Soweit die Darlegungen und Berechnuri aen des schlesischen Landwirts. Ob sie auch zutreffen für die Beurteilung der Wirkung unseres neuen Tarifes auf unsere wohl unter gleichen oder doch ähnlichen Verhältnissen arbeitende bäuerliche Bevölkerung in Oberhessen? Das aus landwirtschaftlichen Fachkreisen zu erfahren wäre uns sehr erwünscht int Interesse unserer heimischen häuerlidjen Landwirtschiaft.
Der Kaiser in Eisenach.
Eisenach, 18. April. Ter Kaiser traf heute vormittag von Berlin kommend hier ein. Er begab sich zur Wartburg, wo die Enthüllung des letzten Mosaikgemäldes der Elisabethenkemenate stattfand. Die als Bekleidung des Kanrindaches angebrachte Mosaik stellt das Gastmahl Kaiser Friedrichs II. und das Atantelwunder der heiligen Elisabeth dar. In der Begleitung des Kaisers befanden sich General Graf Hohenau, der Flügeladjutant Major v. Neu- männ-Eosel, der Leibarzt Generaloberarzt Dr. Jlberg, der Vertreter des Auswärtigen Amtes Frhr. v. Jertisch, Oberstallmeister v. Eichel und Schloßhauptmann v. Cranach Während der Besichtigung der Elisabeth-Kemenate wurde im Kanrin Feuer angezündet. Bei dem Frühstück, das sich an die Besichtigung der Kemenate anschloß, äußerte der Kaiser, er sei sehr ersreut, daß nunmehr dre Jiestaurierung und Ausschmückung der schönsten Burgzimmer vollendet sei, und er hoffe, daß der Mosaikschmuck auch vielen Freunden , der Wartburg gefallen werde. Kunstmaler Cctttcn wurde vom Kaiser zum Professor ernannt. Um 1 Uhr 15 Min. nachtmittags erfolgte die Abreise des Kaisers nach Schlitz.
politische Tagesschau.
Vom Reichstag.
K Berlin, 18. April.
Fürst Bülow wird die ärztlicherseits für erforderlich erachtete längere Erholungsreise nicht vor Ende d. Mts. antreten. Er wird also schwerlich noch einer Sitzung des Reichstags für den Liest dieser Tagung beiwohnen, sofern das Pftngstsest den Abschluß der parlamentarischen Arbeit bedeutet. In Regierungskreisen gibt man sich der Hoffnung hin, daß unter dem Eindrtlck der Diätenbewilligung zum mindesten Reichsfinanzreform und Militärpensionsgesetze bis Ende Mai durchberaten sein werden. Was dann noch übrig bleibt an Arbeitsmaterial, ist man nicht abgeneigt, durch Vertagung der Session für den Herbst aufzusparen. Auch wir glauben nicht, daß sich nach Pfingsten noch ein beschlußfähiges Haus wird Zusammenhalten lassen. Der Reichstag hätte dann reichlich sechs Monate gearbeitet, und selbst die Diäten, über die nach Eingang der Vorlage noch manches Wort gesprochen werden dürste, würden nicht die Arbeitsmüdigkeit bannen.
Heer und Flotte.
* Roch ein Unfall in der englischen Marine. Gestern meldeten wir aus Malta, daß dort bei Marine-- manöveru an Bord eines Linienschiffes eine Dampfkesselexplosion sich zutrug, wodurch es mehrere Tote und Verwundete gab. Heute kommen Meldungen aus Malta, daß dort während der Manöver der letzten Nacht der Torpedobootszerstörer „Ardent" das Torpedoboot 84 anrannte und es zum Sinken brachte. Ein Kanonier wurde verletzt und starb bald darauf.
Die Städte und das Land.
