Ausgabe 
19.4.1906 Erstes Blatt
 
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Befehl haben, jeden niederzuschießen, der beim Dieb- st a h l betroffen wird.

Das Erdbeben, hat in San Franzisko die meisten öffentlichen Gebäude, darunter das N a l h a n s, z c r st ö r t. Die elektrischen und Gasleitungen sind abgeschnitten, sodas; die ganze Stadt in Dunkel gehüllt ist. An allen Ecken der Stadt sind Feuersbrünste ausgebrochcn, die großen Schaden anrichten. Es ist unmöglich, die Zahl der Opfer auch nur annähernd festzustellen. Die meisten kleinen Gebänbe der ärmeren Stadtteile liegen in Trümmern, während die modernen Paläste der reicheren Stadtteile der Kata­strophe besser Widerstand entgegensetzen konnten, sie weisen aber viele Riffe aus. 9lu§ den Trümmern hört man laute Hilferufe, doch ist es teilweise nicht möglich, den Perunglüüten Hilfe zu bringen. Die Rettungsarbeiten werden von der gesamten Bevölke­rung ohne Standesunterschied ausgcsührt. 9(u§ den benachbarten Ortschaften eilen Aerzte und Arbeitswillige zur Hilfe; auch die Feuerwehren der verschiedenen Ortschaften sind herbeigeeilt und bemühen sich, des Feuers Herr zu werden. Sakramento liegt eben­falls teilweise in Trümmern. Ob auch andere Ortschaften von der Katastrophe betroffen worden sind, läßt sich infolge der Leitungs­störungen noch nicht seststellen.

Da es an Wasser fehlt, werden die .Häuser in die Luft gesprengt um den Flammen Einhalt zu tun. Ganze Straßenzüge sind durch Trümmerhaufen versperrt. Das Feuer ergreift nacheinander die schönen Häusergevierte von der Market- ftreet, der Hauptstraße San Frmieiseos. Unter den Trümmern eines dieser Gebäude kam au 6) der Eh es der Feuer­wehr um.

Nachmittags wurde hier eine dauernde Drahtverbindung mit der pacifischen Küste wiedererlangt. Ein Glück für San Francisco war es, J>a6 der erste Stvß um 5,13 Uhr die Einwohner bereits weckte. So konnten sie in die Straßen eilen und sahen dort 2 Minuten später beim zweiten Stoß ihre Häuser in Trümmer fallen. Gleichzeitig brachen Flammen aus. Gleichzeitig erhob sich, alles Aiederlegend, eine Springflut vorn Meere über die Unterstadt. Ein ferneres Glück war es, daß in dieser niemand schläft.

Ein Telegramm aus Sacramentv meldet, daß eine drei Meilen lange Strecke der E i s e n b a h n zwischen den Städten Suisun und Benicia versunken ist. Durch 'das Erdbeben wurden 8 Häuserblock des Fabrikviertels, welches den nord- köstlichen Teil von San Francisco bildet, zerstört. Geringerer Schaden wurde in allen übrigen Stadtteilen angerichtet. Die Häuser der ZeitungenCall" undExaminer" sind zerstört. Hunderte von Todesfällen aus iveniger gut gebauten Teilen der Stadt werden gemeldet.

Der Sekretär des Schaßamts, Shaw, erklärte, er werbe sofort 10 Millionen Dollars für die Notleidenden nach San Francisco schicken.

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Kurz vor Schluß der Redaktion erhielten wir noch folgendes Telegramm:

Newyork, 19. April, 1 Uhr nachts. In San Fran­zisko bewachen 2 Regimenter das Eigentum, das die Leute auf die Straße gerettet haben und das viele Millionen Wert besitzt. Ter Bürgermeister von San Franzisko hat ein Rcttungs- komitee gebildet, das sich zunächst hauptsächlich mit der Zufuhr von Lebensmitteln befaßt. 80 Versicherungsgesellschaften haben beschlossen, die bei der Katastrophe entstandenen Verluste bis auf den letzten Pfennig zu bezahlen. Aus Palo Alto (Kalifornien) ist die von dem Eisenbahnkönig Stanford mit einem Auf­wand von mehreren Millionen gegründete Leland-Stanford Universität fast völlig vernichtet.

