Seren Emission Men Erfolg batte, daß die Subskriptionslisten sehr bald geschlossen werden konnten. Deutsche Klemkapttalrsten hatten sich zahlreich an der Zeichnung beteiligt, und sie snidnun in Sorge, schon wegen der Einlösung des im Oktober d. I- fällig werdenden ersten Zinsschcmes. Wir glauben nicht das ^er Schwierigkeiten entstehen. Das emittierende iNnanz-Jn- stitut, die Deutsche Baus, wird zweifellos entivrechende Vorkehrungen trcsscn, den regelmäßigen Zinsendienst aus eigenen Mitteln sicher zustellen, falls die chilenische Negierung sich nutzer stände MKL' fürs nächste ihren sinanziÄen B-Echtungen m vollem Umfange nachzukommcn. Jedenfalls ser auf !die ^tsache hingewiesen, das; der chilcnycye Staat fernen Kundendienst auch damals pünMich erfüllt hat, als seine finanzielle Entwicklung durch politische Streitigkeiten Mit Argentinien und damit ver bundene Ausgaben für Wehrzwecke stark beeinträchtigt war.
Nun besteht allerdings die Möglichkeit einer nachteiligen Rückwirkimg der Erdbebenkatastrophe auf die Salpeter- und Kupfer Produktion des Landes, die der Staatsrasse aus Grund der Exportzölle die hauptsächlichen Einnahmen ?ufuhrt. Es liegen erfreulicherweise auch in dieser VezielMNg bereits beruhigende Erklärungen seitens der am Handel Mit Chile beteiligten Firmen vor, mit einem zeitweiligen Rückgang des Exportgeschäftes muß aber doch wohl gerechnet werden, schon aus den gehörten allgemein wirtschaftlichen Verhältnissen heraus, die sich besonders in den Hafenstädten. bemerkbar wachen dürsten. Ferner schlicken die durch die Erd^benkalahrophe in San Franzisko gegebenen Erfal-rinigen icdcn ZweHl darüber aus, das; der Wiederaufbau Valparaifo's dem chilenischen Staat sehr bedeutende Ausgaben verursachen wird. Durch eine mnyre Anleihe wird man sie kaum bestreiten können, ev ist iM Gegenteil zu erwarten, das; die il?rer Existenzmittel beraubten chilenischen Bürger die Regierung um Unterstützung angehen Also ist Die Möglichkeit eines erneuten A p p e l l s C h i l e s and e n internationalen Geldmarkt in Betracht zu zi h .
Es wird dem schwer heimgesuchten Lande ;a auch Nicht an freiwilliger .Hilfeleistung fehlen. Das benachbarte Argentinic , das erst seit etwa vier Jahren auf freundschaftlichem rNM mit Chile steht, eröffnet in anerkennenswerter Welse den Reigen der Hilssaktionen. .Hier ist speziell für die Regierung der Vereinl^- ten Staaten Gelegenheit, den attamerikamschen Gedanken m d e Tat urnzusetzen, für den soeben erst der Staatssekretär Root auf dem Kongress in Rio de Janeiro rednerisch sich ms Zeug legte.
Alles in Allem: als Wirkung der Erdoebcnkatastrovhe erscheint ein zeitweiliger Stillstand im wirtschaftlichen Aufschwung Chilc's unabwendbar, im Markte aber ist der natwnalokonomischc Organismus des Freistaates offenbar nicht getrosten, und deshalb dürsten die Staatsglüubiger Chile's gut tun, die weitere Entwicklung in Ruhe abzuwarten und von Angstverkaufen in chilenischen Fonds sich zuruckhalten. An den Börsen gewinnt bereits wieder eine zuversichtliche -Stimmung die Oberhand, wie sich in der Kursaufbcsserung für chilenische Werte zeigt.
— Wie dem Reuterschen Bureau aus Port de Francs gemeldet wird, sind mehrere Erdstöße auf der Insel Martinique erfolgt. Schaden ist nicht verursacht worden.
8. Sitzung der Großh. Handelskammer Gießen mr die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach.
Protokoll-Auszug.
Gießen, 15. August 1906.
