Ausgabe 
22.6.1906 Zweites Blatt
 
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SaSxmöe xu zwingen. Ebenso wird «in Antrag angenommen, mit Energie für die Einführung der freien Arztwahl auch bei den staatlichen Kassen zu wirken. Dr. Steinbrück- Stettin berichtet über die fug. Assistentfrage, er verlangt, daß diese keinen eigenen Verband bilden, sondern sich an den Wirtsch Verband anfchließen und sich in die Votanzenliste eintragen sollen, daß sie von den Anstalten, Krankenhäusern und den PrivlMrzten, bei denen sie angestellt sind, bssier als bisher und zwar steigerrö mit der Dauer der Anstellung honoriert werden. Generalsekretär Kuhns schüdert die immer häufiger auftauchcn- den Beschwerden der Schiffsärzte, die eine mit der Zahl ihrer Fahrten steigende Erhöhung des Honorars und eine Glciä>- stellung mit den höheren Schrffsoffizieren und die Zuweisung besserer Kabinen verlangen. Es fällt den Schiffsgcsellschasten immer schwerer, die von den Behörden für jeden Personendampfcr benötigten Schiffsürzte zu erlangen. Der Verband wird deshalb in Verhandlungen mit den Schiffsrhedereien zwecks Erfüllung der Wünsche der Aerzte treten. Dr. PeYser-Berlin berichtet über die Erfahrungen über soziale Med izin alS Gegenstand des Universitäts- und ärztlichen Fortbildungs- unterrichtes: er verlangt eine bessere sozial medizi­nische Ausbildung derStudiercnden wie der sozialen Fortbildung der Aerzte; er wünscht die Schaffung von Lehr­stühlen für soziale Medizin und zur theoret. und prakt. Belehrung der Aerzte Seminare für soziale Medizin und zwar soll der Verband eine Zentrale für alle derartigen Bestrebungen schaffen, der auch die Verarbeitung des literarisckien Materials obliegen würde. Dr. Vogel-Heppenheim gibt seinen Antrag auf Schaffung eines ärztlichen Genesungsheims auf, wünscht aber der Zentrale des ärztlichen Unterstützungswesens diesen Ge­danken zur weiteren Anregung als Material zu überweisen.

Vermischtes.

* Brände. Am 21. d. Mts., brach in Ferdinands­hof bei Pasenwall (Pommern) Feuer aus, das sich mit großer Schnelligkeit verbreitete, sodaß bereits nach zwei Strurden 25 Wohnhäuser und 30 bis 40 Nebengebäude niedergebrannt waren, ohne daß es gelungen wäre, der Feuerbrunst Einhalt zu f In Ebelgünde bei Rathenow (Mark) sind zweiu und 8 Jahre alte Kinder eines Arbeiterehepaares, die sich in Abwesenheit der Eltern am Feuerherde zu schaffen machten und Petroleum in das Feuer schütteten bei lebendigem Leibe verbrannt. In London wütete ein Riesenbrand, der großen Schaden anrichtete. Er entstand in einem Holzlager und breitete sich auf die umliegenden Häuser aus. Viele Wohnhäuser brannten vollständig nieder. 200 Personen sind obdachlos. Eine Menge von hundert Personen sammelte sich in der Nähe des Brandplatzes an und hinderte die Löscharbeiten.

* Kleine Tageschronik. Während des Kirchweihfestes in Oevar (Ungarn) entstand eine blutige Schlägerei, in deren Verlauf gegen das Gemenrdegasthaus eine Dyn amitbomb e geworfen wurde. Zahlreiche Personen wurden verwundet, der Täter ist noch nicht ermittelt.

Tinrrst und Wissenschaft.

Der ausgezeichnete französ.Bildhauer August Nadin, den die Universität Jena zum Dr. phil. hon. c. ernannte, hat der thüringisches Landesuniversität eine wertvolle Athenebüste zum Geschenk gemacht.