2 Uhr nachts. In San Franzisko dauerten die Erdstöße den Vor- und den Nachmittag an. Es find zahlreiche Schiffe gesunken. Außer den durch die Zerstörung von 9000 Gebäuden entstandenen Verlusten, die nach einer geringen Schätzung sich auf 100 Millionen Dollars be- laufen, find zahlreiche Menschenleben zu beklagen. In einem Gebäude allein wurden 200 Menschen unter den Trüm­mern begraben, von denen wohl niemand gerettet wird. Nach einer Meldung von Oakland ist die Lage in San Fran­zisko verzweifelt. Die Stadt brennt in allen Teilen. Das Flammenmeer nimmt eine Fläche von 8 Qnadratmeilen ein. Auch ans San Josef wild ein schweres Erd- beben gemeldet.________

Ausstände in Frankreich.

Lens, 18. April. .Heute ist eine geringe Zunahme ber Arbeitswilligen zu verzeichnen. Die Zahl der Aus'-- ständigen-betrug heute 30 000, die der Arbeitswilligen 42 000. Zwischenfälle sind auch neuerdings zu verzeichnen. So griffen Ausständige die Wohnung des obersten Gruben- direktors Reymaix an, als dieser abwesend war. Die zer­trümmerten die Fenster und das Mobiliar. Die Frau des_Direktors mußte durch einen hinteren Ausgang fluchten. Das .Haus des Tirektors wurde durch das recht­zeitige Eintreffen des Militärs vor Plünderung bewahrt. Dagegen war es den Ausständigen vorher gelungen, in den vom Portier des Hauses bewohnten Pavillon einzudringen, wo sie alles'/wajKfie fanden,, zertrümmerten. Vor den entrückenden Truppen wichen die Plünderer erst nach, hartnäckigem Widerstand zurück. Die Ausständigen griffen ?uch einen Zug mit Bergungsmannschaften für Grube 1 in Billy-Montigny an und war sen m i t St ei n en n ach der Kavallerie; mehrere Soldaten wurden leicht oerletzt. Ausständige sollet! heute den Markt in -tetotn geplündert haben.

Paris, 18. 'Mprif. Aus Denan wird gemeldet, daß heute mittag zwischen ausständigen und arbeitswilligen Bergarbeitern blutige R a u f e r e ic n ftattgefunben haben, t'ic Gendarmerie und die Truppen feien nicht im­stande gewesen, die arveitswilligen Bergleute und die Jn- gentenre zu schützen Auch mehrere der letzteren seien arg a n b c [t worden. 1200 Arbeiter sind in den Ban- lrchketten der Bergwerksgesellschaft eiiigeschlossen, toelche von den Ausständigen, re gelrecht belagert werden. - Benn versuch, strbeitswillige in Lens zu schützen, wurde ein

L? r 1 r i- der eine ^Abteilung Soldaten

zur Ausrechterhaltung der Ordnung au einem der Gruben­zugange besehlrgte, niedergeworfen. Eine gegen seinen Kopf geworfene schwere Flasche machte ihn b e f t n n u n q l o s. Es gelang Gendarmen mit Mühe, den lebensgefährlich Verletzten in Sicherheit zu bringen, der bald darauf ver­starb en ist. Ter Minister des Innern Clemeneeau ist nach Lens ab gereift. 1

Leus, 18. Slpril. Während eines Auflaufs versuchte der Deputierte Baslh nn die Ausständigen eine Ansprache zu halten. Er wurde jedoch mit St ein würfen an­gegriffen und mußte sich zurückziehen. Die Aus- ständigen bemächtigten sich der Bahnlinie der Grubeugesellschast, sowie der Wachthäuser auf der Eisen- bahubrücke. Sie häuften hierauf auf dem Wege, den die Kavallerie nehmen musste, Eisenbahnschwellen aufeinander, hielten ferner einen Eisenbahnzug auf und zwangen den Maschinisten, sie nach Lens zu fahren. Die Truppen ver­mögen der Ausständigen nicht Herr zu werden. Der Präfekt verlangt sämtliche verfügbare Truppen, um sie aus alle Punkte des Beckens zu verteilen.