Anwesend die Herren: Kommerzienrat Koch, Vorsitzender, DürVeck, Friedberger, Klingspor, Nowack, Nam- speck, Rinn, Röhr, Schmoll, Stammler, Wallach, Zurbuch, sowie der Syndikus Dr. Knipper.
1. Aus dem Geschäftsbericht ist folgendes mit- zu teilen:
a) Herr A. Steinecke-Lollar hat infolge seines Wegzugs aus dem Kammerbezirk sein Äirnt als Mitglied der Handelskammer nieoergelegt. Die Ersatzwahl soll gegen Ende des Jahres gelegentlich der regelmäßigen Ergänzungswahlen vorgenommen werden;
b) Ter preußische Landeseisenbahnrat ist vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten um ein Gutachten darüber ersucht worden, ob ein allgemeines Verkehrs-
, bedürfnis für die Ausdehnung des Ausnahmetarifs vom 15. Januar 1905 für die Beförderung von Steinkohlen und Koks aus dem Ruhrgebiet nach den Eisenwerken an der Sieg, Till und Lahn auf die Beförderung von Braunkohlen und Braunkohlenbriketts aus dem rheinischen Braunkohlengebiet nach den genannten Gegenden vorliege. Die Handelskammer hat dem Großh. Ministerium der Finanzen hierzu berichtet, daß die Eisenindustrie ihres Bezirkes an einer solchen Erweiterung des Ausnahmetarifs vom 15. Januar 1905 kein Interesse habe;
e) Anläßlich des Ablebens des Herrn Geh. Kommerzienrats Ph. Barthels, Vorstandsmitglied des Deutschen Handelstags, und des Herrn Senator W. Henkel, Vorsitzenden der Handelskammer Göttingen, hat die Handelskammer den beiden Körperschaften ihre Teilnahme ausgesprochen.
2. Eiscnbahnverkchrsordnung. Tas Reichs- Elsenbahnamt hat einen vorläufigen Entwurf einer neuen Eisenbahnverkehrsordnung der öffentlichen Kritik übergeben. Die Handelskammer, die den Entwurf durch eine Kommission einer Durchberatung hatte unterziehen lassen, ernannte an, daß die Neubearbeitung, abgesehen von einer klareren Fassung gegenüber der jetzigen Verkehrsordnung manche Verbesserung enthält und den wiederholt geäußerten Wünschen des Handelsstandes z. Tl. Rechnung trägt, so z. B. bezüglich der Aenderung des Frachtbriefformulars, der Ausdehnung der Haftung der Eisenbahnverwaltung für Güter, die unter ihrem Mitverschluß in Zoll- und Revisionsschuppen wutergebracht sind und teilweise auch hinsichtlich der Abkürzung der Lieferfristen. Trotzdem bleibt in dem Entlvurf eine Reihe berechtigter Forderungen des Handelsstandes unerfüllt. Tie Handelskammer beschloß daher, bei dem Reichseisenbahnamt noch weitere Aenderungs- anträge zu stellen. Tie Kammer sprach sich u. n. gegen bie Beschränkung von Tarifen auf einzelne Erwerbsgruppen aus, toie, es bei den Notstandstarifeu für Futtermittel geschehen ist, ferner für Erhebung von Wagenstandsgeldern an Sonn- und Festtagen, sofern nicht am 2. Tage vor dem Sonn- oder Festtage der Verzug eingetreten war, sowie für die Avisierung bahnlagernder Güter, die Zulassung von Frachtberechnungsvorschriften auf dem Frachtbrief und für die Slbkürzung der Abfertigungsfrist für Eilgut auf einen halben Tag, für Frachtgut auf einen Tag.