Ein Dorfmuseum. In Ruhla, dem bekannten Bade- und Jndustrieorte im Thüringer Walde, wird am 1. Juli ein Dorfmuseum eröffnet werden. Damit wird der Kunstwissen­schaft ein großer Dienst erwiesen werden. Nicht eine Sammlung von Antiquitäten nur lokaler Bedeutung wird das Ruhlaer Dorf­

museum beherbergen, sondern Thüringer Kunst und Kunsthandwerk werden geschlossen zum ersten Male dargestellt werden, und zwar für die Dauer, nicht vorübergehend, wie dies vor einiger Zeit in Erfurt der Fall war. Alte Truhen, Saben, Tische, vor allem Schränke, ferner Trachten, Artikel der alten berühmten Ruhlaer Industrie (Messerschmiede und Waffenschmiedewaren), schließlich Thüringer Porzellan unb Glas werden vertreten sein. Vielleicht denkt man auch in Ober Hessen an die Gründung eines solchen Museums, gerade jetzt im Anschluß an das Butzbacher H e i m a t p f l e g e s e st.

Ern musikalischer R i e s e n k a t a l o g, der für die Musikgeschichte einen ungewöhnlichen Wert besitzen wird, sieht der Veröffentlichung entgegen. Der Inhalt wird den gesamten Schatz an musikalischen Manuskripten umfassen, die im Britischen Museum zu Lonbon ausgespeichert ist. Das Werk wird in drei Bänden herausgegeben werden, von denen der erste, der ausschließlich der kirchlichen Vokalmusik gewidmet ist, eben seine Vollendung erfahren hat. Der zweite Band, dessen Fertigstellung vermutlich innerhalb eines weiteren Jahres beendet sein wird, ist zur Aufnahme der weltlichen Vokalmusik bestimmt. Der dritte Band wird sich dann auf die Jnstrumentalmustk und auf Abhandlungen über Musik beziehen, außerdem auch eine genaue Liste von musikalischen In­strumenten enthalten, soweit sie in Manuskripten des Museums beschrleben sind.

Universitäts-Nachrichten.

Der neugegriinheten Ortsgruppe der Antiduelliga in Straßburg sind 18 Universitätsprofessoren unter ihnen der derzeitige Rektor Magnisieius beigetretem

Hamburg , 21. Juni. Der Verband deulscherHoch- schulen überwies 500 Mark als Spende an den allgemeinen deutschen Schulverein zur Erhaltung des Deutschtums im Aus­land, anläßlich dessen 25 jährigen Bestehens. Für die nächste Tagung wurde Münster gewählt, für die Geschäfte des Vororts die Charlottenburger Hochschule.

Landwirtschaft.

Der Saaten st and in Preußen um die Mitte des Juni betrug: Winterweizen 2,3 (im Vormonat 2,4), Sommer­weizen 2,4 (2,5), Winterspelz 2,5 (2,7), Winterroggen 2,6 (2,7), Sommerroggen 2,6 (2,8), Sommergerste 2,4 (2,5), Hafer 2,3 (2,5), Kartoffeln 2,7 (2,7), Klee 2,1 (2,3), Luzerne 2,1 (2,4), Rieselwiesen 2,0 (2,2), andere Wiesen 2,3 (2,6). Die in einigen Landesteilen schon im ersten Drittel des Monats Mai eingetroffenen Regen­güsse verbreiteten sich über das ganze Staatsgebiet und waren in Begleitung zahlreicher schwerer Gewitter und Hagelschläge fast überall von übermäßiger Ergiebigkeit. Selbstverständ­lich mußten während dieser Regengüsse sämtliche Feld­arbeiten unterbleiben. Unter den vorkommenden pflanzlichen Schädlingen wird überall der Hederich genannt, der am stärksten im Hafer wuchert. Der Stand der Winterhalmfrüchte ent­spricht nicht überall den großen Erwartungen, kann aber im ganzen als befriedigend bezeichnet werden. Was bei der Winter­frucht schon weiten Umfang angenommen hatte, zeigte sich bei der Sommersrucht im Entstehen : auch bei ihr sind nach der anhaltend nassen Witterung die Halmspitzen teilweise gelb geworden, immerhin aber har sich nach der Begutachtungsziffern der Vertrauensmänner der Stand sämtlicher Halmsrücküe gegen den Vormonat gehoben. Während über Kartoffeln im Mai-Bericht ein allgemeines Urteil noch nicht abgegeben werben konnte, sind die diesmonatigen Ziffern als vollgiltig'anzusehen. Am erfreulichsten sind die Ernteaussichten bei ben Futterpflanzen, von denen Klee nnb Luzerne int Staats- durchschnttl je 2,1 erhielten, was gegen ben Vormonat eine Ver­besserung um 0,2, bezw. 0,3 bedeutet. Ucber Wiesen lauten die Berichte mit geringen Ausnahmen gleichfalls recht günstig. Ver­einzelte Nachrichten aus ben westlichen Landesteilen zufolge sollen die günstigen Aussichten betreffenb eine vorzügliche Obsternte durch die ungünftige Witterung vernichtet sein; inwieweit auch Wein gelitten hat, war noch mcht sestzustellen.

