Ausgabe 
20.3.1906 Zweites Blatt
 
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febt Halle, über diese. ES ist eine Entwickelung von vielen Jahrtausenden, die nicht überall gleichzeitig vor sich ging, lind Geschichte und Ueberlieserung lassen un§ über diese erste EntwickelungSperiodc der Menschheit völlig im Dunkeln, da die Aufzeichnung der Geschichte deS Menschengeschlechts erst da einsetzen konnte, als es eine gewisse Kulturstufe erreicht hatte. Es ist die Aufgabe der historischen Geologie, über das Dunkel der prähistorischen Zeit Aufklärung zu verschaffen und zahlreiche Gelehrte bemühen sich, der Lösung dieses großen Problems näher zu kommen. Der Redner erörterte, an ein­zelne Funden anknüpfend, die bis jetzt erzielten Forschungs­ergebnisse, die mit Sicherheit erkennen lassen, das; die ersten Menschen zwischen den beiden letzten Eiszeiten der Diluvial­zeit in Europa gelebt haben, und schilderte die Verwendung der Metalle in ihrem einfachen, im wesentlichen der Jagd und dem Kriege gewidmeten Leben. Namentlich die frühe Ver­wendung von Kupfer, Bronze und Eisen fand eingehende Würdigung. Zahlreiche Lichtbilder veranschaulichten den mit Beifall aufgenommenen Vortrag.

Der Wasser st and von Lahn und Wies eck ist immer noch sehr hoch und and) auS der ganzen Umgegend werden hohe Wasserstände und Vorliegcn von Hochwasier- gefahr gemeldet. Die jLahn ist zwischen Gießen, Wetzlar und Heuchelheim im Begriff, über ihre Ufer zu treten, stellen­weise stehen die Wiesen unter Wasser. Der Lückenbach überschwelnmt bei Leihgestern und Großen-Linden das Wiesen­tal. Alle Flüßchen des Vogclshergs führen Hochwasser und sind bereits anSgetrcten. Lumda und Ohm sind wieder über die Ufer getreten, und in der Wetterau stehen bei Offenheim, Ilbenstadt, Klein-Karben und Vilbel lieber-« schwemmungen bevor. Aus Frankfurt wird gemeldet, daß der Main wieder stark steigt. Von Kassel werden Ueberflutungen der Niederungen vom Oberlaufe der Fulda, Werra und Eder gemeldet, und auch Rhein und Mosel führen erneut Hochwasser. Die Niederungen sind überschwemmt. In, Moseltal entsteht großen Schaden.

** Aus dem Bureau des Stadttheaters. Be­sonders sei ans die 12. und letzte Volksvorstellung hin- gewicsen, die morgen Mittwoch, 21. März, Kleist'sPrinz von Hamburg" bringt. Ta diese Aufführung beä'Prinzen von Homburg" zugleich die letzte ist und die Darstellung unseres Ensembles als wohl abgerundet anerkannt ist, so dürfte die Vorstellung große Anzielnmgskraft ausüben. Arn Freitag gelangt als W e n e f i z v v r ft c l l u n g für Regisseur Georg Witt mann, L'Arronges Dr. Klaus zur Ausführung. Das Werk gehört zu den beliebtesten Repertoirestücken aller Bühnen und unser Publikum wird zweifellos Herrn Wittmann, bent e« manche stimmungsvolle Inszenierung in dieser Spielzeit zu ver­danken hat, seinen Dank durch zahlreiches Erscheinen aussprechen, umsomehr als der Dcnesiziant in der Rolle des Dr. Klaus eine seiner Individualität besonders zusagende Aufgabe gewählt hat Unsere ersten Kräfte unterstützen den Benefizianten an feinem .Ehrenabend.

. Prämiierter Geflügelzüchter. Herr Emil Kalb­fleisch errang aus der 11. großen allgemeinen Ausstellung für Geflügelzucht und Vogelschutz in Bonn bei sehr starker Konkurrenz rwei drille Preise für silbcrh. Italiener und schwarze rosenkämmiqe Bantam. Er war der einzige Aussteller von hier.