3. Reform des Wechselprotestes. Im Reichsanzeiger wurde vor einiger Zeit ein vom Reichsjustizamt ausgearbeiteter Gesetzentwurf, betr. die Erleichterung des Wechselprotestes veröffentlicht. Ter Entwurf sieht insbesondere die Einführung des Postprotestes und mehreren Vereinfachungen des Protestverfahrens vor. Ter Protest mangels Zahlung ist auf den Wechsel selbst zu setzen, womit die Wechselabschrift überflüssig wird. Bis zur Aushändigung der Protesturkunde sollen Berichtigungen zulässig sein. An Stelle der Eintragung der Proteste in ein Register werden Abschriften der Proteste gefordert. Bei ungenauen Orts- bezeichnungen soll im Nachbarortsverkehr die Erhebung .eines Windprotestes nicht mehr erforderlich fein. — Die Arvtestbeamten sollen Spie BefugniA zur Annahme der
Wechselzahlung erhalten und die Proteststunden sollen einheitlich auf die Zeit von 8 Uhr vormittags bis 7 Uhr nachmittags festgesetzt werden. Endlich ist die Gleichstellung der Domizil- und Zahlstellenwechsel in bezug auf die Protesterhebung und die Folgen ihrer Unterlassung vorgesehen. Ter Enttvurf trägt den Wünschen des Handels im allgemeinen Rechnung, sodaß die Handelskammer von Abänderungsanträgen abzusehen beschloß. Auch die dem Reichskanzler zugestandene Befugnis, dem Postprotest gewisse Beschränkungen vorzuschreiben, so z. B. bezüglich der Zulassung der Wechsel bis zu einem Betrage von 800 Mk. fand die Zustimmung der Kammer.
4. Arbeitszeit in kaufmännischen Kon-, tor en.
Ter Beirat für Arbeiterstatistik hat am 5. Jüli 1905 beschlossen, der Reichsregierung eine gesetzliche Regelung der Arbeitszeit in kaufmännischen Betrieben, die nicht mit offenen Verkaufsstellen verbunden sind, zu empfehlen. Er hat insbesondere die Gewährung einer ununterbrochenen Ruhezeit von mindestens 11 Stunden nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit für das kaufmännische Kontorpersonal, die Bewilligung einer Mittagspause von IV2 Stunden und die Einführung der vollständigen Sonntagsruhe vorgeschlagen. Eine Verkürzung der llstündigen Ruhezeit soll in außergewöhnlichen Fällen, z. B. bei Jnventurarbeiten und außerdem an höchstens 30 Tagen im Jahre, eine höchstens zweistündige Sonntagsarbeit nur auf dem Wege ortsstatutarischer Bestimmungen zulässig sein. Die Handelskammer erklärte sich mit dem ersten Teile der Vorschläge einverstanden, hält aber die Einführung der vollständigen Sonntagsruhe mit Rücksicht auf die Natur der einzelnen Geschäftszweige nicht für zweckmäßig. Die Zulassung der Sonntagsarbeit durch Ortsstatut können diese Bedenken nicht beseitigen. Sie beschloß daher in einer Eingabe an das Neichsamt des Innern und das Großh. Ministerium des Innern gegen die auf die Einführung der vollständigen Sonntagsruhe gerichteten Vorschläge Einspruch zu erheben.
5. Frachtermäßigung für inländische Eichenlohe und Lohkuchen. Der Zentralverband des landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen hat den Antrag gestellt, für inländische Eichenlohe und für Lohkuchen eine Frachtermäßigung von ca. 30 Proz. zu gewähren. Iw der Begründung des Antrags wird hervorgehoben, daß infolge des enormen Preisrückgangs für Eichenlohe die Bedeutung des Eichenschälwaldes für die kleineren Landwirte immer mehr abgenommen habe und daß die beantragte Frachtermäßigung eine, wenn auch nur geringe Besserung der Preise und eine Erweiterung der Absatzmöglichkeit erwarten lasse. Tie Handelskammer beschloß, den Antrag im Interesse der Lederfabrikation ihres Bezirks zu unterstützen.
6. Bewilligung eines Ausnahmetarifs für die Beförderung von Setz st einen, Senk- steinen und Schotter von Guntersau. nach Ob er lohnst ein. Es ist beantragt worden, die Fracht von Guntersau nach Ober-Lahnstein für Basalt-Setzsteine, Senksteine und Schotter zu ermäßigen und die Ausfuhr nach Holland und darüber hinaus zu ermöglichen. Die Handelskammer, die von der Eisenbahndirektion Mainz hierzu um eine gutachtliche Aeußerung ersucht worden war, war nach Ansicht der Basaltsteinbruchbesitzer ihres Bezirks der Awsicht, daß der beantragte Ausnahmetarif für die Hartsteinindustrie ihres Bezirks zwar nur ein beschränktes Interesse hat, aber immerhin geeignet sein würde, die Konkurrenzverhältnisse zu ungunsten der oberhessischen Basaltindustrie zu verschieben und beschloß in diesem Sinne der Eisenbahndirektion zu berichten.
