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20.10.1906 Erstes Blatt
 
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Nr. 247

Erscheint tügltch außer SonntaqS.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brü h l'schen Univers.-Buch-ruStein- druckeret. 9t Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei:

Echnlyratze 7.

Redaktion 113

Verlag u.Exped. e^51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

Erstes Blatt

158. Jahrgang

Samstag 20. Oktober 1906

Gießener Anzeiger

** General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Bezugspreis, monaklicd75Vs., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zroeigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Dik. 2.viertel» jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von rlnzetgea für die Lagesnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenprerS: lokal 12 'CU auswärts 20 Ptg.

Verantwortlich tüe den poliL und dUgem, Teil: P. Wittko: für Stadt und Catib* und ,Gettchtsjaatt: Ernst petz; für den An­zeigenteil: HanS Beck.

Die yeutige Hlummer umfaßt 16 Serien.

Are Aeberrumpelung der wackeren Stadt Köpenick rmd ihres Bürgermeisters Dr. Langerhams darf lvohl ohne Uebertreibung als ein Triumph des Militaris­mus bezeichnet werden. Der falsche Hauptmann mit dem enormen Kontingent von zwölf riesigen Grenadieren hat durch sein bloßes Erscheinen die Oberhäupter der Stadt eingeschüchtert, tste Polizei aus seine Seite gebracht und die Bevölkerung terrorisiert. Es wäre den Bürgern von Köpenick nicht schwer geworden, den Betrüger mitsamt seinem Fähnlein aus dem Rathause zu iverfen und in das gewiß vorhandene Spritzenhaus zu sperren, wenn sich die Idee überhaupt hervorgewagt hätte, daß man sich einem Hauptmann und Noch dazu einem Hauptmann, der eine kaiserliche Kabinettsordre vvrzeigt, widersetzen könne. Der Sinn für festes Gesetz und festen Befehl, den auch der treffliche Dichter Fontane einmal in einem Gedichtchen ge­priesen hat, ist eben in so hohem Grade Gemeingut der märkischen Bevölkerung geworden, daß der bloße Anblick einer Uniform bereits genügt, um jeden Widerstand, und sei er noch so berechtigt, im "Keime zu ersticken! Und es muß hervorgehoben werden, daß in diesem Falle der Widerstand in der Tat durchaus berechtigt gewesen wäre, ja daß Bürgermeister Dr. Langerhans, als er die militärische Besetzung des Nathaufes duldete, sich einer groben Pflichtverletzung schuldig gemacht hat. Denn der K a i s e r h a t n i ch t d i e B e f u g n i s, i r g e n d- einen Bürger verhaften zu lassen, und eine Kabinettsordre würde in solchem Falle nichts bedeuten. Erstaunlich ist es, daß ein Mann, der seine juristischen Examina absolviert hat und seit einer Reihe von Jahren in der Praxis der kommunalen Verwaltung steht, über die fundamentalsten Bestimmungen unserer Verfassung im Unklaren ist. Wir leben doch nicht in einer Zeit, in der der Wille des Herrschers genügt, um einen Bürger ohne richterliches Urteil einzukerkern. Allerdings war diese Be­fugnis früher lang, lang ist's her vorhanden. Und Fürst Hohenlohe läßt in seinenErinnerungen" den Kaiser alles Ernstes die Frage erörtern, ob er den alten Bis­marck nach Spandau schicken solle ober nicht, und weder Fürst Hohenlohe noch sonst ein Höfling hält es für notwendig, den Herrscher darüber aufzuklären, daß eine derartige Möglichteit überhaupt nicht mehr vorhanden sei Man ist eben allenthalben über Rechte und Pflichten noch sehr ungenügend unterrichtet, und es würde sich empfehlen, daß die Bürgermeister, unter denen ja leider noch mehr Köpenicker Typen sind, sich auf dem Gebiete der Bürger­kunde etwas eingehender orientierten. Der Vorfall, in welchem Dr. Langerhans rte Rolle des leidenden Helden spielt, ist nicht geeignet, in maßgebenden Kreisen den Re­spekt vor unscrm Bürgertum zu erhöhen, und es kann Bet dieser Gelegenheit daran erinnert werden, daß bereits vor Jahren in Breslau von hoher Stelle dieFeig­heit" des Bürgertums gegeißelt wurde. Wenn Dr. Langerhans nur ein bißchen kalt Blut behalten und dem Hauptmann" eine Belehrung darüber erteilt hätte, daß er auch als Träger einer kaiserlichen Kabinettsordre zu einer solchen Gewalttat keineswegs legitimiert fei, so würde wahr­scheinlich dem Betrüger der Mut geschwunden fein, die Mannschaften, die schon zweifelten, würden Bedenken ge­tragen haben, sich ihm fernerhin zur Verfügung zu stellen, und der ingeniöse Gauner hätte an Ort und Stelle fest­genommen werden können. Das wäre kein besonderes Heldenstück gewesen, denn Dr. Langerhans hätte, wenn der Schreck ihm die Klarheit des Blickes nicht getrübt hätte, schon an der Kostümierung des Offiziers in Schärpe und Mütze, die militärisch geradezu unmöglich ist, erkennen müssen, daß er es mit einer.,Bluffer" zu tun hatte. Er verfiel aber sofort in die hitzigsten Phantasien und bildete sich ein, er sei wegen eines erdichteten militärischen Verbrechens beim Bezirkskvmmando denunziert worden, und der Kaiser habe höchsteigenhändig seme Ver­haftung verfügt. Er verlangte seine tapfere Gattin zu sehen, und es ist nur ein Wunder, daß er sich nicht noch durch priesterlichen Zuspruch zu seinem letzten Gang vor­bereitete. Alles dies lediglich, weil ein Hauptmann vor ihm stand und er es nicht riskieren wollte, diesem stolzen Offizier so saugrob zu werden, wie dies seine Pflicht ge­wesen wäre. Jeder Mann, der nur über ein Durchschnitts- quantum von Geistesgegenwart verfügt und über das, was gesetzlich möglich und nicht möglich ist, nur einigermaßen orientiert ist, hätte dem Verbrecher den entschlossensten Widerstand entgegengesetzt, und die Blamage des Dr. Langerhans ist eine Blamage des ganzen preußischen Bürgertums und ein voller Triumph des Milit arismus.