* Ein heiteres Stückchen teilt unS'ein Leser vom Lande mit. In der letzten kalten Nacht vergangener Woche brachte der Klapperstorch einem biederen Bäuerlein einen kräftigen Jungen. Fast gleichzeitig meldete sich da§ Mutter- schwern mit 11 Ferkeln, von denen das letzte allerdings recht schwach war. Man brachte es der Kälte wegen zur Wöchnerin inS Bett und deckte das Tierchen bis zum Schnäuzchen zu. Die Nachbarin hörte bald das frohe Fa­milienereignis, tritt gleich im Halbdunkel de§ Morgen? zum Bette hin und ruft beim Anblick des niedlichen GnmzerchenS freudig aus: D'r zwat Voadder! D'r zwat Voadder!

Friedberg, 18. März. Eine Wohltätigkeits- Einrichtung für arnte Kranke hat der Geh. Kirchen­rat L. Meyer auS Anlaß seiueS 50jährigen Jubiläum? aus einer ihm von der evang. Gemeinde überreichten namhaften Geldsumme gestiftei.

t. Ulfa, 19. März. Gestern abend fand in dem Müllerschen Saale ein Familienabend des Zweigvereins vom Evangelischen Bunde statt, der stark "besucht war. Pfarrer Werner von Södel sprach über die Zustande unserer Gegend sowie der Wetterau zurzeit de? dreißigjährigen Krieges. Aus Grund eingehenden Studiums entwarf der Redner ein 'treffliche? Bild der Verwüstungen, von denen in jener Zeit unsere Heimat heimgesucht worden ist. Wie sehr der Vor­trag das Interesse der Zuhörer erweckte, zeigte deren ge­spannte Aufmerksamkeit und der reiche Beifall. Schüler der Oberklasse brachten Szenen au? Wallensteins Lager und trugen weiterhin durch den Vortrag von Gedichten zur Unterhaltung bei. Dem Bunde traten wiederum acht neue Mitglieder bei, sodaß der hiesige Zweigverein jetzt einer der stärksten in unserem Kreise ist.

? Vom hohen Vogelsberg, 19. März. Da? herr­liche Frühlingswetter brachte uns über Nacht einen plötzlichen Umschlag in der Witterung. Ein eisiger Nordwind mit heftigem Schneegestöber weht, wie man lange keinen erlebte.

Darmstadt, 19. März. II. KK. HH. der Groß­herzog und die Großherzogin empfingen am Samstag den Königlich Großbritannischen Geschäftsträger Mr. Grant Duff in Audienz; derselbe wurde hierauf zu der um 1 Uhr stattgefundenen Frühstückstafel im Neuen Palai? zugezogen, an welcher die Prinzessin Ludwig von Battenberg, sowie Prinzessin Louise mit Gefolge teilnahmen. Auderdern waren geladen Staatsminister Eivald, Geh. Staatsrat Krug von Nidda, sowie die Damen und Herren des Hofstaates.

(Darmst. Ztg.)

R. B. Tarmstedt, 18. März. Das Dekorierung s- fest des Odenwaldklubs hatte auch diesmal wieder in dem von Waldesgrün und Tannenduft erfüllten großen Saal des städtischen Saalbaues wohl 500600 Freunde des Odenwaldes zufammengesschrt; auch von auswärts waren Deputationen befreundeter Vereine erschienen. Der hoch­verdiente Vorsitzende, Ministerialpräsident Braun, hielt eine poesiedurchzogene Vegrilßungsrede, in der er darauf hinwies, daß sich die Zahl der Sektionsmitglieder bereits dem 14. Hundert nähert und day die Zahl der zu dekorieren­den Wandergewossen auf 51 gestiegen sei. Mit einen: kräf­tigen dreifachenFrisch auf!" auf den Großherzog und die Großherzogin schloß die von stürmischem Jubel begleitete Ansprache. ES kam dann eine Anzahl musikalischer und deklamatorischer Genüsse zum Vortrag, Gesänge des Herrn Fr. Scheich, Prolog und 'Deklamationen bi . Herrn $. Göbel, prächtige, stimmungsvolle Konzerte des Zither-

