Ausgabe 
20.2.1906 Erstes Blatt
 
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Sitte der Aussetzung der Toten an bestimmten Orten,

die

alten Textes. Auf die Beerdigungssitte folgte später die der Aussetzung der Toten, dann die der Feuerbestattung, bie als Feuer-Opfer betrachtet wird. In Iran herrscht die

von Zeremonien ver- verwischt, Grenzsteine und des Lebens, die in den der Lebendigen die spater kultisch ge- grobe Fälschung eines

begraben. Dabei wird eine Menge richtet, z. B. die Fußspur des Todes gesetzt zwischen der Welt des Todes Witwe geht auS dem Kreis deS Todes zurück rc. Die Witwen-Verbrenuung, fördert wurde, stellt sich dar als eine

Aus SeaSt uns LanS.

Gießen, den 20. Februar.

HessischeVereinigung fürNolkSkunde. Am letzten Donnerstag hielt die hiesige Ortsgruppe den vierten

weit entfernt sind von den menschlichen Wohnungen, aber- leicht zugänglich für die Tiere, die dann ihr schauerliches ZerstörungSwerk an den Leichen vornehmen. Hier zeigt sich in besonderer Ausprägung der Gedanke, daß ein Leichnam etwas unreines ist, das seine verderbliche Wirkung auch auS- dehnt auf alles, was mit ihm in Berührung kommt, nicht nur Menschen, sondern Tiere, Pflanzen, Wasser usw. So muß ein Feld, auf dem jemand etwa gestorben ist, ein Jahr lang brach liegen, ein Weg wird entsühnt, indem ein Hund einigc- male auf demselben hin und her getrieben wird. Die Anschauung von der beispiellosen Unreinheit deS Toten überträgt sich selbst auf die Leichenträger, die die verachtetste Menschen­klasse sind; die müßen allein weit vor dem Dorfe wohnen und werden, wenn sie alt und dienstuntauglich geworden sind, vielfach auSgesetzt oder totgeschlagen. Ein weiterer Unterschied zwischen Indern und Jraniern besteht noch darin, daß jene die Seelen der Verstorbenen fürchten und sie au alle mögliche Weise fern zu halten suchen, während die Jranier die Seelen als Freunde der Lebenden betrachten. An die interesianten, lehrreichen Ausführungen des Herrn Referenten schloß sich noch eine angeregte Diskussion.

Eisenbahn-Projekt GießenSte inbach 2 aubach. In Grünberg hat sich gestern ein aus Vertretern verschiedener Orte bestehendes Komitee zur Förderung deS im Gieß. Anz. in letzter Zeit erneut angeregten Bahnbaues GießenSteinbachLaudach gebildet, das am 10. März in Gießen seine erste Sitzung in dieser Angelegenheit abzuhalten gedenkt.

** Erledigt sind die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Wegfurth. Mit der Stelle ist Organisten- und Lektordienst verbunden. Dem Grafen von Schlitz, gen. von Görtz, steht das Präsentationsrecht zu; ferner die Stelle des Hauptsteueramtsrendanten beim Großh. Hauptsteuer­amt Darmstadt.

Die MandatSniederlegung Eramers ist, wie uns von geschätzter Seite mitgeteilt wurde, bereits in der 41. Sitzung des Reichstages am 12. Februar offiziell mitge­teilt worden. Merkwürdigerweise enthält kein einziger Parlamentsbericht diese Nachricht und auch der Darm st. Tgl. Anz." meldete noch gestern, daß die Mandatsniederlegung noch nicht erfolgt sei.

** Die Hauptsta atskassc und die Bezirkskaffen des Großherzogtums, die ein Girokonto bei der Neichsbank be- itzen, sind n. d. Darmst. Ztg. versuchsweise ermächtigt morden, Beamten auf deren Antrag die monatlichen Gehalts­beträge ganz oder teilweise durch Ueber Weisung mittels Reichsbankgirokontos an den Antragsteller oder die von ihm bezeichnete Bank zu vergüten.