Gleichzeitig beweist der Vorgang, was heutzutage ge­bildete Leute in Preußen für möglich halten. Einfach alles. Es gibt nichts mehr, wovor die, Phantasie zurückscheute, was der gesunde Menschenverstand schlechtweg als un­denkbar eliminierte. Man ist so durchdrungen von der legendären Allgegenwart des Kaisers, daß sich kein Mensch wundern würde, wenn er sich plötzlich in einer Kabinetts­ordre mit dem Bürgermeister von Langsdorf oder dem Beigeordneten von Offenbach beschäftigte. Wir sind an Ueberraschungen so gewöhnt, gegen Plötzlichkeiten derartig abgehärtet, daß die Bevölkerung von Köpenick den sonder­baren Vorgang zwar als eine Sensation empfand, aber überhaupt nicht auf den Gedanken kam, daß er in einem Rechtsstaat eine baare Unmöglichkeit sei. In Scharfmacher- kreisen wird ja die Ueberrumpelung von Köpenick außer­ordentlich angenehm berühren, und man wird in der Vor­stellung schweren, daß es eine KleinigkeL sei, auf einen

eventuellen Befehl des Kaisers hin durch eine minimale Trispp en macht mit dem ganzen modernen Unfug bürger­licher Rechte und Freiheiten aufräumen zu können. Und in der Tat läßt sich ja nicht leugnen, daß die Geduld, die die Köpenicker an den Tag gelegt haben, räum noch als Lammsgeduld bezeichnet werden kann, sondern daß man zu ihrer Charakterisierung sich schon zu anderen zoologischen Bildern versteigen muß. Das preußische Temperament, das noch überdies durch eine jahrhundertelange obrigkeitliche Erziehung zur Sanftmut gedrillt worden ist, eignet sich nicht zu einem Aufbäumen, und wir können mit Genüge tuung darauf Hinweisen, daß auch der Köpenicker Vorfall wieder die militärischen Maßnahmen desblutigen Sonn­tag" unwiderleglich ad adsurdum führt. Auch die So­zialdemokratie wird aus dem Vorfall ihre Lehren ziehen, und Bebel wsird sich noch nachttäglich dazu beglück­wünschen, daß er seine Auffassung vom Massenstreik recht­zeitig modifiziert hat. Die reale Gewalt liegt eben bei der Armee und bei demjenigen, der diese Armee in der Hand hat. Das ist der Kaiser, und diese Tatsache, die nur Voreingenommenheit leugnen kann, ist sehr geeignet, den Gedankengang der Sozialoemottatie In eine ganz bestimmte Richtung zu orangen. Gelingt es ihr nicht, die Armee für sich zu gewinnen, so ist sie für absehbare Zeiten darauf angewiesen, sich an revolutionären Phrasen zu berauschen, tatsächlich aber auf die alleinseligmachende Evolution zu warten.