Aus einer o b e r h e s f i s ch e n Stadt wird n n § geschrieben:
Es ist auffallend, wie wenig die Verwaltungsorganisation der meisten deutschen Staaten den modernen Wirtscbaftsverhältnissen angepaßt ist. Sie wurzelt allgemein noch in den Traditionen der Zeit vor fünfzig Jahren, wo die Staaten reine Agrarstaaten waren und niemaird den Aufschwung ahnte, der dem Handel, der Industrie und ihren Hauprfitzen, den Städten, bevorstand. Die erste Geige, die der ländli^e Grundbesitz seit jeher zu spielen gewohnt war, spielt er noch heute. Die Städte, in denen gewöhnlich das wirtschaftl. Uebergewicht des Kreises liegt, werden an die Wand gedrückt. Auch bei uns in Hessen luiro ja dafür gesorgt durch das bestehende Landtagswahlrechr sowohl, leie auch leider durch den neuen Wahlrechtsemwurf und die meisten Wahlrechtsreform-Vorschläge: Entziehung der selbstständigen Mandate in den Städten Friedberg, Alsfeld und Bingen, durch die zu geringe Zahl von 2lb- geordneten der großen 'Städte und vieles andere noch, daß die Städte mit ihren Interessen vielfach überstimmt werden können. Wo finden wir denn sonst diese rührende Fürsorge für die „wirtschaftlich schwächeren Stände" bis zur Rücksichtslosigkeit durchgeführt? Ad es gilt, den Städten den Fuß in den Ltacken zu setzen, dasind „gute und gerechte" Mittel und Grundsätze wie Brombeeren seil. Es liegt den Städten ob, gerade in dieser politisch sonst stillen Zeit durch energisches agitatorisches Auftreten ihren berechtigten ttnsprüchcn von neuem, gründlichen Ausdruck zu geben. Sie sind das dem Prinzip der Selbstverwalt- inig und der eigenen Selbsterhaltung schuldig. Es muß dahin kommen, daß sie die Rolle des fünften Rades am Wagen des ländlichen Grundbesitzes als unwürdig abwerfen und sich aus dem Küeckt zum Herrn machen, wie sichs gehört. Sollten wirklich einmal unter dem städtischen Uebergewicht Beschlüsse gefaßt werden, die ntait als ungerecht und „Plutokratisch" bezeichnen müßte, so hat die Staatsregierung Handhaben genug, die Staatsraison zur Geltung zu bringen. „Jedem das Seine!" Hk.
Krsstscher ^andeslei/rerverein.
(Original-Bericht des Gießener Anzeigers.)
T Langen, 18. April.
Ter Landeslehrervereiu hielt heute seine Vertret e r - B er s a in :n l u n g verbunden mit der Hauptversammlung des U n t e r st ü tz u n g s v e r e i n § s ü r provisorisch a nge st ellte Lehrer hier ab. Um 2 Uhr eröffnete der langjährige Obmann beider Vereine, Rektor Backes-Tarm- stadt, die Versammlung. Tie Lehrer waren aus allen Teilen Hessens äußerst zahlreich erschienen, man schätzte ihre Zahl aus 500 bis 600. Der zahlreiche Besuch war durch die Wichtigkeit der Tagesordnung begründet, sollte doch auch die wieder in Fluß gekommene Gehaltsrcgulierung erörtert werden. Die 108 Bezirksvereine hatten 165 stimmberechtigte Delegierte gesandt. Jung- Langen begrüßte in kurzen Worten die Versammlung nainens des Bezirks Langen. Aus Antrag von F u h r - Offenbach wurde an den Preußischen Lehrerverein unter lebhaftem Beifall eine Sym
pathiekundgebung abgesandt, die etwa folgcnbcn Wortlaut hatte:
„Der Hessische LandeSlehreroereui, beffeii Mitglieder stolz sind, seit über 30 Jahren ein liberales Schulgesetz zu besitzeii, bedauert, daß der preußische Laiidlag ein Schulgesetz eingebracht hat, das geeignet ist, den konfessionellen Frieden zu gefährden und die 2l m t s f r e u d i gk e it der Lehrer des größten deutschen Staates zu trüben. Die Lehreroersammlung spricht zugleich den preußischen Kollegen ihre ivärmste Sympathie auä,"