** F ü r bie Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung am D o n n er.s ta g 22. Febr. d. I., nachm. 4 Uhr ist folgende Tagesordnung ausgestellt: I. Mitteilungen. 2. Ausbau der Ederltratze -wischen Steinstraße und der nördlichen Parallelstraße. 3. Desgleichen des Asterwegs. 4. Desgleichen der Weserstraße. 5. Desgleichen der Scholtstraße. 6. Desgleichen der Goechestraße zwischen Stephan- und Henselstraße. 7. Desgleichen des Wetzlarerwegs -wischen Friedrich- und Hofmannstraße 8. Des­gleichen der Friedrichstraße. 9. Rechnung des Gas- und Wasser­werks für 1904. 10. Rechnung des Elektrizitätswerks für 1904 11. Kreditbewilligung für das Elektrizitätswerk für 1905. 12. Ver­sicherung der Maschinen der Kläranlage und der Betriebsgeräte der Kanalisation. 13. Festsetzung von Ausnahmetagen gemäß §§ 139 d und e der Gewerbeordnung. 14. Erweiterung der städtischen Kaserne. 15. Gesuch des Karl Leven um Erlaubnis zum Wirt- id)citt§betriebc im Hause Liebigstraße 68. 16. Desgleichen des Georg Schwarz für Ludwigstraße 6.

** Tierquälerei. Vor einigen Tagen fuhr ein hier bediensteter Knecht einen mit Brettern beladenen Wagen nach dem verlängerten Asterweg. In dem aufgeweichten Boden blieb der Wagen stecken und das Pferd konnte ihn nicht weiterziehen. Der Unmensch schlug nun unbarmherzig auf das Tier ein; da es immer noch nicht ging, stieß er mit dem Peitschenstiel d?m Pferde in die Seite, gegen Kopf und Vorderbeine, so daß das arme Tier fast umsank. Hinzu- gekommene Leute verhinderten weitere Mißhandlungen. An­zeige ist erhoben.

Der BrieftaubenklubGießen hielt am Montag nachmittag bei seinem zweiten Vorsitzenden Henkel eine Versammlung ab unter dem Vorsitz des Herrn Neuling. Die zahlreich erschienenen Mitglieder hatten u. a. über Annahme neuer Mitglieder zu beraten, die sich in letzter Zeit zahlreich angemeldet haben. Als ständiges VereinSlokal wurde ein­stimmig das Lokal von Gastwirt Henkel, Walltorstraße, an­genommen.

-s-t- f?CC <äC0.$c FesikommerS, den die vereinigten militanschen Vereine GießenS zur Feier der silbernen pochzelt des Kaiserpaares abzuhalten gedenken, wird am Montag, 26. Februar, im Neuen Saalbau stattfinden. D-e Beteiligung verspricht sehr groß zu ,«erden.

,u§ dem Bureau des Stadttheaters. Als morgige VolkSvorstellung gelangt ,Das Glas

L Millionen dazu kommen. In dieser.Werse konn nicht fort- getotrtfdr-fret werden ohne Gefahr, für die Sicherheit der Frnan- Landes. Zur Abhilfe bieten sich nur zwei Mittel, Verminderung bet Ausgaben ober ^teuererhohung Der erste Weg schwer gangbar, um so schwerer, als im Volke das Bestreben besteht, immer mehr auf den etont abznw-alzen als Zm abzunehmen. Dennoch wäre manche Ausgabe zu mindern, X mit ernstlichem Willen durchgreifende Maßregeln ergriffen Wen Wenn dieser Weg versagt dann bleibt natürlich nur rerböbung übrig. Allerdings ist der fetzige Zeitz- punkt kein günstiger für eine Reform in Hessen Das Reich Lt sich endlich aufgerafst, seine Finanzverhaltnisse zu ordnen, imd es muß wohl geschelien. Mein tote es geschieht und welche Rückwirkung es auf die Einzelstaaten ausübeu wird, entzieht sich vorerst unserer Kenntnis. Wir muffen unter diesen Um­ständen abwarten, wie die Dinge fich entwickeln werden. Der Aus­schuß wird sich darauf beschränken, nur die Anforderungen mög- lst Der hellste^Lichtblick im neuen Etat ist jedenfalls das Kapitel Staatseisenbahn. Der Ausschußbericht sagt

Wasser", Lustspiel von Scribe, zur Aufführung, das durch . verschiedene Krankheitsfälle seither verschoben werden mußte.