Lens, 18^9Lpril. Tie Vertreter der Gerichtsbehörden fuhren heute in den Schacht 2 der Kohlengrube in Courrißres ein, um

den Zu stand des' Absperrdamms des Cäcilienganges auf der 326 Metersohle feftzustellen, wohin man bisher nicht hat gelangen können. Der StaatSanwalt, dem Ingenieure als Führer dienten, stellte fest, daß der Brand im Iosephinengang nahezu er­loschen ist. Die Gerichtsbeamten gelangten dann, stets von Ingenieuren geführt, nach dem Cäciliengang. Man stellte dort fest, daß ber, ausgeführtc Mspcrrdamm nicht die geringste Ver­änderung aufwies, ja nicht einmal warm nxir, daß daher, wie es scheine, der Brand von vornherein mit dem großen Gruben­unglück nichts zu tun hatte, da das Feuer im Cäcilicngangc in seinen Abspcrrdämmen ciugeschlossen war.

Paris, 18. April. Ungefähr 4000 Setzer beschlossen heute vormittag den Streik bis zum äußersten. Die Bewegung be­ginnt sich auch auf die Provinz auszudehnen. Das unter­irdische. Telegraphen- und Telephonnetz wird militärisch bewacht. Mau befürchtet die Zerschneidung der Drähte durch streikendes P o st - H i l f slp er so n a l.

Grenoble, 18. April. Zwischen Streikenden und ArbeitA- willigen der W e b e r e i e n in Voiron fand ein blutiger Zu­sammenstoß statt. Gendarmerie und Truppen mußten ein- ichreiten, wobei ein Gendarm und mehrere Arbeiter v e r w u n d e t wurden. Die Zahl der Stteikenden beläuft sich auf 4000. Weitere Truppenverstärkungen sind zur Aufrechterhaltung der Ruhe nach Voiron entsandt worden.

Deutscher Oberlehrertag.

(Unberechtigter Nachdruck verboten.)

H. F. Eisenach, 18. April.

Im HotelFürstenhof" wurde heute der zweite Deutsche Oberlehrertag abgehalten. Es waren etwa 500 Direktoren und Oberlehrer aus allen Teilen des Reiches eingetroffen. Nach mehreren Begrüßungsreden bemerkte der Vorsitzende Prof. Baetgen: Einem großen Teile der Versammelten sei es vergönnt gewesen, heute früh den Kaiser zu be­grüßen. Er schlage vor, dem Monarchen folgende Drahtung nach der Wartburg zu senden:

Die zum 2. Verbandstag in Eisenach versammelten aka­demisch gebildeten Lehrer Deutschlands ertauben sich, Ew. Majestät ehrerbietigsten Huldigungsgruß und das Ge­lübde unverbrüchlichster Treue zu entsenden."

Der Vorschlag fand einstimmige Annahme. Professor Baetgen erstattete dann den Geschäftsbericht. Die Zahl der Verbaudsmitglieder sei von 12500 seit dem ersten in Darmstadt ab geh alten en Verbands tage auf 15 000 gestiegen. Ein sehr großer Teil akademisch gebildeter Lehrer stehe allerdings dem Verbände noch fern. Es fei bedauerlich, daß Professor Tr. Paulsen-Berlin krankheitshalber am Erscheinen verhindert sei. Ter Vorstand habe Abstand genommen, die auf dem Verbandstag zu Darmstadt gehaltene 9iede des Prof. Dr. Paulsen den Regierungen zugehen zu lassen, da sich der Verband nicht in allen Teilen mit dem Inhalt der Rede einverstanden erklären konnte. Ter Verband müsse alle politischen imd konfessionellen Fragen grundsätzlich ausschließcn.

