fabriken der Tabakbranche Lohn­erhöhungen stattgefunden, unrichtig sei.

fc. Kassel, 17. Juli. Der ehemalige Ordonnanz- Unteroffizier beim Grafen Neipperg, welch' letzterer am 14. Juli 1866 die Niederlage bei Aschaffenburg erlitt, H. Kersten von hier, nahm am 14. und 15. Juli ds. IS. an der 40jährigen Gedächtnisfeier in Laufach-Frohn­hofen teil. Kersten wurde damals in der Nähe des Oester- reicher-Denkmals verwundet und trägt seit 40 Ja hre n das feindliche Geschoß im Unterleibe bei sich. Versuche zur Entfernung der Kugel mißlangen.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbar st aaten. Bürgermeister Kuhr aus Burg hat bie auf ihn gefallene Wahl zum besoldeten Stadtrat in Frankfurt a b g e l e h n t und sich für Annahme der Bürgermeisterstelle in Pankow bei Berlin entschieden.

Vermischtes.

* Das schwere Unwetter ber vorigen Nacht hat infolge zahlreicher Blitzschläge beträchtlichen Schaden in der Gegend von Gießen verursacht. In Grebenhain schlug der Blitz in die Hosreite der Gastwirtschaft Ruhl Witwe; ein Pferd wurde im Stall getötet.. In Herchenhain wurde eine Hosreite schwer beschädigt. Heftige Regenmassen gingen nieder und überfluteten die niederen Wiesentäler. In Wahlen bei Marburg ^schlug der Blitz in die Oekonomiegebäude des Landwirts Specht. Das Viel; konnte bis auf eine Kuh, die in den Flammen umkam, gerettet werden. In Salchendorf im Sieger­lande wurden zwei Kühe und ein Schaf durch den Blitz getötet. Diese Gewitterstürme haben aber nicht nur in unserer Gegend, sondern in fast ganz West- und Nvrddeutschland großen Schaden ongerichtet. Durch Blitz­schlag wurden viele Gebäude und Anlvesen eingeäschert. Auch mehrere Personen wurden getötet. Es liegen uns Nachrichten aus Holstein, der Hamburger Gegend, Sachsen und Westpreußen vor. In Seedorf (Herzogtum Lauenburg) stürzte infolge des Gewitters ein Neubau ein. Ter Bauunternehmer wurde getötet, zwei Arbeiter schwer und mehrere andere leicht verwundet. Hauptmann von Holtzendorf vom 27. Infanterieregiment in Halber­stadt wurde auf dem Uebungsplatz Altengrabow bei Halle durch einen Blitzstrahl getötet.

* Attentat im Eisenbahnzuge. In dem Zuge, der an: Freitag nachmittag 4 Uhr die Station Klampen­borg bei Kopenhagen verließ, verübte ein junger Mann in einem Wagen erster Klasse ein Revolverattentat gegen zwei Paffagiere, bie in demselben saßen, den Geh. Etatsrat Noergaard und den EtatSrat Lyugbye aus Kopenhagen. Nachdem er versucht hatte, von den beiden mit dem Revolver Geld zu erpressen, gab er, als diese die Notbremse ziehen wollten, fünf Revolverschüsse auf sie ab und verwundete einen an der Schulter, der zweite erhielt einen Streifschuß. Darauf sprang der Attentäter aus den: in voller Fahrt be­findlichen Zuge und wurde bald darauf, als er versuchte, den Festungsgraben von Charlottenlund-Fjord zu durch­schwimmen, verhaftet. Bei dem Polizeiverhör gab der Verhaftete an, daß er Hans Hardenstein heiße unb in Neu­münster in: Jahre 1890 geboren sei, wo sein Vater eine Wollwarenfabrik besitze. Er habe sich auf einer Fericnreise befunben, sei am 16. Juli in Kopenhagen cingetroffcn unb wollte, da ihm seine Geldmittel ausgegangen waren, solche durch Bedrohung mit den: Revolver erpressen.