7. Erhebung des Frachturkundenstempels.
Die Eisenbahnverwaltung zieht den Frachturkundenstempel von dem Frachtzahler ein. Diese Art der Erhebungen entspricht keineswegs der Absicht des Gesetzes und hat zu manchen Unzuträglichkeiten geführt. Da die W- wälzung der Steuer sich schwierig gestaltet, so bedeutet sie in vielen Fällen eine Belastung der Empfänger. Die Handelskammer beschloß, bei der Eisenbahnverwaltung zu beantragen, daß die Einziehung des Frachturkundenstempels bei dem Aussteller des Frachtbriefes vorgenommen werden möge.
8. Eingänge.
Ter Handelskammer sind von zuverlässiger Seite Mitteilungen zugegangen über eine in St. Petersburg geplante internationale Ausstellung von .Leder, Häuten, Fellen, Federn, Tannen und Erzeugnissen daraus, über spekulative Neugründungen in Egypten, den Msatz von Maschinen für den Bergbau nach Britisch-Jwdien, die amerikanischen Interessen im Wirtschaftsleben Nikaraguas, ferner über zweifelhafte Farmen in Budapest, Antwerpen und London.
Die Eingänge können während der üblichen Geschäftszeit im Bureau der Handelskammer eingesehen werden.
Aus Stadt uns LunS.
Gießen, den 21. August.
Militärdicn st nachrickilcn. Frhr. v. Schenk zu Schweinsherg, Major, aggregiert dem Inf.-Reg. 115, erhält ein Patent seines Dienstgrades. — Frhr. v. N 0 rdeck zur Rabenau, Jnf.-Reg. 116, kommandiert als Jnspektionsoffizier zur Kriegsschule in Metz. — Lt. v. Bo eltzig, Jnf.-Reg. 116, auf 1 Jahr zur Dienstleistung zum Dragoner-Rcgt. 12 kommandiert. — Lt. Schmidt, Unterofsizierschule Marienwerder, und Lt. Reich von der Unterofsizierschule Potsdam in das Jnf.-Regt. 168 versetzt. Lt. v. Strzemieczny im Feldart.-Regt. 25 und Lt. von Scholten im Feldart.-Regt. 61 zu Oberleutnants befördert. — Oberlt. Claus (Landwehr 2. Aufgeb.) zu den Reserve-Offizieren Jnf.-Reg. 116 versetzt. — Zu Leutnants befördert Vize- Feldivebel Zimmermann (I Darmstadt) Jnf.-Regt. 116, Vizewachtmeister Frhr. v. S en arcl en s-Grancy (I Darmstadt), v. Hahn (I Darmstadt) im Feldart.-Reg. 25, Gebhard (I Darmstadt) im Feldart.-Reg. 61.
(?) Großen-Buseck, 20. Aug. Durch Radfahrer (uib hier zwei schwere Unglucksfälle vorgekoiumen. Am Sonntag wurde das Kind eines Telegr.-Beamten von einem Rade überfahren und wurde so erheblich verletzt, daß es wahrscheinlich den Verlust eines Auges erleiden wird. Gestern wurde Frau S. Berlin von einem Rade umgefahren. Auch sie erlitt solche Verletzungen, daß ein Arzt zugezogen werden mußte. Der Radfahrer, der sieh schleunigst davonmachte, ist indes erkannt worden.
a. Fellingshausen, 20. Aug. Dunkle Wetterwolken ließen schon darauf schließen, daß das für Sonntag ange- kundigte Missionsfest diesmal nicht im schattigen Walde gefeiert werden könnte. Rian war daher ausschließlich auf unser schmuckes Kirchlein angewiesen, das bis auf den letzten Platz gefüllt war. Festprediger war Pfarrer Hachtmann aus Oberhörlen, welcher über Ev. Joy. 18,37 redete. Missionar Boy wußte sowohl im Vormittagsgottesdienste zu Rodheim als auch in der Nachversammlnng hier über die Goßncrsche Mission in Vorderindien in fesselnder Weise zn berichten, wo er 11 Jahre unter dem Volke der Kols am Ganges gewirkt
hat. Auch die Pfarrer Cunz aus Crumbach und Vömel aus Rodheim sprachen von den Aufgaben der Missionsgememde. Festgottesdienst und Nachversammlung wurden belebt und verschönt durch Vorträge des hiesigen Kirchenchors und des Rodheimer Posaunenchors.