Direktor Dr. Keller-Frankfurt a. M. sprach hierauf über: Die Aufgaben des höheren Lehrers eine Kunst auf gelehrter Grundlage. Man hält vielfach das Unterrichten für das leichteste. Jeder Manu, der eine Frau heiratet, die ihm Kinder schenkt, glaubt die vollste Befähigung als Erzieher zu haben. Nein, der Unter­richt und die Erziehung ist die größte Kunst. Wir müssen dem Jugendübermut seinen Lauf lafseu .Wenn wir letzteren einzwängen, dann bricht er in ungesetzlicher Weise durch. Wenn Goethe noch lebte und Weimarischer Minister wäre, daun wäre er ja zweifellos unter uns. (Heiterkeit.) Der Redner rügte im weiteren die in England noch bestehende Prügelstrafe in der Schule und die Zeitvergeudung, die durch das Präparieren usw. geschehe. Mögen die akademisch gebildeten Lehrer stets int Auge haben, daß sie die Bildner des zukünftigen Geschlechts und daß sie berufen sind, in vorderster Reihe an der Zukunft des deutschen Volkes mit­zuarbeiten.

Nach einer kürzen Panse sprach Prosessor Tr. Hart-- m an n -- Leipzig^ über: Die Hygiene und die höhere Schule. 6070 Proz. aller zum einjährig-freiwilligen Militärdienst Berechtigten seien für den Militärdienst un­tauglich. Schuld hieran haben die Erkrankungen des' Nerven­systems und des Herzens. Dringend notwendig sei die Anstellung von Schulärzten in alten Schulen. Die Schul­hygiene müsse schon auf der Universität gelehrt werden. Er ersuche, folgender Erklärung zuzustimmen:

Tie Schulhygiene ist ein notwendiger Bestandteil in der Vorbildung der Kandidaten zum höheren Schul- nnit."

Tie Erklärung gelangte einstimmig zur Annahme.

Direktor Dr. Bldck Wimpfen betonte in längerem Vortrage die Notwendigkeit, den höheren Lehr erstand mit anderen akademisch gebildeten Berufs­ständen nach, Ri Ian g und Gehalt in staatlicher Be­ziehung g7eich zu bewerten. Ter Redner führte aus: Die Lehrer seien die Bildner der den gebildeten Kreisen an­gehörenden Jugend. Die soziale Hebung des akademischen Lehrerstandes sei daher eine dringende Notwendigkeit, da sie wesentlich zur Hebung des Ansehens der höheren Lehr­anstalten beitragen. Die Lehrer, die weit über ihre Pflicht hinaus für die geistige und körperliche Bildung der ihnen anvertrautcn Schüler durch Schulausflügc uftv. handeln, die sich mit Freuden durch Wirken an den Auslands schulen in den nationalen Dienst stellen, die das festeste Bollwerk gegen die Umsturzbestrcbuugeu der Feinde des Staates feien, haben ein volles Recht, zu verlangen, mit den anderen akademisch gebildeten Berufsständen nn Rang und Gehalt gleichgestellt zu werden. (Lebhafter Beifall.,

Es wurde alsdann für den in den Osterferien 1908 abzuhaltenden Verbands tag Braunschweig gewählt. Da­nach wurde der zweite Oberlehrertag geschlossen.

Aom Vesuv.

Neapel, 18. April. Aschenregen wird nur aus Semma gemeldet. Nachgelassen bezw. ganz aufgehört hat derselbe in St. Anastasia, Ottajano und Cereola. Ueberhaupt ist eine ständige Abnahme der Eruptionscrschcinungen zu ver- zeichuen. Die Frciküchcn arbeiten überall zur Zufriedenheit. Die 9(ufrnumung§arbciien schreiten rüstig fort. In Ottajano wurden zwei Greise noch lebend unter den Xrümmern hervorgezogcu. In San Giuseppe wurden 126 Leichen geborgen, eine große Menge Leichen liegt dort noch unter den Trümmern. Die in Verwesung übergegangcnen Leichen verbreiten einen schrecklichen Geruch und erschweren die Rettungsarbciten.