Dariiach erstattete Obmann Backe» den Jahresbericht des Landes'lehrervereins. Darnach ist die Zahl der Mitglieder auf nahezu 3000 gestiegen, der Schulbote erscheint im 47. Jahrgang in 3300 Exemplaren. Ein Antrag mehrerer Bezirlsvereine und Lehrer, der Sch ul bot e solle wöchentlich statt seither alle zwei Wocheil erscheinen, wird mit Rücksicht aus die hohen Mehrkosten ab gelehnt, dagegen der Borstaiid beauftragt, in dieser Angelegenheit Erhebungen anzustellen und das Ergebnis der Hauptversammlung 1907 zur irochmaligen Besprechung vorzulegen. — Der Unttrstützungsverein jur provisorisch angestellte Lehrer zählt 450 aktive und 180 passive Mitglieder, an 8 erfranftc Schulverwalter wurden 2171 Mark gezahlt. Es wurde beschlossen, an zwei erkrankte Schulverwalter weiterhin Unterstützungen zu zahlen. — Bezüglich der Regulierung der Witwenpension ivird der Antrag des Vorstandes einstimmig angenommen, daß anstelle des jetzigen Gesetzes das Wittvcnpensionsgesep wie bei den übrigen Beamten treten soll. Ties würde für die hessischen Lchrerwitwen ein Mehr von 30—40 000 Mark ausmachen. Ein Antrag Erbacl»- Michelstadt wünscht, daß Artikel 3, die Pensionierung der Volks- schitllehrer betreffend, aufgehoben und an feine Stelle Art. 2 des Gesetzes über die Ruhegehalte der Zivilstaatsdiener gesetzt wird. Ter Vorstand ivird betraut, dahingehende Schritte zu tun. Ein Antrag des Vorstandes, bei der Regierung vorstellig zu werden, daß das pensionsfähige Wo hnu n g s g e ld, wie in Baden, auf 600 Mark erhöht, wird, findet cinftimmigc Annahme. Ein Antrag des Bezirksvereins Offenbach verlangt die Herabsetzung der höchsten Schülerzahl einer Klasse von 60. Dieser Angelegenheit kann jedoch erst nach Beseitigung des Lehrermangels näher _ getreten werd em Auf Antrag von Zwingeickerg wird beschlossen, daß erkrankte Schulverwaller, die Mitglieder des Unterstützungsvereins sind, vom 1. Mai ab monatlich 60 Mark Unterstützung erhalten. Mehrere weitere Anträge wurden für nächstes Jahr zurückgestellt und es begann die ein-* gehende Erörterung der Gehaltsfrage. In Längerer Ausführung erläuterte der Obmann Backes die toohlerwvgenen Schritte, die der Vorstand getan habe und die ihn veranlaßten, die Skala „BacksS" 1200—2800 Mark wieder einzubringen. Zahlreiche Redner beteiligen fick an der fast zweistündigen lebhaften Debatte. Mehrere Redner wünschen ein Einverständnis mit den Schritten des Vorstandes, da zur Zeit die Finanzlage keine günstige ist, doch bleibe den Lehrern als Ziel, die Einreihung in eine Beamtenkategorie. Seitens mehrerer Redner wird eine scharfe Kritik an der Frankfurter Versammlung (7. April) geübt, andere Redner fordern entschieden ein Hinausgehen über die Skala „Backes", damit die unteren und mittleren Gehaltssätze erhöht würden. Schließlich wird ein Antrag von Rudolf-Alsfeld einstimmig angenommen, der lautet: „Die heutige Ver- tteterversammlung des Landeslehrervereins erwartet von dem Vorstand nach wie vor eine energische Vertretung der Forderung für die Gehaltsaufbesserung und spricht dem bewährten Vorstand sein volles Vertrauen aus."
** Der hessische Landeslehrer verein halte im Jahre 1905 eine Einnahme von 13589,12 Mk. (darunter 3346,99 Mk. Kafsevorrat, 8966,37 Mk. Mitgliederbeiträge und 871,91 Mk. aus Verträgen). Die Ausgaben beliefen sich auf 10 429 Mk. (darunter für den Schulboten rund' 5000 Mark, Beitrage an andere Vereine 2220 Mk.). Das Vereinsvermögen betrug am Schluß des Jahres 1904 5346,99 Mk. und am Schluß des Jahres 1905 5159,57 Mk. Ter Unter* stütz UN gs-Der ein provisorisch angestellter Lehrer vereinnahmte 5554,94 Mk. (darunter 1824,28 Mk. Kassevorrat, 2257,50 Mk. Beiträge von aktiven und 185 Mk. von inakt. Mitgliedern, 300 Mk. einmalige Gaben und Geschenke. Für Unterstützungen wurdeti 2371,20 Mk. verausi- gabt, sodaß sich nach Abzug des Kassevorrats eine Mehr- einnahme von 1359,46 Mk. ergibt. Das Vermögen des Unterstützungsvereins stieg von 13 024,28 Mk. auf 14 383,74 Mark.
Aus SraSt uns Luns.
Gießen, den 19. April.
♦* Person ali en. S. St1. H. der Großherzog haben dem Lehrer an der Viktoriaschule zu Darmstadt PH. Hartmann aus Anlaß seines 50jährigen Dienstjubiläums die Krone zum Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen, den Oberlehrer an der Ober- realschule zu Worms Professor Dr. Jak. Keil zum Oberlehrer an dem Gymnasium zu Worms ernannt und dem Brandversicherungs-Jnfpektor Friedr. Reh zu Mainz den Charakter als Baurat erteilt.