Bad Nauheim, 19. Aug. Unterhaltungen, ^ruh- konzert der Kurkapelle täglich von 7 8 Uhr vormittags am Siur- brnnnen. Dienstag den 21. August, nachmittags und abends aus der Terrasse Konzert der Kurkapellc. Abends 8 Uhr -rheater^or- stclluna: Die Ehre/ Mittwoch den 22. August, uachm. und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapellc. Abends int Saale Zaubervorstellung des Hofzauberkunstlers Bellachuu aus Marburg. Donnerstag den 23. August, uachm. und abends ans der Terrasse' Konzert der Kurkapellc. Abends Thcater-VorsteNung: .Charleys Tante." Freitag den 24. Aug., uachm. und abends ans der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends Theatervorstellung: Die kleine Witwe." Samstag den 25. August (Feier des Namenstages Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs) nachm. und abends auf der Terrasse Konzert der Kapelle des Thür. Ulanen-Regts. aus Hanau. Bei gutem Wetter Lampiousbeleuchtung auf derTerrasse und Feuerwerk nebst Parkbeleuchtung. Abends im Saale Tanz mit Blumentour. Feuerwerk während der Pause. Sonntag den 26. August Konzert der Kurkapelle mit Einlagen des Hofmusikers und Cornet-ä-Piston-Virtuoien L. Kümmel aus Darmstadt.
Friedberg, 20. Aug. Heute morgen bemerkten Vor-, übergehende, daß aus dem Laden der Geschwister Schloß starker Qualm hervordrang. Alsbald klirrten die Scheiben des Schaufensters und die Flammen schlugen nach der Straße zu. Die rasch alarmierte Feuerwehr erschien nach wenigen Sekunden mit dem im Rathaus eingestellten Löschgerät, legte eine Schlauchleitung vom Hydranten und löschte den Brand in kurzer Zeit. Der Schaden ist nicht unbedeutend. Tas Feuer muß schon längere Zeit geglimmt haben, konnte sich aber nicht entwickeln, da die Tuchballen fest gerollt und Kurzwaren in Schachteln verpackt fest auf- einanderfaßen. Erst als infolge der Hitze die Scheiben sprangen, bekam das Feuer Zug und entwickelte sich rascher. Tie Hausbewohner wurden erst aufmerksam, als die Feuerwehr schon in den Laden eingedrungen war. Nur dem äußerst raschen und sicheren Eingreifen unserer Feuerwehr ist es zu danken, daß größerer Schaden verhütet wurde.
Ir-Staden, 20. Aug. Gestern beging der Wett er au er Gustav-Adolf-Verein hier sein Jahresfest. In der Kirche predigte Pfarrer Möller aus Rendel, ein früherer Schiffsprediger und Seemannspastor in England. Die Nachfeier wurde im Schloßpark abgehalten. Die Musikvorträge des Ober-Mockstädter Posaunenchors trugen zur Verschönerung des Festes bei.