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N om, 18. April.(Sortiere della Sera" kommentiert die Beileids notc des deutschen Botschafters wie folgt:

Mit großem 63 c i ü h I nehmen wir von dieser Note Kennt- »ns. Sie kommt spät, aber besser spät als gar nicht, nach­dem alle Regierungen sich beeilt hatten, Italien ihr Beileid aus- zudrneken. Das Stillschweigen DentschlandS gewann den Charakter unverliältniSrnäßiger Schwere. Jetzt ist bas ivicbcr gut gemacht, obwohl bas p e r s ö n l i ch e B e i l e i b dcs Kaisers fehlt,

baS sonst gehört worben wäre itnb bas jetzt nach bem Telegramm nn Golnchowsky bcfonberc Bebentnng gehabt hatte. Wir wollen aber zufrieben sein, Paß jetzt wenigstens bic Formen gewahrt sind mW vertranen daraus, daß sich allmählich die M i ß v e r st ä n d - nisse klären »verden anstatt znzunehmen. Dazu gehört dan unsere Alliierten b c f f c r die Pflichten begreifen die uns unsere Spezial-Llbmnchungen anserlcgeii und daß die italienische Presse eine Sprache annimmt,-die von gutem Geschmack und Patriotismlis diktiert wirb.

Aus Stadt unS Land.

Gießen, den 19. April 1906.

2)er Kaiser in Schlitz. Nach einem uns vom Schützer Boten" zugegangenen Privattelegramme erfolgte bie Ankunft S. M. bc5 Kaisers mit kleine,n Gefolge in- Schlitz gestern nachmittag 3/45 Uhr mittelst Postzugs. Die am Bahnhof aufgestellte Kurkapelle intonierte beim Einlaufen be§ Zuges bie Kaiserhymne. Der Kaiser würbe von bem reg. Grafen, bem Grafen Wilhelm unb bem Bürgermeister Zinßer empfangen unb fuhr alsbalb burch bie geschmückten Straßen in einer gräflichen Hofkutsche in Begleitung ber Grafen zum Schloß. Er würbe von ber zahlreich zusammen- geströmten Vevölkerung lebhaft begrüßt. Die Vereine unb bie Feuerwehr bilbeten vom Bahnhof bis zum Schloßberg Spalier. Heute vormittag 8 Uhr legte ber Kaiser einen Kranz am Grabe ber hochseligen Gräfin Sofie nieder. Für den Nachmittag ist ein Ausflug auf den Eisenberg in Aus­sicht genommen.

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Wie wir aus bester Quelle erfahren, kommt Seine Majestät der Kaiser diese Woche unb in ben ersten Tagen der nächsten Woche bestimmt nicht nach Gießen. Für später ist noch keine Entschließung getroffen.

Einen WitterungS um schlag brachte uns heute vormittag gegen 10 Uhr ein Gewitter, bas mit ziemlich heftigem Regen verbunden war. Da der Barometer ununter­brochen fällt, ist anzunehmen, daß die seitherigen sonnigen Frühjahrstage durch trübe unb kühlere Tage verdrängt werden.

** Zur Rechtsanwalt schäft zugelassen wurden 6)erichtsassessor Karl Holzapfel zu Altenstadt bei bem dlmtsgericht Ortenberg; Gerichtsassessor Karl Qhnacker zu Grünberg bei bem Amtsgericht Butzbach; Gerichtsassefsor Dr. Erich Salfelb zu Mainz am Landgericht der Provinz Rheinhessen; Gerichtsassessor Herrn. Kalbhenn aus Burg- Gräfenrobe bei bem Lanbgericht ber Provinz Starkenburg und bem Amtsgericht Darmstadt I; Gerichtsassesior Dr. Rudolf König zu Gießen bei bem Amtsgericht Offenbach unb der Kammer für Handelssachen zu Offenbach; GerichtZasseffor Dr. Theab. Metz zu Alsfelb bet bem Amtsgericht Lorsch und Gerichtsaffeffor Dr. Nathan Stein zu Mainz am Lanb­gericht ber Provinz Nheinhessen. Rechtsanwalt Dr. Martin Härr zu Darmstadt hat die Zulassung zur Rechtsanwalt­schaft bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg auf­gegeben.

§ Großen-Linben, 19. April. (Drahtbericht.) Bei ben Wieber her st ellungSar beiten im Innern der hie­sigen Kirche stieß man heute vormittag unter bem Altar auf ein Grabgewölbe, in bem sich noch gut erhültene Skelettreste befanben. Dem Denkmalsrate würbe von bem Funbe Mitteilung gemacht.