und Mandolinenllubs und eine interessante Schilderung von Reiseerinnerungen des Sanitätsrats Tr. Maurer aus dem Neckar-, Mosel-, Rhein- und Lahntal usw., die der- selber durch vortreffliche Lichtbilder illustrierte. Eine be­sondere Ueberraschung ivurde Ministerialpräsident Braun durch einen ihm von K'arlSchäfer gewidmeten poetischen Frühlingsgruß aus dem Schnellertsberg zuteil, der stür­mischen Beifall sand und Gelegenheit zu eitler Ovation für den Klubpräsidenten gab. Es folgten Begrüßung?- und Beglückwünschungsansvrachen seitens' verschiedener ^Abord­nungen und für jede hatte der Präsident Worte des Dankes. Erst nach Mitternacht begann die Dekorierung der 51 Wandergenossen, von denen 18 zum 1., 12 zum 2., 5 zum 3., 9 zum A., 4 zum 5;, 2 zum 6. und endlich einer, Herr Konrad Pietz, zum 9. Mal die Auszeichnung des Klubs in der üblichen Weise erhielten. Auch hier waltete der Klubpräsident mit unverwüstlichem Humor seines Amtes. Tie Versammlung blieb auch nach der Dekorierung unter fröhlichen Ansprachen, Vorträgen und Gesängen noch mehrere Stunden beisammen.

sd. F. ankfurt a. M., 19. März. Kürzlich starb hier die Gattin '.ines sehr wohlhabenden Kaufmannes im Alter von 40 Jahren. Der Witwer war fast untröstlich. Etwa eine Woche nach der Beerdigung fr amte er in den Effekten der Toten herum. Manches liebe Andenken fiel ihm dabei in die Hände. Schließlich warf er auch einen Blick in das Tagebuch der Verstorbenen. Es enthielt Eintragungen, daß eine Reihe seiner Fremde Besuche gemacht hatte, an Tagen und zu Stunden, wo er nicht zu Hause war. Von diesen Besuchen hatte er auch niemals etwas vernommen. Nähere Benterkungen über diese Besuche, die das Tagebuch enthielt, ließm den Marm nicht darüber im Zweifel, daß ihn seine Frau mit einigen seiner Freunde hintergangen hatte. Diese Entdeckung brachte den Unglücklichen so in Verzweiflung, daß er sich durch einen wohlgezielten Revolverschuß in den Kopf das Leben nahm.

Wetzlar, 19. März. Beträchtliche FelSabstürze haben sich hente nacht in dem Schalsteinbruch vorm Haufertor ereignet. Abgestürzt sind Felsmassen, die nach oberflächlichen Abschätzungen 2- bis 3000 Kubikmeter be­tragen, darunter mächtige Stücke von mehreren hundert Zentnern. Weitere Abstürze sind noch zu erwarten, durch die die nach Garbenheim führende Chauffee bedroht wird. In Erkenntnis der Gefahr hat das Bürgermeisteramt einen Wachtposten an der gefährdeten Chaussee aufgestellt. (W. A.)

(:) Dillenburg, 18. März. Herr Frank, Besitzer der Adolfshütte, hat für das geplante Wilhelm-Augusta- Viktoria-Krankenhaus 15000 Mk. in Aussicht gestellt, wenn das Krankenhaus und die mit ihm verbundenen Anstalten nicht nur den Kranken und Invaliden der Stadt Dillenburg, sondern auch der Landgemeinden des Dillkreises geöffnet wird.

* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den R a ch b a r st a a t e u. In R a i n r o d verunalückte der 18 Jabre alte Gg. Z ö g n e r im SteinbruchRauster Berg" bei der Arbeit am Rollwagen. Er starb an den erlittenen furchtbaren Verletz- ungen..In N i e d e r - G e m ü n d e n wurde der seitherige Bürgermeister Friedr. Berg mit 94 Stimmen einstimmig w je­der g e w ä st l t. In Fro nhauseu ging das seither von Herrn Schlabach au§ Wäldershausen (Kreis Alsfeld) gepachtete R o r m a n n s eh e 63 it t in Stedebach für 120 000 All. in den Besitz des Landwirts Mann in Cappel über.

Das Grubenunglück in CourriLres und der Bcrg- arbeiterausstand.