ch. Ruppertsburg (Kreis Schotten), 20. Aug. Zum Bezirkskr reger fest des Bezirks Laubach hatte man der schlechten Witterung trotzend, Ehrenpforten, Festhallen und Musikbühnen gebaut, galt es doch, wie Bürgermeister Lehr in seiner Begrüßungsansprache betonte, ein vierfaches Fest zu begehen. Mit dem 25jährigen Bestehen des hiesigen Kriegervereins feierte man das Bezirksfest des Bezirks Laubach, die Überreichung der unserem Kriegerverein von S. M. dem Kaiser verliehenen Fahnen schleife und das hiesige Kirchweihfest. Gegen 2 Uhr nachmittags bewegte sich ein Festzug aus 20 Kriegervereinen (11 des Bezirks Laubach, 9 aus den Nachbarbezirken Hungen und Lich) durch das Dorf, in dem jedes Haus ein festliches Gewand angelegt hatte. Ter Himmel zeigte ein freundlicheres Gesicht. 'Auf der Festwiese hielt Bürgermeister Lehr die Begrüßungsansprache, Bezirkspräsident Ritter aus Laubach brachte das Hoch auf den Großherzog aus. Geh. Rat Schönfeld aus Schotten überreichte dann die Fahnenschleife unter einer 'Ansprache, in der er sich über die Bedeutung des Schlachttages von Gravelotte verbreitete, mit einem Kaiserhioch schließend. Nach dem Vortrag eines Festliedes von unserem Gesangverein hielt unser als eifriger Politiker bekannter Pfarrer Fritsch die Festrede, welche in einer Mahnung aller Parteien zur Einigkeit ausktang und mit einem Hoch auf das deutsche,Vaterland endete. Als Delegierter des Hassia->Vorstands sprach Postfekretär Mayer aus Gießen. Sein Hoch ging auf Geh. Rat Schönfeld, den allseitigen Förderer des Krieger- veremswesens. Mit einer Dankesaussprache für das Erscheinen der Vereine und sonstigen Festgäste beschloß Bürgermeister Lehr die offizielle Feier. Tie teils weithergewm- menen Kameraden (Lardenbach, Klein-Eichen usw.), etwa 400 Mann an der Zahl, verweilten noch bis zum Wend aus dem Festplatz, wo sich unter den Klängen der Gießener Regimentskapelle und den Vorträgen des Männergesangvereins ein fröhliches Treiben entwickelte.
Alsfeld, 20. Aug. Die Einweihung einer Gedenktafel für Großherzog Ludwig IV. fand gestern vormittag am Kriegerdenkmal auf dem hiesigen Friedhöfe statt. Die Feier war vom hiesigen Veteranen- und Kriegerverein veranstaltet, auf dessen Einladung beteiligten sich sämtliche Alsfelder Vereine. Ein stattlicher Festzug bewegte sich vom Marktplatz durch den oberen Stadtteil und nahm am Kriegerdenkmal Aufstellung. Pfarrer Dr. Becker hielt die Weiherede. Der Vorsitzende des Veteranen- und Kriegervereins Lehrer Rudolph, übergab hierauf die Gedenktafel dem Schutze der Stadt und der Bürgerschaft. Im Namen der letzteren sprach Bürgermeister Arnold über 3870/71. Der Sang „Wie könnt ich dein vergessen", vorgetragen vom Gesangverein „Harmonie", klang über die geweihte Stätte. Namens der Veteranen Alsfelds legte Herr Frank einen Kranz am Denkmal der gefallenen Kameraden nieder. Die Kranzspende des Veteranen- unö Kriegervereins zur Ehrung der Gefallenen begleitete Kreisamtmann Dr. Michel mit markigen Worten. Von der Schieß-Sektion des Veteranen- und Kriegervereins wurde eine Ehrensalve für die Gefallenen abgegeben. Mit dem allgemeinen Gesang „Deutschland, Deutschland über alles" schloß der erhebende Akt.
r. Nied er-Bef singen, 20. Aug. Am SamStag dem 18. ds. Mts. wurden hier auf polizeiliche Anordnung von Frankfurt a. M. zwei junge Bürschchen im 9((ter von 17 Jahren, die sich bei Schreinermeister Klos einlogiert hatte, verhaftet. Der eine, namens Strupp, war bei der Firma Ludwig u. Fries; in Frankfurt in Stelle. Dort soll er P 0 stanwcisungSquitt ungen gefälscht und zirka 800 Mk. erhoben haben. Die Summe gedachte er mit einem guten Freunde in seinen Ferien zur Erholung zu benutzen. Zuerst sind beide zwei Tage in München gewesen. Sie beschlossen dann, einen Luftkurort am Fuße des Vogelsbergs anfzusuchen und kamen nach unserem Orte. Am Abend hatten einige Gäste, die mit ihnen sich unterhielten, freie Zeche. Am Tage machten sie mit ihren zwei neuen Nädern Spazierfahrten oder knallten mit in Gießen gekauften neuen Revolvern lustig drauf los. Doch die Freude war nur kurz. Samstag nacht wurden beide Lustkurgäste geschlossen nach Lich gebracht, um von da nach Frankfurt iveitertrans- portiert zu werden.