Wenn in einigen Zeitungen den Soldaten, die der Haupttnann zu seinem Zwecke mißbraucht hat, ein Vorwurf gemacht wird, so ist dies unberechtigt. Der § 7 des Mild- türsttafgesetzes lautet:Wird durcy die Ausführung eines Befehls in Dienstsachen ein Strafgesetz verletzt, so ist da­für der befehlende Vorgesetzte allein verantwortlich." Un­möglich Tann man von den Soldaten fordern, daß sie dem Hauptmann den Gehorsam verweigern sollten, auf die Gefahr hin, sich den schwersten militärischen Strafen aus^usetzen. Und ebensowenig kann man denjenigen Blättern beistimmen, die ber dieser Gelegenheit über Kadavergehorsam dekla­mieren. Der Untergebene muß die Befehle, die er erhält, aus führen, gleichviel, wie er sich innerlich zu ihnen stellen mag. Dieser Grundsatz muß aufrecht erhalten werden, mit ihm steht und fällt die Disziplin der Armee. Eine undis­ziplinierte Armee ist aber nicht mir unnütz, sondern schädlich. Sie ist nicht nur nicht imstande, der Verteidigung des Vater­landes zu dienen, sie ist für das Vaterland die schwerste Gefahr. Aus dem Vorgang in Köpenick eine Acnderung der Gesetzgebung ableiten zu wollen, ist cm durchaus un­gerechtfertigtes unterfangen. Die auswärtige Lage ist wahr­lich nicht dazu angetan, an der Basis der Armee zu rütteln. Gewiß ist das Vorkommnis symptomatisch in mehrfacher Beziehung; es beweist zumal, wie wenig Wider­stand ernstlich absolutistische Gelüste im deutschen Vater­lande finden würden. Zur Agitation gegen die Armee läßt es sich nicht verwenden, und eine solche Agitation ist in Zeiten, wie die unsere, ebenso frivol wie gefährlich.

Bürgermeister Dr. jur. Langerhans, übrigens ein Neffe des Berliner Stadtv.-Vorstehers Dr. mcd. Langer­hans, hat soeben die Konsequenzen feiner Kopflosigkeit ge­zogen: er hat infolge der an den U eher fall auf die Stadtt lasse geknüpften Erörterungen sein Amt nieder­gelegt. Mit seiner vorläufigen Berttetung ist Stadttat Fabarius betraut worden. Der Magistrat aber hat, wie dieser Meldung hinzugefügt wird, dem Bürgermeister ein Ver­trauensvotum ausgesprochen, und es sei anzunehnren, daß die Stadtverordnetenversammlung ihn einstimmig wieder wählen werde. Nun, wir werden ja sehen!

DieNationalztg." meldet, die Mitteilung aus Ham­burg, der Köpenicker Räuber sei identisch mit dem Deutsch- Amerikaner Adolf Miln er, ist unzutreffend. Das in dem Verbrecheralbum enthaltene Bild Milners sei nie­mandem ausgefallen, im Gegenteil erklärten alle, be­sonders darauf aufmerksam' gemacht, er sei nicht der Gesuchte. In dem Verbrecheralbum wurden alle Berbrecherkategvrien durchgesehen, aber nirgends ein bestimmter An­halt gefunden. Die Hamburger Polizei hegt den Verdacht, daß ein internationaler Gauner, der unter dem Minen des Grafen Schliessen sich eine Uniform in Han­nover hat machen lassen, den Köpenicker Ueberfall verübt hat. Wahrscheinlich sei es ein bekannter Hochstapler, ein früherer Fabrikbesitzer. In Berlin ist am Freitag in einem Straßenbahnwagen ein Mann verhaftet worden, der von einigen Passagieren für den falschen Hauptmann gehalten wurde. Ob es sich bei dieser Verhaftung um den Richtigen handelt, steht dahin, da bereits mehrfach Sistierungen statt- fanden, die nicht aufrecht erhalten werden konnten.