Sicn'S, 19. März. Tie Annäherungsarbeiteu zur Be­kämpfung der Feuersbrunst, die das Vorgehen gegen den Schacht 3 unterbricht, werden in planmäßiger Weise forlgeführt. Die heute vorgenommenen Luftanalysen scheinen den Nachweis dafür zu liefern, daß der Brand­herd durch Abdämmungen cingeschlosseu und das Feuer teilweise erstickt ist. Tie Ingenieure befürchten aber, daß es wieder heftig auf flammen wird, sobald die Abdämm­ungen durchbrochen werden. Däe Wetterführung muß ver­vollständigt werden, um die Sicherheit der Feuerwehrleute und der Bergungsmannschaften zu gewährleisten. Man geht daher jetzt daran, am Schachst Nr. 3 Hilfsventilatoren auf zu stellen. Ein solcher befindet sich bereits im Schacht 4, doch ist dieser Ventilator in schlechtem Zustande. Es liegt Gefahr vor, daß sein Versagen den Fortgang der Arbeiten in Frage stellen konnte. Tie Jngenieurkommissiou gab heute folgende Mitteilungen bekannt: In den Abdämmungen der ersten und zweiten Linie find Türen cingeschnitten worden, odaß man bis zur dritten Abdämmung gelangen kann. Tie Aufstellung des Hilfsventilators in Schacht 3 wird ortgesetzt. Einige Arbeiter, die die Aufstellung vornehmen öllten, sind anscheinend durch Ausständige festgehalten worden.

Aus ständige zerstörten das Gitter am Eingänge von Schacht 6 in Villh-Montigny und verhinderten die Arbeitswilligen, zur Arbeit §11 gehen. Die Bergarbeiter haben die von den Grubenbesitzern zu gestan­denen Konzessionen abgelehnt. Man glaubt, daß der morgen stattfindcnde Kvngreß der Bergarbeiter sie gleichfalls ablehnen und einen Tagelohn von 7 Francs verlangen wird. In Tvurges, Ostrieourt und Gccrvin ist der Bettieb völlig eingestellt. Tie Zahl der Ausstän­digen beträgt zurzeit 4 6 000, die der Arbeitenden 7000.

Teil Vorsitz des Hilfs-Komitees hat der frühere Präsident Laub ei angenommen. Die Pariser Presse hat für die Hinterbliebenen bis jetzt 716 974 Franes gesammelt. Kardinal Mattstieu hat unter den Mitgliedern des Kardinal-KollegiumS eine Sammlung veranstaltet. Wie verlautet, hat der Papst beschlossen, zu demselben Zweck 20 000 Francs zu spenden. Der Vorsitzende des Pariser Gemeinderats Ehantard gedachte in der Sitzung in anerkennenden Worten der hingebenden Hilfeleistung der d^e n < sch en Re t tun gsm an n sch a ften. Eine Anzahl von Senatoren und Deputierten beschloß jedem Teilnehmer an der deutschen Rettungsmannschaft, die den französischen Berg­leuten zu Hilfe geeilt ist, als Zeichen der Dankbarkeit eine Er­in n e r u n g s d e n k m ü nz e zu stiften.

Auch unter der Arbeiterschaft der Compagnie d'Ansin macht sich eine unzufriedene Stimmung bemerkbar. Dort blieben mehr als 300 Arbeiter der Arbeit fern.

Rom, 19. Marz. Man ist hier voll Anerkennung und Be­wunderung für das tatkräftige C in greifen der westfälischen Berg« teirte.Giornale di'Jtalia" bemerkt, auch dieser traurige Anlaß bekunde die lateinische Leichtfertigkeit und die deutsche Umsicht und Besonnenheit, die die mobern- sten wissenschaftlichen Leistungen der Universitäten und Poly­techniken für gewerbliche und soziale Zwecke nutzbar macht.

Verwischtes.

Vom Raubmörder Hennig. Wie sehr Hennig mit feinen Verfolgern gespielt hat, kann man aus einer Geschichte ersehen, die einem Berliner Lokalblatt passiert ist. Hennig wollte ans seinem Mord an Giernoth (Mb chlageu und eineanihentische Tarstellung" veröffentlichen. Er sandte an die Redaktion des Lokalblattes einen Brief

unö erbot sich, in drei Artikeln für 1200 Mk. Honorar einen wahrheitsgetreuen Bericht über die Ermordung Gier- noths zu liefern! Tie Redaktion übermittelte das Schreiben der Kriminalpolizei, die feststellte, daß das Schreiben von der Hand des Mörders geschrieben sei.