" Eine Festvorstellung im Stadttheater zur Feier der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares hat, wie wir von zuständiger Seite erfahren, die Stadtverordneten» Versammlung beschlossen. Sie findet am Mittwoch, den 28. Februar, statt und zur Ausführung wird KleistsPrinz von Homburg" kommen. Das-Nähere wird in den nächsten Tagen bekannt gegeben werden.

** Ein humoristisch-dramatischer Vortrags­abend deS Hofschauspielers Max Hofpauer nn§ München brachte gestern abend in die Reihe der vom Kaufm. Verein und vom Ortsgewerbeverein in diesem Winter veranstalteten Vorträge eine angenehme Abwechslung. Tie den neuen Saalbau bis zum letzten Platz füllenden Zuhörer unterhielten sich bei den köstlichen Blüten alpinen Volkshumors. die der Vortragende in meisterhafter Deklamation bot, köstlich, und auch die zum Vortrag gelangenden ernsteren Dichtungen von Nosegger (Der Orgler von St. Jakob) und Karl Schönherr (Der leachete Hies) übten auf die Zuhörerschaft eine tief­gehende Wirkung aus. Von den heiteren Deklamationen ge­fielen vor allem die köstlichen epigrammatisch kurzen Gedicht» chen Karl Stielers, der mit seinen durchweg dem Tegernseer Bauernleben entnommenen Dichtungen beweist, daß er tiefer als jeder andere in den Seelen der oberbayrischen Bauern zu lesen versteht. Es mar ein Stück echter Heimatkunst, das der auch den oberbayrischen Dialekt völlig beherrschende Rezitator mit seinen Vorträgen bot.

* Besitzwechsel. Das RestaurantKaiserhof", Ecke der Sonnenstraße und Schulstraße, ging in den Besitz des Brauereibesitzers Bichler über.

'* Ein Verband der Krankenkassen in Hessen wurde von einer am Samstag in Darmstadt abgehaltenen Ver­sammlung von Vertretern von Orts-, Betriebs-, Bau- und In- nungskrankeukassen, sowie Gemeinde-Krankenverficherungen ge­gründet. Den Vorsitz führte Hardt aus Darmstadt, auch ein Ver­treter der Regierung war anwesend. Der Verband soll alle Kranken- fnffen Hessens zu gemeinsamer Arbeit auf den verschiedensten Ge­bieten zusammensühren. Er soll wirken durch Abhaltung von Krankenkassentagen, durch gemeinsames Vorgehen beim Abschluß von Verträgen mit Aerzten, Apothekern, Krankenanstalten re., gegenseitige Hilfeleistung bei Krankemmterstützung, Krankenkontrolle und Bekämpfung der Simulation, Unterstützung und Veranstallung gemeinnütziger Unternehmungen für die arbeitende Klasse, Be­sichtigung von Krankenhäusern, Ausbreitung der Kenntnisse in der sozialpolitischen Gesetzgebung, Maßnahmen zur Verhütung und Be­kämpfung von Krankheiten, Einsetzungen von Schiedsgerichten und einer Spruchbehörde zur außergerichtlichen Beilegung von Streitig­keiten zwischen Krankenkenkassen, Aerzten, Apothekern rc., lieber- leitung der Gemeindekrankenversicherungen in Orts-, Kreis- oder Provinzialkrankenkasien, Rats- und Auskunftserteilung an die Ver­bandskrankenkassen.

Prämiiert. Bei der von der Brieftaubenge­sellschaft .Bieber" am 10., 11. und 12. Februar zu Bieber veranstalteten Brieftauben - Ausstellung erhielten die Herren Jansohn und Scharmann in Gießen je einen dritten Preis für einen dunkelgehämmerten Täuber, Raffe Zurhölle".

** Der Gießener Fußballklub 1900 veranstaltete vergangenen Samstag im Saale des Caf6 Leib sein 1. Winterfest in Gestalt eines F a s ch i n g s b a l le s. Sowohl Mitglieder wie eine stattliche Anzahl von Gästen waren zmn größten Teil in prächtigen Kvstümen erschienen, und ein fröhliches Faschingstreiben, unterstützt durch ein wohlgelungeneS Programm, hielt Alt und Jung in echter Karnevalsstimmung beisammen. Erst in früher Morgenstunde würben Tanz und Frohsinn abgebrochen, umi mittags auf dem Windhof eine würdige Fortsetzung zu finden. Die Veranstaltung darf wohl in allen Teilen als recht gelungen bezeichnet werben.