Vorläufig muß man jedenfalls an der Verhaftung des genialen Spitzbuben noch sehr zweifelhaft, und cs ist viel­mehr anzunehmen, daß er jetzt mit dem erbeuteten Gelde in tadellosem Zivil umyerläuft, das er sich nachgewiesener­maßen sofort nach der Tat bei einem Konfektionär zulegte, und ob man ihn trotz der ausgesetzten Belohnung von 2500 Mk. jemals erwischt, ist bei dem bekannten Pech der Berliner Kriminalpolizei auch höchst fraglich.

Der NameKöpenick" aber wurde durch ihn mit einem Mal weltbeTannt. Was wußte man früher von diesem ftiUen Oertchen an der Spree weiter, als daß dort die Wäsche der Berliner gewaschen wird,Winter und Sommer mit Rasenbleiche". Und nr:i? Selbst in einem spanischen Blatte, das uns gestern zu Gesichte kam, lasen wir die Schauermär vom Hauptmann von Köpenick.

Ferner erfährt man auch noch allerlei interessante Eiuzel- heilen ausMärkisch Schilda', wie ein Berliner Blatt den UnglückSort getauft hat; so hecht die Straße, in der das Köpenicker Gefängnis liegt, Freiheitsstraße, das Krankenhaus befindet sich in der Kirchhojstraße, sein Direktor hecht Tod,

gewiß kein sehr vertrauenerweckender Name, und was man eigentlich erst jetzt so recht versteht, das Köpenicker Rathaus schmucken über jedem Fenster steinerne Fratzen, an denen man alle Phasen des Lachens studieren kann. Sollte sein Erbauer am Ende gar den genialen Gaunettrick deS Pseudo-Haupt- manns vorausgeahnt haben?

Der Herr Hauptmann wird verschiedenartig beschrieben, die Einen sagen, eS sei ein Mann von 6 5 60 Jahren gewesen, die Anderen behaupten, er sei etwas junger gewesen. Auch gleichgiltig. Jedenfalls war der Hauptmann dem An­schein nach über 60 Jahre alt. Man wird in der Berliner Garnison keinen Hauptmann von 50 Jahren und mehr finden. Jedem Militär mußte ein so alter Hauptmann mit einem eisgrauen Schnurrbart anffallen. Der Herr Haupt­mann war ohne Helm; er war also nicht ordnungsmäßig ad­justiert, um eine militärische Handlung vorzunehmen. Auch daS mußte auffallen. Der Hauptmann hat sich schon am frühen Morgen in Köpenick eingefunden, er beobachtete daS Rathaus und stärkte sich in einem sehr einfachen Restaurant, das Offiziere nicht aufzusuchen pflegen. Die Uniform des Haupt­manns war wenig sauber, inkorrekt; seine militärische Haltung ließ viel zu wünschen übrig, er soll gehinkt, eine schiefe Schulter gehabt haben und doch glückte der unerhötte Gaunerstreich!

Als der Bürgermeister Dr. Langerhans nach der ihm angekündigten Verhaftung fein Amtszimmer verließ, um sich zu der Fahrt nach Berlin umzukleiden, brachte gerade das Hausmädchen für ihn Kaffee und Brötchen. Kaum hatten beide das Zimmer verlassen, als der HerrHaupt­mann^ kurzerhand ftaffee und Brötchen beschlagnahmte und verzehrte. Ein Angestellter deS StadtbauamteS suchte während der Belagerung in ein Zimmer zu gelangen, um einige Pläne zu holen. Der auf dem Korridor aufgestellte Posten drohte, ihn n ied erzu stech en, brachte ihn aber schließlich zu dem Hauptmann. Dieser herrschte ibn nach Vorzeigung einer Legitimation an. Glücklicherweise hatte der junge Mann seinen Militärpaß bei sich, der demHaupt- mann* derart genügte, daß o^r Beamte nun ungehindert im Rathause herumgehen konnte.