Potsdam, 19. März. In der Nacht vom Sonntag zum Montag kam ein Automobil die Neue Königstraße entlang. Am Knie Farn ihm ein Transport Pferde ent­gegen. Das Automobil wich links nach dem Reitwege hin aus und fuhr hier mit voller Kraft gegen einen Baum. Das Automobil wurde völlig zertrümmert. Ter eine Insasse, Adolf Winter, Oekouom der Wendebornschen Wein­stube in der Französischen Straße siel mit dem Kopf gegen den Baumstamm. Der Kopf wurde zerschmettert. Winter wurde als Leiche nach dem städtischer! Krankenhause gebracht. Ter Eigentümer deS Automobils, Bankier Fried­berg, wurde aus demselben herausgeschleudert und erlitt leichte Hautabschürsungen. Der Chauffeur fiel gegen die Steuerung, blieb aber unverletzt. Tie Herren waren auf der Reise von Berlin nach Magdeburg begriffen.

* D ie Lage der im Memeldelta (Oschr.) von derUebersch w c m m u n g betroffenen Bevölkerung macht es, wie aus Königsberg i. Pr. geschrieben wird, anscheinend dringend notwendig, daß die W o h l t ä t i g ke i t in diesem Falle in umfassender Weise eingreift. Zwar läßt sich der Umfang des Schadens noch nicht ermessen, jedoch steht fest, daß die Bewohner der von den Ueberflutungen betroffenen Ortschaften den größten Teil der Vorrateund viel an sonstigem Hab und Gut verloren haben. Ein Hilfskomitee ist in der Bildung begriffen und dürfte als­bald mit Aufrufen, hervortteten.

* Eine Frau, die ihren Mann im Schlafe er­sticht. Diese neueste Sensation wird aus Budapest gemeldet. Der 39jährige Ritter Paul v. BjeloSkursky hatte vor zehn Jahren eine Frau geheiratet, die öfter war als er, und mit der er höchst unglücklich lebte. Tagtäglich gab es Zank und Streit. Vorgestern nacht überfiel nun die Frau den Gatten mit einem scharsgeschliffenen Küchenmeffer und versetzte ihm 9 Stiche, die den Tod des Gatten herbeifühtten. Dann ver- suchie sie, sich den Hals durchzuschneiden. Sie wurde lebens­gefährlich verletzt in das Hospital gebracht. Das neunjährige Kind des Ehepaares war bei der Schreckensszene anwesend.

'"Kleine Tageschronik. Ein gemischter Zug ent­gleiste zwischen Gerolstein und Müllenborn (EiscÖ. Vier Wagen wurden total zertrümmett. Der Materialschaden ist bedeutend. In Treptow a. Rega e r s ch o ß ein junger Bursche zweiMitscküler mit einem Gewehr. InLöwen (Belgien) werden eine Frau und deren Geliebter beschuldigt, fünf Kin- der getötet zu haben. Die Leiche des letzten Kindes wurde ausgegraben und zeigte Spuren von Erdrosselung. In W ashin g t on hat Caroline von dem Bussche, an­geblich eilte Tante des deutschen Botschaftsrates, einen Selbst- m o r d v e r s n ch verübt.

lüinfi itttfc Wissenschaft.

In Dar in st a d t hat sich ein So n d e r a nsschu ß für ein deutsches Heinrich Heine-Denkmal gebildet, der in einem Aufruf um Zeichnung von Beiträgen für das Denkmal bittet, 'lieber die Ausführung und den Ort des Denkmals werden uock Entschließungen zu fassen fein", heißt es in dem Aufruf, der u. a. folgende Unterschriften trägt: Maler Adolf Bever, Professor Dr. Berger (der bekannte Schillerbiograph), Schriftsteller Criftaller in Jugenheim, Maler I. V. Ciffarz, Hofrat Hugo Edward und Frau, Hoffchauspielerin Frieda Eichels- heim, Landtagsabg. Dr. Hch. Fulda, Oberstleutnant Gab (Vor­sitzender des Journalisten und Schriftstcllervereins), Justizrat Gallus, Professor Ludwig Habick, Professor der Kunstgeschichte Tr. Kautzsch, Regisseur H. 5knispel und Frau, .Hofrat Alexander Koch und Frau, Geh. Vaurat Pros. Dr. Landsberg, Kommerzien­rat W. Langenbach, Maler Hans'Dietrich Leipheimer, Kabinettsrat Menges, Professor Arnold Mendelssohn, Dr. mcd. h. c. und Phil. Will). Merck, Professor I. 9)(. Olbrich, Buchhändler Ludw. Säng, Hofbibliothcisdireitor Dr. Adolf Schmidt, Frau Gottfried Schwab, Rabbiner Tr. Selvcr, Piof. Dr. Franz Äaudinger und Frau, Frau Lilli Wolfskehl, Sck'riststeller Ernst v. Woszogen, Privatdvzent A. Zeller, Hauptmann c. D. und Käbinettssekretär Zobel. Beiträge zu dem Denkmal nehmen alle in Darm­stadt erscheinenden Zeitungen mit Ausnahme derDarmstädter Zeitung" entgegen.