() Lang - GönS, 19. Febr. Von einem Unbekannten wurden vergangene Woche dem Landwirte Johann Georg Müller auf seinem an der Holzheimer Straße gegenüber der Wiese des Anton Martin Reusch gelegenen Grundstücke, mehrere Erlen- bäume u m g e h a u e n. Um dem Eigentümer die Aufarbeit­ung der Bäume nicht allein zu überlassen, war der Täter so liebenswürdig, ihm durch Mitnahme der kleineren Stämme freund­lichst eMgegenzukommen.

-- Lollar, 19. Febr. Gerüchtweise verlautet, ein hiesiger Kaufmann habe sich an einem 12jährigen Mädchen ver­gangen. Untersuchung ist eingeleitet, jedoch wird die Glaub­würdigkeit stark angezweifelt.

0 Butzbach, 19. Febr. Tas Komitee für das geplante Trachtenfest hielt unter dem Vorsitz des' Kreisrats Fey von Friedberg, unter Zuziehung von Professor Walbe von Darmstadt und Bauinspektor Haag von Friedberg heute nachmittag eine weitere Sitzung hier ab. Die geladenen Herren haben bereit­willigst ihre fachmännische Unterstützung in Fragen der dekorativen AuSgestaltting des Festes zugesagt.

X Ulfa, 18. Febr. Gestern abend hielt Lehrer Volk von Schadenbach, in dem K'rieger- und Gesangverein einen Vortrag überDie Königin Luise und Deutschlands Wie­dergeburt". Der Redner wußte seine zahlreiche Zuhörer­schaft eine, volle Stunde zu fesseln. Patriotische Mannerchöre und vaterländische allgerneine Lieder würzten das Zusammensein.

f. Hungen, 19. Febr. Heute sind es 30 Jahre, daß die hiesige Freiw. Feuerwehr gegründet wurde. Sechs Männer sind eS noch, die ihr seit der Gründung als Mitglieder angehören, nämlich Sattlermeister Wilh. Hof­mann (er hat am 1. Januar d. I. das 40. Dienstjahr als Feuerwehrmann angetreten: 9 Jahre Pflicht- und 30 Jahre freiw. Feuerwehr), Karl Ebersohn, Hch. Zimmer, Karl Wech Friedr. Bach, Hch. Kähler.

M Lau b ach , 19. Febr. Die diamantene Hochzeit begingen heute ^dger i. P. Diehl und Frau, geb. Franck. Das »lQEch gleuyalterige, noch sehr rüftige Paar, hat es zusammen auf etwa 1,0 ^ahre gebracht. Ihrer Ehe sind 7 Kinder, drei ^ochter und vier Söhne entsprossen; von letzteren sind zwei nr Amercka gestorben, einer ist 1866 im Gefechte bei Utufad) gefallen und nur der vierte, der hiesige Beigeordnete Kaufmann ^rehl, ist noch am Leben, ebenso die drei verheirateten bezw. verwitweten Töchter. Tie Kinder hatten sich, von hier, unh n?ÄUrt r Falkenftein im Taunus mit Enkeln

hJ? -S;kA?" gestern hier ju einer Familienandacht, die prc zweite ^tadtpfarrer Bold tm Hau,e des Jubelpaares ab- 3um Schluffe verlas und überreichte er des Großh. Oberkonsistoriums. Der Glück- b,rc Gräfin-Mutter zu Lolms-Laubach übermitteln lletz war von, dyrem und ihrer Kinder Bilde begleitet Zahlreiche Jubelpaares fid) mit senken in der Wohnung des V ?T Alice verein für Swurffflih HE heute nachmittag in

bS KA/ Großherzogin, seiner 1. Präsi- Noa ck XhS V n 9 ab. Regierungsrat

Jto act erstattete den Jahresbericht. Die seinerzeit in her 6inrfi=. vorgekommenen Vergiftungssälle haben dem Verein ge­schadet, feilte Mttgliederzahl hat abgenonrmen Es ^st deshalb nne organisatorische Umgestaltung geplant, es soll eine ^auvt- und SBrilfunoot eingÄt ttttien SerSÄ tuWLS.. bcr ««<& ÄS.Sm kfrierimim^q Prüfung für SanbarbcitS»

leinennncn 69. >re Einnahmen der Kochschule, die zahlreiche

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Ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis liefert unsere Staats- risenbahn. Während wir 1902 nur 11 Millionen MaS Ertrag hatten, können wir für 1906 14 Millionen Mork mtt ^icherhett in den Voranschlag einstellen. Bei einem solchen Ertrag hoffen wir den Ausgleick)sfonds in Kürze mit 5 Millivnen Mark dotiert zu sehen, trotz der starken ülbzüge, die man ihm aufgeburdet