* Vom Vorleser zum Botschafter. A. Gerard, der französische Gesandte in Brüssel wird, wie aus Paris berichtet wird, demnächst einen Botschafterposten erhalten, wahrscheinlich den in Tokio. Gerard war Vorleser der Kaiserin Augusta, der Gemahlin Kaiser Wilhelms I., den die Kaiserin wenige Jahre nach dem Kriege in ihre Nähe berief und der das Vertrauen, das sie ihm entgegenbrachte, in einer wenig ritterlichen Weise lohnte. Ungeheures Auf­sehen riefen dieBriefe über die Berliner Gesellschaft" hervor, die, nachdem $erarb Berlin verlassen hatte, in der deutschfeindlichen , Nouvelle Revue" erschienen, die Ma­dame Juliette Adam, die Freundin Gambettas, herausgab. Später erschienen die. Briese auch als ein Buch, das in Deutschland wohl noch heutigen Tages verboten ist.

* Präsident ber Republik und Wein- Händler. Armand Falliöres, das französische Staats­oberhaupt, ist mit Gemahlin. Dock;ter usw. zum Sommer­aufenthalte nach dem Schlosse Rambouillet übergesiedelt. Man weiß, daß Falliöres auch ein eigenes Landgut, aller­dings bescheideneren Stiles, besitzt. Lupillon im Departe­ment Tarn und Garonne. Es ist ein Rebengut, und der in Lupillon erzeugte Wein erfreut sich eines guten Rufes. Er hat auch in Paris sein Absatzgebiet, und der Agent, der mit seinem Verkaufe betraut ist, versäumt es nicht, durch besondere Reklame auf den Ursprung des Weines hinzu­weisen. Man kann ihn in zwei Sorten beziehen; die rote, gewöhnlichere ist in Literstaschen schon für 75 Centimes erhältlich, der bessere weiße kostet dagegen 1 Frank und 50 Centimes. Seitdem Falliöres Präsiden^ ist, mache:: sich auch die eleganteren Pariser Restaurants ein Vergnügen und eine Ehre daraus, Wein ans Lupillon ihren Gästen vorzusetzen, und Falliöres, als ein guter Geschäftsmann und sorgsamer Familienvater, hat nichts dagegen einzu­wenden, daß sein Name babei als Aushängeschild benutzt wird.

* Ein teurer königlicher Ga ft. Sisowatb I., König von Kambodscha, hat nach einem Aufent­halte von mehreren Wochen Paris verlassen, wo er der Gegenstand ununterbrochener Feste war. Die Republik hatte wohl ein politisches Jnteresfe daran, dem erotischen Herrscher das Leben in den Mauern der französischen Hauptstadt angenehm zu gestalten. Nur in einer Hinsicht hat sie sich dabei, wie aus Paris berichtet wird, gründlich verrechnet: nämlich im Geldpunkte. Ursprünglich war die Summe von 250000000 Franks für die Ausnahme des Königs ausgesetzt worden. Bald mußte man sie verdoppeln. Jetzt aber stellt es sich heraus, daß die Ausgaben für ihn rund eine Million erreichen.

* Der reichste Jockey der Welt. Es ist oft er­zählt worden, welche ungeheuren Summen auf allen Renn­plätzen in Umsatz gelangen. Nirgends rollt das Geld schneller, wird leichter gewonnen und auch leichter wieder ausgegeben. Ein tüchtiger Jockcn könnte es heutzutage, wenn er das Sparen versteht, wohl zum Millionär bringen. Tie größten Einnahmen von allen lebenden berufsmäßigen Rennreiteri: hat ohne Zweifel der hauptsächlich in Paris tätige Jockey Stern, der berühmteste aller lebenden Jockeys. Er steht im Dienste von Edmond Blanc, dem Spielpächter von Monte Carlo. Von Blanc bezieht Stern ein festes Jahresgehalt von 60 000 Franks. Er hat aber von seinem Herrn die Erlaubnis, in solchen Rennen, an denen dessen Pferde nicht beteiligt sind, für Maurice Ephrussi zu reiten, den ebenfalls millionenschweren Schwiegersohn des verstorbenen Barons Alfons Rothschild, und erhält dafür ein Jahresfixum von 20 000 Franks. Diese beiden Summen bilden aber gewissermaßen nur den Grundstock seiner Revenuen. Denn zu ihnen kommen noch die Honorare für jeden errungene:: Sieg, von denen sich das einzelne stets auf mehrere tausend Franks zu belaufen Pflegt, kommen ferner kostbare Geschenke und vor allem sehr lukra­tive Extratouren nach dem Auslande. Erhielt doch Stern im vorigen Jahre im Wiener großen Preise das hübsche Sümmchen von 17 000 Franks für einen einzigen Ritt von wenigen Minuten. Er war damals 21 Jahre alt! Man greift nicht zu hoch, wenn man sein jetziges Einkommen auf jährlich 200 000 Franks bewertet - also etwa auf das fünf* bis sechsfache eines europäischen Ministergehaltes^