G r n ft vonWolzogen, der bekanntlich jetzt in D a r ni­st ad t lebt, hat soeben ein neues LustspielDer Kraftmayr" vollendet. Es hat denselben Stoff zum Gegenstand, den er in seinem köstlichsten und erfolgreichsten Romane behandelt bat.

M ü n ch e n, 19. März. Josef Kainz, der große Mime, ist e rkrankt: es handelt flch nach dem ärztlichen Beftmde um einen von starker Erkältung herrührenden Brusttätarrb. Eine leichte Besserung ist bereits eingetreten.

Frankfurt a. 3)1., 19. März. Siegmund Haus egg er beantragte, ihn von der Leitung der Museumsgesellschast mit Schluß der Saison zu entbinden, da er trotz ersolgreicl)sler Durchsührung seiner künstlerischen Resormbesirebimgen (Stil, einheitliches Pro» gramin re.) zu wenig Unterstützimg sänd.

Univerfetäts-Nachkichten.

Der Kaiser hat der Universität Greifswald! zu der bevorstehenden Feier des 450. Jubiläums seinen Be­such zugesagt.

Ter a. o. Professor Tr. Denker wurde zum ordentlichen Prosessor der Oh-reir, Nasen- und K^ehlkopfheilkunde sowie zum Direktor der Klinik und Poliklinik für Ohren , Nasen- und Kehl­kopfkranke in der medizinischen Fakultät der Universität Er­langen ernannt. Pros. Denker hat erst kürzlich einen Ruf als ordentlicher Professor der Olyrenheilkunde an der Akademie in Köln abgelchitt. Tie Prof. Denker übertragene o. Professur ist das erste Ordinariat für Ohrenheilkunde in Batzcrn. In Prrnßcn besteht nur ein Ordinariat für dieses Fach in Halle a. S. (Geh. Mcd. Rat H. Schwartzr): außerdem siud Ordinarien ür Ohrenheilkunde Körner-Rostock und seft kurzem bekanntlich auch Leulcrt in Gießen,

Gerechtsscral.

Rennes, 19. März. Das Kriegsgericht verhandelte gegen den M ajor H e r y und die Hauptleute Langavant und 'S» b i r a I, welche sich bei der Inventaraufnahme in bet Kttche von St. Servan cinzuschreiten weigetten, und dem Ersuchen der Zivilbehvrde nickst nachlkamen. Hery erklärte, er verweigerte der Zivilbehörde den Gehorsam, weil er das Verlangen ur gesetzwidrig hielt und weit er der Ansicht war, daß das Ein- chlagcn von Kirchentüren _ nicht Sache der Soldaten sei. Die beiden Hauptleute gaben ähnliche Erllärungen ab. Hery wurde zu e i n c m M o n a t G c s ä n g n i s, die Hauptleute zu einem Tag Gefängnis verurteilt, sämtliche mit Strafauffchub.

Handel nnd Verkehr, Volkswirtschaft.

a v i l a l c r h ö h n n g der D a r m st a d t e r B a n k. Die Bank ist infolge der ganz bedeutenden 3lnipannung gezwungen, zu einer aberwaligcn Kapitalerhohnng zn schreiten. Vor einigen Tagen kam die dtachrictst, die Bank werde das Bankhaus Wmgenrodt Scherz & Co. in Mannheim in eine Filiale des eigenen Instituts uinwandcln. Es wurde dem zwar zuerst widersprochen, aber ichließlich wird c§ doch dabet bleiben. Ferner wird gemeldet, das; die Darmstädter Bank die Bayrische Diskonto- und Wechselbank die ihr sehr nahe sielst, beauftragt hat, in Regensburg eine Filiale zu errichten. Durch alte diese Transaktionen tritt die Wahrscheinlichkeit einer baldigen 5wpitalSerhohnng näher an die Darmstadter Bank