Rändel rrnS Verkehr, Votrswtrt-cyafr. >

Zur Börsen läge. Es ist plötzlich eine Wendung ziimB es sern eingetreten. Wie genieldet, haben schon seit einigen Tagen zwei Berliner Banken Jnterventionstäufe m russischen Staatsfonds vorgenoniiiien. Ties hat zu einer merklichen Besserung der allgemeinen Tendenz beigetragen. Dazu kam heute noch, daß die ebenfalls schon angekündigte Herabsetzung des D i s k o it t s der Bank von Englaitd voit 4 auf 3'/, pCt. zur Tatsache würbe. Auch nach anderer Richtitng hin bemühen sich die erstell Finanziers mit Rücksicht auf die schivebendell Emissionen gutes Börsenwetter zu macheii. Die Abgaben haben aufgehört und kleinere Ordres auf den verschiedenstelt Gebieten sinb wieder zt, bemerken. Um der gebesserteil Stimmung noch weiteren Nachbrtlck zu verleihen, wurde auch heute die definitive Dividendenerhöhultg der Baltimore and Ohio-Babn von 5 auf 6 pCt. bekannt. Jetzt fragt es sich nur, ob die gebesserte Tendenz weiter festen Fuß faßt und sich über beit Ultimo hinaus erhall.

Aus b e r Werkzeug maschinen-Jnbu st rie. Im vergangenen Jahre hat bie Werkzeugmaschinen - Jnbustrie iiach mehreren mageren Jahren nach und nach eine durchgreifende Besserung erfahren. Nur einzelnen Betrieben will es nicht gelingen, wieder in die Höhe zu fomrnen. Zu diesen gehört die Deutsche Miles, Werkzeugulaschinenfabrik in Berlin. Tas abgelaufene Geschäftsjahr brachte einen neuen Verlust und zwar von 900 000 Mk. (1904 betrug er 1638 000 Alk.). Bei einem Aktienkapital von 6 Millionen Mk. stellt sich nun bie Unterbilailz auf 4 663 000 Mk. Der Verlauf bes Jahres 1905 hat also ben gehegten Erwartungen roieber nicht entsprochen. Nun hofft bie Direktion, baß bas Jahr 1906 normale Betriebsverhältnisse bringen werbe, Die finanzielle Rekonstruktion des Unternehmens soll erfolgen, sobald die Ertrags­verhältnisse dies zweckmäßig erscheinen lassen.

Eiu geheimesPreissyndikat fürKun ft bänger. Der Jahresbericht der Hildesheimer Hairdelskanrmer schreibt: Im Handel mit Kunstdünger, Ammoniak-, Super- und reinen Super- phosphcrten wirkt ein geheimes Syndikat unter ben Fabriken, das die Preise für Kunstdünger auf einer gleichmäßigen, stabilen Basis halten konnte. Die Fabriken können jetzt aufatmen unb| mit Gewinn arbeiten.

Bon der Berliner Börse. Im Anschluß an bie West- börsen zeigte sich eine kräftige Erholung für Russenfvnds, die aber zum Teil wieder verloren ging, als Drahtberichte von neuen Militärunruhen meldeten. 1902 er Russen notieren jetzt 76,40 nach 76,80. Besoirdere Avancen erfuhren Baltimore; sie stiegen von 116 bis 118,60 aus die Dividende. In Hütten-Mieu zeigte sich ebenfalls Erholung und von Banken wurden Schaffhausen, Deutsche und Dresdener bevorzugt. Privatdiskont 36/8 °/0.

Reichsbank. Durch Verfügung des Reichsbankdirektoriums wirb bie Reichsbanknebenstelle inSäckingen am 14. September aufgehoben.

Fanrilien-Nachrichten.

V e r m ä h l l e. Herr Dr. Saly Wallersteul, Frau Johanna Wallerstein, geb. Gutmann, Mainz.

Geboren. Herrn Ewald. Morhenn unb Frau Aenni, geb, Walbschmidt, Wetzlar.

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