Die Potsdamer Behörden sind eifrig bemüht, durch Lokaltermine in Köpenick die dunkle Affäre aufzuklären. So traf der Regierungspräsident von Potsdam mit mehreren Beamten in Köpenick ein. Es erfolgten zahlreiche Vernehm­ungen aller Personen, die nur irgendwie mit dem falschen Hauptmann in Berührung gekommen waren. Ein langes und eingehendes Verhör fand mit dem Bürgermeister Dr. Langerhans und dem Rendanten v. Wiltberg statt. Ebenso wurden die gesamte Gendarmerie und. die Beamten des Köpenicker Magistrats verhört.

Die Stiefel des falschen Hauptmannes sind jetzt eben­falls gefunden worden. Der Verbrecher hat sie in einem kleinen Schuhwaren-Aeschäft neben dem Anhalter Bahnhof zurückgelassen, wo er sich ein Paar neue kaufte. Er bezahlte mit Silbergeld, weil man ihm den großen Schein nicht wechseln konnte. Run ist ja wohl »alles da", nur nicht der Herr Hauptmann selber!

Deutscher Reich.

Bonn, 19. Okt. Der Kaiser nahm heute den Tee bei Frau Geheimrat von Sandt ein. Die Automobilfahrt ging heute nach Gemünd. Von Malsbenden hat der ftaifer die Fahrt auf dem Urftfee mit Motorbooten bis zur Sperre gemacht und im Gasthaus bei der Urfttalsperre das Frühstück eingenommen. D ic Rückfahrt erfolgte über die Burg Nideggen.

Berlin, 19. Okt. Fürst Philipp zu Hohenlohe, an den der Kaiser die beiamrte Depesche wegen der Veröffent-« lichung der Hohenloheschen Denkwürdigiciten richtete, ist von Schloß Podjebrad in Berlin eingetroffen. Er hat u. a. auch den Reichs­kanzler besucht.

Im nächsten Reichst,igsetat soll die Stelle des C h e f s d e r Reichskanzlei in den Posten eines Unter ft aatssekre- t ä r s urngewandelt werden. Der bisherige Chef der Reichs­kanzlei, v. Löbell, würde der neue Unterstaatssekretär sein.

DieNordd. Allg. Ztg." meldet: Die gegen den Bezirks- amtmann in Sokodc, Dr. Kersting, erhobenen schweren Beschuldigungen sind im Auftrage der Kolonialabteilung durch einen preußischen Richter untersucht worden. Durch Ver­nehmung dreier in Deutschland befindlicher, als Zeugen benann­ter Personen sind die Beschuldigungen teils nicht bestätigt, teils widerlegt worden. Zur völligen Aufklärung der Sache sind nock weitere Erhebungen in den Kolonien erforderlich. Da es jedoch nach dem Ergebnis der bisherigen Beweisaufnahme, bei welcher bis auf einen in den Karolinen befindlichen Zeugen sämtliche als Augenzeugen benannten weißen Personen vernom­men find, als ä u ß e r ft u n w a h r f ch e i n l i ch zu bettachten ist, daß eS zu einem strafrechtlichen Vorgehen ober einem förm­lichen Disziplinarverfahren gegen Kersting kommen könnte, fo ist der Genannte, dessen Heimaturlaub Anfang November abläust, angewiesen worden, die Wiederausreise nach Togo mit dem am 9. November von Hamburg ahfahrenden Dampfer an­zutreten.

Nach derDeutschen Tages^tg." wird auch der Bezirksamt­mann von Duala, Regierungsrat v. B r a u ch i tz s ch , der an­läßlich der Beschwerdeschrift der Aqua-Leute schwere Angriffe sich zugezogen hatte und zur Berichterstattung nach Berlin berufen worden war, im November oder Dezember nach Kamerun zurück­kehren.

DieDeutsche Tagesztg." schreibt: Wie unbegründet die Nachttcht über ein angebliches schweres und schmerzhastes Leiden des Herrn v. P o d b i e l s k i war, geht d araus hervor, daß er an demselben Tage, an dem die Gerüchte wieder auftauchten, am 17. Oktober, an der Feier des 80. Geburtstages des Generals! Grafen von Wartensleben in Karow teilnahm.

Braunschweig, 19. Okt. DieBr. Ldsztg." melbet: In der heutigen vertraulichen Sitzung des Landtages ist die Er-