.Darmstadt, 18. April. Am Freitag veranstalten die Vereinigten Liberalen imKaisersaal" hier eine öffentliche Wählerversammlung, in welcher außer dem Kandidaten Pfarrer Korell der zweite Vorsitzende ber liberalen LanbeSpartei für Elsaß-Lothringen, Chefrebakteur Gg. Wolff-Straßburg, sprechen wird. Die liberale LanbeZ- partei in Elsaß-Lothringen unffaßt Liberale aller Schattie­rungen, von den Nationalliberalen bis zu den Demokraten. Auch Landtagsabg. Juftizrat Dr. Gut fleisch wird in dieser Versammlung für die Kandidatur Korell sprechen.

Darmstadt, 18. April. ©. &. der Fürst zu Solms- H o Hensolms-Lich kehrte' heute abend nach Lich zurück, die Fürstin mit den Kindern verbleibt bis morgen im Neuen Palais.

Offenbach a. 2)L, 18. April. In der Nacht auf den 17. b. Mts. gegen 101/, Uhr, als ein Wächter der Frank- itrter Wach- und Schließgesellschaft, Filial-Inspektion Offenbach a. M., den Neubau Feistmann, Kornerstraße revi­dieren wollte, wurde er von mehreren Strolchen überfallen und durch einen Schuß in den linken Arm schwer oer* letzt. (Frkf. Ztg.) ZI

* K l e i n e T a g e st ch r v n i k. In B e r l i n ist derReck- nuugsrat unb Ren baut beim königl. Seilyamt Robert Oste r- mann, wegen Unterschlagung im Amte verhaftet unb in bas^ Unterjüchungs - Gefängnis eingeliefert worben. Der in Dessau verstorbene Herzogl. Kammermusikus a. D. Leopold Lehmann hat der Stabt 100 000 Mark vermacht.

iüinft und Wissenschaft.

Chr istiania, 18. April. Baronin Bertha V. Sutt- 11 er hielt heute in Gegenwart bes> Königs, ber Mitglieber ber Regierung unb "bed1 Storthings, sowie des biplomatischen KorpÄ ben mit ber Zuerkennung bes Nobelfriedensprei- s c S ticrbimbcncn Vortrag, ben sie int verflossenen Winter zu halten verhinbert imir. Björnsijerue B j o rnson leitete bic Feierlich­keit mit einer kurzen Ansprache ein. Der Vortrag, welcher bie Entwickelung ber Friebcusbewegung bchanbelte, wurde mit großem Beifall ausgenommen. An bie festliche Zusammenkunft schloß ich ein Mahl beim Präsidenten des Nobelkomitees, Minister des Aeußercn Lövland, an.

Arbeiterbewegung.

Weiße usclS (Saaley 18. Avril. Im mitteldeutschen Braunkohlengebiet hat sich die Lage heute verscküirft. Bon ber Gesamtbelegschaft von 13 454 Mann sinb 4337 ausstänbig.

Rom, 18. 9ßprt(. In Calimera, Provmz Lecce, kamen in­folge eures 9lusstanbcs Ruhestörungen vor. Die Stteikenden warfen eine Bombe gegen b a s Gc m c i n b c hau s. Mehrere Polizeibcamte unb ber Sohn bes Bürgermeisters mürben ver - mitnbet Ms Karabinicri mehrere Verhaftete nach! bem Ge­fängnis bringen wollten, versuchte bic Menge bic Verhafteten zu befreien unb warf mit Steinen. Hierauf schossen bic Karabinicri, wobei mehrere Personen verwunbet nxurben.

Gerichtssaal.

Münster, 18. April. T i v i s i o u sp f a r rcr Ba ch stc in- Minbeu würbe vom hiesigen Obcrkriegsf;cricht, an welches bas Reichsmilitärgericht am 3. Marz bie bekannte Angelegenheit ber Osnabrücker Rebe zurückverwicscn hatte, zu einem Tage Ge­fängnis verurteilt.