Ter Finanzausschuß weist in seiner allgemeinen Be­trachtung noch darauf hin, daß selbstverständlich bei den Mehrausgaben die R e u b a u t e n die weitaus überwiegende Rolle spielen. Die im laufenden Fahre für staatliche Ge­bäude vorgesehenen Ausgaben betragen: a) für Unterhal­tungen und größere Verstellungen 727 002 Mk. und b) für Neubauten 3 275 084 Mk., zusammen also 4 002 086 Mk. oder 669 973 Mk. weniger als im Vorjahr. Ein sachverständiges Mitglied des Ausschusses weist nun darauf hin, daß zu einer finanziell ungünstigen Zeit, wie gerade gegenwärtig, Ausgaben dieser Art ckls uniwodurtiv tunlichst einzuschränken eine selbstverständliche Sache sei, und ebenso notwendig sei, die einmal bewilligten Gelder mit weiser Sparsamkeit bei der Bauausführung zu verwenden und inbezug auf Größe und Ausstattung der Gebäude möglichst die Grenzen des Bedürfnisses im Auge zu behalten. Denn selbst bei der größten Einschränkung, die auch bei den vorliegenden For­derungen für Dienftgebäude durchweg zum Ausdruck kommt, überschreiten die jährlichen Vauzinsen immer noch mehr als das Doppelte die Mietseinnahnre bei den derzeitigen Mietssätzen, weshalb es ratsam erscheint, alle Ausgaben für Neubauteii, deren Ausführung im dienstlichen Interesse nicht äußerst dringlich ist, auf bessere Zeiten zu verschieben. Bei der Prüfung der einzelnen Projekte und deren Bau­kosten konnte festgestellt werden, daß die Größe und Anzahl der Dienst- und Wohnräume im allgemeinen die in den vorderen Jahren feftgelegten Grenzen nicht überschreiten und daß auch die Baukosten sich in entsprechender Höhe bewegen. Der Ausschuß nimmt an, daß alle Bauausführ­ungen auf dem Wege des öffentlichen Wettbewerbs erfolgen werden.