*’ Zum Gcsandtschaftswechfel in Darmstadt. S. K. H. der Groß her zog haben am Dienstag mittag kurz vor 1 Uhr den bisher am Großherzoglichen Hofe beglaubigten StönigL Preuß. außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister, Prinzen zu Hohenlohe- O eh rin gen, behufs Entgegennahme seines Abberufungsschreibens in besonderer Audienz empfangen. Am 7. l. Mts. hat bei S. Exz. dem Staatsminister zu Ehren des Preußischen Gesandten, Prinzen zu Hohenlohe, ein Diner stattgefunden, an welchem II. KK. HH. der Großherzog und die Großherzogin sowie die diplomatischen Vertreter und höchsten Hof- und Staatsbeamten teilnahmen.
** In Audienz empfangen wurde von S. K. H. dem Großherzog am Mittwoch u. a. Oberlehrer Dr. Molz von Gießen.
"Sitzung des Provinzialausschusses. Mittz« woch, den 25. d. M., vormittags 10 Uhr beginnend, findet eine Sitzung des Provinzialausschusses der Pcovmz Oberhessen mit folgender Tagesordnung statt: 1. Wiederherstellung des ehemals burgfriedbergischcn Amtshauses (altes Schulhaus) zu Kaichen. 2. Gesuch des Otto Ruppel von Ranstadt um Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft.
•• Nebenbahn Butzbach-Wetzlar. Die dem Bürgermeister von Wetzlar als Vertreter der Stadtverwaltungen von Wetzlar und Butzbach zur Vornahme von Vermessungen und Vorarbeiten für eine normalspurige Nebenbahn von Butzbach über Pohl-Göns nach Wetzlar innerhalb
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Nr. 91 Zweites Blatt
156. Jahrgang
Donnerstag 19 April 1906
Erscheint W-lich mit Ausnahme des Sonntags.
Eie „Siebener Familienblätter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt Der -Hessisch« taibroUr erscheint monatlich einmal.
Giehener Anzeiger
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch« UniversitätSdruckerei. R. Lange, Gietzen.
Redaktion, Expedition «.Druckerei: Sckukftr.L.
Tel. Nr. BL “ Telegr^Adr.: An-etger Gieße«.
General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Gießen, den 14. April 1906.
Bctr.: Wiesenrundgang im Frühjahr 1906.
Das Grsßherwgliche Kreisanck Gießen
au die Großh. Bürgcrmeiftereietl des Streifes.
Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vorn 19. Februar ds. IS. (Kreisblatt Nr. 24) noch nicht entsprochen haben, werden an deren Erledigung erinnert
I. 93.: Dr. Merck.
„Agrarier" contra Landwirtschaft.
Von einem Landwsirte auS Schlesien ging der „9t. Hr, Px." eine Darstellung zu, welche die schwere Schädigung der kleinen Landwirte durch die neuen hohen Zölle erkennen läßt. Die Schädigung bezieht sich auf eines der schönsten Dörfer eines niederschlesischen Kreises, das 1400 Hektar bebautes Land durchschnittlich vierter bis fünfter Bodenklasse umfaßt und etwa 1300 Einwohner zählt. Angebaut wurden 30 Hektar Weizen, 452 Hektar Roggen, 35 Hektar Gerste, 210 Hektar Hafer, 208 Hektar Kartoffeln, 50 Hektar Klee, 400 Hektar Wiesen und 15 Hektar Rüben. In dem Dorfe sind" 760 Stück Kühe, tragende Kalben, Bullen und Zugochsen unb mindestens 280 Kälber bis zu zwei Jahren, bie, zur Hälfte gerechnet, 140 Stück Großvieh gleichgesetzt werden fönnenf Also sind in dem Dorfe vorhanden 900 Stück Rindvieh als Großvieh, daneben etwa 600 Schweine und 148 Pferde. Von den Grundstücken sind je eins 200 Hektar, 150 und 100 Hektar, je zwei 50 Hektar, zwölf 25 Hektar, 25 12 Hektar groß, der Rest sind kleinere Wirtschaften. Gehalten werden im Durchschnitt auf I V, Hektar em Stück Großvieh, bei den drei großen Wirtschaften auf 2 Hektar ein Stück Großvieh, auf zwei Hektar ein Schwein, auf zehn Hektar ein Pferd. DaS Wiesenoerhältnis ist sehr günstig. Der Ertrag einer sehr guten Ernte in diesem Dorse ist:
an Weizen 80 Hektar ä 40 Ztr. 1 200 Ztr., Roggen 452 Hektar ä 30 Ztr. 13 560 Ztr^
_ Gerste 35 Hektar ä 30 Ztr. 1 050 Ztr., , Hafer 210 Hektar ä 40 Ztr. 8 400 Ztr.
in Summa 24 210 Ztr.