* Gute Manieren kann man -in England lerne n. In einem Artikel über die soziale Bedeutung von Anstand und

Telefomsche Kursberichte

des Giessener Anzeigers, mitseteilt von der Bank für Handel und Industrie. Giessen.

Frnnk fnrter Börse. 21. Juli. 1.15 Uhr.

3^®/# Reichsanleihe . . 99.45 3% do. . . 87.80 3 X 6/0 Konsols .... 99.50 3 % do. . . . 87 85

3K°/o Hessen 98.25 3%6/n Oberhessen . . .. 4 <>6 Oesterr. Goldrente. . 100.70 4/R Oesterr. Silberrente 100.40 4 % Ungar. Goldrente . . 95.70 4% Italien. Rente . . . 103.70 3?o Portugiesen Serie I . 70.00 3% Portugiesen III 7050 4J4°' russ.Staatsanl. 1905 86.80 4>£0/n japan. Staatsanleihe 94.85 4 % Conv. Türken von 1903 95 50 Türkenlose 145 80 4% Griecb. 3IonopoI-Anl. 53.60 4% äussere Argentinier . 90.30 3°/n Mexikaner ..... 4 °/0 Chinesen .... 98.60

Aktien:

Bochum Guss 239.70 Buderus E. W . ... 123.00

Elektriz. Lahmeyer . . 141.50

Elektriz. Schnckert . . . 125.60 Eschweiler Bergwerk . 251.10 Gelsenkirchen Bergwerk . 218.40 Hamburg - Amerik. Paketf. 154 25 Harpener Bergwerk . . . 205 80 Lanrahütte 227.00 Nordd. Lloyd .... 123.40 Oberschles. Eisen-Industrie 125.50

Berliner Handelsges . 166.80 Darmstädter Bank . . . 138.20 Deutsche Bank . . 234.70 Deutsch-Asiat. Bank . . 175.70 Diskonto-Kommandit. . . 181.20 Dresdner Bank . . . 155.60 Kreditaktien 208.70 Baltimore- und Ohio-

Eisenlahn . . . 116.10

Gotthardbahn.

Lombard. Eisenbahn . . 33.10 Oesterr. Staatsbahn . . . 143.70 Prince-Henri-Eisenbahn . 145.00

Tendenz : fester.

Berliner Börse, 21. Juli. Anfano-sknrse.

Canada E. B 158.40

Darmstädter Bank . . . 137.60 Deutsche Bank .... 234.90 Dortmunder-Union C. . . 83.80 Dresdner Bank .... 156.20 Tendenz: fest.

Harpener Bergwerk. . . 2^6.30

Lanrahütte .... 229.00

Lombarden E. B. ... 33.

Nordd. Lloyd 123.20

Türkenlose . .... 145.70

in der Entwicklung oder beim Lernen zurückbleibende Kinder, sowie blnt- arme, sich mattsühlcnde und nervöse überarbeitete, leicht erreg­bare, frühzeitig erschöpfte Erwachsene gebrauchen als Kräftigungs­mittel mit großen: Erfolg Dr. Hommcl'6 Hacmatogcn.

Der Appetit erwacht, die geistigen und körperlichen Kräfte werden rasch gehoben, das Gesamt-Ncrveushstcm gestärkt.

Man verlange jedoch ausdrücklich das echte ,,Dr. Hommel'S" Hacmatogen und lasse sich keine der vielen Nachahmungen auf- reden.