Die Beschlüffe des Finanzausschusses im einzelnen sind von uns schon im wesentlichen näher mitgeteilt worden. Die Abänderungen, die der Ausschuß vorgenommen hat, beschränken sich auf wenig Punkte. Die erste Hauptabteilung, Reste aus früheren Jahren, ivurde ilnverMidert genehmigt, bei der zweiten Hauptabteilung, Domänen des Großherz. Hauses (Berichterstatter Reinhart) wurde die Zivilliste Sr. Kvnigl. Hoheit (1265 000 Mk.) mit allen gegen 1 Stimme, der Beitrag aus der Staatskasse an die Kabinettskasse für Ordens kosten (5142 Mk.) mit allen gegen 3 Stimmen, oer Betrag für laufende Unterhaltung im Hofbauwesen (52 250 Mark) mit allen Stimmen genehmigt, ebenso für Herstell­ung einer massiven Wand im Residenzschloß (8000 Mk.). Bei der Forderung von 12800 Mk. für eine Automobil­remise im Hofstall stimmten 4 Mitglieder dafür, 4 dagegen. Bewilligt wurden vom Ausschuß noch 7500 Mk. für not­wendige Bauarbeiten in Jagdschloß Wolfsgarten, 10 500 Mark für das Großh. Palais in Mainz, 150 000 Mk. für lausende Unterhaltung im Domanialbauwesen, 6250 Mk. für das Schloß zu Hirschhorn, 6800 und 10 200 Mk. für das vormals hessische Schloß zu Groß-Umstadt. Ms Lokalver­waltungskosten wurden einstimmig 610 891 Mk. bewilligt. Bei Kapitel Weinba u dorn ä neu (Berichterstatter Mol- than) genehmigte der Ausschusß die Einnahmen mit 171 700 Mark und die Ausgaben mit 139 800 Mk., bei Kapitel Staatsdomänen die Einnahmen für Kameral- und Forst- bomänen mit 268390 Mk., die Ausgaben mit 134 483 Mk. Unverändert bewilligt wurden weiter die schon mitgeteilten Etats für Bad-Nauheim, Bad-Salz- Hausen, Braunkohlenbergwerk Ludwigshoffnung, für Ka^ pitel Staatseisenbahn Einnahme 14 000 000 Mk., Ausgabe 300 000 Mk., für Lotterie infolge Vertrags mit Preußen 800 000 Mk. Beim Kapitel direkte Steuern, Regalien usw. (Berichterstatter Abg. Möllinger) beziffert sich die Gesamt­ausgabe auf 1773457 Mk., die Einnahme auf 17 676 020 Mark; die seitherigen Ergebnisse der Einkommen- und Ver­mögenssteuer lassen eine Steigerung des Ertrages um 325 000 Mk. erwarten. Die einzelnen Forderungen für das Staatsministerium (Mg. Möllinger )wurden unverändert bewilligt, ebenso die Kapitel des Ministeriums des Innern (Abgg. Reinhart und Brauer), darunter für Kirchen Aus­gabe 483 721 Mk., für die Landesuniversität Ein­nahme 380 950 Mk., Ausgabe 1249 875 Mk., Technische Hoch? schule, Einnahme 444 548 Mk., Ausgabe 666 208 Mk. Bei Kapitel 38, Gymnasien, Realgymnasien usw., entspann sich, wie schon berichtet, ein harter Kampf um die von der Regierung geforderten höheren Zuschüsse für die 7llassigen Realschulen. Nach einem sehr sachlichen, umfangreichen Be­richt des Abg. Molthan beantragt die Ausschußmehrheit die Bewilligung der Einnahme mit 1455 650 Mk. und der Aus­gabe mit 2 341 709 Mk., und wünscht den Antrag Pennrich, sowie die Vorstellungen der Gemeindevorstände Bingen, Heppenheim und Alzey für erledigt zu erklären, während die Ausschußminderheit den Abzug der erhöhten Regierungs­forderung mit 67 935 Mk. beantragt. Die Positionen Höhere Schulen, 86 050 Mk-, Volksschulen 2 256 600 Mk., sowie die ganzen übrigen Positionen des Ministeriums des Innern erlitten außer den für die Landwirtschaft bereits mitge­teilten Beschlüssen keine Veränderung.

Im Etat des Ministeriums der Justiz (Berichterstatter Dr. Gut fleisch) und der Finanzen (Berichterstatter Abg. Molthan) wurden die Einnahmen und Ausgaben ganz nach dem Reaierungsvorschlag bewilligt. Die veränderten Be­schlüsse des Finanzausschusses beim zweiten (Vermögens-) Teil des Etats haben wir bereits mitgeteilt.

Wir werden aber auf einige der interessantesten Posi­tionen dieser Abteilung noch näher zurückkommen.

Mitgliederabend, in bem Professor Dr. B a rth o l oma e über .Häusliche und Totenbräuche bei den alten Ariern" sprach. Von häuslichen Bräuchen griff der Redner den ersten Haarschnitt der Kinder, der im Alter von drei Jahren ausgeführt wird, und das Schneiden der Nägel heraus, die beide mit großer Wichtigkeit vorgenommen werden. Der Abfall an Haar und Nägeln wird in möglichst weiter Entfernung von dem Hause vergraben, letztere der Eule ge­weiht. Wird das versäumt, so setzt sich der Teufel in ihren Besitz und benutzt sie gewiffermaßen als Kampfmittel gegen Gläubige und Fromme. Somit rückt das Sammeln und Vergraben dieser Abfälle unter den Begriff der religiösen Pflicht, während gleichzeitig der Gedanke damit verbunden ist, daß diese Dinge unrein und unappetitlich sind. Was die Totenbräuche der alten Arier betrifft, so muß geschieden werden zwischen Indien und Iran. Bei den Indern wurden in ältester Zeit die Toten nicht verbrannt, sondern