Verbraucht werden:
für 1300 Einwohner an Brotgetreide pro Kopf
7 Ztr., in Summa......... • • 0100 Ztr.,
für 900 Stück Rindvieh an Kleie ä 11 Ztr., tu Summa 9 900 „ . für G00 Stück Schweine an Schwarzmehl A 2 Ztr.,
in Summa . . . *........ • 1200 „
für 148 Stück Pferde an Hafer ä 25 Ztr., in Summa 3 700 u
727 Hektar Ausfaal ä 4 Ztr., in Summa . . . 2 908 „
im Ganzen also 26 808 Ztr.,
gebraucht wurden 24 210 Ztr.,
mehr verbraucht wurden also 2599Ztr., als die Ernte betrug.
Aus diesen Zahlen geht hervor, daß dieses schlesische Dorf, das zu den schönsten des Kreises gehört, nicht imstande ist, sein Getreide selbst zu bauen, sondern noch etwa 2600 Zentner Futtermittel zukaufen iii u ß. Dabei sind die Zahlen der Ernteerträge sehr hoch angenommen auf einem Boden, der durchschnittlich überwiegend der fünften Bodenklasse angehört, und andererseits sind drei Pfimd pro Kuh und Kraftfutter und 25 Zentner Hafer pro Pferd und Jahr sehr niedrig angenommen auf einer Fläche, wo mehr als die Hälfte Rauhfutter als Häcksel und Stroh reinen Heus gegeben werden muß. Es gibt Besitzer in dem Dorfe, die nicht 3 Pfund Kleie, sondern 7 Pfund pro Kopf verfuttern und bei Mästung noch 3 bis 4 Pfund Oelkuchen oder sonstige Kraftfuttermittel für das Stück verwenden. Wenn im Durchschnitt für das Stück Rindvieh nur 1 Pfund mehr und für 1 Pferd 5 Zentner Hafer mehr angenommen -werden, so ergibt sich, daß 6600 ZentnerFutterrnittel mehr gebraucht werden, als die gesamte Getreideproduktion dieses Dorfes beträgt, ein Beweis, daß nicht nur Wirtschaften von 5 Hektaren und weniger kein Getreide verkaufen können, sondern auch größere landwirtschaftliche Betriebe nicht imstande sind, soviel Getreide zu bauen, als sie verbrauchen.
Tie Erhöhung des Zolles für Vieh und Fleisch nötigt 3iir Vermehrung des heimischen Viehbestandes, die Wer- mehtung des Viehbestandes aber erfordert einen Mehrverbrauch an Kraftfutter. Ter Bedarf an Kraftfutter wird immer größer, die Preise steigen immer mehr, der Ankauf aber findet seine Gren'ze, sobald der erhöhte Preis nickt mit dem erhöhten Werte der Produttion gleichen Schritt hält. Besonders schwer empfindlich ist die Schädigung der Landwirte durch die Erhöhung des M a i s z o l l e S im neuen Zolltarif. Mais ist derjenige Artikel, der, mit Ausnahme einer geringen Menge, für Brenne- Teien und gewerblich gebrauchte Pferde ausschließlich von der Landwirtschaft als Pferde-, Schweine- oder Geflügelfutter oder als Saatmais gebrauchr wird. Turch den Zoll ist der Mais dem Landwirte als Futtermittel entzogen worden, da infolge der Preissteigerung ein Gewinn ausgeschlossen ist. In der Verminderung der Schweinemast und «Geslügelzuchr werden sich die Folgen der Erhöhung des Maiszolles besonders ungünstig für die Landwirte bemerk- Ibar machen. Tab ei wird Mais als Grünsiitter bei der Ber- Anehrnng des Viehbestandes von Jahr zu Jähr mehr gebraucht, zumal da der Mais als Grünsutter die höchsten Erträge liefert und von großer Widerstandsfähigkeit gegen Dürre ist. Um so härter trifft der Maiszoll den Vieh hülten- Len Lairdwirt.
Was ist also das Ergebnis der Erhöhung der Agrar- Zölle für die Landwirte? Ter Zoll auf Roggen komm/t Den kleinen Landwirten nicht zugute, durch den Zoll auf Mais aber werden die Landwirte direkt geschädigt. Die Zölle haben also die entgegengesetzte Wirkung für bie kleinen Landwirte, ols ^ihnen von den großen Agrariern versprochen worden ist.


